Staramba SE

Der Abschlussprüfer BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat heute dem Verwaltungsrat der Staramba SE mitgeteilt, dass er für den Jahresabschluss und Lagebericht 2017 einen Versagungsvermerk erlässt. Grund hierfür ist nach Aussage des Wirtschaftsprüfers die Frage, ob Anpassungen in Bezug auf die ausgewiesenen Umsatzerlöse und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen einschließlich der zugehörigen Angaben erforderlich sind, da die gesetzlichen Vertreter die für die Prüfung der Umsatzrealisation sowie des Bestands der Forderungen erforderlichen Aufklärungen und Nachweise nicht erbracht haben sollen. Vor dem Hintergrund der Bedeutung des Prüfungshemmnisses erteilt der Wirtschaftsprüfer einen Versagungsvermerk. Der Verwaltungsrat der Staramba SE kann sich den Ansichten des Prüfers jedoch nicht anschließen und wird demnächst über das weitere Vorgehen zur Feststellung und Billigung des Jahresabschlusses entscheiden.

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Hornbach Holding AG & Co. KGaA

Die Hornbach Holding AG & Co. KGaA trieb die digitale Transformation im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017(18 (bis 28. Februar) weiter voran. Dazu investierte die Gesellschaft mehr als 60 Mio. Euro in den Ausbau des Mehrkanalhandels. Mit diesen Maßnahmen wurden die letzten Lücken im DIY-Onlinehandel geschlossen. Aktuell ist Hornbach in sämtlichen Ländern stationär und online vertreten. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz um 5,1 Prozent auf 4,14 Mrd. Euro. Im Teilkonzern Hornbach Baumarkt legten die Erlöse um 3,9 Prozent auf 3,89 Mrd. Euro zu. Das um nicht-operative Sondereffekte bereinigte EBIT erhöhte sich um 3,7 Prozent auf 165,6 Mio. Euro. Beim Jahresüberschuss vor Gewinnanteilen Dritter kam die Gesellschaft um 6,5 Prozent auf 95,7 Mio. Euro voran. Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich entsprechend auf 5,11 Euro. Trotz der Gewinnsteigerung soll die Dividende auf dem unveränderten Niveau von 1,50 Euro bleiben. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Vorstand eine Umsatzsteigerung im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das um nicht-operative Ergebniseffekte bereinigte EBIT soll dabei auf dem Vorjahresniveau liegen.

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Grammer AG

Die Grammer AG hat einen Vertrag zur Übernahme der Toledo Molding & Die Inc. unterzeichnet. Toledo Molding ist ein führender Spezialanbieter für die Entwicklung und Herstellung thermoplastischer Komponenten in Nordamerika. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Toledo Molding mit rund 1.600 Mitarbeitern mit Standorten in den USA und Mexiko einen Umsatz von über 300 Mio. USD. Mit der Übernahme stärkt Grammer die Position in Nordamerika und erweitert das Produktportfolio. Zudem wird dadurch auch die lokale Wertschöpfung in den USA ausgeweitet. Im Rahmen der Übernahme erwirbt Grammer 100 Prozent der Gesellschaftsanteile der Toledo Molding & Die Inc. Die Finanzierung erfolgt allein komplett über Fremdfinanzierung, da dies zu attraktiven Konditionen möglich ist. Der finale Vollzug der Transaktion soll im dritten Quartal 2018 abgeschlossen werden.

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ES-Aktienfavoriten

Ausgabe 21 | 23.05.2018

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Täglicher Börsenbericht

Leichte Erholung

DAX reduziert Verluste

Nachdem der DAX zuletzt leichte Verluste hinnehmen musste, dürfte er sich an diesem Freitag wieder ein wenig erholen. Er würde damit sein bisheriges Wochenminus von 1,7 % etwas reduzieren, verzeichnete jedoch die erste Verlustwoche seit März. Bisher zeigte sich die 200-Tages-Linie jedoch noch nicht gefährdet. Derweil hatten der von US-Präsident Donald Trump abgesagte Nordkorea-Gipfel und seine Prüfung von Einfuhrzöllen für Automobile die Märkte schon am Vortag belastet. Der Dow Jones notierte 0,3 % tiefer, der S&P 500 dämmte sein Minus auf 0,2 % ein und der Nasdaq schloss 0,1 % tiefer. Weiter wird auch gespannt nach Italien geblickt, wo die designierte neue Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtspopulistischer Lega im Blick der Anleger bleibt.

Während der gestrigen Hauptversammlung der Deutschen Bank mussten die Papiere des Finanzkonzerns massive Verluste hinnehmen. Die Bank will im Zuge der geplanten Umstrukturierung ihre Aktivitäten im Aktienhandel und im Geschäft mit Hedgefonds verkleinern. Mit den Maßnahmen soll das Bilanzvolumen noch in diesem Jahr um knapp ein Zehntel reduziert werden.

Das durch die Ausgabe neuer Aktien eingenommene Geld von Medigene soll in die Forschung in der Immuntherapie gesteckt werden. Das Biotech-Unternehmen hatte die Platzierung der Aktien am Donnerstag nach Handelsschluss an der Frankfurter Börse  angekündigt.

Takkt plant Runelandhs zu erwerben. Der schwedische Distanzhändler für Betriebsausstattung befindet sich seit 2012 im Besitz der US-amerikanischen Brady Corporation.

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Auslandsfavoriten

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Thema der Woche

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Sommeraussichten

Droht den Börsen ein Wetterumschwung?

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Randnotizen

„Das ist unser Geld“, titelte der ES in Ausgabe 12/18 und prangerte an, dass die Deutsche Bank trotz des dritten Jahresverlustes in Folge für 2017 an ihre Mitarbeiter insgesamt 2,275 Mrd. Euro an Boni auszahlt. Doch der Altlasten-Sumpf ist noch viel tiefer: 

Vor einem Jahr bezifferten der damalige Deutsche Bank-Chef John Cryan und sein Vize Christian Sewing das Netto-Volumen der Altlasten aus dem Investmentbanking auf 60 Mrd. Euro. Diese setzen sich hauptsächlich aus Kreditausfallversicherungen („Credit Default Swaps“, CDS), hypothekenbesicherten Wertpapieren sowie Aktienderivaten zusammen. Obwohl schon immer hoch risikobehaftet, waren die Händler „immer an diesen Trades interessiert, weil sie sofort ihre Boni bekommen haben. Die Bank blieb dann auf diesen Positionen sitzen“, so ein Ex-Aufsichtsrat gegenüber dem britischem Magazin „International Financing Review“. Allem Anschein nach wurden also alle Erträge aus diesen Geschäften sofort verbucht und dafür dann auch direkt Boni ausbezahlt. Egal, welche Laufzeit die Papiere hatten und ob sie unterm Strich tatsächlich Rendite für die Bank abwarfen oder nicht. So laufen manche der Papiere noch mindestens bis 2030, liegen aber in der Bilanz wie Blei, weil sie nicht mehr handelbar sind. Die Deutsche Bank muss daher dieses risikobehaftete Portfolio mit sehr viel Kapital hinterlegen – durchgerechnet mit etwa 4 bis 5 Mrd. Euro Eigenkapital. Auch wenn dies nicht an der Liquidität der Bank zehrt, ist es totes Kapital, das keine Rendite abwirft. Sein Wert entspricht rd. einem Zehntel des gesamten harten Eigenkapitals der Bank und mehr als der Hälfte jener 8 Mrd. Euro, die von der Deutschen Bank bei der letzten Kapitalerhöhung im April 2017 von ihren Aktionären zur Eigenkapitalstärkung eingesammelt wurden. Cryan gab zu, dass ohne dieses Portfolio die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank im Investmentbanking regelmäßig um 2 Prozentpunkte höher ausfallen würde. Dennoch lehnte er den beschleunigten Abbau der Altlasten ab, weil dann die Verluste der Bank noch höher ausfielen, was wiederum zu Lasten der Boni ginge. Ob Sewing hier durchgreift, ist fraglich. Schließlich war er nach der Finanzkrise zunächst als Chef der Revision und dann als Rechtsvorstand bereits dafür zuständig, die Altlasten der Investmentbanker aufzuräumen – ohne Erfolg.

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Ausgerechnet am Tag der Hauptversammlung der Volkswagen AG wird vor dem US-Bundesgericht in Detroit Anklage gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn erhoben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Verschwörung zur Täuschung der Behörden im Abgasskandal vor. Der ES hatte schon in Ausgabe 10/18 auf Unterlagen verwiesen, die belegen, dass der VW-Chef höchstpersönlich bereits im Mai 2014 über die Manipulationen im Konzern informiert war. Trotzdem windet sich Winterkorn bisher geschickt immer wieder aus der Verantwortung. Und sowohl hierzulande als auch in den USA war es bisher schwer, ihm eine direkte Schuld nachzuweisen. Da jedoch immer wieder neue Dokumente und enge Vertraute auftauchen, die Winterkorn belasten, wird es langsam eng für ihn. Inzwischen wurde in den USA Haftbefehl gegen ihn erlassen. Während hochrangige Manager in Deutschland bei einer Verurteilung erfahrungsgemäß mit einer Geld- und einer Freiheitsstrafe auf Bewährung davonkommen, sind die Amerikaner weniger gnädig. So sitzt der ehemalige VW-Verantwortliche für Umweltfragen in den USA, Oliver Schmidt, inzwischen für sieben Jahre ein, während der Rest der Clique in Deutschland die Pensionsgelder und Boni verprasst. Da Schmidt seinerzeit während eines Amerikaurlaubes verhaftet wurde, sollte Winterkorn wohl besser demnächst Urlaub auf Balkonien machen oder zumindest nur in solchen Ländern, die nicht an die USA ausliefern. Denn dort drohen ihm bis zu 25 Jahre Knast. 

Aber Urlaub in Deutschland ist ja auch schön, vor allem wenn man mit einem VW-Dienstwagen reisen kann.

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Die Bundeswehr ist in einem miesen Zustand: Panzer funktionieren nicht. Wegen Munitionsmangels finden keine Schießübungen statt. Für Kampfflugzeuge gibt es keine Ersatzteile. Es fehlen Scharfschützen- und Panzerabwehrwaffen. Gepanzerte Transportkraftfahrzeuge, der Transportpanzer FUCHS und das Allschutz-Transportfahrzeug DINGO müssen durch herkömmliche Fahrzeuge ersetzt werden. Selbst ausreichende Schutzwesten und lange Unterhosen sind Mangelware. So steht es im Jahresbericht 2017 des Wehrbeauftragten des Bundestages. Doch wird irgendwo in der Welt ein Panzer gebraucht, fragt man in Deutschland an. Sie gehören ebenso wie Kampfflugzeuge und schwere Transporthubschrauber zu den deutschen Exportschlagern. Fast 6 % der weltweit exportierten Waffen und Waffenbestandteile stammen aus deutscher Produktion. Nur die USA, Russland, China und Frankreich verkaufen mehr Waffen. Zeitweise baute die Bundesrepublik sogar ganze schlüsselfertige Munitionsfabriken in anderen Ländern. Die deutschen Waffenkonzerne Rheinmetall, ThyssenKrupp und Krauss-Maffei Wegmann zählen laut Friedensforschungsinstitut SIPRI zu den Rüstungsexporteuren mit den höchsten Umsätzen weltweit. Doch im Heimatland herrscht bei der „kleinsten Bundeswehr aller Zeiten“ Material- und Finanzmangel, ganze Kasernen sind nicht mehr besetzt. Sie wurde zum Stiefkind der Gesellschaft degradiert.

Wenn für einen Auslandseinsatz Material und Personal aus Hunderten von Standorten zusammengeklaubt werden und die deutsche Marine kein einziges U-Boot mehr fährt, Deutschland aber eines der größten Exportländer für modernste Waffentechnik ist, stinkt der Fisch vom Kopf.

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Feature

Das ist doch mal wieder typisch deutsch: Der Gesetzgeber erkennt nach diversen hochkarätigen Wirtschaftsskandalen die Notwendigkeit zur Einführung von Sammelklagen an, nimmt jedoch die Durchschlagskraft schon vorher wieder durch diverse Einschränkungen raus. 

Seit dem Börsengang der T-Aktie gibt es das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG). Es ermöglicht seit 2005 bei Klagen von mindestens zehn geschädigten Anlegern, dass in nur einem einzigen Gerichtsverfahren die wichtigsten Tatsachen- und Rechtsfragen geklärt werden. Das Urteil hat dann bindende Wirkung für alle weiteren Kläger. Der Haken: Jeder einzelne Betroffene muss, sofern er sich in ein vom Gericht zu erstellendes Klageverzeichnis eingetragen hat, selbst eine Klage einreichen. 

Im Laufe der Jahre und diverser weiterer massenhafter Verbraucherschädigungen erwies sich ein solches Musterverfahren als nicht ausreichend. Daher sieht der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung nun auch für Deutschland die Einführung von Sammelklagen vor. Das Gesetz soll spätestens am 01.11.2018 in Kraft treten, damit die Ansprüche geschädigter VW-Dieselbesitzer nicht verjähren. Um jedoch „amerikanischen Verhältnissen“ und einer ausufernden „Klageindustrie“ entgegenzuwirken, rudert die Regierung bereits im Vorfeld zurück und schränkt die Ausgestaltung der sog. Musterfeststellungsklage massiv ein. So dürfen laut Koalitionsvertrag nur „qualifizierte Einrichtungen“ wie z.B. Verbraucherverbände eine solche Klage einreichen. Die aber haben oft nicht die finanziellen Mittel und selbst auch keinen Schaden erlitten, sprich eine andere Intention. Wie bei einem KapMuG-Verfahren genügen zunächst zehn Geschädigte, um das Verfahren einzuleiten. In den folgenden zwei Monaten müssen sich dann mindestens 50 weitere Verbraucher der Klage anschließen, bevor es losgeht. Die Eintragung ins Klageregister ist bis zum Abschluss der mdl. Verhandlung möglich. Das Gerichtsurteil ist dann wieder für alle bindend, allerdings muss jeder Betroffene dann noch selbst in einem eigenständigen Verfahren seinen individuellen Schaden beweisen und festsetzen lassen. Das neue Gesetz erweitert somit nicht das bisherige KapMuG, sondern schränkt es ein, indem es den Kreis der Musterkläger von vornherein festlegt.

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Am vergangenen Freitag wurde VW-Chef Müller ohne Vorwarnung kurz vor der Hauptversammlung des Konzerns fristlos gefeuert. Der 64-Jährige hatte im Herbst 2015 Martin Winterkorn abgelöst und dafür ein Jahresgehalt von zuletzt 10,27 Mio. Euro kassiert. Damit lag er auf Platz 5 der bestbezahltesten Manager in Deutschland, hinter Joe Kaeser von Siemens mit 10,84 Mio. Euro, Kurt Bock von BASF mit 10,96 Mio. Euro, Dieter Zetsche von Daimler mit 13,04 Mio. Euro und dem unangefochtenen Spitzenverdiener der DAX-Konzerne Bill McDermott von SAP mit 21,15 Mio. Euro. 

Da sich nach den Festgehältern der Manager die Abfindungen bei Kündigungen und auch die Pensionsbezüge berechnen, ist klar, dass Müller einen Batzen Geld mitnimmt, obwohl er gefeuert wird. Müller, der vorher als Porsche-Chef auch nicht schlecht verdient hatte, wird trotz fristloser Kündigung das Unternehmen als reicher Mann verlassen. Bis zum Auslaufen seines Vertrages Ende April 2020 wird er in jedem Fall sein volles Gehalt weiter beziehen. Das sind quasi 20,1 Mio. Euro Abfindung. Ab 1. März 2020 wird er dann von VW bis zu seinem Tod eine Betriebsrente bekommen. Dafür hat der Konzern in seinem aktuellen Geschäftsbericht 30,1 Mio. Euro zurückgestellt (vgl. S. 81). Zudem ist vertraglich vereinbart, dass den Vorstandsmitgliedern auch im Ruhestand die Nutzung von Dienstwagen zustehen. Das gilt auch dann, wenn der Vertrag vorzeitig beendet wird. 

Auch Martin Winterkorn, der für den Dieselskandal verantwortlich gemacht wird (s. ES 10/18), hat noch seinen Dienstwagen. Und auch ihm wurde noch zwei Jahre lang sein Grundgehalt weiter bezahlt. Hinzu kamen Bonuszahlungen und natürlich die Pension. Selbst der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der nach der Übernahmeschlacht mit VW gehen musste, verließ den Konzern mit ca. 50 Mio. Euro. 

Egal, wie groß die Schuld und wie groß der Schaden für das Unternehmen ist – am Ende verlassen alle VW-Manager den Konzern mit Taschen voller Geld.

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Es herrscht Aufruhr im Tal der Könige – der Herrscher des Silicon Valley. Doch dieses Mal sind es keine neuen Innovationen, die von dort aus die Welt verändern, sondern schlechte Nachrichten. Und sofort laufen sich die Datenschützer warm, Anwälte bringen sich in Stellung, Talkshows senden Tag und Nacht, und auch die Politik versucht sich zu profilieren. An der Börse geraten die Technologieaktien massiv unter Druck. Ist das Tal der Könige dem Untergang geweiht?

Die schlechten Nachrichten trafen das Silicon Valley fast aus heiterem Himmel. Steuervorwürfe von US-Präsident Donald Trump, Todesfälle bei selbstfahrenden Autos, Datenleck und Datenmissbrauch haben die Technologieaktien im März schlagartig von ihrem Börsenthron gestürzt. Fast synchron verloren die Aktien von Facebook, Tesla, Amazon, Apple, Netflix und Alphabet (Google) innerhalb weniger Tage mehr als 10 % an Wert. Amazons Aktionäre sind seit dem Hoch um 110 Mrd. Dollar ärmer geworden, die von Facebook um 100 Mrd. Dollar.

In jedem anderen „traditionellen“ Unternehmen hätte der Vorstand bei einem solchen Marktverlust nicht einmal mehr die Zeit gehabt, seinen Rücktritt selbst zu erklären. Nicht so bei Facebook & Co. Denn Zuckerberg besitzt 75 % der sog. Class B-Aktien am Unternehmen, die mit einem 10-fachen Stimmrecht ausgestattet sind und ihm so ca. 60 % der Gesamtstimmen verleihen. Dadurch hat er das alleinige Sagen. Ähnlich verhält es sich bei Groupon, LinkedIn und anderen Valley-Titeln. Bei der Google-Mutter Alphabet Inc. z.B. halten die beiden Gründer Page und Brin 52,9 % der Stimmrechte, die beiden Gründer von Snapchat vereinen sogar 88,6 % der Stimmrechte auf sich. Eine solche Struktur macht sie innerhalb des Unternehmens quasi unangreifbar.

Aber bisher hatte das weder Nutzer noch Anleger je gestört, ebenso wenig wie die kritischen Hinweise, wonach das soziale Netzwerk Facebook es mit dem Datenschutz nicht so genau nimmt. Als jedoch bekannt wurde, dass die britischen Wahlkampfberater Cambrigde Analytics (CA) bis zu 87 Mio. Datensätze abgegriffen haben sollen, wurde die Facebook-Aktie plötzlich kollektiv abverkauft. Facebooks Gründer und CEO, Mark Zuckerberg, wurde sogar für diesen Mittwoch (nach Redaktionsschluss) vor den Ausschuss des US-Kongresses zitiert, um Rede und Antwort zu stehen. Auch das britische Parlament verlangt eine Anhörung, da will die deutsche Bundesjustizministerin natürlich nicht nachstehen. Die Europäer werden jedoch auf Zuckerbergs Präsenz verzichten müssen, denn mit 2,7 Mio. Daten sind vergleichsweise nur wenige EU-Bürger vom Datenklau betroffen. Europa muss sich daher mit der zweiten Facebook-Reihe zufriedengeben. Was genau die Politik jedoch in diesen Anhörungen erfahren möchte, ist unklar. Denn bekannt sind die Details des Vorfalls schon lange: Im Frühjahr 2014, also knapp zwei Jahre vor dem skurril anmutenden US-Wahlkampf erhielten Tausende von Amerikanern die Einladung zu dem Online-Quiz mit dem bezeichnenden Namen „thisisyourdigitallife“. Auf Amazons Plattform Mechanical Turk, einem Online-Marktplatz für Gelegenheitsarbeiten, erhielt ein Teilnehmer bis zu zwei Dollar für seine Quiz-Antworten und den Zugriff auf seine Facebook-Daten. Ein ähnliches Spiel wurde auch über die Plattform Qualtrics verbreitet. „Wir sind an einigen demographischen Daten interessiert, wie z.B. an Ihren Likes, Ihren Freunden und ob diese sich wieder untereinander kennen sowie an ein paar Ihrer Nachrichten“, hieß es da ganz offen in den Teilnahmebedingungen. 

Schon 2014 wurde Amazon vorgeworfen, dass dieses Quiz gegen Amazons eigene Datenschutzregeln verstoße. Sammler dieser Daten war Aleksander Kogan, Psychologieprofessor der Cambridge University, der von Cambridge Analytics bezahlt wurde. Die Uni-Verwaltung kritisierte ihn 2014 auch wegen seiner Art der Nebeneinkünfte und der Tatsache, dass CA ebenfalls Zugriff auf die universitätseigenen Facebook-Daten hatte. Schließlich enthielt die Datenbank der Universität über 6 Mio. anonymisierte Facebook-Profile. Mark Zuckerberg selber wusste spätestens seit Dezember 2015 von dem CA-Projekt. In einem Schreiben versicherte CA damals, die Daten gelöscht zu haben. „Wir hätten dem nachgehen sollen. Das war unser Fehler“, sagte Facebook-Managerin Sheryl Sandberg nun in einem Interview. 

Vier Jahre und 87 Mio. Userprofile später kocht die Geschichte erneut hoch. Und sie fällt in eine Zeit, in der die Tech-Unternehmen des Silicon Valley zunehmend unter Beschuss geraten. Viel zu lange lebten die Tech-Könige vor allem von ihrer Fangemeinde, die ehrfürchtig und kritiklos alles hinnahm, was die genialen Unternehmensgründer ihnen anboten – egal zu welchem Preis. Nun scheint ein Teil der Fangemeinde aus der Trance erwacht zu sein. Über den Hashtag #DeleteFacebook z.B. werden die User nun zur Abkehr von Facebook aufgerufen. Die Politik wiederum will über steuer- und medienrechtliche Bestimmungen, die Macht der Datensammler beschneiden. Allerdings hinken Öffentlichkeit und Politik der Realität hinterher. Schon längst sind die User von Facebook, Twitter, Snapchat & Co. nicht mehr die Kunden, sondern das Produkt. Die Vermarktung ihrer Daten ist das eigentliche Geschäft. Denn Handel und Industrie sind als Werbekunden wesentlich lukrativer als der Privatnutzer, der nur zur Social Media Gemeinde dazugehören will. 

Allein im 4. Quartal 2017 wurden fast 13 Mrd. Dollar Umsatz mit ihnen gemacht. 70 Mio. Unternehmen und 6 Mio. Werbeaccounts nutzen Facebook. Der Aufruf #DeleteFacebook ist daher in seiner Wirkung eher mit einer Rückrufaktion der Industrie zu vergleichen, auch wenn einzelne Prominente medienwirksam ihre Accounts löschen. Nach einer ersten heftigen Reaktion sind die Kündigungen bei Facebook dann auch schnell wieder abgeflacht. Die Skandale bei VW und Samsung zeigen beispielhaft, dass zwar bei den aufgepumpten Werten an der Börse schnell mal die Luft abgelassen wird, ohne dass sie jedoch platzen, solange die Mega-trends laufen. Zu attraktiv sind ihre Produkte, zu stark die marktbeherrschende Stellung. 

Unbestritten war eine Korrektur im Techsektor längst überfällig. Der sog. FANG-Index (Kürzel für die vier Internetriesen Facebook, Amazon, Netflix und Google, ISIN DE000A18UAA5) war gerade in den letzten beiden Jahren ungebremst nach oben geschossen (vgl. Abb.). Mit einem Plus von 67 % war er stärker gestiegen als der Nasdaq Composite in den zwei Jahren vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Am 23. März kamen die US-Techwerte auf einen Börsenwert von 6 Bio. Dollar,  während es sämtliche Aktien der Eurozone zusammen gerade mal auf einen Marktwert von 4,9 Bio. Dollar brachten. In der Bewertung der Techaktien lag also schon lange ein erhöhtes Risiko, das der Markt nun bereinigt.

Mit weltweit 2,1 Mrd. Usern (hinzu kommen noch WhatsApp und Instagram) hat Facebook jedoch eine Jüngerschar, die so groß ist wie eine Weltreligion und damit für 36 % der Weltbevölkerung steht. Das Christentum zählt 2,3 Mrd. Gläubige, der Islam kommt auf 1,8 Mrd. Anhänger und repräsentiert 23,7 % der Weltbevölkerung. Selbst wenn also 100 Mio. Menschen Facebook abschwören würden, wäre das ein verschwindend geringer Anteil. Sie könnten den Trend nicht aufhalten, dass an die Stelle der analogen Welt mit ihren sozialen Kontakten immer wieder neue Verbünde in einer digitalen Welt entstehen. Eine Studie der Heidelberger Gesellschaft für Innovative Marktforschung belegt, dass sich die Menschen bis 2030 noch viel mehr mit Dingen umgeben werden, die untereinander vernetzt sind und sehr viel über sie wissen. 

Eine Welt ohne Internet, Digitalisierung  und ohne Social Media wird es nicht mehr geben. Algorithmisierung, virtualisierte Realität, künstliche Intelligenz und Elek-tromobilität werden weiterhin die Megatrends der Zukunft sein. Die Tech-Könige werden daher nicht untergehen, aber ihre Bewertung wird sich zunehmend den Unternehmensgewinnen anpassen.  

 

 

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In einem Erfolgsrezept für die Aktienauswahl darf eine kontinuierliche Dividendenzahlung nicht fehlen. Diese wichtige Zutat findet man nicht nur bei Unternehmen aus den großen Indizes, auch viele Nebenwerte weisen sie aus.

Bereits in den vergangenen Jahren meldeten die deutschen Unternehmen sprudelnde Ausschüttungen, und auch in diesem Jahr sieht es mit einer anvisierten Ausschüttungssumme von knapp über 50 (47) Mrd. € wieder nach einem neuen Rekordwert aus. 

Im internationalen Vergleich sind die hiesigen Konzerne finanziell besonders gut aufgestellt und können somit auch überdurchschnittlich ausschenken. Im Schnitt dürften rd. 42 % der 2017er Gewinne als Dividende an die Aktionäre gehen. Positiv zu beobachten ist, dass die Unternehmen ihre Profitabilität in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich gesteigert haben und gleichzeitig noch nachhaltig ins Geschäft investiert  wurde. Die Ausschüttungen wurden in der Regel operativ erwirtschaftet und sind somit solide finanziert. 

Gerade im Niedrigzinsumfeld sind ausschüttungsstarke Titel das Salz in der Suppe. Allerdings besteht die Gefahr, wenn man sich blind auf die Dividendenrendite verlässt, auch einmal an ein paar faule Eier zu geraten. Schließlich kann eine Dividende auch aus der Substanz gezahlt werden oder auf einem Sondereffekt beruhen. 

Genauer anschauen sollte man sich hingegen Werte für die, die Dividendenpolitik ein aktiver Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie ist. Konzerne, die eine kontinuierliche und weiter steigende Dividende zahlen wollen, müssen mit ihren finanziellen Mitteln umsichtig haushalten und diese effizient verwenden. Eine ordentliche Bilanzrelation, mit einem hohen Eigenkapitalbestand und stabilen Cashflows, stehen meistens mit auf der Zutatenliste. Im Gegensatz dazu haben z.B. Aktienrückkäufe keine vergleichbare Auswirkung. Für dividendenstarke Titel spricht, dass sie außerdem deutlich weniger schwankungsanfällig sind.

Zu den Dividenden-Leckerbissen im Nebenwerte-Bereich zählt Frosta. Der Trend zu tiefgefrorenen Fertiggerichten spielte den Bremerhavenern 2017 einmal mehr auf die Teller. Bei einer Umsatzsteigerung von 7,5 % auf 501 Mio. € stieg der Überschuss um 8,3 % auf 23,4 Mio. €. Das Unternehmen punktet mit seiner Strategie, ohne Zusatzstoffe auszukommen. Einen Anteil am Konzernwachstum hatte auch der Zukauf der italienischen Tiefkühlmarke „La Velle degli Orti“. Die Aktionäre können sich auf eine erneute Dividendenerhöhung auf 1,60 (1,50) € freuen (HV 22. Juni). 

Trotz schwieriger Zeiten in der Modebranche ist Ludwig Beck ein beständiger Dividendenzahler. So schlägt der Münchener Modekonzern seiner Hauptversammlung am 15. Mai eine konstante Dividende von 0,65 € vor, nachdem der Konzerngewinn in 2017 um 13 % auf 3,3 Mio. € zulegte. Für den Umsatzrückgang auf 173 (169) Mio. € waren das Stammhaus, als auch der Herrenausstatter Wormland, verantwortlich. Dank der strikten Kostenpolitik konnte das Ebit jedoch mit 6,5 (6,3) Mio. € die Prognose von 4–6 Mio. € übertreffen. Bereinigt um eine Impairment-Abschreibung für die Wormland-Filiale in Nürnberg (0,4 Mio. €) wäre das Ergebniswachstum sogar deutlich höher (+9,5%) ausgefallen.

Auch Amadeus Fire überzeugt seit Jahren mit einer deftigen Ausschüttung. Bei einem Anstieg der Erlöse um 6,5 % auf 184,5 Mio. € verbesserte sich der Nettogewinn für das Geschäftsjahr 2017 um 7,6 % auf 20,6 Mio. €. Dies entspricht einem Ergebnis je Aktie von 3,96 €, welches wie üblich bei Amadeus Fire direkt als Dividende ausgeschüttet wird. Auch für 2018 ist der Finanz- und IT-Konzern positiv gestimmt und erwartet eine weiter steigende Nachfrage nach Zeitarbeitskräften. Mit 250 Arbeitstagen steht die gleiche Zahl fakturierbarer Tage wie im Vorjahr zur Verfügung.

Noratis befindet sich mit seinem Geschäftsmodell Immobilienbestandshaltung und -entwicklung erst seit letztem Sommer am Aktienmarkt. In 2017 konnten strategiekonform mehrere Immobilienbestände eingekauft, als auch nach abgeschlossener Bestandsentwicklung erfolgreiche Verkäufe getätigt werden. Der Immobilienbestand erhöhte sich auf 1.194 (1.008) Wohneinheiten. Bei Umsätzen von 68 (44,6) Mio. € verbesserte sich das Ebit unter Berücksichtigung der IPO-Kosten um rd. 54 % auf 15,2 Mio. €. Der Jahresüberschuss kam auf 8,7 (4,2) Mio. € voran. „Wir wollen weiter wachsen und uns als attraktiver Dividendentitel bei gleichzeitig überschaubaren Risiken positionieren“, sagte Finanzvorstand André Speth bereits zum Börsenstart. Den Aktionären wird für 2017 die Dividende von 1,50  € munden (HV 3. Mai). 

Dividenden sind ganz klar das Salz in der Aktiensuppe. Aufgrund der guten Konjunkturlage sind auch für das aktuelle Geschäftsjahr weiter steigende Ausschüttungen zu erwarten. Die nebenstehende Tabelle regt den Aktionärsappetit für den Small-Cap-Bereich weiter an.  

 

 

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Rechtsstreit der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank

In dem Rechtsstreit der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank hat es noch einmal eine positive Wendung gegeben. Der Ablehnungsantrag der Effecten-Spiegel AG gegen den kurzfristig neu besetzten 13. Zivilsenat wegen Befangenheit (vgl. ES 48/17 u. 50/17) wurde zwar abgelehnt, dafür aber kündigte das Oberlandesgericht Köln an, die mündliche Verhandlung wiederzueröffnen. 

Der auf den 07. Februar 2018 festgesetzte Verkündungstermin wurde daher aufgehoben. Die mündlichen Verhandlung soll am Freitag, den 29. Juni 2018, fortgesetzt werden. Dann könnte es noch einmal zu weiteren Zeugenvernehmungen kommen. Die Effecten-Spiegel AG hatte u.a. gefordert, auch den ehemaligen Finanzvorstand der Deutschen Bank, Stefan Krause, als Zeugen zu vernehmen.

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Randnotizen

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