EASY SOFTWARE AG

Der Vorstand der EASY SOFTWARE AG rechnet im ersten Halbjahr 2018 mit einer deutlich schwächeren Entwicklung. Begründet wird dies vor allem mit der Verschiebung von Umsätzen und Erträgen aus Projekten in die zweite Jahreshälfte. Darüber hinaus hatte die Gesellschaft auch vorgezogene Kosten zu verbuchen. Auf dieser Basis rechnet der Vorstand nun nach vorläufigen Zahlen im ersten Halbjahr 2018 mit einem EBITDA zwischen minus 0,5 und minus 0,7 Mio. Euro. Damit liegt das EBITDA auch deutlich unter dem Vorjahreswert. Der Vorstand geht jedoch davon aus, dass ein Teil der Effekte bis zum Jahresende wieder aufgeholt werden kann.

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Aumann AG

Die Aumann AG setzte auch im zweiten Quartal den Wachstumskurs der ersten drei Monate fort. So stieg der Umsatz um 36,2 Prozent auf 133,4 Mio. Euro. Das Segment E-mobility verzeichnete einen Zuwachs von 81,5 Prozent auf 48,8 Mio. Euro. Daneben wies die Gesellschaft zum Halbjahr einen Auftragsbestand von 203,3 Mio. Euro aus. Auch das Ergebnis verbesserte sich im ersten Halbjahr und so legte das bereinigte EBIT um 26,8 Prozent auf 15,6 Mio. Euro zu. Mit diesen Zahlen liegt die Aumann AG im oberen Bereich der Prognoseerwartung. Die liquiden Mittel von 101 Mio. Euro bieten zudem hervorragende Voraussetzungen für das weitere Wachstum. Angesichts des hohen Auftragsbestands und der guten Geschäftsentwicklung, plant Aumann die bestehenden Kapazitäten sowohl organisch als auch anorganisch auszubauen.

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EUROKAI GmbH & Co. KGaA

Die EUROKAI GmbH & Co. KGaA hat ihre Ergebniserwartung für das Geschäftsjahr 2018 angehoben. Zwar rechnet das Management unverändert mit einem rückläufigen Ergebnis, der Jahresüberschuss soll sich nun aber in einer Bandbreite zwischen 50 und 55 Mio. Euro bewegen. Zuvor hatte der Vorstand ein Ergebnis zwischen 40 und 45 Mio. Euro prognostiziert. Für das Segment CONTSHIP Italia wird entgegen der ursprünglichen Erwartung gegenüber dem Vorjahr insbesondere aufgrund der besseren Ergebnisentwicklung des Medcenter Container Terminals in Gioia Tauro nur noch ein leichter Ergebnisrückgang erwartet. Dies ist vor allem auf eine höhere Umschlagsmenge zurückzuführen. Das Ergebnis im Segment EUROGATE wird weiter rückläufig erwartet, jedoch über der ursprünglichen Prognose liegen.

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ES-Aktienfavoriten

Ausgabe 33 | 15.08.2018

Konservativ

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Täglicher Börsenbericht

Es reicht doch nicht

Der DAX muss sich weiter behaupten

Zwar ist der Dax gestern endlich wieder gestiegen, jedoch reicht das noch nicht aus, um von einer echten Erholung zu sprechen. Dafür müsste es weiter bergauf gehen. Jedoch sieht es nicht danach aus. Der dt. Leitindex musste heute im Laufe des Tages wieder Punkte abgeben. Noch immer werden die Börsen von dem Handelsstreit zwischen den USA und China in Atem gehalten. Allerdings könnte es hier bald Hoffnung auf eine Lösung geben. Möglicherweise könnte eine chinesische Delegation bereits nächste Woche nach Washington zu Gesprächen reisen. 

Walmart konnte im Q2 das beste Wachstum seit mehr als zehn Jahren verzeichnen, dementsprechend jubelierten die Anleger. Die Aktie schloss mit 9,3 % im Plus. 

Nachdem mutige Anleger wieder bei Bayer zugreifen, stieg die Aktie am Vormittag deutlich. Gestern noch hatte die Aktie des Pharmakonzerns noch ein 5-Jahres-Tief markiert. Die Aktie war auf Talfahrt gegangen, nachdem am Wochenbeginn eine Schadensersatzklage in den USA im Zusammenhang mit der Tochter Monsanto die Aktionäre in Aufruhr versetzt hatte. 

Entgegen Gerüchten steht, nach Angaben eines Insiders, Lanxess-Chef Matthias Zachert nicht für den Posten des Vorstandschefs bei ThyssenKrupp zur Verfügung. 

Der US-Konzern Nvidia bekommt die nachlassende Nachfrage nach Grafikkarten für die Erzeugung von Kryptowährungen zu spüren und sieht daher skeptischer auf das lfd. Quartal. Der Umsatz werde wohl die Analystenschätzungen nicht erfüllen können, so das Unternehmen. 

Medienberichten zufolge droht den VW-Ingenieuren, die in die Abgas-Affäre verwickelt sein sollen, und gegen die die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt, die fristlose Kündigung. 

Aus Australien hat Rheinmetall einen neuen Mrd.-Auftrag für Radpanzer erhalten. Das Auftragsvolumen soll 2,1 Mrd. € betragen. Die Panzer des Typs Boxer sollen zwischen 2019 und 2026 ausgeliefert werden. 

Grand City Properties profitiert von steigenden Mieten. Im H1 kletterten die Miet- und Betriebseinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 12 %. 

 

 

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Auslandsfavoriten

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Thema der Woche

Ausgabe 33 | 15.08.2018

Filetstück Innogy

Die Zerlegung von Innogy setzt Anleger unter Strom

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Randnotizen

Als Angela Merkel im Februar endlich ihr Kabinett vorstellte, begründete sie die Ämterbesetzung u.a. damit, dass sich zunächst junge Kräfte bewähren und „ihren Erfahrungsschatz erweitern“ sollten. Damit machte die Regierungschefin deutlich, dass es nicht in erster Linie um Fachkompetenz, ökonomischen Sachverstand oder Berufserfahrung in ihrem Kabinett geht. Um einen der begehrten Sessel am Kabinettstisch im Bundeskanzleramt zu ergattern, muss man vielmehr jung und/oder Frau sein und möglichst noch eine politische Laufbahn im richtigen Parteiflügel hinter sich haben. So hatte die Forschungs- und Bildungsministerin Anja Karliczek mit Forschung bisher ebenso wenig zu tun wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mit der Arbeitswelt außerhalb der Politik. Deshalb will der Politologe und Soziologe nun unter Leitung von Staatssekretär Björn Böhning eine eigene „Denkfabrik“ für die Arbeitswelt der Zukunft im Bundesarbeitsministerium schaffen. Der Diplom-Politologe Böhning hat aber ebenso wenig Ahnung vom Berufsleben wie sein Chef oder etwa Außenminister Heiko Maas. Dieser ist zwar studierter Jurist, hat aber seinen Beruf nie ausgeübt. Auch Verkehrsminister Andreas Scheuer hatte durch Studium und Promotion gar keine Zeit zum Arbeiten außerhalb der Politik. Selbst Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat nur kurz an der Uni gearbeitet, bevor er EU-Beamter wurde und vor 24 Jahren dann Mitglied im Bundestag. 

Es waren Weltökonomen wie Ludwig Erhard und kompromisslose Macher wie Helmut Schmidt, die Deutschland zu Größe und Wohlstand führten. Wo wird Deutschland in 30 Jahren stehen, wenn heute die Regierenden ihren Job erst im Amt lernen?

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Im Gefängnis muss Rupert Stadler hören, dass er nun auch noch seinen Job verlieren und durch Markus Duesmann bei Audi ersetzt werden soll. Der bisherige Einkaufsvorstand bei BMW, Markus Duesmann, ist in jüngster Zeit der zweite Topmanager, den die Wolfsburger bei dem bayerischen Konkurrenten abwerben. Mitte 2015 war bereits Herbert Diess in den VW-Vorstand gewechselt, der inzwischen Matthias Müller als Vorstandsvorsitzenden ersetzt. 

Diess und Duesmann kennen sich gut. Die „persönlichen Gründe“, aus denen Duesmann nun seinen noch gut ein Jahr laufenden Vertrag bei BMW aufgibt, dürfte also das gute persönliche Verhältnis zu Herbert Diess sein. Während Rupert Stadler in Untersuchungshaft sitzt und die Staatsanwaltschaft weiter gegen ihn ermittelt, baut der neue VW-CEO mit Diplom-Ingenieur Duesmann seine Hausmacht in Wolfsburg systematisch aus.  

Kaum ist ein Sündenbock gefunden, nimmt das Karussel schon wieder Fahrt auf. Manches ändert sich eben nie!

 

 

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Als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) schrieb Mario Draghi am 10. März 2016 Geschichte, als er um die Mittagszeit der Weltpresse seinen „irren Masterplan“ (vgl. ES 11/16) vorstellte. Mit einem ganzen Maßnahmenkatalog wollte die EZB der Konjunktur im Euro-Raum auf die Sprünge helfen und eine drohende Deflation abwenden. So konnten seit Sommer 2016 Banken zinslos neues Geld bei der EZB aufnehmen, auf Einlagen Strafzinsen verlangen, und die Europäische Zentralbank selbst schraubte ihr seit 2015 laufendes Anleihenkaufprogramm noch einmal ordentlich hoch. Zwar konnten sich Banken und auch Unternehmen nun billig refinanzieren, doch die Schuldenquote stieg. Die Sparer waren ohnehin von Anfang an die Dummen. Doch alle Warnungen blieben ungehört. 

Am 9. Juli veröffentlichte der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) seinen Jahresbericht für die Zeit vom 1. April 2017 bis 31. März 2018. Die Experten benennen darin vier ernsthafte Gefahren für die Stabilität des europäischen Finanzsektors, die sich vor allem aus der Überschuldung von Ländern, Unternehmen und Haushalten in der EU ergeben. So seien in manchen EU-Ländern die Verschuldungsquoten nicht gesunken, sondern eher gestiegen. Eine Normalisierung der Risikoaufschläge hätte einen deutlichen Zinsanstieg zur Folge, was die weltweiten Finanzierungsbedingungen verschlechtern und die Volkswirtschaften belasten würde. Ein solcher Zinsanstieg hätte starke Auswirkungen auf hoch verschuldete Wirtschaftsakteure wie Staaten, Unternehmen und private Haushalte. Als Gefahr für die Finanzstabilität betrachtet der ESRB außerdem die anhaltende Bilanzschwäche von Banken, Versicherern und Pensionsfonds. Zu dieser Schwäche aber hat die lockere Geldpolitk der EZB maßgeblich beigetragen. 

Diese Erkenntnisse sind an sich nicht neu. Sie sind jedoch deshalb von besonderer Brisanz, weil das Expertenteam des ESRB von keinem Geringeren geleitet wird als von Mario Draghi selbst – dem Präsidenten der EZB. Welch tragische Doppelrolle!

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„Setzen Sie diesem Wahnsinn ein Ende!“, war am vergangenen Freitag in roten Lettern unter dem ganzseitigen „Aufruf zur Beendigung des Streiks bei Halberg“ in der ´FAZ´ zu lesen. – Wer zum Teufel ist Halberg, mag sich da so mancher Leser gefragt haben. Bei den 26 Unterzeichnern dieses dramatischen Appells springen einem dagegen sofort bekannte Firmennamen entgegen: Agco, Deutz, Kion, Putzmeister, Vögele, Wacker Neuson ... Und erst jetzt schenkt die Öffentlichkeit dem Drama Aufmerksamkeit, das schon im Januar seinen Anfang nahm, als die Prevent-Gruppe der berüchtigten Familie Hastor den Autoteilezulieferer Neue Halberg Guss (NHG) übernahm. Und wie schon bei VW zeigten sich die Bosnier völlig rücksichtslos bei der Durchsetzung ihrer Interessen: 

Bei der Car Trim und ES Automobil Guss in Sachsen wurden bereits 360 Leute entlassen. Das NHG-Werk in Leipzig mit 800 Arbeitern soll 2019 geschlossen werden, im Stammwerk Saarbrücken 300 Arbeitsplätze wegfallen. Alle Verhandlungen der IG Metall blieben erfolglos. „Hast du Prevent im Haus, geht dir bald die Arbeit aus“, heißt es daher bei den Beschäftigten von NHG, die sich nun schon seit dem 14. Juni an beiden Standorten im unbefristeten Arbeitskampf befinden. Eine Annäherung der Parteien ist nicht in Sicht. Doch in der 6. Streikwoche gibt es nicht mehr nur „Keine Laster für Hastor“, sondern auch die Deutz AG steht vor dem Produktionsstopp. „Kunden der NHG und deren Kunden, ..., müssen aufgrund von streikbedingten Lieferengpässen mit einem zwangsweisen Produktionsausfall“, Umsatzeinbußen und mit Kurzarbeit rechnen, mahnen daher die 26 Manager. 

Wer also setzt dem Wahnsinn ein Ende?

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Spezial

ES: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Börsengang vor gut zwei Monaten?

Wir sind mit dem IPO sehr zufrieden. Wir haben die finanziellen Mittel für das geplante Wachstum vollumfänglich einsammeln können. Zudem erfahren wir durch die Notierung eine deutlich höhere Aufmerksamkeit, nicht nur am Kapitalmarkt, sondern auch bei Kunden und bei der Mitarbeitergewinnung. Und ich denke, auch die Aktionäre können sehr zufrieden sein, liegen unsere Kurse doch merklich oberhalb des Ausgabepreises.

ES: Serviceware ist Anbieter von Softwarelösungen für den sog. „Enterprise Service Management (ESM) Markt“. Wie erklären Sie Ihr Geschäftsmodell?

Einfach gesagt: Mit unseren Softwarelösungen können Unternehmen ihre Serviceprozesse digitalisieren. Bislang – man glaubt es vielleicht kaum – werden diese Prozesse und die Erfassung der damit verbundenen Kosten auch in Großunternehmen häufig mittels Tabellenkalkulation abgebildet. Wir bieten hingegen eine integrierte Softwareplattform an, die vom Serviceprozess über die Kostensteuerung und -analyse bis zur vor Ort Einsatzplanung der Servicekräfte alles digital abbildet. Damit steigern Unternehmen die Qualität und Effizienz ihres Services und senken die Kosten. Es geht also um die Zufriedenheit der Kunden, ein zentraler Schlüssel für den Unternehmenserfolg.   

ES: In welchen Branchen findet man Kunden von Serviceware? 

Wir haben über 500 Kunden aus den verschiedensten Branchen. Aber gerade auch große Unternehmen setzen verstärkt auf Lösungen zur Kundenzufriedenheit und Kos-tentransparenz. So hat Serviceware allein 9 DAX-Unternehmen sowie 4 der 7 größten Gesellschaften hierzulande als Kunden.  

ES: Gibt es Großkunden oder Branchen, von denen eine Abhängigkeit besteht? 

Mit den 5 größten Kunden haben wir im vergangenen Jahr rd. 8 % unseres Umsatzes abgerechnet. Rund 60 % des Umsatzes des vergangenen Jahres waren zudem wiederkehrende Umsätze. Serviceware verfügt damit über eine sehr stabile und breite Kundenbasis.  

ES: Welche Wachstumstreiber sehen Sie?

Die Zufriedenheit des Kunden ist ein zentraler Faktor für die Kundenbindung und die Abgrenzung zu Mitbewerbern. Diese Einsicht setzt sich immer stärker durch, die Unternehmen suchen verstärkt nach Softwarelösungen. Denn Digitalisierung ist der Treiber des ESM-Marktes und damit auch ein wichtiger Treiber für unser Wachstum.  

ES: Mit welchen organischen Wachstumsraten rechnen Sie auf Sicht der kommenden 3 bis 5 Jahre?

Der Markt selber wird nach Schätzungen von Gartner zwischen 2017 und 2021 um durchschnittlich rd. 11,8 % wachsen – pro Jahr wohlgemerkt! Wir wären aufgrund unserer Marktposition und der Qualität unserer Softwareplattform einigermaßen unzufrieden, wenn wir dies als Messlatte nehmen müssten. Da haben wir merklich ambitioniertere Ziele. 

ES: Wie stellt sich die Wettbewerbssituation dar? 

Der ESM-Markt rückt jetzt immer stärker in den Fokus der Unternehmen. In Europa hat Serviceware eine herausgehobene Position, denn wir sind das einzige Unternehmen, das eine modulare, integrierte Plattform anbietet, die Service Management, Financial Management sowie Field und Customer Service Management vereint. Global haben wir zwei Wettbewerber, die größer sind als wir. Aber auch dort können wir punkten, indem einzig unsere Plattform dieses breite Spektrum abdeckt.   

ES: In welchen Ländern wollen Sie zukünftig bevorzugt aktiv werden? 

Beim internationalen Roll out unserer Plattform sind aktuell im allerersten Schritt Spanien, Niederlande/Belgien und Skandinavien für uns interessant. Kurzfristig sollen dann Großbritannien, Italien und Frankreich folgen.   

ES: Nach welchen Kriterien würden Sie potenzielle M&A Targets auswählen? 

Wir kennen die Branche natürlich sehr gut und haben auch bereits einige interessante Targets im Blick. Unser oberstes Ziel ist jedoch ganz klar, unsere Plattform durch Zukäufe zu ergänzen und eventuell noch Cross Selling Potenziale zu heben. Unsere Aktivitäten gestalten sich auch recht vielversprechend, aber natürlich werden wir keine Kaufpreise zahlen, die so hoch sind, dass eine Akquisition keinen Wert für unser Unternehmen und unsere Aktionäre generiert. Aber ich bin in dieser Hinsicht sehr optimistisch.

ES: Wie haben sich die Geschäfte bisher in 2018 entwickelt? 

Wir sind mit dem Geschäftsverlauf sehr zufrieden. Im ersten Quartal, das im Einfluss des Börsengangs stand, haben wir den Umsatz und das Ergebnis gesteigert und zudem Erfolge bei der Großkundengewinnung in Deutschland und Skandinavien erzielt. Die Zahlen für das 2. Quartal sind für Juli angekündigt. Ich gehe davon aus, dass der Kapitalmarkt nicht enttäuscht sein wird.   

ES: Und wie sieht Ihre mittelfristige Prognose aus?  

Wir haben hierzu bisher keine Prognose veröffentlicht, aber es ist klar: Wir wollen die sich bietenden Wachstumschancen nutzen. Serviceware verfügt dafür über eine hervorragende Ausgangsbasis, eine exzellente Produktpalette und eine breite Kundenbasis mit namhaften Großkunden. In 5 Jahren wollen wir in einem schnell wachsenden Markt die europäische Marktführerschaft weiter gefestigt haben und was danach kommt, wer weiß… Weil wir von den ausgezeichneten Perspektiven überzeugt sind, sind unser CEO Dirk Martin und ich als die beiden Gründer von Serviceware mit jeweils 30 % am Unternehmen beteiligt und wollen auch langfristig engagiert bleiben.

ES: Neben den Chancen auf Kursgewinne ist auch die Dividende ein wichtiges Investitionskriterium. Auf welche Dividendenpolitik dürfen sich Ihre Anleger für die Zukunft einstellen? 

Das lässt sich kurz beantworten: Serviceware ist auf lange Sicht ein Wachstumstitel – kein Dividendentitel. Wir wollen das zum Börsengang eingeworbene Geld für unsere Expansionsstrategie nutzen und nicht unmittelbar wieder an die Investoren ausschütten. Denn jetzt gilt es, Marktchancen zu nutzen.

ES: Herr Popp, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

 

 

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Garantie für eine jährliche Ausschüttung? Das geht! Der Schlüssel für diesen automatisierten Geldfluss heißt Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BuGV). Benötigt werden eine Stimmenmehrheit des Großaktionärs von 75 % sowie ein Beschluss der Hauptversammlung. Dann öffnet sich die Tür zu einer jährlich festgelegten Dividendenzahlung und damit zur sicheren Dividendenrendite für mindestens fünf Jahre.

Seit Jahren schon hält Volkswagen über seine Volkswagen Truck & Bus GmbH die Mehrheit an MAN. 2013 schloss die VW-Tochtergesellschaft mit der MAN SE einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Für den Abschluss eines solchen Vertrages muss der Großaktionär, in diesem Fall also VW, mindestens 75 % der Stimmrechte an der Zielgesellschaft (hier: MAN) besitzen. Zudem muss die Hauptversammlung dem Vertragsabschluss zustimmen, bei MAN war das am 06.06.2013 der Fall. Mit Gültigkeit des BuGV gehen dann fortan alle Gewinne an das beherrschende Unternehmen, das im Gegenzug aber auch für alle Verluste geradestehen muss. 

Als Ersatz für das wegfallende Anrecht auf Gewinnbeteiligung muss der Mehrheitsaktionär den übrigen Aktionären einen Ausgleich bieten. Diese erhalten dann zwei Alternativen: Sie können entweder ihre Aktien an den Großaktionär gegen eine Barabfindung verkaufen oder behalten ihre Aktien und erhalten jedes Jahr eine fest vereinbarte Ausgleichszahlung. Diese jährliche Ausschüttung wird vom Mehrheitsaktionär garantiert – auch dann, wenn die übernommene Firma Verluste schreibt und im Normalfall gar keine Dividende zahlen würde. Die freien Aktionäre erhalten somit jedes Jahr eine garantierte Verzinsung auf ihre Aktie. So bringt das Papier des Recyclingspezialisten Alba bei einer Garantiedividende von 3,25 Euro rund 6 % Rendite p.a. Bei Euwax, dem Handelssegment der Börse Stuttgart, beträgt die Rendite knapp 4 % bei einer jährlich garantierten Dividende von 3,26 Euro (vgl. Abb.). Problematisch wird es nur dann, wenn der Großaktionär selbst in finanzielle Schwierigkeiten gerät und nicht mehr zahlen kann. Vorgekommen ist dies bisher selten. Bei Adressen wie VW, der Alba Group oder dem US-Elektronikkonzern Diebold bestehen jedoch bezüglich der Zahlungsfähigkeit keinerlei Bedenken. 

Auch die MAN-Aktionäre konnten nach Eintragung des BuGV im Juli 2013 entscheiden, ob sie ihre Aktien für 80,89 Euro an VW verkaufen oder ihre Aktien behalten und jedes Jahr eine Garantiedividende von 3,07 Euro (3,30 Euro vor Unternehmenssteuern) kassieren. Die Effecten-Spiegel AG entschied sich damals für letztere Variante und machte gleichzeitig von dem Recht Gebrauch, die angebotene Barabfindung und Ausgleichszahlung gerichtlich im Spruchverfahren auf ihre Angemessenheit prüfen zu lassen (vgl. ES 39/15 und 27/18). 

Das Landgericht München entschied am 31.07.2015, die Abfindung von 80,89 Euro auf 90,29 je MAN-Stamm- und Vorzugsaktie anzuheben. Die jährliche Garantiedividende wurde erstinstanzlich nicht angepasst, sondern erst jetzt in der zweiten und somit letzten Instanz. Am 29. Juni nun hat das OLG München die jährliche Ausschüttung auf 5,50 Euro (vor Unternehmenssteuern) angehoben, die Barabfindung allerdings nicht mehr erhöht. Da das Urteil rechtskräftig ist, muss VW jetzt die jeweiligen Differenzbe-träge sowohl für den Barabfindungsbetrag als auch bei der Garantiedividende den ehemaligen und den verbliebenen MAN-Aktionären nachzahlen. Gleichzeitig läuft die -Andienungsfrist binnen zwei Monaten nach Bekanntmachung im Bundesanzeiger aus. Jetzt dem Großaktionär die Aktien für 90,29 Euro anzudienen, macht jedoch wenig Sinn. Die MAN-Aktie notiert mit Kursen zwischen 95 und 97 Euro schließlich deutlich über dem Barabfindungspreis. 

Ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag gilt mindestens für fünf Jahre. In der Regel läuft der Vertrag aber so lange, bis er gekündigt oder ein Rückzug von der Börse angestrebt wird. Denn der BuGV ist oftmals nur der erste Schritt zur Komplettübernahme eines Unternehmens. Mitunter wird solch ein Squeeze-out vergleichsweise rasch umgesetzt, da sich der Großaktionär dadurch die jährliche Ausgleichszahlung an die übrigen Aktionäre spart. So sind die 5,50 Euro, die VW seit 2014 jedes Jahr an die verbliebenen MAN-Aktionäre zahlen muss, nicht gerade Peanuts, auch wenn der Streubesitz natürlich kontinuierlich abnimmt. Und auch die 3,13 Euro, die der amerikanische Konzern Diebold an die Anteilseigner des Geldautomatenherstellers Wincor (jetzt Diebold) Nixdorf von 2018 an jährlich zahlen muss, könnten dem Konzern wehtun. Will der Großaktionär aber wirklich die letzten Anteile einsammeln und die Minderheitsaktionäre aus dem Konzern „herauspressen“, muss er ihnen erneut ein attraktives Übernahmeangebot machen. Um den Streubesitz dann ganz abzufinden (wie etwa im Fall von W.E.T. Automotive Systems, des IT-Unternehmens IBS oder des Fahrzeugherstellers Kässbohrer), muss der Großaktionär aber in den Besitz von mindestens 95 % des beherrschten Unternehmens gelangen. Daher wird er weiter über den Markt zukaufen, was wiederum die Kurse nach unten absichert. Oft ist jedoch die Liquidität an der Börse recht dünn. Bei größeren Konzernen wie MAN, Diebold Nixdorf oder Celesio ist das Handelsvolumen allerdings noch recht gut. Bei Medion oder Alba dagegen gehen kaum noch Stücke an der Börse um.

In unruhigen Börsenzeiten und bei anhaltender Niedrigzinspolitik stellen Aktien mit einer Garantiedividende eine attraktive Alternative dar. Sie besitzen einen zweifachen Airbag: stabile Kurse und eine feste jährliche Verzinsung.

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In den zurückliegenden Jahren des Börsenaufschwungs haben viele Investoren ihr Geld in ETFs angelegt und von den großen Liquiditätsströmen der Notenbanken profitiert. Die Aktienindizes legten rasante Zuwachsraten hin, die ETFs ebenfalls. Doch nun bewegen sich die Indizes kaum noch oder sind sogar auf dem Rückzug. Anleger sollten daher ihr Geld wieder aktiv managen und Aktien oder Aktienfonds kaufen.

Am 1. Juli 2018 wurde der deutsche Aktien-index DAX 30 Jahre alt. Zu seinem offiziellen Starttermin am 1. Juli 1988 zählte der Leitindex, der die Entwicklung der 30 wichtigsten Unternehmen Deutschlands abbildet, 1.163 Punkte. Seinen bisherigen Höchst-stand markierte er am 23. Januar 2018 bei 13.597 Punkten. In 22 Jahren lag der DAX in 14 Jahren im Plus, nur acht Jahre endeten im Minus. Seinen besten Zwölfmonatszeitraum hatte er von Juli 1996 bis Juli 1997 mit plus 79,5 %. Als im März 2000 die Internet-Blase platzte, ging es drei Jahre lang bergab – von über 8.136 Punkten bis auf 2.189 Zähler. Erst im Sommer 2007 erreichte er seinen damaligen Höchst-stand wieder, um kurze Zeit später in den Abwärtsstrudel der Finanzkrise zu geraten. 

Im weltweiten Vergleich ist Deutschland ein Leichtgewicht an der Börse. Der Börsenwert des deutschen Aktienmarktes beträgt nur einen Bruch-teil des Welt-aktienmarktes. Daher ging auch in den USA und nicht in Deutschland am 22. Januar 1993 mit „SPY“ der erste börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Fund) an den Start. Dieser Ur-ETF des Produktspezialisten State Street bildete den wichtigsten US-Index, den S&P 500, ab und ist bis heute immer noch der größte seiner Art. Ende Januar 2018 waren 307 Mrd. Dollar im SPY „under management“. 

Die klassischen ETFs sind somit börsengehandelte Indexfonds, die den jeweiligen Index (DAX, Dow Jones, Nikkei, S&P 500, MSCI World etc.) 1:1 abbilden, ebenso wie deren Wertentwicklung an der Börse. ETFs werden ebenso wie Aktien an den Börsen fortlaufend gehandelt, in Deutschland allerdings erst seit dem Jahr 2000. Die Ordererteilung erfolgt über die Banken wie bei einer Aktie mit Stückzahl und Wertpapierkennnummer (WKN). Heute gibt es neben den klassischen Indexfonds auch ETFs auf Aktien, Anleihen, Devisen, Renten oder Rohstoffe und sicher demnächst auch auf Kryptowährungen. Anleger können so über den Erwerb eines einzigen Produkts an der Entwicklung ganzer Märkte oder Anlageklassen partizipieren. Der ETF-Preis bleibt aber auch hier immer an den jeweiligen Preis des Basiswertes gekoppelt. 

Die aktuelle Börsenhausse läuft nun schon fast neun Jahre und führte zu einem Boom der ETF-Branche. So haben Anleger seit 2008 allein aus aktiv investierenden US-Aktienfonds mehr als 800 Mrd. Dollar abgezogen und 1,8 Bill. Dollar in Aktienindexfonds (Aktien-ETFs) umgeschichtet. Jack Bogle, einer der entscheidenden Wegbereiter des passiven Investierens, hat 2016 diese Entwicklung in der New York Times als „Gezeitenwechsel – eigentlich eher als einen Tsunami“ beschrieben. Seit 2017 hat diese Welle sogar noch einmal Tempo aufgenommen. Allein im ersten Quartal 2017 liefen die Nettomittelzuflüsse in US-notierte Aktien-ETFs auf 97 Mrd. Dollar hoch, zu 20 Mrd. Dollar im Vergleichszeitraum 2016. Nach aktuellen Zahlen des Londoner Analysehauses ETFGI kam das weltweite Volumen der in Indexfonds angelegten Gelder im Januar 2018 auf 5,15 Bill. Dollar. 

Dabei sind die Player am Markt in erster Linie die großen institutionellen Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen, aber auch Vermögensverwalter wie BlackRock, Lyxor, HSBC und die „XTrackers“ der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Kostenvorteile und gute Handelbarkeit der Produkte lockten zunehmend auch private Anleger in den ETF-Markt. Mit dem Aufkommen von Online-Vermögensverwaltungen, den sog. „Robo-Advisors“, hat sich der Trend weiter verstärkt, denn fast alle Anbieter setzen dabei auf Indexfonds. Der In Deutschland führende Robo-Advisor ist die Scalable Capital. Sie verwaltete Ende 2017 eine halbe Milliarde Euro an Kundengeldern.

Viele Privatanleger, die über ETFs neu in den Aktienmarkt eingestiegen sind, haben gute Erfahrungen mit diesen Produkten gemacht. Doch inzwischen hat die Volatilität am Aktienmarkt deutlich zugenommen. Es gibt keinen Einheitstrend mehr für alle Titel im Index, sondern eine wachsende Diskrepanz zwischen Gewinnern und Verlierern. Während der DAX in den ersten sechs Monaten des lfd. Jahres um 4,7 % gefallen ist (s. Abb.), gab es zum 30.06. noch 8 Gewinner, angeführt von der Deutschen Börse mit einem Kursplus von 17,9 %. Der größte Verlierer, die Deutsche Bank, hat dagegen satte 41,9 % eingebüßt. In der Summe bewegen sich derzeit die Indizes kaum noch oder sind tendenziell auf dem Rückzug. Im Gleichschritt laufen die Indexfonds. In diesen Phasen kann man mit ETFs kein Geld mehr verdienen, obwohl vielleicht einzelne Aktien gut laufen. Das im ETF gebundene Geld kann sich nicht bewegen. Schmieren die Indizes gar ab, geht der ETF ebenfalls 1:1 mit nach unten. Somit hätte ein DAX-ETF in den Jahren 2000 bis 2003 über 73 % verloren.

Gerade professionelle Anleger und Vermögensverwalter wenden sich daher wieder vermehrt aktiven Anlagestrategien zu, das hat eine Umfrage unter Investmentmanagern durch Natixis ergeben. Kleinanleger, die nicht die Zeit haben, sich selbst mit der Direktanlage Aktie zu beschäftigen oder fürchten, dass sie bei ihrer Auswahl genau auf die Verlierer setzen, können auch in einen aktiv gemanagten Fonds investieren. Die Manager der Fonds haben in erster Linie die Unternehmen im Blick, analysieren Bilanzen und machen sich ein Bild vom Management. In der aktuellen Ausgabe „Finanztest“ 06/2018 präsentiert die Stiftung Warentest das Ergebnis ihrer jüngsten Fondsanalyse. Danach konnten Anleger in den vergangenen fünf Jahren mit ETFs im besten Fall eine Rendite von 9 % p.a. erzielen, mit aktiv gemanagten Fonds sogar bis zu 22,2 %. Geschafft hat das der Fonds Mainfirst Germany (ISIN: LU0390221256). Der DB Platinum Platow (ISIN: LU1239760025) kommt im fünfjährigen Untersuchungszeitraum noch auf stattliche 17 % Rendite pro Jahr. Der DWS Aktien Strategie Deutschland (ISIN: DE0009769869) hat 15,7 % jährlich geschafft, der Acatis Aktien Deutschland (ISIN: LU0158903558) immerhin noch 11,3 %. 

Ein Grund für das gute Abschneiden der genannten Fonds liegt in ihrer strategischen Ausrichtung. Gleich drei von ihnen setzen verstärkt auf Nebenwerte. Während der DAX in den vergangenen fünf Jahren um 9,2 % pro Jahr zulegte, waren es beim MDAX 13,9 % und beim SDAX sogar 15,9 %. Nur der größte der vier Fonds, der DWS Aktien Strategie Deutschland, investiert in größerem Umfang in die großen Werte aus dem DAX. Unter den Top-10-Werten des Fonds findet sich mit Airbus nur eine einzige Aktie aus dem MDAX. Bei den anderen drei Fonds ist es genau umgekehrt. Hier stammt die Mehrzahl der Toptitel nicht aus dem DAX. 

Passive Investitionsprodukte (ETFs) waren seit der Finanzkrise die Profiteure des gewaltigen Liquiditätszuflusses an den Finanzmärkten. Daher konnten Anleger damit hohe Renditen erzielen. In Zeiten größerer Schwankungen ist mit Indexprodukten kaum Geld zu verdienen. Privatanleger sollten sich somit wieder der aktiven Geldanlage zuwenden und ausgewählte Aktien oder Aktienfonds kaufen. In den traditionell schwachen Börsenwochen bis Ende September werden sie genügend Kaufgelegenheiten bekommen.

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„Realität ist nur eine Interpretation dessen, was das menschliche Gehirn verarbeitet“, heißt es in der Psychologie. Ähnlich sieht es mit der Augmented Reality (AR) aus. Was bis vor wenigen Jahren nur in einem Science-Fiction-Film vorstellbar war, kehrt nun in den Alltag ein. Google, Microsoft, Apple und Co. haben sich längst in Stellung gebracht, um an der erweiterten Realität kräftig mitzuverdienen. 

Bei der Augmented Reality-Technologie werden fiktive Objekte in die reale Umgebung eingefügt. Die Herausforderung liegt somit darin, den virtuellen Input in Echtzeit und dreidimensional mit der Realität zu verankern. Das bekannteste Beispiel ist wohl die Spiele-App „Pokemon Go“. Zu den ersten großen bekannten Unternehmen, die auf AR setzen, zählt IKEA. Das schwedische Einrichtungshaus ermöglicht durch die App „Places“, Möbel aus dem Katalog virtuell im eigenen Wohnraum maßstabsgetreu zu platzieren. Auf dem Display des Smartphones kann man dann sehen, wie ein entsprechendes Möbelstück in den eigenen vier Wänden aussieht. Bei der erweiterten Realität machen Konsum und Unterhaltung aber nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten aus. In der Industrie, der Medizin, bei der Städteplanung, im Ausbildungswesen oder im Geschäftsleben dagegen wird AR den Alltag komplett revolutionieren. 

Knackpunkt ist jedoch die Technologie dahinter. Während man bei der VR-Technologie vollständig in eine virtuelle Welt eintaucht und seine reale Umgebung nicht mehr wahrnimmt, werden bei AR nur einzelne virtuelle Elemente in die Realität eingepasst. Das wichtigste Hilfsmittel hierfür sind Linsen oder Brillen. Das Marktforschungsinstitut IDC bescheinigt der AR-Brille zwar in den kommenden Jahren ein stärkeres Wachstum als den VR-Brillen. Derzeit stehen diese jedoch für den normalen Endverbraucher noch gar nicht zur Verfügung. Ab dem kommenden Jahr soll sich das ändern. 

Einer der Hersteller von AR-Brillen ist das nicht börsennotierte US-Unternehmen Magic Leap, an dem u.a. Google und Alibaba beteiligt sind. Googles eigener AR-Brillen-Prototyp war 2014 gefloppt. Mehr als eine halbe Milliarde Dollar hat Google seitdem in das Augmented Reality-Unternehmen Magic Leap investiert, die mit alltagstauglichen AR-Brillen das Smartphone ersetzen wollen. Sowohl für Google Hardware-Chef Rick Osterloh als auch für den Apple-Chef Tim Cook ist die Smartphone-AR dabei nur eine Brückentechnologie. Allerdings scheint Osterloh sobald nicht mit einem Durchbruch zu rechnen. 

Microsoft entwickelte mit HoloLens seine erste Datenbrille. Anfang 2019 wird mit einer verbesserten Version gerechnet. Allerdings wird HoloLens 2 nicht ganz preisgünstig sein. Die erste Variante wird für rd. 3.300 € angeboten.

Auch Apple arbeitet auf Hochtouren an einer smarten Brille. „Uns interessiert es überhaupt nicht, ob wir diese Technologie als erste entwickeln oder nicht - wir wollen diejenigen sein, die Käufern das beste Ergebnis bieten“, so Tim Cook. Er will die AR-Technologie für die Nutzer so einfach und praktikabel wie möglich machen, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Apple würde damit einen riesigen Markt für AR-Apps erschließen. Branchenkenner rechnen jedoch nicht vor 2021 mit der Markteinführung der ersten Smartglasses als Brille oder Kontaktlinsen. 

Facebook musste sich zuletzt verstärkt mit Datenschutz, Fake-News, Hass-Kommentaren und Wahlmanipulation auseinandersetzen. Doch auf der jüngsten F8-Konferenz machte CEO Mark Zuckerberg deutlich, dass er gerne eine neue Zeitrechnung beginnen möchte, zu der auch Funktionen für Augmented Reality zählen. AR-Inhalte sollen künftig alle Produkte des Imperiums ergänzen. Entwickler stellen gerade 3D-Filter für den Bilderdienst Instagram zur Verfügung. Im Chat-Programm-Messenger lassen sich inzwischen ebenfalls Produkte in 3D darstellen. Zur Veranschaulichung wurde ein virtueller Nike-Turnschuh präsentiert, der von einem Podest in die Lüfte steigt. 

Wesentlich spannender wird allerdings sein, was Facebook mit dem derzeit größten Virtual Reality-Akteur Oculus vorhat. Das Unternehmen wird künftig unter dem Namen Facebook Reality Labs firmieren. Das Eye-Tracking (die millimetergenaue Erfassung der Pupillenbewegungen) wird wahrscheinlich ein wichtiger Bestandteil für die 2. Generation der heutigen Oculus-Rift-Brille sein, die dann Facebook vertreiben wird. 

Seit Jahren schon gibt es Systeme, die ohne Headset den Blick des Nutzers z.B. mittels Spiegel, Halbleiter und Infrarot nachverfolgen und Eingaben ermöglichen. So konnte der verstorbene Wissenschaftler Stephen Hawking als ALS-Patient am Ende nur noch seine Augen nutzen, um einen Computer zu steuern. Allerdings sind die heutigen Eye-Tracking-Systeme noch nicht massentauglich und je nach Verwertung der Blickdaten auch ein massiver Eingriff in die Privatsphäre. So wurde Zuckerberg bei den Befragungen durch den US-Senat im April auf ein Facebook-Patent zur automatischen Kalibrierung eines Eye-Tracking-Systems zur Nutzung einer Brillentechnologie angesprochen. Eine genaue Antwort erhielt der Senat nicht. Im Übrigen besitzt auch Apple schon ein eigenes Patent für Eye-Tracking.

Die neue Technologie funktioniert jedoch nicht ohne entsprechende Halbleiter. Ein Durchbruch in der Technologie kann nur gelingen, wenn die Computerchips noch leistungsfähiger und zugleich kleiner werden, sollen sie doch in ein normales Brillenglas passen oder in eine Kontaktlinse. 

Das ruft natürlich auch Intel als weltgrößten Chiphersteller auf den Plan, auch wenn der US-Konzern mit seiner Datenbrille Vaunit zunächst keinen Erfolg hatte, da das Gerät im Gegensatz zu Microsofts HoloLens keine ansprechende erweiterte Realität bot. Allerdings arbeitet Intel mit Apple zusammen und beide können vom Technologiestandard des anderen partizipieren.

Der Chiphersteller Qualcomm hat seine Stärken in erster Linie im Mobilgeschäft. Doch auch hier versucht man, neue Sparten zu erschließen. Das soll vor allem mit dem Snap-Dragon XR1 gelingen, dem ersten, für VR- und AR-Reality optimierten Chip. Zu den Großkunden von Qualcomm zählen Microsoft und Facebook.

Infineon forscht in seinem Entwicklungszentrum in Graz, um die AR-Technologie voranzubringen. Dort wurde ein 3D-Bildsensorchip mit dem weltweit kleinsten Kameramodul entwickelt. Lenovo verbaut diesen Chip bereits in seinem neuesten Endgerät. Der Infineon-Chip ermöglicht zusammen mit der Google-Technologie eine räumliche Wahrnehmung nahe der Realität. Infineon ist derzeit der einzige Anbieter, der einen Bildsensorchip dieser Qualität herstellen kann.

Auch der deutsche Software-Entwickler und IT-Dienstleister Allgeier arbeitet als Full-Service-Lieferant für SAP an entsprechenden Bausteinen für Augmented Reality. Allgeier hat z.B. einen Prototyp für eine AR-App mit entwickelt. Diese App soll den Mitarbeitern des Drogeriemarktes dm helfen, schnell Auskunft über die Platzierung eines gesuchten Produktes im Markt zu geben. 

AR-Technologie wird sich durchsetzen. Es ist jedoch noch nicht absehbar, in welcher Form. Facebook, Google und Co. bleiben die großen Player am Markt, werden aber noch viel Geld für Forschung und Entwicklung ausgeben müssen. Doch egal, ob Smartphone, Tablet, Datenbrille oder Kontaktlinse: Alle benötigen kleine, leistungsfähige Chips. Deshalb sind Investments in Qualcomm, Infineon und Intel vielversprechend. Allgeier hat sich im SAP-Umfeld ebenfalls gut positioniert und wird sein Angebot weiter ausbauen. Das Unternehmen ist damit ein spannender Top-Pick.

 

 

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Wer kennt sie nicht – die sog. Riester-Rente. 2002 im Zuge der Reform der gesetzlichen Rentenversicherung eingeführt, sollte sie die Menschen vor Altersarmut schützen. Sie geht auf Walter Riester zurück, der als Bundesminister für Arbeit und Soziales eine freiwillige Altersvorsorge durch eine staatliche Förderung vorgeschlagen hatte, um die drohende Versorgungslücke im Alter zu schließen. 

Nach Expertenschätzungen sorgen inzwischen etwa 16 Mio. Bundesbürger mit den unterschiedlichsten Riester-Verträgen fürs Alter vor. Doch die Riester-Rente erwies sich im Laufe der Jahre als Flop. Sie ist teuer, die Renditen dürftig und nun auch noch das: Banken dürfen innerhalb eines Riester-Sparvertrages auch negative Zinsen verlangen. Das hat das Landgericht Tübingen am vergangenen Freitag entschieden und damit eine Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg abgewiesen (Az. 4 O 220/17). 

Gestritten wurde um den Riester-Banksparplan „Vorsorge Plus“, den fast alle Sparkassen in Deutschland anbieten und den Millionen Sparer abgeschlossen haben. Die Kreissparkasse Tübingen hatte für das Produkt einen Grundzins von –0,5 % ausgewiesen, worin das Landgericht Tübingen mit seinem aktuellen Urteil keine Benachteiligung für die Kunden erkennen konnte, da der Zinssatz transparent ausgewiesen wurde. Zwar sei der Grundzins inzwischen negativ geworden, jedoch habe der von der Sparkasse zusätzlich gewährte Bonuszins bisher verhindert, dass die Kunden tatsächlich draufzahlen mussten. Im Falle einer vorzeitigen Beendigung des Vertrages müssten sie lediglich für ein Sparjahr Negativzinsen berappen.

Sobald das Urteil rechtskräftig ist, werden wohl auch andere Anbieter von Riester-Verträgen nachziehen. Demnächst bedeutet dann wohl „Vorsorge Plus“: plus Strafzinsen für den Sparer. Aber Hauptsache alles ist transparent und die Datenschutzerklärung wurde unterschrieben!

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

b

MAN

Wie mehrfach im ES berichtet, hatte die Effecten-Spiegel AG nach der Eintragung des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages zwischen der MAN SE und der 100%-igen VW Tochter Truck & Bus GmbH im Oktober 2013 ein Spruchverfahren zur Überprüfung des angebotenen Abfindungspreises eingeleitet (vgl. ES 39/2015). Denn die Barabfindung lag mit 80,89 € deutlich unter dem Pflichtangebotspreis der Volkswagen AG vom Juni 2011 in Höhe von 95 €. 

Am 31.07.2015 hatte das Landgericht München dem Antrag der Effecten-Spiegel AG stattgegeben und die Barabfindung auf 90,29 € erhöht. Der Ausgleich (sog. „Garantiedividende“) für die Aktionäre, die ihre Aktien nicht angedient hatten, blieb dagegen unverändert bei den festgesetzten 3,30 €. Die Aktionäre erhielten somit seit 2014 jedes Jahr eine Ausschüttung von 3,07 € eingebucht.

Obwohl aus Sicht der Effecten-Spiegel AG der wirtschaftliche Wert der MAN-Aktie deutlich höher angesiedelt werden muss, hat das OLG München am vergangenen Freitag den Barabfindungsbetrag von 90,29 € je MAN-Aktie bestätigt. Allerdings hat das Gericht die jährliche Ausschüttung für die in der Gesellschaft verbliebenen MAN-Aktionäre um sagenhafte 67 % auf 5,50 € (vor Unternehmenssteuern) angehoben. Das ist ein sensationeller Erfolg. Damit stehen den Aktionären also mindestens  4,75 € als Ausschüttungsbetrag statt der gezahlten 3,07 € pro Jahr zu.

Da das Urteil rechtskräftig ist, muss die VW-Tochter, die künftig Traton heißt, sowohl den Nachbesserungsbetrag für die Abfindung an die ausgeschiedenen Aktionäre als auch den Dividendenaufschlag an die verbliebenen Aktionäre ab 2014 nachzahlen.  

Die Effecten-Spiegel AG hält seit 2012 Aktien der MAN SE in unterschiedlicher Bestandshöhe (zwischen 35.000 und 52.000 Stück) und hat somit Anspruch auf eine jährliche Dividendennachzahlung für die gesamte bisherige Laufzeit des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages. Die Gesellschaft erwartet aus der Erhöhung der Ausgleichszahlung eine ertragswirksame Zahlung von mindestens 350 T€ vor Steuern. 

b

Randnotizen

Aus Fremder Feder

In Eigener Sache

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Strategie

ES-Aktienfavoriten

Auslandsfavoriten

Thema der Woche

Börsengerüchte