Bastei Lübbe AG

Die Bastei Lübbe AG meldet für das Geschäftsjahr 2017/18 einen Konzernumsatz von rund 140 Mio. Euro. Im Kerngeschäft Buchverlage gelang dabei eine Umsatzsteigerung um 20 Prozent auf rund 85 Mio. Euro. Allerdings fällt das EBITDA mit etwa 0,5 Mio. Euro schwächer als bisher erwartet aus. Auch das EBIT bleibt mit rund minus 18 Mio. Euro unter der bisherigen Erwartung von minus 11 Mio. Euro. Im vergangenen Jahr fielen diverse Faktoren an, die das Ergebnis mit rund 18 Mio. Euro belasteten. Dazu zählten der Verlust der zum 31. März 2018 verkauften Beteiligung BuchPartner GmbH, außerplanmäßige Wertminderungen bei den Beteiligungs- und Tochterfirmen oolipo AG, BookRix GmbH & Co. KG, Beam Shop GmbH und B+M Entertainment GmbH sowie eine zusätzliche Ergebnisbelastung bei aktivierten Autorenhonoraren in Höhe von EUR 8 Mio. Euro. Bereinigt um außerplanmäßige Wertminderungen auf Beteiligungen sowie die zusätzlichen Wertminderungen auf aktivierte Autorenhonorare erhöhte sich das vorläufige EBIT im Kerngeschäft von 2,5 auf rund 3,5 Mio. Euro. Das Segment Digital erreichte eine Umsatzsteigerung um rund 40 Prozent auf 9 Mio. Euro und ein EBITDA von 3 Mio. Euro. Allerdings musste hier auch noch eine außerplanmäßige Wertminderung von 3 Mio. Euro vorgenommen werden. Im Januar 2018 startete ein umfassendes Programm zur nachhaltigen Effizienzsteigerung des Kerngeschäfts. Mittelfristig soll dort eine EBIT-Marge zwischen 6 und 8 Prozent erzielt werden.

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Volkswagen AG

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat einen Bußgeldbescheid gegen die Volkswagen AG als Nebenbetroffene gemäß §§ 30 Abs. 1, 130 Abs. 1 OWiG im Zusammenhang mit der Dieselkrise erlassen. Insgesamt sieht der Bußgeldbescheid eine Geldbuße von 1 Mrd. Euro vor. Dieser Betrag setzt sich aus 5 Mio. Euro, dem Höchstmaß für die Ahndung des Vergehens und 995 Mio. Euro für die Abschöpfung wirtschaftlicher Vorteile zusammen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig ergaben, dass es zu Aufsichtspflichtverletzungen in der Abteilung Aggregate-Entwicklung im Zusammenhang mit der Fahrzeugprüfung gekommen sei. Nach eingehender Prüfung habe die Gesellschaft die Geldbuße akzeptiert und wird keine Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen.

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R. STAHL AG

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 musste die R. STAHL AG einen Umsatzrückgang von 6,3 Prozent auf 268,5 Mio. Euro hinnehmen. Während die Umsätze in Deutschland und Asien stabil blieben, sanken sie in Amerika und der Zentralregion. Mit 19,1 Prozent auf 29,0 Mio. Euro verzeichnete die Region Amerika den prozentual stärksten Rückgang. Dort machten sich erneut die schwachen Auftragseingänge der Vorperiode bemerkbar und dies vor allem im Projektgeschäft und bei den Serviceunternehmen im Bereich der Ölförderung. Das schwache Umsatzniveau ließ das EBIT von 8,8 auf minus 10,7 Mio. Euro einbrechen. Hierbei hatte die Gesellschaft auch noch negative Sondereinflüsse von 4,0 Mio. Euro zu verkraften. Darüber hinaus musste die Gesellschaft Anpassungen bei der Werthaltigkeit von latenten Steuern auf Verlustvorträge in Höhe von rund 11 Mio. Euro vornehmen. Dies führte dann zu einem Verlust von 21,2 Mio. Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 4,2 Mio. Euro angefallen war. Entsprechend verringerte sich das Ergebnis je Aktie von 0,64 Euro auf minus 3,28 Euro. Angesichts der Ergebnislage erhalten die Aktionäre für das abgelaufene Geschäftsjahr keine Dividende. Zur Anpassung der Konzern- und Kostenstruktur hat R. STAHL ein Effizienzprogramm aufgelegt. Mit diesem Programm soll im laufenden Jahr eine Steigerung des EBITDA vor Sondereinflüssen im mittleren bis hohen zweistelligen Prozentbereich erreicht werden.

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Täglicher Börsenbericht

Kaufrausch

Plötzliche Kursrally

Am gestrigen Handelstag konnte sich der deutsche Aktienmarkt über eine Kursrally freuen. Bis auf 13.136 Punkte schraubte sich der deutsche Leitindex in die Höhe. Auch am letzten Handelstag der Woche dürfte der DAX nochmals leicht zulegen. Der große Verfall an der Derivatebörse Eurex könnte jedoch für erratische Bewegung sorgen. Am Nachmittag rücken dann eine ganze Reihe Konjunkturdaten in den USA in den Fokus. Dort hatte sich die Wirtschaft bisher sehr robust gezeigt. Allerdings könnte eine große Belastung auf den Welthandel zukommen, sollte US-Präsident Donald Trump an diesem Freitag Strafzölle gegen China für Waren im Wert im Umfang von 50 Mrd. US-Dollar verhängen. Eine Bestätigung des Weißen Hauses gab es dafür bisher nicht. Der Dow Jones gab indes 0,1 % nach, der S&P 500 legte 0,2 % zu und der Nasdaq kletterte sogar um 1,0 % höher.

Ceconomy teilte mit, dass sich ihre Tochter Media-Saturn-Holding in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem russischen Konkurrenten M.video über den Verkauf ihrer russischen Filialen befinde.

Von der kräftigen Nachfragen nach seinen Clouddiensten profitiert der US-Softwarekonzern Adobe mehr als erwartet.

Airbus hat im Werk Hamburg-Finkenwerder eine vierte Produktionslinie für Flugzeuge der A320-Familie offiziell in Betrieb genommen.

Investor und Karstadt-Eigner Rene Benko übernimmt Kika/Leiner, die österreichische Tochter des Handelskonzerns Steinhoff.

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Auslandsfavoriten

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Thema der Woche

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Randnotizen

Ganze 10 Stunden musste Facebook-Chef Mark Zuckerberg für den Datenmissbrauch durch Cambrigdge Analytica vor dem US-Kongress Rede und Antwort stehen (vgl. ES-Randnotizen 13-14/18 und ES 15/18, S. 2/3). 

Dem wollten Europas Politiker natürlich nicht nachstehen und bestellten Zuckerberg auch zu sich nach Brüssel. Wie es sich für einen Star gehört, zierte er sich zunächst, lenkte letztendlich aber doch ein. Schließlich ist der FB-Kundenstamm in Europa mit knapp 380 Mio. Usern beträchtlich größer als der in den USA mit lediglich 240 Mio. Nutzern. 

Ganze 70 Minuten sollte Zuckerberg den Fraktionschefs des Europaparlaments für die Befragung zur Verfügung stehen. Zeit genug, um den Chef der Datenkrake mal so richtig zu „grillen“, wie im Vorfeld aus Brüssel zu hören war. Und damit auch nichts schiefgeht, hatte man extra für diese Anhörung ein eigenes Format geschaffen. Eine Stunde lang durften Europas Volksvertreter ihre bohrenden Fragen stellen, um sich diese dann von Zuckerberg beantworten zu lassen. Im Sinne der Transparenz wurde das Hearing live übertragen. 

Und durchsichtig wurde es für die Zuschauer allemal: Gute 7 Minuten dauerte allein der Auftaktmonolog von Parlamentspräsident Antonio Tajani. Dann erhielt Zuckerberg die Gelegenheit, die Welt aus seiner Sicht zu erklären. Exzellent vorbereitet las er einen vorformulierten Text ab – und sagte nichts. Man habe „nicht genug getan, um Missbrauch zu verhindern“ und „das war ein Fehler, es tut mir leid“. Dann noch ein Loblied auf die Leistungen von Facebook. Alles nichts Neues, aber weitere 15 Minuten waren futsch. 

Der Liberale Guy Verhofstadt benötigte 6 Minuten, um eine einzige Frage zu formulieren, doch auch die anderen standen ihm in langatmigen Fragestellungen nicht nach. Viel zu gern hören sich die Politiker selber reden und wetteiferten an diesem Tag darum, dem Promi Zuckerberg die schlauste aller Fragen zu stellen. Am heikelsten war wohl die Frage der deutschen Fraktionsvorsitzenden der Linken, Gabriele Zimmer. Sie brachte zumindest den Simultandolmetscher mächtig ins Schwitzen, wie aus Zuckerbergs überraschtem Gesichtsausdruck unschwer zu erkennen war. Vielleicht lag es daran, dass Zimmer ihre Frage mit einem Zitat aus Goethes Zauberlehrling einleitete: „Herr die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los. Ist es Zeit, den Stecker zu ziehen bei Facebook?“ Ob der US-Amerikaner Mark Zuckerberg eine englische Fassung in Reim und Versmaß auf sein Ohr bekam, ist ebenso ungewiss wie die Ernsthaftigkeit der Frage von Frau Zimmer. 

Als Zuckerberg dann endlich wieder an der Reihe war, hatte er nur noch 8 Minuten. Zuckerberg konnte sich nunmehr aussuchen, auf welche der zahlreichen Fragen er überhaupt antworten wollte. Nachfragen waren ohnehin nicht vorgesehen. Schnell waren die geplanten 70 Minuten um. Zuckerberg hatte gesagt, was er sagen wollte, seine Antworten waren routiniert. Im Gegensatz zu den EU-Parlamentariern ist er Profi und hat nicht gepatzt. Großzügig war er eine Viertelstunde länger geblieben, bevor er selbst die Anhörung beendete und damit deutlich machte, wer der Chef der Party ist. Zwischen Tür und Angel gelang es Tajani gerade noch, Zuckerberg die Zusage abzuringen, die offen gebliebenen Fragen von seinen Mitarbeitern beantworten zu lassen. 

Ein zufriedener Zuckerberg verließ an jenem 22. Mai 2018 gegen 19:45 Uhr die groß angekündigte „Grillparty“ und ließ ratlose Gastgeber zurück. Was am Ende übrig bleibt? Kein Fleisch, aber eine dicke, fade Soße!

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In der aktuell anhaltenden Hauptversammlungssaison ist sie fast ein bisschen untergegangen – die Indexreform der Deutschen Börse. Die Neuerungen hierzu wurden am
18. Mai bekannt gegeben. Durch die ab dem 24. September 2018 geltende Indexreform wird die scharfe Trennung zwischen Technologie und traditionellen Branchen (Classic) aufgehoben. In der Praxis bedeutet dies, dass z.B. Technologiewerte künftig neben dem DAX auch in den MDAX und SDAX aufgenommen werden können. Andererseits können DAX-Unternehmen, die dem Technologie-Sektor zugeordnet sind, auch in den TecDAX-Index aufgenommen werden. Dieser bleibt jedoch auf 30 Werte limitiert (vgl. Abb.).

Damit die jetzigen Mitglieder aus MDAX und SDAX nicht über Gebühr von größeren Techtiteln aus ihren angestammten Indizes verdrängt werden, erhöht die Deutsche Börse AG die Zahl der MDAX-Plätze von 50 auf 60. Im SDAX haben künftig sogar 70 statt bislang 50 Titel Platz. 

Um die exakten Auswirkungen der Neuordnung frühzeitig abschätzen zu können, präsentiert die Börse ab dem 18. Juni 2018 Schattenindizes, die das künftige Reglement bereits abbilden sollen „und die aktuellsten Daten der Mai-Rangliste berücksichtigen“. Das bedeutet, die Berechnungen basieren auf historischen Rückrechnungen. Sie sind aber nicht mit den künftigen Zusammensetzungen der Indizes identisch. 

Die Schattenindizes werden zeitlich befristet bis zum Inkrafttreten der neuen Methodik am 24. September 2018 berechnet. Sie werden jedoch ausschließlich zu Informationszwecken veröffentlicht.

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Spezial

Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

„Das ist unser Geld“, titelte der ES in Ausgabe 12/18 und prangerte an, dass die Deutsche Bank trotz des dritten Jahresverlustes in Folge für 2017 an ihre Mitarbeiter insgesamt 2,275 Mrd. Euro an Boni auszahlt. Doch der Altlasten-Sumpf ist noch viel tiefer: 

Vor einem Jahr bezifferten der damalige Deutsche Bank-Chef John Cryan und sein Vize Christian Sewing das Netto-Volumen der Altlasten aus dem Investmentbanking auf 60 Mrd. Euro. Diese setzen sich hauptsächlich aus Kreditausfallversicherungen („Credit Default Swaps“, CDS), hypothekenbesicherten Wertpapieren sowie Aktienderivaten zusammen. Obwohl schon immer hoch risikobehaftet, waren die Händler „immer an diesen Trades interessiert, weil sie sofort ihre Boni bekommen haben. Die Bank blieb dann auf diesen Positionen sitzen“, so ein Ex-Aufsichtsrat gegenüber dem britischem Magazin „International Financing Review“. Allem Anschein nach wurden also alle Erträge aus diesen Geschäften sofort verbucht und dafür dann auch direkt Boni ausbezahlt. Egal, welche Laufzeit die Papiere hatten und ob sie unterm Strich tatsächlich Rendite für die Bank abwarfen oder nicht. So laufen manche der Papiere noch mindestens bis 2030, liegen aber in der Bilanz wie Blei, weil sie nicht mehr handelbar sind. Die Deutsche Bank muss daher dieses risikobehaftete Portfolio mit sehr viel Kapital hinterlegen – durchgerechnet mit etwa 4 bis 5 Mrd. Euro Eigenkapital. Auch wenn dies nicht an der Liquidität der Bank zehrt, ist es totes Kapital, das keine Rendite abwirft. Sein Wert entspricht rd. einem Zehntel des gesamten harten Eigenkapitals der Bank und mehr als der Hälfte jener 8 Mrd. Euro, die von der Deutschen Bank bei der letzten Kapitalerhöhung im April 2017 von ihren Aktionären zur Eigenkapitalstärkung eingesammelt wurden. Cryan gab zu, dass ohne dieses Portfolio die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank im Investmentbanking regelmäßig um 2 Prozentpunkte höher ausfallen würde. Dennoch lehnte er den beschleunigten Abbau der Altlasten ab, weil dann die Verluste der Bank noch höher ausfielen, was wiederum zu Lasten der Boni ginge. Ob Sewing hier durchgreift, ist fraglich. Schließlich war er nach der Finanzkrise zunächst als Chef der Revision und dann als Rechtsvorstand bereits dafür zuständig, die Altlasten der Investmentbanker aufzuräumen – ohne Erfolg.

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Der deutsche IPO-Markt (Initial Public Offering) war im Auftaktquartal 2018 gut besucht. Mit Siemens-Healthineers und DWS waren direkt zwei große Neuzugänge am Start, und auch die nächsten Kandidaten sind vielversprechend!

Das Volumen der Neuemissionen stieg in den ersten 3 Monaten 2018 weltweit um 25 %. Mit 10,2 Mrd. $ fiel das IPO-Geschäft in New York am höchsten aus. Direkt dahinter schaffte es der deutsche Aktienmarkt mit einem umgerechneten Emissionserlös von 8,5 Mrd. $. Insgesamt wagten bisher 7 Unternehmen den Schritt auf den hiesigen Aktienmarkt, wobei Siemens Healthineers und DWS Group schon in der oberen IPO-Liga mitspielen und als Türöffner für weitere Neuzugänge am Aktienmarkt gelten.

Die Abspaltung des Medizintechnikgeschäfts von Siemens, die Siemens Healthineers, brachte es alleine auf 4,2 Mrd. € und war damit 2018 auch bisher der weltweit größte Börsengang. Die Dt. Bank-Tochter DWS sammelte immerhin 1,8 Mrd. € ein. Für den Börsenplatz Deutschland war es somit das erfolgreichste Quartal für Neuzugänge seit dem Jahr 2000. Analysten halten für das lfd. Geschäftsjahr insgesamt 18 Neuzugänge an den deutschen Börsen für realistisch. Allerdings dürfte es sich dabei überwiegend um kleine und mittlere Unternehmen (KMU) handeln. 

In den vergangenen Jahren haben nur wenige Unternehmen die Börse als Kapitalbeschaffung genutzt. Im internationalen Vergleich zählte Deutschland bei der Zahl der Börsengänge zu den Schlusslichtern. Dadurch ließen Unternehmen die Chance verstreichen, durch diese Art der Finanzierung gleichzeitig den Bekanntheitsgrad sowie die Reputation des Unternehmen und seiner Produkte zu steigern.

Allerdings scheitern die IPO-Pläne häufig schon an der mangelnden Infrastruktur. Emissionsbanken, die auch Firmen mit einem Marktwert von unter 100 Mio. € zu einem Börsenstart verhelfen, gibt es beispielsweise nur sehr wenige. Hinzu kommen die herrschenden Regularien, die viele Unternehmen abschrecken und überfordern. Klassisches Beispiel ist die EU-KMU-Missbrauchsrichtlinie, mit der IPOs eigentlich erleichtert werden sollen. Die Ausdehnung der Richtlinie auf Freiverkehrssegmente, wie den neu eingeführten Scale-Markt, ist jedoch kontraproduktiv. 

Die hohen Bewertungen an den Börsen und die damit steigende Investitionsbereitschaft der Anleger lockt inzwischen trotzdem immer mehr Unternehmen an. Grundsätzlich ist die IPO-Pipeline 2018 noch gut gefüllt. Das Blatt kann sich jedoch schnell wieder wenden, wenn sich die Stimmung am Börsenparkett eintrübt. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld, geopolitische Spannungen und die Zinsentwicklung sind Indikatoren, die den Aktienmarkt noch im lfd. Jahr deutlich belasten können und damit auch der IPO-Welle ein jähes Ende setzen würden. So folgten auf die beiden letzten großen Boomjahre 2000 und 2007 leider stets große Rücksetzer.

Deutschland ist allerdings in einer Sondersituation, weil sich hier viele Investitionsentscheidungen aufgestaut haben. Deshalb könnte 2018, wie sich bisher abzeichnet, in Deutschland das beste IPO Jahr seit Langem werden.

Ab dem 9. Mai sucht Cloud-Telefonanbieter Nfon (ISIN: DE000A0N4N52) Anschluss im Prime Standard der deutschen Börse. Bis zum 8. Mai will das Unternehmen neue und alte Aktien im Umfang von bis zu 138 Mio. € bei Investoren unterbringen. Dabei peilen die Münchener eine Preisspanne von 15,60 bis 19,60 € an. Die Zahl der angebotenen Anteilsscheine hängt vom Platzierungspreis ab. Nfon soll der Börsengang rd. 50 Mio. € in die Unternehmenskasse spülen. Im Höchstfall käme es zu einem Streubesitz von 68,9 %. Bisher wurden Anteile von den Wagniskapitalgebern Milestone Venture Capital und Earlybird, die auf Start-ups spezialisiert sind, gehalten. Begleitet wird das IPO von Berenberg, Baader Bank und Oddo BHF.  In 2017 kletterten die Umsätze der Telekomfirma um 17 % auf 35,7 Mio. €, und beim Ebitda wurde die Gewinnschwelle erreicht. Vorstandschef Hans Szymanski sieht die Chancen für Nfon im Umbruch der Telefonie. Alle großen europäischen Telefongesellschaften haben angekündigt, die ISDN-Technologie abzuschalten. Durch die Telefonanlage in der Cloud sei eine eigene Unternehmensanlage unnötig, so Szymanski weiter.

Das Geschäftsfeld von Nfon ist spekulativ reizvoll, allerdings wurde auch gerade erst die Gewinnschwelle erreicht. Der Börsen-neuling kommt zunächst auf die Beobachtungsliste.

Mitte des Monats will der wissenschaftliche Fachverlag Springer Nature (ISIN: DE000SPG1003) sein Börsendebüt in Frankfurt geben, das nach Siemens Healthineers das zweitgrößte in Deutschland würde. Die Emission soll 1,6 Mrd. € schwer sein, davon fließen dann 1,2 Mrd. € an das Unternehmen. Der Rest geht an die Altaktionäre. Gesellschafter Holtzbrinck will bei der neuen KGaA dominierender Aktionär bleiben. Der Finanzinvestor BC Partners plant, innerhalb von 2 Jahren alle Aktien zu verkaufen. Federführend wird der Börsengang von J.P. Morgan und Morgan Stanley gemanagt. In Zeiten rückläufiger Auflagenzahlen sind es gerade ausgewählte Fachmedien, die noch rentabel arbeiten. Dazu zählt auch Springer Nature, der im Übrigen nichts mit dem Axel Springer Verlag zu tun hat. Die Ansprüche des Verlages an die Veröffentlichungen der Wissenschaftler sind enorm. Sie müssen eine detaillierte Prüfung durchlaufen und auch dann kann es sich der Verlag immer noch leisten, 50 bis 60 % der wissenschaftlichen Texte nicht zu veröffentlichen. 

In 2017 setzte das Unternehmen mit seinen Publikationen rd. 1,64 Mrd. € um und erzielte ein Ebitda von 551 Mio. €. Platziert werden soll nun eine Kapitalerhöhung über 1,2 Mrd. €, um Schulden abzubauen. Neben seiner weit fortgeschrittenen Digitalisierung will Springer auch als Dividendenzahler punkten. Für 2018 sind dafür bereits 110 Mio. € eingeplant. In Zukunft soll die Hälfte des bereinigten Gewinns ausgeschüttet werden. 

Der international anerkannte Wissenschaftsverlag und Vorreiter in Sachen Digitalisierung ist mit seiner potenziellen Bewertung von 6 Mrd. € ein heißer MDAX-Anwärter. Bei der Zeichnung dabei sein!

Die Beteiligungsgesellschaft Mutares will über die Börse bei ihrer Tochter STS Group Kasse machen. Mit dem Startschuss für die Neuemission im Prime Standard wird Ende Mai gerechnet. Als Konsortialführer wurden Hauck & Aufhäuser sowie Mainfirst Bank benannt. Das Angebot soll die Ausgabe neuer Aktien aus einer Barkapitalerhöhung im Volumen von 50 Mio. € umfassen.

STS entwickelt, produziert und vertreibt Kunststoffkomponenten und -systeme sowie Akustikteile, vor allem für Pkw und Nutzfahrzeuge. Nach vorläufigen Zahlen erwirtschaftete das Unternehmen in 2017 bei Erlösen von 425 Mio. € ein bereinigtes Ebitda von 24 Mio. €. Mit den Mittel aus dem Börsengang soll die Expansion in China und Nordamerika, die Ausdehnung der Produktion nach Osteuropa sowie die weitere Automatisierung finanziert werden. Bei dem STS-IPO steigt man zunächst nicht zu, sondern wartet ab, bis die Aktien an der Börse die ersten Rücksetzer aufweisen.

Auch der Bremsenhersteller Knorr-Bremse sieht sich für einen möglichen Börsengang gut aufgestellt. Allerdings gibt sich Vorstandschef Klaus Deller noch vorsichtig. „Es bleibe eine vorrangig zu prüfende und voranzutreibende Option.“ Das Familienunternehmen mit Heinz Hermann Thiele als Oberhaupt ist weltweit führender Hersteller von Zug- und Nutzfahrzeugbremsen. In 2017 setzte Knorr mit 6,2 Mrd. € 13,5 % mehr um. Das Ebit legte trotz der Sonderbelastungen, wie der gescheiterten Übernahme der schwedischen Haldex-Gruppe, um 2,5 % und der Überschuss um 5,5 % auf 580 Mio. € zu. Für 2018 peilt das Management bei mindestens 6,4 Mrd. € Erlösen eine etwas höhere Gewinnmarge an. 

Aus der Start-up-Schmiede Rocket Internet rechnet man in den kommenden Monaten ebenfalls mit mindestens einem weiteren Börsenaspiranten. Neben dem bekannten Onlinemöbelhändler Home24 gilt Jumia als heißer Anwärter auf einen Börsenplatz in Deutschland. Das E-Commerce-Start-up startete in Afrika im Jahr 2012 und ist inzwischen nach eigenen Angaben die größte afrikanische Online-Plattform, die neben einer Buchungsplattform u.a. ein Online-Bezahlsystem und einen Lieferdienst für Essen bietet. RI hält rd. 28,4 % an dem Unternehmen. Jumia baute seinen Umsatz 2017 auf 93,8 Mio. € aus, rutschte aber noch tiefer in die Verlustzone. Das Geschäftsmodell ist sicherlich vielversprechend. Allerdings sollte auch das Zahlenwerk stimmen, um bei einem möglichen IPO dabei zu sein. 

Erholt sich die Börse wieder auf breiter Front und es entsteht wieder ein freundlicheres Aktienumfeld für Neuzugänge, könnte womöglich auch der Textildiscounter Takko in den nächsten Monaten den Börsenlaufsteg betreten. Der Finanzinvestor Apax soll bereits Credit Suisse und die Dt. Bank mit der Emission betraut haben, ist aus Unternehmenskreisen durchgesickert. Nach der Übernahme durch die Beteiligungsgesellschaft Apax geriet Takko ins Trudeln und litt unter einer hohen Schuldenlast. Zuletzt erholten sich die Ergebnisse wieder etwas. Im November brachte der Konzern seine Refinanzierung unter Dach und Fach. Der Discounter ist nun lt. eigenen Angaben für die nächsten 6 Jahre finanziell abgesichert. 

Urlaubslaune will Homes & Holiday an den Aktienmarkt bringen. Auch dem Franchise-Immobilienmakler, der sich auf Ferien-immobilien spezialisiert hat, zieht es 2018 an die deutsche Börse. Innerhalb ihres Geschäftsmodells bietet die Gruppe alle Dienstleistungen an: vom Maklergeschäft, über Kauf- und Langzeitmiete bis hin zur Ferienvermietung. Der Fokus für die Immobilien liegt derzeit noch auf Spanien und Deutschland. In 2017 wurden Verkaufsumsätze von 120 Mio. € generiert. Weitere Details sind noch nicht bekannt. Bei diesem IPO kann man getrost eine Auszeit nehmen.

Auch andere große DAX-Unternehmen prüfen derzeit offenbar die Abspaltung von Konzernsparten wie es Siemens und Dt. Bank bereits vollzogen haben. Die Dt. Post erwägt offenbar das IPO für den Street Scooter, um so den Ausbau ihrer erfolgreichen E-Mobilitätssparte zu finanzieren. 

In der Automobilbranche bahnt sich bei VW und Daimler etwas an. Inzwischen denken die Wolfsburger laut über einen möglichen Börsengang der Lkw-Sparte nach. Angeblich verspricht sich der Konzern durch einen möglichen Börsengang rd. 6 bis 7 Mrd. € einzunehmen, um dafür ein Viertel der Truck & Lkw-Sparte abzugeben. 

Auch in Stuttgart wird das Szenario einer Abspaltung des Truck-Segments durchgespielt. Mit der Kombination von MAN und Scania entsteht schließlich ein starker Konkurrent für Daimler Trucks. Innerhalb des derzeitigen Konzernumbaus wird aus der Lastwagensparte eine „rechtlich selbstständige Einheit“ gebaut. Dass am Ende auch ein Teilbörsengang der Lastwagensparte stehen könnte, bestreitet bei Daimler niemand mehr. Theoretisch könnten die Nutzfahrzeug-Sparten von VW und Daimler dann Anfang nächsten Jahres gemeinsam mit viel PS an der Börse starten.

Auf seiner Hauptversammlung in der letzten Woche verkündete dann noch Continental, dass der Autozulieferer erwägt, seine Antriebssparte auszugliedern und einen Teil davon an die Börse zubringen. 

In diesem Jahr hat es sich bisher nicht gelohnt, direkt bei der Zeichnung dabei gewesen zu sein. Kein Kurs einer Neuemission ist nach dem Börsengang schon so stark gestiegen, dass man nicht immer noch hätte zusteigen können. Im Gegenteil, bei den meisten bietet sich inzwischen eine bessere Einstiegsgelegenheit. Auch bei den anstehenden IPOs kann man nach diesem Muster verfahren. Lediglich bei Springer Nature könnte sich die frühzeitige Zeichnung lohnen.

 

 

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Das ist doch mal wieder typisch deutsch: Der Gesetzgeber erkennt nach diversen hochkarätigen Wirtschaftsskandalen die Notwendigkeit zur Einführung von Sammelklagen an, nimmt jedoch die Durchschlagskraft schon vorher wieder durch diverse Einschränkungen raus. 

Seit dem Börsengang der T-Aktie gibt es das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG). Es ermöglicht seit 2005 bei Klagen von mindestens zehn geschädigten Anlegern, dass in nur einem einzigen Gerichtsverfahren die wichtigsten Tatsachen- und Rechtsfragen geklärt werden. Das Urteil hat dann bindende Wirkung für alle weiteren Kläger. Der Haken: Jeder einzelne Betroffene muss, sofern er sich in ein vom Gericht zu erstellendes Klageverzeichnis eingetragen hat, selbst eine Klage einreichen. 

Im Laufe der Jahre und diverser weiterer massenhafter Verbraucherschädigungen erwies sich ein solches Musterverfahren als nicht ausreichend. Daher sieht der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung nun auch für Deutschland die Einführung von Sammelklagen vor. Das Gesetz soll spätestens am 01.11.2018 in Kraft treten, damit die Ansprüche geschädigter VW-Dieselbesitzer nicht verjähren. Um jedoch „amerikanischen Verhältnissen“ und einer ausufernden „Klageindustrie“ entgegenzuwirken, rudert die Regierung bereits im Vorfeld zurück und schränkt die Ausgestaltung der sog. Musterfeststellungsklage massiv ein. So dürfen laut Koalitionsvertrag nur „qualifizierte Einrichtungen“ wie z.B. Verbraucherverbände eine solche Klage einreichen. Die aber haben oft nicht die finanziellen Mittel und selbst auch keinen Schaden erlitten, sprich eine andere Intention. Wie bei einem KapMuG-Verfahren genügen zunächst zehn Geschädigte, um das Verfahren einzuleiten. In den folgenden zwei Monaten müssen sich dann mindestens 50 weitere Verbraucher der Klage anschließen, bevor es losgeht. Die Eintragung ins Klageregister ist bis zum Abschluss der mdl. Verhandlung möglich. Das Gerichtsurteil ist dann wieder für alle bindend, allerdings muss jeder Betroffene dann noch selbst in einem eigenständigen Verfahren seinen individuellen Schaden beweisen und festsetzen lassen. Das neue Gesetz erweitert somit nicht das bisherige KapMuG, sondern schränkt es ein, indem es den Kreis der Musterkläger von vornherein festlegt.

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Am vergangenen Freitag wurde VW-Chef Müller ohne Vorwarnung kurz vor der Hauptversammlung des Konzerns fristlos gefeuert. Der 64-Jährige hatte im Herbst 2015 Martin Winterkorn abgelöst und dafür ein Jahresgehalt von zuletzt 10,27 Mio. Euro kassiert. Damit lag er auf Platz 5 der bestbezahltesten Manager in Deutschland, hinter Joe Kaeser von Siemens mit 10,84 Mio. Euro, Kurt Bock von BASF mit 10,96 Mio. Euro, Dieter Zetsche von Daimler mit 13,04 Mio. Euro und dem unangefochtenen Spitzenverdiener der DAX-Konzerne Bill McDermott von SAP mit 21,15 Mio. Euro. 

Da sich nach den Festgehältern der Manager die Abfindungen bei Kündigungen und auch die Pensionsbezüge berechnen, ist klar, dass Müller einen Batzen Geld mitnimmt, obwohl er gefeuert wird. Müller, der vorher als Porsche-Chef auch nicht schlecht verdient hatte, wird trotz fristloser Kündigung das Unternehmen als reicher Mann verlassen. Bis zum Auslaufen seines Vertrages Ende April 2020 wird er in jedem Fall sein volles Gehalt weiter beziehen. Das sind quasi 20,1 Mio. Euro Abfindung. Ab 1. März 2020 wird er dann von VW bis zu seinem Tod eine Betriebsrente bekommen. Dafür hat der Konzern in seinem aktuellen Geschäftsbericht 30,1 Mio. Euro zurückgestellt (vgl. S. 81). Zudem ist vertraglich vereinbart, dass den Vorstandsmitgliedern auch im Ruhestand die Nutzung von Dienstwagen zustehen. Das gilt auch dann, wenn der Vertrag vorzeitig beendet wird. 

Auch Martin Winterkorn, der für den Dieselskandal verantwortlich gemacht wird (s. ES 10/18), hat noch seinen Dienstwagen. Und auch ihm wurde noch zwei Jahre lang sein Grundgehalt weiter bezahlt. Hinzu kamen Bonuszahlungen und natürlich die Pension. Selbst der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der nach der Übernahmeschlacht mit VW gehen musste, verließ den Konzern mit ca. 50 Mio. Euro. 

Egal, wie groß die Schuld und wie groß der Schaden für das Unternehmen ist – am Ende verlassen alle VW-Manager den Konzern mit Taschen voller Geld.

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