secunet Security Networks AG

Die secunet Security Networks AG hat nach vorläufigen Zahlen das vergangene Geschäftsjahr erfolgreich abgeschlossen. Demnach stiegen die Umsätze des IT-Sicherheit-Unternehmens um 39 Prozent auf den neuen Rekordwert von 226,9 Mio. Euro. Zu dieser positiven Entwicklung hat vor allem auch der Rollout des Gesundheitskonnektors für die Arztpraxen beigetragen, womit sich die Investitionen in den Gesundheitssektor positiv ausgewirkt haben. Durch hohe Beschaffungen erzielte der Konzern allein im vierten Quartal einen Umsatz von 63,4 Mio. Euro und ein EBIT von 11,1 Mio. Euro. Im Gesamtjahr erhöhte sich das EBIT um 23 Prozent auf 33,2 Mio. Euro. Auch dies bedeutete eine neue Rekordmarke. Die Konzentration auf hochwertige Produkte und Lösungen soll auch weiterhin zu einem nachhaltigen Wachstum führen.(ES - 24.1.2020 - 18:00 Uhr)

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HumanOptics AG

Die HumanOptics AG hat für ihre künstliche Iris die Kassenzulassung in den USA erhalten. Mit der Zulassung der CUSTOMFLEX(R) ArtificialIris verbessert die Gesellschaft deutlich ihre Stellung in diesem äußerst wichtigen Markt. In Folge der Zulassung durch das staatliche Center for Medicare and Medicaid Services (CMS) als erstattungsfähiges Medizinprodukt wird die Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse gesichert. Dies ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich die Patienten für den Einsatz dieser Behandlung entscheiden. Aktuell ist HumanOptics das einzige Unternehmen, dessen künstliche Iris von der Arzneimittelbehörde FDA für den US-Markt zugelassen ist. Die Kassenzulassung erfolgt rückwirkend zum 1. Januar 2020 und ermöglicht zukünftig deutlich mehr Patienten, diese Behandlung in Anspruch zu nehmen.(ES - 23.1.2020 - 15:00 Uhr)

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Klassik Radio AG

Die Klassik Radio AG konnte das vergangene Geschäftsjahr erfolgreich abschließen. Nach vorläufigen und ungeprüften Zahlen erwirtschaftete das Unternehmen ein Umsatzwachstum von rund 16 Prozent auf etwa 18 Mio. Euro. Auf der Ergebnisseite erzielte die Gesellschaft beim EBITDA ein neues Rekordergebnis von rund 2,8 Mio. Euro. Damit verbesserte sich das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr um rund 50 Prozent. Diese Steigerung ist um so positiver zu sehen, da hierin die Aufwendungen für die Entwicklung, Aufbau und Betrieb des Streamingdienstes Klassik Radio Select bereits komplett verarbeitet sind. Die endgültigen Zahlen wird die Gesellschaft Ende April 2020 veröffentlichen.(ES - 22.1.2020 - 12:00 Uhr)

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ES-Aktienfavoriten

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Täglicher Börsenbericht

Mehr Risikofreude!

DAX sprintet in den Wochenschluss

Der gestrige Kursverlust des DAX ist schon wieder vergessen. Anleger sind wieder risikofreudiger und greifen wieder bei Aktien zu. Der dt. Leitindex geht gestärkt in den letzten Handelstag der Woche. Dabei sind insbesonder die Vorgaben aus Asien durchwachsen. Grund ist die Ausbreitung des Coronavirus, die für Zurückhaltung bei den Anlegern sorgt. Zudem sind die Börsen in China zwischen dem 27.01. und dem 30.01. aufgrund des chinesischen Neujahrsfest geschlossen. Ganz anders sind die Vorgaben von der Wall Street. Alle drei Werte schlossen gestern deutlich im Plus. 

Der Medienkonzern Axel Springer wird von der Börse genommen. Den Aktionären will der Großaktionär KKR ein Kaufangebot von über 63 € je Anteilsschein machen.

Das Traditionsunternehmen Villeroy & Boch erwägt eine Übernahme des Armaturen- und Badkeramik-Herstellers Ideal Standard. Allerdings ist laut Medienberichten die Übernahme bei der Eigentümerfamilie umstritten.

Der Chiphersteller Intel hat seine Anleger mit einem Ausblick über dem der Expertenerwartungen erfreut. 2020 soll der Umsatz bei etwa 73,5 Mrd. $ liegen. Auch die Zahlen für das 4. Quartal übertrafen die Schätzungen der Analysten.

Die seit Monaten angestrebte Übernahme des Essenslieferdienstes Just Eat durch die Lieferando-Mutter Takeaway.com ist doch nicht in trockenen Tüchern. Die britische Wettbewerbsbehörde will den Deal näher unter die Lupe nehmen.

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Auslandsfavoriten

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Hier wird es spannend, und das ist neu

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Randnotizen

Tesla ist nicht nur der größte Hersteller von Elektroautos, sondern auch ein gern gesehener Investor. Doch bisher wurden alle Tesla-Modelle im kalifornischen Hauptwerk Fremont produziert. Seit Kurzem aber baut Tesla darüber hinaus noch riesige Fertigungsstätten, um die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken und daran mitzuverdienen. Die erste der sog. Gigafactorys wird in Reno (Nevada) gebaut. Obwohl Nevada erst zu einem Drittel fertig ist, gilt sie schon jetzt als aktuell größte Batteriefabrik der Welt. Hier arbeiten rund 10.000 Menschen, davon 3.000 beim Batteriezulieferer Panasonic. Die Gigafactory 2 steht in Buffalo im Bundesstaat New York, wo Solarmodule gebaut werden. Zudem produziert Teslas Tochterunternehmen Solar City auch Solarpanele und andere Photovoltaik-Anlagen für Privathaushalte. Eine dritte Gigafactory wurde erst Anfang des Jahres nahe Shanghai in China genehmigt und in nur 168 Arbeitstagen errichtet. Inzwischen laufen dort die ersten Autos des Typs Model 3 für den chinesischen Markt vom Band. Es ist das erste Autowerk überhaupt, das in China komplett einem ausländischen Hersteller gehört.

Für die Automatisierung der Produktion und eine schnellere Fertigung hatte Tesla 2016 den deutschen Maschinenbauer Grohmann aus Rheinland-Pfalz gekauft. Dessen Hightech-Anlagen und Spezialisten hatten endlich das Chaos im kalifornischen Stammwerk beendet und spielen nun eine Schlüsselrolle beim Aufbau der Gigafabriken. Die nächste XXL-Fabrik wird nun in Europa entstehen. Dass sich Tesla dabei letztlich für Deutschland entschieden hat, mag vor allem an dem exzellenten Ruf deutscher Ingenieure liegen. Schließlich hat Deutschland in der Automobilindustrie eine lange Tradition. In Süddeutschland sitzen mit BMW, Daimler, Audi und Porsche die Schwergewichte der deutschen Autoindustrie. Und wohl gerade deshalb wollte Elon Musk auch mit seinem Gigawerk nicht in die unmittelbare Nachbarschaft, sondern in die Hauptstadt Berlin.

Das „Alles-unter-einem-Dach-Prinzip“ aus Shanghai soll ähnlich auch in Berlin umgesetzt werden, wo neben Autos (vermutlich auch das neue Model Y) vor allem Batterien gefertigt werden sollen. Geeignete Standorte hat die Hauptstadt genug, einer davon der Cleantech Business Park in Marzahn. Der steht beinahe noch leer und ist einst für nachhaltige Technologien erschlossen worden.

Doch während die Verantwortlichen in Berlin immer noch grübelten, was Musk tatsächlich meinte, als er sagte, er wolle in Berlin ein Design- und Entwicklungszentrum bauen, begannen die Brandenburger schon um Tesla zu buhlen. Mehr als ein Jahr hat das Bundesland für sich geworben und dabei gleich mehrere Konkurrenten in Deutschland und Europa aus dem Rennen geworfen. Als Musk jedoch klar wurde, dass der gewählte Standort Grünheide gar nicht zu Berlin gehört, wäre der Vertragsabschluss fast noch geplatzt. Um den Tesla-Chef zu beschwichtigen und den Coup in letzter Minute zu retten, habe man sich schließlich in der Kommunikation auf die Formulierung „Großraum Berlin“ geeinigt, heißt es. „Ich bin glücklich, dass sich Elon Musk für unseren Standort Brandenburg entschieden hat“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke hinterher. Die Freude ist durchaus nachvollziehbar, denn bis zu 4 Mrd. Euro will Tesla in den Bau seiner Gigafactory 4 nahe Berlin investieren. Mindestens 3.000, später bis zu 8.000 Arbeitsplätze sollen in dem beschaulichen Ort entstehen, in dem jetzt gerade mal knapp 9.000 Menschen leben.

Bisher gibt es in der Gemeinde nur eine öffentliche Tesla-Ladestation und zwei große Tesla-Fans. Dennoch ist Grünheide als Tesla-Standort geradezu prädestiniert, und zwar aus mehreren Gründen: 2001 wollte sich BMW schon auf dem Gelände niederlassen. Zwar ließen die Bayern das Projekt letztlich fallen, die Fläche ist aber seitdem als Industriegelände ausgewiesen und im aktuellen Bebauungsplan so eingetragen, was das Genehmigungsverfahren enorm beschleunigt. Der Ort ist zudem strategisch attraktiv angebunden: Man kommt direkt auf die A10, den östlichen Berliner Ring. Auch die Nähe zu Polen und damit zu hoch qualifizierten und gleichzeitig preiswerten Fachkräften dürfte eine Rolle gespielt haben. Die Autobahn A12 zum Grenzübergang bei Frankfurt/Oder ist jedenfalls schnell erreichbar. Und auch bis zum Berliner Hauptbahnhof sind es mit der Bahn nur knapp 35 Minuten. Sollte der Flughafen BER jemals fertiggestellt werden, wäre er ebenfalls quasi um die Ecke. In Berlin selbst wurde im September die erste Teststrecke für autonome Autos in einem Bereich der Innenstadt eröffnet. Und nur 130 Kilometer südöstlich liegt mit dem Lausitzring sogar eine ausgewiesene Teststrecke für selbstfahrende Autos.

Doch der Name Grünheide steht auch für eine andere Seite der Region – den Wald. Und diese grüne Seite könnte nun doch noch das Projekt zum Kippen bringen. Denn seit Jahrzehnten gibt es in Grünheide zwar nur wenige Einwohner, dafür aber umso mehr Natur. Für die Industriebebauung aber müsste nun Wald abgeholzt werden, überwiegend Kiefern. Musk will als Gegenleistung zwar die dreifache Menge wieder aufforsten lassen, doch in Deutschland reicht das nicht. Schließlich könnten durch die plötzliche Industrialisierung auch seltene, schützenswerte Pflanzen- und Tierarten bedroht sein. Aus Sicht der Naturschützer muss daher zunächst geprüft werden, ob der mittlerweile 20 Jahre alte Bebauungsplan den heutigen naturschutzrechtlichen Anforderungen noch genügt. Nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu siedeln auf dem rund 300 Hektar großen Baugrundstück in Grünheide geschützte Reptilienarten sowie Baumfalken und Fledermäuse. Eine geplante Aufforstung andernorts werde das Problem nicht lösen, so Nabu-Geschäftsführerin Christiane Schröder.

Grünheide als Fertigungsstandort einer zukunftsorientierten Automobilindustrie könnte nun in letzter Minute doch noch ins Wanken geraten. Dabei sollen schon im nächsten Jahr die Bauarbeiten beginnen und ab 2021 die ersten Elektrofahrzeuge vom Band rollen. Das ist verdammt wenig Zeit, um mögliche Bürgerklagen abzuwehren und ggf. mehrere Tierarten umzusiedeln. Die Landesregierung hat zwar eine Taskforce eingesetzt, um die Ansiedlung von Tesla zu unterstützen. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass hierzulande ein Milliardenprojekt durch die Grabenkämpfe verschiedener Interessengruppen gestoppt wird – ausgetragen über den Naturschutz. Jüngstes Beispiel und zugleich Mahnmal ist der 7,2 Kilometer lange Lückenschluss der Autobahn A 33, der am 18. November nach fast 60 Jahren Planungs- und Bauzeit für den Verkehr freigegeben wurde.

Willkommen in Deutschland, Tesla!

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Immer wieder kann es während der Laufzeit eines Zertifikats oder Optionsscheins zu einer sogenannten Corporate Action kommen. Dabei handelt es sich in der Regel um einen Aktiensplit, die Zahlung von Sonderdividenden, Kapitalerhöhungen, Fusionen oder eben auch Übernahmen. In einem solchen Fall passt die entsprechende Bank die Kennzahlen des Optionsscheins/Zertifikats an, sodass für den Besitzer dieses Produkts keine Nachteile gegenüber den Aktionären entstehen. Bei der Art der Anpassung richten sich die Banken nach den Vorgaben der jeweiligen Referenzbörse für die betreffenden Scheine. Bei Übernahmen kann es jedoch durchaus zu Benachteiligungen kommen, wie ein aktuelles Beispiel zeigt:
Es geht um die Übernahme von Celgene durch Bristol-Myers Squibb. Den Celgene-Aktionären wurden als Gegenleistung pro eigener Aktie ein Papier von Bristol-Myers Squibb, 50 US-Dollar in bar sowie eine Art Besserungsschein (sogenannter CVR) angeboten. Der Wert des Besserungsscheins ist an bestimmte Meilensteinerfolge für neue Celgene-Medikamente geknüpft. Er ist also eine Art Bonuszahlung und wird separat an der Börse gehandelt.
Die Anpassung der auf Grundlage der Celgene-Aktie emittierten Produkte erfolgte durch die Emittenten allerdings unterschiedlich, aber immer im Einklang mit der US-Terminbörse OCC. Dabei lässt sich nicht sagen, welche der gewählten Anpassungsoptionen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung „gut“ oder „schlecht“ für den Anleger war. Die meisten Emittenten entschieden sich dafür, den Wert der alten Celgene-Produkte als oben genannten Basket zu berechnen. Ein Emittent „verkaufte“ den Besserungsschein und reinvestierte diesen „Verkaufserlös“ zusammen mit der Bar-Komponente, um zusätzliche Bristol-Myers Squibb Aktien zu kaufen. Auch wenn diese Vorgehensweise nicht der OCC-Anpassung entspricht, so ist sie durchaus nachvollziehbar. Die Vorgehensweise der Investmentbank Goldman Sachs dagegen war völlig willkürlich. Sie stellte einfach eine Woche lang keine Kurse und kündigte schließlich die Turbo-Zertifikate, weil ihrer Meinung nach keine der „vorzunehmende(n) Anpassung(en) zu einem wirtschaftlich angemessenen Ergebnis führen würde“. Optionsscheine wurden hingegen auch von Goldman Sachs gemäß OCC angepasst.
Es ist nicht nachvollziehbar, warum von einem einzigen Emittenten, in diesem Fall von Goldman Sachs,  das vermeintlich einfachere Produkt gekündigt wird, während das komplexere Produkt (Stichwort Implizite Volatilität, Korrelation von Aktie und CVR) umgestellt wird. „Es gibt keine speziellen Gesetze für Zertifikate, das ist wie Wilder Westen“, hatte schon vor Jahren der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp kritisiert und damit auf den  Missstand hingewiesen. Doch noch immer schreiben die Emittenten in die Wertpapierprospekte, „was sie wollen“. Daher ist leider auch künftig damit zu rechnen, dass  Goldman Sachs die Chancen der Anleger durch willkürliche Kündigungen beschneiden wird. Es wäre dann nicht das erste Mal!

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Obwohl vermutlich gerade sie zur Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank das meiste Hintergrundwissen haben, brauchen sie nicht vor dem Oberlandesgericht (OLG) Köln auszusagen:
Der ehemalige Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und sein damaliger Privatkundenvorstand Rainer Neske dürfen zu Hause bleiben (vgl. ES-Ausgaben 43, 45 und 46/19). Das entschied der 13. Zivilsenat am 27. November. Die Begründung: Der Gegenstand der Beweisaufnahme und die strafrechtlichen Vorwürfe einer Strafanzeige gegen die beiden Manager stehen in einem so engen Zusammenhang, dass diese zur Sache nicht aussagen müssten, um sich nicht selbst zu belasten. Gegen dieses Zwischenurteil gibt es kein Rechtsmittel.

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Obwohl erst am 3. November 2020 die Wahl des neuen US-Präsidenten stattfindet, hat der Wahlkampf schon längst begonnen. Der Startschuss für die Vorwahlen (Primaries) ist längst gefallen. Sie entscheiden letztlich darüber, wer für eine Partei als Bewerber ins Rennen geht. Das Feld der Kandidaten wird sich innerhalb von Monaten auf wenige Namen reduzieren. Schon jetzt sind die ersten Kandidaten wieder verschwunden, dafür andere dazugekommen. Dabei hängt gerade von ihnen maßgeblich ab, ob Trump weitere vier Jahre Präsident sein darf oder nicht.

Während die Republikaner ihre Reihen fest um den amtierenden Präsidenten schließen, indem die wichtigsten Persönlichkeiten auf eine Kandidatur verzichteten, geht das Hauen und Stechen bei den oppositionellen Demokraten erst richtig los. Dabei scheint zu gelten: Je oller, desto doller! Bei den Umfragen vorne liegt  bisher der 77-jährige Joe Biden, der unter Barack Obama von 2009 bis 2017 Vizepräsident der Vereinigten Staaten war.  Der in den Umfragen Zweitplatzierte ist Bernie Sanders (78 Jahre alt), dicht gefolgt von der 70-jährigen Harvard-Professorin Elizabeth Warren.

Vor wenigen Tagen nun ist  Michael Bloomberg, ehemaliger Bürgermeister von New York, zur laufenden Ü70-Party dazugestoßen. Er dürfte mit einem geschätzten Vermögen von 54 Mrd. Dollar den Partygästen noch einmal ordentlich einheizen. Und er hat auch schon sofort damit begonnen, indem er für fast 35 Millionen Dollar TV-Sendeminuten für seine Kampagnenvideos kaufte. Bloomberg ist reicher als Donald Trump und könnte somit den Wahlkampf auch ohne Spenden finanzieren. Allerdings hat der 77-Jährige auch einen Altersnachteil gegenüber dem 73-jährigen Amtsinhaber.

Die Chance, den umstrittenen Präsidenten Donald Trump abzulösen und gleichzeitig an den dynamischen Aufbruch von Barack Obama anzuknüpfen, dürfte mit den Ü70-Anwärtern wohl kaum gelingen. Daher bleibt nur die Hoffnung auf eine weiterhin robuste Verfassung der Wirtschaft. Zumindest für den Aktienmarkt dürfte sich dies – trotz des fragwürdigen Personals an der Spitze der USA – weiter positiv auswirken.

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Spezial

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Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Ab 01.01.2021 soll sie nun kommen – die Grundrente. Und damit hat die Große Koalition ihr Überleben vorerst gesichert. Man könnte meinen, dies sei das eigentliche Ziel gewesen. Dabei war die Grundrente einschließlich der hart umstrittenen Bedürftigkeitsprüfung schon Teil des Koalitionsvertrages. Nun aber wurde sie zur Überlebensfrage für die Regierung. Dass sich letztlich die SPD mit ihrem Modell ohne Bedürftigkeitsprüfung durchgesetzt hat, ist eine echte Glanzleistung ihres Arbeitsministers Hubertus Heil und ein weiteres Armutszeugnis der Union. Aber der Selbsterhaltungstrieb war letztlich stärker als die gesellschaftlichen und sozialen Erfordernisse.
Eine Einkommensprüfung ersetzt nun die ursprünglich vereinbarte Bedürftigkeitsprüfung. Wer 35 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt hat, soll eine Rente erhalten, die mindestens 10 % über der Grundsicherung liegt. Als Beitragszeiten werden neben Arbeitsjahren auch Erziehungszeiten und Pflichtbeitragsjahre für Pflege- und Krankheitszeiten anerkannt. Arbeitslosigkeit, Schul- und Hochschulausbildung sowie Zeiten mit freiwilligen Beiträgen werden dagegen nicht angerechnet. Die Grundrente setzt nicht das Erreichen der Regelaltersgrenze voraus und beschränkt sich allein auf die Prüfung des Einkommens. Die Grenze liegt für Alleinstehende bei 1.250 Euro, für Paare bei 1.950 Euro.
Der Einkommensabgleich soll automatisiert zwischen der Rentenversicherung und den Finanzbehörden über die Einkommensteuerbescheide ablaufen. Dabei wird dann die Summe aller monatlichen Alterseinkommen (Renten, Kapitalerträge, Mieterträge und Arbeitseinkünfte) abzüglich der monatlichen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung geprüft. Die Höhe des Altersvermögens (Geld- sowie Kapital- und Immobilienvermögen) spielt dabei keine Rolle, da nur das Einkommen erfasst wird.
Das setzt aber unter Umständen Millionäre mit von Altersarmut bedrohten Rentnern gleich. Auch könnten Menschen, die stets nur in Teilzeit gearbeitet haben, am Ende mehr Rente bekommen als jene, die zwar immer in Vollzeit geschuftet haben, aber nicht auf die 35 Jahre kommen. Auch sind steuerfreie Einnahmen aus Minijobs im Einkommensteuerbescheid nicht ersichtlich.
Und dann ist da noch die Finanzierung: Die Grundrente soll über eine Steuer finanziert werden, die es bis heute noch gar nicht gibt, die Finanztransaktionssteuer (vgl. ES 51-52/18). Die von Bundesfinanzminister Olaf Scholz als Spekulationssteuer beworbene Transaktionssteuer ist in Wahrheit eine reine Aktiensteuer (vgl. ES 7/19). Doch gerade Aktien sind eben keine künstlich geschaffenen Spekulationsobjekte, sondern reale Unternehmensanteile. Sie stellen eine wichtige Säule der privaten Altersvorsorge dar, die der Staat schon längst nicht mehr leisten kann. Und nun finanzieren die Kleinanleger auch noch die Grundrente der Bürger. Damit hat die GroKo zwar ihre Existenz gesichert, nicht aber die ihrer Bürger, die ein Leben lang für den Sozialstaat malocht haben.

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„Ihr Applaus beim Zieleinlauf“ – So wirbt die Kreissparkasse Düsseldorf noch heute für ihre „Prämiensparverträge flexibel“. Und in der Tat, beim Prämiensparen ist alles so einfach: Man spart jeden Monat einen kleinen Betrag, z.B. 25,00 Euro, der verzinst wird und auf den es am Ende eines jeden Jahres auch noch als Belohnung einen Bonus gibt. Und dieser Bonus  steigt von Jahr zu Jahr. Sowohl der Betrag, den der Anleger jeden Monat in den Sparplan einzahlt, als auch die jährliche Staffelung der zusätzlichen Geldprämie sind im Vertrag festgelegt. Damit hat der Anleger von Beginn an einen ziemlich genauen Überblick über die Wertentwicklung seiner Anlage. Er kann also schon mit Vertragsabschluss die Endsumme in etwa einkalkulieren. Nur der Satz, mit dem die eigentliche Sparsumme verzinst wird, hängt von der Marktsituation ab.

Bei dem aktuellen Beispiel der Kreissparkasse Düsseldorf kann man beim Prämiensparen schon mit 10 Euro monatlich einsteigen. Bei einer Laufzeit von 18 Jahren gibt es dann ab dem 4. Jahr auf den jährlichen Sparbetrag eine gestaffelte Prämie, beginnend mit 1 %. Im 13. Jahr legt die Sparkasse von der im Jahr eingezahlten Sparsumme ihrerseits noch einmal 15 % drauf, im 18. Sparjahr sogar 40 %. Bei einer jährlichen Sparsumme von 1.000 Euro gäbe es also zu den Zinsen im 18. Jahr nochmals  400 Euro von der Kreissparkasse dazu. Bei den ursprünglichen Prämiensparverträgen aus den 1990er Jahren gab es oft schon nach 15 Sparjahren bis zu 50 % Prämie von der Bank. Außerdem war die Verzinsung sehr lukrativ (s.S. 2/3). Vor allem junge Leute haben daher solche Prämiensparverträge mit ihren Banken im Rahmen der vom Arbeitgeber geförderten Vermögenswirksamen Leistungen (VL)  abgeschlossen.

Doch in Zeiten von Niedrigzinsen wollen die Banken vor allem diese gut verzinsten Alt-Verträge loswerden. Daher werden tausende Verträge gekündigt. Betroffen sind neben zahlreichen Bausparverträgen nun vermehrt auch Prämiensparverträge verschiedener Sparkassen. Allein die Sparkasse Dortmund will 11.000 alte Prämiensparverträge von rund 9.500 Kunden bis Ende Februar kündigen. Auch hier handelt es sich um das „Prämiensparen flexibel“. Es sind allesamt alte Verträge, abgeschlossen in den 1990er Jahren und mit Prämiengarantien von 25 % ab dem 10. Sparjahr.  

Schon im Mai hatte der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass Sparkassen langfristige Verträge unter Umständen kündigen dürfen, sofern die versprochenen Prämien gezahlt wurden (Az. XI ZR 345/18). Nach Meinung des BGH können sich betroffene Kunden nicht gegen eine Kündigung wehren, wenn die Prämien aus der vereinbarten Staffelung erreicht und in den Verträgen sonst keine festen Laufzeiten vereinbart wurden.
Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch auch, dass Prämiensparverträge nicht generell gekündigt werden dürfen. Anders als bei dem vom BGH verhandelten Fall darf die Sparkasse also grundsätzlich nicht vor Ablauf der Laufzeit kündigen. Einige Sparkassen haben außerdem Verträge mit vereinbarten, längeren Prämienstaffeln verkauft, z.B. über 25 Jahre. In solchen Fall darf die Sparkasse natürlich auch nicht vor Ablauf von 25 Jahren kündigen. Als Faustregel gilt also:

Wurde im Vertrag eine Prämienstaffel vereinbart, dann ist diese auch einzuhalten. Und wurde im Vertrag eine Laufzeit vereinbart, ist diese ebenfalls einzuhalten.

Betroffene Anleger, die eine Kündigung ihres Prämiensparvertrags erhalten, sollten in jedem Fall vorsorglich Widerspruch einlegen und sich nicht vorschnell in einen neuen Sparvertrag drängen lassen. Ein Musterschreiben dafür stellt die Verbraucherzentrale NRW auf ihrer Internetseite  zur Verfügung.

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Zukunftsthemen wie 5G-Technologie, künstliche Intelligenz, autonomes Fahren oder digitale Medizintechnik haben alle ein Herzstück – die Halbleiter. Damit ist das Comeback der Chipbranche vorprogrammiert.
Kaum ein Markt ist innovationsgetriebener als die Halbleiterbranche, und nur wenige andere Produkte sind wichtiger für die Entwicklung einer Wirtschaft als Chips. Denn ohne Halbleiter keine Mobiltelefone, Computer oder Flachbildschirme, Autos, Flugzeuge oder medizinische Geräte. Die Anzahl der verbauten Halbleiterbauelemente wächst dabei fortwährend. Jahrzehntelang folgte auf ein rasantes Wachstum stets ein kräftiger Einbruch. Das lag an den Produzenten selbst: Wenn es gut lief, steckten die Konzerne Milliarden in neue Werke. Einmal in voller Fahrt, überschwemmten die neuen Fabriken den Markt mit Chips, und die Preise sanken. In der Folge fuhren die Anbieter ihre Investitionen zurück, doch mit der Zeit erholten sich die Preise wieder. In den vergangenen Jahren schien dieses Muster in der Branche überwunden. Das stürmische Wachstum flachte etwas ab, dafür wurde das Geschäft berechenbarer. Neben den üblichen konjunkturellen Schwankungen brach der Zollstreit zwischen den USA und China dann über die internationalen Märkte herein. Erschwerend kam in dieser Situation die anhaltende Strukturkrise in der Automobilindustrie hinzu. All dies führte zu vollen Lagern und damit zu einem Überhangangebot, das die Preise deutlich sinken ließ.
Hellhörig macht jedoch, dass der taiwanesische Produzent TSMC bei der Vorlage seiner Quartalszahlen nun ankündigte, die Investitionen in 2019 und 2020 um 4 Mrd. $ auf 14 bis 15 Mrd. $ anzuheben. TSMC begründet die höheren Investitionen mit deutlich besseren Erwartungen für die Verbreitung von Mobiltelefonen des 5G-Standards. Bereits für 2020 geht der Konzern davon aus, dass 15 % der global ausgelieferten Mobiltelefone über den neuen, besonders schnellen Datenübertragungsstandard verfügen. Bisher war man von einem einstelligen Prozentsatz ausgegangen.
Auch eine Studie von PricewaterhouseCoopers kommt zu dem Schluss, dass nach dem zyklischen Umsatzrückgang in 2019 die Halbleiterbranche im kommenden Jahr wieder wachsen wird. Die Gesellschaft prognostiziert, dass sich die weltweiten Erlöse mit Elektronikbauteilen in 2022 dann auf rd. 575 Mrd. $ summieren werden. Dies würde ausgehend von den 481 Mrd. $ Umsatz im Rekordjahr 2018 ein durchschnittliches Jahreswachstum von 4,6 % bedeuten. In Europa werden gerade von der Automobilindustrie starke Nachfrageimpulse erwartet. Die Umsätze mit Halbleitern für den Automobilbereich werden der Studie zufolge mit 11,9 % am schnellsten wachsen. So benötigen Elektro- und Hybridautos ungefähr doppelt so viele Halbleiter wie herkömmliche Fahrzeuge. Mit Chips für die neuen Antriebsarten, zur Unterstützung von künstlicher Intelligenz beim autonomen Fahren, Fahrassistenzsystemen, Fahrsicherheit, Infotainment usw. soll der Halbleiterumsatz in dem Bereich weltweit auf rd. 68 Mrd. $ hochfahren. Auch Charttechnisch stehen die Zeichen auf Trendwende, schließlich befindet sich der Halbleiterindex in einer doppelten Ausbruchsituation.
Als positives Signal kann auch der überraschend gute Ausblick des Chip-Giganten Intel gewertet werden. Für das Gesamtjahr rechnet man im kalifornischen Santa Clara nun mit Erlösen von 71 Mrd. $ – das sind 1,5 Mrd. $ mehr als bisher erwartet. Vor allem teure Server-Chips verkaufen sich prächtig. Auch Produkte für das Cloud-Computing, die für Intel ebenfalls hohe Margen bedeuten, konnten massenweise abgesetzt werden.Hier legten die Erlöse um 4 % zu.
Investitionen in das Automobilgeschäft hatten sich für das US-Unternehmen Nvidia schon im 2. Quartal ausgezahlt und dürften dies auch im Q3 tun. Zwar endete die Zusammenarbeit mit Tesla, dafür konnte aber das deutlich größere japanische Unternehmen Toyota für eine Zusammenarbeit gewonnen werden. Außerdem kooperiert Nvidia mit Daimler, Volvo, VW usw. Insgesamt stellt die Halbleitertechnologie das drittgrößte Exportgut der USA dar. Damit hat die Branche ein großes Interesse an einer Einigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China.
Spätestens Anfang nächsten Jahres sollten Nachfrage und Preise für Speicherchips wieder steigen, weil viele Unternehmen ihre Investitionsbremsen lösen könnten, so auch die Ansicht des japanischen Finanzhauses Nomura. Diese Entwicklung wird auch dem Marktführer bei Speicherchips, Smartphones und Fernsehern, Samsung, zugutekommen. Der südkoreanische Technologiekonzern hatte im 3. Quartal wegen gesunkener Preise für Speicherchips zunächst erneut einen Gewinneinbruch erlitten. Der Überschuss sank um 52 % auf 6,3 Bill. Won. Der Umsatz fiel um 5,3 % auf 62 Bill. Won. Positive Signale sieht Samsung in den kommenden Monaten durch den steigenden Chip-Bedarf bei Rechen­zentren-Kunden sowie den Ausbau des neuen Hochgeschwindigkeits-Mobilfunknetzes 5G.
Unter die Top 10 der Speicherchip-Produzenten hat es auch die deutsche Infineon geschafft. Das DAX-Unternehmen ist mit seinen Systemlösungen für Industrieelektronik und Sicherheitsanwendungen in nahezu allen Lebensbereichen vertreten. Die 9 Mrd. € schwere Übernahme des US-Wettbewerbers Cypress macht die weiteren Ambitionen von Infineon deutlich. Cypress ist Spezialist für Chiplösungen beim autonomen Fahren. Schließlich ist Deutschlands größter Halbleiterhersteller bereit, das 4,5-Fache des Jahresumsatzes zu berappen. Mitte November präsentiert Infineon seine Zahlen für das 4. Quartal 2018/19 und die vorläufigen Zahlen für das Gesamtjahr. Bei einem Umsatz von 8,0 (7,6) Mrd. € wird eine Segmentergebnis-Marge von 16 (17,8) % anvisiert.
Die deutsch-britische Dialog Semiconductor hatte im 3. Quartal besser abgeschnitten als erwartet. Der Umsatz kletterte auf 409 (367) Mio. $. Erwartet worden waren lediglich 360 bis 400 Mio. $. Auch das bereinigte Betriebsergebnis konnte mit 104 Mio. nach 82 Mio. $ im Q2 positiv überraschen. Dialog, die bereits stark in den Segmenten Automobil und Mobilfunk unterwegs ist, investiert derzeit kräftig in das Geschäft mit dem Internet der Dinge. Dazu will das Unternehmen für rd. 80 Mio. $ den in Bingen angesiedelten Chiphersteller Creative Chips kaufen. Der Abschluss der Transaktion wird für das 4. Quartal erwartet.
STMicroelectronics hat im 3. Quartal von wieder besseren Geschäften mit Mikrocontrollern, Sensoren und Chips für die Autoindustrie profitiert. Die nach einem schwachen 2. Quartal gesenkte Umsatzprognose wurde konkretisiert. Demnach erwartet der Konzern nun Erlöse von rd. 9,48 Mrd. $ – und liegt damit in der Mitte der zuvor angepeilten Spanne zwischen 9,35 bis 9,65 Mrd. $.
Die langfristigen Treiber wie 5G-Technologie, E-Mobilität, autonomes Fahren, oder energieeffiziente Technologien bleiben für die Halbleiterbranche intakt. Das aktuell schwierige Umfeld und die Prognosereduzierungen sind inzwischen eingepreist. Ein guter Zeitpunkt, um sich in der Chipbranche wieder zu positionieren.

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Noch vor 10 Jahren konnten Sparer ihr Kapital dadurch vermehren, indem sie es einfach aufs Bankkonto legten. Seit  Juni 2014 änderte sich die Sparerwelt gewaltig – der Einlagenzinssatz rutschte erstmals in den negativen Bereich. Diesen Strafzins reichen inzwischen 131 Banken und Sparkassen an ihre Kunden weiter.
Die privaten Haushalte in Deutschland horten weiterhin Bargeld. Per Ende Juni saßen sie auf toten Bankeinlagen in der Rekordhöhe von 2.519,8 Mrd. Euro. Allein im 2. Quartal kamen 43 Mrd. Euro dazu, obwohl zeitgleich auch die Zahl der Banken und Sparkassen zugenommen hat, die für diese Einlagen einen Strafzins von ihren Kunden einfordern. Damit sind die Deutschen die absoluten Vermögensverlierer im internationalen Vergleich. Dennoch scheint hierzulande immer noch zu gelten: „Nur Bares ist Wahres“. Schließlich wurde über Generationen hinweg das klassische Sparen als Tugend angesehen und war ja quasi auch ein Selbstläufer. Legte man das Geld aufs Sparbuch, bekam man darauf Zinsen. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank wurden diese 1980 bei den Banken mit durchschnittlich 4,6 % verzinst. Wer damals sein Geld einfach auf dem Sparbuch ließ und auch die Zinsen, vermehrte sein Vermögen allein durch den Zinseffekt. Denn über die Jahre wurden so nicht nur die Kapitaleinlagen selbst verzinst, sondern auch die Zinsen. Selbst im Jahr 2008, also kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, lag der durchschnittliche Zinssatz noch bei 2,5 %.
Das Jahr 2014 war jedoch ein Wendepunkt in der Sparerwelt. Seitdem müssen Banken auf Geld, das sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegen, Geld bezahlen. Das waren zunächst 0,1 %, seit März 2016 dann schon 0,4 %. Denn durch die Finanzkrise misstrauten sich die Banken untereinander und verliehen kein Geld mehr, was die Situation verschärfte. Daher wollte die EZB die Institute zwingen, das Kapital als Kredite in den Markt zu pumpen. Seitdem hält die andauernde Niedrigzinspolitik die Staaten über Wasser, lässt Sparer und Anleger jedoch havarieren. Je niedriger der Zinssatz, desto schneller verliert das Ersparte an Wert (vgl. ES 38/18). Seit dem 18. September liegt der negative Einlagenzins der Banken nun bei 0,5 %. Dadurch steigt noch einmal das Risiko für die Banken: Sie haben langfristige Kredite zu niedrigeren Zinsen vergeben, die sie wieder höher refinanzieren müssen. Deshalb reichen Banken und Sparkassen die Negativzinsen, die sie selbst bezahlen müssen, an ihre Kunden weiter. Und damit es wie eine besondere Dienstleistung aussieht, die vergütet werden müsste, haben sie sich dafür die Bezeichnung „Verwahrentgelt“ ausgedacht. Zuerst waren davon Sparkonten von über 500.000 Euro betroffen. Doch diese Grenze wird inzwischen immer mehr aufgeweicht. Bei der Volksbank Ettlingen müssen Privatkunden jetzt schon ab 250.000 Euro Strafzinsen zahlen, vorher lag die Schwelle bei 1 Mio. Euro. Bei der Sparda-Bank Berlin zahlt man bereits ab 100.000 Euro drauf. Die größte deutsche Sparkasse, die Hamburger Sparkasse (Haspa), will Negativzinsen zwar im breiten Privatkundengeschäft nach wie vor vermeiden und die Freibeträge nicht weiter absenken, hält sich jedoch alle Türen dafür offen.
Eine aktuelle Untersuchung des Verbraucherportals www.biallo.de unter 1.200 Banken und Sparkassen zeigt, dass mittlerweile 131 Institute hohe Einlagen ihrer Kunden mit Strafzinsen belegen. Dabei werden vor allem die Geschäftskunden abkassiert. Nach Recherchen des Biallo-Teams fordern aber inzwischen auch 35 Banken und Sparkassen von Privatkunden ein „Verwahrentgelt“ (s. Tabelle). Diese Zahl könnte bald schnell ansteigen, da die Verschärfung des Einlagenzinssatzes im September von vielen Instituten noch gar nicht umgelegt wurde.  Was jedoch schon gekappt wird, ist das sog. Prämiensparen. Gerade erst hat die Sparkasse Dortmund bekannt gegeben, 11.000 Verträge kündigen zu wollen.
Natürlich können Kunden, die mit der Zinspolitik ihrer Bank nicht einverstanden sind, das Konto auflösen und sich ein anderes Institut suchen. Allerdings dürften sie dann noch schlechter dastehen, denn viele Banken schröpfen zunächst nur die Neukunden. Die Stadtsparkasse München z.B. lässt sich von ihren Neukunden bei der Kontoeröffnung eine Zustimmungserklärung unterschreiben, wonach sie bei Bedarf Negativzinsen für Einlagen pro Person ab 100.000 Euro nehmen darf. Diese Regelung soll auch dann greifen, wenn der Betrag gestückelt und auf mehrere Konten verteilt wird.
Spätestens jetzt sollten Sparer ihr Geld in Aktien und Investmentfonds umschichten, wenn sie langfristig nicht draufzahlen wollen. Dabei gilt: Keine Angst vor Aktien, denn an der Börse lässt sich immer noch Geld verdienen.

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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