EQS Group AG

Die EQS Group AG steigerte den Umsatz im ersten Quartal 2019 um 9 Prozent auf 8,54 Mio. Euro, blieb damit aber leicht hinter den Erwartungen zurück. Während das Neukundenwachstum planmäßig verlief, führten stagnierende Meldepflichtenumsätze und ausbleibende Börsengänge zum geringeren Umsatzwachstum. Zudem kam es bei der Veröffentlichung von Jahresabschlüssen beim Einreichungsservice zu Verschiebungen in den April. Der Umsatz im Segment Compliance stieg um 7 Prozent auf 4,10 Mio. Euro. Das Segment Investor Relations verzeichnete ein Umsatzplus von 11 Prozent auf 4,44 Mio. Euro. Die Gesellschaft setzt weiter auf die Entwicklung cloudbasierter Lösungen, was vorübergehend zu Belastungen führt. So sank das EBITDA auf minus 0,44 Mio. Euro. Das Konzernergebnis belief sich im ersten Quartal auf minus 1,89 Mio. Euro entsprechend einem Ergebnis je Aktie von minus 1,25 Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand ein Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent auf 41,5 bis 43,5 Mio. Euro. Aufgrund von geringeren zusätzlichen Belastungen aus IFRS 16 in Höhe von 1,8 Mio. Euro geht der Vorstand nun von einem EBITDA in Höhe von 2,8 bis 3,8 Mio. Euro aus. Bereinigt um IFRS 16 wird unverändert mit einem EBITDA zwischen 1,0 und 2,0 Mio. Euro gerechnet.(ES - 17.5.2019 - 11:00 Uhr)

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zooplus AG

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2019 erwirtschaftete die zooplus AG ein Umsatzwachstum von 13 Prozent auf 363 Mio. Euro. Bereinigt um Wechselkurseffekte stellte sich der Zuwachs unverändert auf 13 Prozent. Auch die Anzahl der registrierten Neukunden erhöhte sich im ersten Quartal um immerhin 15 Prozent. Durch den Ausbau des margenstarken Geschäfts mit Eigenmarken verbesserte sich die Rohmarge von 27,1 auf 28,2 Prozent. Das Geschäft mit Eigenmarken stieg im ersten Quartal um stattliche 29 Prozent. Beim EBITDA kam die Gesellschaft von minus 3,6 auf plus 2,2 Mio. Euro voran. Allerdings war das Ergebnis positiv durch den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS16 beeinflusst. Ohne diesen Sondereffekt verbesserte sich das EBITDA lediglich um 2,0 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich von minus 5,5 auf minus 4,5 Mio. Euro. Im Gesamtjahr rechnet der Vorstand mit einem Umsatzwachstum zwischen 14 und 18 Prozent. Das EBITDA sieht das Management dabei in einer Bandbreite von 10 bis 30 Mio. Euro.(ES - 16.5.2019 - 19:00 Uhr)

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Salzgitter AG

Die Salzgitter AG ist erfolgreich ins Geschäftsjahr 2019 gestartet. So verzeichnete das Unternehmen den besten Jahresauftakt seit 2008. Der Konzernumsatz verharrte mit 2,3 Mrd. Euro auf dem Vorjahresniveau. Der Umsatzrückgang im Bereich Grobblech / Profilstahl konnte durch die anderen Divisionen wieder ausgeglichen werden. Der Vorsteuergewinn erhöhte sich von 95,9 auf 125,9 Mio. Euro. Dabei stammen 50,2 Mio. Euro aus dem Engagement bei Aurubis. Im Vorjahr lag dieser Anteil bei lediglich 7,5 Mio. Euro. Allerdings enthält das Ergebnis 18,3 Mio. Euro stichtagsbezogene Bewertungseffekte. Im Vorjahr fielen diese Effekte mit 6,3 Mio. Euro negativ aus. Durch unterhalb des Marktwertes des anteiligen Eigenkapitals erworbene Aktien der Aurubis AG resultierte im ersten Quartal ein weiterer positiver Ergebniseffekt von 20,0 Mio. Euro. Dadurch erhöhte sich auch das Nachsteuerergebnis von 65,2 auf 96,7 Mio. Euro. Entsprechend legte auch das Ergebnis je Aktie von 1,18 auf 1,76 Euro zu.(ES - 15.5.2019 - 8:30 Uhr)

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Täglicher Börsenbericht

DAX zeigt sich schwächer

technische Gegenreaktion zur gestrigen Kursrally

Der DAX startete heute schwächer in den Handel - eine technische Gegenreaktion zur gestrigen Kursrally. Dabei wurde die wichtige Marke von 12.229 Punkten kurzzeitig unterschritten. Leichter Rückenwind kommt von der Wall Street. Alle drei großen Indizes schlossen mit Kursgewinnen. Auch der japanische Leitindex Nikkei 225 Ind. zeigt sich beflügelt.

Nach der strategischen Kehrtwende von Thyssenkrupp bringen sich die ersten Kaufinteressenten der Einzelsparten in Stellung, für den Fall, dass der Konzern unter Druck der Aktionäre zum Verkauf bereit ist. 

Die Allianz will laut Medienberichten über seine Investmenttochter Allianz X das Berliner Online-Portal Finanzen.de kaufen. 

Obwohl der Absatz im europäischen Ausland zum achten Mal in Folge sank, sah es für die deutschen Autobauer nicht schlecht an. Lediglich VW setzte im April 3,7 % weniger ab. Bei BMW stieg der Absatz um 7,7 % und bei Daimler um 5,4 %. 

Daimler konnte im Q1 ein Umsatzplus verzeichnen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging jedoch um 5 % zurück. 

Porsche SE konnte seinen Nettogewinn im Q1 um 1/5 auf 1,14 Mrd. € steigern. Damit beeindruckt der Großaktionär von VW allerdings die Anleger nicht. 

Sony und Microsoft bündeln ihre Kräfte in einer strategischen Partnerschaft und setzen damit Google und Amazon unter Druck. Die Zusammenarbeit umfasst das Streamen von Spielen und Inhalten. 

Der Flugzeugbauer Boeing hat das Software-Update für den 737 MAX fertig. Laut Boeing-Chef Dennis Muilenburg wird das 737 MAX "eines der sichersten Flugzeuge sein [...], das jemals geflogen ist". Das Update bedeutet jedoch nicht, dass das Flugverbot aufgehoben ist. 

 Der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont konnte sein operatives Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 um 5 % steigern. Auch die Dividende soll um 5 % steigen. 

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Auslandsfavoriten

Ausgabe_20_2019 | 15.05.2019

Konservativ

Aktie mit konservativem Potenzial

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Thema der Woche

Ausgabe_20_2019 | 15.05.2019

ES-Top Performer

Die Gewinner der Berichtssaison

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Randnotizen

Obwohl die Wurzeln der „Financial Times“ (FT) in Großbritannien liegen, ist nur ein Viertel der Leserschaft dort zu finden. Schon seit 40 Jahren verbreitet die Tageszeitung ihre Nachrichten überwiegend auf den internationalen Märkten. Die deutsche Ausgabe wurde jedoch 2012 eingestellt, nachdem sie zwölf Jahre lang hintereinander nur Verluste geschrieben hatte. Da es auf dem britischen Heimatmarkt auch nicht rund lief, verkaufte Pearson, der 60 Jahre lang Besitzer der lachsfarbenen Wirtschaftszeitung gewesen war, die Financial Times 2015 an die japanische Mediengruppe Nikkei Inc. 

Die Japaner setzten sich damals im Bieterkampf um die Financial Times mit einem Kaufpreis von 844 Mio. Pfund (umgerechnet 1,2 Mrd. Euro) gegen den Axel Springer Verlag durch, der ebenfalls mit geboten hatte. Hierzulande ist die Nikkei-Gruppe vor allem durch die Veröffentlichung des gleichnamigen Aktienindex (Nikkei 225) bekannt, der aus den Kursen ausgewählter Unternehmen der Tokioter Börse berechnet wird. Doch die Nikkei Inc. publiziert zudem auch eine Vielzahl an Zeitungen, Bücher und Zeitschriften und bietet außerdem digitale Medien, Datenbanken und Rundfunkdienste sowie andere Dienstleistungen an. 

Obwohl die FT nicht mehr in deutscher Sprache erscheint, wurde sie gerade hierzulande in den letzten Monaten besonders aufmerksam gelesen. Der Grund: die kritische Berichterstattung über den Zahlungsanbieter Wirecard des bis dahin unbekannten Journalisten Dan McCrum. Dieser veröffentlichte seit 2015 zunächst seine Artikel über den Zahlungsabwickler in seinem Blog „Alphaville“ als Serie unter dem Titel „The House of Wirecard“. Doch die Öffentlichkeit nahm kaum Notiz von seinen brisanten Geschichten zu den Geschäften des Unternehmens. Erst als McCrum im Februar 2016 in der regulären Ausgabe der Financial Times über Studienergebnisse eines völlig unbekannten „Research-Dienstes“ zu Wirecard berichtete, bekam er die gewollte Aufmerksamkeit – und die Wirecard-Aktie stürzte ab. Nachdem sich die Aktie bis 2018 wieder mühsam erholt hatte und sogar mit der Aufnahme in den deutschen Leitindex geadelt wurde, setzte der FT-Journalist erneut zum Angriff an und gab nun immer nur „scheibchenweise“ sein angebliches Wissen über Manipulation und Geldwäschegeschäfte bei Wirecard in den Markt. Die Wirkung blieb nicht aus: Von ihrem Hoch bei fast 200 Euro wurde die Aktie bis auf 86 Euro nach unten durchgereicht. Jeder neue Erholungsversuch scheiterte an einem neuen Artikel von McCrum. Wer in seinem Schlepptau sowohl in den Erholungsphasen als auch bei den Kurseinbrüchen der Aktie wie viel Geld verdient hat, ist nicht bekannt. Allein die Handelsvolumina lassen jedoch Milliardensummen vermuten.

Erst nachdem die BaFin dem Treiben durch ein Leerverkaufsverbot bis zum 18. April ein Ende setzte und die Vorwürfe durch einen unabhängigen Bericht weitgehend ausgeräumt werden konnten, kehrte Ruhe in den Aktienkurs ein. Just in diesem Moment wurde bekannt, dass die Beteiligungsgesellschaft Softbank Group – ebenso Japaner wie die Financial Times-Dachorganisation – mit 900 Mio. Euro bei Wirecard einsteigen will. Einer Mitteilung des DAX-Konzerns zufolge wollen die Japaner eine, über fünf Jahre laufende Wandelanleihe zeichnen, die ihnen in einem ersten Schritt rund 5,6 % an den Wirecard-Aktien sichern soll. Der Wandlungspreis wird bei 130 Euro liegen. Über die Ausgabe der Wandelschuldverschreibung muss jedoch erst die Hauptversammlung der Wirecard AG am 18. Juni 2019 entscheiden. 

Wirecard ist durchaus eine passende Karte in dem Pokerblatt der Japaner, die Verbindung macht Sinn. Softbank gehört mit seinem Fonds zu den größten Technologieinvestoren weltweit. Schon jetzt tummeln sich unter dem Dach der Holding mehr als 1.000 Tochtergesellschaften, darunter der amerikanische Mobilfunker Sprint (83 %), Yahoo Japan (48 %) und Alibaba (29 %), aber auch Nvidia, ARM und Uber. 

Allerdings bleibt ein Geschmäckle, wenn die von einem japanischen Presseorgan unter Druck gesetzte Wirecard nun mit dem Softbank-Konzern ausgerechnet einen japanischen Ankeraktionär erhält. Stellt sich also die Frage, ob die Japaner einfach nur clever gepokert oder falsch gespielt haben?

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In dem Verfahren der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank AG wegen der Postbankübernahme (Az.: 13 U 166/11) geht es nach Jahren der Stagnation nun Schlag auf Schlag:

Am 19. Februar 2019 hatte der Senat des Oberlandesgerichts (OLG) Köln in z.T. neuer Besetzung den Beschluss gefasst, im Rahmen der Beweisaufnahme nun doch endlich Zeugen zu vernehmen. Unter den 17 Namen finden sich alle, die seinerzeit bei den drei beteiligten Instituten zu den Entscheidungsträgern gehörten – von Stefan Krause als ehemaligen Finanzvorstand der Deutschen Bank AG, über Dr. Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG sowie den Ex-Postbankchef Dr. Wolfgang Klein bis hin zu Dr. Josef Ackermann, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG. Für die Zeugenvernehmung wurden schon zahlreiche Termine von Oktober bis Ende November 2019 bestimmt. Der Senat verfügte zudem, dass die Beweisaufnahme gemeinsam mit dem Parallelverfahren (vgl. „Das ist der Hammer“ ES 43/17) durchgeführt werden solle und er sich die Vorlage diverser Unterlagen oder jeweils von Teilen dieser Urkunden vorbehalte. 

Nach all den Jahren des erbitterten Kampfes um eine ordentliche Beweisaufnahme war schon dieser Beschluss eine kleine Sensation. Doch wie zu erwarten, wollten sich weder die Deutsche Bank noch die Zeugen dem einfach fügen. Stefan Krause wagte als Erster einen Vorstoß und beanspruchte unter Hinweis auf die gegen ihn und andere Beschuldigte eingereichte Strafanzeige das Recht zur Verweigerung einer Aussage, um sich nicht selbst zu belasten. Und tatsächlich: Mit Zwischenurteil vom 10. April 2019 entschied der 13. Zivilsenat des OLG Köln, dass der ehemalige Finanzvorstand der Deutschen Bank nicht als Zeuge auszusagen braucht. Interessant ist allerdings die gerichtliche Begründung hierfür. „Gegen den Zeugen war eine Strafanzeige eingereicht worden, die sich mit den Themenkomplexen befasst, die auch Gegenstand der beabsichtigten Zeugenvernehmung sind. … Seine Aussage stünde damit in einem so engen Zusammenhang mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen, dass der Zeuge zur Sache gar nicht auszusagen brauche“. 

Im Klartext: Das Gericht sieht offenbar einen Anfangsverdacht für eine Straftat als gegeben an. Dieser genügt, um eine Aussage gegen sich selbst in der Sache nicht machen zu müssen. Setzt man den Gedanken fort, könnte dies natürlich auch noch auf weitere der 17 Zeugen zutreffen, die das Gericht geladen hat. Doch der Senat will sich nach nunmehr neun Jahren Verfahrensdauer die Prozessführung nicht mehr aus der Hand nehmen lassen. Jedenfalls hat er nur kurze Zeit später nachgezogen und der Deutschen Bank per Beschluss vom 12. April aufgegeben, binnen drei Wochen folgende Unterlagen vorzulegen:

die Ursprungsvereinbarung vom 12.9.2008, die Nachtragsvereinbarung vom 14.1.2009, die Vereinbarung vom 22.12.2008 („Postponement Agreement“), den Pfandvertrag vom 30.12.2008 sowie den Zeichnungsvertrag zur Pflichtumtauschanleihe vom 25.2.2009. 

Der Senat behält sich zudem vor, zu den eigentlichen Urkunden ebenfalls noch die Vorlage der Anlagen einzufordern. Den ewig von der Deutschen Bank vorgebrachten Einwand der Schutzbedürftigkeit von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen lässt das Gericht nach all den Jahren nicht mehr gelten. Zudem werden die Ansprüche der Effecten-Spiegel AG und aller anderen Kläger ausführlich vom Senat begründet. So teilt der Senat eben nicht die Auffassung der Beklagten, dass dem Antrag auf Einsichtnahme in die Unterlagen „ins Blaue hinein aufgestellte Behauptungen zugrunde liegen“... „weil sich die Grundlagen für den von Klägerseite geltend gemachten Schadensersatzanspruch aus den genannten Urkunden ergeben können, sofern sie hinreichend sichere Rückschlüsse auf das von den Klägern behauptete acting in concert zulassen.“ 

Endlich muss die Deutsche Bank die Unterlagen auf den Tisch legen! Der Effecten-Spiegel wird natürlich in den nächsten Ausgaben über die weitere Entwicklung ausführlich berichten. Jetzt wird es richtig spannend!

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3D-Drucker fertigen Hüftgelenke, Zahnkronen, Hörgeräte, Spielzeug, Maschinen-, und Flugzeugteile, Roboter sogar ganze Autos. Warum also keine Häuser? 

Es war ein Erdbeben, das den französischen Professor Benoit Furet auf die Idee brachte, ein Haus aus dem 3D-Drucker zu konstruieren. Denn nach der Naturkatastrophe in Neapel 2015 brauchten die Menschen binnen weniger Stunden ein neues Dach über dem Kopf. Was zunächst als notdürftige Behausung gedacht war, ist inzwischen ein lebenswertes Projekt in einem weltweiten Wettstreit. Denn inzwischen gibt es rund um den Globus Baustellen, auf denen riesige Materialdrucker Beton zu Wänden und schließlich zu Häusern schichten – schneller und billiger als mit herkömmlicher Technik. 

Im niederländischen Eindhoven wird derzeit eine ganze Wohnsiedlung aus dem Drucker errichtet. Schon 2017 hatte das dänische Start-up 3D-Printhuset in Kopenhagen in zwei Tagen einen 50 Quadratmeter großen Büropavillon gedruckt. Und seit einem Jahr bietet die chinesische Firma WinSun gedruckte Fertighäuser an. Die günstigsten Wohnhäuser gibt es schon für umgerechnet 5.000 Euro. Erst kürzlich druckte das Unternehmen in einem Industriepark eine zweistöckige Villa mit insgesamt 1.100 Quadratmeter Wohnfläche. Für die Füllmasse wurde Bau- und Industrieschutt verwendet, der so recycelt wird. Der Bauschutt, schnell trocknender Zement und ein spezielles Härtungsmittel werden gemischt und erhitzt und durch Kanülen geleitet. Düsen spritzen dann auf den Millimeter genau die vom Computer entworfenen Wände und Dachteile. Der Druckprozess dauert einen Tag. Dann werden die Elemente an herkömmliche Stahlträger gesteckt, mit Drahtgestellen verbunden, die Hohlräume mit Isolierstoffen gefüllt und Fenster eingebaut. Das braucht weitere fünf Tage. Nach dem gleichen Prinzip baute WinSun jetzt einen fünfstöckigen Wohnblock. Er ist das bislang größte Objekt aus einem 3D-Drucker. 

„Bis man hierzulande ein komplettes Haus aus einem Guss drucken kann, wird es noch einige Jahre dauern“, sagt Klaudius Henke, Architekt am Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion der Technischen Uni München. Dennoch sieht auch er die Zukunft im 3D-Druck. „Man spart Material, das kostet weniger und schont die Umwelt.“, sagt er. „Außerdem können wir beim Druck schon Dämmmaterial einbauen oder Schächte und Kanäle für Lüftung, Wasser und Strom, und man kann die Bauteile individuell gestalten.“ Nicht nur Henke und sein Team versuchen, die perfekte Zusammensetzung für den druckbaren Baustoff zu finden. Denn fast überall wird im additiven Schichtbauverfahren gedruckt, bei dem das Material Schicht für Schicht aufgebracht wird. Es muss also zunächst flüssig sein, schnell aushärten, aber biegsam sein und viel Zugkraft aushalten. In Henkes „Druckertinte“ ist neben Zement und Wasser noch Holz, was die Teile leichter macht und gleichzeitig dämmt. Im französischen Nantes setzt man auf Kunstharzschaum, der zunächst den Beton in Form hält und später als Dämmung dient. Obwohl aber bisher immer noch die tragenden Elemente das Hauptproblem sind, soll in Dubai jetzt der erste 3-D-Wolkenkratzer gedruckt werden. Saudi-Arabien hat angekündigt, in den kommenden Jahren 1,5 Mio. Wohnungen zu drucken. In Eindhoven soll spätestens 2024 die Siedlung fertig und der Hausdruck massentauglich sein. Weltweit wird der Betondruck-Branche bis 2023 ein Wachstum um 317 % auf knapp 1,5 Mrd. Euro zugetraut. 

Die digitale Revolution hat endlich auch den klassischen Hausbau erreicht und wird in der Baubranche keinen Stein auf dem anderen lassen. Neue Materialien und Techniken werden ebenso erforderlich sein wie die Veränderung von Arbeitsprozessen. Das wiederum wird neue Berufszweige und Zulieferbranchen hervorbringen, was auch Anlegern neue Investitionschancen bietet. Zudem werden Kosten und Ressourcen geschont und vielleicht auch Wohnen wieder bezahlbar gemacht. Doch noch schöner ist die Vision, dass sich durch Krieg oder Naturkatastrophen zerstörte historische Altstädte schneller wieder aufbauen ließen und kommunale Schmuddelecken einfach neu gedruckt werden könnten.

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Spezial

„Die Stahlfestung wankt“ schrieb der ES in Ausgabe 29/18, nachdem ThyssenKrupp sowohl seinen langjährigen CEO Hiesinger als auch seinen Aufsichtsratschef Ulrich Lehner verloren hatte. Zu den Problemen im operativen Geschäft gesellten sich nun auch noch ein kopfloses Management, eine unberechenbare Großaktionärin in Person der Mathematikprofessorin Gather sowie zwei aktivistische Investoren (vgl. ES 35/18). 

Kein Wunder also, dass namhafte Kandidaten für den Vorsitz im Aufsichtsrat dankend abwinkten. Was wohl Berthold Beitz dazu sagen würde, dass ihm letztlich Bernhard Pellens, Lehrstuhlinhaber für Internationale Unternehmensrechnung an der Universität Bochum, nachfolgt. 

Ex-Finanzchef Guido Kerkhoff bleibt weiterhin Vorstandschef und wird nun die Aufspaltung des Traditionskonzerns in die beiden börsennotierten Unternehmen „ThyssenKrupp Materials AG“ (Stahl, Werkstoffhandel, Großwalzlager- und Schmiedegeschäft) und „ThyssenKrupp Industrials AG“ (Anlagen, Autozulieferer, Aufzüge) umsetzen. Dass der Aufsichtsrat den Teilungsplan quasi durchwinkte, war letztlich absehbar. Schließlich hatte die Krupp-Stiftung, die mit 21 % größter Anteilseigner ist, schon ihre Zustimmung signalisiert. 

Die Idee der Krupp-Satzung, den Konzern als Ganzes zu erhalten, ist damit zwar weit weg, aber immerhin ist „Teilen“ besser als „Ausschlachten“.

 

 

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Mit der biblischen Prophezeiung: „Die fetten Jahre sind vorbei“, legte Bundesfinanzminister Olaf Scholz Anfang des Jahres seine Entwürfe für den Bundeshaushalt 2020 und die langfristige Finanzplanung bis 2023 vor, die am 20. März beschlossen wurden. Und in der Tat, die Parallelen zur Bibelgeschichte, wonach die sieben mageren Kühe die fetten auffraßen und daraufhin sieben schwere Jahre des Hungers folgten, sind unverkennbar: Heute treibt der magere Bund ungezügelt die Ausgaben in die Höhe, und zwar auf Kosten der Steuerzahler. 

Während die Investitionsquote bis 2023 kontinuierlich abgesenkt wird, erreichen die Subventionen gigantische Dimensionen. Für diesen Rausch der Ausgaben werden die Steuerzahler gnadenlos geschröpft. Denn es ist nicht ihre Aufgabe, den Pay-TV Sendern hierzulande die Produktion von guten Filmen und Serien zu finanzieren. Fakt ist aber, dass mittlerweile fast alle der in Deutschland produzierten Spielfilme vom Steuerzahler mitfinanziert werden. Allein 2019 stehen dafür rund 125 Mio. Euro zur Verfügung. 

Und wer Elektroautos bauen und daran verdienen will, soll gefälligst auch die E-Zapfsäulen dafür bezahlen. Schließlich haben die Automobilbauer in den vergangenen Jahren schon 1,3 Mrd. Euro für die Weiterentwicklung der Elektromobilität inkl. Batterieforschung kassiert, 420 Mio. Euro für die Entwicklung von Brennstoffzellen und 32 Mio. Euro für die Verbesserung der Abgasreinigung bei Dieselmotoren. Nun bekommen sie nochmals Fördergelder für das Zubehör und klimagerechte Umrüstungen. So erhält z.B. der VW-Konzern 600.000 Euro, weil er rund um seinen Firmensitz Wolfsburg mehrere E-Schnellladestationen baut. Audi bekommt insgesamt 496.890 Euro an Steuergeldern, um damit die Kälteanlagen und Transformatoren am Heimatstandort zu erneuern und den eigenen Stromverbrauch zu senken. 

Besonders großzügig aber verteilt die Regierung die Steuergelder in den eigenen Reihen. Trotz ohnehin schon geltender Unkündbarkeit der Staatsdiener und einer durchschnittlichen Pension von 3.090 Euro für Bundesbeamte sollen bis 2023 mehr als 800 Mio. Euro in weitere Arbeitsanreize gesteckt werden. Konkret geht es um Stellen- und Familienzuschläge, Personalgewinnungs- und anschließend Bindungsprämien sowie Umzugskostenvergütungen. In den Jahren danach schlagen dann jeweils mehr als 100 Mio. Euro dafür zu Buche. Nicht zu vergessen, dass die wachsende Zahl von Beamten ohnehin schon enorme Zukunftsbelastungen in Form von Pensions- und Beihilfeverpflichtungen mit sich bringt. Zudem gibt es knapp 26.000 Beschäftigte in den obersten Bundesbehörden und Gerichtshöfen, die eine sog. Ministerialzulage erhalten. Sie ist ein Relikt aus der Weimarer Zeit und kostet rund 44 Mio. Euro pro Jahr. Auffällig hoch ist auch das sog. Sachleistungskonto der Bundestagsabgeordneten. Dieses Extra-Budget von 12.000 Euro jährlich steht jedem Parlamentarier zusätzlich zur ohnehin schon steuerfreien Kostenpauschale von 53.017 Euro zu. Mit diesen steuerfinanzierten Mitteln dürfen sie Büromaterial kaufen, aber auch Smartphones, Tablets, Kaffeevollautomaten oder Fernseher. Ob diese dann tatsächlich für das Amt genutzt werden oder ausschließlich privat oder sogar von jemand anderem, wird nicht kontrolliert. Darüber hinaus dürfen die Abgeordneten diese Gegenstände selbst dann behalten, wenn sie aus dem Bundestag ausscheiden. 

Von all diesen Vorzügen profitieren wohlgemerkt nicht Diejenigen, die wirklich jeden Tag dem Allgemeinwohl des Staates dienen: die Erzieher oder Pflegekräfte in Kinder-, Kranken-, Alten- und Pflegeeinrichtungen, die Nothelfer, Feuerwehrleute und Polizisten, die bei ihren Einsätzen auf der Straße und in Stadien neuerdings sogar Gewalt gegen sich erfahren. Davon profitieren ausschließlich unsere unfähigen Politiker, die auch noch Berater bezahlen, die ihnen sagen, wie sie das Steuergeld am unsinnigsten verprassen. Die Regierung hat inzwischen zugeben, seit 2014 mindestens 716 Mio. Euro für mehr als 3.800 Beraterverträge ausgegeben zu haben. Die Beraterkosten im Innenministerium und den nachgeordneten Behörden kletterten zwischen 2014 und 2017 von 10,5 Mio. auf satte 66,3 Mio. Euro. 

Hoffentlich bewahrheiten sich nicht auch die sieben biblischen Hungerjahre für das Volk!

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Kaum ein Thema, abgesehen von Bitcoin, hat in den vergangenen Jahren für so viel Wirbel am Markt gesorgt wie Cannabis. Zum Teil vierstellige Renditen konnten Anleger zeitweise einfahren. Der Markt boomt! Zeit, sich die vielversprechendsten Cannabis-Titel einmal genauer anzusehen. 

Zwei Jahre nach der Liberalisierung von medizinischem Cannabis in Deutschland ist die Nachfrage so hoch wie nie zuvor. 2018 gaben Apotheken rd. 145.000 Einheiten cannabishaltiger Produkte auf Rezept aus. Das ist knapp dreimal so viel wie im vergleichbaren Zeitraum 2017. Während in Deutschland dennoch auf die „grüne Revolution“ gewartet wird, sind die USA und Kanada schon weit voraus. Bereits seit 2001 ist die medizinische Nutzung von Cannabis in Kanada legal. Seit Oktober 2018 ist sogar der Freizeitkonsum erlaubt. Auch in den USA ist das „Kiffen“ bereits in zehn Bundesstaaten straffrei. In mehr als 30 erhalten etwa Schmerz- oder Krebspatienten Marihuana auf Rezept. Auf europäischem Boden waren die Niederländer Vorreiter. Hier ist die Therapie mit medizinischem Marihuana seit März 2003 erlaubt, es wird seit dem 1. September desselben Jahres legal in Apotheken verkauft. Langfristig gesehen bietet vor allem der US-Markt das größte Wachstumspotenzial. Experten zufolge soll das Volumen bei medizinischem Marihuana von 10–11 Mrd. $ in 2018 auf 24–40 Mrd. $ bis 2021 ansteigen. Kein Wunder also, dass die meisten „Hot Stocks“ der Cannabis-Industrie auf dortigem Boden gewachsen sind. 

Das Branchenschwergewicht ist nach wie vor die kanadische Canopy Growth (CA1380351009) mit einer akt. Marktkapitalisierung von 20,9 Mrd. CAD. Das 2014 gegründete Unternehmen ist einer der führenden Anbieter von medizinischem Cannabis auf dem nordamerikanischen Markt. Neben dem Heim- und Kernmarkt ist das Unternehmen bereits in 11 weiteren Ländern wie z.B. Australien, Spanien, Dänemark oder Deutschland aktiv. Hier sicherten sich die Kanadier jüngst den führenden deutschen Hersteller von Verdampfern, Storz & Bickel, für 145 Mio. €. Zwar stand nach den ersten 9 Monaten 2018/19 investitionsbedingt mit –1,45 $ je Aktie zwar noch ein Verlust in den Büchern, der Umsatz konnte mit gut 132,3 (55,1) Mio. $ jedoch mehr als verdoppelt werden. Zudem verfügt Canopy mit 7,42 (1,24) Mrd. $ per 31. Dezember über ein durchaus komfortables Finanzpolster. Ende 2017 sorgte der Einstieg von Constellation Brands („Corona“) für deutlichen Kursauftrieb. Mitte August 2018 erhöhte der Getränkeriese seinen Anteil auf ganze 38 %. Darüber hinaus sicherte sich Constellation Brands rd. 140 Mio. Warrants mit dem Recht, diese in die entsprechende Anzahl Aktien umzuwandeln. Damit könnte der Anteil sogar zu einer Mehrheitsbeteiligung von über 50 % anwachsen. Gemeinsam wollen die beiden Konzerne u.a. cannabishaltige Biere und Softdrinks entwickeln. Mit der Zusammenarbeit öffnet sich für Canopy Growth ein weiterer Milliardenmarkt. Canopy Growth kann mit einer hervorragenden Marktpositionierung und guten Finanzreserven überzeugen. Hier kann man durchaus einen genaueren Blick wagen. 

Ebenfalls in Kanada beheimatet ist Aurora Cannabis (CA05156X1087). Das Unternehmen deckt die gesamte Wertschöpfung ab: Vom Anbau über die Produktion bis hin zur Kundenbetreuung. Mit einer jährlichen Produktionsleistung von 120.000 kg ist das Unternehmen auf Platz 2 der weltweiten Cannabis-Produzenten. Bis Mitte nächsten Jahres soll die Produktionskapazität auf ganze 500.000 kg anwachsen. Das ambitionierte Wachstumsziel will Aurora vor allem dank einer aggressiven Expansionsstrategie stemmen. In den letzten anderthalb Jahren hat der Cannabis-Hersteller einige Konkurrenten geschluckt, darunter den Anbieter und Produzenten von medizinischem Marihuana, MedReleaf. Insgesamt 3,2 Mrd. CAD in eigenen Aktien bot Aurora Mitte 2018 letztlich für die Übernahme auf. Das war bis dato einer der größten Deals in der Cannabis-Branche. Besonders aktiv ist Aurora auf internationaler Ebene. Das Unternehmen ist bereits Marktführer auf dem europäischen Markt für medizinisches Marihuana. Laut Q2-Bericht sollen bereits gut 6 % der Gesamtumsätze aus Europa stammen. Und die Expansion geht weiter. Erst vor wenigen Tagen hat Aurora Cannabis die Lizenz zum Verkauf seines Cannabisblüten-Vollextrakts Pedanios 5/1 auf dem deutschen Markt erhalten. Das Öl wird u.a. in der Schmerztherapie eingesetzt. Zwar ist auch Aurora Cannabis noch nicht profitabel, Ende 2018 verfügten die Kanadier jedoch über einen durchaus ansehnlichen Cash-Bestand von 88,2 Mio. CAD. Aurora Cannabis „berauscht“ Anleger mit spannenden Zukunftsperspektiven.

Abseits des nordamerikanischen Marktes haben es Rausch-Anbieter derzeit noch schwer, sei es aus politischen oder rechtlichen Gründen. Das britische Biopharmaunternehmen GW Pharmaceuticals (US36197T1034) hat es dennoch geschafft, sich auf dem hartumkämpften Markt zu etablieren. GW Pharmaceuticals ist für sein Multiple-Sklerose-Behandlungsprodukt Nabiximole bekannt. Es war das erste natürliche Cannabis-Pflanzen-Derivat, das in jedem Land die Marktzulassung erhielt. Aber der vielleicht größte Erfolg für die legale Marihuana-Industrie war die Zulassung Epidiolex durch die amerikanische Food and Drug Administration im Juni 2018. Das von GW aus Cannabis abgeleitete Hauptmedikament (Cannabidiol) überzeugte in mehreren Studien, in denen es bei zwei seltenen Arten von Epilepsie im Kindesalter zu einer statistisch bedeutenden Reduzierung der Anfallshäufigkeit im Vergleich zur Ausgangsbasis und zu einem Placebo-Medikament führte. Die Kosten für die Herstellung des Medikaments sind jedoch noch enorm, das Unternehmen daher, ebenso wie die Konkurrenz, noch lange nicht profitabel. Darüber hinaus ist der Aktienkurs bei GW Pharmaceuticals bereits hochgelaufen. Anleger sollten daher einen Rücksetzer abwarten. 

Wer nicht direkt in einen reinen Cannabis-Hersteller investieren will, wirft einen genaueren Blick auf die Aktie von AbbVie (US00287Y1091). Das Biotechnologie- und Pharmaunternehmen wurde 2013 von Abbott Laboratories abgespalten. Abbvie ist auf die Erforschung und Entwicklung innovativer Arzneimittel für einige der komplexesten und schwerwiegendsten Krankheiten der Welt spezialisiert. Mit einer Marktkapitalisierung von 114,4 Mrd. $ ist das Unternehmen bereits ein Branchenschwergewicht. Mit Marinol hat das Unternehmen ein Cannabis-Medikament im Portfolio, das u.a. bei Chemotherapien gegen Übelkeit zum Einsatz kommt. Den Großteil seiner Einnahmen generiert AbbVie mit Krebsmedikamenten – und das mehr als erfolgreich. Im Geschäftsjahr 2018 erzielte das Unternehmen einen Nettogewinn von 5,69 (5,31) Mrd. $. 

Nach der ersten Konsolidierungswelle sind viele der einst hochgelobten Cannabis-Aktien wieder vom Markt verschwunden (vgl. ES 46/14). Die verbliebenen Unternehmen entwickeln sich langsam vom hochspekulativen Investment zu einer interessanten Chance, im Medizinsektor in einen Milliardenmarkt einzusteigen.

 

 

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In der letzten Ausgabe hatte der ES die Dividendenkönige unter den deutschen Small Caps vorgestellt. In den Depots deutscher Anleger sind aber natürlich auch viele ausländische Titel zu finden. Denn gerade ausländische Unternehmen zählen seit Jahrzehnten zu den beständigsten und großzügigsten Dividendenzahlern. Doch auf den deutschen Aktionärskonten geht oft nur ein Bruchteil von den Rekordausschüttungen ein.

Angesichts jahrelanger Nullzinspolitik legen inzwischen neben Investoren vermehrt auch bislang hartnäckige Festgeldsparer ihr Geld in dividenden-starke Aktien an. Dabei lohnt häufig ein Blick über die Landesgrenze (vgl. auch ES 9/2017). Denn im Ausland sitzen etliche Gesell-schaften, die ihren Aktionären seit Jahren hohe Dividenden zahlen. Doch davon kommt nur ein Bruchteil auf dem Konto der deutschen Anleger an, der größte Teil landet beim ausländischen Fiskus. Und das, obwohl Steuerzahler hierzulande seit Anfang 2009 auf sämtliche Veräußerungsgewinne, Dividenden und Zinsen schon eine pauschale Abgeltungssteuer von 25 % zahlen. Zusätzlich gehen dann noch 5,5 % als Solidaritäts-zuschlag ab, außerdem eventuell Kirchen-steuer (s. auch ES 22/2017).  

Die Steuer wird direkt an der Quelle der Einkünfte abgezogen, also in dem Land, in dem die Einkünfte entstehen. D.h., die auf die Dividende anfallende Steuer wird nach Eingang der Zahlung vom depotführenden Kreditinstitut direkt einbehalten und an das zuständige Finanzamt abgeführt. Besitzt der Anleger ausländische Wertpapiere, greift dann noch zusätzlich der Fiskus des jeweiligen Heimatlandes zu. So kommt es zu einer doppelten Steuerbelastung für den Anleger (25 % Abgeltungsteuer in Deutschland und Quellensteuer im Ausland). 

Die Quellensteuer ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich hoch. In der Schweiz liegt sie z.B. bei saftigen 35 %, in den USA, Finnland, Belgien und Schweden jeweils bei 30 % (vgl. Tabelle 2). 

Deutschland hat mit vielen Staaten sog. Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen. Gemäß DBA kann die ausländische Quellensteuer auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet werden, und zwar maximal bis zu einer Höhe von 15 %. Alles, was an Quellen-steuer darüber hinaus-geht, müssen sich die Anleger beim Auslands-fiskus zurück-holen. Das ist mühsam, langwierig und teuer. Daher sind Aktien der Länder vorteilhaft, die entweder gar keine Quellen-steuer erheben (z.B. Großbritannien und Zypern) oder nur bis zu 15 % (z.B. Nieder-lande, Japan oder Russland). 

Aber: 25 % Abgeltungsteuer (plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) müssen immer bezahlt werden, auch wenn der ausländische Steuersatz niedriger ist. Unter dieser Quote kommt hierzulande keiner davon. 

Unser Nachbarland Frank-reich hat Anfang 2018 seine Quellen-steuer auf Ausschüttungen von bisher 30 % auf 12,8 % gesenkt (vgl. Tabelle 2). Das klingt zunächst gut, ist aber in der Praxis noch komplizierter als vorher und macht französische Dividendentitel letztlich unattraktiver. Der Steu-ersatz von 12,8 % gilt nämlich nur für Nicht-Franzosen. Die Wertpapierlagerstellen wissen aber nicht, in welchem Land der Anleger steuerpflichtig ist. Daher ziehen sie weiterhin generell 30 % ab. Davon werden natürlich auch nur die 12,8 % und nicht mehr
15 % auf die deutsche Abgeltungsteuer von 25 % angerechnet. Der Anleger bleibt also zunächst auf den restlichen 17,2 % sitzen. Er muss sich diesen Betrag bei der ausländischen Finanzbehörde selbst zurückholen. Und ausgerechnet in Frankreich ist dieses Verfahren komplizierter als in anderen EU-Staaten. So nehmen die Franzosen den Antrag auf Rückerstattung überhaupt nur an, wenn er über die depotführende Bank eingereicht wird und die deutsche Lager-stelle (Clearstream in Frankfurt) bestätigt, dass die Aktien in einem deutschen Depot verwahrt werden. Dieser Vorgang ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer, denn die Banken lassen sich ihre Dienste stattlich entlohnen (vgl. Tabelle 2). Hat der Anleger dann seine Ansprüche endlich durchgesetzt, dauert es meist Jahre, bis er tatsächlich sein Geld wiedersieht.

Die Rückerstattung der zu viel gezahlten Quellensteuer muss immer bei der Steuerbehörde des jeweiligen Landes beantragt werden. Aber selbst innerhalb der EU gibt es noch immer kein einheitliches Antragsverfahren. Auch gelten je nach Land unterschiedliche Verjährungs-fristen von zwei bis vier Jahren ab Dividendenzahltag. Das Bundeszentralamt für Steuern hat auf seiner Internetseite www.bzst.de unter „Steuern International“ die entsprechenden Formulare und Anschriften aller ausländischen Finanzbehörden zusammengestellt. 


Die Formulare sind jedoch zumeist in der Landessprache oder in Englisch auszufüllen. Auch die wenigen deutschen Erläuterungen sind kaum verständlich und noch dazu unübersichtlich. Das Schweizer Formular lässt sich zwar leicht ausfüllen, allerdings braucht man dafür das Zusatzprogramm „Snapform Viewer“. Nach dem Ausfüllen muss dann zunächst das Formular an das eigene deutsche -Finanz-amt geschickt werden. Dieses muss mit amtlichem Siegel bestätigen, dass der Anleger in Deutschland als Steuerzahler registriert ist. Erst dann kann das Erstattungsformular zusammen mit dem Dividendenbeleg und dem „Tax Voucher“ der Depot-bank an die Schweizer Finanzbehörde verschickt werden. Beim Tax Voucher kassieren einige Banken richtig ab (vgl. Tabelle 1). Erfolgt die Erstattung dann in Regionalwährung, verlangen manche Banken nochmals für den notwendigen Währungs-tausch in Euro eine Gebühr. 

Um diesen Aufwand zu umgehen, sollten Anleger versuchen, über ihre Depotbank einen Antrag auf Voraber-mäßigung zu beschaffen. Dabei wird den Steuerbehörden des jeweiligen Landes vor der Dividenden-auszahlung bescheinigt, dass ein in Deutsch-land ansässiger Investor die Dividende erhält und die Aktien im Inland verwahrt werden. Da der Kunde bei Depoteröffnung ohnehin eine Kopie seines Personalausweises vorlegen muss, um nachzuweisen, dass er als deutscher Staatsbürger gemeldet ist, kann theoretisch jede depotführende Bank diese Bescheinigung ausstellen. Doch wie so oft klaffen auch hier Theorie und Praxis weit auseinander. Viele Institute bieten den Service gar nicht an, andere verlangen dafür extra Gebühren. Und bei manchen Depotstellen muss man dafür eine komplexe DBA-Voll-macht ausfüllen. Die meisten deutschen Banken sind aber inzwischen zumindest bei der US-Steuerbehörde IRS als sog. „Qualified Interme-diary“ registriert und damit berechtigt, für deutsche Anleger auf US-Titel von vornherein nur 15 % Quellensteuer an den amerikanischen Fiskus abzuführen.

Wichtig: Die am Jahres-ende zu viel gezahlte Quellensteuer wird in der Jahressteuerbescheinigung ausgewiesen und kann über die Steuererklärung mit den Erträgen bei einer anderen Bank verrechnet werden. Ist das jedoch nicht möglich, verfällt die Verrechnungsmöglichkeit, denn eine Übertragung ins Folgejahr ist ausgeschlossen.

Anleger sollten ihre depotführende Bank unbedingt auf die ausländische  Quellensteuer ansprechen und abklären, ob und für welche Länder eine Vorabbefreiung oder eine automatische Steuererstattung angeboten wird und wie hoch die Gebühren sind.

 

 

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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