Aumann AG

Die Aumann AG bleibt auch nach drei Quartalen des Geschäftsjahres 2018 auf Wachstumskurs. So erhöhte sich der Umsatz in diesem Zeitraum um 51,1 Prozent auf 212,0 Mio. Euro. Besonders erfreulich entwickelte sich dabei das Segment E-mobility mit einem Zuwachs der Erlöse um 94,4 Prozent auf 78,4 Mio. Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern verbesserte sich auf Konzernebene um 57,4 Prozent auf 23,7 Mio. Euro. Der Auftragsbestand zum Quartalsende belief sich auf 196,2 Mio. Euro, was gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg um 54,3 Prozent entsprach. Hinzu kamen zu Beginn des vierten Quartals weitere 20 Mio. Euro aus Nominierungen durch neue asiatische Kunden. Daneben wies Aumann zum Quartalsende liquide Mittel von rund 90 Mio. Euro aus. Damit sieht sich das Unternehmen hervorragend gerüstet, den Wachstumskurs fortzusetzen. Auf dieser Basis bekräftigte der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr 2018.(ES - 16.11.2018 - 14:00 Uhr)

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Bastei Lübbe AG

Die Bastei Lübbe AG verzeichnete in den ersten 6 Monaten des Geschäftsjahres 2018/19 (bis 30. September) einen Umsatzrückgang von 69,1 auf 46,5 Mio. Euro. Bereinigt um den aufgegebenen Geschäftsbereich "Retail" verringerten sich die Erlöse aufgrund der programmbedingten Schwankungen in den Segmenten "Buch" und "Digital" um rund 15 Prozent. Eine erfreuliche Entwicklung zeigte das Label LYX, unter dem Bastei Lübbe moderne Frauenunterhaltung publiziert. Das EBIT konnte dagegen mit minus 39 TEUR nahezu ausgeglichen gestaltet werden. Vor Jahresfrist lag das EBIT noch bei minus 263 TEUR. Nach Steuern verbesserte sich das Ergebnis im ersten Halbjahr von minus 2,0 auf minus 0,7 Mio. Euro. Eine deutliche Steigerung von minus 3,1 auf plus 2,3 Mio. Euro erfuhr der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit. Auf dieser Basis bekräftigte der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr. Diese sieht einen Umsatz von rund 95 Mio. Euro. Dabei rechnet das Management das EBIT zumindest am unteren Ende der Prognosespanne von 0,5 bis 2,0 Mio. Euro zu erreichen.(ES - 15.11.2018 - 10:00 Uhr)

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Biotest AG

In den ersten drei Quartalen erwirtschaftete die Biotest AG aus fortgeführten Aktivitäten ein Umsatzplus von 10,1 Prozent auf 289,6 Mio. Euro. Dabei konnte die Gesellschaft in allen Regionen eine positiven Umsatzentwicklung vermelden. Das EBIT kehrte mit 5,1 Mio. Euro in die schwarzen Zahlen zurück. Im Vorjahr war das EBIT von minus 33,9 Mio. Euro durch den Humanalbuminrückruf belastet. Im Zusammenhang mit der Mehrheitsbeteiligung der Tiancheng (Germany) Pharmaceutical Holdings AG unterzeichnete Biotest einen Vertrag über den Verkauf seiner US-Gesellschaften Biotest Pharmaceuticals Corporation und Biotest US Corporation. Nachdem die amerikanische Wettbewerbsbehörde dem Verkauf zustimmte, konnte am 31. Juli 2018 der Verkauf der Gesellschaften an die Grifols Shared Services North America vollzogen werden. Aus dem Verkaufspreis von 286 Mio. USD resultierte im Bereich der nicht fortgeführten Aktivitäten ein Veräußerungsgewinn von 162,4 Mio. Euro. Das EBIT im Bereich der nicht fortgeführten Aktivitäten belief sich auf 196,5 Mio. Euro. So verbesserte sich das Ergebnis nach Steuern in der Gruppe von minus 22,2 auf 190,9 Mio. Euro. Das Ergebnis je Aktie erhöhte sich entsprechend von minus 0,57 Euro auf jetzt 4,81 Euro. Im Gesamtjahr erwartet der Vorstand im Bereich der fortgeführten Aktivitäten einen Umsatzanstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das EBIT der fortgeführten Aktivitäten sieht das Management in einer Größenordnung von 10 bis 12 Mio. Euro.(ES - 14.11.2018 - 9:00 Uhr)

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Täglicher Börsenbericht

DAX weiter belastet

Anleger weiterhin vorsichtig

Auch in dieser Woche dürfte es den Anlegern nicht leicht fallen, unbesorgt in die neue Handelswoche zu starten. Nach ersten Berechnungen startet der DAX in der Nähe des Schlusskurses vom Freitag. Insbesondere der noch immer anhaltende Handelsstreit zwischen den USA und China stößt den Aktionären sauer auf. Am Wochenende belastete der Streit der größten Wirtschaftsmächte der Welt den Wirtschaftsgipfel des Asien-Pazifik-Raums. Dort konnten sich die Teilnehmer - erstmals in der Geschichte des Treffens - nicht auf eine gemeinsame Abschlusserklärung einigen. 

Das Papier des Versicherers Allianz profitiert von einer Hochstufung durch Analysten. Zudem wurde das Kursziel erhöht. 

In den kommenden fünf Jahren will der Wolfsburger Konzern VW knapp 44 Mrd. € in die Zukunftsfelder E-Mobilität, autonomes Fahren und Internet-Dienste investieren. 

Thyssenkrupp kann weitere finanzielle Risiken aufgrund einer drohenden Kartellstrafe im Stahlbereich nicht ausschließen. 

Die Wohnimmobiliengesellschaft Grand City Properties konnte in den ersten 9 Monaten ihren Gewinn steigern. Das FFO I konnte um 15 % erhöht werden. Auch der Nettogewinn kletterte um 9 % höher. 

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Randnotizen

Die Schlüsselfigur in den seit 2015 laufenden Dieselgate-Gerichtsverfahren gegen die Volkswagen AG und deren Mutterkonzern, die Porsche SE (s. ES 43/15, 30/16 sowie 16/18), ist Martin Winterkorn. Und die Schlüsselfrage ist: Was wusste Martin Winterkorn und seit wann? Denn der VW-Vorstandsvorsitzende Winterkorn leitete seit Ende November 2009 auch den Vorstand der Porsche SE. 

Bekanntlich läuft vor dem OLG Braunschweig ein Kapitalanleger-Musterverfahren gegen die Volkswagen AG, in dem auch die Porsche Automobil Holding SE (PSE) verklagt wird und das die Kanzleien der Tübinger TILP-Gruppe führen. Sie vertreten in Sachen „Dieselgate“ inzwischen über tausend private und institutionelle Kläger, u.a. auch die Effecten-Spiegel AG. Allein im September fanden vor dem Oberlandesgericht Braunschweig drei Verhandlungstermine statt (am 10.09., 11.09. und 17.09.), in denen das Gericht u.a. die Kursdifferenzschäden nach dem Wertpapierhandelsgesetz ab dem 10. Juli 2012 für unverjährt erklärte. Zum anderen stellte der Richter fest, dass der Klägervortrag durchaus „schlüssig“ sei, wonach Winterkorn schon Ende 2007/Anfang 2008 gewusst habe, dass die saubere Dieseltechnologie im Grundsatz gescheitert sei. Und das hätte auch „Auswirkungen auf die Darlegungslast“ der Beklagten. Im Klartext: VW muss nun glaubhaft nachweisen, dass Martin Winterkorn keine Kenntnis über diese Vorgänge hatte. Sollte VW den Vortrag der Kläger nicht widerlegen können, dann würde das Gericht automatisch Winterkorn diese Kenntnis unterstellen. Das hätte wiederum Auswirkungen auch auf die Porsche-Verfahren. Denn die PSE ist ja nicht mehr im operativen Geschäft tätig, sondern sie hält als Konzernmutter 52 % der Stimmrechte an VW. Das ist insofern relevant, weil es bei PSE keinen großen Mitwisserkreis aus Bereichsvorständen, Ingenieuren und Technikern gibt. Hier kommt es – anders als bei VW – allein darauf an, was der Vorstand Martin Winterkorn zum fraglichen Zeitpunkt wusste oder nicht. Da Winterkorn seit November 2009 CEO in beiden Gesellschaften war, ist mit seinem Wissen über die Vorgänge auch eine Haftung gegenüber der Porsche SE als Mutter seit November 2009 begründet. 

Das LG Stuttgart sieht mit seinem aktuellen Urteil (Az.: 22 O 348/16) dieses Wissen in jedem Fall ab dem 23. Mai 2014 als erwiesen an. Denn am Vortag hatte der damalige Chef für Qualitätssicherung, Frank Tuch, direkt an Martin Winterkorn geschrieben und ihn über das Überschreiten der Stickoxid-Grenzwerte informiert. Dieser Brief war Winterkorn zum Monatsende in seinem „Wochenendkoffer“ mit weiteren wichtigen Chefsachen zur Durchsicht mitgegeben worden (vgl. ES 10/18). Für Richter Reuschle ist das Beleg dafür, dass Martin Winterkorn um die Probleme bei den Testergebnissen und somit auch von der Manipulation ab dem 23. Mai 2014 wusste. Dennoch habe dieser keine bilanziellen Rückstellungen auf Ebene der Volkswagen AG gebildet und auch den falschen Geschäftsbericht 2009/2010 der PSE nicht korrigieren lassen.

Damit passt das Urteil des LG Stuttgart sehr gut in den Gesamtkomplex, da es Schadenersatzansprüche für eine Periode bejaht, die in dem Zeitraum der TILP-Klagen liegt – nämlich ab dem 23. Mai 2014. Es stärkt die Auffassung des OLG Braunschweig und ist zugleich das erste Zahlungsurteil aus Kursdifferenzschäden aus Porsche-Vorzugsaktien gegenüber der Porsche SE. „Wenn schon Porsche haftet, dann haftet natürlich VW erst recht, denn die sind ja viel näher dran gewesen als die untechnische Konzernmutter“, so Rechtsanwalt Andreas Tilp gegenüber dem ES. Und weiter: „Mit der Urteilsbegründung hat Richter Reuschle wichtige Pflöcke eingerammt, sowohl für die parallelen Klagen gegenüber der PSE als auch gegenüber der Volkswagen AG, sei es vor den Gerichten in Stuttgart oder in Braunschweig.“

Wichtig: Alle geschädigten Anleger, die zwischen dem 6. Juni 2008 und dem 18. September 2015 VW- oder Porsche-Aktien, VW-Anleihen, Derivate auf VW-Aktien und/oder Porsche-Aktien gekauft hatten, können nur noch bis zum 31. Dezember 2018 Klage einreichen. Danach droht der absolute Verjährungseintritt. Interessenten können sich unter www.vw-klage.de kostenlos registrieren und erhalten dann kostenlose Informationen.

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Der viel beachtete MACD (Moving Average Convergence/Divergence) hat im März 2018 ein Verkaufssignal gegeben. Als Monatsindikator macht er nicht jede kurzfristige Bewegung im DAX mit, sondern zeigt vielmehr den langfristigen Trend an. Das liegt in der Konstruktion des MACD selbst begründet: 

Er wird aus zwei gleitenden Durchschnitten berechnet, indem der längere Durchschnitt von dem kürzeren abgezogen wird. Aus dieser Differenz lassen sich dann die Trendrichtung und -stärke herleiten. So kann es sein, dass der Kurs noch weiter steigt, während der MACD bereits zu fallen beginnt und sich daraus eine Umkehrformation bildet. 

In den Jahren 1997, 1999, 2007, 2011 und 2015 hatte der MACD auf ähnlich hohem Niveau wie im März ebenfalls Verkaufssignale gegeben (vgl. untere Abb.). Danach folgten seinerzeit jeweils heftige Rückschläge mit einem Mittelwert von –37,77 %. Allerdings zogen sich zunächst die bärischen Divergenzen (der Indikator ist abwärts gerichtet, während die Kurse steigen) noch über Monate hin, bevor es zu einer ersten größeren Abwärtsbewegung im Index kam. Ausgehend vom DAX-Höchststand von 13.596 Punkten im Januar dieses Jahres läge bei Annahme eines durchschnittlichen Kursrückgangs von –37,77 % das Korrekturpotenzial im DAX somit bei 8.460 Punkten. In diesem Bereich verläuft auch der langfristige Aufwärtstrend (vgl. obere Abb.), der dann wiederum als Auffanglinie dienen würde. 

Anleger sollten daher trotz einer möglichen Jahresendrally (s.S.2/3) auf der Hut sein. Denn der DAX wird vermutlich noch einmal seinen langfristigen Aufwärtstrend testen. 

 

 

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Donald Trump macht die US-Notenbank Fed und damit ihren gerade erst von ihm ernannten Chef Jay Powell zum Sündenbock für die jüngsten Kursverluste an den Aktienmärkten. Die Fed sei „verrückt geworden“, twitterte Trump und meinte damit die neuerlichen Zinserhöhungen. Die Fed mache mit dieser Politik „einen Fehler“, so der US-Präsident. Offensichtlich befürchtet er, dass dadurch ausgerechnet kurz vor den Kongresswahlen im November der Boom in der US-Wirtschaft und damit an den Aktienmärkten abgewürgt werden könnte.

Steigende Zinsen sind in der Tat zunächst schlecht für die Aktienmärkte, weil damit sowohl die Fremdfinanzierungskosten steigen als auch die Diskontierungsfaktoren bei den Bewertungen. Höhere Zinsen machen Aktien teurer. Deshalb hat die Aussicht auf höhere Zinsen sicherlich auch zu den aktuellen Turbulenzen an den Märkten beigetragen, ebenso wie die anhaltenden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die Unklarheit über den Brexit. 

Da die amerikanische Wirtschaft seit Jahren stabil wächst, hat die Fed inzwischen fünf Zinserhöhungen durchgeführt, drei weitere könnten noch anstehen. Darüber hinaus baut die US-Notenbank die Anleihepositionen ab, die sie im Rahmen ihrer Kaufprogramme erworben hatte. Alles in allem hat dies den US-Dollar aufwerten lassen.

Doch dies sind nur Schritte zurück zur Normalität. Und die Fed wird spätestens bei 3 % ihren Zinserhöhungszyklus vorläufig beenden, weil dann die fiskalischen Anreize nachlassen und die Inflation stark begrenzt wird. 

Die aktuellen Kursverluste an den Aktienmärkten werden für die Fed zudem Mahnung sein, vorsichtig vorzugehen und die Zinsen nicht zu schnell zu stark anzuheben. Daraus könnten sich dann wiederum neue Kurs- und somit Kaufchancen an den Aktienmärkten ergeben.

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Spezial

Bis zum 3. Oktober, dem Ende des Parteitages der Konservativen in Großbritannien, findet zwar ein Feuerwerk an aufgeregten Diskussionen über den Brexit statt. „Aber das ist alles nur Theaterdonner und reine britische Innenpolitik“, sagte ein EU-Diplomat.

Die britische Premierministerin Theresa May informierte ihre 27 EU-Kollegen beim informellen EU-Gipfel, wie sie den Stand der Brexit-Verhandlungen beurteilt. Eine Diskussion war allerdings nicht vorgesehen. Stattdessen berieten sie – ohne May – mit EU-Chefunterhändler Michel Barnier das weitere Vorgehen. Das alles klingt wie eine bewusste Demütigung Mays, ist tatsächlich aber in ihrem eigenen Interesse. Der Grund: May führt einen politischen Überlebenskampf gegen den nationalistischen Flügel ihrer Partei, der einen harten Brexit will.

Auf der anderen Seite wächst das Unwohlsein bei den Europa-Freunden der Torys und anderen Parteien, dass das Land auf ein Chaos zusteuern könnte, wenn bis Ende März kein Austrittsabkommen mit der EU abgeschlossen werden kann. Zugeständnisse kann May vor dem Parteitag nicht machen. Und jedes EU-Angebot droht in der hitzigen innenpolitischen britischen Debatte verbrannt zu werden. Das hindert May aber nicht daran, von der EU – auch mit Blick auf ihre britischen Kritiker – öffentlich mehr Bewegung zu fordern. Die Lautstärke der Brexit-Debatte täuscht also: Der Weg und die Szenarien sind längst vorgezeichnet – sogar weitgehend einvernehmlich, zumindest mit der britischen Premierministerin. Die Etappen-Abfolge wurde auch von den EU-27 in Salzburg bestätigt.

Nach dem 3. Oktober beginnt der eigentliche Endspurt bei den Verhandlungen über das Austrittsabkommen. Derzeit gelten mehr als 80 % als ausverhandelt. Einst strittige Punkte, wie die britischen finanziellen Verpflichtungen gegenüber der EU oder die Rechte der Millionen EU-Bürger auf der Insel, gelten als geklärt. Es hakt vor allem noch an der Frage, wie man eine harte Grenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland verhindert. May kann vor dem Tory-Parteitag hier keinerlei Kompromisse eingehen, wird sie aus Sicht der EU aber danach sehr wohl machen müssen.

Unklar ist bisher auch, in welchem Umfang die britische Regierung in der Übergangszeit bis Ende 2020 die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs akzeptieren wird. Denn in dieser Zeit gehört Großbritannien noch zum Binnenmarkt. Ziel ist es, dass beim EU-Gipfel Mitte Oktober eine Vereinbarung geschlossen wird – die eigentliche Verhandlungszeit liegt also zwischen dem 3. und 18. Oktober, dem Tag des EU-Gipfels. Man habe den Anspruch, bis November dann die Beratungen mit London auch über die politische Erklärung zu den künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien abzuschließen, sagte Kanzlerin Angela Merkel in Salzburg. Derzeit wird überlegt, wie ausführlich und präzise die Beschreibung des künftigen Verhältnisses zwischen dem Königreich und der EU eigentlich sein sollte. Anfang des Jahres bestand London noch auf ein sehr ausführliches Papier. Dies hat sich geändert. Auch EU-Kommission und Bundesregierung verweisen seit längerem darauf, dass es um eine politische Erklärung und eben nicht um einen Vertrag gehe – der wird erst nach dem Brexit bis Ende 2020 ausgehandelt.

Entscheidend ist aus britischer Sicht, dass eine spürbare Grenze zwischen Nordirland und dem Rest Großbritanniens auf jeden Fall vermieden werden muss. Bereits im Dezember 2017 hatte London aber einem „backstop“ zugestimmt. Dieser sieht vor, dass Nordirland faktisch in einer Zollunion mit der EU bleiben würde, sollte es kein Abkommen mit der EU geben. May will eine Formulierung, dass dieser „backstop“ aber niemals eintreten wird. Keine Kompromisse werde die EU bei der Unteilbarkeit des Binnenmarktes machen, sagten Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu britischen Forderungen, dass man weiter gerne möglichst ungehinderten Zugang zu dem Binnenmarkt für Waren, nicht aber für Dienstleistungen möchte.

Sollte May den Tory-Parteitag überleben und sollten die genannten Einigungen erzielt werden, beginnt die heikelste Phase im Brexit-Prozess. Denn die Vereinbarungen müssen vom Europäischen Parlament und vor allem vom britischen Parlament ratifiziert werden: Die Entscheidung in London gilt als die größte Hürde. Denn die Hardliner bei den Konservativen drohen, nicht für einen zu weichen Vertrag mit der EU zu stimmen. Und bei der oppositionellen Labour-Partei gibt es eine heftige Diskussion, wie man sich bei der Abstimmung aufstellen soll. Ohne Ratifizierung droht Ende März ein Austritt Großbritanniens mit rechtlicher Unsicherheit auf allen Gebieten.

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„Die Stahlfestung wankt“ schrieb der ES in Ausgabe 29/18, nachdem ThyssenKrupp sowohl seinen langjährigen CEO Hiesinger als auch seinen Aufsichtsratschef Ulrich Lehner verloren hatte. Zu den Problemen im operativen Geschäft gesellten sich nun auch noch ein kopfloses Management, eine unberechenbare Großaktionärin in Person der Mathematikprofessorin Gather sowie zwei aktivistische Investoren (vgl. ES 35/18). 

Kein Wunder also, dass namhafte Kandidaten für den Vorsitz im Aufsichtsrat dankend abwinkten. Was wohl Berthold Beitz dazu sagen würde, dass ihm letztlich Bernhard Pellens, Lehrstuhlinhaber für Internationale Unternehmensrechnung an der Universität Bochum, nachfolgt. 

Ex-Finanzchef Guido Kerkhoff bleibt weiterhin Vorstandschef und wird nun die Aufspaltung des Traditionskonzerns in die beiden börsennotierten Unternehmen „ThyssenKrupp Materials AG“ (Stahl, Werkstoffhandel, Großwalzlager- und Schmiedegeschäft) und „ThyssenKrupp Industrials AG“ (Anlagen, Autozulieferer, Aufzüge) umsetzen. Dass der Aufsichtsrat den Teilungsplan quasi durchwinkte, war letztlich absehbar. Schließlich hatte die Krupp-Stiftung, die mit 21 % größter Anteilseigner ist, schon ihre Zustimmung signalisiert. 

Die Idee der Krupp-Satzung, den Konzern als Ganzes zu erhalten, ist damit zwar weit weg, aber immerhin ist „Teilen“ besser als „Ausschlachten“.

 

 

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

„Die Menschen wehren sich gegen den Abbau von Braunkohle. Man will aber auch keine Atomkraft, gegen Windkraft gibt es Widerstand und gegen den Ausbau der notwendigen Stromtrassen auch. Es ist inzwischen ganz leicht, eine Mehrheit gegen nahezu alles zu mobilisieren. Deutschland braucht wieder Mehrheiten für etwas“, so FDP-Chef Lindner in einem aktuellen Interview. 

Man mag zu Lindner stehen, wie man will, aber in diesem Punkt hat er sicherlich recht. Es ist immer leicht, gegen etwas zu sein, aber Lösungen zu suchen, ist viel schwieriger. Das demonstrieren die Politiker selbst jeden Tag. In den Oppositionsreihen ist es leicht, ordentlich Krawall zu schlagen, aber sobald man selbst in der Regierung sitzt, wird der Ton leiser und die Reden versöhnlicher. Wem wollte Andrea Nahles nicht alles „in die Fresse hauen“. Kaum sitzt sie ganz oben, spricht sie von Kompromissen. Zeitweise meint man sogar, Angela Merkel heraushören zu können. Und wenn es die Politiker nicht vorleben, wie soll dann der Bürger anders ticken. Also zieht man mit viel Tam Tam los: gegen die Abholzung des Hambacher Forstes, gegen die Aufstellung von Windrädern oder gegen Fremdenfeindlichkeit. So gut und richtig das sein mag, stellt sich doch die Frage,   wofür setzen sich die Menschen hierzulande noch ein. Durch die Abkopplung der Politik von der Basis fühlen sich immer mehr Menschen nicht mehr in die Entscheidungen ihrer Regierung einbezogen. Und so machen sich Politikverdrossenheit und Resignation breit. Das Vertrauen in den Staat schwindet, es entstehen Gegenbewegungen aus dem Volk heraus. Doch statt die eigene Verantwortung dafür zu übernehmen und die Ursachen anzugehen, zeigen die Politiker mit dem Finger auf ihre Wähler und geben ihnen die Schuld für die Verwahrlosung der demokratischen Werte. Damit sind sie es, die eine zunehmende politische Polarisierung zwischen „links“ und „rechts“ in der Gesellschaft fördern, wie die Landtagswahl in Bayern gerade gezeigt hat. 

Worauf wartet man in Berlin eigentlich? Nur wer weiß, wofür er einsteht, weiß auch, wogegen er wirklich kämpfen muss.

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Obwohl das deutsche Mietrecht schon heute als eines der schärfsten in Europa gilt, will die Bundesregierung noch einmal eins drauf legen. Am 5. September einigte sich das Bundeskabinett auf die finale Fassung des Mietrechtsanpassungsgesetzes (MietAnpG), das spätestens ab dem 01.01.2019 in Kraft treten soll. Die Kernpunkte der Neuregelung: 

1. Mieterhöhungen

Vermieter in angespannten Wohnungsmärkten, in denen die Mietpreisbremse gilt, müssen künftig unaufgefordert Auskunft über die Vormiete geben. Denn rein rechtlich darf die Miete bei Neuvermietung nicht mehr als 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete angehoben werden, sofern es sich nicht um einen Neubau nach Oktober 2014 oder eine kernsanierte Wohnung handelt. Besteht bereits ein Mietverhältnis, müssen Mieter grundsätzlich der Erhöhung zustimmen. Die Miete darf aber dann nur bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete angehoben werden. Generell gilt, dass die Miete innerhalb von drei Jahren nicht mehr als um 20 % erhöht werden darf. 

Auf der anderen Seite braucht der Mieter nicht mehr wie bisher einen Grund dafür nennen, warum er die Höhe der geforderten Miete anzweifelt. Hier soll künftig eine „einfache Rüge“ ausreichen.

2. Modernisierungen

Eine Modernisierung, die den Gebrauchswert der Wohnung erhöht, müssen Mieter grundsätzlich dulden. Anders als bei Instandhaltungsmaßnahmen dürfen Vermieter einen Teil der Modernisierungskosten auf die Miete übertragen. Bislang sind das 11 %. Künftig dürfen Modernisierungsausgaben nur für fünf Jahre und nur bis maximal 8 % umgelegt werden. Geht der Entwurf durch, wird eine Mieterhöhung wegen Modernisierungen innerhalb von sechs Jahren auf 3 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gedeckelt (sog. Kappungsgrenze). 

Wenn nach Ankündigung der Modernisierung nicht innerhalb von 12 Monaten mit den Arbeiten begonnen wird oder diese mehr als 12 Monate ruhen, wird dies als „Herausmodernisieren“ und somit als Pflichtverletzung angesehen. Modernisierungen, die nur dazu dienen, die Mieter rauszuekeln, sollen mit bis zu 100.000 Euro bestraft werden. 

Für Modernisierungen bis zu 10.000 Euro steht künftig ein vereinfachtes Verfahren zur Verfügung: Pauschal gelten dann 30 % als Instandhaltung und 70 % dürfen als Modernisierung geltend gemacht werden. Innerhalb von fünf Jahren dürfen dann aber auch nur maximal die 10.000 Euro im vereinfachten Verfahren angesetzt werden. Weitere Mieterhöhungen aufgrund von Modernisierungen sind dann ausgeschlossen.

3. Kündigungen

Der häufigste Grund für eine Kündigung durch den Vermieter ist der Eigenbedarf. Der gilt laut § 573 BGB nur dann, wenn die Räume für den Vermieter selbst, seine Familienangehörigen oder Angehörige seines Haushalts benötigt werden. Gemeint sind damit Verwandte in gerader Linie – also Kinder, Enkel, Eltern oder (Ur-)Großeltern. In Pflegefällen könnten als Angehörige des Haushalts auch Pflegekräfte gelten. Das Vortäuschen eines Eigenbedarfs soll mit hohen Strafen belegt werden, um zu verhindern, dass nur gekündigt wird, um bei Neuvermietung die Miete erhöhen zu können.

Vermieter wiederum dürfen dem Mieter kündigen, wenn dieser gegen seine Pflichten verstößt. Das gilt bei Mietschulden von mehr als zwei Monaten in Folge oder wenn sich über einen längeren Zeitraum eine Verzugssumme von mindestens zwei Monatsmieten ergibt. Dann ist sogar eine außerordentliche fristlose Kündigung erlaubt. Nach zwei ganz aktuellen BGH-Entscheidungen kann auch der Ausgleich der Rückstände die Beendigung des Mietverhältnisses nicht aufheben, wenn wegen des Zahlungsverzugs gleichzeitig eine ordentliche Kündigung ausgesprochen wurde (BGH-Urteile vom 19.09.2018, Az.: VIII ZR 231/17 und VIII ZR 261/17). Weitere Verstöße wären die Zweckentfremdung der Wohnung z.B. zur Drogenherstellung oder die Verwahrlosung durch sog. Messis. Allerdings muss in diesen Fällen vorher schriftlich abgemahnt werden. Als Pflichtverstoß gilt auch die gewerbliche Untervermietung wie etwa über Airbnb, denn hier muss der Vermieter ausdrücklich zustimmen. Die Frist für eine ordentliche Kündigung liegt bei mindestens drei Monaten. 

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Kurz nach dem 30. Geburtstag des DAX wurde seine Indexfamilie mit MDAX, TecDAX und SDAX völlig neu zusammengewürfelt. Damit sind seit dem 24. September auch Doppellistings von Technologieaktien möglich. Was die neue Patchwork-Familie rund um den DAX für Aktien- und ETF-Anleger bedeutet, hat der ES beleuchtet. 

Rund 100 Jahre nach der Einführung des Dow Jones erfand der Journalist Frank Mella das deutsche Gegenstück, den DAX. Damit wurden die wirtschaftlich stärksten 30 börsennotierten Unternehmen Deutschlands in einem Index vereint. Das Marktbarometer für die Deutsche Wirtschaft wurde als Laufindex konzipiert und somit während der gesamten Börsenzeit der Frankfurter Wertpapierbörse zunächst alle 60 Sekunden, dann alle 15 Sekunden und heute im Sekundentakt neu berechnet. Er ist damit eine geeignete Basis für derivative Finanzinstrumente und Terminkontrakte. Seit Juni 1999 wird der DAX nur noch als Wert der elektronischen Computerbörse Xetra ausgewiesen und steht seit Oktober 2006 auch ausländischen Unternehmen offen, deren operativer Sitz in der Europäischen Union ist oder deren Umsatzschwerpunkt im Handel an der Börse Frankfurt liegt. 

Am 24. September musste das Gründungsmitglied Commerzbank den deutschen Leitindex verlassen und wurde durch den Technologietitel Wirecard ersetzt. Die Anzahl der DAX-Titel blieb unverändert. Anders beim Rest der Familie. MDAX und SDAX wurden im Zuge der Umstellungen sogar deutlich vergrößert. ETF-Anleger sind damit auto-matisch dabei. Der Grundgedanke für die Erweiterung ist simpel:

Technologie ist heute quasi überall. Ob Medien- oder Pharmaunternehmen, Autohersteller oder Zulieferindustrie – im Zeitalter der Digitalisierung steckt Technologie in irgendeiner Form in jeder Firma und in jeder Branche. Eine Unterscheidung von wachstumsstarken Innovations- und Industrietiteln der Old Economy ist daher nicht mehr zeitgemäß. Die Abgrenzung von klassischen Branchen auf der einen und Technologieunternehmen auf der anderen Seite entstand überhaupt erst vor ca. 20 Jahren, als Internetfirmen wie Pilze aus dem Boden schossen und ihre Bewertungen in schwindelerregende Höhen schnellten. Damals wurde der Neue-Markt-Index „Nemax 50“ gegründet. Als der Neue Markt zusammenbrach, fing der TecDAX die verbliebenen Werte auf. Damit gab es seit dem 24.03.2003 in Deutschland einen branchenspezifischen Index ausschließlich für Technologieaktien. 

Seit dem 24. September ist diese Trennung aufgehoben und damit der Neue Markt endgültig Geschichte. Die Deutsche Börse folgt damit den Zeichen der Zeit und trennt in ihren Hauptindizes künftig nicht mehr zwischen Technologieaktien und anderen Aktien. Die TecDAX-Firmen werden auf MDAX und SDAX aufgeteilt. Jetzt können die Technologiewerte des TecDAX auch in den MDAX und SDAX aufgenommen werden, weshalb die beiden Indizes um insgesamt 30 Werte erweitert wurden. Der TecDAX wird damit zu einem Unter-index, denn er enthält künftig nur noch die 30 größten Technologie-titel aus DAX, MDAX und SDAX. 

Im internationalen Vergleich sind solche Doppellistings längst üblich. In den USA beispielsweise sind Unternehmen lange schon gleichzeitig in mehreren Indizes gelistet. So sind Apple, Amazon, Alphabet, Facebook und Microsoft im Technologie-Index Nasdaq Composite. Apple und Microsoft findet man aber auch im Dow Jones sowie im S&P 500. Im letzteren Index gesellen sich auch Facebook, Amazon und Alphabet dazu.

Mit der Neuaufnahme der Technologie-werte werden in der deutschen Indexfamilie der MDAX von 50 auf 60 Werte und der SDAX von 50 auf 70 Werte aufgestockt. Der TecDAX bleibt bestehen, aber nur für Zweitnotierungen. Dort können alle Titel aus anderen Indizes (auch aus dem DAX) vertreten sein. Umgekehrt können alle Technologieaktien dann auch in allen anderen Indizes aufgenommen werden. 

Der MDAX (Mid-Cap-DAX) bleibt auch nach der Neuordnung die Zweite Liga der Deutschen Börse. Er hat am 24. September 10 neue Mitglieder bekommen. Neben dem DAX-Absteiger Commerzbank und dem SDAX-Aufsteiger Alstria-Office REIT sind dies die Technologiewerte Qiagen, Siemens Healthineers, United Internet, Sartorius, Morphosys, Freenet, Siltronic, Evotec, Telefonica Deutschland, 1&1 Drillisch, Software AG und Nemetschek. In den SDAX abgestiegen sind dagegen Jungheinrich, Leoni, Ströer, Ceconomy und Talanx.

Der SDAX (Small-Cap-DAX) wurde sogar um 20 Familienmitglieder auf 70 Titel erweitert. Dabei handelt es sich um Aktien der nach den MDAX-Unternehmen nächstgrößeren börsennotierten deutschen Unternehmen. Neben den o.g. fünf MDAX-Absteigern kommen nun als Tec-Werte hinzu:

Carl Zeiss Meditec, Jenoptik, Cancom, Aix-tron, Dialog Semiconductor, S&T, Compugroup, ISRA Vision, Xing, Pfeiffer Vacuum, RIB Software, Nordex, Drägerwerk, SMA Solar, Befesa, Shop Apotheke, Medigene, aber auch Dr. Hönle und BayWa.

Raus sind Alstria-Office REIT, Grammer, ElringKlinger und Biotest.

MDAX und SDAX werden durch die Beimischung von Technologieaktien mehr Dynamik und internationales Interesse bekommen. Der Technologieindex der Deutschen Börse gewinnt mit SAP, Infineon und Deutsche Telekom gewichtige Neuzugänge. Zusammen mit dem DAX-Aufsteiger Wirecard machen sie künftig gut 40 % des Index aus. Das wird ihn vermutlich weniger schwankungsanfällig machen. Es täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass der TecDAX durch die Umstellung eine deutliche Degradierung erfährt. Er wird nämlich zum reinen Zweit-Index. 

Neben Reputation und Bedeutsamkeit bringen die Änderungen künftig vor allem mehr Bewegung in die Börsenaktivitäten. Denn Großinvestoren wie Fonds oder ETFs (Exchange Traded Funds), die die Indizes exakt nachbilden, müssen durch die Indexumstellung viel mehr Aktien kaufen und verkaufen. Allein in den sechs größten DAX-ETFs stecken in diesem Jahr 16 Mrd. Euro Anlegergeld. Für Privatanleger verschwimmen durch das Doppellisting allerdings die Abgrenzungen zwischen den einzelnen ETFs.

Die Familie der deutschen Börsenindizes wurde komplett verändert. Die Patchwork-Familien von MDAX und SDAX werden gewichtiger, der TecDAX dafür zum Zweit-Index deklassiert. In jedem Fall wird die Umstellung demnächst zu mehr Bewegungen am deutschen Aktienmarkt führen. Fonds und ETFs werden künftig breiter investiert sein, was Privatanleger bei ihrer Anlagestrategie beachten müssen. Auch wird sich die Volatilität der Börsenkurse erhöhen. Also, spannender wird es allemal!

 

 

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Zum ersten Mal seit etwa sechs Jahren schrumpft das Vermögen der Deutschen wieder. Ursache hierfür sind der anhaltende Niedrigzins und die Inflation – sowie die Art und Weise der Geldanlage. Im 10. Jahr des Bullenmarktes an den Aktienbörsen liegen noch immer 40 % der Vermögensanlagen der Deutschen in Form von Bargeld, Sicht- und Termineinlagen auf nicht oder nur minimal verzinsten Konten oder gar Zuhause brach.

Seit dem 9. März 2009 läuft in Amerika nun schon der Bullenmarkt und gilt damit als der längste in der Geschichte. Allein im vergangenen Jahr erzielte der US-Aktienmarkt ein Plus von rund 21 %. Und mit über 7 % Plus liegt der S&P 500 in diesem Jahr auch schon wieder über seiner historischen Durchschnittsrendite. Auch wenn in Deutschland der Aktienmarkt etwas hinterherhinkt, hält auch hier die Aktienhausse an. An den internationalen Kapitalmärkten ließen sich so in den letzten Jahren gute Renditen erzielen. Trotzdem nutzte im vergangenen Jahr nur jeder sechste Deutsche diese Ertragschancen aus. Im Gegenteil: Obwohl das Geldvermögen der Deutschen Anfang 2018 auf den Rekordwert von fast 5,9 Bill. Euro gestiegen ist, parken sie den Löwenanteil von 2,326 Bill. Euro immer noch als Sicht-, Termin- oder Spareinlagen bzw. als Bargeld. Der Großteil dessen wird kaum bis gar nicht verzinst. Weil auf höhere Einlagen sogar schon Strafzinsen bezahlt werden müssen, horten einige Sparer ihr Geld sogar wieder wie ihre Vorfahren Zuhause (vgl. Abb.). Während so das Bargeld unverzinst bleibt, zieht die Inflation an. Verbraucher mussten im August 2018 im Schnitt gut 2,0 % mehr ausgeben als noch vor einem Jahr. Allein auf diesem Inflationsniveau sparen sich die Deutschen jährlich um 46,5 Mrd. Euro ärmer.

Wie sich aus dem Bericht der Bundesbank für August 2018 ergibt, haben „Bankeinlagen (einschl. Bargeld), die mit knapp 40 % stets den größten Portfolioanteil ausmachten, über weite Strecken die geringsten realen Renditen“ (vgl. S. 34) erbracht. Seit dem vierten Quartal 2016 liegen sie sogar deutlich im negativen Bereich. Wer also sein Erspartes auf Sparbüchern oder Festgeldkonten hält, hat seitdem Geld verloren. Eine Studie der Allianz-Versicherung belegt, dass schon in den Jahren vor der Nullzinspolitik der Notenbanken die europäischen Nachbarn der Deutschen ihr Geld wesentlich effektiver anlegten. Während diese in den „fetten Jahren“ 2012 bis 2015 auf eine Rendite von 4,6 % kamen, haben sich die Deutschen in dieser Zeit mit 2,3 % begnügt. Seit Anfang 2017 kam zu den niedrigen Zinsen auch noch hinzu, dass die reale Rendite der Versicherungsansprüche ein besonders niedriges Niveau erreichte. Lebensversicherungen und Rentenprodukte, die mit etwa 35 % bzw. 2,199 Bill. Euro hinter den Geldeinlagen auf Rang 2 beim deutschen Vermögensaufbau rangieren, konnten nun die Verluste nicht mehr ausgleichen. Investmentfonds mit Anleihen und Aktien machen ohnehin nur rund 10 % des deutschen Privatvermögens aus, die Direktanlage Aktien sogar nur 7 %. Daraus ergibt sich nach Berechnungen der Bundesbank schon Anfang 2018 für die Deutschen eine Gesamtrendite auf ihr Privatvermögen von –0,8 %. Erstmals seit sechs Jahren ist damit die Rendite wieder negativ. Trotz – oder gerade wegen – des Rekordniveaus an Geldbeständen nimmt somit auch die Kaufkraft der Deutschen seit Jahresbeginn ab. 

Diese Vermögensvernichtung hat ihre Ursache vor allem in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Ihre Niedrigzinspolitik hält die Staaten über Wasser, lässt Sparer und Anleger jedoch havarieren. Je niedriger der Zinssatz, desto schneller verlieren die Spareinlagen an Wert. „Die Sparer haben es mit ihrer Anlage-Entscheidung auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen“, konterte EZB-Präsident Mario Draghi, als er 2016 wegen der Herabsetzung der Zinsen auf null Prozent kritisiert wurde. Und tatsächlich belegen die aktuellen Zahlen: Obwohl die Zinsen in den Keller rauschten und Aktien und Immobilien kräftig an Wert zulegten, blieb das Anlageverhalten der deutschen Haushalte eher konservativ. Ihre Lieblingsanlage blieb auch nach 2016 das Sparbuch. Der Besitz an Aktien dagegen ging sogar zurück. Auch wenn die Anleger zeitweise sogar wieder auf das Börsenparkett zurückkehrten, wurden Aktien nie vollständig in den Vermögensaufbau integriert, was zu einem großen Teil der Politik angelastet werden muss. Sie klassifiziert diese Anlageform immer noch als hoch spekulativ und fördert sie somit nicht. 

„In den Vereinigten Staaten sprechen Familien über Aktieninvestitionen am Frühstückstisch, Kinder wachsen damit auf und bekommen solche Gespräche mit“, sagt Dr. Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut. Und das lohnt sich. Seit 1871 beträgt die durchschnittliche Jahresrendite des Dow Jones Kursindex 6,7 %. Würde man wie beim DAX die Dividenden reinvestieren, ergäbe sich sogar eine jährliche Rendite von 11,1 %. Und selbst unter Berücksichtigung der Inflation seit 1870 käme der Dow Jones dann noch auf 8,9 % p.a. Der DAX kann zwar mit dieser Performance nicht ganz mithalten, aber dennoch schlägt ein langfristiges Investment in den deutschen Leitindex alle anderen Assets. 

Nur mit einem Aktieninvestment lässt sich langfristig Vermögen aufbauen. Gerade junge Menschen haben noch die nötige Zeit, mit Aktien ihre Rente abzusichern. 

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Infas will stark wachsen und zahlt wieder Dividende

Sommerliches Wetter und gute Laune prägten die diesjährige Hauptversammlung der infas Holding AG in Bonn. Alleinvorstand Menno Smid konnte den Aktionären für 2017 abermals Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis präsentieren. So kletterten die Erlöse deutlich auf 29,3 (22,7) Mio. €. Das Ebit hat sich auf 3,14 (1,7) Mio. € annähernd verdoppelt. Unter dem Strich ergibt sich ein Jahresüberschuss von 1,88 (0,21) Mio. € oder 0,21 € je Aktie. Die Aktionäre dürfen sich somit wieder nach 2015  auf eine Dividende von 0,07 € freuen.

Auch in den kommenden Jahren will infas weiter deutlich wachsen. Neben den organischen Wachstumschancen kündigte Vorstandschef Smid an, auch alle anderen Optionen (wie etwa Akquisitionen) ins Auge zu fassen. Zu diesem Zweck wird derzeit eine Wachstumsstrategie ausgearbeitet, die mit Unterstützung des vom Aufsichtsrat derzeit gesuchten Finanzvorstandes in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll. Geplant ist dabei auch die Erschließung weiterer Marktsegmente, die bislang noch nicht gezielt bearbeitet wurden.  Dazu gehören etwa die Bereiche Medien und Verlage, Banken und Versicherungen sowie die pharmazeutische Industrie. Auf diese Weise soll sich der Umsatz bis zum Jahr 2021 auf rund 50 Mio. € erhöhen. Über das rein organische Wachstum im bisherigen Geschäft läge das Umsatzpotenzial bei rund 35 bis 36 Mio. €. Laut CEO Smid ist es erklärtes Ziel, „erster Mittelständler“ im Markt hinter den Big Four der Branche zu werden. Da er seinen Ende 2018 auslaufenden Vertrag um weitere drei Jahre bis Ende 2021 verlängern möchte, könnte der langjährige infas-Chef die angekündigte Wachstumsstrategie persönlich umsetzen.

Angesichts der weiterhin positiven Aussichten und der erfreulichen Kursentwicklung in den letzten Monaten verwundert es wenig, dass alle HV-Beschlüsse einstimmig gefasst wurden, darunter auch die Wiederwahl des Aufsichtsrates. Das Kontrollgremium besteht damit weiterhin aus Frau Susanne Neuschäffer als Vertreterin der Großaktionärin Effecten-Spiegel AG (20,4 %) sowie den Herren Dr. Oliver Krauß (Vorsitzender) und Hans-Joachim Riesenbeck (stv. Vorsitzender).

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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