Nordex SE

Die Nordex SE hat einen weiteren Auftrag aus Argentinien erhalten. Der bisherige Kunde AES Generación S.A bestellt für den Windpark "Vientos Neuquinos" 24 Anlagen vom Typ AW132/3465. Darüber hinaus erhält Nordex auch einen mehrjährigen Serviceauftrag für die Turbinen. Erst im September 2018 hatte AES Generación S.A. einen Auftrag über die Lieferung von 30 Turbinen bei Nordex platziert. Die Turbinen sowie die 120 Meter hohen Betontürme werden lokal in Argentinien produziert.(ES - 18.12.2018 - 9:00 Uhr)

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ADLER Real Estate AG

Die ADLER Real Estate AG hat heute eine verbindliche Verkaufsvereinbarung über 1.400 Mieteinheiten geschlossen. Die 1.400 Einheiten aus dem non-core Portfolio weisen einen Buchwert von 61,5 Mio. Euro auf. Dabei lag die Leerstandsquote bei 31 Prozent und die durchschnittliche Monatsmiete belief sich auf 4,52 Euro je Quadratmeter. Mehr als 80 Prozent der Immobilien befinden sich in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Niedersachsen. Aber auch nach dem Verkauf wird ADLER das Asset Management für diese Bestände übernehmen. Das Management plant die erlösten Mittel zum weiteren Abbau der Verschuldung einzusetzen. Mit dem Verkauf erzielt die Gesellschaft einen Meilenstein auf dem Weg zur Verbesserung der operativen und finanziellen Leistungsfähigkeit. Die restlichen non-core Einheiten sollen noch bis zum Jahresende an Benson Elliot Capital Management verkauft werden.(ES - 17.12.2018 - 16:00 Uhr)

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ISRA VISION AG

Nach den noch nicht testierten Zahlen verzeichnete die ISRA VISION AG im Geschäftsjahr 2017/18 eine Umsatzsteigerung von 7 Prozent auf 152,5 Mio. Euro. Zum Geschäftsjahresende lag der Auftragsbestand mit über 98 Mio. Euro auf Rekordniveau. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhte sich das EBITDA um 14,0 Prozent auf 49,0 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich sogar um 18,0 Prozent auf 33,0 Mio. Euro. Bei einer Vorsteuermarge von 22 Prozent konnte die Gesellschaft die Ergebnisprognose deutlich übertreffen. Beim Ergebnis je Aktie kam die Gesellschaft um 13 Prozent auf 1,06 Euro voran. Angesichts der Entwicklung will das Unternehmen der Hauptversammlung eine Ausschüttung in ähnlicher Höhe wie für das vergangene Jahr vorschlagen. Das Segment Industrial Automation erreichte eine Umsatzsteigerung um 7 Prozent auf 39,8 Mio. Euro. Dabei kletterte das Segment-EBIT um 25 Prozent auf 9,4 Mio. Euro. Im Segment Surface Vision wies ISRA ein Umsatzplus von 7 Prozent auf 112,7 Mio. Euro aus. Dabei konnte die EBIT-Marge von 18 auf 19 Prozent ausgeweitet werden. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet das Management ein Wachstum bei Umsatz und Ertrag im niedrigen zweistelligen Bereich.(ES - 14.12.2018 - 9:00 Uhr

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Täglicher Börsenbericht

Ein kleines Kursplus

DAX schafft wieder die 10.800

Der Leitindex schaffte es im Handelsverlauf zumindest über die Marke von 10.800 Punkten. Gebremst wird der DAX noch immer von den eher verhaltenen Vorgaben aus den USA und auch der Ifo-Geschäftsklimaindex bietet eher wenig. Von besinnlicher Vorweihnachtsbörse ist bislang also wenig in Sicht. 

Überzeugen konnte indes der Softwarekonzern Oracle. Zwar blieben die Erlöse im Q2 mit 9,56 (9,59) Mrd. $ in etwa auf Vorjahresniveau. Dank guter Cloudgeschäfte setzte sich der Nettogewinn allerdings 5 % höher auf 2,33 Mrd. $. 

Der Zusammenschluss zwischen der US-Tochter T-Mobile US und seinem Konkurrenten Sprint hat in den USA eine wichtige Hürde genommen. Der zuständige Ausschuss für ausländische Investitionen hat der Fusion grünes Licht erteilt. 

Nicht nur für den Rheinpegel ist der Niederschlag ein Segen. Auch K+S freut sich über die steigenden Wasserstände. der Düngemittelkonzern geht daher davon aus, dass die Produktion nur über die Weihnachtstage ruhen wird. Zuvor ging das Unternehmen von einer Unterbrechung bis zum 1. Januar aus. 

Der IT-Dienstleister Nemetschek leidet unter einer Herabstufung. 

Die Aktie von Johnson & Johnson ist zuletzt aufgrund schlechter Meldungen in Bezug auf Babypuder arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Jetzt will der Konsumgüterkonzern seine Anleger mit einem 5 Mrd. $ schweren Aktienrückkaufprogramm wieder besänftigen. 

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Auslandsfavoriten

Ausgabe 50 | 12.12.2018

Konservativ

Aktie mit konservativem Potenzial

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Thema der Woche

Ausgabe 50 | 12.12.2018

Bilanz-Goodwill

297 Mrd. Euro Hoffnungswerte im DAX

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Randnotizen

Alle Jahre wieder zeigt der Bund der Steuerzahler (BdSt) mit seinem „Schwarzbuch“, wie großzügig die Staatsdiener die Steuergelder ihrer Bürger verballern. In der aktuellen Ausgabe 2018/19 werden 109 besonders bizarre Fälle genannt, von denen der ES zwei herausgreift:

Rasenheizung im Fußballstadion

2010 wurde im Erfurter Stadion zur Unterstützung des regionalen Fußballvereins für 887.313 Euro eine Rasenheizung eingebaut. Zur Refinanzierung dieser Investition sollte der Fußballclub ein pauschales Nutzungsentgelt von 3.000 Euro pro Heimspiel zahlen – so die Idee des Erfurter Sportbetriebes. 

Doch die Heizung blieb bis heute ungenutzt. Bei frostigen Temperaturen wurden die Spiele sogar verlegt oder gar abgesagt – die Rasenheizung aber blieb aus, ebenso wie die Nutzungsgebühr für den Sportbetrieb. Denn die Betriebskosten waren dem Verein schlichtweg zu teuer. Damit blieben die Erfurter Eigenbetriebe nicht nur auf den Investitionskosten, sondern auch auf den Kosten für Zinsen und Wartung der Rasenheizung sitzen. Und diese beliefen sich bis zum 30.06.2018 auf weitere 99.946 Euro.

Monheims Geysir

Ein Kunstprojekt der besonderen Art wird es bald in Monheim am Rhein geben. An einem vielbefahrenen Kreisverkehr will die Stadt einen Geysir einrichten, der in bestimmten Abständen eine Wasserfontäne in die Luft bläst. Ausgedacht hat sich das Projekt ein Schweizer Künstler. „Diese Arbeit überzeugt durch eine stimmige Atmosphärendichte, ... und greift in überraschender, und so in Deutschland noch nicht als Kunstwerk umgesetzter Weise das Element Wasser auf“, so die Begründung. Damit sich Autofahrer nicht durch den plötzlichen Ausbruch des Geysirs erschrecken, wird zusätzlich vor dem Kreisverkehr eine Ampel gebaut. Geysir und Ampel werden etwa 415.000 Euro kosten. Hinzu kommen jährliche Kosten von 6.000 Euro für Instandhaltung und Wartung der Brunnentechnik, für Strom, Abwasserkosten sowie Garten- und Landschaftspflege.

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Seit Monaten schon steht die britische Premierministerin Theresa May wegen ihrer Brexit-Politik in der Kritik. Doch seit der Entwurf für ein Abkommen mit der EU auf dem Tisch liegt, wird es nun wirklich eng für sie. Einige Minister sind direkt zurückgetreten, weitere Kabinettsmitglieder drohen damit, sollte May nicht nachverhandeln. Viele Abgeordnete haben eine Vertrauensabstimmung gefordert, doch bisher fehlt es an den erforderlichen 48 Schreiben. Und einer, auf den die Rebellen fest gesetzt hatten und der aus Protest gegen den Deal als einer der Ersten zurückgetreten war, verweigert sich nun: der bisherige Brexit-Minister Dominic Raab. Er stehe trotz allem hinter May, sagte er der BBC, denn ein Wechsel an der Spitze ändere nichts an den sachlichen Problemen. Er stehe daher auch nicht als Nachfolger zur Verfügung. 

Streitpunkt ist vor allem der sog. „Backstop“. Das sind jene Bestimmungen im Austrittsabkommen, die garantieren sollen, dass es nach dem Brexit keine Grenzkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland geben soll. Der Entwurf sieht vor, dass Großbritannien als Ganzes solange in der EU-Zollunion bleibt, bis beide Seiten entscheiden, dass dies nicht mehr notwendig ist. Doch die Brexit-Hardliner fordern ein einseitiges Kündigungsrecht für den Backstop, damit London eigene Handelsabkommen etwa mit den USA schließen kann.

Am kommenden Sonntag wollen die Staats- und Regierungschefs der EU bei einem Sondergipfel in Brüssel über den Entwurf abstimmen. Bis dahin wird sich wohl auch das Schicksal von Theresa May entscheiden. Die Vereinbarung abzulehnen, würde ein Chaos auslösen und zu Neuwahlen, vielleicht sogar zu einem neuen Referendum führen. Möge also die Vernunft siegen!

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Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts hat protokollarisch die fünfthöchste Position in Deutschland. Seine Amtszeit dauert 12 Jahre. Daher sollte seine Wahl gut durchdacht sein. Traditionell haben die großen Parteien im Wechsel das Vorschlagsrecht. Dieses Mal war die Union an der Reihe. Und sie hat natürlich einen aus ihren Reihen auserkoren: Rechtsanwalt Prof. Dr. Stephan Harbarth soll zunächst neuer Vizepräsident und später Präsident des Bundesverfassungsgerichts werden. Der bisherige Vizepräsident Ferdinand Kirchhof scheidet mit 68 Jahren aus Altersgründen aus. 

Sein Nachfolger soll nun ausgerechnet Harbarth werden, der damit dann aller Voraussicht nach 2020 auch Andreas Voßkuhle als Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts ablösen wird. Harbarth ist Partner der Kanzlei Schilling, Zutt & Anschütz, die u.a. den Volkswagen-Konzern im aktuellen Diesel-Abgasskandal vertritt und mit dem Slogan wirbt: „Zu uns kommen Konzerne“. Der 46-Jährige gilt als harter Vertreter des Großkapitals gegen Kleinaktionärsrechte. Persönlich vertritt er derzeit z.B. Diebold-Nixdorf gegen den Streubesitz im Spruchverfahren über den dort abgeschlossenen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag, wo er die Antragsteller gerade mit einem 440-Seiten-Schriftsatz nebst 15 Kilogramm Anlagen beglückte. Der Zeitfaktor ist somit nicht der einzige Punkt, den man bei seiner Person kritisch betrachten muss. Aus Sicht der Kleinanleger muss daher alles getan werden, um seine Berufung zu verhindern. Alle Aktionäre sollten sich daher wehren und den Bundestagsabgeordneten ihres Wahlkreises auffordern, diesen Vorschlag nicht zu unterstützen!

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Spezial

„Die Stahlfestung wankt“ schrieb der ES in Ausgabe 29/18, nachdem ThyssenKrupp sowohl seinen langjährigen CEO Hiesinger als auch seinen Aufsichtsratschef Ulrich Lehner verloren hatte. Zu den Problemen im operativen Geschäft gesellten sich nun auch noch ein kopfloses Management, eine unberechenbare Großaktionärin in Person der Mathematikprofessorin Gather sowie zwei aktivistische Investoren (vgl. ES 35/18). 

Kein Wunder also, dass namhafte Kandidaten für den Vorsitz im Aufsichtsrat dankend abwinkten. Was wohl Berthold Beitz dazu sagen würde, dass ihm letztlich Bernhard Pellens, Lehrstuhlinhaber für Internationale Unternehmensrechnung an der Universität Bochum, nachfolgt. 

Ex-Finanzchef Guido Kerkhoff bleibt weiterhin Vorstandschef und wird nun die Aufspaltung des Traditionskonzerns in die beiden börsennotierten Unternehmen „ThyssenKrupp Materials AG“ (Stahl, Werkstoffhandel, Großwalzlager- und Schmiedegeschäft) und „ThyssenKrupp Industrials AG“ (Anlagen, Autozulieferer, Aufzüge) umsetzen. Dass der Aufsichtsrat den Teilungsplan quasi durchwinkte, war letztlich absehbar. Schließlich hatte die Krupp-Stiftung, die mit 21 % größter Anteilseigner ist, schon ihre Zustimmung signalisiert. 

Die Idee der Krupp-Satzung, den Konzern als Ganzes zu erhalten, ist damit zwar weit weg, aber immerhin ist „Teilen“ besser als „Ausschlachten“.

 

 

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

„Die Menschen wehren sich gegen den Abbau von Braunkohle. Man will aber auch keine Atomkraft, gegen Windkraft gibt es Widerstand und gegen den Ausbau der notwendigen Stromtrassen auch. Es ist inzwischen ganz leicht, eine Mehrheit gegen nahezu alles zu mobilisieren. Deutschland braucht wieder Mehrheiten für etwas“, so FDP-Chef Lindner in einem aktuellen Interview. 

Man mag zu Lindner stehen, wie man will, aber in diesem Punkt hat er sicherlich recht. Es ist immer leicht, gegen etwas zu sein, aber Lösungen zu suchen, ist viel schwieriger. Das demonstrieren die Politiker selbst jeden Tag. In den Oppositionsreihen ist es leicht, ordentlich Krawall zu schlagen, aber sobald man selbst in der Regierung sitzt, wird der Ton leiser und die Reden versöhnlicher. Wem wollte Andrea Nahles nicht alles „in die Fresse hauen“. Kaum sitzt sie ganz oben, spricht sie von Kompromissen. Zeitweise meint man sogar, Angela Merkel heraushören zu können. Und wenn es die Politiker nicht vorleben, wie soll dann der Bürger anders ticken. Also zieht man mit viel Tam Tam los: gegen die Abholzung des Hambacher Forstes, gegen die Aufstellung von Windrädern oder gegen Fremdenfeindlichkeit. So gut und richtig das sein mag, stellt sich doch die Frage,   wofür setzen sich die Menschen hierzulande noch ein. Durch die Abkopplung der Politik von der Basis fühlen sich immer mehr Menschen nicht mehr in die Entscheidungen ihrer Regierung einbezogen. Und so machen sich Politikverdrossenheit und Resignation breit. Das Vertrauen in den Staat schwindet, es entstehen Gegenbewegungen aus dem Volk heraus. Doch statt die eigene Verantwortung dafür zu übernehmen und die Ursachen anzugehen, zeigen die Politiker mit dem Finger auf ihre Wähler und geben ihnen die Schuld für die Verwahrlosung der demokratischen Werte. Damit sind sie es, die eine zunehmende politische Polarisierung zwischen „links“ und „rechts“ in der Gesellschaft fördern, wie die Landtagswahl in Bayern gerade gezeigt hat. 

Worauf wartet man in Berlin eigentlich? Nur wer weiß, wofür er einsteht, weiß auch, wogegen er wirklich kämpfen muss.

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Obwohl das deutsche Mietrecht schon heute als eines der schärfsten in Europa gilt, will die Bundesregierung noch einmal eins drauf legen. Am 5. September einigte sich das Bundeskabinett auf die finale Fassung des Mietrechtsanpassungsgesetzes (MietAnpG), das spätestens ab dem 01.01.2019 in Kraft treten soll. Die Kernpunkte der Neuregelung: 

1. Mieterhöhungen

Vermieter in angespannten Wohnungsmärkten, in denen die Mietpreisbremse gilt, müssen künftig unaufgefordert Auskunft über die Vormiete geben. Denn rein rechtlich darf die Miete bei Neuvermietung nicht mehr als 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete angehoben werden, sofern es sich nicht um einen Neubau nach Oktober 2014 oder eine kernsanierte Wohnung handelt. Besteht bereits ein Mietverhältnis, müssen Mieter grundsätzlich der Erhöhung zustimmen. Die Miete darf aber dann nur bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete angehoben werden. Generell gilt, dass die Miete innerhalb von drei Jahren nicht mehr als um 20 % erhöht werden darf. 

Auf der anderen Seite braucht der Mieter nicht mehr wie bisher einen Grund dafür nennen, warum er die Höhe der geforderten Miete anzweifelt. Hier soll künftig eine „einfache Rüge“ ausreichen.

2. Modernisierungen

Eine Modernisierung, die den Gebrauchswert der Wohnung erhöht, müssen Mieter grundsätzlich dulden. Anders als bei Instandhaltungsmaßnahmen dürfen Vermieter einen Teil der Modernisierungskosten auf die Miete übertragen. Bislang sind das 11 %. Künftig dürfen Modernisierungsausgaben nur für fünf Jahre und nur bis maximal 8 % umgelegt werden. Geht der Entwurf durch, wird eine Mieterhöhung wegen Modernisierungen innerhalb von sechs Jahren auf 3 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gedeckelt (sog. Kappungsgrenze). 

Wenn nach Ankündigung der Modernisierung nicht innerhalb von 12 Monaten mit den Arbeiten begonnen wird oder diese mehr als 12 Monate ruhen, wird dies als „Herausmodernisieren“ und somit als Pflichtverletzung angesehen. Modernisierungen, die nur dazu dienen, die Mieter rauszuekeln, sollen mit bis zu 100.000 Euro bestraft werden. 

Für Modernisierungen bis zu 10.000 Euro steht künftig ein vereinfachtes Verfahren zur Verfügung: Pauschal gelten dann 30 % als Instandhaltung und 70 % dürfen als Modernisierung geltend gemacht werden. Innerhalb von fünf Jahren dürfen dann aber auch nur maximal die 10.000 Euro im vereinfachten Verfahren angesetzt werden. Weitere Mieterhöhungen aufgrund von Modernisierungen sind dann ausgeschlossen.

3. Kündigungen

Der häufigste Grund für eine Kündigung durch den Vermieter ist der Eigenbedarf. Der gilt laut § 573 BGB nur dann, wenn die Räume für den Vermieter selbst, seine Familienangehörigen oder Angehörige seines Haushalts benötigt werden. Gemeint sind damit Verwandte in gerader Linie – also Kinder, Enkel, Eltern oder (Ur-)Großeltern. In Pflegefällen könnten als Angehörige des Haushalts auch Pflegekräfte gelten. Das Vortäuschen eines Eigenbedarfs soll mit hohen Strafen belegt werden, um zu verhindern, dass nur gekündigt wird, um bei Neuvermietung die Miete erhöhen zu können.

Vermieter wiederum dürfen dem Mieter kündigen, wenn dieser gegen seine Pflichten verstößt. Das gilt bei Mietschulden von mehr als zwei Monaten in Folge oder wenn sich über einen längeren Zeitraum eine Verzugssumme von mindestens zwei Monatsmieten ergibt. Dann ist sogar eine außerordentliche fristlose Kündigung erlaubt. Nach zwei ganz aktuellen BGH-Entscheidungen kann auch der Ausgleich der Rückstände die Beendigung des Mietverhältnisses nicht aufheben, wenn wegen des Zahlungsverzugs gleichzeitig eine ordentliche Kündigung ausgesprochen wurde (BGH-Urteile vom 19.09.2018, Az.: VIII ZR 231/17 und VIII ZR 261/17). Weitere Verstöße wären die Zweckentfremdung der Wohnung z.B. zur Drogenherstellung oder die Verwahrlosung durch sog. Messis. Allerdings muss in diesen Fällen vorher schriftlich abgemahnt werden. Als Pflichtverstoß gilt auch die gewerbliche Untervermietung wie etwa über Airbnb, denn hier muss der Vermieter ausdrücklich zustimmen. Die Frist für eine ordentliche Kündigung liegt bei mindestens drei Monaten. 

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Kurz nach dem 30. Geburtstag des DAX wurde seine Indexfamilie mit MDAX, TecDAX und SDAX völlig neu zusammengewürfelt. Damit sind seit dem 24. September auch Doppellistings von Technologieaktien möglich. Was die neue Patchwork-Familie rund um den DAX für Aktien- und ETF-Anleger bedeutet, hat der ES beleuchtet. 

Rund 100 Jahre nach der Einführung des Dow Jones erfand der Journalist Frank Mella das deutsche Gegenstück, den DAX. Damit wurden die wirtschaftlich stärksten 30 börsennotierten Unternehmen Deutschlands in einem Index vereint. Das Marktbarometer für die Deutsche Wirtschaft wurde als Laufindex konzipiert und somit während der gesamten Börsenzeit der Frankfurter Wertpapierbörse zunächst alle 60 Sekunden, dann alle 15 Sekunden und heute im Sekundentakt neu berechnet. Er ist damit eine geeignete Basis für derivative Finanzinstrumente und Terminkontrakte. Seit Juni 1999 wird der DAX nur noch als Wert der elektronischen Computerbörse Xetra ausgewiesen und steht seit Oktober 2006 auch ausländischen Unternehmen offen, deren operativer Sitz in der Europäischen Union ist oder deren Umsatzschwerpunkt im Handel an der Börse Frankfurt liegt. 

Am 24. September musste das Gründungsmitglied Commerzbank den deutschen Leitindex verlassen und wurde durch den Technologietitel Wirecard ersetzt. Die Anzahl der DAX-Titel blieb unverändert. Anders beim Rest der Familie. MDAX und SDAX wurden im Zuge der Umstellungen sogar deutlich vergrößert. ETF-Anleger sind damit auto-matisch dabei. Der Grundgedanke für die Erweiterung ist simpel:

Technologie ist heute quasi überall. Ob Medien- oder Pharmaunternehmen, Autohersteller oder Zulieferindustrie – im Zeitalter der Digitalisierung steckt Technologie in irgendeiner Form in jeder Firma und in jeder Branche. Eine Unterscheidung von wachstumsstarken Innovations- und Industrietiteln der Old Economy ist daher nicht mehr zeitgemäß. Die Abgrenzung von klassischen Branchen auf der einen und Technologieunternehmen auf der anderen Seite entstand überhaupt erst vor ca. 20 Jahren, als Internetfirmen wie Pilze aus dem Boden schossen und ihre Bewertungen in schwindelerregende Höhen schnellten. Damals wurde der Neue-Markt-Index „Nemax 50“ gegründet. Als der Neue Markt zusammenbrach, fing der TecDAX die verbliebenen Werte auf. Damit gab es seit dem 24.03.2003 in Deutschland einen branchenspezifischen Index ausschließlich für Technologieaktien. 

Seit dem 24. September ist diese Trennung aufgehoben und damit der Neue Markt endgültig Geschichte. Die Deutsche Börse folgt damit den Zeichen der Zeit und trennt in ihren Hauptindizes künftig nicht mehr zwischen Technologieaktien und anderen Aktien. Die TecDAX-Firmen werden auf MDAX und SDAX aufgeteilt. Jetzt können die Technologiewerte des TecDAX auch in den MDAX und SDAX aufgenommen werden, weshalb die beiden Indizes um insgesamt 30 Werte erweitert wurden. Der TecDAX wird damit zu einem Unter-index, denn er enthält künftig nur noch die 30 größten Technologie-titel aus DAX, MDAX und SDAX. 

Im internationalen Vergleich sind solche Doppellistings längst üblich. In den USA beispielsweise sind Unternehmen lange schon gleichzeitig in mehreren Indizes gelistet. So sind Apple, Amazon, Alphabet, Facebook und Microsoft im Technologie-Index Nasdaq Composite. Apple und Microsoft findet man aber auch im Dow Jones sowie im S&P 500. Im letzteren Index gesellen sich auch Facebook, Amazon und Alphabet dazu.

Mit der Neuaufnahme der Technologie-werte werden in der deutschen Indexfamilie der MDAX von 50 auf 60 Werte und der SDAX von 50 auf 70 Werte aufgestockt. Der TecDAX bleibt bestehen, aber nur für Zweitnotierungen. Dort können alle Titel aus anderen Indizes (auch aus dem DAX) vertreten sein. Umgekehrt können alle Technologieaktien dann auch in allen anderen Indizes aufgenommen werden. 

Der MDAX (Mid-Cap-DAX) bleibt auch nach der Neuordnung die Zweite Liga der Deutschen Börse. Er hat am 24. September 10 neue Mitglieder bekommen. Neben dem DAX-Absteiger Commerzbank und dem SDAX-Aufsteiger Alstria-Office REIT sind dies die Technologiewerte Qiagen, Siemens Healthineers, United Internet, Sartorius, Morphosys, Freenet, Siltronic, Evotec, Telefonica Deutschland, 1&1 Drillisch, Software AG und Nemetschek. In den SDAX abgestiegen sind dagegen Jungheinrich, Leoni, Ströer, Ceconomy und Talanx.

Der SDAX (Small-Cap-DAX) wurde sogar um 20 Familienmitglieder auf 70 Titel erweitert. Dabei handelt es sich um Aktien der nach den MDAX-Unternehmen nächstgrößeren börsennotierten deutschen Unternehmen. Neben den o.g. fünf MDAX-Absteigern kommen nun als Tec-Werte hinzu:

Carl Zeiss Meditec, Jenoptik, Cancom, Aix-tron, Dialog Semiconductor, S&T, Compugroup, ISRA Vision, Xing, Pfeiffer Vacuum, RIB Software, Nordex, Drägerwerk, SMA Solar, Befesa, Shop Apotheke, Medigene, aber auch Dr. Hönle und BayWa.

Raus sind Alstria-Office REIT, Grammer, ElringKlinger und Biotest.

MDAX und SDAX werden durch die Beimischung von Technologieaktien mehr Dynamik und internationales Interesse bekommen. Der Technologieindex der Deutschen Börse gewinnt mit SAP, Infineon und Deutsche Telekom gewichtige Neuzugänge. Zusammen mit dem DAX-Aufsteiger Wirecard machen sie künftig gut 40 % des Index aus. Das wird ihn vermutlich weniger schwankungsanfällig machen. Es täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass der TecDAX durch die Umstellung eine deutliche Degradierung erfährt. Er wird nämlich zum reinen Zweit-Index. 

Neben Reputation und Bedeutsamkeit bringen die Änderungen künftig vor allem mehr Bewegung in die Börsenaktivitäten. Denn Großinvestoren wie Fonds oder ETFs (Exchange Traded Funds), die die Indizes exakt nachbilden, müssen durch die Indexumstellung viel mehr Aktien kaufen und verkaufen. Allein in den sechs größten DAX-ETFs stecken in diesem Jahr 16 Mrd. Euro Anlegergeld. Für Privatanleger verschwimmen durch das Doppellisting allerdings die Abgrenzungen zwischen den einzelnen ETFs.

Die Familie der deutschen Börsenindizes wurde komplett verändert. Die Patchwork-Familien von MDAX und SDAX werden gewichtiger, der TecDAX dafür zum Zweit-Index deklassiert. In jedem Fall wird die Umstellung demnächst zu mehr Bewegungen am deutschen Aktienmarkt führen. Fonds und ETFs werden künftig breiter investiert sein, was Privatanleger bei ihrer Anlagestrategie beachten müssen. Auch wird sich die Volatilität der Börsenkurse erhöhen. Also, spannender wird es allemal!

 

 

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Zum ersten Mal seit etwa sechs Jahren schrumpft das Vermögen der Deutschen wieder. Ursache hierfür sind der anhaltende Niedrigzins und die Inflation – sowie die Art und Weise der Geldanlage. Im 10. Jahr des Bullenmarktes an den Aktienbörsen liegen noch immer 40 % der Vermögensanlagen der Deutschen in Form von Bargeld, Sicht- und Termineinlagen auf nicht oder nur minimal verzinsten Konten oder gar Zuhause brach.

Seit dem 9. März 2009 läuft in Amerika nun schon der Bullenmarkt und gilt damit als der längste in der Geschichte. Allein im vergangenen Jahr erzielte der US-Aktienmarkt ein Plus von rund 21 %. Und mit über 7 % Plus liegt der S&P 500 in diesem Jahr auch schon wieder über seiner historischen Durchschnittsrendite. Auch wenn in Deutschland der Aktienmarkt etwas hinterherhinkt, hält auch hier die Aktienhausse an. An den internationalen Kapitalmärkten ließen sich so in den letzten Jahren gute Renditen erzielen. Trotzdem nutzte im vergangenen Jahr nur jeder sechste Deutsche diese Ertragschancen aus. Im Gegenteil: Obwohl das Geldvermögen der Deutschen Anfang 2018 auf den Rekordwert von fast 5,9 Bill. Euro gestiegen ist, parken sie den Löwenanteil von 2,326 Bill. Euro immer noch als Sicht-, Termin- oder Spareinlagen bzw. als Bargeld. Der Großteil dessen wird kaum bis gar nicht verzinst. Weil auf höhere Einlagen sogar schon Strafzinsen bezahlt werden müssen, horten einige Sparer ihr Geld sogar wieder wie ihre Vorfahren Zuhause (vgl. Abb.). Während so das Bargeld unverzinst bleibt, zieht die Inflation an. Verbraucher mussten im August 2018 im Schnitt gut 2,0 % mehr ausgeben als noch vor einem Jahr. Allein auf diesem Inflationsniveau sparen sich die Deutschen jährlich um 46,5 Mrd. Euro ärmer.

Wie sich aus dem Bericht der Bundesbank für August 2018 ergibt, haben „Bankeinlagen (einschl. Bargeld), die mit knapp 40 % stets den größten Portfolioanteil ausmachten, über weite Strecken die geringsten realen Renditen“ (vgl. S. 34) erbracht. Seit dem vierten Quartal 2016 liegen sie sogar deutlich im negativen Bereich. Wer also sein Erspartes auf Sparbüchern oder Festgeldkonten hält, hat seitdem Geld verloren. Eine Studie der Allianz-Versicherung belegt, dass schon in den Jahren vor der Nullzinspolitik der Notenbanken die europäischen Nachbarn der Deutschen ihr Geld wesentlich effektiver anlegten. Während diese in den „fetten Jahren“ 2012 bis 2015 auf eine Rendite von 4,6 % kamen, haben sich die Deutschen in dieser Zeit mit 2,3 % begnügt. Seit Anfang 2017 kam zu den niedrigen Zinsen auch noch hinzu, dass die reale Rendite der Versicherungsansprüche ein besonders niedriges Niveau erreichte. Lebensversicherungen und Rentenprodukte, die mit etwa 35 % bzw. 2,199 Bill. Euro hinter den Geldeinlagen auf Rang 2 beim deutschen Vermögensaufbau rangieren, konnten nun die Verluste nicht mehr ausgleichen. Investmentfonds mit Anleihen und Aktien machen ohnehin nur rund 10 % des deutschen Privatvermögens aus, die Direktanlage Aktien sogar nur 7 %. Daraus ergibt sich nach Berechnungen der Bundesbank schon Anfang 2018 für die Deutschen eine Gesamtrendite auf ihr Privatvermögen von –0,8 %. Erstmals seit sechs Jahren ist damit die Rendite wieder negativ. Trotz – oder gerade wegen – des Rekordniveaus an Geldbeständen nimmt somit auch die Kaufkraft der Deutschen seit Jahresbeginn ab. 

Diese Vermögensvernichtung hat ihre Ursache vor allem in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Ihre Niedrigzinspolitik hält die Staaten über Wasser, lässt Sparer und Anleger jedoch havarieren. Je niedriger der Zinssatz, desto schneller verlieren die Spareinlagen an Wert. „Die Sparer haben es mit ihrer Anlage-Entscheidung auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen“, konterte EZB-Präsident Mario Draghi, als er 2016 wegen der Herabsetzung der Zinsen auf null Prozent kritisiert wurde. Und tatsächlich belegen die aktuellen Zahlen: Obwohl die Zinsen in den Keller rauschten und Aktien und Immobilien kräftig an Wert zulegten, blieb das Anlageverhalten der deutschen Haushalte eher konservativ. Ihre Lieblingsanlage blieb auch nach 2016 das Sparbuch. Der Besitz an Aktien dagegen ging sogar zurück. Auch wenn die Anleger zeitweise sogar wieder auf das Börsenparkett zurückkehrten, wurden Aktien nie vollständig in den Vermögensaufbau integriert, was zu einem großen Teil der Politik angelastet werden muss. Sie klassifiziert diese Anlageform immer noch als hoch spekulativ und fördert sie somit nicht. 

„In den Vereinigten Staaten sprechen Familien über Aktieninvestitionen am Frühstückstisch, Kinder wachsen damit auf und bekommen solche Gespräche mit“, sagt Dr. Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut. Und das lohnt sich. Seit 1871 beträgt die durchschnittliche Jahresrendite des Dow Jones Kursindex 6,7 %. Würde man wie beim DAX die Dividenden reinvestieren, ergäbe sich sogar eine jährliche Rendite von 11,1 %. Und selbst unter Berücksichtigung der Inflation seit 1870 käme der Dow Jones dann noch auf 8,9 % p.a. Der DAX kann zwar mit dieser Performance nicht ganz mithalten, aber dennoch schlägt ein langfristiges Investment in den deutschen Leitindex alle anderen Assets. 

Nur mit einem Aktieninvestment lässt sich langfristig Vermögen aufbauen. Gerade junge Menschen haben noch die nötige Zeit, mit Aktien ihre Rente abzusichern. 

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Neues aus Unternehmen

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IPOs

Redaktionelles

Enteignungsindustrie im Verfassungsgericht?

Es ist der Versuch die Aktionärsrechte zu beschneiden. Die Besetzung des obersten Verfassungsrichters. Ursprünglich sollte Günter Krings, Staatssekretär im Innenministerium, nominiert werden. Doch ihm fehlte die breite Unterstützung, sodass die CDU einen neuen Kandidaten präsentiert.

Eine Konzernlobby versucht, über die Einschleusung eines führenden Vertreters der Enteignungsindustrie ins Verfassungsgericht die Rechte der Kleinaktionäre zu kappen. Proteste der ES-Leser bei den Abgeordneten ihres Wahlkreises können dies ebenso verhindern wie seinerzeit den Entwurf zum Delisting. Doch die Zeit drängt, denn die Richterwahl soll bereits am Donnerstag (22.11.) aufgrund einer zu Sitzungsbeginn zu beschließenden Erweiterung der Tagesordnung erfolgen. Es soll wohl niemand mehr Zeit haben, es sich noch anders zu überlegen. Über den Link https://www.bundestag.de/service/formular/contactform?mdbId=523064 kann man allen Mitgliedern des Deutschen Bundestages direkt eine Nachricht senden.

 

 

 

 

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Infas will stark wachsen und zahlt wieder Dividende

Sommerliches Wetter und gute Laune prägten die diesjährige Hauptversammlung der infas Holding AG in Bonn. Alleinvorstand Menno Smid konnte den Aktionären für 2017 abermals Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis präsentieren. So kletterten die Erlöse deutlich auf 29,3 (22,7) Mio. €. Das Ebit hat sich auf 3,14 (1,7) Mio. € annähernd verdoppelt. Unter dem Strich ergibt sich ein Jahresüberschuss von 1,88 (0,21) Mio. € oder 0,21 € je Aktie. Die Aktionäre dürfen sich somit wieder nach 2015  auf eine Dividende von 0,07 € freuen.

Auch in den kommenden Jahren will infas weiter deutlich wachsen. Neben den organischen Wachstumschancen kündigte Vorstandschef Smid an, auch alle anderen Optionen (wie etwa Akquisitionen) ins Auge zu fassen. Zu diesem Zweck wird derzeit eine Wachstumsstrategie ausgearbeitet, die mit Unterstützung des vom Aufsichtsrat derzeit gesuchten Finanzvorstandes in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll. Geplant ist dabei auch die Erschließung weiterer Marktsegmente, die bislang noch nicht gezielt bearbeitet wurden.  Dazu gehören etwa die Bereiche Medien und Verlage, Banken und Versicherungen sowie die pharmazeutische Industrie. Auf diese Weise soll sich der Umsatz bis zum Jahr 2021 auf rund 50 Mio. € erhöhen. Über das rein organische Wachstum im bisherigen Geschäft läge das Umsatzpotenzial bei rund 35 bis 36 Mio. €. Laut CEO Smid ist es erklärtes Ziel, „erster Mittelständler“ im Markt hinter den Big Four der Branche zu werden. Da er seinen Ende 2018 auslaufenden Vertrag um weitere drei Jahre bis Ende 2021 verlängern möchte, könnte der langjährige infas-Chef die angekündigte Wachstumsstrategie persönlich umsetzen.

Angesichts der weiterhin positiven Aussichten und der erfreulichen Kursentwicklung in den letzten Monaten verwundert es wenig, dass alle HV-Beschlüsse einstimmig gefasst wurden, darunter auch die Wiederwahl des Aufsichtsrates. Das Kontrollgremium besteht damit weiterhin aus Frau Susanne Neuschäffer als Vertreterin der Großaktionärin Effecten-Spiegel AG (20,4 %) sowie den Herren Dr. Oliver Krauß (Vorsitzender) und Hans-Joachim Riesenbeck (stv. Vorsitzender).

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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