Villeroy & Boch AG

Die Villeroy & Boch AG erwirtschaftete im ersten Quartal 2019 einen Umsatz von 197,7 Mio. Euro. Während der Umsatz im Bereich Tischkultur um 6,2 Prozent auf 65,5 Mio. Euro zulegte, sank der Umsatz im Bereich Bad und Wellness deutlich von 147,2 auf 131,4 Mio. Euro. Durch die Abarbeitung von Lieferrückständen aufgrund einer Softwareumstellung Ende 2017 fiel das erste Quartal 2018 extrem stark aus. Zudem führten in Übersee Zahlungszieländerungen zu Umsatzverschiebungen mit einem negativen Umsatzeffekt von 5,4 Mio. Euro. Deutlich anziehende Auftragseingänge lassen aber eine bessere Entwicklung in den kommenden Quartalen erwarten. Durch die steigenden Auftragseingänge erhöhte sich der Auftragsbestand gegenüber dem Jahresanfang um 13,0 Mio. Euro auf 72,8 Mio. Euro. Davon entfielen 55,6 Mio. Euro auf den Bereich Bad und Wellness und 17,2 Mio. Euro auf den Bereich Tischkultur. Bedingt durch den geringeren Umsatz verringerte sich das EBIT gegenüber dem Vorjahresquartal von 11,1 auf 8,5 Mio. Euro. Auf dieser Basis bestätigt der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr, die ein Wachstum von 3 bis 5 Prozent bei Umsatz und Ergebnis vorsieht.(ES - 18.4.2019 - 14:00 Uhr)

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Seven Principles AG

Die Seven Principles AG steigerte den Umsatz im Geschäftsjahr 2018 um 8,8 Prozent auf 101,6 Mio. Euro und übersprang damit die Marke von 100 Mio. Euro. Das Wachstum basierte sowohl auf organischen Steigerungen als auch auf der Akquisition der DTS Data Transition Services GmbH. Zudem konnte das IT-Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen im vergangenen Jahr mehr als 100 Neukunden gewinnen. Beim EBIT wies die Gesellschaft sogar eine Steigerung um 81 Prozent auf 0,7 Mio. Euro aus. Eine hohe Fluktuationsquote, der damit einhergehende Einsatz von Subunternehmen sowie Aufwendungen für den IT-Refresh wirkten sich jedoch ergebnisbelastend aus. Dadurch verringerte sich der Jahresüberschuss von 0,4 Mio. Euro auf 22 TEUR. Das Ziel eines signifikant positiven Ergebnisses wurde damit verfehlt. Für das laufende Jahr erwartet das Management einen Umsatz von über 100 Mio. Euro und eine deutliche Verbesserung beim EBIT. Zudem Strebt die Gesellschaft ein signifikant positives Ergebnis an.(ES - 17.4.2019 - 13:00 Uhr)

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LUDWIG BECK am Rathauseck - Textilhaus Feldmeier AG

Die LUDWIG BECK am Rathauseck - Textilhaus Feldmeier AG hat den Ende Januar 2019 gestarteten Verkaufsprozess für WORMLAND heute zum Abschluss gebracht. So werden sämtliche Anteile an der Theo Wormland GmbH & Co. KG an die von WORMLAND-Managern gehaltene WL Erwerbs GmbH verkauft. Der Verkäufer überträgt das Unternehmen frei von Bankverbindlichkeiten zuzüglich einer Verkäuferzuzahlung in Höhe von rund 7,5 Mio. Euro. Dagegen hat sich der Käufer lediglich zu einer Eigenkapitalzuführung von 0,5 Mio. Euro verpflichtet. Als Vollzugstag des Vertrags wird der 30. April 2019 angesehen. Dadurch verändert sich auch die Prognose von LUDWIG BECK für das Geschäftsjahr 2019. So rechnet das Unternehmen nun mit einem Umsatz zwischen 114 und 119 Mio. Euro nach zuvor 165 bis 170 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Steuern wird dabei zwischen minus 12 und minus 13 Mio. Euro gesehen. Zuvor hatte das Management ein Ergebnis vor Steuern zwischen 1,5 und 2,5 Mio. Euro prognostiziert. Im Einzelabschluss wird ein Verlust von 10 bis 11 Mio. Euro erwartet. Aufgrund dessen ist mit einer Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2019 nicht mehr zu rechnen.(ES - 15.4.2019 - 19:00 Uhr)

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Randnotizen

3D-Drucker fertigen Hüftgelenke, Zahnkronen, Hörgeräte, Spielzeug, Maschinen-, und Flugzeugteile, Roboter sogar ganze Autos. Warum also keine Häuser? 

Es war ein Erdbeben, das den französischen Professor Benoit Furet auf die Idee brachte, ein Haus aus dem 3D-Drucker zu konstruieren. Denn nach der Naturkatastrophe in Neapel 2015 brauchten die Menschen binnen weniger Stunden ein neues Dach über dem Kopf. Was zunächst als notdürftige Behausung gedacht war, ist inzwischen ein lebenswertes Projekt in einem weltweiten Wettstreit. Denn inzwischen gibt es rund um den Globus Baustellen, auf denen riesige Materialdrucker Beton zu Wänden und schließlich zu Häusern schichten – schneller und billiger als mit herkömmlicher Technik. 

Im niederländischen Eindhoven wird derzeit eine ganze Wohnsiedlung aus dem Drucker errichtet. Schon 2017 hatte das dänische Start-up 3D-Printhuset in Kopenhagen in zwei Tagen einen 50 Quadratmeter großen Büropavillon gedruckt. Und seit einem Jahr bietet die chinesische Firma WinSun gedruckte Fertighäuser an. Die günstigsten Wohnhäuser gibt es schon für umgerechnet 5.000 Euro. Erst kürzlich druckte das Unternehmen in einem Industriepark eine zweistöckige Villa mit insgesamt 1.100 Quadratmeter Wohnfläche. Für die Füllmasse wurde Bau- und Industrieschutt verwendet, der so recycelt wird. Der Bauschutt, schnell trocknender Zement und ein spezielles Härtungsmittel werden gemischt und erhitzt und durch Kanülen geleitet. Düsen spritzen dann auf den Millimeter genau die vom Computer entworfenen Wände und Dachteile. Der Druckprozess dauert einen Tag. Dann werden die Elemente an herkömmliche Stahlträger gesteckt, mit Drahtgestellen verbunden, die Hohlräume mit Isolierstoffen gefüllt und Fenster eingebaut. Das braucht weitere fünf Tage. Nach dem gleichen Prinzip baute WinSun jetzt einen fünfstöckigen Wohnblock. Er ist das bislang größte Objekt aus einem 3D-Drucker. 

„Bis man hierzulande ein komplettes Haus aus einem Guss drucken kann, wird es noch einige Jahre dauern“, sagt Klaudius Henke, Architekt am Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion der Technischen Uni München. Dennoch sieht auch er die Zukunft im 3D-Druck. „Man spart Material, das kostet weniger und schont die Umwelt.“, sagt er. „Außerdem können wir beim Druck schon Dämmmaterial einbauen oder Schächte und Kanäle für Lüftung, Wasser und Strom, und man kann die Bauteile individuell gestalten.“ Nicht nur Henke und sein Team versuchen, die perfekte Zusammensetzung für den druckbaren Baustoff zu finden. Denn fast überall wird im additiven Schichtbauverfahren gedruckt, bei dem das Material Schicht für Schicht aufgebracht wird. Es muss also zunächst flüssig sein, schnell aushärten, aber biegsam sein und viel Zugkraft aushalten. In Henkes „Druckertinte“ ist neben Zement und Wasser noch Holz, was die Teile leichter macht und gleichzeitig dämmt. Im französischen Nantes setzt man auf Kunstharzschaum, der zunächst den Beton in Form hält und später als Dämmung dient. Obwohl aber bisher immer noch die tragenden Elemente das Hauptproblem sind, soll in Dubai jetzt der erste 3-D-Wolkenkratzer gedruckt werden. Saudi-Arabien hat angekündigt, in den kommenden Jahren 1,5 Mio. Wohnungen zu drucken. In Eindhoven soll spätestens 2024 die Siedlung fertig und der Hausdruck massentauglich sein. Weltweit wird der Betondruck-Branche bis 2023 ein Wachstum um 317 % auf knapp 1,5 Mrd. Euro zugetraut. 

Die digitale Revolution hat endlich auch den klassischen Hausbau erreicht und wird in der Baubranche keinen Stein auf dem anderen lassen. Neue Materialien und Techniken werden ebenso erforderlich sein wie die Veränderung von Arbeitsprozessen. Das wiederum wird neue Berufszweige und Zulieferbranchen hervorbringen, was auch Anlegern neue Investitionschancen bietet. Zudem werden Kosten und Ressourcen geschont und vielleicht auch Wohnen wieder bezahlbar gemacht. Doch noch schöner ist die Vision, dass sich durch Krieg oder Naturkatastrophen zerstörte historische Altstädte schneller wieder aufbauen ließen und kommunale Schmuddelecken einfach neu gedruckt werden könnten.

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Die Deutsche Bank ist krank, sehr krank – und das seit vielen Jahren schon. Selbst als die Symptome eindeutig waren, dementierten die Verantwortlichen immer noch hartnäckig und wollten Anlegern und Geschäftspartnern einreden, dass alles nur halb so schlimm sei. Doch die Verluste des Instituts bewegen sich inzwischen deutlich im zweistelligen Milliardenbereich. Allein im vierten Quartal 2018 lag der Nettoverlust bei rund 409 Mio. Euro. 

Und in jedem Finanzskandal irgendwo auf der Welt ist die Deutsche Bank irgendwie verstrickt, der Aktienkurs schon seit Jahren im Keller. Binnen eines Jahres verloren die Titel 55,7 % an Wert, innerhalb von fünf Jahren sind es -74,6 %. Doch in den letzten Monaten hat sich der Zustand des Patienten Deutsche Bank nochmals massiv verschlechtert. Finanzminister Olaf Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies sind überaus besorgt und rechnen offenbar mit dem Schlimmsten. Ein Überleben der Bank scheint ohne Organspende kaum möglich. Also ist man seit Monaten im In- und Ausland auf der Suche nach einem geeigneten Spender. Und Jörg Kukies als ehemaliger Deutschlandchef von Goldman Sachs hat glücklicherweise genügend Erfahrung mit schwierigen Eingriffen. Mit der Commerzbank scheint nun der geeignete Spender gefunden. Sie hat im vergangenen Jahr mit 865 Mio. Euro etwa zweieinhalb Mal so viel verdient wie die Deutsche Bank und ist bei ihrem seit Jahren laufenden Konzernumbau schon deutlich weiter als der Branchenprimus. Andererseits ist die Commerzbank allein auch nicht mehr kräftig genug, um international wirklich eine Rolle zu spielen. Das Institut musste dann auch noch im Herbst den DAX verlassen und stieg in den MDAX ab. Aber der Bund ist noch mit 15 % beteiligt und wünscht sich schon lange ein starkes deutsches Geldhaus – einen „nationalen Champion“, der auch international wettbewerbsfähig ist und mit den großen chinesischen und US-amerikanischen Instituten dauerhaft mithalten kann. Denn in der Weltspitze spielen deutsche Banken schon seit der Finanzkrise nicht mehr mit. Im August 2018 stellte Bundesfinanzminister Olaf Scholz fest, dass es ein Problem für eine große Volkswirtschaft wie die deutsche sei, „dass die Banken (...) nicht die Größe und die Globalität haben, um die Wirtschaft zu begleiten“. Und in der Tat, in der von der Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) erarbeiteten Rangliste aus April 2018 liegt die Deutsche Bank nach der Bilanzsumme global nur auf Platz 15, die Commerzbank findet sich sogar erst auf Rang 54. Die ersten vier Plätze in dem Ranking belegen Institute aus China, noch vor der größten US-Bank JP Morgan Chase. Die Nummer 1 in Europa, die HSBC, kommt immerhin auf Platz 7 und die BNP Paribas belegt Platz 8. Der Wert von Deutscher Bank und Commerzbank ist seit der Erhebung weiter gesunken. Zusammen kommen sie gerade mal auf eine Marktkapitalisierung von rund 25 Mrd. Euro. Doch eine Kapitalspritze würde keine der beiden Banken mehr bekommen. Es sei denn, man fusioniert die beiden. Dann ließe sich für die neue Großbank sicher noch einmal der Markt anzapfen. 

Bei der Commerzbank hat der Staat über seine 15%ige Aktienbeteiligung ohnehin ein direktes Mitspracherecht und kann entsprechend Einfluss ausüben. Die Deutsche Bank ist inzwischen zu schwach, um sich dem politischen Druck zu entziehen. Und die Steuerzahler haben letztlich keine Wahl, sie werden nicht gefragt. Sie werden am Ende wieder mal die Rechnung für Missmanagement und Geldgier von rücksichtslosen Bankern und unfähigen Politikern bezahlen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Patienten auch wirklich überleben, denn bisher war staatliche Einmischung in den freien Markt noch nie besonders nützlich. Schließlich musste die Commerzbank gerade durch die Übernahme der Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise 2008 mit staatlicher Hilfe gerettet werden, hat sich jedoch bis heute nicht vollständig erholt. Wie erfolgreich die bevorstehende Not-OP für die beiden führenden deutschen Banken sein wird, ist fraglich. Wie sie ablaufen könnte, zeigte jedenfalls schon vor Jahren die Fernsehserie „Bad Banks“. 

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Spezial

„Die Stahlfestung wankt“ schrieb der ES in Ausgabe 29/18, nachdem ThyssenKrupp sowohl seinen langjährigen CEO Hiesinger als auch seinen Aufsichtsratschef Ulrich Lehner verloren hatte. Zu den Problemen im operativen Geschäft gesellten sich nun auch noch ein kopfloses Management, eine unberechenbare Großaktionärin in Person der Mathematikprofessorin Gather sowie zwei aktivistische Investoren (vgl. ES 35/18). 

Kein Wunder also, dass namhafte Kandidaten für den Vorsitz im Aufsichtsrat dankend abwinkten. Was wohl Berthold Beitz dazu sagen würde, dass ihm letztlich Bernhard Pellens, Lehrstuhlinhaber für Internationale Unternehmensrechnung an der Universität Bochum, nachfolgt. 

Ex-Finanzchef Guido Kerkhoff bleibt weiterhin Vorstandschef und wird nun die Aufspaltung des Traditionskonzerns in die beiden börsennotierten Unternehmen „ThyssenKrupp Materials AG“ (Stahl, Werkstoffhandel, Großwalzlager- und Schmiedegeschäft) und „ThyssenKrupp Industrials AG“ (Anlagen, Autozulieferer, Aufzüge) umsetzen. Dass der Aufsichtsrat den Teilungsplan quasi durchwinkte, war letztlich absehbar. Schließlich hatte die Krupp-Stiftung, die mit 21 % größter Anteilseigner ist, schon ihre Zustimmung signalisiert. 

Die Idee der Krupp-Satzung, den Konzern als Ganzes zu erhalten, ist damit zwar weit weg, aber immerhin ist „Teilen“ besser als „Ausschlachten“.

 

 

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Kaum ein Thema, abgesehen von Bitcoin, hat in den vergangenen Jahren für so viel Wirbel am Markt gesorgt wie Cannabis. Zum Teil vierstellige Renditen konnten Anleger zeitweise einfahren. Der Markt boomt! Zeit, sich die vielversprechendsten Cannabis-Titel einmal genauer anzusehen. 

Zwei Jahre nach der Liberalisierung von medizinischem Cannabis in Deutschland ist die Nachfrage so hoch wie nie zuvor. 2018 gaben Apotheken rd. 145.000 Einheiten cannabishaltiger Produkte auf Rezept aus. Das ist knapp dreimal so viel wie im vergleichbaren Zeitraum 2017. Während in Deutschland dennoch auf die „grüne Revolution“ gewartet wird, sind die USA und Kanada schon weit voraus. Bereits seit 2001 ist die medizinische Nutzung von Cannabis in Kanada legal. Seit Oktober 2018 ist sogar der Freizeitkonsum erlaubt. Auch in den USA ist das „Kiffen“ bereits in zehn Bundesstaaten straffrei. In mehr als 30 erhalten etwa Schmerz- oder Krebspatienten Marihuana auf Rezept. Auf europäischem Boden waren die Niederländer Vorreiter. Hier ist die Therapie mit medizinischem Marihuana seit März 2003 erlaubt, es wird seit dem 1. September desselben Jahres legal in Apotheken verkauft. Langfristig gesehen bietet vor allem der US-Markt das größte Wachstumspotenzial. Experten zufolge soll das Volumen bei medizinischem Marihuana von 10–11 Mrd. $ in 2018 auf 24–40 Mrd. $ bis 2021 ansteigen. Kein Wunder also, dass die meisten „Hot Stocks“ der Cannabis-Industrie auf dortigem Boden gewachsen sind. 

Das Branchenschwergewicht ist nach wie vor die kanadische Canopy Growth (CA1380351009) mit einer akt. Marktkapitalisierung von 20,9 Mrd. CAD. Das 2014 gegründete Unternehmen ist einer der führenden Anbieter von medizinischem Cannabis auf dem nordamerikanischen Markt. Neben dem Heim- und Kernmarkt ist das Unternehmen bereits in 11 weiteren Ländern wie z.B. Australien, Spanien, Dänemark oder Deutschland aktiv. Hier sicherten sich die Kanadier jüngst den führenden deutschen Hersteller von Verdampfern, Storz & Bickel, für 145 Mio. €. Zwar stand nach den ersten 9 Monaten 2018/19 investitionsbedingt mit –1,45 $ je Aktie zwar noch ein Verlust in den Büchern, der Umsatz konnte mit gut 132,3 (55,1) Mio. $ jedoch mehr als verdoppelt werden. Zudem verfügt Canopy mit 7,42 (1,24) Mrd. $ per 31. Dezember über ein durchaus komfortables Finanzpolster. Ende 2017 sorgte der Einstieg von Constellation Brands („Corona“) für deutlichen Kursauftrieb. Mitte August 2018 erhöhte der Getränkeriese seinen Anteil auf ganze 38 %. Darüber hinaus sicherte sich Constellation Brands rd. 140 Mio. Warrants mit dem Recht, diese in die entsprechende Anzahl Aktien umzuwandeln. Damit könnte der Anteil sogar zu einer Mehrheitsbeteiligung von über 50 % anwachsen. Gemeinsam wollen die beiden Konzerne u.a. cannabishaltige Biere und Softdrinks entwickeln. Mit der Zusammenarbeit öffnet sich für Canopy Growth ein weiterer Milliardenmarkt. Canopy Growth kann mit einer hervorragenden Marktpositionierung und guten Finanzreserven überzeugen. Hier kann man durchaus einen genaueren Blick wagen. 

Ebenfalls in Kanada beheimatet ist Aurora Cannabis (CA05156X1087). Das Unternehmen deckt die gesamte Wertschöpfung ab: Vom Anbau über die Produktion bis hin zur Kundenbetreuung. Mit einer jährlichen Produktionsleistung von 120.000 kg ist das Unternehmen auf Platz 2 der weltweiten Cannabis-Produzenten. Bis Mitte nächsten Jahres soll die Produktionskapazität auf ganze 500.000 kg anwachsen. Das ambitionierte Wachstumsziel will Aurora vor allem dank einer aggressiven Expansionsstrategie stemmen. In den letzten anderthalb Jahren hat der Cannabis-Hersteller einige Konkurrenten geschluckt, darunter den Anbieter und Produzenten von medizinischem Marihuana, MedReleaf. Insgesamt 3,2 Mrd. CAD in eigenen Aktien bot Aurora Mitte 2018 letztlich für die Übernahme auf. Das war bis dato einer der größten Deals in der Cannabis-Branche. Besonders aktiv ist Aurora auf internationaler Ebene. Das Unternehmen ist bereits Marktführer auf dem europäischen Markt für medizinisches Marihuana. Laut Q2-Bericht sollen bereits gut 6 % der Gesamtumsätze aus Europa stammen. Und die Expansion geht weiter. Erst vor wenigen Tagen hat Aurora Cannabis die Lizenz zum Verkauf seines Cannabisblüten-Vollextrakts Pedanios 5/1 auf dem deutschen Markt erhalten. Das Öl wird u.a. in der Schmerztherapie eingesetzt. Zwar ist auch Aurora Cannabis noch nicht profitabel, Ende 2018 verfügten die Kanadier jedoch über einen durchaus ansehnlichen Cash-Bestand von 88,2 Mio. CAD. Aurora Cannabis „berauscht“ Anleger mit spannenden Zukunftsperspektiven.

Abseits des nordamerikanischen Marktes haben es Rausch-Anbieter derzeit noch schwer, sei es aus politischen oder rechtlichen Gründen. Das britische Biopharmaunternehmen GW Pharmaceuticals (US36197T1034) hat es dennoch geschafft, sich auf dem hartumkämpften Markt zu etablieren. GW Pharmaceuticals ist für sein Multiple-Sklerose-Behandlungsprodukt Nabiximole bekannt. Es war das erste natürliche Cannabis-Pflanzen-Derivat, das in jedem Land die Marktzulassung erhielt. Aber der vielleicht größte Erfolg für die legale Marihuana-Industrie war die Zulassung Epidiolex durch die amerikanische Food and Drug Administration im Juni 2018. Das von GW aus Cannabis abgeleitete Hauptmedikament (Cannabidiol) überzeugte in mehreren Studien, in denen es bei zwei seltenen Arten von Epilepsie im Kindesalter zu einer statistisch bedeutenden Reduzierung der Anfallshäufigkeit im Vergleich zur Ausgangsbasis und zu einem Placebo-Medikament führte. Die Kosten für die Herstellung des Medikaments sind jedoch noch enorm, das Unternehmen daher, ebenso wie die Konkurrenz, noch lange nicht profitabel. Darüber hinaus ist der Aktienkurs bei GW Pharmaceuticals bereits hochgelaufen. Anleger sollten daher einen Rücksetzer abwarten. 

Wer nicht direkt in einen reinen Cannabis-Hersteller investieren will, wirft einen genaueren Blick auf die Aktie von AbbVie (US00287Y1091). Das Biotechnologie- und Pharmaunternehmen wurde 2013 von Abbott Laboratories abgespalten. Abbvie ist auf die Erforschung und Entwicklung innovativer Arzneimittel für einige der komplexesten und schwerwiegendsten Krankheiten der Welt spezialisiert. Mit einer Marktkapitalisierung von 114,4 Mrd. $ ist das Unternehmen bereits ein Branchenschwergewicht. Mit Marinol hat das Unternehmen ein Cannabis-Medikament im Portfolio, das u.a. bei Chemotherapien gegen Übelkeit zum Einsatz kommt. Den Großteil seiner Einnahmen generiert AbbVie mit Krebsmedikamenten – und das mehr als erfolgreich. Im Geschäftsjahr 2018 erzielte das Unternehmen einen Nettogewinn von 5,69 (5,31) Mrd. $. 

Nach der ersten Konsolidierungswelle sind viele der einst hochgelobten Cannabis-Aktien wieder vom Markt verschwunden (vgl. ES 46/14). Die verbliebenen Unternehmen entwickeln sich langsam vom hochspekulativen Investment zu einer interessanten Chance, im Medizinsektor in einen Milliardenmarkt einzusteigen.

 

 

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2018 erreichten die Sozialausgaben in Deutschland erstmals die Marke von einer Billion Euro. Der Wert entspricht mehr als ein Viertel der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung und wächst weiter rasant. So beeindruckend diese Zahl für einen Sozialstaat ist, deutet sie auch auf ein Missverhältnis hin. Denn die Zahl der Arbeitslosen liegt auf einem seit Jahrzehnten unerreichtem Tiefststand. Und noch immer sind 1,2 Mio. Stellen in Deutschland unbesetzt. Gleichzeitig müssen viele Arbeitnehmer einen Zweitjob annehmen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Alte Menschen sammeln Flaschen, um ihre magere Rente aufzubessern. Und in manchen Orten absolvieren Heranwachsende ein ganzes Schuljahr in Containern, weil das Geld für die Sanierung des Schulgebäudes fehlt. Gleichzeitig wurden 2018 insgesamt 402 Mio. Euro an Kindergeld ins Ausland überwiesen. Ein Abgleich der Daten zwischen den Familienkassen und der Ausländerbehörde, ob tatsächlich ein berechtigter Anspruch besteht, findet jedoch nicht statt. Und so wird von deutschen Steuergeldern Kindergeld auf deutschem Niveau in die EU und sogar darüber hinaus bezahlt. 

Hier stimmt doch etwas nicht! Damit stellt sich die Frage: Wie effizient und gerecht wird das umverteilte Geld im Sozialstaat Deutschland ausgegeben? Es kann nicht darum gehen, die Ausgabenschraube immer weiter nach oben zu drehen. Vielmehr muss das Sozialsystem so organisiert werden, dass es möglichst wenig Fehlanreize bietet. Überbordende Bürokratie muss zurückgefahren werden. Aus dem Bestreben, möglichst jedem Einzelfall gerecht zu werden, ist das Sozialsystem inzwischen so aufgebauscht und komplex, dass auch Behörden oft nicht mehr durchblicken. Und ausgerechnet hier wird dann gespart – nämlich an Personal für die Umsetzung. So konnten von den in 2018 gezahlten staatlichen Unterhaltsvorschüssen in Höhe von 2,1 Mrd. Euro wegen Personalmangels nur etwa 270 Mio. Euro wieder eingetrieben werden. 

Die geschröpften Steuerzahler haben ein Recht darauf, dass ihr Geld punktgenau und sozial gerecht eingesetzt wird!

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In der letzten Ausgabe hatte der ES die Dividendenkönige unter den deutschen Small Caps vorgestellt. In den Depots deutscher Anleger sind aber natürlich auch viele ausländische Titel zu finden. Denn gerade ausländische Unternehmen zählen seit Jahrzehnten zu den beständigsten und großzügigsten Dividendenzahlern. Doch auf den deutschen Aktionärskonten geht oft nur ein Bruchteil von den Rekordausschüttungen ein.

Angesichts jahrelanger Nullzinspolitik legen inzwischen neben Investoren vermehrt auch bislang hartnäckige Festgeldsparer ihr Geld in dividenden-starke Aktien an. Dabei lohnt häufig ein Blick über die Landesgrenze (vgl. auch ES 9/2017). Denn im Ausland sitzen etliche Gesell-schaften, die ihren Aktionären seit Jahren hohe Dividenden zahlen. Doch davon kommt nur ein Bruchteil auf dem Konto der deutschen Anleger an, der größte Teil landet beim ausländischen Fiskus. Und das, obwohl Steuerzahler hierzulande seit Anfang 2009 auf sämtliche Veräußerungsgewinne, Dividenden und Zinsen schon eine pauschale Abgeltungssteuer von 25 % zahlen. Zusätzlich gehen dann noch 5,5 % als Solidaritäts-zuschlag ab, außerdem eventuell Kirchen-steuer (s. auch ES 22/2017).  

Die Steuer wird direkt an der Quelle der Einkünfte abgezogen, also in dem Land, in dem die Einkünfte entstehen. D.h., die auf die Dividende anfallende Steuer wird nach Eingang der Zahlung vom depotführenden Kreditinstitut direkt einbehalten und an das zuständige Finanzamt abgeführt. Besitzt der Anleger ausländische Wertpapiere, greift dann noch zusätzlich der Fiskus des jeweiligen Heimatlandes zu. So kommt es zu einer doppelten Steuerbelastung für den Anleger (25 % Abgeltungsteuer in Deutschland und Quellensteuer im Ausland). 

Die Quellensteuer ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich hoch. In der Schweiz liegt sie z.B. bei saftigen 35 %, in den USA, Finnland, Belgien und Schweden jeweils bei 30 % (vgl. Tabelle 2). 

Deutschland hat mit vielen Staaten sog. Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen. Gemäß DBA kann die ausländische Quellensteuer auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet werden, und zwar maximal bis zu einer Höhe von 15 %. Alles, was an Quellen-steuer darüber hinaus-geht, müssen sich die Anleger beim Auslands-fiskus zurück-holen. Das ist mühsam, langwierig und teuer. Daher sind Aktien der Länder vorteilhaft, die entweder gar keine Quellen-steuer erheben (z.B. Großbritannien und Zypern) oder nur bis zu 15 % (z.B. Nieder-lande, Japan oder Russland). 

Aber: 25 % Abgeltungsteuer (plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) müssen immer bezahlt werden, auch wenn der ausländische Steuersatz niedriger ist. Unter dieser Quote kommt hierzulande keiner davon. 

Unser Nachbarland Frank-reich hat Anfang 2018 seine Quellen-steuer auf Ausschüttungen von bisher 30 % auf 12,8 % gesenkt (vgl. Tabelle 2). Das klingt zunächst gut, ist aber in der Praxis noch komplizierter als vorher und macht französische Dividendentitel letztlich unattraktiver. Der Steu-ersatz von 12,8 % gilt nämlich nur für Nicht-Franzosen. Die Wertpapierlagerstellen wissen aber nicht, in welchem Land der Anleger steuerpflichtig ist. Daher ziehen sie weiterhin generell 30 % ab. Davon werden natürlich auch nur die 12,8 % und nicht mehr
15 % auf die deutsche Abgeltungsteuer von 25 % angerechnet. Der Anleger bleibt also zunächst auf den restlichen 17,2 % sitzen. Er muss sich diesen Betrag bei der ausländischen Finanzbehörde selbst zurückholen. Und ausgerechnet in Frankreich ist dieses Verfahren komplizierter als in anderen EU-Staaten. So nehmen die Franzosen den Antrag auf Rückerstattung überhaupt nur an, wenn er über die depotführende Bank eingereicht wird und die deutsche Lager-stelle (Clearstream in Frankfurt) bestätigt, dass die Aktien in einem deutschen Depot verwahrt werden. Dieser Vorgang ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer, denn die Banken lassen sich ihre Dienste stattlich entlohnen (vgl. Tabelle 2). Hat der Anleger dann seine Ansprüche endlich durchgesetzt, dauert es meist Jahre, bis er tatsächlich sein Geld wiedersieht.

Die Rückerstattung der zu viel gezahlten Quellensteuer muss immer bei der Steuerbehörde des jeweiligen Landes beantragt werden. Aber selbst innerhalb der EU gibt es noch immer kein einheitliches Antragsverfahren. Auch gelten je nach Land unterschiedliche Verjährungs-fristen von zwei bis vier Jahren ab Dividendenzahltag. Das Bundeszentralamt für Steuern hat auf seiner Internetseite www.bzst.de unter „Steuern International“ die entsprechenden Formulare und Anschriften aller ausländischen Finanzbehörden zusammengestellt. 


Die Formulare sind jedoch zumeist in der Landessprache oder in Englisch auszufüllen. Auch die wenigen deutschen Erläuterungen sind kaum verständlich und noch dazu unübersichtlich. Das Schweizer Formular lässt sich zwar leicht ausfüllen, allerdings braucht man dafür das Zusatzprogramm „Snapform Viewer“. Nach dem Ausfüllen muss dann zunächst das Formular an das eigene deutsche -Finanz-amt geschickt werden. Dieses muss mit amtlichem Siegel bestätigen, dass der Anleger in Deutschland als Steuerzahler registriert ist. Erst dann kann das Erstattungsformular zusammen mit dem Dividendenbeleg und dem „Tax Voucher“ der Depot-bank an die Schweizer Finanzbehörde verschickt werden. Beim Tax Voucher kassieren einige Banken richtig ab (vgl. Tabelle 1). Erfolgt die Erstattung dann in Regionalwährung, verlangen manche Banken nochmals für den notwendigen Währungs-tausch in Euro eine Gebühr. 

Um diesen Aufwand zu umgehen, sollten Anleger versuchen, über ihre Depotbank einen Antrag auf Voraber-mäßigung zu beschaffen. Dabei wird den Steuerbehörden des jeweiligen Landes vor der Dividenden-auszahlung bescheinigt, dass ein in Deutsch-land ansässiger Investor die Dividende erhält und die Aktien im Inland verwahrt werden. Da der Kunde bei Depoteröffnung ohnehin eine Kopie seines Personalausweises vorlegen muss, um nachzuweisen, dass er als deutscher Staatsbürger gemeldet ist, kann theoretisch jede depotführende Bank diese Bescheinigung ausstellen. Doch wie so oft klaffen auch hier Theorie und Praxis weit auseinander. Viele Institute bieten den Service gar nicht an, andere verlangen dafür extra Gebühren. Und bei manchen Depotstellen muss man dafür eine komplexe DBA-Voll-macht ausfüllen. Die meisten deutschen Banken sind aber inzwischen zumindest bei der US-Steuerbehörde IRS als sog. „Qualified Interme-diary“ registriert und damit berechtigt, für deutsche Anleger auf US-Titel von vornherein nur 15 % Quellensteuer an den amerikanischen Fiskus abzuführen.

Wichtig: Die am Jahres-ende zu viel gezahlte Quellensteuer wird in der Jahressteuerbescheinigung ausgewiesen und kann über die Steuererklärung mit den Erträgen bei einer anderen Bank verrechnet werden. Ist das jedoch nicht möglich, verfällt die Verrechnungsmöglichkeit, denn eine Übertragung ins Folgejahr ist ausgeschlossen.

Anleger sollten ihre depotführende Bank unbedingt auf die ausländische  Quellensteuer ansprechen und abklären, ob und für welche Länder eine Vorabbefreiung oder eine automatische Steuererstattung angeboten wird und wie hoch die Gebühren sind.

 

 

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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Randnotizen

Aus Fremder Feder

In Eigener Sache

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