NORMA Group SE

Die NORMA Group SE passt auf Basis der Zahlen des dritten Quartals ihre Umsatzerwartung für das organische Wachstum im Gesamtjahr 2019 an. Der Vorstand rechnet nun mit einem organischen Wachstum von minus vier bis minus zwei Prozent. Zuvor hatte das Management das organische Wachstum bei minus ein bis plus ein Prozent gesehen. Grund ist insbesondere der starke Einbruch des EJT-Geschäfts in den USA. Bei einigen wesentlichen Kunden war es zu Streiks gekommen. Aber auch die Geschäfte in den Regionen EMEA und Asien-Pazifik blieben leicht hinter den Erwartungen zurück. Beim NOVA rechnet das Management nun mit einem Wert zwischen 20 und 30 Mio. Euro. Zuvor hatten die Verantwortlichen einen Wert zwischen 30 und 40 Mio. Euro prognostiziert. Im Gesamtjahr erwartet der Vorstand aber unverändert eine bereinigte EBITA-Marge von über 13 Prozent. Nach vorläufigen Zahlen erzielte NORMA im dritten Quartal eine Umsatzsteigerung von 268,1 auf 274,0 Mio. Euro. Die bereinigte EBITA-Marge ging dabei jedoch von 16,0 auf 14,1 Prozent zurück.(ES - 17.10.2019 - 15:30 Uhr)

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MERKUR BANK KGaA

Die MERKUR BANK KGaA hat ihren Wachstumskurs auch im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2019 fortgesetzt. Auch durch die erfolgreiche Kapitalerhöhung im September über 13,5 Mio. Euro konnte die Kreditbeanspruchung seit Jahresbeginn deutlich um 9,7 Prozent auf 1,26 Mrd. Euro ausgeweitet werden. Dadurch erfuhr auch das Zinsergebnis einen kräftigen Zuwachs. In der Vermögensanlage erhöhte sich das Depotvolumen in den letzten drei Monaten von 392 auf 407 Mio. Euro. Dadurch dürfte die Bilanzsumme zum Jahresende auf über 1,5 Mrd. Euro anwachsen, nachdem sie sich zum 30. September auf 1,49 Mrd. Euro belief. Des Weiteren schreitet die Integration der wesentlichen Teile des Bankgeschäfts der Bank Schilling & Co. AG weiter voran. In Summe erhöhte sich das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 24,2 Prozent auf 7,9 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr rechnen die Verantwortlichen mit einer weiteren Steigerung des Jahresergebnisses und damit auch eine Steigerung des Ertrags der dividendenberechtigen Aktien.(ES - 16.10.2019 - 10:00 Uhr)

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Intershop Communications AG

Nach vorläufigen Zahlen erzielte die Intershop Communications AG in den ersten 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres Umsätze von 23 Mio. Euro nach 24 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Das EBIT verschlechterte sich dabei von minus 3,7 auf minus 4,6 Mio. Euro. Vor allem in der DACH-Region konnten die geplanten Umsätze nicht erreicht werden. Im Bereich Cloud wuchsen die Erlöse um 19 Prozent auf 4,6 Mio. Euro. Zwar weist der Cloud-Bereich eine gewisse Wachstumsdynamik aus, dies reicht aber nicht, um die geplanten Ziele in 2019 und 2020 zu erfüllen. So rechnet der Vorstand in 2019 nur noch mit einem leichten Umsatzanstieg. Zuvor war ein Umsatzanstieg um mindestens 10 Prozent prognostiziert. Das EBIT wird nun im mittleren einstelligen negativen Millionenbereich gesehen. Bisher rechnete das Management mit einem lediglich leicht negativen EBIT. Auf dieser Basis werden auch die Ziele für 2020 mit einem Umsatz von 50 Mio. Euro und einer EBIT-Marge von 5 Prozent nicht erreicht. Die angepasste Prognose für 2020 wird der Vorstand spätestens bei Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen für 2019 präsentieren.(ES - 15.10.2019 - 22:00 Uhr)

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ES-Aktienfavoriten

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Täglicher Börsenbericht

DAX auf neuem Höchststand seit August

Brüssel hält Anleger in Atem

Am heutigen Donnerstag könnte es bei den Brexit-Verhandlungen zu einem Durchbruch kommen. Am Mittwoch hatten sich beide Seiten angenähert, eine abschließende Einigung wurde jedoch nicht erzielt. Der DAX schloss am gestrigen Tag mit dem höchsten Stand seit August 2018. Anleger dürften die Verhandlungen jedoch zunächst noch abwarten. Eine Einigung verspricht allerdings neue positive Impulse für die Märkte. Der Nikkei-Index in Tokio verzeichnet heute einen leicht positiven Verlauf. Die neuen Entwicklungen im Handelsstreit zwischen den USA und China sorgten dafür, dass die drei größten US-Indizes im leicht negativen Bereich schlossen. Der amerikanische Kongress hatte unterstützende Gesetze für die prodemokratischen Demonstranten auf den Weg gebracht, worauf China mit Empörung reagierte.

Mit guten Geschäftszahlen konnte der Streaming-Dienst Netflix seine Anleger begeistern. Der Gewinn stieg deutlich stärker als von Analysten erwartet wurde und der Umsatz legte um ganze 31 % zu.

Bei IBM endete das abgelaufene Quartal nicht so gut wie im Vorjahreszeitraum. Die Erlöse schrumpften deutlich. Das Cloud-Geschäft baute IBM hingegen weiter aus und steigerte dessen Umsatz um 11 %.

Nach Insiderinformationen haben die Dt. Telekom-Tochter T-Mobile und der US-Mobilfunkanbieter Sprint die Zustimmung der Branchenaufsicht erhalten. Damit ist die Milliarden schwere Fusion aber noch nicht sicher, da mehrere US-Bundesstaaten vor dem Bundesgericht in New York klagen.

Teleios Capital Partners baut seine Beteiligung am Immobilienfinanzierer Aareal Bank aus und fordert die Abspaltung oder den Verkauf der Software-Tochter Aareon. Konzernchef Merkens erklärte die Wichtigkeit von Aareon für den Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts innerhalb des Kozerns.

Corestate bekräftigt seine Jahresziele und seinen Finanzausblick für das Geschäftsjahr 2019. Es seien zahlreiche institutionelle Kunden gewonnen worden. Allerdings waren die Aktien aufgrund einer Leerverkaufs-Attacke am Vortag um 25 % abgestürzt.

Die EU und Großbritannien haben sich auf einen Deal geeinigt, welcher nun noch vom bevorsteheden EU-Gipfel und dem britischen Parlament angenommen werden muss. Zu einer Annahme des ausgehandelten Deals rät auch der Kommissionspräsident Juncker. Die Einigung ist jedoch kritisch zu sehen, da es im britischen Unterhaus viele Gegner des Brexit und Hardliner für einen No-Deal Brexit gibt.

Die Lufthansa-Anleger reagieren erleichtert auf die Wiederaufnahme des Flugbetriebs des Airbus A220 der Tochtergesellschaft Swiss. Aufgrund eines Zwischenfalls mussten die Triebwerke überprüft werden. Diese seien aber in einwandfreiem Zustand, wie Swiss mitteilte.

Die Wirecard-Aktien stehen erneut unter Druck. Nachdem sie am Dienstag aufgrund von Anschuldigungen der "Financial Times" auf das tiefste Niveau seit April abgesackt waren, hatten sie sich gestern leicht stabilisiert. In einer aktuellen Analystenstudie wurde das Kursziel deutlich nah unten korrigiert.

Die Aktien des Maschinenbauers Gea wurden von Analysten hochgestuft und das Kursziel angehoben. Mittel- und langfristig seien laut einer Studie größere Wertsteigerungen zu erwarten.

Der Onlinehändler Zooplus hat im dritten Quartal einen starken Umsatzanstieg verbucht und möchte einen vollständigen Bericht der ersten neun Monate am 14. November vorlegen. Anleger sehen das nicht so.

Der Schweizer Konzern Nestlè kann im dritten Quartal nur ein langsameres Wachstum verbuchen. Einen Großteil seiner Ausschüttungen an die Aktionäre bis 2022 will der Konzern in Form von Aktienrückkäufen durchführen.

Im dritten Quartal hatte der Netzwerkausrüster Ericsson aufgrund einer erwarteten Beilegung eines US-Korruptionsverfahrens hohe Verluste zu verzeichnen. Das operative Ergebnis wurde dagegen fast verdoppelt. Auch sein Umsatzziel für 2020 hob der Konzern an, da der Ausbau der Mobilfunktechnologie 5G schneller gestartet sei als erwartet. Die Anleger belohnen die guten Zahlen deutlich.

 

 

 

 

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Randnotizen

Seit dem Tod von Berthold Beitz geht es im Traditionskonzern Thyssenkrupp drunter und drüber. Eine besondere Rolle spielen dabei die Stiftungsvorsitzende Prof. Dr. Ursula Gather (die Krupp-Stiftung hält 21 % der Anteile an Thyssenkrupp) und der aktivistische Großaktionär Cevian (18 %). Mit ihren Alleingängen haben sie die „Stahl-Festung“ mächtig ins Schwanken gebracht (s. ES 29/18), und nun könnte sogar die Zerschlagung drohen.

Gerade mal ein Jahr nach seinem Amtsantritt hat die Aufsichtsratsspitze den Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff schon wieder gefeuert. Und damit dieses Mal nun wirklich nichts mehr schiefgeht, übernahm die Aufsichtsratsvorsitzende Martina Merz ab 1. Oktober gleich selbst den Vorstandsposten. Offiziell werden Kerkhoff Verfehlungen bei der Neuausrichtung des Konzerns und eine schleppende Sanierung vorgeworfen (s.S.6), doch vermutlich ist er schlichtweg zu unbequem geworden und stand der neu formierten Allianz um Cevian im Wege. Denn die treibende Kraft hinter den Kulissen soll u.a. Aufsichtsratsmitglied Jens Tischendorf gewesen sein, hauptberuflich Partner von Cevian Capital. Und auch die Vorsitzende des Kuratoriums der Alfried Krupp-Stiftung, Prof. Dr. Ursula Gather, sitzt ja mit im Aufsichtsrat und hat bekanntlich einen guten Draht zu Cevian. Und dieser soll nicht nur den Komplettverkauf der Aufszugssparte gefordert haben, sondern auch, dass mindestens die Hälfte des erwarteten Erlöses daraus (ca. 18 Mrd. Euro) als Sonderdividende ausgeschüttet werden.

Was sich zunächst verlockend für die Aktionäre anhört, wäre ein Fiasko für den Konzern. Man verkauft die Assets und plündert danach die Kasse. So kann eine langfristige Unternehmensstrategie nicht aussehen. Auch Kerkhoff soll diese Forderung rundheraus abgelehnt haben. Nach seiner Einschätzung wäre der ohnehin schon finanziell klamme Industriekonzern dann akut von der Pleite bedroht. Wohl auch deshalb wird der Vorstandschef nun kurzerhand abserviert. Wie es mit Thyssenkrupp weitergeht, ist ungewiss. Daher hat sich auch der Stahlhändler Klöckner & Co zurückgezogen und die Fusionsgespräche einseitig auf unbestimmte Zeit vorläufig beendet.

Nach dem Abstieg aus dem DAX gerät Thyssenkrupp zunehmend in schweres Fahrwasser. Und wieder wird der Steuermann gewechselt. Das Vorgehen erinnert sehr an den AEG-Skandal. Nach diversen Führungswechsel und dem Ausverkauf wurde der Traditionskonzern 1996 schließlich nach 113 Jahren aus dem Handelsregister gelöscht. Dies sollte der Krupp-Stiftung Mahnung sein, sich nicht zum Handlanger von aktivistischen Aktionären zu machen, die für ihren kurzfristigen Gewinn einen deutschen Traditionskonzern opfern wollen.

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In Zeiten von Negativzinsen und steigenden Edelmetallpreisen klingt ein Goldsparplan nach einer besonders lukrativen Anlage. Und die 2008 gegründete Firma PIM Gold hatte gleich eine  ganze Serie von Goldprodukten anzubieten, darunter auch einen Sparplan explizit für  Kinder. Unter dem Slogan „Goldis Schatztruhe“ konnten Eltern für ihre Kinder mit kleinen monatlichen Geldbeträgen Gold kaufen, das dann im Goldtresor des Unternehmens bei Geschäftsführer Mesut P. eingelagert wurde – natürlich gebührenfrei. Und für besonders fleißige Sparer gab es dann jedes Jahr einen Zinsbonus von mindestens 3 % oben drauf – nicht in bar, versteht sich, sondern in Gold und auch nur dann, wenn man sich das Gold nicht aushändigen ließ, sondern es in „Goldis“ alias Mesut P. Schatztruhe aufbewahren ließ.  Denn „Kinder sind unsere Zukunft“, so die Werbung von PIM. Doch nun sieht die Zukunft ziemlich düster aus, denn „Goldis Schatztruhen“ sind leer, PIM steht vor der Insolvenz, Mesut P. wurde verhaftet und die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Seit 2008 soll die hessische Firma dieses Schneeballsystem unter dem Radar der Finanzaufsicht BaFin betrieben haben. Obwohl ein ehemaliger PIM-Mitarbeiter mehrfach Strafanzeige gegen die Führungsriege des Goldhändlers gestellt hatte, gab es von den Aufsichtsbehörden keinerlei Sanktionen oder Warnungen. Erst im November 2018 (und damit 10 Jahre später) war der BaFin aufgefallen, dass das seinerzeit angebotene Kinder-Gold-Konto ohne erforderlichen Verkaufsprospekt nach dem Vermögensanlagengesetz angeboten wurde. PIM Gold soll daraufhin die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Produkts kurzerhand so angepasst haben, dass es wieder in Umlauf gebracht werden konnte.
Verkauft wurden die Goldprodukte über eine aufwendige, achtstufige Vertriebsstruktur mit steigenden Vergütungen für die Berater. Und obwohl den Kunden das Gold um bis zu 35 % über Marktwert aufgeschwatzt wurde, brummte das Geschäft. Die etwa 10.000  emsigen Sparer haben fast 3,4 Tonnen Gold mit einem aktuellen Marktwert von etwa 150 Mio. Euro zusammengekauft. Davon sind mindestens
2 Tonnen nicht mehr auffindbar. Doch auch bei dem Rest ist nicht klar, wem das Gold eigentlich gehört. Da den PIM-Kunden die noch vorhandenen Goldbarren nicht zugeordnet werden können, ist rechtlich eine genaue Eigentümerermittlung nicht möglich. Privatanlegern droht damit der Totalverlust, auch wenn sich bereits zahlreiche Anwaltskanzleien für die betrogenen Anleger in Stellung gebracht haben. Doch zunächst wurden über die Vermögenswerte der Gesellschaft ein Arrest angeordnet und die Geschäftskonten eingefroren.
Geschädigten Anlegern bleibt also nur, ihre Schadensersatzansprüche gegen die Gesellschaft und deren Verantwortliche vorsorglich anzumelden und darauf zu hoffen, dass sie irgendwann aus dem Verwertungserlös der beschlagnahmten Vermögenswerte wenigstens noch einen Teil ihrer Verluste erstattet bekommen. Möglicherweise findet die Staatsanwaltschaft im Laufe der Ermittlungen auch noch weiteres Gold, in das etwaige Schadensersatzansprüche vollstreckt werden können.
Unter den sehenden Augen der BaFin ist dies nun schon der zweite große Betrugsfall innerhalb von zwei Jahren, der öffentlich wird. Erst 2018 war der Betrug der Firma P+R Container aufgeflogen. Sie hatte jahrzehntelang Anlegern Container als sichere Altersvorsorge verkauft, die es nie gab. Statt die Unternehmen und sich selbst mit bürokratischen Formalien zu beschäftigen, sollte sich die Finanzaufsicht wieder auf ihre originären Aufgaben konzentrieren, um den Markt und die Anleger vor den wahren Betrügern zu schützen.

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Am ersten Wochenende der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt kamen sie aus allen Himmelsrichtungen geradelt oder gelaufen – die Umweltschützer. Zwölf Sternfahrten brachten 18.000 Fahrrad- und 7.500 Fußdemonstranten in die Stadt und lösten vor der Frankfurter Messe einen totalen Fahrrad-und Fußverkehrskollaps aus, während sich 60.000 Autofans heimlich in die Hallen schlichen. Das neue Feindbild der Klimaschützer: der böse SUV.
Jedes dritte zugelassene Auto in Deutschland ist heute ein SUV (Sport Utility Vehicle), eine Mischung aus Limousine und Geländewagen. Der Anteil an Privatkunden liegt mit knapp 42 % extrem hoch, unter ihnen auch viele Frauen. Denn mit dem Stadt-Geländewagen können bequem drei Kinder, die Oma, der Hund und der Großeinkauf umherkutschiert werden. Man fühlt sich sicher in dem hohen Wagen und hat einen guten Überblick. Daher vermehren sich jedes Jahr auf Deutschlands Straßen diese „Mörderautos“, „Vorstadtpanzer“, „Monster“ und „Klimakiller“ um 13 %. In diesem Jahr wird die Zahl der neu zugelassenen SUV erstmals die Grenze von einer Million Fahrzeugen überschreiten. Doch obwohl diese Geländewagen mittlerweile „eher VW Golfs statt Porsche Panamera“ seien, so der „‚Autopapst“ Dudenhöffer, sind sie zum Hass-Symbol geworden. Dabei hat die Mehrheit der SUV nicht einmal Allrad-, sondern Frontantrieb, und 52 % der in den ersten vier Monaten zugelassenen Wagen haben nur Golf-Länge oder sogar weniger. Bei 63,7 Mio. in Deutschland zugelassenen Kraftfahrzeugen, davon 46,5 Mio. Personenkraftwagen (Stand 2018), erscheint die SUV-Diskussion ohnehin überzogen. Natürlich sind sie umweltschädlich, gefährlich und unnötig. Aber das sind andere Sachen auch – Formel 1-Rennen zum Beispiel oder Flugreisen, Kreuzfahrtschiffe und Plastiktüten. Doch darüber wird eher rational-besorgt diskutiert, über den SUV dagegen voller hämischen Hass. Die Politik dürfte es freuen – lenkt diese unnütze Diskussion doch von so vielen anderen Problemen ab.

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Feature

Nach Ansicht der Bundesregierung wird die geplante Einführung einer Finanztransaktionssteuer keine negativen Effekte haben. Ein Rückgang der Aktienquote im Anlageverhalten der Sparer sei ebenfalls nicht zu befürchten. Die in Frankreich bestehende Finanztransaktionssteuer, die vornehmlich auf eine Besteuerung von Transaktionen mit im Inland emittierten Aktien abzielt, soll dabei grundsätzlich als Vorbild dienen. Und auch die in Italien eingeführte Steuer auf Aktientransaktionen habe sich bewährt, erklärt die Bundesregierung.
Damit ist nun eindeutig klar, dass die Finanztransaktionssteuer eine reine Aktiensteuer wird, was wohl dem Grundverständnis des Sparbuchliebhabers Olaf Scholz entspricht (vgl. Randnotizen 36/19). Schlimm genug, dass er als Bundesfinanzminister nicht weiß, wie er sein eigenes Vermögen sinnvoll anlegen soll, schlägt er nun auch noch den Bürgern ein wichtiges Standbein ihrer Altersvorsorge weg. Er selbst braucht sich darum ja auch keine Gedanken zu machen. Als Minister hat er bereits nach vier Dienstjahren Anspruch auf eine monatliche Pension von 4.500 Euro, die sich jedes weitere Jahr im Bundestag um 230 Euro erhöht – finanziert vom Steuerzahler!
Die neue Steuer soll das Finanzsystem stabilisieren, bewirkt aber das Gegenteil. Zocker, die mit Derivaten handeln oder mit dem Hochfrequenzhandel in Sekundenbruchteilen Kursabstürze verursachen, werden belohnt und langfristige Aktienanleger bestraft. „Mit der gleichen kontraproduktiven Logik könnte man auch eine Biosteuer auf nachhaltige und gesunde Produkte einführen“, heißt es im Kapitalmarktbericht 2019 von Flossbach und Storch. Nur würde eine Biosteuer jedem Laien einleuchten und die Bürger auf die Straße treiben. Dass aber eine Aktiensteuer ihren Wohlstand bedroht und immer mehr Menschen in die Altersarmut treibt, bleibt fast unbemerkt. Daher sollte sich jeder Anleger der DSW-Petition gegen diesen „Steuerirrsinn“ anschließen – entweder online oder durch das Herunterladen eines Musterbriefes an den Bundesfinanzminster Olaf Scholz persönlich:
https://www.dsw-info.de/steuerirrsinn/

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Wenn US-Unternehmen die Pleite droht, können sie einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 (Kapitel 11) stellen. Damit wird dem Schuldner ein zeitlich befristeter Schutz vor seinen Gläubigern gewährt, um sich zu reorganisieren. Im Klartext bedeutet dies, dass die Gläubiger auf ihren Forderungen sitzenbleiben und sie meist abschreiben können. Das trifft vor allem auf Aktienbesitzer zu. Die Firma selbst kann aber ihre Geschäfte fortführen. Gibt es ein anständiges Sanierungskonzept, dürfen sogar wieder neue Schulden aufgenommen werden. Bei einem erneuten Pleitefall wären die neuen Gläubiger dann vorrangig zu bedienen.
Während bei börsennotierten Unternehmen die alten Aktien im Insolvenzfall wertlos werden, kann die Firma nach der Sanierung durchaus an den Markt zurückkehren und neue Aktien ausgeben. Die alten Anleihebesitzer oder Gläubiger können die neuen Aktien des reorganisierten Unternehmens dann als Entschädigung für ihre Forderungen erhalten. Die Altaktionäre werden dabei allerdings zuletzt bedient. In der Praxis bedeutet dies, dass sie meist leer ausgehen und einen Totalverlust hinnehmen müssen. Ein geradezu historisches Beispiel war der Konkurs des US-Telekommunikationskonzerns Worldcom aus Virginia, der am 21. Juli 2002 Zahlungsunfähigkeit anmeldete. Das Unternehmen hatte 30 Mrd. Dollar Schulden angehäuft und durch Falschbuchungen 3,8 Mrd. Dollar Gewinne ausgewiesen, die es nie gab. Worldcom stellte daraufhin vor einem New Yorker Gericht Insolvenzantrag nach Chapter 11 und bekam die Schonfrist gewährt, obwohl das Management betrogen hatte. Um einen Neuanfang zu ermöglichen, wurde der Name in MCI geändert. Nach Beendigung des Insolvenzverfahrens 2004 hatte die Firma noch 6 Mrd. Dollar in bar und fast ebenso viele Schulden. Die Aktien waren wertlos, ihre Besitzer hatten alles verloren. Inzwischen hat Verizon die Firma aufgekauft.
Die bislang größte Pleite legte General Motors mit einem Vermögen von 82,3 Mrd. Dollar und 200.000 Beschäftigten hin. Die Regierung setzte eine nur sechswöchige Blitzinsolvenz durch, nach deren Ende sie selbst die Mehrheit der Aktien von „New GM“ übernahm. Auch zahlreiche große und heute erfolgreiche US-Fluggesellschaften durchlebten im Laufe ihrer Geschichte schon mal eine Insolvenz mit Gläubigerschutz, wie z.B. United Airlines und Delta Airlines. Der Ölkonzern Texaco, der Nähmaschinenhersteller Singer und selbst Chrysler wurden nach einer Verfahrensdauer von nur wenigen Wochen wieder saniert. Ein maroder Stahlkonzern machte gleich zwei Chapter-11-Phasen durch und kaufte anschließend einen seiner einst mächtigsten Konkurrenten. Das kanadische Unternehmen Nortel Networks meldete im Januar 2009 Chapter 11 an, da es Kreditlinien nicht mehr bedienen konnte. Während der Betrieb bis heute aufrecht erhalten wird, sind die Aktien längst wertlos geworden, obwohl sie auch bei vielen deutschen Aktionären noch im Depot geführt werden.
In europäischen Ländern wie Frankreich und Deutschland haben die Regierungen zwar ihr Insolvenzrecht dem amerikanischen Vorbild angenähert und den Sanierungsbemühungen ein stärkeres Gewicht eingeräumt, aber die Gläubiger können nicht so einfach abserviert werden wie in den USA. Daher melden in Deutschland die Unternehmen meist erst später Insolvenz an, oft sogar erst, wenn es zu spät ist und eine Restrukturierung nicht mehr greift. Dann sind die Aktien allerdings auch futsch. Es lässt sich daher streiten, welches Konzept das bessere ist. Wenn Unternehmen durch Missmanagement oder gar durch Betrug und Bilanzfälschungen in die Pleite schlittern, dann ist der Schutz durch Chapter 11 durchaus fragwürdig. Denn während die Gläubiger unverschuldet auf der Strecke bleiben, wird die Gesellschaft durch staatlich gestützte Sanierungen erhalten und bekommt sogar Wettbewerbsvorteile. Die Schuldner müssen ihre Gläubiger nicht mehr fürchten, können ihre Preise senken und der Konkurrenz Kunden abjagen und sich neu aufstellen, ja sogar wieder an die Börse gehen.

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In der Welt von gestern kaufte man Bundesanleihen, kassierte regelmäßig Zinsen und bekam zur Fälligkeit sein eingezahltes Geld zurück. In der Welt von heute funktioniert das nicht mehr.  Sämtliche Staatsanleihen weisen eine negative Rendite auf. Wer langfristig kein Geld verlieren und einen Wertzuwachs erzielen will, muss heute Aktien kaufen.

Beim Tag der Offenen Tür der Bundesregierung wurde Bundesfinanzminister Olaf Scholz von einem jungen Besucher gefragt, wie er denn in Zeiten niedriger Zinsen sein Geld am besten anlegen solle. Der junge Mann erhielt zur Antwort: „Also nicht so wie ich. Ich packe es nämlich nur aufs Sparbuch.“ Diese Auskunft gleicht einem Offenbarungseid und zeigt, was in Deutschland wirklich schiefläuft. Der oberste Kassenwart des Landes, der das Vermögen einer ganzen Nation verwaltet, weiß nicht, wie man bei Negativzinsen sein Kapital werterhaltend, geschweige denn wertsteigernd anlegt. Als Sparschwein-Liebhaber war Olaf Scholz vor gut einem Jahr sogar noch davon überzeugt, dass die Niedrigzinspolitik bald ihrem Ende zugehen werde. In einem internen Schreiben von März 2018 hieß es, die Bundesregierung stelle sich in der „Finanzplanung bis zum Jahr 2022 auf eine notwendige Normalisierung des Kapitalmarktumfelds ein“. Unter Fachleuten gilt ein Zinsniveau zwischen 3 und 4 % als normal. Was für eine Fehleinschätzung!

Tatsache ist: Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihren Leitzins seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 %. Der Einlagensatz ist sogar negativ. Deshalb erheben inzwischen viele Geldinstitute für Sparguthaben sogar einen Strafzins. In seiner Rede auf dem EZB-Forum am 18. Juni im portugiesischen Sintra machte Mario Draghi noch einmal klar, dass ein Ende der lockeren Geldpolitik auch jetzt noch lange nicht in Sicht ist. Im Gegenteil, die EZB werde notfalls einen „zusätzlichen Stimulus“ aus dem Werkzeugkoffer holen, um das Wirtschaftswachstum zu stützen und sich dem Inflationsziel von 2 % anzunähern. Tatsächlich aber liegt die Teuerung seit 2013 Jahr für Jahr weit unter dieser Schwelle. Damit könnten also die Zinsen noch weiter in den negativen Bereich abgesenkt und neue Anleihenkäufe gestartet werden. Noch bemerkenswerter aber ist, dass der scheidende EZB-Präsident Draghi immer mehr ein „symmetrisches“ Inflationsziel favorisiert. Dies bedeutet, dass die Teuerung nach Jahren unter 2 % in Zukunft auch eine längere Zeit darüber liegen könnte, da sie ja zunächst einmal einiges aufzuholen hat. Damit wird faktisch mit jedem weiteren Schwächejahr auch eine höhere Inflation in der Folgezeit toleriert. Erst dann würde das Inflationsziel als erreicht gelten und die Zunahme des Preiswachstums als nachhaltig genug. Im Klartext: In den vergangenen zehn Jahren lag die Konsumentenpreisinflation bei durchschnittlichen 1,34 % und damit 0,66 Prozentpunkte unter dem Inflationsziel von 2 %. Bei symmetrischer Betrachtung hätte man also aus den letzten zehn Jahren ingesamt 6,6 % für das Erreichen des ursprünglichen Inflationsziels als Guthaben angehäuft, die zunächst aufgeholt werden müssten, bevor die EZB wieder gegensteuert. 

Mit diesem Ansatz könnten die Währungshüter also noch mehr billiges Geld in die Märkte pumpen und selbst bei steigender Inflation den Leitzins bei Null oder sogar darunter halten. Eine solche Kombination aus immer niedrigeren Zinsen und steigender Inflation würde dann die Staatsverschuldung der EU-Länder zügig herabsetzen und ebenso zügig die Sparbuchanhänger wie Olaf Scholz enteignen. Derzeit horten die Bundesbürger knapp 2,5 Bill. Euro auf unverzinsten Konten. Bei einer Inflationsrate von 4 % würden sie jährlich 100 Mrd. Euro davon verlieren. 

Spätestens wenn die EZB tatsächlich ein symmetrisches Inflationsziel formuliert, müssen Sparer ihr Geld umschichten – und zwar in Aktien. Je länger der Zustand des billigen Geldes anhält, um so mehr rücken Aktien wieder als strategisches Langfristinvestment in den Fokus. Dies gilt vor allem im Vergleich zu Staatsanleihen, mit denen man schon heute langfristig Verluste einfährt. Die im April 2030 fällige Bundesanleihe z.B. verspricht aktuell einen sicheren Verlust von –1,53 % p.a. (Stand 02.09.19). Die Ausverkaufsstimmung am Anleihenmarkt bewirkt lediglich kurzfristig noch Kursgewinne. Doch die gibt es bei Aktien auch. Bei längerfristiger Betrachtung müssen Anleger auch keine Angst vor Kursschwankungen oder heftigen Einbrüchen an den Aktienmärkten haben. In der gesamten Börsengeschichte gab es nur einen einzigen Zeitraum, in dem die Aktienkurse länger als 15 Jahre brauchten, um sich von einem Crash zu erholen, und zwar nach dem großen Zusammenbruch von 1929. Ansonsten ließ sich z.B. im amerikanischen Dow Jones seit 1896 durchgängig ein Wertzuwachs von 8 % pro Jahr erzielen. 

Der DAX kann zwar mit dieser Performance nicht ganz mithalten, dafür aber gibt es hier jedes Jahr satte Dividendeneinnahmen. Würde man diese beim DAX reinvestieren, ergäbe sich sogar eine jährliche Rendite von 11,1 % (vgl. ES 38/18). Allein für 2019 werden die DAX-Konzerne die Rekordsumme von rund 35 Mrd. Euro an ihre Anteilseigner ausschütten, was einer durchschnittlichen Dividendenrendite von rund 3 % entspricht. Selbst in Zeiten, als es bei zehnjährigen Bundesanleihen tatsächlich noch Zinserträge gab, konnten diese mit den Dividendenrenditen von Aktien nicht mithalten. Während 2008 die deutschen Blue Chips mit ihren Ausschüttungen auf eine Rendite von 5,3 % kamen, schafften es die zehnjährigen Staatspapiere nur auf 4,6 %. Seit dem Jahr 2013 liegen die zehnjährigen Bundesanleihen durchgängig unter 1 %, die Dividendenrendite der DAX-Titel dagegen zwischen 2,3 und 3,4 %.

Je länger der Zustand der niedrigen Zinsen anhält, desto größer wird nicht nur der Spread zwischen Dividendenrenditen und Anleihenzinsen, sondern auch die Gefahr von Fehlinvestitionen. Das gilt auch für den Immobiliensektor. Der Anlagenotstand führt dazu, dass die Immobilienpreise immer weiter explodieren und sich über Mieteinnahmen nicht mehr refinanzieren lassen. Andererseits sind Bau- und Finanzierungskredite so billig geworden, dass selbst die teuersten Objekte verhökert werden können. Das trifft auch für Unternehmenskäufe zu. Für Firmen in Wachstumsbranchen werden horrende Preise gezahlt, unabhängig davon, ob sie profitabel sind oder nicht. Versicherungen, Pensionskassen oder andere große Investoren kaufen alles, was irgendwie Rendite verspricht, darunter auch intransparente Anlagen. Und je mehr solcher Anlageobjekte mit Tiefstzinskrediten erworben werden, umso abhängiger machen sich die Investoren von der Droge des billigen Geldes. In einer solchen Situation könnte eine Zinswende einen Crash am Immobilienmarkt und eine Pleitewelle bei den Unternehmen auslösen. 

Die jüngsten Signale der Notenbanken deuten darauf hin, dass die Niedrigzinspolitik noch lange anhalten wird. Damit lösen Aktien die Anleihen endgültig als langfristige strategische Geldanlage mit sicherer Rendite ab. In der Welt von heute kauft man Aktien, kassiert regelmäßig Dividende und bekommt nach vielen Jahren sein Geld mit einem Kursgewinn zurück. Anleihen waren gestern, heute sind Aktien!

 

 

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Ausgetrocknete Flüsse, sterbende Bäume und verdorrte Äcker – kaum ein anderer Rohstoff besitzt eine derart hohe Relevanz für das Leben auf dieser Erde wie Wasser. Der drohende Wassermangel zählt zu den größten globalen
Risiken für die Menschheit. Daher verwundert es kaum, dass trotz der konjunkturellen und makroökonomischen Unsicherheiten Wasseraktien mehrheitlich nach oben laufen. 

Die Versorgung mit Wasser gehört zu den  größten Herausforderungen unserer Zeit. Denn Wasser ist alternativlos. Für diesen Rohstoff gibt es schlichtweg kein Substitut. Zwar sind mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt, doch das meiste davon ist Salzwasser. In den vergangenen 100 Jahren sind laut den Vereinten Nationen schätzungsweise 50 bis 70 % der natürlichen Feuchtgebiete der Erde verloren gegangen. 

Auf unsere Frage an die United Nations University zu den genauen Zahlen zur weltweiten Wasserverknappung erklärt uns Rachel Ahrens: „Genaue Zahlen sind schwierig, denn Wasserknappheit ist nicht ein Dauerzustand, sondern meistens u.a. saisonal bedingt. Was wir wissen ist, etwa vier Milliarden Menschen erleben schwere Wasserknappheit mindestens einen Monat pro Jahr. Und über zwei Milliarden Menschen leben in Ländern mit hohem Trockenstress bzw. Wassermangel. Der Wasserverbrauch ist seit 1980 weltweit um etwa 1 % pro Jahr gestiegen. Es wird geschätzt, dass es bis 2050 weltweit einen kumulierten Anstieg von 20 bis 30 % im Vergleich zur heutigen Wassernachfrage geben wird. Dies liegt vor allem am Bevölkerungswachstum, sozioökonomischer Entwicklung und sich änderndem Konsum. Es wird prognostiziert, dass der Stressgrad angesichts der zunehmenden Auswirkungen von Klimawandel und der wachsenden Wassernachfrage noch höher wird. Drei von zehn Menschen haben keinen Zugang zu sicherem (d.h. sauberem und dauerhaft einfach verfügbarem) Trinkwasser. Wichtig ist, dass die Betroffenen sich aber nicht gleichmäßig auf alle Nationen verteilen. Schon knapp 50 % der Menschen, die aus ungeschützten Quellen trinken, leben laut UN im Sub-Sahara Afrika.“

Schon heute ist die Situation in vielen Regionen alarmierend. Jedes Jahr sterben laut UNICEF und der WHO etwa 297.000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfall, der durch unzureichendes Waschen verursacht wird. „2017 verfügten weltweit drei von fünf Menschen in ihrem Zuhause über eine einfache Gelegenheit zum Händewaschen mit Wasser und Seife, in den am wenigsten entwickelten Ländern nicht einmal einer von drei (28 %). Das bedeutet, dass sich weltweit etwa 3 Milliarden Menschen zuhause noch immer nicht ordentlich die Hände waschen können“, heißt es im UN-Bericht 2019 für nachhaltige Entwicklung.

Schlechte sanitäre Einrichtungen und kontaminiertes Wasser fördern die Übertragung von Krankheiten wie Cholera, Ruhr, Hepatitis A und Typhus. Während die Süßwasservorräte begrenzt sind, wächst die Erdbevölkerung stetig. Hinzu kommt der wachsende Bedarf durch die Industrie, Landwirtschaft sowie der Verstädterung. Die Auswirkungen des Klimawandels mit den stetig steigenden Temperaturen und Wetterextremen sorgen für eine weitere Verknappung des Rohstoffs.

Selbst der Zustand in einigen Industrienationen ist zum Teil alarmierend. In vielen Regionen droht auch hier die Ebbe, was vor allem an einer völlig vernachlässigten Infrastruktur liegt. Allein in den USA sind über 40 % der Wasserleitungen gemäß der „American Society of Civil Engineers“ in einem miesen Zustand. Die Folge: Durch Leckstellen gehen dort 15 % des Trinkwassers verloren. Noch schlimmer sieht es in manchen Teilen Europas aus. In London, Dublin und Rom versickern sogar bis zu 40 % durch die marode Infrastruktur im Boden. Kein Wunder, dass die Sorge der Verbraucher nicht nur über die grundsätzliche Versorgung mit Wasser wächst. Auch die Angst vor einer schlechten Qualität nimmt rapide zu.

Dennoch dämmen wir unseren Wasserkonsum kaum ein. Laut dem Umweltbundesamt nutzt allein in Deutschland jede Person durchschnittlich etwa 121 Liter Wasser pro Tag! Dabei wird zwischen direktem und indirektem Verbrauch unterschieden. Indirekt ist all das, was beispielsweise zur Verarbeitung von Lebensmitteln oder Kleidung genutzt wird. Das Umweltbundesamt führt hierzu mehrere Beispiele auf. Für ein Kilogramm Rindfleisch müssen sage und schreibe mehr als 15.000 Liter Wasser aufgewendet werden. Der Verbrauch für ein Kilogramm konventioneller Baumwolle liegt bei bis zu 10.000 Liter Wasser. Rechnet man diesen Verbrauch noch hinzu, fällt die Bilanz noch höher aus. 

Wasserknappheit hatte schon immer eine hohe soziale und nationale Sprengkraft. In Indien gibt es Befürchtungen, dass China mit Staudämmen Wasserzuflüsse blockieren könnte. Allerdings muss man gar nicht so weit schauen. So stehen auch Nahrungsmittelkonzerne, wie z.B. die Schweizer Nestlé, in ewiger Kritik, sich umfangreiche Wasserrechte in einigen Ländern gesichert zu haben und damit der Bevölkerung den Hahn abzudrehen. Für Furore sorgt bereits seit Jahren der Streit zwischen Nestlé und dem französischen Ort Vittel. Seit den 1990er Jahren pumpt das Unternehmen für seine berühmte Weltmarke Wasser aus dem Boden. Die Folge: Der Grundwasserspiegel in der Region ist dramatisch gesunken und die Bevölkerung kämpft mit Wasserknappheit.

Wer in Wasseraktien investieren möchte, schaut nach Übersee. Auf dem deutschen Kurszettel finden sich schließlich gerade einmal drei Wasseraktien. Der Pennystock Hydrotec und die überaus engen Werte Gelsenwasser und KSB (s.S. Tabelle S. 36). Die attraktivsten Dienstleister in diesem Sektor kommen aus den USA, sind zum Teil jedoch schon recht ambitioniert bewertet. Nichtsdestotrotz sind diese Aktien einen genaueren Blick wert. Gerade in schwierigen Börsengewässern, wie sie derzeit vorherrschen, erweisen sich diese als Fels in der Brandung.

Zu den Wasser-Lieblingsaktien zählt zweifelsfrei American Water Works, die auch in nahezu allen Fonds aufgelistet werden. Ein Blick auf die Kursentwicklung zeigt auch warum: Wer die Aktie nach unserem Hinweis in 35/2016 zu 75,43 $ kaufte, darf sich inzwischen über eine Kursperformance von knapp 65 % freuen. Damit kommt die Aktie auf eine jährliche Rendite von 16 %, Dividendenzahlungen noch gar nicht eingerechnet. Seit dem IPO im Jahr 2008 schraubte der Konzern jedes Jahr die Dividende nach oben (Quellensteuer-Thematik beachten!). Ein Ende des Höhenfluges bei der Aktie ist derzeit nicht in Sicht. Die Wachstumsraten von American Water Works überzeugten bislang. Für das nächste Geschäftsjahr darf man von einer Fortsetzung dieses Trends ausgehen. Der breiten Anlegermasse weniger bekannt ist Xylem, wobei die Aktie ebenfalls zu den Favoriten der Finanzinvestoren zählt. Auch dieses Papier gehört zum Standardinvestment zahlreicher Fondsanleger. Der Konzern, der sich mit Abwassertransport oder der Aufbereitung von Schmutzwasser beschäftigt, notiert gerade wieder an seiner 200-Tage-Linie. Da die USA in den kommenden Jahren an ihrer Infrastruktur arbeiten müssen, scheint auch hier das Wachstum vorprogrammiert.

Für Anleger, die sich breit gefächerter aufstellen möchten, erscheint zum Beispiel der DWS Global Water LD (ISIN DE000DWS0DT1) interessant. Der Fonds ist ausschüttend und investiert in in- sowie ausländische Aktien mit dem Schwerpunkt Wasserversorgung, Wasserinfrastruktur, Wassertechnologie und Wasser-Ressourcen-Management. Zu den größten Einzelwerten zählen natürlich American Water Works, Xylem, Danaher und Geberit.

Aktuell gibt es nur zwei Wasser ETFs, welche an einer deutschen bzw. europäischen Börse und somit auch in Euro gehandelt werden. Einer davon ist der von BlackRock aufgelegte iShares Global Water UCITS ETF (DE000A0MSAG2). Der Aktienfonds versucht, möglichst genau die Entwicklung des S&P Global Water 50 Index (s.S.3) abzubilden. Der Index enthält vor allem Werte aus den Bereichen Wasserversorgung sowie Wasseraufbereitung. Aus diesem Sektor versucht der ETF, die 50 größten Aktien weltweit abzubilden, welche gleichzeitig über eine hohe Liquidität verfügen. Dazu gehören auch hier die Werte American Water Works und Xylem, aber auch Veolia Environnement, IDEX oder United Utilities.

In unserer Reihe Megatrends ist das Thema Wasser zweifelsfrei von enormer Bedeutung. Denn kein Rohstoff ist derart unersetzlich und gleichzeitig überlebensnotwendig. In der unten stehenden Tabelle gibt der ES eine Übersicht über die global wichtigsten Wasserversorger bzw. -dienstleister. 

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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