TOM TAILOR Holding SE

Der Vorstand der TOM TAILOR Holding SE steht kurz vor dem Abschluss einer Einigung mit den Konsortialbanken und dem Mehrheitsaktionär über die neue Finanzierungsstruktur. Angesichts der konstruktiven Gespräche in den letzten Wochen rechnet das Management in Kürze mit dem Abschluss eines Term Sheets mit den Konsortialbanken. Bis spätestens Ende Oktober 2019 soll dann auch die Vertragsdokumentation über die neue Kreditvereinbarung finalisiert werden. Die neue Vereinbarung sieht dabei eine Laufzeit bis Ende September 2022 vor. Bereits heute konnte der Vorstand die Verlängerung der Brückenfinanzierung mit den Konsortialbanken bis Ende Oktober 2019 erreichen. Auch das kurzfristige Darlehen des Mehrheitsaktionärs Fosun wurde verlängert. Sobald die Finanzierungsvereinbarung finalisiert ist, plant das Management die Jahresabschlüsse 2018 fertigzustellen.(ES - 17.9.2019 - 4:00 Uhr)

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CompuGroup Medical SE

In den vergangenen Monaten führte der Vorstand der CompuGroup Medical SE Gespräche zur Übernahme eines größeren HealthCare IT-Unternehmens außerhalb von Europa. Die nun beendeten Verhandlungen haben inklusive der Prüfung der Transaktion Kosten im niedrigen zweistelligen Millionenbereich mit sich gebracht. Diese Kosten werden vor allem den Ergebnisausweis des zweiten Halbjahres 2019 belasten. Aus diesem Grund reduziert der Vorstand die EBITDA-Prognose für das Gesamtjahr auf 175 bis 190 Mio. Euro. Zuvor hatte das Management ein EBITDA in der Größenordnung von 190 bis 205 Mio. Euro prognostiziert. Die Umsatzprognose von 720 bis 750 Mio. Euro bleibt dagegen unverändert.(ES - 16.9.2019 - 5:00 Uhr)

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Hesse Newman Capital AG

Derzeit befindet sich die Hesse Newman Capital AG zusammen mit dem Mehrheitsaktionär SBW Schweizer Beteiligungs-Werte AG in Gesprächen über den Verkauf des annähernd gesamten Geschäfts. Zusammen mit dem Interessenten haben alle drei Parteien ein Term Sheet vereinbart, mit dem Ziel einen umfassenden Geschäftsanteilskauf- und Übertragungsvertrag vorzubereiten. In diesem Rahmen sollen möglichst sämtliche Aktiva der Gesellschaft sowie die Rechte an der Firma "Hesse Newman" veräußert werden. Außerdem soll die SBW auch ihren 36-prozentigen Anteil an der Hesse Newman Fondsmanagement GmbH verkaufen. Nach erfolgreicher Transaktion soll die Betreuung der Hesse Newman Fonds ebenfalls auf den Interessenten übergehen. Die Gesellschaft soll an Erträgen aus der Veräußerung von Immobilien zweier Hesse Newman-Fonds beteiligt werden. Bei erfolgreicher Transaktion rechnet das Management insgesamt mit einem Ertrag im oberen einstelligen Millionenbereich.(ES - 13.9.2019 - 14:30 Uhr)

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ES-Aktienfavoriten

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Täglicher Börsenbericht

Die Bären sind los

Ölpreis schockt Anleger

Der Angriff auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien hat am Montag Morgen die Handelsplätze rund um den Globus erschüttert. In den ersten Handelsminuten schossen die Ölpreise um ganze 20 % nach oben – der stärkste Anstieg seit 1991! Neben dem Angriff selbst ist es vor allem der eskalierende Streit zwischen den USA und dem Iran, der Anleger in Unruhe versetzt. US-Präsident Donald Trump vermeldete bereits kurze Zeit nach der Attacke via Twitter, dass die USA Vergeltung für den Angriff verüben würden. Darüber hinaus machte er erneut den Iran verantwortlich. Zu den schlechten Nachrichten kommen auch noch negative Wirtschftsdaten aus China. Demnach habe sich der Handelsstreit bereits deutlich auf die Wirtschft des Landes ausgewirkt.

Auch von Unternehmensseite kommen erst einmal kaum positive Meldungen: So steht bei General Motors erstmals seit 2007 wieder ein Generalstreik an. Der Ausstand betrifft gut 48.000 Mitarbeiter.

In Australien hat sich VW grundsätzlich auf einen Vergleich mit Sammelklägern vor dem Hintergrund des Dieselskandals geeinigt. Die 100.000 australischen Kunden erhielten demnach je umgerechnet gut 870 €. Insgesamt beläuft sich das Volumen der Entschädigung damit auf 87 Mio. €.

Überraschend empfiehlt der Lichtkonzern Osram im Übernahmekampf die Offerte der österreichischen ams AG. Das Unternehmen bietet 38,50 € je Aktie oder insgesamt 4,3 Mrd. € und damit mehr als die 35 € der Investoren Bain Capital und Carlyle. Beide Angebote laufen noch bis zum 1. Oktober.

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Auslandsfavoriten

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Randnotizen

Am 1. September werden in Brandenburg und Sachsen neue Landtage gewählt, am 27. Oktober in Thüringen. Doch die Umfragen für die Große Koalition sind schlecht. Nach aktuellen Prognosen muss die CDU befürchten, bei der Landtagswahl in Sachsen von der AfD überholt zu werden. Die SPD kämpft danach sogar um ein zweistelliges Ergebnis. Auch in Brandenburg könnte die AfD stärkste Partei werden und damit die SPD ablösen, die nach den aktuellen Umfragen auch hier weit hinter der CDU landen würde. Um auf der Zielgeraden noch das Steuer herumreißen zu können, brachte jetzt das Bundeskabinett ziemlich überhastet den Vorschlag von Olaf Scholz zur Teilabschaffung des Soli auf den Weg, obwohl gerade die Union nicht überzeugt ist. Einige halten den Vorstoß sogar für verfassungswidrig. 

Dass die großen Parteien in letzter Sekunde mit dieser Taktik noch möglichst viele der rund 5,1 Mio. Wahlberechtigten in Sachsen und Brandenburg einfangen wollen, ist nur zu offensichtlich. Schließlich gehört der Solidaritätszuschlag zu den umstrittensten Steuern überhaupt, vor allem in Ostdeutschland. Obwohl diese Sondersteuer von 5,5 % auf die Körperschaft- oder Einkommensteuer als Aufbauhilfe Ost eingeführt wurde, musste sie von allen Bundesbürgern in West- und Ostdeutschland gleichermaßen bezahlt werden. Doch die Einnahmen flossen zum großen Teil gar nicht in die strukturarmen neuen Bundesländer, sondern in den Haushalt des Bundes. Denn trotz des schönen solidarischen Namens waren die Steuereinnahmen von Anfang an nie zweckgebunden. Allein im vergangenen Jahr spülte der Soli dem Staat 18,9 Mrd. Euro in die Kasse. 

Das hat vor allem die ostdeutschen Steuerzahler in Rage gebracht. Der Gesetzesentwurf zum Soli zielt daher genau auf diese Wählergruppe ab. Demnach sollen Ledige, die jährlich nicht mehr als 73.874 Euro brutto verdienen, keinen Soli mehr zahlen müssen. Danach folgt ein gleitender Anstieg. Bei einem Jahreseinkommen von über 109.451 Euro muss der volle Soli bezahlt werden. Ehepaare mit zwei Kindern sind bis zu einem gemeinsamen Brutto-Verdienst von 151.990 Euro pro Jahr vom Soli komplett befreit. Damit wird der Soli also zur verkappten Reichensteuer. Und um das Geld irgendwie wieder reinzubekommen, schiebt die SPD noch ein Konzept zur Wiedereinführung der Vermögenssteuer hinterher. Demnach sollen Grundbesitz, Immobilien, Unternehmensanteile und Barbesitz der ganz Reichen zusätzlich noch mit 1 bis 1,5 % besteuert werden.

Doch die Wahlgeschenk-Rechnung wird nicht aufgehen, denn weder eine verkappte Reichensteuer noch eine nachgeschobene Vermögenssteuer lösen die Probleme der Menschen in Ostdeutschland. Sie zeigen nur, dass die Politiker immer noch nicht kapiert haben, was die Wähler wirklich in die Arme der AfD treibt. Zudem werden nicht nur Millionäre weiterhin die Soli-Steuer zahlen müssen, sondern auch Normalverdiener sowie Personen- und kleine mittelständische Kapitalgesellschaften. Selbst die Mitglieder des Bundestags bezweifeln, dass ein solches Gesetz überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Bayerns CSU-Ministerpräsident Söder erklärte, dass nach Meinung seiner Experten „die Wahrscheinlichkeit, dass der Soli als verfassungswidrig eingestuft und ganz abgeschafft wird, als sehr, sehr hoch einzuschätzen“ ist. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) hat schon eine Musterklage eingereicht. Vertreten wird er von RA Michael Sell, der bis vor Kurzem noch als Abteilungsleiter für direkte Steuern im Bundesfinanzministerium tätig war. „Die Politik hat den Soli immer mit den Finanzhilfen für die neuen Länder verknüpft. Diese laufen zum Jahresende aus, ... der Soli hat keine Legitimation mehr“, so BdSt-Präsident Reiner Holznagel.

Die Politiker setzen also bewusst darauf, dass das Verfassungsgericht es schon irgendwie richten wird. Aber dann sind die Landtagswahlen eh lange vorbei, und die Meinung der Wähler für die nächsten Jahre ohnehin nicht mehr wichtig. Und dann bleibt da ja noch die Vermögenssteuer ... 

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Garantiefonds sind nicht nur bei risikoscheuen Anlegern beliebt, sondern sind auch ein gern gewählter Baustein in Lebens- und Rentenversicherungen. Denn das eingesetzte Kapital soll am Laufzeitende zum großen Teil oder sogar in Gänze „garantiert“ wieder an den Anleger ausbezahlt werden. Es besteht also quasi kein Verlustrisiko. Im Gegenteil, darüber hinaus gibt es sogar die Chance auf eine Wertsteigerung. Garantiefonds sind damit eine gute Alternative zum herkömmlichen Sparbuch. Aber wie soll das gehen?

Garantiefonds haben meist nur eine kurze Zeichnungsfrist und werden als geschlossene Fonds angeboten. D.h., ein zwischenzeitlicher Ein- und Ausstieg ist nicht möglich, der Anleger hat während der mehrjährigen Laufzeit keinen Zugriff auf sein Geld. 

Im Gegensatz zum Fondskäufer muss der Fondsmanager aber das Geld möglichst wertsteigernd anlegen, um sein Garantieversprechen einlösen zu können. Daher wird ein Teil des Geldes in renditestarke Papiere gesteckt, bei denen es aber auch mal größere Kursschwankungen geben kann. Denn je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Aber die Garantiefonds können nicht unbegrenzt ins Risiko gehen, sie müssen auch absichern. Daher wandert ein Teil des Kapitals in Anleihen, die über ihre Zinserträge einen Beitrag zur Absicherung des Garantiewerts leisten. 

Dieses Modell hat jahrelang gut funktioniert. Doch die Zinsen für Anleihen sind inzwischen generell in den Minusbereich gerutscht, das gilt nun auch für 30-jährige Bundesanleihen (vgl. ES 33/19). Damit fehlen den Fondsmanagern die Zinserträge der Anleihen, um eventuelle Verluste aus chancen- und damit auch risikoreicheren Wertanlagen wieder aufholen zu können. 

Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, zieht die Deutsche Bank-Tochter DWS nun die Reißleine und stellt eine ganze Garantiefonds-Familie komplett ein. Alle neun ausstehenden Teilfonds DWS Flexpension 2026 bis 2034 werden am 12. November zum Garantiewert liquidiert. Damit fließen die von den Fonds verwalteten knapp 2,6 Mrd. Euro wieder an die Kunden zurück. Sie müssen nun wieder selbst für ihre Altersvorsorge Rendite erwirtschaften und sollten dies auch tun. Garantien gibt´s zwar nicht mehr, aber gute Geldanlagen schon.

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Es geht wieder mal um Zinsen an den Aktienmärkten, dieses Mal aber um eine ganz bestimmte Zinsstruktur, die als inverse Zinskurve bezeichnet wird. Sie ist der Schrecken der Börsianer. Aber warum? 

Ähnlich wie früher bei Festgeldkonten steigt bei Anleihen mit der Laufzeit die Höhe der Verzinsung. D.h., je länger der Bond läuft, desto höher der Ertrag. Schließlich können die Anleger länger nicht auf ihr Geld zugreifen. Und wer dies für 10 Jahre oder sogar noch länger in Kauf nimmt, ist in der Regel davon überzeugt, dass in dieser Zeit nichts Gravierendes am Markt passiert: die Inflation nicht plötzlich ansteigt, der Emittent in keine Krise gerät und die Wirtschaft nicht einbricht. Wenn aber die Anleger im Umkehrschluss akzeptieren, dass der langfristige Zins unter dem kurzfristigen liegt, fürchten sie in absehbarer Zeit eine negative wirtschaftliche Entwicklung mit all den unangenehmen Nebenwirkungen.

In den USA war im März erstmals seit zwölf Jahren genau dieses Szenario eingetreten: Die Renditekurve der US-Staatsanleihen war invers. Ab dem 22. März überstieg die Rendite für dreimonatige US-Staatsanleihen für etwa eine Woche die für zehnjährige. Damit bekamen Anleger zum ersten Mal seit 2007 für kurzfristige Bonds mehr Zinsen als für langfristige. Am 14. August kam es noch dicker: An diesem Tag fiel erstmals seit 2007 die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen unter die der 2-jährigen. Und auch in Deutschland erreichte die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen mit –0,641 % ein neues Rekordtief. Daraufhin gingen auch die Aktienmärkte in die Knie. Der Dow Jones verlor an diesem Tag 800 Punkte. 

Um den Zustand der Wirtschaft zu beurteilen, schenken Ökonomen dem Spread zwischen den zehn- und zweijährigen Papieren besondere Aufmerksamkeit. Eine Studie der Notenbank von San Francisco besagt zudem, dass allen Rezessionen in den vergangenen 60 Jahren in den USA eine inverse Renditekurve vorausging. Seit 1955 hat jeweils eine inverse Zinskurve in sieben von neun Fällen einen Konjunkturabschwung korrekt vorhergesagt. Nur in zwei Fällen gab es ein Fehlsignal. Den genauen Zeitpunkt einer Rezession konnte die Zinskurve bislang jedoch nicht liefern. Mal waren es sechs Monate, ein anderes mehrere Jahre. Nach Untersuchungen der Schweizer Credit Suisse tritt eine Rezession durchschnittlich erst 22 Monate nach solch einer Zinskonstellation auf. Außerdem steige der S&P 500 im Jahr danach zunächst um 12 % an, bevor die Börsen dann ins Minus drehen würden. 

Momentan rührt die Angst vor einer Rezession wohl aus der Dauerschleife von politischen Unruheherden und Provokationen und der daraus resultierenden Sorge, dass diese über kurz oder lang die weltweite Konjunktur verlangsamen und schließlich einige Länder in die Rezession führen werden. Obwohl diese Befürchtungen nicht von der Hand zu weisen sind, ist die Lage nicht so schlecht wie sie scheint. In den USA und auch in Deutschland ist die Konjunktur noch robust und wächst, wenn auch langsamer. Der Arbeitsmarkt brummt. Zudem hat Donald Trump den Erfolg seiner Präsidentschaft untrennbar an eine florierende Wirtschaft und steigende Börsen geknüpft. Ein Konjunktureinbruch und ein schwacher Aktienmarkt in den USA würde die Chancen seiner Wiederwahl stark herabsetzen. 

Es dürfte daher in den kommenden Monaten seiner Taktik entsprechen, bei vielen außenpolitischen Entscheidungen zunächst Härte zu zeigen, um dann medial einige spektakuläre Deals präsentieren zu können. Mit dieser Vorgehensweise kann er auch die amerikanische Notenbank manipulieren, indem er zunächst die Feuer der Konfliktherde immer mehr anfacht und dann eine Zinssenkung einfordert, der die Fed dann auch nachkommen muss, sofern sie die Märkte stabil halten will. Allerdings muss Trump aufpassen, dass er den Bogen nicht überspannt. Das Wegkippen der US-Zinsstrukturkurve sollte daher dem Präsidenten eine viel deutlichere Warnung für seine gefährliche Hick-Hack-Taktik sein als den Anlegern.

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Mit Optionsgeschäften lassen sich mit geringem Einsatz gute Gewinne erzielen. In Zeiten stark schwankender Aktienmärkte können Anleger damit auch an fallenden oder seitwärts bewegenden Kursen Geld verdienen. Mit dem Kauf einer Option erwirbt der Anleger das Recht, am Ende der Laufzeit eine bestimmte Anzahl an Basiswerten (z.B. Aktien) zum vereinbarten Preis vom Verkäufer der Option zu kaufen („Call“) oder an ihn zu verkaufen („Put“). Diesem Recht steht die entsprechende Verpflichtung gegenüber, die Basiswerte zu liefern oder abzunehmen, wenn das Optionsrecht ausgeübt wird. 

Bei der steuerlichen Behandlung solcher Optionsgeschäfte hat die Bundesregierung nun erneut ihre Auffassung untermauert, dass Gewinne daraus zu besteuern sind, Verluste allerdings steuerlich nicht berücksichtigt werden. In der Antwort auf eine sog. „Kleine Anfrage“ der FDP-Fraktion erläuterte die Bundesregierung ihre Entscheidung damit, dass nach ihrer Ansicht die hochspekulativen Optionsgeschäfte aufgrund eines Urteils des Bundesfinanzhofes (BFH) bisher steuerlich günstiger behandelt wurden als dies im Unternehmensteuerreformgesetz 2008 ursprünglich beabsichtigt war. Mit einer Gesetzesänderung soll daher der ursprüngliche Zweck wiederhergestellt werden. Wörtlich heißt es: Wenn „der Steuerpflichtige das hochspekulative Risiko eines Optionsgeschäfts eingeht und hieraus Wertzuwächse erzielt werden, sind diese der Einkommensbesteuerung zu unterwerfen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Kapitalerträge über Gestaltungen mit diesen Derivaten der Besteuerung entzogen werden könnten“. Andererseits darf nach Ansicht der Bundesregierung beim Verfall einer Option die Allgemeinheit nicht mit den Kosten des Steuerpflichtigen belastet werden, wenn die Spekulation nicht aufgeht. Schließlich sei dem Anleger ja das Verlustrisiko bekannt, das er trotzdem bewusst eingeht. 

Diese Antwort zeigt erneut die politische Grundhaltung der Bundesregierung, wonach für sie alle Anleger am Finanzmarkt spekulative Zocker sind. Es ist unfassbar, wie viel Inkompetenz und unnötige Kosten die Politiker der Allgemeinheit täglich zumuten!

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Spezial

Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Erst im Juni hatte der ES in seiner Ausgabe 23/19 das Konzept für einen deutschen Staatsfonds vorgestellt. Als Vorbild gilt dabei Norwegen: Der norwegische Staatsfonds ist der größte staatliche Fonds weltweit. Er ist an 9.000 Unternehmen aus mehr als 70 Ländern beteiligt. Seit Auflegung 1998 bis Ende 2018 erzielte der norwegische Pensionsfonds jährlich eine durchschnittliche Rendite von 5,47 %. Formell ist das norwegische Finanzministerium Eigner des Fonds, aber eigentlich ist es die Bevölkerung des kleinen skandinavischen Landes. Denn der Fonds investiert die Einnahmen aus der staatlichen Ölförderung am Kapitalmarkt, um für schlechtere Zeiten vorzusorgen. Er ist weitgehend vor Zugriffen des Staates geschützt und veröffentlicht sein Vermögen transparent in Echtzeit im Internet. 

Der deutsche Staat könnte ebenso für seine Menschen vorsorgen. Er besitzt zwar kein Öl oder andere Rohstoffe, aber eine extrem hohe Bonität. „Das Öl der Deutschen“ ist das Vertrauen der Investoren in die Solidität der deutschen Staatsfinanzen. So bekommt die Bundesrepublik Deutschland von allen drei großen Ratingagenturen die bestmögliche Note überhaupt: S&P und Fitch jeweils „AAA“, Moody´s: „Aaa“. 

Die Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft drückte am 2. August die Rendite für 30-jährige Bundesanleihen nun erstmals in den Minusbereich, genauer gesagt auf –0,006 %. Damit sind sämtliche deutsche Staatspapiere für Anleger ein Verlustgeschäft. D.h., sie müssen noch etwas drauflegen, wenn sie Deutschland Geld leihen. Und dennoch reißen sie sich förmlich darum. Damit ist der jetzige Zeitpunkt für die Auflegung eines Staatsfonds geradezu perfekt. Der Bund könnte am Markt günstig Kapital aufnehmen und für seine Bürger gewinnbringend in Aktien, Immobilien und Anleihen weltweit anlegen. Jedes weitere Jahr könnte ein kleiner Prozentanteil des BIP als frisches Kapital dem Fonds zufließen. Die so erwirtschafteten Überschüsse werden dann den künftigen Jahrgängen beim Erreichen der Regelaltersgrenze von 67 Jahren in Form einer Kapitalleistung ausbezahlt. Wann also, wenn nicht jetzt?!

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Geschätzte 100 Mrd. Euro an schmutzigem Geld werden jedes Jahr in Deutschland gewaschen. Und selbst wenn die Fälle aufgedeckt und die Täter rechtskräftig verurteilt werden, kann man ihnen meist ihr illegal erworbenes Vermögen nicht nehmen. Damit zieht Deutschland Schwarzgeld aus dem Ausland an wie ein Magnet. Inzwischen ist Deutschland sogar Importweltmeister von kriminellen Vermögen. Illegale Gelder werden ins Land gebracht und dann vor allem in Luxusautos, Kunst, Kryptowährungen oder Gold und Silber angelegt. In Deutschland kann theoretisch jeder Geldbetrag in bar bezahlt werden. Drogenkartelle zum Beispiel besitzen ein gut organisiertes Netz von Geldwäschern in ganz Europa, die ständig unterwegs sind, um die Gewinne aus den illegalen Geschäften einzusammeln, nach Deutschland zu schaffen und dort teure Konsumgüter zu kaufen. 

Größere Beträge werden inzwischen zunehmend in deutsche Immobilien investiert. Der Sektor gilt als Einfallstor für internationale Geldwäsche. Nach Angaben von Transpar-ency International Deutschland werden auf diesem Weg 15 bis 30 % des schmutzigen Geldes gewaschen. Als Inhaber werden dann oft noch Verwandte oder ausländische Scheinfirmen eingetragen, was eine Beschlagnahmung nach deutschem Recht verhindert. Kontoverbindungen von Hartz-IV-Beziehern werden dabei nicht selten für Transaktionen im fünf- bis sechsstelligen Eurobereich genutzt. Auf diesem Weg werden von Kriminellen ganze Straßenzüge in deutschen Städten gekauft. Dadurch können verbrecherische Organisationen oder Mafia-Clans im schlimmsten Fall auch Einfluss auf die Wirtschaft oder die kommunale Politik ausüben.

Zwar hatte die Große Koalition schon in ihrem Koalitionsvertrag verankert, den finanziellen Schwarzgeldsumpf trockenzulegen, den entscheidenden Schritt hierfür auch angekündigt, ihn dann aber letztlich unterlassen: die Beweislastumkehr gesetzlich zu verankern. Bisher müssen nämlich die Strafverfolgungsbehörden nachweisen, dass die Geldsummen aus illegalen Geschäften stammen. Bei der Beweislastumkehr müsste dagegen die legale Herkunft des verdächtigen Bargeldes nachgewiesen werden. Doch bisher sind die Gesetze lückenhaft. Das nutzt die organisierte Kriminalität gezielt aus. 

Nun aber will der Rechtsstaat der organisierten Geldwäsche den Kampf ansagen. Zu diesem Zweck sollen mehr Berufsgruppen als bisher verpflichtet werden, einen Verdacht auf Geldwäsche bei den Behörden zu melden. Die Neuerungen zielen insbesondere auf Immobilien ab. So müssen Notare künftig die Behörden informieren, wenn ein Verdacht auf illegale Gelder besteht. Auch Auktionshäuser und Edelmetallhändler werden zu mehr Transparenz verpflichtet. Sie müssen in Verdachtsfällen künftig bereits ab einem Handelswert von 2.000 Euro Meldung erstatten. Bislang lag die Schwelle bei 10.000 Euro. Für Kunstvermittler und Kunstlagerstätten gilt die Grenze von 10.000 Euro. Immobilienmakler müssen die Financial Intelligence Unit (FIU) kontaktieren, wenn die monatliche Miete in einem Mietvertrag mehr als 10.000 Euro beträgt. Auch Anbieter von sogenannten elektronischen Geldbörsen, also Diensten, die das Verwahren von Kryptowährungen möglich machen, werden zum Vorgehen gegen Geldwäsche verpflichtet. Zudem soll das sogenannte Transparenzregister für alle Personen öffentlich gemacht werden. Daraus wird allgemein ersichtlich, wer etwa hinter einem Unternehmen als Käufer steckt.

Ziel dieser Neuerungen sei es, dass Deutschland „international die höchsten Standards beim Kampf gegen Geldwäsche haben wird“, sagte Finanzminister Olaf Scholz in einem Zeitungsinterview. Doch wie soll das gehen, wenn die Große Koalition ihr wichtigstes Versprechen im Kampf gegen die Kriminalität schon vor Jahren gebrochen hat? Denn solange der legale Erwerb von Vermögenswerten nicht nachgewiesen werden muss und diese somit auch nicht vom Staat einkassiert werden dürfen, bleibt Deutschland für alle Kriminellen das angesagteste Geldwäscheparadies weltweit. 

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Hitzerekorde, Wasserknappheit und streikende Jugendliche. Der Kampf ums Klima findet schon längst vor unserer eigenen Haustür statt und ist eine Jahrhundertaufgabe. Mit den „Saubermännern“ der Börse kämpfen Investoren nicht nur gegen die Erderwärmung, sondern auch für ein gutes Klima im Depot.

Seit dem 29. Juli lebt die Menscheit auf Pump. Es geht nicht um Geld, es geht um Ressourcen. Genau bis zu diesem Stichtag haben die Menschen weltweit so viel Ressourcen verbraucht, wie die Erde in einem ganzen Jahr erneuern kann. Der sogenannte „Earth Overshoot Day“ markiert diesen traurigen Stichtag. Wir stoßen mehr Kohlendioxid aus als Wälder und Ozeane absorbieren, fischen schneller als sich die Bestände erholen oder fällen mehr Bäume als nachwachsen können. Als würde dies nicht schon reichen, müllen wir unseren Planeten regelrecht zu. So landet laut der Natur- und Umweltschutzorganisation WWF etwa pro
Minute eine LKW-Ladung Plastik im Meer. „Wasserproben enthielten Rekordmengen bedenklichen Mikroplastiks ... “, hieß es im WWF-Report des vergangenen Jahres.

Die Folgen dieser Maßlosigkeit bekommen wir deutlich zu spüren. Am 24. Juli wurde mit 40,5 Grad Celsius hierzulande ein neuer deutscher Hitzerekord gemessen. Die ersten Gemeinden sprachen bereits von Wasserknappheit – einen Zustand, den man wohl bislang eher mit Entwicklungsländern verbunden hat.

Der Druck wächst, und das Thema Umweltschutz wuchert in Politik und Gesellschaft. E-Mobilität überrollt gerade eine der deutschen Schlüsselindustrien. Gut eine Billion Euro dürfte die Energiewende kosten. Großkonzerne rechnen allein in den nächsten 5 Jahren weltweit mit Kosten in hoher dreistelliger Milliardenhöhe durch den Klimawandel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder möchte sogar den Klimaschutz im Grundgesetz verankern. Vor allem um die CO2-Bepreisung tobt eine heiße Debatte. Das Klimakabinett der Bundesregierung will am 20. September ein Gesamtpaket beschließen. Es soll sicherstellen, dass Deutschland verbindliche internationale Klimaziele einhält. Diese werden zurzeit allesamt weit verfehlt. Zumindest soll das Ziel, im Jahr 2030 mindestens 55 % weniger Treibhausgase als 1990 auszustoßen, erreicht werden. Gleich mehrere Modelle werden durchgespielt. Neben einer CO2-Steuer wird auch die Bepreisung mittels Zertifikatehandel diskutiert. Anreizsysteme für Investitionen in neue Technologien sind ebenso im Gespräch. Derzeit ist noch völlig unklar, welches Modell zuletzt umgesetzt wird. Eine europäische Lösung wäre sicherlich einer nationalen vorzuziehen. Davon ist die Politik derzeit aber weit entfernt.

Viel Aufmerksamkeit erhält insbesondere die „Fridays for Future“-Bewegung der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. Die Jugendbewegung, die seit Dezember 2018 für Schlagzeilen sorgt, wird von allen Seiten umgarnt. Fachleute sprechen schon von einem „Greta-Effekt“ und vergleichen diesen mit dem Atomunglück von Fukushima. Die Katastrophe hatte bekanntermaßen im Jahr 2011 zu einem beispiellosen Aktionismus in Sachen Energiewende in Deutschland geführt. Doch den großen Unternehmen blies auch schon vor den Freitagsdemos der Gegenwind kräftig ins Gesicht. Kunden, Mitarbeiter, sogar Zentralbanker und auch Investoren fordern bereits seit Jahren ein Umdenken in den Führungsetagen in Richtung Nachhaltigkeit. Kaum eine Hauptversammlung vergeht inzwischen ohne kritische Aktionärsfragen zum Thema Umweltschutz. Allerdings wird es den Anlegern gar nicht so einfach gemacht, nachhaltig zu investieren. Es wuchert ein regelrechter Dschungel an Nachhaltigkeitsindizes und -fonds. Rein rechtlich darf sich schließlich jeder nachhaltig nennen, wenn er das möchte. 

Ein wenig konkreter ist es beim BNP Paribas Easy Low Carbon 100 Europe-Fonds (ISIN LU1377382368). Waffen-, Tabak- und Rüstungskonzerne haben hier keine Chance, aufgenommen zu werden. Der Aktienfonds bildet die Wertentwicklung des Low Carbon 100 Europe (NTR) Index nach, der sich aus den 100 liquidesten Unternehmen unterschiedlicher Branchen zusammensetzt. Auswahlkriterien sind Transparenz hinsichtlich der globalen Erderwärmungspolitik sowie Engagement in effiziente und grüne Energieaktivitäten. Zu den größten Positionen gehören Roche, Veolia, Airbus, SAP, Unilever, Reckitt Benckiser oder auch Diageo und UPM Kymmene. Der Indexfonds ist thesaurierend und über die deutschen Börsenplätze handelbar. 

Wer einen ausschüttenden Fonds sucht, ist bei Ak-tien Nachhaltigkeit International (ISIN: DE000A2JF7E4) richtig. Der aktiv gemanagte Fonds trifft die Aus-wahl seiner internationalen Wert-pa-pie-re un-ter Be-rück-sich-ti-gung von öko-lo-gi-schen, so-zia-len und die Un-ter-neh-mens-füh-rung be-tref-fen-den Nach-hal-tig-keits-kri-te-rien. Dazu gehören z.B. American Water Works, SAP, Tyson Foods und Toronto-Dominion Bank. 

Ein Pionier für grüne Investments ist zweifelsohne die Umweltbank. „Bei der Kreditvergabe achten wir darauf, dass unsere Positiv- und Ausschlusskriterien eingehalten werden“, erklärt Nadine Bold auf Anfrage des ES. Darüber hinaus entwickelte die Umweltbank zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ein Nachhaltigkeitsrating für die Vergabe von Baukrediten. Je nachhaltiger gebaut wird, desto günstiger sind auch die Konditionen für den Kunden.

Auch die DAX-Konzerne haben sich dem Klimaschutz verschrieben. Allen voran ein Unternehmen, von dem man es wohl zuletzt erwarten würde: BASF. Schließlich zählt die Chemiebranche zu einer der energieintensivsten und damit zu den Klimasündern schlechthin. Vielleicht gerade deswegen setzt sich Vorstandschef Martin Brudermüller verstärkt für den Umweltschutz ein. Der Manager ist als einziger DAX-Vorstand Mitglied des wirtschaftlichen Beirats bei der Öko-Partei Bündnis 90/Die Grünen. „Mir ist wichtig, dass wir wirklich alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit im Blick behalten und miteinander balancieren: die ökologische, die soziale und die wirtschaftliche Komponente. Unser Wohlstand in Deutschland basiert auf funktionierenden industriellen Wertschöpfungsketten. Übrigens kommen auch all die Innovationen, die wir für aktiven Klimaschutz benötigen aus der Industrie“, so Brudermüller auf ES-Anfrage. Kaum ein Unternehmen definierte in den letzten Jahren übrigens seine Klimaziele so konkret wie BASF. „Um dem Klimawandel und der globalen Erwärmung entgegenzutreten, haben wir uns dazu verpflichtet, unser Produktionsvolumen ohne zusätzliche CO2-Emissionen bis 2030 zu steigern“.

Anleger kämpfen jetzt mit starken Unternehmen für ein gutes Klima. In der Tabelle finden Leser ein Musterbeispiel, wie ein Nachhaltigkeits-Aktiendepot aussehen könnte. Wichtig ist auch hier, keine Klumpenrisikos einzugehen und eine gesunde Streuung vorzunehmen.

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Weltweit leben immer mehr Menschen in Städten. Seit 1950 hat sich die Zahl der Menschen, die in einem urbanisierten Umfeld leben mehr als vervierfacht. Dies stellt die wachsenden Metropolen vor Herausforderungen, schafft aber andererseits auch langfristige Investmentchancen.  

Obwohl Städte nur etwa 2 % der Landfläche der Erde einnehmen (entspricht der Fläche von Europa), beherbergen sie mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung und tragen knapp 80 % zur gesamten Wirtschaftsleistung bei. Und sie breiten sich weiter aus: Bis 2030 sollen laut Weltwirtschaftsforum bis zu 5 Mrd. Menschen in größeren Ballungszentren leben. Urbanisierung und Bauboom gehen dabei Hand in Hand. Doch die jahrelange Bau-Offensive bekommt mittlerweile erste Risse. Der Grund: Der Rohstoff Sand, einer der wichtigsten Komponenten für Zement und Co., wird langsam aber sicher knapp. Allein in einem Kilometer Autobahn stecken ca. 30.000 Tonnen Sand. Daher werden mittlerweile ganze Strände abgebaut, um der Nachfrage gerecht zu werden. Denn die dort zu findende Sandart eignet sich einzig zum Bau, Wüstensand ist zu feinkörnig. Die Behörden in Indien und Marokko reden bereits von einer Sand-Mafia. Die UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, schätzt, dass weltweit Jahr für Jahr rund 30 Mrd. Tonnen Sand gefördert werden – gut 7x mehr als Rohöl. „Das ist genug Material, um eine Mauer zu bauen, zwanzig Meter hoch und zwanzig Meter dick, rund um den Äquator“, sagt Dr. Pascal Peduzzi, Director of Science beim Umweltprogramm UNEP.  Damit ist Sand nach Wasser der am meisten gehandelte Rohstoff.

Das Beispiel China verdeutlicht, wie hoch der Verbrauch des Rohstoffes mittlerweile ist. Das Reich der Mitte hat in den vergangenen 20 Jahren mehr Zement verarbeitet als die Vereinigten Staaten im gesamten
20. Jahrhundert. Und der Ausbau geht weiter. Allein das One Belt One Road Project, die Seidenstraße in Eurasien und Südostasien (vgl. ES 48 u. 49/17), dürfte weitere riesige Mengen an Sand und Zement verschlingen. Seit dem Jahr 2000 sind die Preise von Sand, Kies und anderen sog. Zuschlagsstoffen um gut 31 % geklettert – Tendenz weiter steigend.  

Die Nummer 1 weltweit bei Zuschlagsstoffen ist HeidelbergCement (DE0006047004). Der Konzern ist in 60 Ländern mit 60.000 Mitarbeitern tätig und 3.000 Standorten. Seit Januar bewegt sich der Kurs der Heidelberger wieder deutlich aufwärts. Und die Aussichten auf einen anhaltenden Trend sind vielversprechend: 

Der Baustoffriese hat erst Anfang Juli eine Euroanleihe mit einem Volumen von 750 Mio. € platziert. Weil die Solidität des Konzerns sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat, zahlt HeidelCement für den bis 2027 laufenden Bond einen Effektivzins von lediglich 1,23 %. Die Mittel werden auch dafür verwendet, eine Anleihe zu refinanzieren, die im Oktober fällig wird und noch einen Kupon von 8,5 % hat. Das heißt: Heidelberg-Cement wird ab dem 4. Quartal dieses Jahres eine erhebliche Verbesserung des Finanzergebnisses melden. Und auch die aktuellen Zahlen können sich sehen lassen: In den ersten 6 Monaten stieg der Umsatz vor allem dank besserer Geschäfte in Europa um 9 % auf 9,2 Mrd. €. Der operative Gewinn legte sogar um gut ein Fünftel auf 1,45 Mrd. € zu. Unter dem Strich fiel der Gewinn mit 212 Mio. € allerdings gut 43 % geringer aus. Hier drückten Aufwendungen für den Verkauf von Geschäftsbereichen auf das Ergebnis. Bereinigt um diese wäre der Gewinn um 38 % gestiegen. Die Nettofinanzschulden blieben mit 10,5 Mrd. € dennoch weiterhin hoch. 

HeidelbergCement sollten Anleger auf die Beobachtungsliste setzen, zumal jüngst die Short-Positionen deutlich abgebaut wurden. 

Im Nachbarland Schweiz hat sich LafargeHolcim (CH0012214059) zu einem der größten Anbieter von Baustoffen entwickelt. Der 2001 aus der Fusion von Lafarge und Holcim hervorgegangene Konzern befindet sich seit einiger Zeit in Seitenlage. Um für Anleger attraktiver zu werden, haben sich die Schweizer einiges vorgenommen. So will das Unternehmen u.a. die Zementproduktion mithilfe von neuen Technologien effizienter machen. Über die nächsten vier Jahre sollen Automatisierungstechnologien, Robotik sowie Künstliche Intelligenz in insgesamt über 50 Ländern eingeführt werden. Dafür hat der Zementriese 30 Pilotprojekte in verschiedenen Regionen gestartet. U.a. sollen in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Start-up Flyability Drohnen eingesetzt werden, die an besonders riskanten Stellen innerhalb des Werks Kontrollen durchführen. Dadurch könnten Inspektionen häufiger und kosteneffizienter durchgeführt werden. Vom „Plants of Tomorrow“-Programm verspricht sich der Konzern eine operative Effizienzsteigerung von 15 bis 20 % pro Anlage. 

Darüber hinaus verdichten sich aktuell die Gerüchte, dass die Schweizer in das Bieterrennen um die Bauchemiesparte von BASF einsteigen. Die Schweizer konkurrieren mit unterschiedlichen Finanzinvestoren wie Bain Capital und Cinven. Aber auch andere Unternehmen, die bereits im Bauchemiegeschäft aktiv sind, seien unter den Wettbewerbern. Der Bereich hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,4 Mrd. € eingebracht. 

Doch auch ohne Neuzugang kann sich LafargeHolcim im hartumkämpften Baugeschäft behaupten: Zwar gingen die Erlöse von Januar bis Juni leicht um 1,6 % auf 13,1 Mrd. CHF zurück. Doch der Nettogewinn konnte sich mit 1,1 Mrd. CHF fast verdreifachen. Dazu beigetragen haben u.a. deutlich niedrigere Kosten und das Sparprogramm. Auch beim Schuldenabbau kommt der Konzern laut eigener Aussage besser voran als erwartet. Diese beliefen sich per Ende Juni auf 11,34 Mrd. CHF. 

LafargeHolcim bleibt ein gutes Depot-Fundament. Halten.  

Hierzulande eher unbekannt ist das US-Unternehmen Vulcan Materials (US9291601097). Dabei ist der Hersteller von Kies, Schotter und Sand einer der größten seiner Art in Nordamerika. Insgesamt 375 Bergwerke gehören zum Portfolio des Konzerns. Von April bis Juni förderte der Konzern Erlöse in Höhe von 1,33 Mrd. $. Im Vorjahr hatte Vulcan Materials noch einen Umsatz von 1,20 Mrd. $ generiert. Wachstumstreiber war erneut die wachsende Nachfrage aus der Industrie. Das bereinigte Ebitda belief sich im Berichtszeitraum auf 372,0 (324,8) Mio. $. Und auch nach Steuern erzielte das Unternehmen aus Alabama mit einem Ergebnis von 197,6 (159,7) Mio. $ deutlich mehr. Das Wachstum dürfte zudem weiter anhalten, denn ähnlich wie hierzulande haben die Vereinigten Staaten lange Zeit verpasst, in die Infrastruktur zu investieren. Brücken, Straßen und Schulen müssen dringend erneuert werden. Derzeit streiten sich Demokraten und Republikaner noch über das nationale Infrastrukturprogramm. Die jüngste Einigung im Haushaltsstreit dürfte allerdings als ein erstes versöhnliches Signal zu werten sein. Doch auch ohne Washington ist der Konzern gut positioniert. Allein zehn Bundesstaaten haben in den vergangenen Jahren eigene Infrastrukturgesetze verabschiedet. Der Auftragseingang sollte demnach für die nächsten Jahre gesichert sein.  

Kursseitig ist Vulcan Materials eine wahre Perle. Seit Januar hat sich der Kurs um rd. 40 % aufgestapelt, und bisher ist kein Ende in Sicht. Investoren sollten daher an schwachen Tagen zuschlagen und einige Stücke ins Depot einbauen. 

Ebenfalls stark auf dem Nordamerikanischen Markt vertreten ist die irische CRH (IE0001827041). Laut eigener Aussage ist das Unternehmen hier sogar der größte Anbieter von Baumaterialien. U.a. finden sich die Materialien der Iren im berühmten Mercedes Benz-Stadion in Atlanta, in welchem der letztjährige Super Bowl stattfand. Aber auch weltweit ist CHR in insgesamt 32 Ländern auf 5 Kontinenten vertreten. Damit erzielte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr einen um 6 % auf 26,79 Mrd. € verbesserten Umsatz. Das Ebitda legte um 7 % auf 3,37 Mrd. € zu. Unter dem Strich baute CRH seinen Gewinn sogar um ganze 31 % auf 2,52 Mrd. € auf. Am 22. August präsentieren die Iren ihre Zahlen zum 1. Halbjahr, auch diese werden durchaus positiv erwartet. Um im hartumkämpften Baugeschäft weiter Wachstum verzeichnen zu können, stellt sich der Konzern derzeit neu auf und hat dazu sein europäisches Vertriebsgeschäft für einen Unternehmenswert von rd. 1,6 Mrd. € in bar an den Finanzinvestor BlackStone verkauft. Die Transaktion muss noch von den Behörden genehmigt werden. Für Anleger sollte sich ein Einstieg lohnen.

Die Urbanisierung hält an. Die Verknappung von Rohstoffen wie Sand ist dabei nur eine Folge von vielen. Langfristig orientierte Investoren können sich mit Baustoffproduzenten erste Stücke vom Megatrend-Kuchen sichern. 

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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