Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA

Die Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA verkauft ihre Mehrheitsbeteiligung an Sound Inpatient Physicians. Dazu unterzeichnete die Gesellschaft eine bindende Vereinbarung mit einem Konsortium unter der Führung von Summit Partners. Der Verkauf dient als wichtiger Schritt zur strategischen Weiterentwicklung des Angebots im Bereich Versorgungsmanagement in den USA. Der Transaktionserlös beläuft sich auf 2,15 Mrd. USD entsprechend rund 1,76 Mrd. Euro. Aus dem Verkauf erwartet das Management einen Buchgewinn von rund 800 Mio. Euro. Sound Inpatient Physicians erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit 3.500 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,25 Mrd. Euro und ein EBIT von rund 90 Mio. Euro. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen erwartet das Management einen Abschluss der Transaktion bis zum Ende diesen Jahres.

c

Vileroy & Boch AG

Die Villeroy & Boch AG verzeichnete im ersten Quartal 2018 eine Umsatz- und Ergebnissteigerung. So erhöhte sich der Umsatz um 3,4 Prozent auf 208,0 Mio. Euro. Auf Basis von Währungskursen des Vorjahres hätte das Wachstum sogar bei 5,7 Prozent gelegen. Die größten negativen Währungseffekte resultierten aus dem US-Dollar, dem Chinesischen Renminbi und der Schwedischen Krone. Gegenüber Jahresbeginn stieg der Auftragsbestand von 107,0 auf 110,4 Mio. Euro. Davon entfielen 94,7 Mio. Euro auf den Bereich Bad und Wellness sowie 15,7 Mio. Euro auf das Segment Tischkultur. Im Bereich Bad und Wellness erzielte die Gesellschaft ein Wachstum von 6,3 Prozent auf 147,1 Mio. Euro. Dagegen ging der Umsatz im Bereich Tischkultur um 3,0 Prozent auf 60,9 Mio. Euro zurück, was jedoch auf negative Währungseffekte zurückzuführen war. Auf dieser Basis erwirtschaftete Villeroy & Boch beim EBIT im ersten Quartal einen Zuwachs von 5,7 Prozent auf 11,1 Mio. Euro. Nach dem Verlauf des ersten Quartals rechnet das Unternehmen unverändert mit einer Umsatzsteigerung im Gesamtjahr zwischen 3 und 5 Prozent. Das EBIT soll dabei überproportional um 5 bis 10 Prozent zulegen.

c

Sto SE & Co. KGaA

Die Sto SE & Co. KGaA erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 einen Umsatzzuwachs von 3,8 Prozent auf 1,28 Mrd. Euro. Während der Umsatz im Inland um 2,6 Prozent auf 562,8 Mio. Euro wuchs, legte er im Ausland um 4,8 Prozent auf 714,6 Mio. Euro zu. Im vergangenen Jahr entwickelte sich der Kernbereich Fassadensysteme weiterhin erfreulich. Auch bedingt durch Kostensenkungen erhöhte sich das EBIT überproportional um 19,5 Prozent auf 84,0 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss verbesserte sich sogar um 22,1 Prozent auf 55,8 Mio. Euro. Dabei erwirtschaftete die Gesellschaft einen ROCE von 16,1 Prozent nach 13,9 Prozent im Vorjahr. Angesichts der guten Geschäftsentwicklung sollen die Aktionäre eine unveränderte Basisdividende von 0,31 Euro je Kommanditvorzugs- und 0,25 Euro je Kommanditstammaktie erhalten. Darüber hinaus soll der bisher gezahlte Sonderbonus von 3,00 auf 3,78 Euro je Aktie angehoben werden. Vor allem witterungsbedingt blieb die Geschäftsentwicklung im ersten Quartal 2018 hinter den Erwartungen und dem Vorjahresniveau zurück. Trotzdem erwartet das Management im Gesamtjahr einen Umsatzanstieg von 4,4 Prozent und ein EBIT in der Größenordnung von 80 bis 90 Mio. Euro.

c

ES-Aktienfavoriten

Ausgabe 16 | 18.04.2018

Konservativ

Aktie mit konservativem Potenzial

Der Online-Inhalt des Effecten-Spiegel ist kostenpflichtig. Sie können die gesamte Ausgabe beziehen und sofort freischalten.
2,70 €
inkl. 19%MwSt

Täglicher Börsenbericht

Richtungssuche

DAX weiterhin kaum verändert

Der DAX eröffnete den Handel am Freitag 0,2 % schwächer bei 12.545 Punkten. Schon am Donnerstag hatte er sich wenig bewegt und 0,2 % im Minus geschlossen. Seinen vorläufigen Höhepunkt hatte der deutsche Leitindex am Mittwoch mit 12.640 Punkten erreicht, bevor er sich knapp unterhalb der 200-Tages-Linie einfand. Ob der jüngste Anstieg dem heutigen kleinen Verfallstag geschuldet  war, wird sich im Laufe des Nachmittags oder zum Beginn der neuen Woche zeigen. An der Wall Street mussten die großen Indizes am Donnerstag ebenfalls Verluste verzeichnen. Der Dow Jones schloss schloss 0,3 % tiefer, der S&P 500 verlor 0,6 % und der Nasdaq sank um 0,8 %. Der japanische Nikkei gab um 0,2 % nach.

In den USA hat General Electric seine Quartalsergebnisse vorgelegt. Zwar legte der Gewinn im Jahresvergleich von 122 Mio. auf 369 Mio. $ zu, inklusive aller Sondereffekte fuhr der Industriekonzern jedoch im 1. Quartal einen Verlust von 1,2 (1,0) Mrd. $ ein.

Nachdem Allergan-Chef Saunders bei Aktionären auf Widerstand gegen seine Übernahmepläne gestoßen war, verzichtete der Botox-Produzent nun doch auf ein Gebot für den irischen Pharmakonzern Shire.

Mattel muss sich nach kaum mehr als einem Jahr von seiner Chefin Margo Georgiadis verabschieden. Die Nachfolge der Managerin wird am 26. April Ynon Kreiz antreten.

Die beiden Software-Unternehmen RIB Software und Microsoft geben eine Kooperation bekannt. Gemeinsam soll an einem Projekt namens MTWO gearbeitet werden. Ziel ist die Schaffung eines Systems, das in der Bau- und Wohnungswirtschaft die Datennutzung in Planung, Bau, Betrieb, Management und Wartung verbessert.

Villeroy & Boch hat seinen Umsatz im 1. Quartal des Geschäftsjahres 2018 im Vorjahresvergleich um 3,4 % auf 208,0 Mio. € gesteigert, wobei der Einfluss negativer Währungseffekte einen größeren Umsatzzuwachs verhinderte. Das Ebit stieg um 5,7 % auf 11,1 Mio. €.

Im ersten Quartal stieg der Umsatz von Reckitt auf vergleichbarer Basis im Jahresvergleich um 2 % auf 3,6 Mrd. €. Analysten hatten mit einem Plus von 2,6 % gerechnet, das Wachstum wurde jedoch durch anhaltende Probleme der Fußpflegemarke Scholl gebremst. Der Konsumgüterkonzern rechnet für das Gesamtjahr weiterhin mit einem Umsatzplus auf vergleichbarer Basis von 2 bis 3 %.

Besser als von Analysten erwartet vielen die Zahlen für das erste Quartal bei Ericsson aus. Der strikte Sparkurs, der auch den Abbau tausender Stellen enthielt, ließ den Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringer ausfallen. Dennoch sank der Umsatz des schwedischen Netzwerkausrüsters im ersten Quartal im Vorjahresvergleich um 9 % auf 4,2 Mrd. €, bereinigt betrug das Minus 2 %. Die Bruttomarge fiel mit 34,2 % ebenfalls besser aus als erwartet.

Ein Bayer-Sprecher teilte mit, dass der Pharma- und Agrarchemiekonzern für seine Monsanto-Übernahme nun auch aus Russland grünes Licht erhalten habe. Noch steht jedoch die wichtige Zustimmung der Behörden in den USA aus. Einem Insider zufolge hat sich der Konzern mit diesen inzwischen aber grundsätzlich geeinigt.

Ein nicht näher genannter Kaufinteressent habe sich in den Deal von RWE und Eon zur Zerschlagung von Innogy eingeschaltet, der sich für Geschäftsaktivitäten in Tschechien interessiere. Dieser bekomme nun Einblick in die Bücher. Zudem habe er bestimmte Geschäftsaktivitäten der Essener in den Segmenten Erneuerbare Energien, Vertrieb sowie Netz und Infrastruktur im Visier.

Ein Porsche-Manager sei am Donnerstag wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr im Zusammenhang mit dem Diesel-Abgasskandal in Untersuchungshaft genommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Insgesamt wird gegen zwei Manager und einen ehemaligen Mitarbeiter der VW-Tochter ermittelt.

paidContent: 4177 contentPage: 10

Auslandsfavoriten

Ausgabe 16 | 18.04.2018

Konservativ

Aktie mit konservativem Potenzial

Der Online-Inhalt des Effecten-Spiegel ist kostenpflichtig. Sie können die gesamte Ausgabe beziehen und sofort freischalten.
2,70 €
inkl. 19%MwSt

Thema der Woche

Ausgabe 16 | 18.04.2018

Stream now

Bezahlfernsehen fasziniert Nutzer und Investoren

Der Online-Inhalt des Effecten-Spiegel ist kostenpflichtig. Sie können die gesamte Ausgabe beziehen und sofort freischalten.
2,70 €
inkl. 19%MwSt

Randnotizen

Bereits vor Wochen sickerte durch, dass AR-Chef Paul Achleitner auf der Suche nach einem neuen Vorstandschef für sein Geldinstitut ist. Vor Jahren hätte es sicherlich genügend Bewerber um diese gut bezahlte Stelle gegeben. Inzwischen aber möchte sich niemand mehr beim Ausmisten der Deutschen Bank die Finger für seine Vorgänger schmutzig machen. Nachdem der Aufsichtsrat dann auch etliche Absagen ausländischer Kandidaten kassiert hatte, entschied er sich schließlich für eine „Inhouse-Lösung“. 

Mit dem „Eigengewächs“ Christian Sewing ernennt der Aufsichtsrat nun einen Banker, der mit 47 Jahren zwar der Jüngste in der Geschäftsleitung ist, aber mit 26 Dienstjahren im Geldhaus über die meiste Erfahrung verfügt. Als ehemaliger Auszubildender der Bank, der sämtliche Stationen durchlaufen hat, dürfte Sewing den Banken-Sumpf am besten kennen. Zudem gilt er als gut vernetzt. Vielleicht ist es auch kein Makel, sondern eher eine Referenz, dass Sewing nicht die erste Wahl von Achleitner war und selbst zuletzt noch hinter seinem Vorstandskollegen Marcus Schenck auf dem Nominierungszettel stand. Nachdem aber nun auch dieser die Bank verlässt, darf Sewing ran. Damit steht zum ersten Mal seit 16 Jahren kein Investmentbanker an der Spitze des Geldhauses. Mit seinen Auslandserfahrungen in Singapur, Toronto, Tokio und Londen kennt er fast alle Schlüsselstandorte des Instituts aus eigener Anschauung. Er gilt als bodenständig und durchsetzungsfähig. Entsprechend klar fielen auch seine ersten Ankündigungen aus. Nach drei Verlustjahren in Folge und einem Börsenkurs auf Rekordtiefststand kann es eigentlich nur besser werden. So sahen das auch die meisten Marktteilnehmer, der Kurs drehte ins Plus. Doch nicht nur Sewing steht unter Erfolgszwang, auch sein Chef Achleitner selbst. Schließlich besteht der gesamte DB-Vorstand aus Leuten, die er seit 2015 auf ihre Posten gebracht hat. Achleitner ist somit mitverantwortlich für die Fehlentscheidungen der letzten Jahre und steht daher zunehmend unter Druck. Scheitert Sewing, darf auch Achleitner gehen.

paidContent: 18095 contentPage: 109

Als Amazon und Lidl im Juni letzten Jahres erklärten, sich auf dem US-Markt als Lebensmitteleinzelhändler zu engagieren, geriet die Aktie von Ahold Delhaize (AD) mächtig unter Druck. Innerhalb einer Woche gab das Papier um rund 16 % nach. Inzwischen aber bewegt sich der Kurs wieder auf dem alten Niveau. Denn noch haben weder Amazon noch Lidl nennenswerte Marktanteile für sich gewinnen können. AD dagegen konnte in allen Regionen die Erträge deutlich steigern. Seit der Fusion zwischen der holländischen  Ahold und der belgischen Delhaize im Juli 2016 ist das Unternehmen in 5 Regionen unterwegs – Ahold Delhaize USA, den Niederlanden, Belgien, Mittel- und Südosteuropa. Dass der Gesamtertrag dennoch um 2,8 % zurückging, ist lediglich dem Wechselkurs gegenüber dem starken Euro geschuldet. Auch haben die Synergieeffekte der Fusion noch nicht voll durchgeschlagen. Ungeachtet dessen erfreute das Unternehmen seine Aktionäre mit einer um 10,4 % erhöhten Dividende von 0,63 Euro. 

Im Markt hat sich AD zudem geschickt zwischen seinen beiden Konkurrenten positioniert: Gegenüber Lidl besitzt das Unternehmen den Vorzug, dass es die Einkäufe nach Hause liefert. Im Vergleich zu Amazon (Whole Foods Market) ist AD preislich niedriger angesiedelt. Langfristig jedoch wird AD der Bedrohung durch Lidl und Amazon wohl kaum alleine standhalten können. Es ist daher naheliegend, dass Ahold Delhaize eine weitere Fusion anstreben könnte. Denkbar sind hier Target oder Kroger. Andererseits wäre auch ein Verkauf des US-Geschäfts, z.B. an Amazon, eine mögliche Option. Amazon könnte schließlich damit sein Vertriebsnetz erweitern. In jedem Fall sollten Anleger Ahold Delhaize im Auge behalten!

paidContent: 18097 contentPage: 109

Viel wurde in der vergangenen Woche über Facebook und sein riesiges Datenleck geschrieben. Bundesjustizministerin Katarina Barley sieht durch Facebook sogar „Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“ bedroht. Circa 50 Mio. Datensätze sollen dem sozialen Netzwerk entwendet und von der Firma Cambridge Analytics (CA) für politische Zwecke missbraucht worden sein. Innerhalb von 10 Tagen verlor das Unternehmen über 100 Mrd. $ an Börsenwert, was ungefähr der Marktkapitalisierung von Siemens entspricht. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verlor persönlich immerhin gute 16 Mrd. $. 

Beleuchtet man diesen „Skandal“ jedoch etwas genauer, dann fragt man sich schon,  warum der Aufschrei plötzlich so groß ist. Besagte Daten wurden schließlich von ihren Besitzern freiwillig und aktiv in die Öffentlichkeit des Internets gegeben. Es war nicht  mehr als ein Fragenkatalog zur Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen, der von CA als Quiz-App für Facebook-User aufgesetzt und z.B. unter Amazon Mechanical Trunk beworben wurde. Die Teilnehmer mussten in Facebook eingeloggt sein und erhielten für ihre Teilnahme eine kleine Belohnung. CA sammelte neben den Quiz-Antworten so auch die freiwilligen Nutzerprofilangaben der Teilnehmer. Hierzu zählten neben Geburtstag, Geschlecht, Nationalität, Lieblingsmusik, Lieblingsbuch, Kommentare etc., auch die auf Facebook gesammelten „Freunde“. Solche Profilangaben lassen sich über Facebooks sog. API-Schnittstelle aber auch von jedem anderen App-Anbieter leicht auslesen. Bei 270.000 Quizteilnehmern gelangte CA so an Auskünfte und „Likes“ von 50 Mio. Facebook-Usern. 

Ein solcher Zugriff über die API-Schnittstelle ist nicht neu und wird auf Hunderttausenden von Websites und Apps über die „Login mit Facebook“-Möglichkeit genutzt. Schließlich ist es Facebooks Kerngeschäft, seine lt. Geschäftsbericht inzwischen 2,1 Mrd. Nutzer weltweit mit profilspezifischer Werbung zu befeuern. Fast 13 Mrd. $ wurden allein im 4. Quartal 2017 damit umgesetzt. 70 Mio. Unternehmen und 6 Mio. Werbeaccounts nutzen das soziale Medium als Werbeplattform. Mark Zuckerbergs Entschuldigung auf CNN entspricht daher eher dem „erwischt worden sein“ als einem echten Bedauern oder gar Reue über seine Geschäftspolitik. 

Es ist naiv anzunehmen, dass die persönliche Offenheit der Internetnutzer nicht auch für politische Zwecke genutzt wird. „Ein Paket in dieser Größe mit Wählerdaten kostet circa 500.000 $“, heißt es von TargetSmart, einem kommerziellen US-amerikanischen Wahlhilfeunternehmen. „Datenhändler sammeln Ihre Daten aus behördlichen Wählerlisten, Konsumentendaten und sonstigen, irgendwo gemachten Angaben und generieren recht gute Profile daraus. Die direkten Angaben der 50 Mio. Facebook-User, statt angewandter Rechenmodelle, erhöhen lediglich den Preis des Datenpakets“, so Tom Bonier, CEO von TargetSmart.

Der Facebook-Shitstorm fällt aber in eine Zeit, in der die Tech-Unternehmen des Silicon Valley ohnehin zunehmend öffentlichen Gegenwind erfahren. Ehemalige Manager von Apple, Google, Facebook und Co berichten medienwirksam über unlautere Praktiken Ihrer früheren Arbeitgeber. Juristen auf der ganzen Welt blasen nun zum großen Halali gegen die Kalifornier, um selbst das dicke Geschäft zu machen. Zudem ist der Investorengemeinde schon lange die Struktur von Facebook ein Dorn im Auge. Während Zuckerberg lediglich 16 % der Facebook-Aktien besitzt, stehen ihm dennoch 60 % der Stimmrechte zu. Hierfür wurde eine separate Aktienklasse ins Leben gerufen, die das zehnfache Stimmrecht der normalen Aktien besitzt. Aber auch bei Google, Groupon, LinkedIn, Snapchat oder TripAdvisor gibt es diese unsymmetrische Aufteilung zwischen wirtschaftlichem Risiko der Anleger und den entscheidenden Stimmrechten. Die genialen Gründer bräuchten diese Unabhängigkeit zur weiteren Entfaltung ihrer Visionen, hieß es seinerzeit als Rechtfertigung, die in der unsicheren Gründerphase auch allseits akzeptiert und hingenommen wurde. 

Ein 490 Mrd. $-Unternehmen mit einem Boss, der nicht abgesetzt werden kann, mag in guten Zeiten funktionieren. In Krisenzeiten aber ist es ein Risiko, wenn ein solches patriachisch geführtes Imperium in den Shitstorm gerät. Das mag vielmehr den enormen Kurssturz von Facebook erklären. 

paidContent: 17967 contentPage: 109

Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Donald Trump sieht sich nach seinem ersten Amtsjahr als erfolgreichsten Präsidenten der US-Geschichte. „Ich glaube das wirklich“, sagte Trump in seiner Rede vor der konservativen Vereinigung CPAC („Conservative Political Action Conference“) am 23. Februar. Nach einer aktuellen Umfrage ist Trump jedoch der schlechteste US-Präsident aller Zeiten. Aber was wird die Geschichte tatsächlich über ihn schreiben?

Zum ersten Mal seit vier Jahren hat die Elite der amerikanischen Wissenschaftler, die American Political Science Association, wieder ihren „Greatness Survey“ durchgeführt – eine Bewertung von allen bisherigen amerikanischen Präsidenten. Auf Platz 1 und 2 des Rankings stehen unverändert Abraham Lincoln mit 95,03 Punkten und der erste Präsident der Vereinigten Staaten, George Washington, mit 92,59 Punkten. Den besten Platz eines Nachkriegspräsidenten belegt Franklin Delano Roosevelt (1933 bis 1945) mit 89 Punkten unverändert auf Platz 3. Während die Plätze 4 bis 7 mit Teddy Roosevelt, Jefferson, Truman und Eisenhower ebenfalls unverändert blieben, kam es auf den hinteren Rängen zu deutlichen Verschiebungen. Größter Aufsteiger ist Barack Obama (71 Punkte), der sich um 10 Plätze auf Rang 8 verbesserte. 2014 stand dort noch Bill Clinton – er rutschte auf Platz 13 ab. Der amtierende US-Präsident Donald Trump erreichte mit 12,34 von erreichbaren 100 Punkten einen historischen Negativrekord und belegt abgeschlagen den 44. und somit letzten Platz. Er löst damit den bisher unangefochten schlechtesten Präsidenten James Buchanan ab. Diesem wird die Verantwortung für den blutigen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) zugeschrieben, der die USA spaltete. 

Doch wie sehen die Märkte Donald Trump? Entgegen aller Voraussagen begannen die Aktienmärkte nach seinem Wahlerfolg eine schwindelerregende Rally. „Der Aktienmarkt hat einen Rekord nach dem anderen gebrochen, mehr als acht Billionen Dollar an Wert gewonnen“, brüstete sich Trump dann auch in einem seiner Tweets. Allerdings fügte der Dow Jones Anfang Februar 2018 einen neuen Rekord hinzu, als er an einem Tag um mehr als 1.600 Punkte fiel. Unbestritten ist jedoch, dass selten ein Präsident einen derart direkten Einfluss auf die Finanzmärkte nahm wie Donald Trump. Dabei mag eine Rolle spielen, dass er der erste US-Staatschef ist, der auf Twitter präsenter ist als im Weißen Haus. Der „Twitter-Präsident“ ist dabei vor allem für den gleichnamigen Nachrichtendienst ein Segen. Im ersten Jahr seiner Präsidentschaft ging es auch für den Betreiber der Plattform selbst wieder bergauf. Der Wert der Aktie legte 2017 fast um die Hälfte zu und ließ damit sogar den starken US-Index S&P500 deutlich hinter sich. Dabei hat Twitter seit seinem Börsengang 2013 noch nie Gewinne geschrieben. Allerdings konnte das Unternehmen wohl auch dank Trump im 3. Quartal 2017 erstmals einen deutlichen Rückgang des Verlusts auf –21 Mio. Dollar vermelden, nach –103 Mio. Dollar im Vorjahreszeitraum. James Cakmak von der Analysefirma Monness Crespi Hardt & Co. schätzt den „immateriellen Wert“ von Trump für Twitter auf etwa 2 Mrd. Dollar. Fakt ist, dass allein wegen Trump viele neue Nutzer auf die Plattform zugreifen. Während seines Wahlkampfs hatte Trump rund 17 Mio. Follower, inzwischen sind es bereits 48,9 Mio. 

Aber nicht nur Twitter selbst profitiert von Trumps Mitteilungsbedürfnis. Die US-Technologiefirma The Think Tank entwickelte zum Beispiel ein Computerpogramm, das Trumps Tweets automatisch nach Namen börsennotierter Unternehmen durchsucht. In einem zweiten Schritt analysieren Algorithmen, ob das Unternehmen in einem positiven Kontext erscheint („großartige Investition“, „Danke, Walmart“) oder in einem negativen („furchtbar“, „erbärmlich“). Kritisiert Trump das Unternehmen, reagiert das Programm in Sekundenbruchteilen und wettet auf einen fallenden Aktienkurs. Und das kann sich kurzfristig lohnen: Amazon verlor 5 Mrd. Dollar an Börsenwert, nachdem Trump gegen den Online-Händler schwere Steuervorwürfe gepostet hatte. Mit seinem Tweet über die teuren Präsidentenjets von Boeing radierte er Anfang Dezember dann auch mal eben 1 Mrd. Dollar an Börsenwert des Flugzeugherstellers aus.

„Trump & Dump“ („Trump & Abstoßen“) heißt das Programm bei der in Texas ansässigen T3. „Trump & Dump“ soll es Anlegern ermöglichen, vor anderen Spekulanten darauf zu reagieren, wenn Trump mal wieder eine Firma aufs Korn nimmt. T3 selbst hat durch das Programm nach eigenen Angaben bislang zweimal „große Gewinne“ und einmal einen „kleinen Verlust“ gemacht. Die Gewinne spendete die Firma an die Amerikanische Gesellschaft für die Verhinderung von Grausamkeit gegen Tiere (ASPCA). Wie hoch der Gewinn genau ausfiel, wollte T3-Chef Gaddis nicht sagen. Nur so viel: „Riesig!“

Andere Finanzexperten setzen im Gegensatz dazu auf Unternehmen, deren Aktienkurs Trump mit seiner Politik langfristig beeinflussen dürfte. So pickten sich die Fondsmanager des Anbieters Eventshares für ihren Republican Policies Fund (ISIN US00509T1025) solche Titel heraus, die von Trumps Energiepolitik oder von den geplanten Infrastrukturausgaben profitieren könnten. Seit seinem Start im Oktober 2017 legte der Fonds um 11 % zu, während der breite Index S&P500 nur um knapp 6 % stieg. 

Doch am meisten profitieren die großen US-Konzerne von der Trumpschen Steuerreform. Die Unternehmenssteuern sinken von 35 auf 21 %, Investitionen sind zu 100 % steuerlich absetzbar. Und auch der persönliche Einkommensteuersatz wurde von 39,6 auf 37 % gesenkt. Das kurbelt die Wirtschaft an, denn die US-amerikanischen Firmen produzieren wieder in der Heimat und führen ihre Gewinne zurück. Eine Steuersenkung, die sich selbst finanziert? Die Geschichte hat gezeigt, dass der Mechanismus der Wirtschaft durchaus so funktioniert: Als Kennedy die Steuern senkte, kam der Staatshaushalt ins Plus. In den 18 Monaten nach Reagans Steuersenkung lag das Wirtschaftswachstum zunächst bei 12 %, dann bei 8 % und schließlich 5 % pro Jahr. Als Clinton Steuern und Ausgaben senkte, erholte sich der Staatshaushalt ebenfalls und erwirtschaftete sogar Überschüsse. Das Gegenteil passierte, als George W. Bush oder Obama Steuern und Ausgaben erhöhten. 

Aber auch für die nun im Raum stehenden Strafzölle gibt es historische Vorbilder (vgl. Randnotizen ES 10/18). George W. Bush hatte im Jahr 2002 auf Stahlimporte Zölle von bis zu 30 % verhängt. Im Ergebnis führte das allerdings zu 200.000 Jobverlusten, mehr als die produzierende Stahlindustrie beschäftigte. Die Welthandelsorganisation WTO erklärte die Zölle damals für rechtswidrig, weshalb die US-Regierung ihre Idee auch wieder kassieren musste. Die Jobs allerdings waren bis dahin schon weg. Kein Wunder also, dass die amerikanische Politik entsetzt ist über die neuen Eskapaden ihres Präsidenten. Viele Republikaner verweigern die Gefolgschaft, Trumps Wirtschaftsberater Cohn verlässt das Weiße Haus. Und auch die Aktienmärkte reagieren verschnupft. Dabei stärken auch andere Länder die heimische Wirtschaft mit diversen protektionistischen Maßnahmen, wie eine Studie von Euler Hermes belegt (vgl.Abb.). Deutschland setzte allein in den letzten vier Jahren 185 neue Maßnahmen zum Schutz der eigenen Wirtschaft (insbesondere Maschinenbau, Metallindustrie sowie Chemiebranche) in Kraft. Nur Russland, Indien und die USA übertreffen diese Zahl.

Die Wirtschaft läuft rund, die Gewinne der Unternehmen steigen. Doch die Finanzmärkte haben permanent Angst davor, dass Trump irgendwo eine Eskalation auslöst. Und diese Unsicherheit und Unberechenbarkeit macht die Börse ebenso schwankungsanfällig wie das Gemüt des US-Präsidenten Trump. 

paidContent: 17737 contentPage: 105

Es war das große Ziel: Volkswagen sollte der größte Autokonzern der Welt werden. Und diesem Ziel opferten sie alles – das Image der deutschen Autobauer, Tausende Arbeitsplätze, das Geld der Aktionäre und nicht zuletzt die Wahrheit. Doch statt Aufklärung gilt weiter: Freie Fahrt für Martin Winterkorn & Co. Nun verfügt erstmals ein deutscher Richter, bisher unter Verschluss gehaltene Dokumente offenzulegen. Diese Unterlagen belegen, dass der VW-Chef höchstpersönlich schon im Mai 2014 über die Manipulationen im Konzern informiert war. 

„Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin“, so Martin Winterkorn gekonnt inszeniert vor dem Unter-suchungsausschuss zur Aufklärung der Dieselaffäre. Und am Ende der Aufführung verteilten Union und SPD dann auch prompt die gewünschten „Persilscheine“. Alle Behörden hätten einwandfrei gearbeitet und die Regierung alles getan, was möglich ist, um den Abgasskandal aufzuklären. „Lückenlose Aufklärung war und ist jetzt das Gebot der Stunde“, schwadronierte Winterkorn weiter. Denn „was passiert ist, macht die Menschen wütend - mich auch.“ – Und wie wütend es die Menschen macht, die wegen der Gier einiger weniger Autobosse ihr Geld und ihren Job verloren oder im guten Glauben ein Auto kauften, mit dem sie bald nicht mehr in ihre eigene Stadt fahren dürfen! Doch das interessiert einen Herrn Winterkorn nicht, dem sein beheizter Koi-Teich mehr am Herzen liegt. Stattdessen vernebelt er seine „lückenlose Aufklärung“ mit Umsatzmeldungen und der Feststellung, ehrlich gearbeitet zu haben. Tatsachen, die man von einem Vorstandsvorsitzenden wohl grundsätzlich erwarten darf. „Mein Team und ich haben Umsatz und Gewinn vervielfacht, viele neue Jobs geschaffen - nicht durch Betrug, sondern durch harte und ehrliche Arbeit“, so Winterkorn.

Von der Manipulation an Autos habe er nichts gewusst. Er, der ehemalige Ingenieur und jetzige Konzernchef, allseits gefürchtet wegen seiner peniblen Fragen und seiner Detailkenntnis, will nichts gemerkt haben? Winterkorn kümmere sich um jede Kleinigkeit im Konzern, ihm entgehe nichts und sein Perfektionismus dulde keine Fehler, heißt es in Wolfsburg. Und dennoch will er als Letzter von den Vorgängen erfahren haben? Selbst den Technikern in den Werkstätten fernab der VW-Zentrale war irgendwann aufgefallen, dass da mit den Werten etwas nicht stimmt. Denn bei der Motorleistung und den Grenzwerten für Stickoxid benötigten die Dieselmodelle weit mehr Harnstoff als sie es offenbar sollten. 

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/15 berichtete, war die Tübinger Anwaltskanzlei TILP die erste, die wegen des Dieselskandals Klage gegen Volkswagen einreichte. ES-Abonnenten konnten zu einem geminderten Pauschalpreis ihre individuelle Sachlage prüfen lassen und ggf. ihre Ansprüche anmelden. Inzwischen vertritt die Kanzlei vor den Landgerichten in Braunschweig und Stuttgart weit über 1.000 Anlegerklagen gegen VW. Ihre Schwesterkanzlei vertritt im Musterverfahren vor dem Oberlandesgericht Braunschweig den Musterkläger gegen VW. Die erste mündliche Verhandlung wurde dort auf den 03. September 2018 anberaumt. „Die von unserer Kanzlei erstrittene Herausgabe der jetzt vorgelegten Dokumente hat die Erfolgschancen der VW-Kläger erneut erhöht, denn sie belegen unseren Tatsachenvortrag vor Gericht“, betont TILP-Anwalt Axel Wegner. 

Konkret geht es um einen Brief des damaligen Chefs für Qualitätssicherung, Frank Tuch. Er hatte am 22. Mai 2014 direkt an Martin Winterkorn geschrieben. Dieses Schreiben war Winterkorn zum Monatsende in seinem „Wochenendkoffer“ mit weiteren wichtigen Chefsachen zur Durchsicht mitgegeben worden. Auszugsweise heißt es dort:

„Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Winterkorn, 

in der Anlage erhalten Sie 1. die Information zu Überschreitungen der NOx-Emissionen bei Real Driving Emission Tests (RDE) in den USA. … Bei den Messungen an VW Fahrzeugen … wurden die NOx-Grenzwerte deutlich überschritten (Faktor 15 bis 35). Die ICCT hat VWGoA die Testergebnisse übergeben und um eine entsprechende Kommentierung gebeten. In der Aggregatentwicklung ist eine Task-Force gegründet worden. Über die weiteren Entwicklungen und die Diskussion mit der Behörde werde ich berichten.“

Wie wichtig Tuch das Thema war, macht er allein dadurch deutlich, dass er erklärte, dass „eine Task-Force gegründet worden“ sei. Zudem fügte er seinem Schreiben die Notiz von Bernd Gottweis bei, ebenfalls datiert auf den 22. Mai 2014. Sie trägt die Überschrift: „Überschreitung der NOx-Emissionen bei Real Driving Emission Tests (RDE) in USA …“. Allein mit der Überschrift macht Bernd Gottweis, Leiter des Ausschusses für Produktsicherheit und enger Vertrauter von Winterkorn, auf die Problematik aufmerksam, dass bei Straßentests in den USA der vorgeschriebene Emissionswert überschritten werde. In der Notiz selbst findet sich dann noch der direkte Hinweis auf die verbotenen Abschalteinrichtungen (defeat device), mit denen VW die Abgase auf den Prüfständen künstlich senkte. Wörtlich heißt es dazu:

„Das ICCT hat VWGoA (EEO) die Ergebnisse ihrer gemessenen „off cycle emissions“ und ihre parallel im FTP-Test ermittelten (Vergleichs)Werte zur Verfügung gestellt und um Kommentierung der hohen Grenzwertüberschreitungen gebeten. In einer Telefonkonferenz hat die Behörde CARB zusätzlich weitergehende Untersuchungen angekündigt, konkrete Fragen der Behörde … liegen EEO bereits vor.

Eine fundierte Erklärung für die dramatisch erhöhten NOx Emissionen kann den Behörden nicht gegeben werden. Es ist zu vermuten, dass die Behörden die VW Systeme daraufhin untersuchen werden, ob Volkswagen eine Testerkennung in die Motorensteuergeräte-Software implementiert hat (sogenanntes defeat device) und bei einem erkannten „Rollentest“ eine andere Regenerations- bzw. Dosierungsstrategie fährt als im realen Fahrbetrieb.

In der Aggregatentwicklung werden derzeit geänderte Softwarestände entwickelt, mit denen sich die RDE reduzieren lassen, jedoch werden hiermit die Grenzwerte ebenfalls nicht unterschritten.“

Selbst angesichts dieser erdrückenden Beweislage ist Martin Winterkorn um eine Erklärung nicht verlegen. Schließlich habe er nicht immer alle Unterlagen auch tatsächlich gelesen, die er in seinem „Wochenendkoffer“ mitgenommen habe. Statt Einsicht hagelt es Vorwürfe gegen die Justiz, und die Vorlage weiterer Unterlagen wird verweigert. Man fühle sich öffentlich vorverurteilt, klagt der Volkswagen-Konzern und startet einen Gegenangriff gegen den unliebsamen Richter Reuschle. Die VW-Lobby versucht nun die Flucht nach vorn und will Reuschle wegen seiner „problematischen Verhaltensweise“ kaltstellen. Dabei hatte der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch schon lange vorher Winterkorn schwer belastet. Piëch hatte bei einer Befragung ausgesagt, er selbst habe Ende Februar 2015 von einem Informanten den Hinweis erhalten, dass VW Probleme in den USA habe, weil das Unternehmen mit einer Software die Abgaswerte manipuliere. Er habe daraufhin Winterkorn angesprochen. Doch dieser habe ihm versichert, dass ein solches Papier aus den USA nicht existiere. 

Aus Gerichtsunterlagen in den USA geht hervor, dass Winterkorn den ehemaligen Verantwortlichen für Umweltfragen in den USA, Oliver Schmidt, zu sich ins Büro bestellte, als der Dieselbetrug aufzufliegen drohte. Winterkorn wollte von ihm wissen, was es schlimmstenfalls in den USA kosten würde. Bis zu 23 Mrd. Dollar soll Oliver Schmidt damals vorgerechnet haben – fast exakt die Summe, die VW bis heute tatsächlich in den USA zahlen musste. Während Oliver Schmidt in den USA inzwischen zur Höchststrafe von sieben Jahren Haft und 400.000 Dollar Geldstrafe verdonnert wurde und aus Wolfsburg seine Kündigung erhielt, kam der Rest der Clique in Deutschland bisher ungeschoren davon und kassiert munter weiter Pensionsgelder und sogar Boni.

Die Glaubwürdigkeit der deutschen Autobauer wurde in den Dreck getreten, Aktionäre haben ihre Altersvorsorge verloren, Hunderttausende Dieselfahrer können ihre Autos nicht mehr nutzen. Es ist an der Zeit, endlich die Wahrheit zu erfahren – und zwar nichts als die Wahrheit!

 

 

paidContent: 17645 contentPage: 105

Ob Chinas Internetriese Alibaba, Russlands Ölgigant Gazprom oder Indiens größter Automobilhersteller Tata Motors – sie alle werden im Ausland als ADR gehandelt. Aber auch auf Xetra und in Frankfurt werden ADRs u.a. von der deutschen Allianz, BASF, Bayer oder RWE gehandelt. Damit stellt sich die Frage: Aktie oder ADR kaufen?

 

Streng genommen sind ADRs (American Depositary Receipts) Zertfikate, die das Eigentum an Aktien verbriefen. Sie werden von US-amerikanischen Depotbanken (depositary banks) in den USA ausgegeben. Diese Aktienzertifkate lauten auf Dollar und verkörpern eine bestimmte Anzahl ausländischer Originalaktien. Dafür hinterlegen die Unternehmen einen Teil ihres Kapitals bei der jeweiligen amerikanischen Bank. Diese bestimmt dann das Verhältnis von ADR zur Originalaktie. Entsprechend dem Verbriefungsverhältnis stellt das Finanzinstitut dann die Hinterlegungsscheine (Depositary Receipts) aus und bringt sie mit eigener ISIN in den Handel. Statt der Unternehmensaktie selbst wird dann nur das ADR gehandelt.

Es gibt keine exakten Vorschriften, in welchem Verhältnis ein ADR zur Originalaktie zu stehen hat. Ein ADR kann sowohl nur einen Bruchteil einer Aktie als auch mehrere Aktien verbriefen. Bei dem ADR des russischen Mobilfunkbetreibers Vimpelcom z.B. repräsentiert ein ADR nur 0,75 Originalaktien. Bei einer Notierung in Vorzugs- und Stammaktien liegen sogar oftmals unterschiedliche Verhältnisse den einzelnen Gattungen zu- grunde. So repräsentiert das gehandelte ADR der Surgutneftegaz Vorzüge 100 Original-Vorzugsaktien, das ADR der Stammaktien hingegen nur 50 Original-Stammaktien.

Die Guaranty Trust Co. (Vorgängerfirma von JP Morgan) war Vorreiter des ADR-Konzepts. Der Trust lancierte 1927 den ersten ADR an der New York Curb Exchange (dem Vorläufer der American Stock Exchange). So konnten US-amerikanische Anleger damals Aktien des berühmten und heiß begehrten britischen Einzelhandelsunternehmens Selfridges in den USA kaufen. Schon 1931 führte die Bank das sog. erste gesponserte ADR für das britische Musikunternehmen Electrical & Musical Industries (auch bekannt als EMI und später Label der Beatles) ein.

Bei den gesponserten (sponsored) ADRs geht die Initiative direkt vom ausländischen Unternehmen aus, das in den USA gehandelt werden möchte. Es wählt die amerikanische Bank für die Platzierung aus, schließt mit ihr die Vereinbarungen und trägt auch den Großteil der Kosten für die Emission seines ADR. Die Depotbank verpflichtet sich im Gegenzug, die Zertifikate auszugeben und zurückzunehmen, ggf. die Ausübung von Stimmrechten des Investors zu übernehmen sowie Dividenden- und Unternehmensinformationen weiterzugeben. Dafür wiederum erhebt die Bank dann wieder Gebühren, die beim ADR-Besitzer hängenbleiben. Bei Dividenden zahlenden ADR-Positionen werden diese Gebühren direkt von der Dividende abgezogen und von der Bank einbehalten. Bei allen anderen ADRs wird die Gebühr vom Konto abgezogen.

In Russland z.B. ist es bis heute kaum möglich, die Aktien im Ausland an die Börse zu bringen. Deshalb sind fast alle russischen Titel an ausländischen Märkten nur als Hinterlegungsschein handelbar. Gleiches gilt auch für Firmen aus anderen schwer zugänglichen Aktienmärkten, wie z.B. Brasilien oder Indien. Aber nicht nur dort sind die Unternehmen darum bemüht, an den ausländischen Börsen ADRs zu platzieren. Fast alle international aufgestellten Börsengesellschaften haben ein großes Interesse daran und initiieren entsprechende Programme. Deshalb sind die meisten auch gesponserte ADRs. Denn immer noch unterliegen vor allem institutionelle Investoren mit großen Kapitalvermögen (staatliche Pensionsfonds, Lebensversicherungen oder Kreditinstitute) in den USA gewissen Beschränkungen, wenn sie in ausländische Wertpapiere ihr Geld anlegen. Bei den sog. nicht gesponserten (unsponsored) ADRs geht die Initiative, ein ADR aufzulegen, allein von einer Depotbank oder einem Händler in den USA aus. Unsponsored ADRs sind jedoch nicht an allen Börsen handelbar.

Im Allgemeinen werden ADRs in drei Kategorien (Level) eingeteilt. Das Level-I-Programm ist die einfachste und effizienteste Möglichkeit, mit minimalem regulatorischen Aufwand und geringen Berichtspflichten in den amerikanischen Markt einzutreten. Die breite Masse sind daher Level-I-ADRs. Das europäische Pendant zu ADRs sind übrigens GDRs (Global Depository Receipts). Sie sind aber weniger verbreitet. Aktuell werden an der Frankfurter Börse und auf dem elektronischen Handelssystem Xetra 549 ADRs, aber nicht einmal hundert GDRs von deutschen und ausländischen Aktien gehandelt.

ADRs haben zwar durchaus auch Aktiencharakter, aber es sind keine Aktien. ADRs/GDRs sind lediglich Hinterle- gungsscheine einer Bank (z.B. der Bank of New York). Daran ändern auch das Recht auf Dividende sowie der Ausliefe- rungsanspruch in Aktien nichts. Der Käufer von ADRs muss darauf vertrauen, dass die Bank im Ernstfall auch die hinterlegten Aktien tatsächlich ausliefern kann. So können die Banken ADR- und GDR-Programme auch wieder schließen. Allerdings ist bei ADRs das Emittentenrisiko wesentlich geringer als bei gewöhnlichen Zertifikaten. Als reale Basis hinterlegt die zugehörige Gesellschaft ihre Aktien nämlich in einem Sperrdepot bei der jeweiligen Depotbank. Das Sperrdepot mit den Aktien stellt Sondervermögen dar, welches im Fall einer Insolvenz geschützt bleibt (s. ES 15/2013). Der Besitzer der ADRs geht selbst dann nicht leer aus, wenn die ausgebende Bank zahlungsunfähig wird. Steuerlich werden ADRs und GDRs wie Aktien behandelt. Sowohl für Kursgewinne als auch Dividenden muss der Inhaber Abgeltungssteuer zahlen.

An den jeweiligen Heimatbörsen ist jedoch die Liquidität in der Aktie stets höher als die von ADRs. Dies führt dann zu größeren Spreads zwischen An- und Verkaufskursen und damit zu ungünstigeren Konditionen für den ADR-Käufer. Alibaba z.B. ging in New York an die Börse und lässt sich in Deutschland nur als ADR handeln. Am 2.12.2017 wurden in Frankfurt 18.800 Alibaba-ADRs gehandelt – an der Nasdaq in New York dagegen 18,7 Mio. Aktien.

Europäische und amerikanische Aktien sollte man an den Heimatbörsen direkt handeln. Bei lateinameri- kanischen, asiatischen oder auch russischen Titeln können Privatanleger auf ADRs zurückgreifen, die auf Xetra und an der Frankfurter Börse gehandelt werden. 

paidContent: 17557 contentPage: 105

Aktuelle Chartanalyse

Optionsscheine

Neues aus Unternehmen

Unternehmensticker

Redaktionelles

Rechtsstreit der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank

In dem Rechtsstreit der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank hat es noch einmal eine positive Wendung gegeben. Der Ablehnungsantrag der Effecten-Spiegel AG gegen den kurzfristig neu besetzten 13. Zivilsenat wegen Befangenheit (vgl. ES 48/17 u. 50/17) wurde zwar abgelehnt, dafür aber kündigte das Oberlandesgericht Köln an, die mündliche Verhandlung wiederzueröffnen. 

Der auf den 07. Februar 2018 festgesetzte Verkündungstermin wurde daher aufgehoben. Die mündlichen Verhandlung soll am Freitag, den 29. Juni 2018, fortgesetzt werden. Dann könnte es noch einmal zu weiteren Zeugenvernehmungen kommen. Die Effecten-Spiegel AG hatte u.a. gefordert, auch den ehemaligen Finanzvorstand der Deutschen Bank, Stefan Krause, als Zeugen zu vernehmen.

b

Randnotizen

Aus Fremder Feder

In Eigener Sache

Spezial

Strategie

ES-Aktienfavoriten

Auslandsfavoriten

IPOs

Thema der Woche

Börsengerüchte