Villeroy & Boch AG

Die Vileroy & Boch AG steigerte ihren Umsatz in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2018 um 1,4 Prozent auf 611,3 Mio. Euro. Währungsbereinigt hätte sich sogar ein Anstieg um 3,2 Prozent ergeben. Negativ wirkte sich hier vor allem die Entwicklung der Schwedischen Krone, des US-Dollars und des Russischen Rubels aus. Zum 30. September wies die Gesellschaft einen Auftragsbestand von 78,6 Mio. Euro aus. Davon entfielen 65,3 Mio. Euro auf den Bereich Bad und Wellness sowie 13,3 Mio. Euro auf den Bereich Tischkultur. Das EBIT verbesserte sich in den ersten 9 Monaten um 5,3 Prozent auf 25,8 Mio. Euro. Der Geschäftsbereich Bad und Wellness verzeichnete ein Umsatzplus von 4,4 Prozent auf 435,9 Mio. Euro. Dagegen sank der Umsatz im Bereich Tischkultur um 5,2 Prozent auf 175,4 Mio. Euro. Der vor allem in Deutschland lange und heiße Sommer führte zu rückläufigen Besucherfrequenzen in den Einzelhandelsgeschäften. Dafür gelang im Bereich E-Commerce eine Umsatzausweitung um 7,0 Prozent. Das Investitionsvolumen legte im bisherigen Jahresverlauf deutlich von 15,9 auf 25,7 Mio. Euro zu. Auf Basis der jetzigen Geschäftsentwicklung bekräftigte der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr. Demnach erwartet er eine Umsatzsteigerung zwischen 2 und 3 Prozent sowie eine Verbesserung beim Ergebnis zwischen 5 und 10 Prozent.

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Sixt SE

Die Sixt SE hat sich im dritten Quartal 2018 deutlich besser entwickelt als im Vorjahreszeitraum. So legte der Konzernumsatz nach vorläufigen Zahlen von 671,5 Mio. Euro auf rund 790 Mio. Euro zu. Das Ergebnis vor Steuern kletterte dabei von 121,6 Mio. Euro auf etwa 155 Mio. Euro. Nach 9 Monaten verbessert sich der Konzernumsatz von 1,74 Mrd. Euro auf knapp 1,98 Mrd. Euro. Auch das Ergebnis vor Steuern legte von 224,2 Mio. Euro auf rund 482 Mio. Euro zu. Bereinigt um den Sondereffekt aus dem Verkauf der Anteile an DriveNow beträgt das Ergebnis vor Steuern rund 285 Mio. Euro. Die erhebliche Steigerung des bereinigten Ergebnisses ist maßgeblich auf einem Ergebnisanstieg im Geschäftsbereich Autovermietung sowohl im Inland als auch im Ausland zurückzuführen. Auf Basis dieser Entwicklung hebt der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr an. Das Management rechnet nun mit einem starken Wachstum beim Konzernumsatz und einem sehr starken Wachstum beim bereinigten Vorsteuerergebnis.

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MERKUR BANK KGaA

Die MERKUR BANK KGaA verzeichnete auch im dritten Quartal eine positive Geschäftsentwicklung. Damit liegt die Gesellschaft auf Kurs, im Gesamtjahr erneut ein Rekordergebnis zu erwirtschaften. Im dritten Quartal erzielte das Unternehmen einen Periodengewinn von 3,4 Mio. Euro, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus von 8,4 Prozent bedeutet. Auf dieser Basis zeigte sich der persönlich haftende Gesellschafter Dr. Markus Lingel zuversichtlich, das geplante Ergebnis von 0,64 Euro je Aktie zu erreichen. Das Neugeschäftsvolumen im Kreditgeschäft erhöhte sich um 20,8 Prozent auf 961,7 Mio. Euro. Dabei konnten alle drei Bereiche, nämlich die Bauträgerzwischenfinanzierung, die Leasingrefinanzierung und die Finanzierung mittelständischer Unternehmen, deutlich zulegen. Das gesamte Kreditvolumen stieg um 21,8 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro. In der Vermögensanlage konnte die Bank weitere Kunden hinzugewinnen. So kletterte auch das Depotvolumen um 17,3 Prozent auf 354,2 Mio. Euro.

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Täglicher Börsenbericht

Ohne Rückenwind

DAX muss selbst zeigen, was in ihm steckt

In den letzten Stunden der Handelswoche muss der deutsche Leitindex noch einmal zeigen, was in ihm steckt, wenn er auf Wochensicht Gewinne mitnehmen will. Auf Rückenwind aus den USA kann der DAX dabei nicht hoffen. An der Wall Street sorgen Zinsängste für Zurückhaltung. Auch an der Tokioter Börse geht es bergab. Zudem sorgen die Streitigkeiten zwischen der EU-Kommission und Italien weiterhin für Aufruhr bei den Anlegern. Der von Rom für 2019 beschlossene Haushalt verstoße besonders ernsthaft gegen die EU-Regeln, teilte Brüssel per Brief mit. Nun hat Italien bis Montag Zeit darauf zu antworten. Aber zumindest in Sachen Brexit könnte es Hoffnung auf eine doch gütliche Trennung geben. Die von den Briten vorgeschlagene Verlängerung für die Übergangszeit könnte hier helfen. Ebenfalls positiv könnte die in den USA in dieser Woche angelaufene Bilanzsaison sein.

Die Software AG konnte im Q3 ihren Umsatz um 6 % verbessern. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenabschreibungen blieb stabil. Der Gewinn konnte unter dem Strich um 13 % zulegen. 

Am 30. Oktober stellt Apple in New York auf seiner am Donnerstag angekündigten Veranstaltung, Gerüchten zufolge, neue iPads und Macbooks vor. 

Aufgrund gesenkter langfristiger Erwartungen bei Umsatz und Gewinn schreibt der amerikanische Chemiekonzern DowDupont 4,6 Mrd. $ auf seine Agrar-Tochter ab. 

Die Wirbelstürme Florence und Michael kommen dem amerikanischen Versicherungskonzern AIG teuer zu stehen. Für das Q3 rechnet der Konzern mit Kosten von 1,5–1,7 Mrd. $ vor Steuern. 

Die Kunden zückten beim Shopping im 3. Quartal wieder eifrig ihre American Express und sorgten so beim Kreditkartenanbieter für einen um 21 % höheren Nettogewinn. Die Gewinnprognose wurde angehoben. 

Auch bei PayPal konnte seine Umsätze im Q3 um 14 % verbessern. Der Nettogewinn konnte um 15 % zulegen.

SAF Holland hat die Umsatzprognose für das laufende Jahr angehoben. Nun wird ein organischer Wachstum der Erlöse um 9–10 % erwartet. 

 

 

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Thema der Woche

Ausgabe 42 | 17.10.2018

Yin & Yang

Zweitlisting chinesischer Firmen in Frankfurt

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Randnotizen

Immer wieder berichten Leser von Problemen beim Handel mit Optionsscheinen oder Knock-Out-Produkten auf US-Aktien. 

Der Grund für den problematischen Handel mit Produkten auf US-Aktien ist nicht etwa, dass ein Emittent ein bestimmtes Zertifikat oder Optionsschein nicht handeln möchte, sondern weil es nach nunmehr über drei Jahren immer noch Unklarheiten bei der Abführung der Quellensteuer gemäß Section 871(m) nach US-Steuergesetz (IRC) gibt. 

Mit diesem Abschnitt 871(m) wollte der US-Kongress ursprünglich verhindern, dass „Nicht-US-Personen“ die Abführung der auf US-Aktien entfallenden Quellensteuer über derivative Finanzinstrumente umgehen. Die Regelungen sehen daher auch den Abzug einer Quellensteuer auf „dividendengleiche Beträge“ (“dividend equivalent amounts” oder “DEA”) vor, die Nicht-US-Personen aus Derivaten oder Wertpapieren erzielen, die sich auf dividendenzahlende US-Aktien beziehen. Seit dem 1. Januar 2017 werden solche Einnahmen steuerlich wie „Dividendenersatzzahlungen“ behandelt. Dies gilt für Optionsscheine, Futures, Wandelanleihen, Zertifikate, strukturierte Schuldtitel, Indizes, Rückkaufvereinbarungen, Aktienanleihen und börsennotierte Derivate.

Bis heute ist jedoch noch immer nicht für alle Produkte die genaue Einschlüsselung bei den Brokern geklärt und somit auch nicht erfolgt. Das grundsätzliche Problem dabei für deutsche Anleger ist: 

Das ausgegebene Derivat muss kein US-Anlageprodukt sein, sondern kann auch das Produkt eines deutschen Emittenten sein. Entscheidend ist ausschließlich, ob sich die Wertentwicklung des Produkts auf einen US-Basiswert bezieht. Schüttet nämlich ein US-Unternehmen eine Dividende an die Aktionäre aus, wird diese Dividende in den Preis des darauf basierenden Derivats eingepreist. Damit sind also alle derivativen Finanzinstrumente von der Section 871 (m) erfasst, sofern während der Laufzeit des Derivats eine Dividende gezahlt wird und diese Dividendenzahlung den Preis des Derivats beeinflusst.

Seit dem 1. Januar 2017 wurde die Quellensteuer lediglich auf Produkte angewandt, die ein Delta (Hebel) von mindestens 1 aufwiesen. Ab dem 1. Januar 2018 gilt die Regelung für alle Derivate auf US-Aktien mit einem Delta von mindestens 0,8. 

In der Regel führen die Depotbanken die US-Steuern direkt ab. Um nun wiederum den hieraus resultierenden Problemen zuvorzukommen, haben sich viele Emittenten entschlossen, die Quellensteuer selbst abzuführen. Dennoch kann es passieren, dass es bei älteren Knock-Out-Produkten oder Optionsscheinen zu Problemen beim Handel kommt, was wiederum von Bank zu Bank verschieden sein kann. 

Sollte der Handel in einem Optionsschein oder Knock-Out-Produkt nicht möglich sein, gibt es für Anleger mehrere Handlungsalternativen:

1) Ein vergleichbares Produkt von einem anderen Emittenten kaufen (hier helfen die diversen Vergleichstools im Internet weiter).

2) Den gleichen Produkttyp vom Emittenten mit einem höheren Basispreis kaufen (das Delta eines Calls nimmt mit steigendem Basispreisen ab).

3) Wenn weder der gleiche Produkttyp bei einem bestimmten Emittenten oder anderem Emittenten handelbar ist, muss ggf. auf einem anderen Produkttypen mit einem vergleichbaren Auszahlungsprofil ausgewichen werden.

Letzteres bedeutet, dass z.B. statt eines Knock-Out-Produktes ein Optionsschein gekauft wird. Funktioniert auch dies nicht, kann man ggf. auf einem Spread-Optionsschein (Capped Optionsschein) ausweichen.

Da die Handelbarkeit – wie eingangs erwähnt – von Bank zu Bank verschieden ist, kann man leider keinen einheitlichen Produkttypen oder eine vermeintlich richtige Produktausgestaltung abbilden. 

 

*Der ES übernimmt für diese Informationen keine Gewähr, sie stellen keine steuerliche Beratung dar.

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Obwohl das deutsche Mietrecht schon heute als eines der schärfsten in Europa gilt, will die Bundesregierung noch einmal eins drauf legen. Am 5. September einigte sich das Bundeskabinett auf die finale Fassung des Mietrechtsanpassungsgesetzes (MietAnpG), das spätestens ab dem 01.01.2019 in Kraft treten soll. Die Kernpunkte der Neuregelung: 

1. Mieterhöhungen

Vermieter in angespannten Wohnungsmärkten, in denen die Mietpreisbremse gilt, müssen künftig unaufgefordert Auskunft über die Vormiete geben. Denn rein rechtlich darf die Miete bei Neuvermietung nicht mehr als 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete angehoben werden, sofern es sich nicht um einen Neubau nach Oktober 2014 oder eine kernsanierte Wohnung handelt. Besteht bereits ein Mietverhältnis, müssen Mieter grundsätzlich der Erhöhung zustimmen. Die Miete darf aber dann nur bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete angehoben werden. Generell gilt, dass die Miete innerhalb von drei Jahren nicht mehr als um 20 % erhöht werden darf. 

Auf der anderen Seite braucht der Mieter nicht mehr wie bisher einen Grund dafür nennen, warum er die Höhe der geforderten Miete anzweifelt. Hier soll künftig eine „einfache Rüge“ ausreichen.

2. Modernisierungen

Eine Modernisierung, die den Gebrauchswert der Wohnung erhöht, müssen Mieter grundsätzlich dulden. Anders als bei Instandhaltungsmaßnahmen dürfen Vermieter einen Teil der Modernisierungskosten auf die Miete übertragen. Bislang sind das 11 %. Künftig dürfen Modernisierungsausgaben nur für fünf Jahre und nur bis maximal 8 % umgelegt werden. Geht der Entwurf durch, wird eine Mieterhöhung wegen Modernisierungen innerhalb von sechs Jahren auf 3 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gedeckelt (sog. Kappungsgrenze). 

Wenn nach Ankündigung der Modernisierung nicht innerhalb von 12 Monaten mit den Arbeiten begonnen wird oder diese mehr als 12 Monate ruhen, wird dies als „Herausmodernisieren“ und somit als Pflichtverletzung angesehen. Modernisierungen, die nur dazu dienen, die Mieter rauszuekeln, sollen mit bis zu 100.000 Euro bestraft werden. 

Für Modernisierungen bis zu 10.000 Euro steht künftig ein vereinfachtes Verfahren zur Verfügung: Pauschal gelten dann 30 % als Instandhaltung und 70 % dürfen als Modernisierung geltend gemacht werden. Innerhalb von fünf Jahren dürfen dann aber auch nur maximal die 10.000 Euro im vereinfachten Verfahren angesetzt werden. Weitere Mieterhöhungen aufgrund von Modernisierungen sind dann ausgeschlossen.

3. Kündigungen

Der häufigste Grund für eine Kündigung durch den Vermieter ist der Eigenbedarf. Der gilt laut § 573 BGB nur dann, wenn die Räume für den Vermieter selbst, seine Familienangehörigen oder Angehörige seines Haushalts benötigt werden. Gemeint sind damit Verwandte in gerader Linie – also Kinder, Enkel, Eltern oder (Ur-)Großeltern. In Pflegefällen könnten als Angehörige des Haushalts auch Pflegekräfte gelten. Das Vortäuschen eines Eigenbedarfs soll mit hohen Strafen belegt werden, um zu verhindern, dass nur gekündigt wird, um bei Neuvermietung die Miete erhöhen zu können.

Vermieter wiederum dürfen dem Mieter kündigen, wenn dieser gegen seine Pflichten verstößt. Das gilt bei Mietschulden von mehr als zwei Monaten in Folge oder wenn sich über einen längeren Zeitraum eine Verzugssumme von mindestens zwei Monatsmieten ergibt. Dann ist sogar eine außerordentliche fristlose Kündigung erlaubt. Nach zwei ganz aktuellen BGH-Entscheidungen kann auch der Ausgleich der Rückstände die Beendigung des Mietverhältnisses nicht aufheben, wenn wegen des Zahlungsverzugs gleichzeitig eine ordentliche Kündigung ausgesprochen wurde (BGH-Urteile vom 19.09.2018, Az.: VIII ZR 231/17 und VIII ZR 261/17). Weitere Verstöße wären die Zweckentfremdung der Wohnung z.B. zur Drogenherstellung oder die Verwahrlosung durch sog. Messis. Allerdings muss in diesen Fällen vorher schriftlich abgemahnt werden. Als Pflichtverstoß gilt auch die gewerbliche Untervermietung wie etwa über Airbnb, denn hier muss der Vermieter ausdrücklich zustimmen. Die Frist für eine ordentliche Kündigung liegt bei mindestens drei Monaten. 

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Am 30. August 2018 informierte die Wertpapierhandelsbank Schnigge, dass die Gesellschaft seit dem 27. August keinerlei Finanzdienstleistungen mehr erbringe: keine Zeichnungen mehr, keine Neuemissionen, alle bis dahin gültigen Orders sind erloschen. Feierabend, Licht aus – die 1992 in Düsseldorf gegründete Traditionsbank macht dicht. 

So also sieht das Ende einer der bekanntesten Anbieter von vor- und außerbörslichen Kursen aus. Schnigge war neben Valora Effekten der einzige deutsche Betreiber von Handelsplattformen für nicht börsennotierte Wertpapiere und seit 1999 selbst börsennotiert. Doch der Tod kam langsam, schleichend: Schon in den letzten fünf Jahren hatte Schnigge durchgehend rote Zahlen geschrieben. Vor zwei Jahren wurde das Geldhaus von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) schon einmal in die Insolvenz geschickt. Als Grund wurde damals die „Sperrung des Kontos bei ihrer Abwicklungsbank aufgrund durch einen Handelspartner nicht erfüllter Wertpapiertransaktionen“ genannt. Zwar wurde der Insolvenzantrag kurze Zeit später wieder zurückgezogen, aber die Skontroführung in Hamburg und Düsseldorf war futsch, nur die Schulden blieben. 

Zum 31.12.2017 summierten sich die Verluste von Schnigge auf 6,2 Mio. Euro, bei einer Bilanzsumme von rd. 2 Mio. Euro. Schon im Fe-bruar hatte der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats, Stephan Blohm, für sich die Notbremse gezogen und war zurückgetreten. Ende Juni hatte die Krypto AG, Infrastrukturanbieter in den Bereichen Blockchain-Technologie und Krypto-Währungen, vermeldet, eine Mehrheitsbeteiligung an Schnigge erwerben zu wollen. Doch die Gesellschaft verfügt laut Geschäftsbericht selbst nur über Aktiva von rd. 2,3 Mio. Euro – zu wenig, um Schnigge vor einem frühen Ende zu bewahren. 

Zwar gab es wohl noch einen anderen Investor, der sich in wesentlichem Umfang an der Gesellschaft beteiligen wollte. Dieser aber könne eine Beteiligung von mehr als zehn Prozent erst erwerben, wenn das formale Inha-berkontrollverfahren nach dem Kreditwesengesetz durchlaufen sei. Dieses sei aber noch nicht abgeschlossen, und es stehe auch kein Enddatum fest. Zudem sei offen, ob die BaFin den Kauf nicht untersagen werde. 

Noch vor wenigen Tagen hatte Schnigge dann versucht, mit einer Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital über 500.000 Aktien mit einem Ausgabekurs von 2 Euro je Aktie das Ruder rumzureißen und die allergrößte Not zu lindern. Gezeichnet sei die Summe auch, teilte Schnigge mit, nur fehlt bis heute das Geld. Trotz sofortiger Fälligkeit seien die 1 Mio. Euro nicht bezahlt worden. Damit war auch dieser Rettungsversuch gescheitert. Als Konsequenz musste die Gesellschaft nun „die Lizenzen für den Betrieb einer Wertpapierhandelsbank bzw. für die Durchführung von Finanzdienstleistungen zurückgeben“, heißt es in dem Schreiben an die Kunden. Was nun aus Schnigge wird, ist fraglich. 

Auch bei der Bernecker Verlagsgesellschaft mbH (vormals: Deutscher Kapital Verlag GmbH, vormals: politik intern GmbH) kam der Tod schleichend und ließ sich auch durch die ständigen Umfirmierungen nicht aufhalten. Die Börsenbriefe von Bernecker zählen zweifellos zu den anerkanntesten Börsenpublikationen in Deutschland. Schließlich steht der Name Hans A. Bernecker für ein halbes Jahrhundert Börsenerfahrung und Anlageberatung. Doch die Verlagsgesellschaft, über die zahlreiche Börsenbriefe vertrieben werden, dümpelt schon seit Jahren dahin und hangelte sich von Jahr zu Jahr über Sitzverlegungen, Umfirmierungen und Verschmelzungen – doch letztlich musste im Mai 2018 doch der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt werden. Am 12. Juni 2018 wurden Sicherungsmaßnahmen angeordnet, am 19. Juli das Insolvenzverfahren eröffnet. Lt. Unternehmensregister ist die Gesellschaft zum 31. Juli 2018 aufgelöst. Auf der Internetseite fand sich jedoch bis zum 13. September (!!) keinerlei Hinweis – keine Mitteilung von dem Börsenfachmann Bernecker, auf dessen Seriösität Tausende Privatanleger vertrauen. Erst am 14. September wurde vom Insolvenzverwalter Martin Schmidt eine Presseerklärung veröffentlicht.

 

 

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Mit mehr als 13 Mio. Exemplaren ist die ADAC „Motorwelt“ die auflagenstärkste Zeitschrift Europas. Allerdings gilt sie schon lange als unprofitabel. Ein Grund dafür sind die hohen Vertriebskosten: Allein an die Deutsche Post müssen bislang ca. 50 Mio. Euro pro Jahr gezahlt werden – nicht gerade Peanuts! Doch statt einem ihrer besten Kunden einen Preisrabatt zu gewähren, wollte die Post als Vertriebsmonopolist die Portokosten sogar noch weiter anheben. Denn inzwischen gibt es zwar lokale Zustelldienste in einzelnen Großstädten und industriellen Ballungsgebieten, ein flächendeckender Versand in ganz Deutschland ist über sie jedoch nicht möglich. Ein Problem, mit dem sich alle Verlage konfrontiert sehen. 

Auch der Effecten-Spiegel hat in seiner mehr als 46-jährigen Geschichte schon reichlich leidvolle Erfahrungen mit dem Postvertrieb gemacht. Das Börsenjournal wird am Dienstagabend direkt von der Druckerei in das Schnellläufernetz der Deutschen Post eingeliefert, damit es schon am Mittwochmorgen im Briefkasten der Abonnenten ist. Für diesen Service zahlt der Verlag einen saftigen Aufschlag. Doch es vergeht kaum eine Woche, in der es nicht aus irgendeinem Postleitzahlenbezirk Beschwerden wegen verspäteter Anlieferungen oder Beschädigungen gibt. Mal ist es ein kaputter Lkw, mal die Witterungsverhältnisse oder ein Streik. Doch das Dauerproblem liegt bei der Deutschen Post selbst, die profitgetrieben ihre Kosten im Laufe der Jahre immer weiter gesenkt hat – zu Lasten der Qualität. Die Zustellbezirke wurden vergrößert, das Personal gekürzt. Seit 2015 gibt es 49 regionale Billig-Töchter für die Postzustellung. Neue Paketboten z.B. werden seitdem nur noch in diesen DHL Delivery GmbHs angestellt – natürlich zu deutlich niedrigeren Löhnen. Die Post-Zusteller verdienen dort im Schnitt ein Viertel weniger als ihre Kollegen mit Haustarifvertrag. Die Konsequenz: 

Die Zusteller sind überfordert, die Auslieferung erfolgt verspätet oder gar nicht. Schon mehrfach wurden Zwischenfälle bekannt, wonach Briefe oder Zeitschriften einfach weggeworfen wurden. Manche Postboten teilen sich die Auslieferungen ihrer Sendungen selbst ein, sodass sie nicht so viel Material an einem Tag mitnehmen müssen. In einigen Orten gibt es daher nur noch einmal pro Woche eine Briefzustellung oder nur eine Zeitschrift pro Wochentag. Dennoch sind die Ausfallzeiten der Zusteller extrem hoch. Nach einer Studie der Berufskrankenkassen kamen sie in Deutschland im vergangenen Jahr auf 30,6 Krankentage. Bundesweit lag der Durchschnitt der Versicherten bei den Berufskrankenkassen nur bei 17,4 Fehltagen. 

Doch Vertretungen der Postboten im Krankheitsfall gibt es kaum und wenn doch, dann sind dies zumeist billige Hilfskräfte. Manche von ihnen können kaum Namen und Anschrift lesen. Die Sendungen landen dann schon mal im falschen Postkasten. Andere Aushilfen wiederum besitzen kaum Ortskenntnisse und müssen sich durchfragen. 

Dem Konzern dagegen bekommen die Billiglöhne seiner Zusteller ausgesprochen gut. 2017 verdiente die Deutsche Post unterm Strich rund 2,9 Mrd. Euro. 40 % des Betriebsgewinns kamen aus der Brief- und Paketzustellung, wo auch die etwa 10.000 Billig-Paketboten des Unternehmens arbeiten. Die Sparte ist nach dem Express-Geschäft sogar der profitabelste Bereich der Deutschen Post. Operativ blieben dort von jedem Euro knapp 8 Cent hängen – im Konzerndurchschnitt waren es nur 6 Cent. Dank des boomenden Online-Handels brummt die Sparte, auch wenn immer weniger klassische Briefe verschickt werden. 

Und nicht nur ihre Zusteller, auch ihre Kunden schröpft die Post zunehmend. Sie hat die Preise für ihre Dienste stetig erhöht und das Porto für den Standardbrief seit 2013 viermal angehoben – auf inzwischen 70 Cent. Das ist ein Plus von 27 % in fünf Jahren. Die Versandpreise für Postvertriebsstücke bei Tageszeitungen, Wochen- und Monatstitel legten im Schnitt um 3 % p.a. zu. 2018 wurden sie um 3,2 % erhöht, und für 2019 sind 2,8 % bereits angekündigt.

Die bisher monatlich erscheinende ADAC-Zeitschrift „Motorwelt“ wird in Zukunft nur noch vier Mal im Jahr gedruckt. Und wer sie lesen will, muss sie sich selbst beim ADAC oder einem Partner des Verkehrsclubs abholen. Die Deutsche Post aber wird weiter dreist ihre Preise anheben und bei der Leistung sparen.

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Spezial

Bis zum 3. Oktober, dem Ende des Parteitages der Konservativen in Großbritannien, findet zwar ein Feuerwerk an aufgeregten Diskussionen über den Brexit statt. „Aber das ist alles nur Theaterdonner und reine britische Innenpolitik“, sagte ein EU-Diplomat.

Die britische Premierministerin Theresa May informierte ihre 27 EU-Kollegen beim informellen EU-Gipfel, wie sie den Stand der Brexit-Verhandlungen beurteilt. Eine Diskussion war allerdings nicht vorgesehen. Stattdessen berieten sie – ohne May – mit EU-Chefunterhändler Michel Barnier das weitere Vorgehen. Das alles klingt wie eine bewusste Demütigung Mays, ist tatsächlich aber in ihrem eigenen Interesse. Der Grund: May führt einen politischen Überlebenskampf gegen den nationalistischen Flügel ihrer Partei, der einen harten Brexit will.

Auf der anderen Seite wächst das Unwohlsein bei den Europa-Freunden der Torys und anderen Parteien, dass das Land auf ein Chaos zusteuern könnte, wenn bis Ende März kein Austrittsabkommen mit der EU abgeschlossen werden kann. Zugeständnisse kann May vor dem Parteitag nicht machen. Und jedes EU-Angebot droht in der hitzigen innenpolitischen britischen Debatte verbrannt zu werden. Das hindert May aber nicht daran, von der EU – auch mit Blick auf ihre britischen Kritiker – öffentlich mehr Bewegung zu fordern. Die Lautstärke der Brexit-Debatte täuscht also: Der Weg und die Szenarien sind längst vorgezeichnet – sogar weitgehend einvernehmlich, zumindest mit der britischen Premierministerin. Die Etappen-Abfolge wurde auch von den EU-27 in Salzburg bestätigt.

Nach dem 3. Oktober beginnt der eigentliche Endspurt bei den Verhandlungen über das Austrittsabkommen. Derzeit gelten mehr als 80 % als ausverhandelt. Einst strittige Punkte, wie die britischen finanziellen Verpflichtungen gegenüber der EU oder die Rechte der Millionen EU-Bürger auf der Insel, gelten als geklärt. Es hakt vor allem noch an der Frage, wie man eine harte Grenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland verhindert. May kann vor dem Tory-Parteitag hier keinerlei Kompromisse eingehen, wird sie aus Sicht der EU aber danach sehr wohl machen müssen.

Unklar ist bisher auch, in welchem Umfang die britische Regierung in der Übergangszeit bis Ende 2020 die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs akzeptieren wird. Denn in dieser Zeit gehört Großbritannien noch zum Binnenmarkt. Ziel ist es, dass beim EU-Gipfel Mitte Oktober eine Vereinbarung geschlossen wird – die eigentliche Verhandlungszeit liegt also zwischen dem 3. und 18. Oktober, dem Tag des EU-Gipfels. Man habe den Anspruch, bis November dann die Beratungen mit London auch über die politische Erklärung zu den künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien abzuschließen, sagte Kanzlerin Angela Merkel in Salzburg. Derzeit wird überlegt, wie ausführlich und präzise die Beschreibung des künftigen Verhältnisses zwischen dem Königreich und der EU eigentlich sein sollte. Anfang des Jahres bestand London noch auf ein sehr ausführliches Papier. Dies hat sich geändert. Auch EU-Kommission und Bundesregierung verweisen seit längerem darauf, dass es um eine politische Erklärung und eben nicht um einen Vertrag gehe – der wird erst nach dem Brexit bis Ende 2020 ausgehandelt.

Entscheidend ist aus britischer Sicht, dass eine spürbare Grenze zwischen Nordirland und dem Rest Großbritanniens auf jeden Fall vermieden werden muss. Bereits im Dezember 2017 hatte London aber einem „backstop“ zugestimmt. Dieser sieht vor, dass Nordirland faktisch in einer Zollunion mit der EU bleiben würde, sollte es kein Abkommen mit der EU geben. May will eine Formulierung, dass dieser „backstop“ aber niemals eintreten wird. Keine Kompromisse werde die EU bei der Unteilbarkeit des Binnenmarktes machen, sagten Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu britischen Forderungen, dass man weiter gerne möglichst ungehinderten Zugang zu dem Binnenmarkt für Waren, nicht aber für Dienstleistungen möchte.

Sollte May den Tory-Parteitag überleben und sollten die genannten Einigungen erzielt werden, beginnt die heikelste Phase im Brexit-Prozess. Denn die Vereinbarungen müssen vom Europäischen Parlament und vor allem vom britischen Parlament ratifiziert werden: Die Entscheidung in London gilt als die größte Hürde. Denn die Hardliner bei den Konservativen drohen, nicht für einen zu weichen Vertrag mit der EU zu stimmen. Und bei der oppositionellen Labour-Partei gibt es eine heftige Diskussion, wie man sich bei der Abstimmung aufstellen soll. Ohne Ratifizierung droht Ende März ein Austritt Großbritanniens mit rechtlicher Unsicherheit auf allen Gebieten.

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„Die Stahlfestung wankt“ schrieb der ES in Ausgabe 29/18, nachdem ThyssenKrupp sowohl seinen langjährigen CEO Hiesinger als auch seinen Aufsichtsratschef Ulrich Lehner verloren hatte. Zu den Problemen im operativen Geschäft gesellten sich nun auch noch ein kopfloses Management, eine unberechenbare Großaktionärin in Person der Mathematikprofessorin Gather sowie zwei aktivistische Investoren (vgl. ES 35/18). 

Kein Wunder also, dass namhafte Kandidaten für den Vorsitz im Aufsichtsrat dankend abwinkten. Was wohl Berthold Beitz dazu sagen würde, dass ihm letztlich Bernhard Pellens, Lehrstuhlinhaber für Internationale Unternehmensrechnung an der Universität Bochum, nachfolgt. 

Ex-Finanzchef Guido Kerkhoff bleibt weiterhin Vorstandschef und wird nun die Aufspaltung des Traditionskonzerns in die beiden börsennotierten Unternehmen „ThyssenKrupp Materials AG“ (Stahl, Werkstoffhandel, Großwalzlager- und Schmiedegeschäft) und „ThyssenKrupp Industrials AG“ (Anlagen, Autozulieferer, Aufzüge) umsetzen. Dass der Aufsichtsrat den Teilungsplan quasi durchwinkte, war letztlich absehbar. Schließlich hatte die Krupp-Stiftung, die mit 21 % größter Anteilseigner ist, schon ihre Zustimmung signalisiert. 

Die Idee der Krupp-Satzung, den Konzern als Ganzes zu erhalten, ist damit zwar weit weg, aber immerhin ist „Teilen“ besser als „Ausschlachten“.

 

 

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Ob Autozulieferer Continental, Logistikunternehmen Deutsche Post oder Chemiekonzern Bayer – sie alle haben ihre Prognosen für das 1. Halbjahr oder sogar für das gesamte Geschäftsjahr 2018 zurückgenommen. Der Kapitalmarkt reagierte zum Teil geschockt, die Kurse rauschten in den Keller. Die Zahl der Gewinnwarnungen bei deutschen Firmen steigt und war seit Jahren nicht mehr so hoch. Dies ist durchaus ein Warnsignal, aber kein Grund zur Panik. Denn Kursübertreibungen werden bereinigt und damit auch neue Kaufchancen generiert.

Jedes börsennotierte Unternehmen muss eine Änderung seiner Prognose – unabhängig davon, ob positiv oder negativ – dem Kapitalmarkt sofort mitteilen. Üblicherweise erfolgt diese Information in einer Ad-hoc-Meldung. Die Mitteilung zur erwarteten Verringerung des Gewinns wird als „Gewinnwarnung“, die zur Vergrößerung des Gewinns als „Gewinnerwartung“ bezeichnet. Entsprechendes gilt für die Umsatzanpassungen. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (vormals Ernst & Young) hat 307 Unternehmen aus dem Prime Standard im Zeitraum zwischen Januar 2011 bis 30. Juni 2018 danach durchforstet, wie viele von ihnen ihre Prognosen bezüglich Umsatz und Gewinn geändert haben.

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass jedes vierte Unternehmen im Prime Standard mit seiner eigenen Umsatz- und Ergebnisschätzung für das 1. Halbjahr falsch lag und diese mindestens einmal korrigieren musste. Die Hälfte von ihnen (11 %) musste sie nach unten anpassen. Damit ist die Zahl der Gewinn- und Umsatzwarnungen für die ersten sechs Monate gegenüber der Vorjahresperiode deutlich angestiegen – nämlich um
45 % von 29 auf 42 Meldungen. Sie markieren zugleich einen neuen Höchstwert für ein erstes Halbjahr im gesamten Untersuchungszeitraum seit 2011. 

Die meisten Gewinnwarnungen kamen aus dem DAX. Hier sprang die Anzahl von nur einer einzigen Prognoserücknahme im Vergleichszeitraum 2017 auf fünf Meldungen in 2018 und stellte damit den bisherigen Höchstwert aus 2016 ein. Im übrigen Prime Standard wurden für diese Berichtsperiode insgesamt 24 negative Prognoseänderungen gezählt, eine Zunahme von 26 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bemerkenswert ist jedoch, dass es im SDAX und TecDAX tendenziell sogar weniger negative Überraschungsmeldungen gab.

Probleme haben vor allem die stark im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen, wie das Beispiel Bayer verdeutlicht. Ein unerwartet schwaches Pflanzenschutzgeschäft im wichtigen brasilianischen Markt machte dem DAX-Konzern einen Strich durch die Rechnung. Der Pharma- und Chemieriese musste deshalb Ende Juni seine Umsatz- und Ergebnisprognose für 2018 revidieren. 5 % Kursverlust waren die Folge. Und kaum war die Monsanto-Übernahme unter Dach und Fach, rollte in den USA eine Prozesswelle gegen die Deutschen an. Die Aktie gab weiter ab. Ob Bayer nun die zurückgenommenen Jahresziele überhaupt halten kann, ist noch nicht raus. Automobilzulieferer Continental hat jedenfalls im August schon zum zweiten Mal seine Prognose kassiert und bekam als Quittung den größten Kurseinbruch der letzten 10 Jahre. Wegen steigender Kosten durch den Konzernumbau (vgl. ES 35/18) und zunehmender Kundenzurückhaltung musste Conti seine Renditeziele erneut eindampfen. 

Insgesamt geben 37 % der Emittenten konjunkturelle Gründe für ihre Gewinnwarnungen an, 14 % Sondereffekte und 12 % unerwartet hohe Personal- bzw. Materialpreis-
steigerungen, die sie nicht vollständig weitergeben bzw. kompensieren können. Auf Branchen bezogen sind dies in 2018 vor allem die Groß- und Einzelhändler, von denen 6 der 23 börsennotierten Unternehmen die eigenen Vorgaben runterschrauben mussten. In den Bereichen Automobil, Transport und Logistik lag der Anteil sogar bei 25 %. Die Energiebranche sowie der Immobilienbereich hingegen haben nicht eine einzige Gewinnwarnung geben müssen (vgl. Abb.). 

Interessant ist auch die Höhe der Prognoseanpassungen. Im Durchschnitt musste das Management seine operativen Ziele um ganze 39 % nach unten nehmen, was die Aktienkurse am Tag der Veröffentlichung um durchschnittlich 7 % drückte. Nach einer Woche lagen die Aktienkurse im Schnitt sogar um 9 % unter dem Niveau vor der Gewinnwarnung. Eine Prognoseanhebung dagegen wurde am Markt kaum honoriert. Gerade einmal 2 % ging es mit den Kursen im Schnitt nach oben, wenn eine positive Anpassung vermeldet wurde. Das zeigt, dass in den Kursen schon eine hohe Erwartungshaltung eingepreist ist und die Nervosität der Marktteilnehmer steigt, je länger der Bullenmarkt andauert.

Der IT-Boom scheint dagegen ungebrochen, die Branche strotzt 2018 nur so vor Zuversicht: 9 der 36 gelisteten Softwareunternehmen haben in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ihre Prognosen nach oben angepasst, einige sogar mehrfach. Sehr optimistisch waren auch die Vorstände im Bereich Immobilien und Telekommunikation. Hier korrigierte jeder Fünfte seine Prognose nach oben. Nur am Rande: Der Großteil der im S&P 500 gelisteten Unternehmen hat auch 2018 die Umsatz- und Gewinnerwartungen übertroffen.

Nachdem sich in der zweiten Jahreshälfte 2017 viele Unternehmen noch sehr optimistisch zeigten und ihre Prognosen nach oben schraubten, schwingt nun das Pendel langsam zurück. Anleger sollten sich in den kommenden Wochen auf eine Korrektur an den Börsen einstellen, denn die angepassten Erwartungen müssen nun erst in die Aktienkurse eingepreist werden. Doch mit der Abkühlung kommen auch wieder Kaufkurse in Sicht. Aufmerksam bleiben!

Quelle: EY „Prognoseänderungen im Prime All Share“, Stand: August 2018

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Nach Abschluss des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages (BuGV) zwischen der MAN SE und der VW Tochter Truck & Bus GmbH im Oktober 2013 hatte u.a. die Effecten-Spiegel AG ein Spruchverfahren zur Überprüfung des Abfindungspreises eingeleitet (vgl. ES 39/15). In der zweiten Instanz hatte das OLG München Ende Juni dieses Jahres einen rechtswirksamen Beschluss zur Höhe der Barabfindung und der Garantiedividende gefasst, die mit 12 % und 67 % deutlich über den ursprünglichen Angeboten lagen. Das wird der Volkswagen-Tochter auf Dauer zu teuer, sie hat nun den BuGV gekündigt.

Nach dem OLG-Urteil vom 29. Juni 2018 zu MAN hatte der ES in Ausgabe 32/18 zahlreiche Leseranfragen zur Ausgleichszahlung, zur Garantiedividende, zu den Abwicklungsmodalitäten der Banken sowie zur Laufzeit des BuGV beantwortet. Während noch die Einbuchungen der Nachzahlungsbeträge für die aufgebesserte Garantiedividende über die Depotbanken liefen, tickerte schon die nächste Meldung zu MAN über die Nachrichtendienste. Darin hieß es, dass „der Vorstand der Volkswagen Truck & Bus GmbH in seiner Sitzung am 21. August 2018 entschieden hat, den am 26. April 2013“ geschlossenen BuGV mit der MAN SE gemäß § 304 Aktiengesetz (AktG) mit Wirkung zum 1. Januar 2019 zu kündigen. Der signifikant höhere Ausgleich, der danach jährlich an die MAN-Kleinaktionäre zu zahlen ist, stehe „nunmehr in keinem angemessenen Verhältnis“ zur Gewinnabführung der MAN SE und den restlichen Vorteilen aus dem Vertrag. Der BuGV ist damit schlichtweg zu teuer geworden. 

Kündigung des BuGV 

Die Kündigung bezieht sich auf § 304 Aktiengesetz (AktG), der den angemessenen Ausgleich bei einem BuGV regelt. In Absatz 4 heißt es: „Bestimmt das Gericht den Ausgleich, so kann der andere Vertragsteil den Vertrag binnen zwei Monaten nach Rechtskraft der Entscheidung ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen.“ 

Die VW-Nutzfahrzeugtochter will nun also möglichst schnell und unangreifbar raus aus dem Vertrag. Denn Unternehmenskennern zufolge soll die erhöhte Garantiedividende über den Gewinnen liegen, die MAN an die VW-Tochter abführt. Zudem möchte der Konzern die LKW-Sparte schon im nächsten Jahr an die Börse bringen. Das rechtskräftige OLG-Urteil mit der deutlichen Anhebung der Ausgleichszahlungen hat jetzt diese sofortige Kündigung des BuGV von VW-Seite möglich gemacht. Der Autobauer spart dadurch nicht nur die teure jährliche Ausschüttung, sondern bekommt nun vermutlich auch fast alle außenstehenden Aktien angedient und könnte dann bei 90 % der Anteile schon einen verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out durchführen. Zum 30. Juni 2018 war er mit 75,73 % davon noch meilenweit entfernt, denn 24,27 % sind demnach noch im Freefloat. Um in den Besitz dieser Streubesitzanteile zu gelangen, ergibt sich jetzt für VW eine gute Gelegenheit. 

Was bedeutet das für die bis jetzt verbliebenen MAN-Aktionäre?

Da der Beschluss des OLG München am 6. August 2018 im Bundesanzeiger bekannt gemacht wurde, haben die Aktionäre nun bis zum 8. Oktober 2018 (zwei Monate nach Bekanntmachung) Zeit, um ihre MAN-Aktien der inzwischen umfirmierten Bus & Truck AG anzudienen. Das hat die IR-Abteilung der MAN SE auf Anfrage bestätigt: „Grundsätzlich gilt, dass ein Aktionär, der seine Aktien im Rahmen des Spruchverfahrens andient (möglich bis 8.10.2018), die Abfindung von 90,29 Euro je Aktie erhält.“ Von den Depotbanken wurden in den letzten Tagen automatisch entsprechende Mitteilungen an die MAN-Aktionäre verschickt.

Diese Abfindung wird mit 5 % p.a. über dem jeweiligen Basiszins ab dem 18. Juli 2013 verzinst. Die Zinsen werden dabei mit bereits geleisteten Zahlungen für die einzelnen Geschäftsjahre sowie mit der erhöhten Ausgleichszahlung verrechnet. Und genau hier liegt auch der nächste Haken: 

„Da die erhöhte Ausgleichszahlung ... in den Jahren 2014 bis 2017 über der Verzinsung für den erhöhten Abfindungsanspruch liegt, werden für diese Jahre keine Zinsen gezahlt. Für das Geschäftsjahr 2018 wird die Verzinsung der erhöhten Barabfindung ausbezahlt“, so die Mitteilung von MAN:

Hat die Kündigung des BuGV Einfluss auf die Nachzahlung der erhöhten Garantiedividende?

Nein, maßgeblich ist allein das Urteil des OLG München vom 29. Juni 2018 in der korrigierten Fassung vom 30. Juli 2018. Danach wurde der jährlich zu zahlenden Ausgleich je Aktie auf 5,47 Euro (netto: 5,10 Euro) festgesetzt. Die Depotbanken haben inzwischen von sich aus bei ihren Kunden eine Bestandsprüfung zu den jeweiligen Zeitpunkten der Dividendenzahlung zwischen 2014 und 2018 vorgenommen und den Differenzbetrag für die jeweiligen Jahre und MAN-Aktien eingebucht. Für die Privatanleger waren das 2,03 Euro abzgl. 25 % Abgeltungssteuer. Bei Kapitalgesellschaften wurden 25 % Kapitalertragsteuer sowie 5,5 % Soli einbehalten und 1,495 Euro netto überwiesen.

Was passiert, wenn die MAN-Aktien nicht bis zum 8. Oktober 2018 angedient werden?

Wegen der nunmehr ausgesprochenen Kündigung des Vertrages „lebt“ erst nach Eintragung der Vertragsbeendigung im Handelsregister das Abfindungsangebot noch einmal für zwei Monate „auf“. Im Klartext: Wer seine MAN-Aktien nicht bis zum 8. Oktober für 90,29 Euro andient, erhält erst nach Bekanntmachung der Kündigung 2019 für zwei Monate wieder die Gelegenheit dazu – dann allerdings ohne Zinsen. 

Was ist mit der Ausgleichszahlung für das Geschäftsjahr 2018?

Bei den beiden beschriebenen Konstellationen (1. Andienung der MAN-Aktien bis zum 08.10.2018 mit Zinsen oder 2. Andienung der MAN-Aktien Anfang 2019 ohne Zinsen) wäre der Anleger zum Zeitpunkt der nächsten Hauptversammlung der MAN SE nicht mehr Aktionär der Gesellschaft und hätte somit keinen Anspruch (auch nicht anteilig) auf die Ausgleichszahlung für das Geschäftsjahr 2018. Anspruch haben nur Aktionäre, die zum Zeitpunkt der MAN-HV (üblicherweise im 2. Quartal des nachfolgenden Geschäftsjahres) Aktionär der Gesellschaft sind. 

Anleger, die auf Nummer sicher gehen wollen, dienen ihre Aktien bis zum 8. Oktober 2018 an und kassieren die erhöhte Barabfindung von 90,29 Euro zzgl. Zinsen oder verkaufen jetzt über die Börse (wie die Effecten-Spiegel AG auch). Wer den Zeitpunkt verpasst oder auf einen zeitnahen Squeeze-out zocken will, hätte ggf. im Januar 2019 noch einmal die Gelegenheit, seine MAN-Aktien anzudienen, dann aber ohne Zinsen. Auf eine höhere Squeeze-out-Abfindung zu einem späteren Zeitpunkt sowie auf die Ausgleichszahlung für 2018 zu spekulieren, ist äußerst riskant. Denn die nächsten Schritte von VW lassen sich nicht vorhersagen. Ebenso wenig ist klar, welche echten Vermögenswerte zum Zeitpunkt der Beendigung des Unternehmensvertrages zum 31. Dezember 2018 noch in der MAN SE sein werden.

 

 

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Jahrzehntelang waren sie die unangreifbaren Flaggschiffe der deutschen Wirtschaft: Bayer, Deutsche Bank, Siemens, ThyssenKrupp, Volkswagen... Doch inzwischen geraten die Traditionskonzerne zunehmend unter Druck – durch eigene Struktur- und Managementprobleme, agile Konkurrenten oder durch aggressive Hedgefonds. Sie zwingen die Konzerne, sich neu aufzustellen. 

Möglichst groß und möglichst alle Bereiche abdecken – das galt in der Vergangenheit als Maxime für die deutsche Industrie. So entstanden riesige Konglomerate, die aber nun in die Jahre gekommen sind und zunehmend träge und unbeweglich werden – leichte Beute für aktivistische Investoren wie Cevian, Elliott oder Active Ownership Capital (AOC). Sie greifen genau an diesen Schwachstellen an und mischen die alten Riesen wie ThyssenKrupp auf. Gleichzeitig treten neue Player in den Markt ein, die auf nur ein Kerngeschäft fokussiert sind. Sie haben flache Hierarchien, sind frei von bürokratischem Ballast und leisten sich keinen zeitaufwendigen Abstimmungsdschungel. 

Siemens-Chef Joe Kaeser will sowohl diesen flexiblen Wettbewerbern als auch den aggressiven Hedgefonds die Stirn bieten. Denn haben die Aktivisten das Unternehmen erst einmal geentert, ist es für das Management meist zu spät. Der frühere Siemens-Chef Klaus Kleinfeld kann davon ein Lied singen. Als CEO bei Arcronic hatte er sich monatelang mit Elliott eine Schlammschlacht geliefert. Doch am Ende musste er gehen. Auch der langjährige Stada-Chef Hartmut Retzlaff verlor nach dem Einstieg von AOC 2016 seinen bis dahin unangefochtenen Posten. 

CEO Joe Kaeser hat die Zeichen der Zeit für seinen mehr als 170 Jahre alten Siemens-Konzern erkannt und handelt selbst, bevor er sich zur Zielscheibe degradieren lässt. Erst im März hat er die Medizintechnik unter dem Namen Healthineers verselbstständigt und an die Börse gebracht. Die Windkraft wurde mit dem Konkurrenten Gamesa fusioniert und kam so ebenfalls an die Börse. Die Bahntechnik soll im nächsten Jahr mit dem französischen Konkurrenten Alstom zu einem neuen europäischen Zug-Champion zusammengelegt werden. Und schon macht der rastlose Stratege Kaeser mit seiner „Vision 2020+“ weiter. Fokussierung statt Größe – so die neue Ausrichtung. Die Zahl der noch verbliebenen industriellen Divisionen wird von fünf auf drei reduziert. Die Kerngeschäfte sollen so mehr unternehmerische Freiheit, Agilität und Schnelligkeit bekommen – mit der Marke Siemens als verbindende Klammer. 

Auch die deutsche Schlüsselindustrie, die Automobilbranche, hat endlich begriffen, dass sie ihr Geschäftsmodell den neuen Wachstumsmärkten anpassen muss, wenn sie überleben will. Hersteller müssen sich zu Mobilitätsdienstleistern wandeln, Automobilzulieferer zu IT-Unternehmen. Daimler will nicht wieder einen Trend verschlafen und hat als einer der ersten Autobauer mit dem Konzernumbau begonnen, um sich für autonomes Fahren und Elektromobilität zu rüsten. Seit Monaten arbeitet ein Team von mehreren Hundert Mitarbeitern an der Umsetzung des „Projekts Zukunft“. Derzeit besteht Daimler aus fünf Divisionen. Künftig werden die Vans der Pkw-Sparte zugeordnet und die Busse den Lkws. Damit entstehen drei unabhängige Einheiten unter dem Dach der Daimler Holding: Pkw, Lkw und Finanzdienstleistungen. 

Die Stuttgarter wollen durch diese Entflechtung schneller, agiler und somit auch interessanter für Investoren und künftige Partner werden. 

Selbst in Wolfsburg, wo bis vor Kurzem die Maxime des ehemaligen Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch galten, wonach Volkswagen nur kaufe, aber nie etwas abgebe, denkt man um. Die erst 2012 erworbenen Lkw-Töchter MAN und Scania werden in Traton Group umbenannt und sollen bereits im kommenden Jahr an die Börse rollen. Lastwagenchef Andreas Renschler will sich auch ortsunabhängig von Volkswagen machen und den Sitz von Braunschweig nach München verlegen. Anders als bei den Konzerntöchtern wie Audi oder Skoda sollen keine Mitglieder der Familien Porsche und Piëch in den Aufsichtsrat einziehen, obwohl Volkswagen die Mehrheit der Anteile behalten will.

Autozulieferer Continental will sich unter der Dachmarke Continental Group in drei eigenständige Gesellschaften aufspalten, wovon die Antriebstechniksparte 2019 an die Börse gebracht werden soll. Die Einnahmen daraus sollen dann in die Wachstumsfelder wie z.B. die Digitalisierung fließen. Später könnte noch ein Teilbörsengang der Reifensparte folgen. Conti-Chef Degenhart will durch diese Umstrukturierung schneller wachsen als der Markt und den Aktienkurs über die Marke von 200 Euro hieven. 

Andere Konzerne haben sich bereits selbst zerlegt und einstige Kerngeschäfte ausgegliedert: Bayer mit der Chemiesparte Lanxess und dem Kunststoffhersteller Covestro. Beide Abspaltungen starteten erfolgreich an der Börse durch. Bei Metro dagegen lief es nicht so rund. Aber schon vor der Aufspaltung machten die beiden Bereiche Lebensmittelgroßhandel und Elektronikgeschäft Probleme. Synergieeffekte gab es keine. Auch die Abspaltung der DWS von der Deutschen Bank war eher eine Notbremsung, weil die Kunden zunehmend ihre Gelder aus dem DWS-Fonds abzogen. Allein in den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres waren es ca. 12,8 Mrd. Euro. 

Die beiden letzten Beispiele zeigen, dass in den vergangenen Jahren nur auf Größe und Diversifizierung gesetzt wurde und zu wenig auf echte Synergien. Schaut man bei dem mit über 200 Jahren ältesten deutschen Industriekonzern ThyssenKrupp genauer hin, offenbaren sich auch hier ähnliche Schwachpunkte: Der wichtigste Gewinnbringer, das Aufzugsgeschäft, ist im Vergleich zur Konkurrenz nicht effizient genug. Die Automobilsparte ist rentabel, aber viel zu klein. Und im Schiffs- und Industrieanlagenbau fehlen die Aufträge. Zwischen den einzelnen Sparten gibt es zwar sehr starke Synergieeffekte, allerdings behindert der Überbau immer noch deren effiziente Nutzung. Zu den Problemen im operativen Geschäft kommt nun auch noch ein kopfloses Management und eine unberechenbare Großaktionärin in Person der Mathematikprofessorin Gather (vgl. ES 29/18). In dem Maße wie die Stiftung an Einfluss verliert, gewinnen die Investoren Elliott und Cevian an Macht. Der alte Industrie-Dino ThyssenKrupp wird sich umbauen müssen, wenn er seine Marktposition nicht einbüßen will.

Die Energiebranche ist durch den politisch erzwungenen Atomausstieg und die Energiewende bereits mitten im Umbruch und vollzieht einen radikalen Richtungswechsel. E.on und RWE tauschen im großen Stil Geschäftsaktivitäten und Vermögenswerte und stellen sich komplett neu auf (vgl. ES 33/18). Vattenfall hat die Braunkohleförderung abgestoßen, und auch EnBW will alles loswerden, was Dreck macht und stinkt. 

Deutsche Traditionskonzerne befinden sich mitten im Umbruch. Die alten schläfrigen Konglomerate werden zu Holdinggesellschaften mit selbstständigen Geschäftssparten umgebaut. Anleger profitieren davon zumeist in doppelter Hinsicht: Von den erfolgreichen Börsengängen bei Abspaltungen als auch von den Wert- und Kurssteigerungen beim Mutterunternehmen selbst.

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Infas will stark wachsen und zahlt wieder Dividende

Sommerliches Wetter und gute Laune prägten die diesjährige Hauptversammlung der infas Holding AG in Bonn. Alleinvorstand Menno Smid konnte den Aktionären für 2017 abermals Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis präsentieren. So kletterten die Erlöse deutlich auf 29,3 (22,7) Mio. €. Das Ebit hat sich auf 3,14 (1,7) Mio. € annähernd verdoppelt. Unter dem Strich ergibt sich ein Jahresüberschuss von 1,88 (0,21) Mio. € oder 0,21 € je Aktie. Die Aktionäre dürfen sich somit wieder nach 2015  auf eine Dividende von 0,07 € freuen.

Auch in den kommenden Jahren will infas weiter deutlich wachsen. Neben den organischen Wachstumschancen kündigte Vorstandschef Smid an, auch alle anderen Optionen (wie etwa Akquisitionen) ins Auge zu fassen. Zu diesem Zweck wird derzeit eine Wachstumsstrategie ausgearbeitet, die mit Unterstützung des vom Aufsichtsrat derzeit gesuchten Finanzvorstandes in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll. Geplant ist dabei auch die Erschließung weiterer Marktsegmente, die bislang noch nicht gezielt bearbeitet wurden.  Dazu gehören etwa die Bereiche Medien und Verlage, Banken und Versicherungen sowie die pharmazeutische Industrie. Auf diese Weise soll sich der Umsatz bis zum Jahr 2021 auf rund 50 Mio. € erhöhen. Über das rein organische Wachstum im bisherigen Geschäft läge das Umsatzpotenzial bei rund 35 bis 36 Mio. €. Laut CEO Smid ist es erklärtes Ziel, „erster Mittelständler“ im Markt hinter den Big Four der Branche zu werden. Da er seinen Ende 2018 auslaufenden Vertrag um weitere drei Jahre bis Ende 2021 verlängern möchte, könnte der langjährige infas-Chef die angekündigte Wachstumsstrategie persönlich umsetzen.

Angesichts der weiterhin positiven Aussichten und der erfreulichen Kursentwicklung in den letzten Monaten verwundert es wenig, dass alle HV-Beschlüsse einstimmig gefasst wurden, darunter auch die Wiederwahl des Aufsichtsrates. Das Kontrollgremium besteht damit weiterhin aus Frau Susanne Neuschäffer als Vertreterin der Großaktionärin Effecten-Spiegel AG (20,4 %) sowie den Herren Dr. Oliver Krauß (Vorsitzender) und Hans-Joachim Riesenbeck (stv. Vorsitzender).

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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Randnotizen

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