Corporate Action

Was passiert mit Zertifikaten und Optionsscheinen?


Immer wieder kann es während der Laufzeit eines Zertifikats oder Optionsscheins zu einer sogenannten Corporate Action kommen. Dabei handelt es sich in der Regel um einen Aktiensplit, die Zahlung von Sonderdividenden, Kapitalerhöhungen, Fusionen oder eben auch Übernahmen. In einem solchen Fall passt die entsprechende Bank die Kennzahlen des Optionsscheins/Zertifikats an, sodass für den Besitzer dieses Produkts keine Nachteile gegenüber den Aktionären entstehen. Bei der Art der Anpassung richten sich die Banken nach den Vorgaben der jeweiligen Referenzbörse für die betreffenden Scheine. Bei Übernahmen kann es jedoch durchaus zu Benachteiligungen kommen, wie ein aktuelles Beispiel zeigt:
Es geht um die Übernahme von Celgene durch Bristol-Myers Squibb. Den Celgene-Aktionären wurden als Gegenleistung pro eigener Aktie ein Papier von Bristol-Myers Squibb, 50 US-Dollar in bar sowie eine Art Besserungsschein (sogenannter CVR) angeboten. Der Wert des Besserungsscheins ist an bestimmte Meilensteinerfolge für neue Celgene-Medikamente geknüpft. Er ist also eine Art Bonuszahlung und wird separat an der Börse gehandelt.
Die Anpassung der auf Grundlage der Celgene-Aktie emittierten Produkte erfolgte durch die Emittenten allerdings unterschiedlich, aber immer im Einklang mit der US-Terminbörse OCC. Dabei lässt sich nicht sagen, welche der gewählten Anpassungsoptionen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung „gut“ oder „schlecht“ für den Anleger war. Die meisten Emittenten entschieden sich dafür, den Wert der alten Celgene-Produkte als oben genannten Basket zu berechnen. Ein Emittent „verkaufte“ den Besserungsschein und reinvestierte diesen „Verkaufserlös“ zusammen mit der Bar-Komponente, um zusätzliche Bristol-Myers Squibb Aktien zu kaufen. Auch wenn diese Vorgehensweise nicht der OCC-Anpassung entspricht, so ist sie durchaus nachvollziehbar. Die Vorgehensweise der Investmentbank Goldman Sachs dagegen war völlig willkürlich. Sie stellte einfach eine Woche lang keine Kurse und kündigte schließlich die Turbo-Zertifikate, weil ihrer Meinung nach keine der „vorzunehmende(n) Anpassung(en) zu einem wirtschaftlich angemessenen Ergebnis führen würde“. Optionsscheine wurden hingegen auch von Goldman Sachs gemäß OCC angepasst.
Es ist nicht nachvollziehbar, warum von einem einzigen Emittenten, in diesem Fall von Goldman Sachs,  das vermeintlich einfachere Produkt gekündigt wird, während das komplexere Produkt (Stichwort Implizite Volatilität, Korrelation von Aktie und CVR) umgestellt wird. „Es gibt keine speziellen Gesetze für Zertifikate, das ist wie Wilder Westen“, hatte schon vor Jahren der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp kritisiert und damit auf den  Missstand hingewiesen. Doch noch immer schreiben die Emittenten in die Wertpapierprospekte, „was sie wollen“. Daher ist leider auch künftig damit zu rechnen, dass  Goldman Sachs die Chancen der Anleger durch willkürliche Kündigungen beschneiden wird. Es wäre dann nicht das erste Mal!