GFT Technologies SE

Die GFT Technologies SE verzeichnete nach vorläufigen Zahlen einen Umsatzrückgang von einem Prozent auf 418,8 Mio. Euro. Allerdings lag der Umsatz damit leicht über der letzten Umsatzprognose von 415 Mio. Euro. Der Geschäftsbereich Continental Europe steigerte den Umsatz im Geschäftsjahr 2017 um 11 Prozent auf 222,5 Mio. Euro. Besonders erfreulich verlief dabei das Geschäft in Spanien und Deutschland. Der Geschäftsbereich Americas & UK wies dagegen einen Umsatzrückgang um 11 Prozent auf 195,4 Mio. Euro aus.
Restrukturierungsaufwendungen und negative Währungseffekte belasteten den Ergebnisausweis und so ging das EBITDA um 27 Prozent auf 34,3 Mio. Euro zurück. Beim Ergebnis vor Steuern kam es sogar zu einem Einbruch von 33,1 auf 18,1 Mio. Euro. Aufgrund einmaliger Sondereffekte wird die Steuerquote vermutlich lediglich bei 2 Prozent liegen. Durch diese Steuererstattungen in Spanien verringert sich der Jahresüberschuss nur von 24,2 auf 17,8 Mio. Euro. Das Ergebnis je Aktie gab entsprechend auf 0,68 Euro nach. Trotzdem sollen die Aktionäre eine unveränderte Dividendenausschüttung von 0,30 Euro je Aktie erhalten. Für das laufende Jahr rechnet das Management mit einem Umsatz zwischen 400 und 420 Mio. Euro sowie einem Ergebnis vor Steuern von mindestens 25 Mio. Euro.

Grammer AG

Die Grammer AG erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 eine Umsatzsteigerung von gut 5 Prozent auf 1,79 Mrd. Euro. Dies bedeutete bereits den siebten Rekordumsatz in Folge. Der Umsatz im Segment Commercial Vehicles stieg deutlich um 14 Prozent auf rund 0,54 Mrd. Euro. Auch das Segment Automotive verzeichnete nach hohen Wachstumsraten in den Vorjahren ein diesmal geringeres Wachstum von fast 2 Prozent auf rund 1,29 Mrd. Euro. Das operative EBIT legte um gut 17 Prozent auf rund 80 Mio. Euro zu. Die operative EBIT-Marge stieg von 4,0 auf 4,5 Prozent und lag damit auch über der im Oktober veröffentlichten Prognose. Das EBIT ging dagegen von 73 auf 65 Mio. Euro zurück, da das Ergebnis durch hohe Sonderbelastungen sowie durch Wechselkurseinflüsse negativ beeinflusst war. Für das laufende Jahr erwartet das Management eine weitere Steigerung bei Umsatz und operativer Profitabilität.

PATRIZIA Immobilien AG

Die PATRIZIA Immobilien AG erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis von 82 Mio. Euro, was gegenüber dem bereinigten Vorjahresergebnis einer Steigerung um 14 Prozent entspricht. Zudem konnte die Gesellschaft durch ein erfolgreiches viertes Quartal die Prognose von "etwas mehr als 75 Mio. Euro" übertreffen. Grund für diese positive Entwicklung sind vor allem die über dem Plan liegenden Einnahmen von leistungsabhängigen Gebühren aus dem erfolgreichen Management von Immobilieninvestments sowohl für internationale institutionelle Investoren als auch private Investoren. Auch die Assets under Management erhöhte sich um 12 Prozent und damit stärker als erwartet. Inklusive dem Dachfondsanbieter PATRIZIA Multi Managers belief sich das verwaltete Immobilienvermögen Ende 2017 auf 21,9 Mrd. Euro. Zuzüglich der jüngsten Akquisitionen wird sich das verwaltete Immobilienvermögen auf rund 38 Mrd. Euro erhöhen. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet PATRIZIA auf dieser Basis ein operatives Ergebnis in der Größenordnung von 85 bis 100 Mio. Euro.

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Täglicher Börsenbericht

DAX mit Minus in den Handelstag

Der deutsche Leitindex zeitweise unter 12.400 Punkte

Analysten hatten heute erwartet, dass der DAX um ein halbes Prozent tiefer zum gestrigen Schluss in den Handelstag startet - und so ist es auch passiert. Der deutsche Leitindex kommt heute kaum bis gar nicht vorwärts und rutschte zeitweise sogar unter die 12.400 Punkte-Marke. Die Gewinne des gestrigen Tages wurden wieder eingebüßt. Das könnte auch an den unklaren Vorgaben der Wall Street liegen. Der Dow Jones hatte gestern seinen Verlust weiter ausgebaut, der Nasdaq dagegen schloss leicht im Plus. 
Gestern startete Venezuela mit ihrer eigenen Kryptowährung "Petro". Die von den Ölreserven des Landes abgesicherte Währung soll wieder den Zugang zu den internationalen Finanzmärkten ermöglichen. 

Mehrere Analysten haben ihre Kaufempfehlung für die Versorger E.on und RWE bekräftigt und die Kursziele leicht angehoben. 

GFT profitierte im letzten Jahr von einer niedrigeren Steuerquote und konnte die Erwartungen deutlich übertreffen. 

Das Papier des Pharma- und Laborzulieferers Sartorius bekommt deutlich Rückenwind von den vorgelegten Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr. Zudem gab der Konzern gestern die Anhebung der Dividende bekannt. 

Das Biotech-Unternehmen Medigene kann einen wichtigen Fortschritt bei der Entwicklung einer Krebsimmuntherapie vorweisen.

Auch die Puma-Aktie könnte von einer Hochstufung durch Analysten profitieren. 

VW hat vor dem zuständigen Gericht im Bundesstaat Virginia eine Schlappe erlitten, eine Verschiebung der Prozesse wurde nicht gewährt. Der Prozessauftakt in Sachen Dieselaffäre ist für den 26. Februar geplant.

Die Dt. Börse konnte ihren Nettogewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr steigern. Man will der Hauptversammlung eine um 0,10 € höhere Dividende als im letzten Jahr vorschlagen. 

Telefonica Deutschland will den Umsatzschwund durch stärkere Internetnutzung und stabilere Preise stoppen. 

Mit besseren Ergebnissen als erwartet konnte MTU aufwarten. Der Triebwerksbauer will dementsprechend auch seine Aktionäre mit höheren Dividenden erfreuen. 

ÖMV konnte im vierten Quartal seinen Überschuss dank gestiegener Ölpreise verdoppeln, auch die Dividende will der österreichische Ölkonzern anheben. 

Auch der Schweizer Rohstoffhändler Glencore konnte im vergangenen Geschäftsjahr Ebitda verbessern - jedoch wird gleichzeitig vor einem aufkommenden Inflationsdruck gewarnt. 

Auch Iberdrola konnte mit einem über Erwartungen liegenden Ergebnis auftrumpfen. 

Qualcomm lässt nicht locker und hat sein Angebot für den Konkurrenten NXP erneut erhöht. 

 

Auslandsfavoriten

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Randnotizen

Anleger könnten bald Gelegenheit bekom- men, einen der weltgrößten Musikstrea- ming-Dienste zu kaufen. Heimlich und leise hat sich die schwedische Spotify AB bei der US-Börsenaufsicht SEC registrieren lassen und damit die Voraussetzung für einen baldi- gen Börsengang geschaffen. Das Unterneh- men verzichtet dabei auf ein kostspieliges IPO und strebt das Direct-Listing an. D.h., es werden keine neuen Aktien platziert, son- dern nur die vorhandenen Aktien frei in den laufenden Börsenhandel gegeben. So machen die Altaktionäre zunächst Kasse. Auch können Firmenübernahmen leichter gestemmt werden, indem man mit eigenen Aktien bezahlt. Erst im Dezember wurde mit der stark expandierenden chinesischen Tencent Music Entertainment (TME) ein gegenseitiger Aktienswap über 10 % vereinbart. Die mit 10 Mrd. $ bewertete TME will noch in diesem Jahr selbst mit einem Börsengang mehr als 1 Mrd. $ am Markt einsammeln. Geld, das auch Spotify zugutekommt. Mit über 140 Mio. aktiven Nutzern und über 70 Mio. Abonnenten – ein Abo kostet zwischen 10 und 15 $ pro Monat – ist Spotify nicht nur der größte, sondern auch der am schnellsten wachsende Musikstreamer der Welt. In einem Zeitraum, in dem Spotify 45 Mio. zahlende Kunden dazugewinnen konnte, kommt Apples Musikableger Apple Music gerade mal auf insgesamt 30 Mio. neue User.

Der geplante Börsengang erspart Spotify überdies beträchtliche Zinsen für die Bedie- nung einer 1 Mrd. $ schweren Wandelanlei- he mit einem Zinsfuß von 5 %. Bei einem Börsengang können die Gläubiger ihre For- derungen samt Zinsen in Spotify-Aktien um- tauschen. Die Börse wird es zeigen, welche Musik Spotify in Zukunft spielen wird. 

Bei der TLG Immobilien AG, in der seinerzeit die gewerblichen Immobilien der ehemaligen ostdeutschen Treuhand-Gesellschaft gebündelt wurden, ist in der letzten Zeit eine Menge los. Erst übernahm TLG die WCM und schaffte damit den Sprung nach Westdeutschland. Nun könnte der aktive Investor in deutsche Handelsimmobilien mit Schwerpunkt Lebensmitteleinzelhandel selbst zum Übernahmeziel werden. Denn die Berliner haben sich durchaus gemausert. Sie könnten bald auf dem Markt für Gewerbeimmobilien eine ähnliche Rolle spielen wie Vonovia im Bereich Wohnimmobilien. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten.

Am vergangenen Freitag meldete die Ouram-Holding mit Sitz in Luxemburg, dass sie die Kontrollmehrheit an der TLG Immobilien übernommen habe und Gespräche zur Beteiligung anderer institutioneller Investoren an der Transaktion führe. Wenige Stunden später korrigierte sie diese Meldung – aber nicht etwa, weil sie die Lust verloren hätte, sondern wohl eher Probleme mit der deutschen Begrifflichkeit im Sinne von Aktienrecht und Wertpapierübernahmegesetz hat. 

Das ist ja auch schwierig. Schon die deutschen Marktteilnehmer haben so ihre Probleme mit den Termini und den Meldepflichten, wie mag es da erst den ausländischen Investoren gehen. Fakt ist, dass die Ouram-Holding des israelischen Immobilieninvestors Amir Dayan am 17. Januar 23 Mio. Aktien an TLG hielt, was 4,51 % der Stimmrechte entspricht. Zusätzlich sicherte sich Dayan per Kaufvertrag mit verzögerter Lieferung weitere 18,03 % der TLG-Anteile. Diese werden bis zum 17. April 2018 auf ihn übergehen. Dann hält Ouram knapp ein Viertel der Anteile an der Immobiliengesellschaft, nämlich exakt 22,54 %. 

Nach deutschem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG) hat die Ouram-Holding damit zwar mehrere meldepflichtige Schwellen erreicht und überschritten, wird aber zunächst knapp unter der Sperrminorität von 25 % bleiben. Sie ist ein Spezialfall eines Minoritätsrechts, mit der Beschlüsse einer Gesellschafterversammlung verhindert werden können, die 75 % der Stimmrechtsmehrheit erfordern. Hierzu zählen z.B. Satzungsänderungen, Kapitalmaßnahmen oder auch Abschlüsse, Änderungen oder Beendigungen von Unternehmensverträgen, insbesondere Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge. 

Aber erst wenn ein Aktionär 30 % des stimmberechtigten Kapitals erwirbt, hat er lt. WpÜG die „Kontrollmehrheit“ erlangt. In diesem Fall muss er den übrigen Aktionären eine Ausstiegsmöglichkeit geben und ein angemessenes Angebot zum Ankauf ihrer Aktien abgeben. Die Quote von 30 % wurde gewählt, weil mit diesem Anteil bei einer Hauptversammlung meist schon die absolute Mehrheit der anwesenden Stimmrechte erreicht wird. Der Großaktionär hat damit das Sagen im Unternehmen. Das Angebot wird fällig, weil die Anleger ihre Aktien vormals unter anderen Voraussetzungen gekauft hatten. Sie sollen nun die Möglichkeit erhalten abzuwägen, ob sie unter den neuen Bedingungen weiterhin ihre Anteile behalten möchten oder lieber gegen eine angemessene Abfindung aussteigen. 

Schon mit ihren 22,54 % wird die Ouram-Holding größter Aktionär bei TLG Immobilien werden. Woher das Paket stammt, ist nicht bekannt. Größter Aktionär der TLG ist bislang die Adar Capital Partners, ein Hedgefonds mit einer Adresse ebenfalls in Jerusalem. Er wird von dem israelischen Manager Zev Marynberg verwaltet. Noch am Donnerstag letzter Woche hatte er seine Beteiligung mit 16,8 % angegeben. Weitere größere Pakete liegen bei der börsennotierten DIC Asset (15,1 %) und dem singapurischen Staatsfonds GIC (9,25 %).

Natürlich hat die fehlerhafte Meldung von Ouram-Holding auch die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin auf den Plan gerufen. Aber abgesehen von der rechtlichen Beurteilung zeigt die Marktmitteilung des Israeli möglicherweise seine eigentliche Zielrichtung an, nämlich die Kontrollmehrheit bei der TLG Immobilien AG zu erlangen. Es dürfte also nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es soweit ist.

Spezial

Im Rahmen der Neuregelungen wurden auch die Tickgrößen für Kurse von Aktien und ETFs angepasst. Nach unten stehender Tabelle der Europäischen Union (Amtsblatt v. 31.3.2017) wurden in Abhängigkeit von der Liquidität eines Wertes die Euro- bzw. Cent-Schritte, in denen dieser gehandelt wird, von den Börsen neu festgelegt. Dabei wurden die jeweiligen Transaktionen der einzelnen Aktien im letzten Jahr zugrunde gelegt. Da aber die Liquidität einer Aktie an den verschiedenen Börsenplätzen unterschiedlich hoch ist, kann ein- und dieselbe Aktie an verschiedenen Börsenplätzen in unterschiedlichen Liquiditätsbändern geführt werden. Für den Anleger ist jedoch kaum erkennbar, in welchen Kursschritten eine Aktie gehandelt wird. Das muss er über den Händler seiner Bank bei den einzelnen Börsenplätzen erfragen. Beim Online-Handel muss der Anleger derzeit noch nach Gefühl agieren und probieren, ob seine Order vom System angenommen wird oder nicht (s.S. 2/3).

Beispiel:

Die Stamm- und Vorzugsaktien der Effecten-Spiegel AG sind an den Börsen Stuttgart und München im Freiverkehr notiert. An einem Börsentag kommt es im Durchschnitt zur Abwicklung von 0 bis 10 Handelsgeschäften (niedrigstes Liquiditätsband). Der Kurs ist im Bereich zwischen 10 bis 20 Euro einzuordnen. Damit werden beide Aktiengattungen in einer Spanne von 0,10 Euro gehandelt. Steigt der Kurs der Aktie über
20 Euro, würde diese zwar noch im selben Liquiditätsband geführt, aber ein anderes Preis-Band erreichen und in Schritten von 0,20 Euro an der Börse gehandelt werden.

Nach dem anlegerfreundlichen Urteil des Landgerichts Köln vom 20.10.2017 (Az.: 82 0 11/15) zur Postbank-Übernahme wollte die Deutsche Bank mit allen Mitteln verhindern, dass diese Entscheidung vom OLG Köln in dem ursprünglichen Effecten-Spiegel-Verfahren bestätigt wird. Schließlich musste sie fürchten, dass eine solche juristische Bestätigung von Nachzahlungsansprüchen durch die nächsthöhere Instanz eine Initialzündung für weitere Klagen ehemaliger Postbank-Aktionäre bis zum Ablauf der Verjährungsfrist am 31.12.2017 auslöst. 

Zwar konnte die kurzfristige Neubesetzung des 13. Zivilsenats des OLG Köln diesen worst case für die Deutsche Bank verhindern, die Klagewelle aufhalten konnte sie jedoch nicht. Dafür sorgte schon die ausführliche Berichterstattung des Effecten-Spiegel. So klagt allein der ES-Anwalt Dr. Oliver Krauß aus München für 31 deutsche und internationale Investoren rund 740 Mio. Euro Nachzahlung ein. Das dürfte zwar der größte Batzen sein, aber mit den Klagen der DSW und anderen Aktionärsvertretern werden sich die Forderungen insgesamt wohl auf eine Milliarde Euro summieren. Zusammen mit den laufenden Spruchverfahren zur Überprüfung der Angemessenheit der Barabfindung beim späteren Squeeze-out erhöht sich damit der Druck auf die Deutsche Bank von Tag zu Tag, die nun die Aktionäre nicht mehr einfach wie lästige Läuse abschütteln kann. Das jedenfalls hat nicht geklappt!

Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Der Viceroy-Fluch nahm im Dezember 2017 an der Börse in Johannesburg seinen Anfang, als eine umfangreiche Studie mit dem Titel „Steinhoff’s Skeletons“ (Die Leichen im Keller von Steinhoff) des unbekannten Analysehauses Viceroy (Vizekönig) auftauchte. In dem Papier fanden sich detaillierte Angaben über heimliche Geldverschiebungen, Dokumentenfälschungen und „zügellose und verwässernde Eigenkapitalbeschaffungen“ des Möbelkonzerns Steinhoff.

Schon vorher hatte es immer wieder Gerüch- te über frisierte Geschäftszahlen beim Mö- belgiganten gegeben, nun hatte man es schwarz auf weiß. Nach der Veröffentlichung der Studie war der Kurs der Steinhoff-Aktie nicht mehr zu halten, er knallte um 90 % nach unten weg. Leugnen war nunmehr zwecklos geworden, das Management räumte „Buchungsunregelmäßigkeiten“ in mehreren Jahresabschlüssen ein und musste gehen. Der unter die Räder gekommene Konzern versucht seither, irgendwie an Geld zu kommen und seine Assets zu versilbern.

Doch was macht Viceroy? Angeblich bereitet es einen Bericht über ein anderes südafrikanisches Unternehmen vor. Kaum war diese Information raus, kamen auch schon Ge- rüchte auf, es könnte sich dabei um den Pharmakonzern Aspen handeln. Der Aktien- kurs rauschte daraufhin mehr als 10 % in die Tiefe. Stephen Saad, CEO von Aspen Pharmacare, zeigte sich empört und forderte eine Untersuchung. Schließlich sei es „ein perfek- tes Timing, um den Markt zu manipulieren“, so Saad per Telefon aus Mauritius. „Wir haben keine buchhalterischen Unregelmäßigkeiten ... Die Ironie von all dem ist, dass sie wahrscheinlich nicht einmal über Aspen sprechen.“ Es gebe Anzeichen dafür, dass Aspen nicht das Ziel von Viceroy‘s Bericht war, fügte er hinzu, denn Steinhoff und Aspen seien gar nicht vergleichbar.

Noch während der Markt rätselte, fielen bereits mehrere Immobilien-Aktien dem mysteriösen Viceroy-Fluch zum Opfer. Und der Markt zittert vor weiteren Enthüllungen. Doch zunächst einmal wurde Viceroy selbst enttarnt. Nicht Wirtschaftsprüfer oder Finanzexperten stecken dahinter, sondern ein früherer Sozialarbeiter aus Großbritannien und zwei Jungs aus Australien. 

Einige Anleger mussten zu Beginn des neuen Jahres feststellen, dass sie nicht wie gewohnt Fonds, Zertifikate oder Optionsscheine bei ihrer Bank kaufen konnten. Der Grund war weder technischer Natur, noch zu wenig Markttiefe, sondern die neue Kundeneinstufung der depotführenden Bank. Denn sie entscheidet ab sofort, ob der Anleger „geeignet“ ist, die von ihm gewünschten Wertpapiere zu handeln oder nicht. 

Seit dem 3. Januar 2018 ist sie da, die „Markets in Financial Instruments Directive“, kurz MiFID II. Das Regelwerk der EU umfasst inzwischen 20.000 Seiten, die Ausarbeitung kostete mehr als 2 Mrd. Dollar. Ziel dieses unlesbaren Wälzers ist ein besserer Verbraucherschutz und mehr Transparenz. Vermögensberater sollen den Anlegern keine riskanten Produkte mehr aufschwatzen können, ohne sie vor den Risiken zu warnen und offenzulegen, was sie daran verdienen. 

Tatsächlich aber bürdet MiFID II den Banken zunächst einmal noch mehr Bürokratie und Kosten auf. Allein in Deutschland rechnet der Bundesverband deutscher Banken mit 1 Mrd. Euro an Kosten zur Umsetzung. Zudem entmündigt MiFID II den Bürger bei seiner Vermögensanlage. Der Datenschutz verkümmert in den Archiven, in denen die aufgezeichneten Telefongespräche zwischen Kunden und Anlageberatern fünf Jahre lang aufbewahrt werden müssen. Die Compliance-Abteilungen werden aufgerüstet, der Kunde auf seine Tauglichkeit für Wertpapiergeschäfte geprüft und katalogisiert. Und wer glaubt, dass die Analysen für die Banken und Vermögensverwalter fortan wenigstens neutraler und unabhängiger werden, weil jetzt jede Research-Leistung bezahlt werden muss, ist entweder dumm oder naiv. Für eine Leistung, die teuer bezahlt werden muss, möchte man schließlich auch ein entsprechendes Ergebnis sehen. 

Doch wie funktioniert MiFID II in der Praxis? Sowohl Banken als auch Fondsanbieter müssen jeden Kunden, der ein Wertpapiergeschäft tätigen möchte, auf seine „Geeignetheit“ hin prüfen und entsprechend klassifizieren. Die delegierte Verordnung zu MiFID II stellt klar, dass „Wertpapierfirmen nicht nur in Bezug auf die Empfehlungen zum Kauf eines Finanzinstruments eine Eignungsbeurteilung vornehmen sollten, sondern für alle Handelsentscheidungen, einschließlich der Frage, ob eine Anlage erworben, gehalten oder verkauft werden soll oder nicht“. Das ist die europäische Vorgabe zur Entmündigung der Bürger, die nicht mehr darüber entscheiden dürfen, wie sie ihr Geld anlegen. Und dafür müssen sie natürlich zunächst einmal genügend Informationen von sich preisgeben und akzeptieren, dass die vertraulichen Gespräche mit dem Vermögensberater aufgezeichnet und gespeichert werden. Zwar sind die Auskünfte freiwillig, doch verweigert sich der Kunde, werden seine gewünschten Wertpapiergeschäfte eben nicht von der Bank abgewickelt. Schließlich steht das Finanzinstitut gegenüber der BaFin in der Haftung. Daher muss der Berater eine „Geeignetheitserklärung“ erstellen. Diese ist nur dann nicht nötig, wenn der Kunde als professionelle oder geeignete Gegenpartei eingestuft wird. Beim klassischen Privatkunden mit kleineren Einlagen wird das eher nicht der Fall sein. 

Damit einhergehend wird der Zielmarkt des Kunden definiert. „Der Zielmarkt beschreibt auf Basis standardisierter Kriterien, für welche Kundengruppe ein Finanzinstrument oder eine Dienstleistung entwickelt wurde“ (Kundeninformation ODDO BHF). Im Klartext: Die Bedürfnisse, Vorkenntnisse und materiellen Voraussetzungen des Kunden werden mit den Eigenschaften der angebotenen Finanzinstrumente gegengecheckt. Dafür müssen das Risiko- und Renditeprofil des Kunden bestimmt werden, ebenso seine Anlageziele und sein Anlagehorizont. Ein wichtiges Kriterium ist auch die „finanzielle Verlusttragfähigkeit“, die sich aus seinen Vermögensverhältnissen ergibt. Danach wird eingeschätzt, ob der Anleger nur geringe Verluste oder auch einen Totalverlust finanziell verkraften könnte. Das so erstellte Kundenprofil wird dann mit den angebotenen Wertpapieren und Finanzprodukten der Bank abgeglichen und entschieden, mit welchen Wertpapieren der Kunde handeln darf und mit welchen nicht.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass auch die jeweiligen Emittenten in den Wertpapierstammdaten die entsprechenden Zielmarktkriterien hinterlegen. Ausgenommen sind Aktien und Riester-Produkte. Die Entwickler für Finanzprodukte müssen bereits die Kundengruppe nennen, die mit dem jeweiligen Produkt angesprochen werden soll. Aus der Risikokennziffer des Produkts
(PRIIPs) wird dann auf einer Skala von 1 bis 7 eine Empfehlung für die erforderliche Risikotoleranz des Endkunden abgeleitet (vgl. Abb.). Für etwa ein Drittel des Marktes lagen die Daten Anfang letzter Woche noch nicht vor, von den 50.000 Fonds in Deutschland fehlten bei der Hälfte die Informationen. Sie wurden daraufhin für den Handel gesperrt. Auch für das beliebte Xetra-Gold lagen die Stammdaten nicht vollständig vor, sodass es ebenfalls aus dem Handel genommen wurde. Aber auch viele Banken waren trotz der Vorlaufzeit überfordert, weil einfach die konkreten Durchführungsbestimmungen fehlten. Viele Kundenberater sind bis heute nicht ausreichend geschult und erzählen irgendwelchen Unfug, wie der Effecten-Spiegel von seinen Lesern erfahren musste.

Inzwischen haben zumindest die größeren Anbieter durchgehend nachgeliefert. Fehlen die Angaben der Emittenten jedoch dauerhaft, fliegen deren Produkte konsequent aus dem Sortiment der Banken raus. Und was nicht im Produktsortiment der jeweiligen Bank drin ist, wird auch nicht vertrieben. Der Kunde ist in diesem Fall auf sich gestellt. Im Rahmen des aufwendigen Produktfreigabeverfahrens wird es immer öfter passieren, dass vor allem kleinere regionale Banken für den klassischen Privatkunden keine strukturierten Finanzprodukte mehr anbieten, sondern sich auf Aktien und einige ausgewählte Fonds und ETFs beschränken. 

Ohnehin sind Aktien von dem MiFID II-Wahnsinn am wenigsten betroffen. Hier gibt es lediglich Änderungen bei der Tick-Size-Regelung – also die Euro- bzw. Cent-Schritte, in denen diese an der Börse gehandelt werden. Sie wurden nach einem, für den Laien völlig unverständlichen Modus in Abhängigkeit von den täglichen Handelsumsätzen neu gestückelt. So kann z.B. die Audi-Aktie nur noch in Kursschritten von 2 Euro gehandelt werden, statt bisher 5 Cent. Daher liefen zu Beginn des Jahres mehrere Limit-Orders ins Leere. „Bei der Volksbank wurden nicht genehme Limitgrenzen sofort kommentarlos im Orderbuch als gestrichen gekennzeichnet. Es bleibt nichts anderes übrig, als einen neuen Eingabeversuch mit irgendwelchen geänderten selbst ausgedachten Daten zu unternehmen. ... Genauso ist es bei der Commerzbank mit dem Unterschied, dass hier vorher noch ein zusätzlicher Hinweis mit der Aufforderung erscheint, andere Limitgrenzen (aber welche ?) einzugeben. Was das zum Wohle des Anlegers, dem angeblichen Zweck von MiFID, beitragen soll, ist mir ein Rätsel“, so der ES-Leser Peter Sewerin über seine Erfahrungen mit MiFID. 

Nicht der Anleger, sondern die Bank entscheidet künftig im Auftrag von Brüssel, wer „geeignet“ ist, welche Finanzinstrumente zu handeln oder nicht. Kleinanleger müssen damit rechnen, dass sie nicht mehr für den von ihnen gewählten Zielmarkt als befähigt eingestuft werden und die gewünschten Finanzprodukte nicht mehr handeln dürfen. Europäische Entmündigung ist kein Verbraucherschutz! 

 

 

Nicht nur die Steurtöpfe sind aufgrund der boomenden Wirtschaft in Deutschland zum Ende 2017 randvoll gefüllt, auch die Bundesagentur für Arbeit hat 2017 das siebte Jahr in Folge mehr eingenommen, als sie ausgegeben hat. Mit voraussichtlich 5,5 Mrd. Euro hat sie per Saldo den größten Überschuss seit zehn Jahren in ihrer Kasse! 

Doch von einer Beitragssenkung will Berlin nichts wissen. Schließlich strömen weiter Hunderttausende Flüchtlinge ins Land, die entgegen aller politischen Schönfärberei nun doch weniger Fachkräfte als viel mehr Ungelernte sind, die die deutschen Sozialkassen belasten. So flossen 2017 auch erstmals weniger als 50 % der Beitragseinnahmen in die Kernleistung der Bundesagentur, d.h. in die Auszahlung des Arbeitslosengeldes. 

Nach Berechnungen des Bundes der Steuerzahler (BdSt) würde eine Beitragsssenkung bei der Arbeitslosenversicherung von nur einem halben Prozentpunkt von 3 auf 2,5 % bereits eine Entlastung von 5 Mrd. Euro für Arbeitnehmer und Unternehmen bedeuten. Vor allem Geringverdiener würden davon stark profitieren, da die Gesamtbelastung der gesetzlich Versicherten weiterhin rund 40 % ihres Bruttolohns ausmacht. 

Im Gegensatz zur Rentenkasse gibt es beim Beitrag zur Arbeitslosenversicherung keine Regelbindung, also keinen Anpassungsmechanismus: Übersteigt die Rücklage der Rentenversicherung das 1,5-fache der monatlichen Ausgaben, muss eine Beitragssenkung erfolgen. Um das Geld der Versicherten vor politischem Missbrauch zu schützen, wäre ein solcher Mechanismus für alle Sozialversicherungsbeiträge angebracht. Je nach Höhe der Rücklage müssten die Beiträge dann gesenkt oder auch angehoben werden. „Das wäre ein transparentes und faires System für die Versicherten“, so BdSt-Präsident Reiner Holznagel. Und „das kann der Bundestag schon jetzt entscheiden. Die Abgeordneten müssen nicht warten, bis wir irgendwann eine neue Regierung haben“, betont er. 

Klingt logisch, schließlich wurde auch schon ohne Regierung über die Diätenerhöhung der Bundestagsabgeordneten entschieden. Aber die hatten auch politische Priorität, im Gegensatz zu den Bürgerbelangen.

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Redaktionelles

Rechtsstreit der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank

In dem Rechtsstreit der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank hat es noch einmal eine positive Wendung gegeben. Der Ablehnungsantrag der Effecten-Spiegel AG gegen den kurzfristig neu besetzten 13. Zivilsenat wegen Befangenheit (vgl. ES 48/17 u. 50/17) wurde zwar abgelehnt, dafür aber kündigte das Oberlandesgericht Köln an, die mündliche Verhandlung wiederzueröffnen. 

Der auf den 07. Februar 2018 festgesetzte Verkündungstermin wurde daher aufgehoben. Die mündlichen Verhandlung soll am Freitag, den 29. Juni 2018, fortgesetzt werden. Dann könnte es noch einmal zu weiteren Zeugenvernehmungen kommen. Die Effecten-Spiegel AG hatte u.a. gefordert, auch den ehemaligen Finanzvorstand der Deutschen Bank, Stefan Krause, als Zeugen zu vernehmen.

Effecten-Spiegel AG: Halbjahresergebnis erneut über Vorjahr

Die Effecten-Spiegel AG hat von der positiven Stimmung an den Aktienmärkten profitiert und die gestiegenen Kurse zu Gewinnmitnahmen genutzt. Eine Anzahl von Aktienpositionen wurde teilweise (z.B. Apple, SAP, Merck), andere ganz veräußert. Aus dem Verkauf von Wertpapieren des Finanzanlagevermögens wurden Gewinne in Höhe von 3,5 Mio. Euro realisiert. Relevante positive Ergebnisbeiträge lieferten u.a. die vollständige Veräußerung der Aktien der Stada AG mit 561 TEUR und der Pfeiffer Vacuum AG mit 413 TEUR. An Dividenden wurden 905 TEUR vereinnahmt. Der Kassenbestand lief dadurch per Saldo auf 19,5 Mio. Euro hoch. Bankverbindlichkeiten bestehen weiterhin keine. 

Nach vorläufigen untestierten Zahlen liegt der erwirtschaftete Ertrag für die ersten sechs Monate bei 3,7 Mio. Euro und damit deutlich über dem des Vorjahreszeitraumes (1,9 Mio. Euro). Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass auf Wertpapiere des Anlagevermögens weder Zu- noch Abschreibungen vorgenommen wurden. Die nach dem Niederstwertprinzip stichtagsbezogen vorzunehmenden Abwertungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens liegen per 30.06.17 bei 198 (Vj. 718) TEUR. Die Wertdifferenzen werden separat als „Stille Reserven und Lasten“ ausgewiesen. Der Saldo hieraus beläuft sich bei den bilanzierten Wertpapieren des Anlage- und Umlaufvermögens auf +2,56 Mio. Euro. Der nicht bilanzierte Depotwert der eigenen Anteile beträgt 5,29 Mio. Euro. Das Verlagsgeschäft lag mit Umsatzerlösen von 1,52 Mio. Euro in etwa auf Vorjahresniveau (1,51 Mio. Euro). 

Im Gerichtsverfahren gegen die Deutsche Bank wegen der Postbankübernahme wurde vom OLG der nächste Verhandlungstermin für den 8. November 2017 bestimmt.

Die ES AG wird ihr Aktienrückkaufprogramm wieder aufnehmen. In der Zeit vom 01.08. bis 31.12.2017 sollen bis zu 82.028 Vorzugsaktien der Gesellschaft zu einem maximalen Betrag von 1.533.923,60 Euro erworben werden. 

Die 10 größten Aktienpositionen des Finanzanlagevermögens sind, geordnet nach Positionsgröße auf Basis des Tageskurswertes zum 30.06.2017: infas Holding AG, MAN SE (Stämme), Symrise AG, Porsche Holding SE (Vorzüge), Sanofi S.A., Novartis AG, Vossloh AG, Union Pacific Corp., Coloplast und K+S AG.

Randnotizen

Aus Fremder Feder

In Eigener Sache

Spezial

Strategie

ES-Aktienfavoriten

Thema der Woche

Auslandsfavoriten

Börsengerüchte