Adler Modemärkte AG

Die Adler Modemärkte AG verzeichnete im ersten Halbjahr 2019 einen Umsatzrückgang von 243,1 auf 236,0 Mio. Euro. Ausschlaggebend dafür waren neben der anhaltenden Schwäche im textilen Einzelhandel auch die planmäßige Reduzierung der Anzahl der Modemärkte. Trotzdem konnte das EBITDA von 24,1 auf 25,1 Mio. Euro gesteigert werden. Bei der Liquidität ergaben sich deutliche Verbesserungen. Diese legte allein im zweiten Quartal von 25,9 auf 54,5 Mio. Euro. Angesichts der bisherigen Entwicklung bestätigt der Vorstand die Ziele für das Gesamtjahr. Bedingt durch die Standortbereinigungen wird der Umsatz unter 500 Mio. Euro gesehen. Inklusive der Effekte aus der erstmaligen Anwendung von IFRS 16 sieht der Vorstand das operative EBITDA in der Größenordnung von 73 bis 78 Mio. Euro. Inklusive der Einmalaufwendungen aus den Standortbereinigungen erwartet das Management ein EBITDA von 64 bis 69 Mio. Euro.(ES - 23.7.2019 - 12:00 Uhr)

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Mensch und Maschine Software SE

Die Mensch und Maschine Software SE erzielte im ersten Halbjahr 2019 ein Umsatzwachstum von 27 Prozent auf 120,2 Mio. Euro. Rein organisch belief sich das Wachstum dabei auf 20 Prozent. Die Umsätze aus eigner Software wuchsen um 34 Prozent auf 37,5 Mio. Euro. Im Bereich Systemhaus legten die Umsätze um 24 Prozent auf 82,7 Mio. Euro zu. Beim EBIT auf Konzernebene verzeichnete die Gesellschaft sogar einen Zuwachs auf 13,98 Mio. Euro. Davon entfielen auf die eigene Software 9,23 Mio. Euro und auf das Segment Systemhaus 4,75 Mio. Euro. Beim Ergebnis nach Steuern kam die Gesellschaft um 31 Prozent auf 8,32 Mio. Euro voran. Das Ergebnis je Aktie erhöhte sich in diesem Zeitraum von 0,39 auf 0,49 Euro. Angesichts der guten Entwicklung in der ersten Jahreshälfte hob das Management das Wachstumsziel beim Umsatz von 15 bis 20 Prozent auf nun 20 bis 24 Prozent an. Das Nettoergebnis sieht das Management unverändert bei 89 bis 95 Cent je Aktie.(ES - 22.7.2019 - 13:00 Uhr)

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Pfeiffer Vacuum Technology AG

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2019 erzielte die Pfeiffer Vacuum Technology AG einen Umsatz von 157,4 Mio. Euro. Das EBIT belief sich dabei auf 14,7 Mio. Euro und blieb somit deutlich hinter dem Vorjahreswert von 20,3 Mio. Euro zurück. Ein ungünstiger Produkt-Kundenmix sowie weitere Investitionen belasteten das Ergebnis, so dass die EBIT-Marge lediglich bei 9,3 Prozent lag. Zudem hatte die Gesellschaft noch negative Effekte aus Währungsumrechnungen zu verkraften. Durch den geplanten deutlichen Anstieg der Investitionen in der zweiten Jahreshälfte wird das EBIT weiterhin belastet bleiben. Der Vorstand rechnet aber im zweiten Halbjahr mit einer Verbesserung der Dynamik in den Kundenmärkten. Auf dieser Basis rechnet der Vorstand im Gesamtjahr mit einem Umsatz zwischen 640 und 660 Mio. Euro sowie einer EBIT-Marge zwischen 11 und 14 Prozent.ES - 20.7.2019 - 10:00 Uhr)

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Täglicher Börsenbericht

Mit Schwung zur Wochenmitte

DAX weiter im Plus

Der deutsche Leitindex fährt mit im Fahrwasser der US-Börsen. Diese profitieren u.a. von mehr als guten Quartalszahlen. Da vergessen Anleger hierzulande die eher schleppende heimische Berichtssaison. Und an guten Vorgaben mangelt es dem Leitindex nicht. Neben einer guten US-Börse schiebt sich auch der Nikkei-Index weiter voran. Grund sind die Hoffnungen auf eine schnelle Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China. Für einen kleinen Dämpfer könnte allerdings noch die EZB sorgen. Hier beobachten Investoren am frühen Nachmittag vor allem Mario Draghi. Hier wird noch darüber gerätselt, ob der Notenbankchef eine Wiederaufnahme der Anleihenkäufe ankündigt, oder zumindest in Aussicht stellt. 

Die Ausgabefreude der Kunden bescherte dem Kreditkartenriesen Visa im abgelaufenen Q3 einen Nettogewinn von rd. 3,1 Mrd. $ und damit gut ein Drittel mehr als noch im Vorjahr. Gewinnmitnahmen drückten die Aktie zunächst leicht ins Minus. 

Zwar verzeichnete der US-Chipkonzern Texas Instruments im Q2 mit 1,36 $ je Aktie einen etwas geringeren Gewinn, konnte aber mit seinem positiven Ausblick auf das Gesamtjahr punkten. Demnach rechnet der Konzern für 2019 mit einem EPS. von bis zu 1,53 $ je Aktie. Analysten hatten lediglich 1,37 $ anvisiert. 

Und auch der lange strauchelnde Konzern Snap konnte im Q2 wieder positive Nachrichten vermelden. Nach einer langen Stagnation bei den Nutzerzahlen stand im abgelaufenen Quartal ein User-Plus von 13 Mio. 

So positiv lief es in Deutschland indes nicht: Der Radikalumbau kommt die Dt. Bank teuer zu stehen. Im Zeitraum bis Ende Juni stand ein dicker Verlust von –3,15 Mrd. € in der Bilanz der Großbank. 

Der Dieselskandal und eine weltweite Absatzflaute brockten Daimler im Q2 einen Verlust von –1,3 Mrd. € ein. 

 

 

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Randnotizen

Seit dem 1. Juli müssen sich deutsche Anleger mit einem neuen Begriff beschäftigen – der Börsenäquivalenz. Obwohl viele Aktienbesitzer davon bisher noch nie etwas gehört haben, ist das Thema nicht neu. Es handelt sich dabei um eine Vereinbarung der EU mit sog. Drittstaaten – also Ländern, die wie die Schweiz nicht zur EU gehören. Um die Handelstätigkeiten mit diesen Nicht-EU-Staaten zu ermöglichen bzw. zu erleichtern, muss die EU deren Gesetze und Mechanismen als gleichwertig mit den eigenen anerkennen. Dies gilt auch beim Handel mit Wertpapieren. 

Die Anerkennung der Schweizer Börse (Börsenäquivalenz) wurde von Seiten der EU jedoch bisher nur befristet gewährt. Knackpunkt für eine nochmalige Verlängerung war dabei nicht etwa die Börsenregulierung selbst, sondern politischer Beziehungsstress zwischen den Nachbarn. Seit Mai 2014 verhandeln Deutschland und die Schweiz bereits über ein neues gemeinsames Rahmenabkommen. Aus Sicht der EU war der Vertrag bereits ausgehandelt, aber die Schweizer zierten sich dennoch, es zu unterschreiben. Sie wollten noch „Klärungen“ zu den drei Punkten staatliche Beihilfen, Lohnschutz und Unionsbürgerrichtlinie. Für die Eidgenossen sind diese Themen für die bevorstehenden Parlamentswahlen im Oktober durchaus relevant. Doch mit Blick auf die aktuellen Brexit-Verhandlungen mit den Briten durfte auch die EU gegenüber anderen Drittstaaten nicht zu sehr nachgeben. Der Streit spitzte sich mit dem Auslaufen der Börsenanerkennung der SIX zum 30. Juni naturgemäß zu und eskalierte. D.h., die EU-Kommission hat die Börsenäquivalenz nicht über das Monatsende hinaus verlängert. Ab dem 1. Juli 2019 dürfen somit Marktteilnehmer aus der Schweiz keine europäischen Werte mehr über die Schweizer Börse SIX kaufen und verkaufen. Der Schweizer Bundesrat hat wiederum mit Gegenmaßnahmen reagiert und zeitgleich den Handel von Schweizer Wertpapieren in der EU mittels Notfallverordnung verboten. Mit dieser gegenseitigen Börsenblockade steht nun eine Patt-Situation im Raum. 

Was bedeutet das für deutsche Anleger?

Zunächst einmal stellten viele Anleger fest, dass seit Montag dieser Woche auf dem elektronischen Handelssystem Xetra oder an den Börsenplätzen Frankfurt und Stuttgart für Schweizer Aktien keine Kurse mehr gestellt wurden. Das gilt auch für Schwergewichte wie Nestlé, Roche oder Novartis. Damit findet dort auch kein Handel dieser Aktien mehr statt. Eine Ausnahme bilden Aktien mit einem Doppellisting: LafargeHolcim, ABB, Aryzta, BB Biotech und Cie Financiere Tradition. Diese Titel können auch weiterhin sowohl in der EU (wenn auch nicht an allen Börsen) als auch in der Schweiz gehandelt werden. Verbriefte Derivate, Anleihen, Fonds und ETFs, denen Schweizer Basiswerte zugrunde liegen, können ebenfalls weiter über die Börse Stuttgart gehandelt werden. 

Anleger, die in der Vergangenheit Aktien von Schweizer Unternehmen über einen europäischen Handelsplatz außerhalb der Schweiz kauften, haben nun zwei Alternativen:

1. Entweder sie warten eine Einigung ab, können aber in dieser Zeit ihre Schweizer Aktien nicht in Deutschland handeln. Wie lange sich jedoch bilaterale Schlichtungsgespräche hinziehen werden, ist ungewiss. 

2. Sie lassen ihre Schweizer Aktienbestände auf eine Schweizer Lagerstelle umbuchen, vorausgesetzt, die Depotbank hat einen Zugang zur Schweiz. Anschließend können die Werte sofort in der Schweiz gehandelt werden. Dieser Vorgang ist an sich unproblematisch, kann aber trotzdem auch schon mal eine Woche dauern. Zudem lassen sich viele Banken den Lagerstellenübertrag bezahlen. 

Generell können Privatanleger aber weiter in Schweizer Aktien investieren, denn die meisten Depotbanken arbeiten jetzt schon mit Korrespondenzbanken an den jeweiligen Lokalbörsen zusammen, weil ihre institutionellen Kunden ausländische Aktien ohnehin an den Heimatbörsen handeln – schon wegen der höheren Liquidität.

Es sieht ganz danach aus, dass sich die EU einmal mehr mit ihrer Politik selbst Schaden zufügt und ihre Taktik nicht aufgeht. Wer es auch erfunden hat, er hat der ohnehin schon kümmerlichen Aktienkultur in Deutschland einen Bärendienst erwiesen.

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Die Rufe nach digitalem Geld werden immer lauter. Die ersten forderten bereits, dass auch die großen Zentralbanken digitales Geld ausgeben sollen. Während die klassischen Banken diesen Trend scheinbar völlig verschlafen und mal wieder in ihrer eigenen Welt leben, sind die Technologiegiganten bereits einen großen Schritt weiter.

Facebook steckt mitten in der Entwicklung seiner eigenen Kryptowährung und darf dabei nicht wie in der Vergangenheit oftmals geschehen unterschätzt werden. Das Modell scheint offenbar sogar so attraktiv, dass selbst große, mitunter traditionsreiche Unternehmen aus der Finanzbranche mit ins digitale Boot gestiegen sein sollen. Unter den neuen Followern finden sich laut dem ,Wall Street Journal‘ immerhin prominente Vertreter wie Visa, Mastercard, Paypal oder auch der Börsennewcomer Uber. Facebooks Kryptowährung soll dabei nicht wie das bisherige Digitalgeld unreguliert und damit wilden Spekulationen ausgesetzt, sondern an einen Korb aus staatlich ausgegebenen Währungen gekoppelt sein. Jeder der bislang 12 Partner investiert dem Bericht zufolge zunächst 10 Mio. Dollar, um eine Art Verwaltungsorganisation zu schaffen.

Unterstützung erhalten die US-Amerikaner dabei angeblich von einem prominenten britischen Bank-Lobbyisten. Ab September soll sich der ehemalige Standard-Chartered-Banker Ed Bowles höchstpersönlich um das Projekt „Facebook-Coin“ kümmern.

Bekanntermaßen arbeitet das soziale Netzwerk über seine Tochter WhatsApp schon länger an einem eigenen Bezahldienst in Indien. Und dies dürfte erst der Anfang sein. Die klassische Banken- und Finanzszene blockt CEO Mark Zuckerberg im Übrigen dabei komplett. 

Gelingt es dem Technologieriesen das Image der Kryptowährung aus der digitalen Schmuddelecke zu holen und ein seriöses weltweites Zahlungsmittel zu schaffen, könnte der „Facebook-Coin“ das Sterben der Banken-Dinosaurier zweifelsfrei beschleunigen.

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Der Gründer und Chef des Elektroautopioniers Tesla galt bislang als besonders unterhaltsam auf seinem Twitter-Account. In den vergangenen Jahren kamen ihm seine Äußerungen jedoch oftmals teuer zu stehen. Erst im vergangenen Jahr setzte Musk den Tweet ab, er wolle mit Hilfe von Finanzinvestoren Tesla von der Börse nehmen (s. Randnotizen 41/18), woraufhin ihm die US-Börsenaufsicht erst einmal einen Maulkorb erteilte. Doch auch davon ließ sich der umtriebige Manager nicht bremsen und plapperte im Februar munter über Absatzprognosen für den Autobauer. Die Folgen für den Kurs der Aktie sind bekannt. Die zum Teil verstörenden Aussagen auf seinem Social Media-Kanal brachten Musk auch privat schon Geldbußen von immerhin 20 Mio. $ ein.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. „Ich habe gerade meinen Twitter-Account gelöscht“, erklärte Musk in der Tat auf Twitter und unterstrich dies mit einem schwarzen Profilbild. Zugleich taufte er sich in „Daddy Dotcom“ um, was immer das bedeuten soll.

Für die Aktionäre des US-Elektrofahrzeugherstellers bleibt zu hoffen, dass Musk es ernst meint und seine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken begräbt. Zur Abwechslung könnte der schillernde Konzernlenker vielmehr mal wieder mit Wachstumsfantasien elektrisieren.

Es ist wohl zu viel gewollt, sich auch vom aktuellen US-Präsidenten die Löschung seines Twitter-Accounts zu wünschen!

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Die Anleger reagierten schockiert, als Infineon die neun Milliarden Euro schwere Übernahme des Halbleiterherstellers Cypress verkündete. Hatte sich doch gerade erst Bayer an der milliardenschweren Übernahme von Monsanto verschluckt, und auch Fresenius war nur haarscharf an einem Desaster bei seinem US-Zukauf Akorn vorbeigeschlittert. Sollten also deutsche Firmenbosse besser die Finger von US-Übernahmen lassen?

Bayer bezahlte für den Kauf von Monsanto 63 Mrd. Euro – eine Rekordsumme in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Doch die teuerste Übernahme aller Zeiten entpuppt sich inzwischen als hoch giftig. Denn kaum waren die Deutschen der neue Eigentümer, da trudelten täglich neue Schadenersatzklagen wegen krebsauslösender Monsanto-Produkte ein. Die ersten Prozesse hat Bayer allesamt verloren. Werden die Urteile in den nächsten Instanzen rechtskräftig bestätigt, könnte das Monsanto-Gift letztlich sogar tödlich für Bayer sein. Schon jetzt ist die Übernahme zum gigantischen Kapital- und Imagevernichter geworden, der Aktienkurs seitdem um 40 % abgeschmiert. Dabei ist das Bayer-Management bei Übernahmen in den USA durchaus erfahren. Erst 2014 hatte der DAX-Konzern für 14,2 Mrd. Dollar das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsprodukten des US-Pharmakonzerns Merck übernommen. Vielleicht aber hatte sich gerade deshalb die Leverkusener Führungsriege zu sicher gefühlt im Umgang mit amerikanischen Firmenkäufen. Dabei hatten sich vor ihnen auch schon andere die Finger verbrannt. 

Ein Musterbeispiel für einen Fehlschlag lieferte die deutsche Automobilindustrie. 1998 kauft der Stuttgarter Autobauer Daimler seinen US-Konkurrenten Chrysler. Die „Hochzeit im Himmel“ kostete 43,1 Mrd. Euro und wurde nach neun Verlustjahren wieder geschieden. Doch die spektakuläre Ehe-Pleite lähmte den deutschen Autobauer noch lange darüber hinaus. Zwei Jahre nach Ex-Daimler-Boss Schrempp versuchte ein anderer deutscher Manager den größten Deal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte abzuschließen. Ron Sommer, damals Vorstandschef der Deutschen Telekom, legte im Jahr 2000 die Summe von fast 39,4 Mrd. Dollar für den Telefondienstleister VoiceStream Wireless Corporation auf den Tisch. Mit dem Geschäft wollten die Deutschen auf dem wichtigsten Telekommunikationsmarkt der Welt Fuß fassen. Doch der begehrte Vertrag mit Apple blieb aus. Die Kunden liefen zur Konkurrenz, wo es das neue iPhone-Handy gab. Und T-Mobile USA blieb auf der Strecke. Zweimal versuchte die Telekom, ihre verlustreiche Tochter an einen Konkurrenten weiterzureichen, und zweimal scheiterte sie. 

Auch der Essener Stromkonzern RWE holte sich in den USA eine blutige Nase. Für 7,5 Mrd. Dollar angelte er sich 2003 den größten US-Wasserversorger. Doch der dicke Fisch fing an zu stinken, der Investitionsbedarf war größer als gedacht. Sechs Jahre später verkauften die Essener American Water wieder. Adidas-Chef Herbert Hainer wollte sein Schuhregal um den US-Sportschuhkonkurrenten Reebok erweitern, was sich der Konzern 2005 gut 3,5 Mrd. Dollar kosten ließ. Tatsächlich aber halsten sich die Deutschen damit ein Sanierungsobjekt auf. Siemens hatte bei seinen Zukäufen in den USA auch nicht immer ein glückliches Händchen. Vorstandschef Peter Löscher zog 2007 den Labor-Diagnostik-Anbieter Dade-Behring für 7,68 Mrd. Dollar an Land. Darauf musste er zunächst einmal ordentlich abschreiben. Sein Nachfolger Joe Kaeser griff 2014 für den amerikanischen Maschinenbauer Dresser-Rand mit 7,73 Mrd. Dollar nochmals tief in die Tasche. Kein guter Zeitpunkt, wie sich später herausstellte. Da die Amerikaner auf Öltechnologie spezialisiert sind und die Ölpreise seit dem Kauf wegbrachen, rechnet sich das teure Investment der Münchener bisher nicht. Fresenius dagegen kam gerade noch mit einem blauen Auge davon und konnte den 2017 geschlossenen Ehevertrag mit Akorn dank jeder Menge Rückzugsklauseln wieder annullieren. Denn kurz nach der Eheschließung stellte sich heraus, dass die Braut gar nicht so hübsch war, wie man glaubte und auch keine 5 Mrd. Dollar wert. 

Auch wenn das Management von Fresenius ebenfalls einer Fehleinschätzung erlegen war, so hatte es sich zumindest rechtlich gut abgesichert. „Was wir im Vorfeld nicht selbst prüfen durften, hatten wir vertraglich abgesichert“, so Fresenius-Chef Stephan Sturm auf der diesjährigen Hauptversammlung. Doch das ist leider nicht die Regel, obwohl die Vorstände solche Übernahmeentscheidungen nicht allein treffen. Zumeist ist ein ganzer Schwarm von Beratern, Experten und Prüfern in einen solchen Prozess involviert. Dennoch scheitern immer wieder Expansionsversuche gerade in den USA, obwohl sich dort viele der heutigen Manager zu Hause fühlen. Vielleicht unterschätzen aber gerade deshalb viele von ihnen die US-Unternehmenskultur und die rechtlichen Risiken. Die Arbeit ist schließlich nicht mit Abschluss des Kaufvertrages beendet. Die Übernahmen erfordern meist noch jede Menge Folgeinvestitionen und Strukturmaßnahmen, für die es einen langen Atem und weitere Finanzmittel braucht. „Fusionen sind die Königsdisziplin des Managements“ – und die beherrsche nun einmal nicht jeder, sagt der Ökonom Lars Schweizer von der Goethe-Universität Frankfurt. Er hat zahlreiche Studien dazu ausgewertet mit dem Ergebnis: „Zwei von drei Unternehmensübernahmen scheitern.“

Wie es anders geht, zeigt der deutsche Softwarekonzern SAP. Er hatte schon ein zweites festes Quartier in den USA, bevor er für 8,3 Mrd. Dollar das US-Unternehmen Concur Technologies kaufte. Concur programmiert Software zur Buchung und Abrechnung von Reisen und beliefert u.a. auch die US-Regierung. Weil sich die Vorgänge bei Concur komplett internetbasiert abspielen, erweist sich der Zukauf als perfekte Ergänzung für das bisherige Geschäft. Der Merck-Konzern hat sich im April für seine Sparte Performance Materials mit der Übernahme des Spezialchemiekonzerns Versum einen Zukauf geleistet, der mit 6,5 Mrd. Dollar nicht gerade preiswert, aber durchaus sinnvoll ist. Die Darmstädter haben aber schon mehrfach bewiesen, dass sie solche Projekte gut managen und die eigene Verschuldung danach zügig wieder zurückführen können. Auch Infineon könnte nun ein guter Deal gelingen, denn im strategisch wichtigen Halbleitermarkt war Deutschland bislang kaum sichtbar. Doch ohne die Mini-Bauteile hebt kein Flugzeug ab, startet kein Auto, läuft keine Waschmaschine und kein Espressoautomat. Autonomes und elektrischen Fahren sowie Internet der Dinge ist ohne sie erst recht nicht denkbar. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Infineon einen saftigen Aufpreis auf den Aktienkurs von Cypress zahlen muss, um an das Geschäft zu kommen. Doch Vorstand Ploss hat schon einmal einen US-Wettbewerber für viel Geld geschluckt und anschließend mit ebenso viel Geschick integriert. Es spricht nichts dagegen, warum ihm dies nicht ein zweites Mal gelingen sollte. Und mit der Akquisition mischt ein deutscher Halbleiter-Anbieter zumindest wieder auf dem Weltmarkt mit. 

Dass deutsche Konzerne international auch auf Übernahmen setzen, ist zunächst richtig. Sie ermöglichen oft einen direkteren Marktzugang bzw. die Sicherung von Marktanteilen. Wenn dabei die rechtlichen Risiken und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen richtig beurteilt werden, bietet dies auch einen hohen Mehrwert für die Aktionäre. 

 

 

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Vollgestopfte Straßen in den Innenstädten und Staus auf den Autobahnen gehören heute schon längst zum Alltag. Neue Konzepte der Mobilität sind gefragt. Eine Möglichkeit sind Flugtaxis, auch wenn sich die Technologie zunächst anhört, wie aus einer anderen Galaxie. 

Doch inzwischen sind Flugtaxis bzw. Passagierdrohnen längst keine Science-Fiction-Spinnerei mehr. Viele internationale Konzerne, gerade aus der Automobil- und Luftfahrtbranche, bringen sich bereits in Stellung, um rechtzeitig in Richtung neue Mobilität abzuheben. Die Unternehmensberatung Roland Berger geht davon aus, dass im Jahr 2025 weltweit 3.000 Lufttaxis und bis 2050 dann 100.000 herumschwirren werden, auch in deutschen Metropolregionen. Besonders interessant in den Ohren der Investoren ist das Ergebnis einer Studie von Morgan Stanley, wonach der Markt für elektrische Flugshuttles bis 2040 auf einen Umsatz von 500 Mrd. bis 1,5 Bill. $ kommen wird. 

Technologisch dürfte den sogenannten eVTOL-Flugzeugen (eletricpowered Vertical Take Off and Landing) bzw. Multicopter die Zukunft gehören. Ihre elektrischen Antriebe sind leiser und emissionsärmer als die der üblichen Helikopter. Sie haben jedoch ähnlich wie Hubschrauber die Fähigkeit, aufgrund von mehreren Rotoren senkrecht zu starten und zu landen. Weiterhin gute Chancen haben Modelle, die eher in Richtung Flugzeug konzipiert sind. Diese verfügen über Düsen in den Tragflächen, die beim Starten nach unten gerichtet sind. Später werden sie verstellt und sorgen für den nötigen Vortrieb.

Neben der Bequemlichkeit und dem Tempo, mit denen man zukünftig ein Ziel per Lufttaxis erreicht, wird auch der Preis eine entscheidene Rolle spielen, ob sich die neue Urban Air Mobility (innerstädtische Mobilität) durchsetzen wird. Derzeit kalkuliert man in der Branche mit rd. 65 € pro Flugtaxi-Stunde. Wenn man davon ausgeht, dass die Flugtaxis fünfmal so schnell unterwegs sind wie ein Auto, wird man am Ende nur ein paar Minuten in der Luft verbringen und sich somit relativ preiswert fortbewegen. Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus strebt mit seinen Konzepten im Bereich der Urban Air Mobility Preise an, die nahe denen für eine Taxifahrt mit dem Auto kommen. „Unsere Kernzielgruppe sind Menschen, die beruflich reisen und schnell und bequem von A nach B kommen wollen. Lufttaxis sollen bei ihren Kosten über die gesamte Lebenszeit (Anschaffung, Betrieb, Wartung) kostengünstiger sein als klassische Hubschrauber.“

In den USA entwickelte Flugzeugbauer Boeing mit Passenger Air Vehicle (kurz PAV) einen Prototypen, der Anfang Februar erstmals abgehoben hat. Die Boeing-Variante ist einem Flugzeugmodell ähnlicher als einem Hubschrauber. In den frühen 2020er Jahren will der Flugzeughersteller mit seiner Passagierdrohne an den Start gehen.

Der US-Fahrdienstvermittler Uber, der nach wie vor hohe Verluste einfährt, will nicht weniger werden als die führende Mobilitätsplattform – das „Amazon des Verkehrs“. Da dürfen auch Flugtaxis nicht fehlen. In dem Bereich kooperiert man seit 2017 mit dem Hubschrauberbauer Bell. Bereits Mitte nächsten Jahres will Uber die ersten Taxi-Drohnen über Los Angeles abheben lassen. Mitfliegen mit UberAir soll nach Unternehmensplanungen zum Marktstart in etwa so viel kosten wie Mitfahren mit UberX. 

Und wenn es nach dem Chef des österreichischen Unternehmens FACC geht, dann steht auf einigen Flugobjekten auch „made in Austria“. Anfang November ist man mit der chinesische EHang, einem der be-
kanntesten Unternehmen im Bereich der autonomen Luftfahrt, eine strategische Partnerschaft eingegangen. Mit dem Flugzeugzulieferer FACC hat EHang-Chef Hu Huazhi einen Partner gefunden, der seine Fluggefährte massentauglich herstellen soll. FACC bringe die Fachkompetenz mit, um die Prototypen von EHang in eine Fertigung großer Stückzahlen überführen zu können, war vom Chef Robert Machtlinger zu hören. Bis zum Jahresende peilen die Partner an, etwa 150 Flugdrohnen zu produzieren. 

Die größten Absatzchancen für die Flugtaxis dürften aber nicht in Europa liegen, sondern eher in asiatischen Megametropolen mit zehn oder zwanzig Millionen Einwohnern. Für den FACC-CEO ist die Zusammenarbeit mit einem chinesischen Partner nicht neu. Der Haupteigentümer hinter dem in Wien börsennotierten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 781 Mio. € ist der chinesische Staatskonzern AVIC.

Die deutsche Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, will dass Deutschland zum Weltmarktführer für die neue Art der Mobilität aufsteigt. Und in der Tat hat der deutsche Markt hier Interessantes zu bieten.

So sorgen zwei Start-ups für reichlich Wind. Lilium, das vor vier Jahren in Wessling bei München gegründet wurde, will im kommenden Jahr nicht nur das eigene Fluggefährt auf den Markt bringen, sondern sie ab 2025 auch selbst betreiben und den Taxidienst per Luft anbieten. Die Bayern präsentierten im vergangenen Monat den ersten Prototypen ihres Flugtaxis mit fünf Sitzen, so wie er dann auch in die Serienfertigung gehen soll. Mit seinem neuen Jet, der nach Angaben des Unternehmens mit seinen 36 vollelektrischen Motoren für eine Reichweite von 300 Kilometern bei einer maximalen Geschwindigkeit von 300 km/h schafft, heizt Lilium den Wettbewerb im hart umkämpften Markt noch einmal kräftig an. 

Eine Herausforderung wird es jedoch sein, den Senkrechtstarter in Serie zu produzieren. Das Start-up plant dazu vier Produktions-standorte in Deutschland. An einem sollen die Elektrotriebwerke und an einem anderen die Batteriepakete gebaut werden. Hinzu kommt die Fertigung der Flugzeuge aus Karbon, bevor dann alles in einem Werk für die Endmontage zusammenkommt. Dieses Konzept braucht auch Finanzmittel. Bisher hat Lilium für den Traum vom Fliegen bei den Investoren über 100 Mio. € eingesammelt. Zu den Geldgebern gehören der chinesische Internetkonzern Tencent, Skype-Gründer Niklas Zennström und Obvious Ventures, hinter dem Twitter-Gründer Evan Williams steht. Die dürften durchaus bereit sein, noch mehr reinzustecken.

Das Bruchsaler Start-up Volocopter will zunächst in Dubai und Singapur seinen Multicopter fliegen lassen. Neben Intel und Delivery Hero-Gründer Lukasz Gadowski gehört auch Daimler zu den Geldgebern von Volocopter. Die 11-%tige Beteiligung an der Volocopter ermöglicht der Daimler AG, die Entwicklung innovativer Mobilitätsprodukte und Services in einer neuen Dimension zu unterstützen. 

Auf die Frage des ES: „Ist Volocopter für Daimler eher ein Prestigeobjekt oder rechnet sich der Konzern auch mittelfristig Gewinne aus dem Projekt aus?“, antwortete Christin Müller, Pressesprecherin von Global Communications Mercedes-Benz Cars: „Volocopter ist für uns eine nachhaltige Investition in ein sehr relevantes Mobilitätsthema der Zukunft und keinesfalls ein reines Prestigeobjekt. Der Volocopter passt perfekt zu unserer CASE-Strategie: Angefangen vom leisen, vollelektrischen und emissionsfreien Antrieb, über den Einsatz als urbanes Luft-Taxi, bis hin zum autonomen Fliegen.“

Daimler hat außerdem Erfahrungen in Batterie- und Brennstoffzellentechniken, die dem Volocopter zu einer größeren Reichweite verhelfen können als die rd. 30 Kilometer, die die bemannten Drohnen bisher zurücklegen können. Ob Flugtaxis unter dem Dach der Daimler AG in Serie produziert werden, wird derzeit wohl noch in der Stuttgarter Firmenzentrale diskutiert.


Flugtaxi-Pionier Airbus scheint mit seinen zahlreichen Projekten da schon einen Schritt weiter zu sein. Sowohl der Bau als auch das Betreiben ist für den Konzern interessant, so der Airbus-Sprecher Gregor von Kursell: „Flugtaxis werden dort zuerst kommerziell eingesetzt werden, wo sich ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell abzeichnet. Also dort, wo aufgrund erheblicher Verkehrsprobleme am Boden ein großer Bedarf nach städtischem Luftverkehr besteht. Elektrisch betriebene Luftfahrzeuge für den innerstädtischen Verkehr sind keine Spielerei, sondern sollen den Menschen einen Mehrwert bringen.“ Den Bedarf macht von Kursell zunächst vor allem in den Megacities in Asien und Lateinamerika aus. „Aber auch hierzulande sehen wir Möglichkeiten für einen nachhaltigen und kommerziell erfolgreichen Betrieb.“

Der innerstädtische Luftverkehr (Urban Air Mobility) wird derzeit in Ingolstadt getestet. Die oberbayerische Stadt ist eine der Modellregionen der EU-Initiative „Urban Air Mobility“, mit der der Einsatz von Passagierdrohnen im städtischen Umfeld vorbereitet werden soll. Nächster Schritt für den CityAirbus, ein viersitziges, elektrisches Luftfahrzeug mit acht Rotoren, wird die Flugerprobung auf dem Testflughafen Manching bei Ingolstadt sein. Die Flüge beginnen im Sommer. Der CityAirbus wird bei Airbus Helicopters in Donauwörth (Nordschwaben) gebaut.

Gemeinsam mit Audi arbeitet Airbus an Pop.Up Next – das Konzept eines modularen Vehikels. Dieses Fahrzeug soll sowohl auf der Straße fahren als auch in die Luft abheben können, je nachdem, mit welchem Transportmodul es kombiniert wird. Hier sei man im Stadium sehr früher Konzeptstudien, d.h. noch werde nicht daran gebaut, war von Airbus zu erfahren. 

Während die Technik der Fluggeräte bereits sehr weit ist, gibt es jedoch noch andere wichtige Hürden zu nehmen, bevor sich die Flugtaxibranche auch hier in die Lüfte erhebt. Eine geeignete Infrastruktur muss her, mit entsprechenden Landeplätzen sowie eine Ordnung des Luftraums. Der Mineralölkonzern Aral hat beispielsweise bereits ein Konzept für die Tankstelle der Zukunft vorgestellt, die über die komplette Drohnen-Infrastruktur verfügt. 

Neben dem Flughafen Düsseldorf bereitet sich auch der Flughafenbetreiber Fraport in Frankfurt auf die Lufttaxis vor. Gemeinsam mit dem deutschen Start-up Volocopter will Fraport die Chancen ausloten, die die neuen Flugvehikel bieten. „Wir sehen in Flugtaxis ein großes Potenzial. Mobilität wird sich in den nächsten Jahren sehr verändern, und diese Zukunftstechnologie wird dabei eine große Rolle spielen. Weltweit entstehen bereits erste Nutzungskonzepte für Flugtaxis. Auch wir als Flughafenbetreiber wollen diese Chancen erschließen und gemeinsam mit Volocopter die Nutzung von Flugtaxis vorantreiben“, so Fraport gegenüber dem ES.

Fraport kann eine große Expertise im Flugbetrieb einbringen, insbesondere in den Bereichen Bodeninfrastruktur und Passagierservices. Auch für Flugtaxis müssen komplexe Bodenprozesse bedacht werden. Dazu zählen nicht nur bekannte Abläufe in der Flugreise wie Sicherheitskontrollen, sondern zum Beispiel auch das Aufladen und Austauschen von Batterien. 

Aktuell ist man zwar noch weit entfernt von völlig autonomen Passagierflügen. Jedoch kommen die bestehenden Verkehrsträger zunehmend an ihre Grenzen. Flugtaxis können einen Beitrag zur Entlastung des urbanen Verkehrs leisten und Reisenden eine Alternative zum ÖPNV bieten, um schnell und sicher durch die Stadt zu kommen.

Bevor die Flugtaxis zum Alltag des öffentlichen Nahverkehrs gehören, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Doch technologisch bringen die Flugobjekte viel Know-how mit, das auch in anderen Bereich wieder zum Tragen kommt. Deutsche Unternehmen dürfen sich hier auf jeden Fall nicht erneut den Schneid abkaufen lassen. Fest steht: Robotaxis sind mehr als eine Eintagsfliege! Anleger sollten schon jetzt den Markt sondieren und nach interessanten Objekten Ausschau halten.

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Es ist ein zentrales Problem des deutschen Sozialstaates: Immer weniger Beitragszahler müssen die Renten von immer mehr Ruheständlern finanzieren. Obwohl die Deutschen dadurch immer länger arbeiten müssen, droht immer mehr von ihnen die Altersarmut. Um die künftigen Ansprüche der Rentner zu erfüllen, werden sich die Belastungen für die Beitragszahler in den kommenden 20 Jahren auf zusätzliche ca. 160 Mrd. Euro und für den Bundeshaushalt auf 120 Mrd. Euro summieren. Doch es geht auch anders! 

Vor der Einführung des Euro galten Bundesschatzbriefe des deutschen Staates als die beste Altersvorsorge. Fast jeder Sparer verfügte über eine oder mehrere der im Volksmund als Witwen- und Waisenpapiere bezeichneten Schuldverschreibungen. Seit dem 31. Dezember 2012 werden jedoch keine neuen Bundesschatzbriefe mehr ausgegeben. Inzwischen sind selbst deutsche Staatsanleihen knapp geworden. Der Bund hat noch Schuldtitel von rund 900 Mrd. Euro ausstehen, nur halb so viele wie Frankreich. Durch die jahrelange Niedrigzinspolitik ist auch das Sparen auf Fest- und Girokonten unrentabel geworden. Dadurch wird die Versorgungslücke der Menschen in Deutschland im Alter künftig immer größer werden, die nur zum Teil durch Immobilien, Lebensversicherungen oder andere Spareinlagen gedeckt sind. Die aktuelle Rentenreform bringt in erster Linie den Menschen mehr Geld, die in Kürze in Rente gehen. Ungleichheit und Altersarmut wird sie jedoch nicht verhindern, zumal 1,8 Mio. Altrentner dadurch benachteiligt werden (vgl. ES 48/18). Nach Ansicht der Experten des ifo-Instituts in München könnte ein Staatsfonds nach dem Vorbild Norwegens hier Abhilfe schaffen. 

Der norwegische Staatsfonds ist der größte staatliche Fonds weltweit, obwohl er auch einer der jüngsten ist. Derzeit hat er 66,3 % seines Vermögens in Aktien angelegt, 30,7 % in festverzinslichen Wertpapieren und 3,0 % in Immobilien. Insgesamt ist der Fonds damit an 9.000 Unternehmen aus mehr als 70 Ländern beteiligt. Seit Auflegung im Jahr 1998 bis Ende 2018 erzielte der norwegische Pensionsfonds jährlich eine durchschnittliche Rendite von 5,47 %. Formell ist das norwegische Finanzministerium Eigner des Fonds, aber eigentlich ist es die Bevölkerung des kleinen skandinavischen Landes. Denn der Fonds investiert die Einnahmen aus der staatlichen Ölförderung am Kapitalmarkt, um für schlechtere Zeiten vorzusorgen. Er ist weitgehend vor Zugriffen des Staates geschützt und veröffentlicht sein Fondsvermögen transparent und in Echtzeit im Internet. 

„Norwegens Konzept sollte von den großen Industrienationen aufgenommen werden“, appellierte der ES schon in Ausgabe 42/17. Im April legte nun der Leiter des deutschen ifo-Instituts, Prof. Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest, das „Konzept eines deutschen Bürgerfonds“ vor. Die Grundidee ist ebenso simpel wie genial: 

Während das Vermögen des norwegischen Staatsfonds aus Gewinnen der Öl- und Gasverkäufe gespeist wird, kann der deutsche Staat das Vertrauen der Anleger in die Solidität seiner Finanzen nutzen, um am Markt günstig Schulden aufzunehmen. Die hohe Bonität ist quasi Deutschlands Öl. Das Kapital legt der Bund dann für seine Bürger gewinnbringend in Aktien, Immobilien und Anleihen weltweit an. Die so erwirtschafteten Überschüsse werden dann den künftigen Jahrgängen beim Erreichen der Regelaltersgrenze von 67 Jahren in Form einer Kapitalleistung analog zu einer Lebensversicherung ausbezahlt. 

In dem von Fuest und seinen Mitautoren vorgelegten Basismodell nimmt der deutsche Bürgerfonds ab 2020 jedes Jahr 0,5 % des BIP am Kapitalmarkt auf und legt es wieder an. „Angenommen, dass der Teilnehmerkreis die gesamte Wohnbevölkerung im Alter ab 15 Jahren und bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze umfasst“, würden dem Fonds bereits im ersten Jahr 18,3 Mrd. Euro. zufließen. Durch das Wachstum des BIP und zunehmende Zinseszinseffekte würde sich dieser Geldzufluss zunächst beschleunigen und erst ab 2050 mit steigenden Auszahlungen an die Anteilseigner, die die Regelaltersgrenze von 67 Jahren erreichen, wieder abschwächen. Während nach den Berechnungen der Experten die ersten Kapitalauszahlungen im Jahr 2030 mit gut 400 Euro noch sehr gering ausfallen, steigen sie bis 2040 dann auf etwa 1.800 Euro und bis 2050 weiter auf rund 4.500 Euro an. 2071 käme dann erstmalig ein Betrag von gut 16.000 Euro zur Auszahlung. Bei zwei weiteren Varianten, in denen höhere Verzinsungen und Renditen angenommen wurden, käme man nach 50 Jahren auf eine Kapitalleistung von etwa 30.000 Euro. 

Würde man dem Fonds statt 0,5 % jährlich jeweils 1 % des BIP zuführen, würden sich Fondsvermögen und Kapitalauszahlungen analog exakt verdoppeln. Eine solche Variante hat die Ratingagentur Scope ins Gespräch gebracht, wobei 50 % des Geldzuflusses aus Kreditfinanzierungen und
50 % aus Steuermitteln kämen. Scope-Analyst Bartels hält den jetzigen Zeitpunkt für die Auflegung eines solchen Fonds für perfekt, da zehnjährige Bundesanleihen derzeit noch Minuszinsen aufweisen. Und selbst bei 30-jährigen Anleihen muss der Bund gerade mal 0,6 % an Zinsen aufbringen. „Der Fonds könnte sich auf diese Weise günstig finanzieren und den Kapitalstock innerhalb von 20 Jahren auf mehr als eine Billion Euro heben“, sagt Bartels. Seinem Szenario legt er eine durchschnittliche Jahresrendite von 4 % zugrunde. 

Welches Modell eines deutschen Staatsfonds man auch favorisiert und welche Berechnungen man dem zugrunde legt, er würde in jedem Fall eine flächendeckende Verbesserung der Altersversorgung möglich machen – und zwar ohne eine zusätzliche Belastung für den Finanzhaushalt und ohne weitere Beiträge. Um eine Zweckentfremdung der Mittel (wie z.B. beim Soli) durch die Politik zu verhindern, muss die Verwaltung des Fonds dem politischen Zugriff entzogen werden. Beispielsweise könnte die Bundesbank diese Aufgabe übernehmen, da sie auch für Fonds lizenziert ist. Da der Aufnahme von neuen Staatsschulden für den Fonds stets eine Ver-mögensbildung in mindestens gleicher Höhe gegenübersteht, könnte auch die öffent-
liche Verschuldung dauerhaft unterhalb der Maastricht-Grenze gehalten werden. Die Einführung eines solchen kreditfinanzierten Staatsfonds würde die heutigen jüngeren Generationen absichern und wäre somit ein sozialer Ausgleich für ihre aktuellen Belastungen.

Während in Ländern wie Norwegen, den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Kuwait, Singapur und China staatliche Fonds längst zur Säule der Altersabsicherung gehören, ist Deutschland noch in der Findungsphase. Hier besteht dringender Handlungsbedarf! Auch das Öl der Deutschen ist begrenzt, es sollte jetzt gefördert werden, um künftigen Generationen unseren heutigen Wohlstand zu sichern. Zinsumfeld und Aktienmärkte bieten derzeit dafür beste Rahmenbedingungen.

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Bis vor einigen Jahren waren pflanzliche Alternativen zu Fleisch und Co. nur in ausgewählten Bioläden oder Reformhäusern zu finden. Heute gehören sie in jedem Supermarkt zum Produktsortiment. Seit 2008 verzeichnen vegetarische und vegane Produkte ein jährliches Umsatzplus von 30 % – Anleger können daran mitverdienen. 

Vegan, organic, glutenfrei – Immer mehr Menschen verzichten aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen auf Fleisch oder ganz auf tierische Produkte, achten auf Bio-Siegel oder Fair Trade-Standards. Dem Trend einer bewussten Ernährung müssen auch die Großen der Branche folgen, wollen sie nicht ihre Marktstellung einbüßen. So bietet McDonald‘s bereits seit einigen Jahren einen Veggie-Burger an, erste vegane Produkte finden sich ebenfalls in vielen Stamm-Ländern auf der Speisekarte des Fast-Food-Giganten. Daher kann man sich in Norwegen etwa vegane McNuggets schmecken lassen. In Schweden serviert das Unternehmen den veganen „McFalafel“. Lieferant der Veggie-Patties ist die Nestlé-Tochter Garden Gourmet. Damit spielt auch der Schweizer Lebensmittelgigant im Kampf um Trend-Angebote vorn mit. 

Ebenfalls durch einen Zukauf hat Danone den Eintritt in den Veggie-Markt vollzogen. 2016 erwarb das Unternehmen WhiteWave Foods, die Muttergesellschaft der veganen Marken Alpro, Silk, So Delicious und Vega. Anfang dieses Jahres kündigte Danone zudem Pläne an, milchfreie Alternativen seiner führenden Marken Activia und Actimel zu entwickeln. Den bekannten „Fruchtzwerg“ gibt es darüber hinaus in Bio-Qualität ebenso wie ein Fruchtmus mit kontrolliert angebautem Getreide. 

Die neuen Produkte sind nach Angaben des Unternehmens eine Antwort auf die weltweit wachsende Nachfrage der Verbraucher nach milchfreien und ökologischen Alternativen. Allein mit spezialisierter Nahrung (Bio, vegan, Kleinkindernahrung) generiert das Unternehmen mittlerweile 29 % seines Umsatzes. In das Jahr 2019 ist Danone zwar nur moderat gestartet, das Eigenkapital von 16,34 Mrd. € (per 31. Dezember 2018) dürfte dabei allerdings als stabiles Polster dienen. Den kleinen Kursknick nutzen spekulative Investoren daher, um sich ein paar Stücke in den Einkaufskorb zu legen. 

2017 hatte der Internet-Gigant Amazon mit der US-Firma Whole Foods gleich eine ganze Lebensmittelkette unter sein Dach genommen, die sich auf organische und alternative Produkte fokussiert hat. Kaufpreis: 14 Mrd. $. Whole Foods ist einer der größten Einzelhändler für biologische bzw. frische Lebensmittel. Er setzt seit 1980 eigene Lebensmittelstandards fest, die über die üblichen US-Regulierungen hinausgehen. Neben dem Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe hat sich Whole Foods vor allem einen Namen in
Sachen Tierwohl gemacht. Seit einiger Zeit kann man auch in Deutschland auf amazon.de erste Produkte unter dem Label „Whole Foods Market“ kaufen bzw. vorbestellen: Kürbiskerne, Cashews, Quinoa, Basmatireis, Kokosraspeln, Popcorn-Mais, Sonnenblumenkerne, usw. 

Derweil werden erneut Gerüchte lauter, dass Amazon auch in Europa Supermarktketten übernehmen könnte. Hierzulande beschränkt sich die stationäre Präsenz des Onlinehändlers bislang auf Pop-up-Stores zu Marketingzwecken. Mit Whole Foods und dem Lieferdienst Amazon Fresh nimmt es der Onlinehändler mit der Lebensmittelbranche auf und zeigt damit, welches Potenzial hier schlummert. Wer sich mit dem horrenden Aktienkurs von Amazon (akt. Kurs: 1.823,28 $) nicht den Magen verderben will, schlägt bei ausgewählten Optionsscheinen zu. 

Einer der größten Distributoren des Amazon Whole Foods-Angebots ist die Lebensmittelkette United Natural Foods. Offiziell laufen die Verträge mit dem Online-Giganten noch bis 2025. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in den 1970er Jahren und hat sich seither zu einem der weltweit größten Anbieter von organischen, biologischen, veganen und sogar koscheren Produkten entwickelt. Dazu trug auch die 2,9 Mrd. $ schwere Übernahme des Lebensmittelhändlers Supervalue im vergangenen Jahr bei – geschätzter Jahresumsatz rd. 15 Mrd. $. Doch der Konzern durchläuft seit einigen Jahren eine Seitwärtsbewegung, aus der er sich bislang nicht befreien konnte. Restrukturierungs- und Integrationskosten drückten United Natural Foods zudem in den ersten 6 Monaten des lfd. Geschäftsjahres mit –361,02 Mio. $ in die roten Zahlen. Allerdings konnten sich die Erlöse mit 9,02 (4,99) Mrd. $ fast verdoppeln. Mit einem Eigenkapital von 1,48 Mrd. $ (per. 26. Januar) dürfte die Durststrecke dennoch ohne große Schäden überstanden werden. Darüber hinaus macht die aktuelle Bewertung das Unternehmen zu einem heißen Übernahmekandidaten.

Veggie ist Trend. Da verwundert es kaum, dass Anfang Mai ein Anbieter von Fleischersatzprodukten einen der besten Börsengänge der vergangenen Jahre hingelegt hat. Beyond Meat stellt vegane Produkte her. Genutzt werden dafür vor allem Erbsenproteine. Verkauft werden die Produkte u.a. über die Supermarktkette Whole Foods. 

Die ursprünglich zum Preis von 25 $ ausgegebenen Anteilsscheine haben ihren Kurs innerhalb von nur zwei Tagen verdreifachen können (Akt. Kurs: 79,67 $). Auch wenn inzwischen ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist, reißen sich Anleger nach wie vor um die Aktien des Fleischersatz-Herstellers. Dabei liegt die Bewertung von Beyond Meat jenseits der Vernunft. Das dürfte auch an namhaften Investoren wie Microsoft-Gründer Bill Gates oder Schauspieler Leonardo Di Caprio liegen. Doch bislang scheint die Völlerei kein Ende zu nehmen. Jüngst gab der deutsche Discounter Lidl bekannt, Ende Mai den Veggie-Burger von Beyond Meat in ausgewählten Märkten ins Sortiment aufzunehmen – wenn auch zunächst einmal nur als kurzzeitige Aktion. „Wir beobachten Foodtrends und Innovationen sehr genau und freuen uns, dass wir unseren Kunden als erster Lebensmittelhändler in Deutschland den beliebten Beyond Meat Burger anbieten können“, sagte Jan Bock, Geschäftsleiter für Einkauf bei Lidl Deutschland. Dem Börsenwert von mittlerweile rund 4,6 Mrd. $ stehen lediglich 88 Mio. $ Umsatz und ein operativer Verlust von –19 Mio. $ gegenüber. Dementsprechend sollten Anleger hier erst einmal verzichten und auf eine Normalisierung des Kurses warten.

Ein ehemaliger Investor von Beyond Meat geht aktuell eigene Wege. Der weltgrößte Fleischproduzent, Tyson Foods, startet ab diesem Sommer sein eigenes Angebot fleischloser Burger und Co. CEO Noel White sagte hierzu, dass das Angebot zunächst in begrenzter Zahl produziert wird. Erst im Oktober/November wird mit einem breiten Angebot gerechnet.

Zwar haben sich die Zahlen der Vegetarier und Veganer in den USA in den letzten Jahren stabil gehalten, doch immer mehr US-Bürger binden Fleischersatz-Produkte in ihre Ernährung ein. Derzeit weist der US-Markt für Fleischersatzprodukte ein Volumen von 1,44 Mrd. $ auf. Bis 2023 soll dieser auf bis zu 2,5 Mrd. $ anwachsen. Ein Riesenpotenzial, das sich Tyson nicht entgehen lässt und Anleger ebenso wenig. 

General Mills gehört mit einem Umsatz von 15,7 Mrd. $ in 2018 zu den 500 umsatzstärksten Konzernen der USA und ist der weltweit sechstgrößte Lebensmittelhersteller. Der Konzern hatte zuletzt seine Marken um den Bio-Lebensmittel-Hersteller Annie‘s Homegrown erweitert. Im Portfolio befinden sich u.a. „natürliche“ und biologische Pastas und Snacks. Darüber hinaus investierte das Unternehmen Ende 2018 40 Mio. $ in die vegane Milchmarke Kite Hill. Das in den USA ansässige Unternehmen stellt u.a. Joghurts auf Mandelmilchbasis und pflanzlichen Frischkäse her und vertreibt die Produkte mittlerweile über verschiedene Einzelhandelsketten, z.B. Whole Foods oder Kroger. Insgesamt finden sich die Produkte in über 100 Ländern auf sechs Kontinenten. In den ersten 9 Monaten des lfd. Geschäftsjahres erzielte das Unternehmen mit seinem breit gefächerten Lebensmittel-Angebot Umsätze von 12,7 Mrd. $ und damit gut 7,2 % mehr. Unter dem Strich ging der Gewinn allerdings auf 1,18 (1,78) Mrd. $ zurück. Im Vorjahr hatten sich jedoch steuerliche Sonderfaktoren positiv ausgewirkt. General Mills ist auch weiterhin ein schmackhaftes Investment. 

Hierzulande eher unbekannt dürfte die Hain Celestial Group sein. Das Unternehmen ist führend im Bereich biologischer und alternativer Lebensmittel und verkauft Biomarken wie Plainville Farms, Tilda und Ella‘s Kitchen Babynahrung. Auch Hain Celestial setzt bei seiner Produktvermarktung auf die Amazon-Plattformen. Etwa 40 % der Lebensmittel von Hain Celestial sind „bio“ und 99 % gentechnikfrei. Mit der Übernahme des Vegan-Spezialisten Mona Group weitet das amerikanische Unternehmen seine Geschäfte seit 2015 auch in Europa aus. Die Mona Group bietet insbesondere vegane Joghurts, Tofu und Nachspeisen in Europa und dem Mittleren Osten an. Auch etliche Fleischersatzprodukte fanden sich bislang im Portfolio der Amerikaner. 

Neben einem schwierigen Geschäft auf dem Heimatmarkt belasten aktuell noch Investitionskosten in den digitalen Ausbau. Im Q2 2018/19 gingen die Erlöse daher um 5 % auf 584,2 Mio. $ zurück. Der bereinigte Nettogewinn fiel auf 15,0 (33,6) Mio. $. Mit einem den Aktionären zuzurechnendem Eigenkapital von 1,59 Mrd. $ (per 31. Dezember) dürfte die Phase jedoch zu meistern sein. Darüber hinaus stellt sich Hain Celestials aktuell neu auf. 

Anfang Mai kündigte das Unternehmen an, seine unter der Marke WestSoy geführten Fleischersatzproduktreihe an die Keystone Natural Holdings verkauft zu haben. Der ebenfalls unter dem Markennamen WestSoy geführte vegane Getränkebereich verbleibt demnach bei Hain Celestial. Laut Geschäftsführer Mark L. Schiller handele es sich bei dem Verkauf der Sparte um einen strategischen Schritt, um das eigene Markenportfolio zu fokussieren und somit zugunsten des Unternehmenswertes ein nachhaltiges Wachstum zu generieren. Kursseitig lieferte das Unternehmen zudem bereits eine hervorragende Performance. Daher sollte man sich Hain Celestial auf die Einkaufsliste schreiben. 

Dass die Branche in Bewegung ist, zeigt auch der jüngste Übernahme-Coup. So hat sich ein Konsortium um die Private Equity Firmen PAI Partners und Charles Jobson den niederländischen Anbieter von veganen und biologischen Lebensmitteln, Royal Wessanen, geschnappt. Insgesamt 885 Mio. € bieten die beiden Großaktionäre für den Konzern. Royal Wessanen hat der Übernahme bereits zugestimmt. 

Wenn es um Trends im Bereich Lebensmittel geht, ist das niederländische Unternehmen Royal Wessanen das Mekka der alternativen Produkte. Das 1765 gegründete Unternehmen hat sich bereits Anfang der 2000er auf die Herstellung und Vermarktung „gesunder“ und alternativer Lebensmittel fokussiert. Die breite Produktpalette umfasst vegetarische und vegane Brotaufstriche wie auch Bio-Tees und Bio-Kaffee oder -Schokolade. In den vergangenen Jahren konnte Wessanen mit kontinuierlichen Zuwachsraten punkten. Zuletzt machte dem Unternehmen allerdings die wachsende Konkurrenz zu schaffen. Dennoch lag der Gewinn im Geschäftsjahr 2018 nach Steuern bei stabilen 36 Mio. €.

Veggie, Bio und Co. ist Trend. Die Großen der Branche haben dies bereits erkannt und bieten attraktive Renditen für das gute Gewissen. Mit den entsprechenden Aktien deckt man daher den (Depot-) Tisch ein. 

 

 

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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