TOM TAILOR Holding SE

Die TOM TAILOR Holding SE passt ihre Umsatz- und Ergebnisschätzung für das Geschäftsjahr 2018 nach unten an. Der lange und heiße Sommer und damit der späte Start in die Herbst-Winter-Saison haben die Umsatz- und Ergebnisentwicklung negativ beeinflusst. Der durch die RESET-Maßnahmen erwartete leichte Rückgang des Umsatzes für das Geschäftsjahr 2018 kann deshalb nicht so stark abgefedert werden wie zunächst erwartet. Während sich die Kernmarke TOM TAILOR am Markt weiter gut behauptet, verzeichnete die Marke BONITA einen schwachen Start. Auch die Modernisierung dieser Marke nimmt mehr Zeit in Anspruch als erwartet. Aufgrund dessen erwartet der Vorstand im Gesamtjahr nun einen Umsatzrückgang auf 840 bis 860 Mio. Euro. Die EBITDA-Marge soll dabei zwischen 7,5 und 8,5 Prozent liegen. Ursprünglich war das Management von einer EBITDA-Marge in Höhe von 10 Prozent ausgegangen. Angesichts der aktuellen Geschäftsentwicklung von BONITA wird die Werthaltigkeit der Beteiligung sowie der Markenwert grundlegend überprüft.

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CECONOMY AG

Aufgrund der aktuellen Geschäftsentwicklung passt der Vorstand der CECONOMY AG die Prognose für das Gesamtjahr an. Beim Umsatz rechnet das Management im Geschäftsjahr 2017/18 unverändert mit einem leichten Wachstum. Die Anpassung der Ergebnisprognose ist maßgeblich auf eine schwächer als erwartete Geschäftsentwicklung in Deutschland im vierten Quartal zurückzuführen. Auch die Geschwindigkeit bei der Umsetzung der strategischen Initiativen in Deutschland blieb hinter den Erwartungen zurück. So erwartet der Vorstand nun ohne Berücksichtigung der Ergebnisbeiträge aus der Beteiligung an Fnac Darty S.A. ein EBITDA zwischen 680 Mio. EUR und 710 Mio. Euro. Im Vorjahr lag der Wert bei 714 Mio. Euro vor Sonderfaktoren. Das EBIT soll dann in einer Größenordnung von 460 bis 490 Mio. Euro liegen. Hier hatte die Gesellschaft im Vorjahr 494 Mio. Euro erwirtschaftet. Bisher hatte CECONOMY für das Gesamtjahr eine Steigerung von EBITDA und EBIT im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich prognostiziert.

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Zalando SE

Die Zalando SE hat ihre Prognose für das Gesamtjahr 2018 nach unten angepasst. Demnach haben der lange und außergewöhnlich heiße Sommer sowie ein verspäteter Start in die Herbst/Winter-Saison das Umsatzwachstum und das bereinigte EBIT belastet. Im dritten Quartal geht der Vorstand nun von einer Entwicklung deutlich unterhalb der Analystenschätzungen aus. Diese sehen durchschnittlich ein Umsatzwachstum von 19,8 Prozent und ein bereinigtes EBIT von minus 2 Mio. Euro. Im Gesamtjahr rechnet Zalando nun mit einem Umsatzwachstum am unteren Ende der bisher angestrebten Spanne von 20 bis 25 Prozent. DAs bereinigte EBIT erwartet der Vorstand nun in einer Größenordnung von 150 bis 190 Mio. Euro. Zuvor hatte das Management mit einem Wert am unteren Ende des Zielkorridors von 220 bis 270 Mio. Euro gerechnet. Dagegen bleiben die Prognosen für Investitionen und das Nettoumlaufvermögen unverändert. Trotz der angepassten Prognose wachse Zalando immer noch schneller als der Modemarkt.

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ES-Aktienfavoriten

Ausgabe 38 | 19.09.2018

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Täglicher Börsenbericht

DAX weiterhin im Plus

Hexensabbat sorgt für Kursbewegungen

Zum Wochenende könnte der DAX den vierten Gewinntag in Folge einfahren. Am Vormittag schaffte es der deutsche Leitindex übe die 12.400 Punkte-Marke. Rückenwind kommt insbesondere von der Wall Street. Überraschend gute Konjunkturdaten gaben der Kursrally in New York ordentlich Zunder. Zudem fehlten negative Nachrichten vom Handelsstreit. Auch in Asiens sorgte der Tag Auszeit von der Trump'schen Handelspolitik für ein kleines Hoch. Der Nikkei notiert kurz vor Handelsschluss 0,9 %, der Shanghaier Leitindex SSE Composite gar 1,2 % höher. Anleger sollten heute jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass am heutigen Tag der Große Verfallstag ist. Der sogenannte Hexensabbat sorgt 4x im Jahr für Kursbewegungen an der Börse. Zudem werden die deutschen Indizes zum kommenden Montag neu geordnet. 

Trotz des tödlichen Sturzes eines Reporters im Hambacher Forst während der Räumung des Protestcamps hält RWE weiterhin an der Rodung fest. Vorstandsvorsitzender Rolf Martin sagte, es sei eine Illusion, dass der Forst gerettet werden kann. Ein Verzicht auf die Rodung würde dem Konzern etwa 4 bis 5 Mrd. € kosten. 

Die von Finanzskandalen gebeutelte Großbank Wells Fargo plant den Abbau von bis zu rd. 26.000 Stellen. Im Rahmen ihres Sparprogramms sollen 5 bis 10 % der Arbeitsplätze wegfallen. 

Ein Dutzend neue intelligente Lautsprecher und verwandte Geräte bringt Amazon auf den Markt. Damit bringt der Konzern seinen Sprachassistenten Alexa u.a. auch ins Auto. 

Laut Medienberichten macht der US-Einzelhandelsriese Walmart gegen die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump mobil. Der Konzern warnt vor höhere Preise für die Verbraucher. 

Der US-Halbleiterhersteller Micron Technology konnte im Q4 seinen Gewinn um rd. 83 % steigern. Grund sei eine weiterhin starke Nachfrage nach PC-Speicherchips. 

Adobe übernimmt vom Finanzinvestor Vista Equity Partners den Cloud-Marketing-Spezialisten Marketo. Der US-Softwarekonzern stärkt so sein Cloud-Geschäft. 

 

 

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Auslandsfavoriten

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Thema der Woche

Ausgabe 38 | 19.09.2018

Verkehrte Welt

Die Deutschen sparen sich arm

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Randnotizen

In seinem aktuellen Ausblick für die lateinamerikanischen Staaten warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor einer der größten Wirtschaftskrisen der modernen Welt: Der Preisverfall in Venezuela. Die Inflationsrate peilt den irren Wert von 1.000.000 % an und sei vergleichbar mit der Situation in der Weimarer Republik 1923 in Deutschland. 

Doch während Deutschland damals einen Weltkrieg verloren hatte und mit 150 Mrd. Mark in der Kreide stand, gilt Venezuela als das ölreichste Land der Welt. Seit in Venezuela Präsident Nicolás Maduro an der Macht ist, sank jedoch die Ölproduktion des Landes um 16 %. Zusammen mit dem Preisverfall des Schwarzen Goldes sind es vor allem mangelnde Produktivität sowie politische Fehlentscheidungen, die das Land in den Ruin treiben. Wichtigstes Unternehmen ist der staatliche Ölkonzern PDVSA, der bereits Jahre vor der „venezolanischen Revolution“ verstaatlicht wurde. Rund 18.000 Mitarbeiter wurden seitdem wegen mangelnder Linientreue entlassen, darunter viele ausgewiesene Fachkräfte. Inzwischen ist die Ölindustrie marode, Land- und Privatwirtschaft haben sich quasi aufgelöst. Das Land ist politisch isoliert, die Landeswährung praktisch wertlos. Der Mindestlohn reicht gerade noch für 12 Eier. Im einst reichsten Land Südamerikas nehmen Krankheiten und Hunger rasant zu. Nun hat die Regierung einfach neue Banknoten drucken lassen, auf denen fünf Nullen gestrichen werden. Seit Montag sind die neuen Hoffnungsträger in Umlauf. Die von Maduro als „großartige revolutionäre Veränderungen in der Wirtschaft“ proklamierte Währungsumstellung offenbart das eigentliche Problem des Landes: Maduros Machtanspruch und völliges Unverständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge.

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Früher einmal hatte die Post einen eigenen Minister. Für ein Gehalt von weniger als 200.000 Euro im Jahr lenkte dieser neben den Geschicken der Post auch die der Postbank und der Telekom. Heute leistet sich allein die Post einen Vorstandsvorsitzenden, der sich für diese Aufgabe knapp 10 Mio. Euro p.a. ausbezahlen lässt. Mit dem 232-Fachen des Durchschnittseinkommen seiner Angestellten hat sich Post-Chef Frank Appel damit konkurrenzlos Platz 1 gesichert. Das jedenfalls zeigt eine entsprechende Studie des IMU-Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. Der Durchschnittswert der übrigen DAX-Chefs dagegen, liegt bei einem Mehrfachen von „mageren“ 97. Ganz so rosig wie Appels Gehalt sehen die Quartalszahlen der Gelben Post allerdings nicht aus. Deutlich weniger Gewinn musste der Vorstandschef seinen Anlegern eingestehen. Dabei legte der umsatzstärkste Bereich Brief/Paket operativ die schwächste Performance hin. Investitionen und ein neuer Tarifabschluss haben das Zahlenwerk ruiniert, das Ebit sank um knapp 59 %. Der zuständige Jürgen Gerdes musste daraufhin nach über 30 Jahren Tätigkeit für den DAX-Konzern seinen Hut nehmen. Aber auch die übrigen Mitarbeiter bekamen ihr Fett weg. In der hauseigenen Mitarbeiterzeitschrift „Premium Post“ zog Post-Chef Appel kräftig vom Leder. Man arbeite „nicht wirklich als ein Team“ und benötige dringend einen „Kulturwandel“. „Jeder Einzelne müsse Verantwortung für seinen Bereich übernehmen, Dinge infrage stellen und gegebenenfalls verändern“, klagte er. Wie genau dies auszusehen habe, darüber schwieg sich Deutschlands oberster Briefträger jedoch aus. Sollte der geforderte Kulturwandel aber darauf abzielen, lieber beim Konzerngewinn als beim eigenen Gehalt die Nummer 1 zu sein, so ist das zu begrüßen. Und sollte er ferner seine Praxis „infrage stellen“, Verträge ungelesen zu unterzeichnen (s. ES 9/16) und „gegebenenfalls verändern“, dann muss man Frank Appel zu dieser Erkenntnis aufrichtig gratulieren. Denn die Aussichten der Gelben Post wären dann nicht nur rosig, sondern rosarot.

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Der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus hatte am 10. August überraschend die für den 14. August geplante Veröffentlichung seiner Halbjahreszahlen wegen „Finalisierung des Integrationsprojekts“ auf Anfang September verschoben. Da es sich dabei um die Integration der drei Teilgesellschaften Tele Columbus, Primacom und Pepcom handelt, kamen am Markt sofort Ängste hoch, dass die Bilanz des ohnehin schon mit 1,4 Mrd. Euro hoch verschuldeten SDAX-Konzerns durch weitere Abschreibungen noch weiter belastet werden könnte. Denn das Unternehmen hat schon Probleme genug: Im operativen Geschäft gingen die Abonnentenzahlen deutlich zurück, und die Eingliederung des Dienstleisters Pepcom lief auch nicht wie geplant. Daher hatte Tele Columbus bereits seine Prognose senken müssen. 

Kein Wunder also, dass mit der Verschiebung der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen alle Warnlampen am Markt angingen. Investoren befürchteten Schlimmes und warfen die Aktie aus ihren Depots. Analysten senkten reihenweise die Daumen. Als dann auch noch die Meldung kam, dass die US-Fonds Smallcap und Capital Group ihre Anteile inzwischen drastisch abverkauft hatten und die Privatbank Hauck & Aufhäuser ihr Anlageurteil aussetzte, weil die Aktie derzeit „uninvestierbar“ sei, brachen alle Dämme. Die Aktie fiel in ein Loch – 50 % Kursverlust in wenigen Tagen! 

Von einem verantwortungsbewussten Management sollte man erwarten, dass es in einer derart schwierigen Situation vernünftig mit dem Kapitalmarkt kommuniziert, doch bei Tele Columbus schweigt man bisher beharrlich. Auf Anfrage des ES bei der Investor Relations Abteilung des Unternehmens gab es folgende standardisierte Antwort aus dem Rechtshandbuch: 

„Grundsätzlich beteiligen wir uns nicht an Spekulationen im Markt und kommentieren auch keine Gerüchte. Vor diesem Hintergrund anbei meine folgenden Antworten:

Welche Gründe zur Verschiebung der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen geführt haben, können Sie unserer Meldung vom 10. August entnehmen. Wir haben keinerlei Informationen darüber, was unser Großaktionär, die United Internet AG, mit seinen Anteilen vorhat.

Nach erfolgter Berichterstattung wird unser Vorstand am Tag der Veröffentlichung eine Telefonkonferenz abhalten und darüber hinaus in den nächsten Wochen an einer Vielzahl von Kapitalmarktkonferenzen teilnehmen, um zur aktuellen operativen Entwicklung Auskunft zu geben. Diese Termine sind auch jederzeit öffentlich einsehbar: https://www.telecolumbus.com/investor-relations/konferenzen-roadshows/.“
Leonhard Bayer, Senior Director Investor Relations

Mehr Informationen sind auch auf intensive Nachfrage nicht zu bekommen. Dafür aber kommt nun von anderer Seite Unterstützung: Nachdem Analyst Simon Bentlage von Hauck & Aufhäuser am 17. August noch alles für möglich hielt und deshalb Privatanlegern nicht raten konnte, Geld in Tele Columbus zu stecken, nahm er nur eine Woche später seine ausgesetzte Bewertung für die „uninvestierbare“ Aktie mit „Buy“ und einem Kursziel von 5,20 Euro wieder auf. Das Management des Kabelnetzbetreibers werde zwar sicherlich die Wachstums- und Margenerwartungen deutlich dämpfen, schrieb er mit Blick auf den jüngst verschobenen Quartalsbericht. Dies sei aber nach dem jüngsten Kursrutsch inzwischen voll eingepreist. Sein Kursziel werde durch den Wert des Kabelnetzes mit seinen stabilen, regelmäßigen Umsätzen gestützt.

Schlimm genug, dass der Kabelnetzbetreiber für seine Anleger zur Blackbox geworden ist, aber es ist mindestens ebenso schlimm, wie leichtfertig Analysten mit ihren Bewertungen umgehen und mal eben den Daumen für eine Aktie heben oder senken. 

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Spezial

Wie erwartet, wird ab dem 24. September Wirecard die Commerzbank im DAX ablösen, die dann in den MDAX abwandert. 

Außerdem gab die Deutsche Börse auch die Zusammensetzung der neu geordneten Nebenwerte-Indizes bekannt. So erhalten auch Technologiewerte aus dem TecDAX zusätzlich Zugang zum MDAX und SDAX. Deshalb wird der MDAX von bisher 50 auf 60 Werte aufgestockt. Im SDAX sind ab dem 24. September 70 Werte zu finden, zuvor waren es 50. Der TecDAX erhält weiterhin genau 30 Werte. U.a. werden 13
TecDAX-Aktien dann auch zum MDAX zählen. Eine genaue Auflistung erfolgt in der nächsten ES-Ausgabe.

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„Wir sind uns bewusst, dass damit eine Ära Metro bei Haniel zu Ende gehen kann“, so Haniel-Chef Stephan Gemkow.   Der Duisburger Familienkonzern Haniel steht vor dem Ausstieg bei der Metro. Mit dem tschechischen Investor EP Global Commerce (EPGC) dürfte bald ein anderer Wind bei dem Düsseldorfer Handelskonzern wehen.

Nach mehr als 50 Jahren verkauft Haniel zunächst 7,3 % seiner Metro-Aktien an den tschechischen Investor EPGC. Dieser gehört den Geschäftspartnern Patrik Tkac und Daniel Kretinsky. Die Käufer besitzen zudem eine Option, auch die übrigen 15,2 % der Metro-Anteile aus dem Haniel-Besitz zu übernehmen. Zum Kaufpreis wurden bisher keine Angaben gemacht. Nach dem akt. Aktienkurs dürfte der Kaufpreis für den ersten Teil bei rd. 340 Mio. € und die 2. Tranche bei 710 Mio. € liegen. Auch Ceconomy erwägt, den größten Teil des 10 %-Anteils an der Metro zu veräußern, und zwar an Kretinskys-Gesellschaft EP Investment. Ceconomy ist bekanntlich ebenso wie der Lebensmittelhändler Metro vergangenen Sommer aus der Aufspaltung der früheren Metro Group hervorgegangen. 

Die Haniel-Gruppe war bereits seit Längerem mit der Metro-Entwicklung unzufrieden. Auch die Aufspaltung von Metro und Ceconomy mit seinen Elektronikketten Media Markt und Saturn brachte nicht den gewünschten Erfolg. An der  25 %-Beteiligung  an Ceconomy will man weiter festhalten, weil dort eine Strategie erkennbar sei. Diese scheinen die Duisburger bei Metro nicht mehr zu sehen. 

Die EPGC schickt sich nun an, nicht nur ein Großaktionär vom deutschen Handelsriesen zu werden, sondern der Mehrheitsaktionär. Der millilardenschwere Investor Kretinsky hinter der EPGC ist kein unbeschriebenes Blatt in Deutschland, er kontrolliert bereits den Strom-Versorger EPH. Der sog. „Kohlebaron“ hatte die deutschen Braunkohlekraftwerke und den Tagebau von Vattenfall übernommen. Ursprünglich kommen weder Tkac noch Kretinsky aus der Handelsbranche. Sie halten jedoch auch 40 % am zweitgrößten Onlinekaufhaus in Tschechien. Dem Vernehmen nach sieht Kretinsky Entwicklungspotenzial bei der Metro und will sich entsprechend aktiv mit einbringen. Über kurz oder lang könnte Kretinsky in den Besitz von mehr als 30 % der Metro-Anteile gelangen. Dann müsste er den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten.  

u Mit dem Aktionärswechsel wird es bei der Metro (akt. 13,47 €) endlich wieder spannend. Bei Ceconomy bleibt man ebenso am Ball; (A–). Weitere heißere Möglichkeiten bieten sich durch Optionsscheine auf Metro bzw. Ceconomy.

 

 

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ES: Sie haben soeben die Bilanz für das erste Halbjahr vorgelegt. Wie zufrieden sind Sie und was erwarten Sie für die zweite Jahreshälfte? 

Wir können auf ein erfolgreiches 1. Halbjahr 2018 blicken: Unsere erste T-Zell-Rezeptor (TCR)-Studie MDG1011 hat begonnen, unsere bestehende Partnerschaft mit bluebird bio haben wir um 50 % erweitert und darüber hinaus haben wir unsere finanzielle Basis mit einer erfolgreichen Kapitalmaßnahme so gut gestärkt, dass wir nun über 80 Mio. € an liquiden Mitteln verfügen. In der 2. Jahreshälfte planen wir, mit der Behandlung von Patienten mit unserer TCR-Therapie MDG1011 zu beginnen und die erste Studienkohorte der Phase I bis Ende des Jahres 2018 durchführen zu können.

ES: Könnten Sie uns etwas über die aktuellen Entwicklungen der klinischen Studie zu MDG1011 und Ihrer Partnerschaft mit bluebird bio sagen? Wie hoch sind die liquiden Mittel, die hier fließen werden?

In unserer klinischen Studie mit dem TCR-T-Immuntherapie MDG1011 haben die Patientenaufnahme in die erste Dosis-Kohorte dieser Studie und die Produktion des personalisierten Zellprodukts vor Kurzem begonnen. In den drei beteiligten Studienzentren werden kontinuierlich Patienten gescreent und getestet, ob eine Aufnahme in die Studie möglich ist. Als erster Schritt erfolgt dann eine Apherese, die Isolierung der patienteneignen T-Zellen. Diese werden dann mit Medigenes spezifischem PRAME-TCR ausgestattet und anschließend vermehrt. Nach umfassenden Qualitätsprüfungen des Zelltherapieprodukts wird der Patient zunächst mit einer vorbereitenden Chemotherapie und dann einmalig per Infusion mit MDG1011 behandelt.

Unsere Kooperation mit bluebird bio haben wir im Mai signifikant ausgeweitet, sodass wir nun sechs anstelle von vier TCR-Leitkandidaten für das US-Unternehmen entwickeln. Im Rahmen dieser Neuerung hat Medigene eine zusätzliche Vorauszahlung (Upfront-Payment) in Höhe von 8 Mio. $ sowie eine zusätzliche Zahlung in Höhe von 1 Mio. $ im Zusammenhang mit dem Erreichen eines ersten Kollaborations-Meilensteins erhalten. Aufgrund dieser Partnerschaft mit bluebird bio erhöhten sich in den ersten sechs Monaten 2018 unsere Umsätze im Bereich Immuntherapien auf 3,4 Mio. €, was einer Steigerung von 49 % entspricht. 

ES: In welchen anderen Forschungskooperationen steckt Medigene derzeit?

Zur Fortentwicklung unserer Forschungsprojekte haben wir ein internationales wissenschaftliches Netzwerk mit Partnern aufgebaut. Es setzt sich zusammen aus akademischen und klinischen Kontakten und Kooperationen mit leitenden Krankenhäusern und Institutionen in Europa und Nordamerika sowie mit forschenden Biotechnologie-Unternehmen, insbesondere in den USA. Zur Beratung hat Medigene auch letztes Jahr aus renommierten Wissenschaftlern ein sogenanntes Scientific Advisory Board zusammengestellt, das die Firma berät und auf neueste Trends und Entwicklungen hinweist.

ES: Rechnet Medigene in naher Zukunft mit Meilensteinzahlungen aus der bluebird bio Kooperation?

Die Kooperation mit bluebird bio geht gut voran, zum Zeitpunkt künftiger Meilensteinzahlungen machen wir aber grundsätzlich keine Aussage. Es liegt nicht nur in Medigenes Hand, die Meilensteine zu erreichen, da es sich um eine gemeinsame Entwicklung mit bluebird bio handelt. Das genaue Erreichen des nächsten Meilensteins ist daher nicht ohne weiteres prognostizierbar. 

ES: Ende Mai konnte Medigene bei einer Kapitalerhöhung 32,3 Mio. € am Kapitalmarkt einsammeln. Wofür soll die frische Liquidität genutzt werden? 

Wir planen, mit dem Netto-Erlös der Transaktion das laufende klinische Programm mit TCR-Ts auszuweiten und die Pipeline von potenziellen TCR-T-Kandidaten für eine künftige klinische Entwicklung weiter voranzubringen. Vorstellbar ist auch die Ausweitung der klinischen Erprobung in Europa oder auch in den USA. 

ES: Stehen noch weitere Kapitalmaßnahmen in jüngerer Zukunft an?

Mit unserem Bestand liquider Mittel von ca. 80 Mio. € zum Halbjahresende sind wir über den Prognosezeitraum von zwei Jahren hinaus finanziert. Es besteht hier also derzeit kein dringender Handlungsbedarf.

ES: Wie schätzen Sie nach den großen Übernahmen (Gilead/Kite und Celgene/Juno) die Konsolidierung in der Biotechnologiebranche ein? 

Pharmakonzerne und große Biotechunternehmen erkennen zunehmend, dass Zelltherapien ein Bereich ist, den sie nicht verpassen wollen. Ich denke, weitere große Übernahmen könnten kommen, insbesondere wenn man positive und belastbare Daten aus laufenden TCR- oder CAR-T-Studien sehen wird oder wenn diese Immuntherapien nachhaltige Erfolge bei soliden Tumoren zeigen.

ES: Sehen Sie Medigene selbst als Übernahmekandidaten?

Ziel von Medigene ist es, unsere TCR-Pipeline weiter auszubauen und eigene Krebsimmuntherapien bis zur Marktreife zu entwickeln. Je erfolgreicher wir bei unseren Entwicklungsprogrammen sein werden, umso attraktiver werden wir als Investment für Aktionäre, vielleicht auch potenziell für Unternehmen, die Know-how und Projekte im Bereich Zelltherapien akquirieren möchten. Über solche potenziellen Angebote müssten dann unsere Aktionäre entscheiden. Unsere Strategie zielt jedoch darauf ab, Medigene als globalen Innovator in der zellulären Krebsimmuntherapie langfristig zu etablieren. 

ES: In der 1. Jahreshälfte geriet die Aktie von Medigene arg unter Druck. Warum?

Generell kommentieren wir konkrete Kursentwicklungen nicht. Wir bewegen uns als innovatives Unternehmen in einem sehr dynamischen Sektor, der auch immer wieder von deutlichen Kurs-Trends in beide Richtungen geprägt ist, teilweise ausgelöst durch konkrete Unternehmensmeldungen, teilweise durch allgemeine Branchenentwicklungen. In den letzten Wochen hat die Medigene-Aktie wieder deutlich zugelegt. Wichtig ist aber vor allem ein langfristiger Trend. In den letzten 12 Monaten konnten wir einen Kursgewinn von fast 50 % verzeichnen, seit unserer Neupositionierung als Immuntherapie-Unternehmen Anfang 2014 stieg die Medigene-Aktie um über 350 %. 

ES: Vielen Dank für das Gespräch.

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ES: Auf Ihrer Internetseite steht: „SEVEN PRINCIPLES (7P) hat eine Mission:

Wir liefern Ihnen innovative IT-Lösungen, helfen Ihnen, Ihr Unternehmen nachhaltiger und digitaler zu gestalten und begleiten Sie in der digitalen Transformation.“ Das klingt wie bei hundert anderen Anbietern auch. Warum also soll ich als Kunde zu 7P kommen? 

Vielleicht sind Sie ja schon Kunde von 7P, ohne es zu wissen. Sie bestellen z.B. per App ein Essen und lassen es per Kurierdienst liefern. Sie bezahlen dann per Smartphone und haben damit, ohne es zu wissen, die Komplettlösung von 7P genutzt. Diese gesamten Prozesse der Verwaltung und Logistik liegen nämlich bei uns. Oder noch ein Beispiel: Sie wollen mit Ihrem Smartphone irgendwo auf der Welt bei Ihrer Bank ein Tagesgeldkonto eröffnen, dann machen Sie das höchstwahrscheinlich über das von 7P entwickelte sog. Videoident-Verfahren. 

Eine der am meisten genutzten Apps in Deutschland ist die eines großen Logistikunternehmens, mit dem der Kunde seine Waren im Internet nachverfolgen kann. Diese Applikation stammt von 7P, ebenso wie die, mit der Sie Ihre Telefonrechnung von einem bekannten Telekommunikationsanbieter oder von einem Stromanbieter digital abrufen können. Oder wenn Sie mit Ihrem Smartphone im Haus Musik hören und vom Dachboden bis zum Keller und in den Garten gleichbleibend guten Internetempfang haben, dann steuert 7P mittels intelligenter Netze dies für Sie, ohne dass Sie es merken. 

ES: Aber ich bin nicht direkt Ihr Kunde? 

Nein, unsere Kunden sind die großen Konzerne, die ich Ihnen leider namentlich nicht nennen darf. Denn viele dieser Unternehmen möchten Sie als Kunde glauben lassen, dass Sie alles aus einer Hand bekommen. Aber ich kann Ihnen sagen, dass von den 30 DAX-Konzernen 21 unsere Kunden sind.  

ES: Sie haben sich auf die Branchen Telecommunication, Automotive, Energy und Travel, Transport & Logistics fokussiert. Gibt es eine Kernbranche?

Aus der Historie heraus war es die Telekommunikation. Zunehmend nutzen wir die Best Practices dieser Branche zur Umsetzung von Digitalisierungsprojekten, die in der Regel nicht branchenspezifisch sind. Bald kommt die neue Mobilfunkgeneration 5G auf den Markt. Wir werden unser Know-how allen unseren Kunden branchenübergreifend zur Verfügung stellen, damit sie die Vorteile von 5G nutzen können.

ES: Wie viele Kunden haben Sie und wie lange laufen Ihre Verträge?

Das ist sehr schwer zu sagen, da wir mit vielen Kunden nur einzelne Projekte abwickeln. Mit Großkunden wie den DAX-Konzernen haben wir langfristige Verträge, die eine Laufzeit von bis zu 10 Jahren haben. Projekte bei mittelständischen Kunden bewegen sich eher in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten. Für ein Online-Portal entwickeln wir z.B. eine Applikation für Fußballfans, die noch in dieser Saison aktuelle Ergebnisse auf allen Smartphones in allen Sprachen verfügbar machen wird. Die Entwicklung dauert ca. neun Monate, dazu kommen bis zu drei Jahre Gewährleistung.

Wir bauen kontinuierlich unser Portfolio aus und investieren auch in Blockchain-Know-how, IoT, Industrie 4.0 und Cybersecurity. Dabei arbeiten wir u.a. sehr eng mit dem Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) zusammen. Das sind die großen Themen der Zukunft, die uns weiterhin gut bei Großkunden und im Mittelstand positionieren werden.

ES: Das hört sich alles toll an. Warum aber bleibt so wenig Profit unterm Strich? 

Wir haben am 5. Juni dieses Jahres unser 20-jähriges Jubiläum gefeiert. Bis 2011 war 7P ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Die Ebit-Marge lag bis dahin bei 7 % p.a. Aber dann drängten immer mehr indische und osteuropäische Konkurrenten auf den Markt, und 7P hat zu lange gebraucht, sich entsprechend neu auszurichten. 2014 hat unsere Firma dann 12 Mio. € Verlust geschrieben, das war der Tiefpunkt. 7P musste sich völlig neu aufstellen, denn man wollte 2021 die Break-Even-Schwelle wieder erreichen. Alles wurde in Frage gestellt und neu strukturiert: das Management, das Portfolio, die Partneransätze, Kundenverträge, die Projektbewertungen. 2015 wurden dann die vielen Tochtergesellschaften, die alle eigene Mitarbeiter und sogar eigene Systeme hatten, auf die 7P AG verschmolzen. Dies alles hat größere Investitionen erfordert, auch in neue Systeme, in Prozesse und Personal. Ich hatte damals schon eine „Null-Server-Strategie“ ausgerufen und alles auf die Cloud gesetzt. Das war richtig. Es waren aber auch harte Einschnitte. Zwei Kapitalerhöhungen waren notwendig, die überwiegend von Johannes Mohn, unserem Aufsichtsratsmitglied und Ankeraktionär, gezeichnet wurden.

ES: Resultiert daraus die hohe Beteiligung Ihres Hauptaktionärs Johannes Mohn, der 85 % der Anteile hält? 

Genau! Herr Mohn besaß vor den Kapitalerhöhungen 30 % der Anteile, heute besitzt er 85 %. Zudem hat er damals auch die Aktien aufgenommen, die von anderen Investoren abgestoßen wurden. 

ES: Damit sind von den 3.770.662 7P-Inhaberaktien nur 15 % im Free Float. Das sind gerade einmal 565.599 Aktien. Soll das so bleiben?

Wir werden das inzwischen oft gefragt, denn nun sind wir wieder ein attraktives Unternehmen. Unsere Aktie ist unterbewertet und damit wieder für andere Investoren interessant. Da wir aber in Zukunft stärker in Wachstum investieren wollen, denken wir auch über weitere Kapitalmaßnahmen nach. Dann könnte jeder Interessent Aktien am Markt zeichnen. 

ES: Ihre Aktie ist unterbewertet? Wo sehen Sie den fairen Wert der 7P-Aktie? 

Bei mindestens 25 €.

ES: Oh, das ist ein Wort!

Ich kenne unsere Stärke und unseren inneren Wert. Aber es ist auch kein Geheimnis, dass wir bereits vor ca. einem Jahr Übernahmeangebote zu 15 € je Aktie erhalten haben. Und da lag 7P noch in der Verlustzone. Jetzt machen wir wieder Gewinn, der Turnaround ist in vollem Gange.

ES: Welches Ziel haben Sie als Vorstand für die 7P?

Mein Vertrag wurde dieses Mal nicht um drei, sondern um fünf Jahre verlängert. Bis 2022 möchte ich 7P zur Premiummarke führen. Mein Ziel ist eine Ebit-Marge von 8 % in 2020. 

ES: Und wie sieht es mit Dividende aus?

Eine Ausschüttung ist vorläufig nicht geplant, dafür ist es noch zu früh. Wir reinvestieren zunächst weiter in unser Unternehmen und damit in Wachstum. Schließlich soll unser Erfolg nachhaltig sein. 

ES: Herr Kronfli, wir danken Ihnen für die interessanten Einblicke und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Feature

Für Anleger, die gern am Kapitalmarkt mit dabei sein wollen, aber das Risiko der Direktanlage scheuen, gibt es die Discount-Zertifikate und Protect-Discount-Zertifikate. Was ist ihnen gemeinsam und worin unterscheiden sie sich?

Zertifikate sind börsennotierte Wertpapiere, deren eigener Preis indirekt aus den Kursbewegungen anderer Vermögenswerte abgeleitet wird. Diese sog. Basiswerte können Börsenindizes, Aktien, Rohstoffe oder auch Anleihen sein. 

Schon 1995 wurden die ersten Discount-Zertifikate begeben, mittlerweile gibt es rund 180.000. Das Besondere bei diesen Discount-Zertifikaten ist, dass der Basiswert billiger erworben werden kann. Discount-Zertifikate bieten also einen Preisnachlass (Discount) auf den Kauf des Basiswertes. Im Gegenzug für diesen Preisnachlass nimmt der Anleger jedoch eine Gewinnbegrenzung in Kauf, die im Fachjargon als Cap bezeichnet wird. Wie hoch der Abschlag (Discount) ist, hängt wiederum von der zugrundeliegenden Aktie oder Index, aber auch von den Ausstattungsmerkmalen des Discount-Zertifikats ab. Grob lassen sich folgende Aussagen zum Abschlag machen: Er steigt mit der Laufzeit des „Discounters“ und mit der Schwankungsintensität (Volatilität) des Basiswertes. 

Ein Beispiel verdeutlicht die Konstruktion: Ein Discount-Zertifikat auf Osram mit einer Laufzeit bis Dezember 2019 hat einen Cap von 40,00 Euro. Das Zertifikat notiert aktuell bei 33,47 Euro und die Aktie bei 38,89 Euro. Für den Zertifikate-Käufer bedeutet dies, dass der Gewinn auf maximal 40,00 Euro begrenzt ist. Steigt also Osram um rund 2,9 % auf 40,00 Euro würde der Zertifikate-Besitzer ebenfalls 40,00 Euro erhalten, hätte dann aber 19,5 (40/33,47-1) % verdient. Die sogenannte Maximalrendite beträgt also momentan 19,5 %. Was passiert aber, wenn sich die Aktie bis Dezember 2019 per Saldo nicht bewegt und bei 38,89 Euro stagniert. In diesem Fall beträgt die Rückzahlung für das Discount-Zertifikat ebenfalls 38,89 Euro. Der Gewinn würde dann 16,2 (38,89/
33,47-1) % betragen. Da sich die Aktie nur seitwärts bewegt hat, nennt man diese Kennzahl auch Seitwärtsrendite. Nur am Rande: Die Maximalrendite ist immer dann höher als die Seitwärtsrendite, wenn die Aktie unterhalb des Caps notiert.

Ab welchem Kurs wäre der Aktienkauf besser? Da der Discount-Käufer maximal 19,5% erlösen kann, müsste die Aktie ebenfalls mindestens um diesen Wert auf dann 46,48 Euro (sogenannter Outperformance-Punkt) steigen. Wer also der Meinung ist, dass Osram in den nächsten knapp 17 Monaten nicht über 46,48 Euro steigt, ist mit dem Kauf des Discount-Zertifikats besser bedient.

Natürlich kann es auch passieren, dass die Kurseinschätzung komplett falsch ist und sich Osram nach unten bewegt. In diesem Fall schützt der Discount, denn erst unterhalb des Kaufpreises des Discounters von 33,47 Euro beginnt am Laufzeitende die Verlustzone für den Käufer. Das bedeutet, dass die Aktie zunächst um 13,9 % fallen kann, bevor der Discount-Käufer einen Verlust befürchten muss.

Bei vielen Anlegern weitaus beliebter sind sogenannte Aktien- oder Index-Anleihen, bei denen die Rückzahlung von der Wertentwicklung des Basiswertes abhängt, zusätzlich aber ein davon unabhängiger Zins gezahlt wird. Discount-Zertifikate sind im Grunde genommen nichts anderes als Aktien-Anleihen mit einer Verzinsung von Null Prozent. Viel wichtiger ist aber, dass sich zeigen lässt, dass Aktien-Anleihen nur dann besser als Discount-Zertifikate sind, wenn sich statt der Seitwärts- oder moderaten Aufwärtstendenz eine Abwärtsbewegung einstellt. Da dies aber eigentlich nicht der ursprünglichen Anlageintention entspricht, ist es fraglich, warum ein Anleger einen Renditeverzicht hinnehmen soll, wenn sein Szenario eintrifft, er aber etwas besser gestellt ist, wenn es dagegen „nach unten“ geht. 

Die Emittenten haben aber auch für den Fall, dass die Wertentwicklung des Basiswertes nach unten gerichtet ist, Produkte entwickelt, die zumindest einen Teilschutz besitzen. Diese Zertifikate haben meistens den Namenszusatz „Protect“. Identisch hierzu sind Produkte, die „BonusCap“ bzw. „Capped Bonus-Zertifikate“ heißen. 

Bei diesen Protect-Discount-Zertifikaten wird durch eine zusätzliche Option verhindert, dass bei einem Kursrückgang von z.B. 15 % bereits Verluste für den Anleger entstehen. Eines ist jedoch klar: Dieser zusätzliche Schutz kostet Geld und mindert damit die Rendite.

Auch hier verdeutlicht ein Beispiel die Funktionsweise: Ein Capped Bonus-Zertifikat mit Laufzeit bis Dezember 2019 hat ebenfalls einen Maximalbetrag von 40,00 Euro. Die Barriere liegt bei 28,00 Euro. D.h. der Anleger erhält am Laufzeitende immer 40,00 Euro zurück, wenn die Osram-Aktie die Kursschwelle von 28,00 Euro nie berührt. Bei einem aktuellen Preis von 35,36 Euro ergibt sich ein maximaler Gewinn von 13,1 %. Dieser maximale Gewinn wird auch dann ausgezahlt, wenn die Anteilsscheine von Osram nicht unter 28,00 Euro fallen. Wird die Barriere allerdings verletzt, verwandelt sich das Produkt in ein klassisches Discount-Zertifikat mit einem Cap von 40,00 Euro. In diesem Fall entspricht der Gewinn bzw. Verlust etwa 1:1 der Wertentwicklung von Osram, allerdings mit der Gewinndeckelung bei 40,00 Euro.

Die Grafik zeigt, dass die zusätzliche Sicherheit eine Renditeeinbuße von über 6 % mit sich bringt, das Risiko aber bei einer Fehleinschätzung zunächst abgefedert wird. Am Rande erwähnt: Um eine vergleichbare Performance wie beim klassischen Discount-Zertifikat zu erzielen, müsste man die Barriere auf mindestens 30,00 Euro erhöhen. Der Barriereabstand wäre damit aber deutlich knapper.

Bei einem Discount-Zertifikat liegt der Gewinn innerhalb einer gewissen Bandbreite. Kurseinbrüche werden begrenzt, Kurssteigerungen aber auch. Mit Protect-Discount-Zertifikaten sichert man sich vor Kurseinbrüchen ab, auf Kosten der Rendite. Mit beiden Produkten können Anleger die Höhe ihres Risikos selbst bestimmen und sicher in einer gewissen Bandbreite am Markt dabei sein.

Vergleich von Discount-Zertifikat und Protect-Discount-Zertifikat mit ähnlichen Ausstattungen auf Osram

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Das Energiekonzept der deutschen Bundesregierung hat in den letzten zehn Jahren so oft die Richtung gewechselt, dass nicht nur die deutschen Stromerzeuger zeitweise die Orientierung verloren hatten. Seitdem der Atomausstieg aber beschlossene Sache ist, beginnt die Neuordnung der Energieversorger. Es geht darum, schnell wieder den Anschluss zu finden und damit endlich die Verlustjahre hinter sich zu lassen. Dafür gehen die ehemaligen Konkurrenten E.on und RWE schon mal gemeinsame Wege. 

Erst vor zwei Jahren hatte RWE seine Tochter Innogy an die Börse gebracht. Diese meldete soeben für das H1 2018 ein um Sondereffekte bereinigtes Ebit von 1,5 Mrd. Euro. Innogy blieb damit unter dem Vorjahreswert und musste auch in der Ökostrom- sowie dem Netzgeschäft Federn lassen, bestätigte aber die Jahresprognose eines bereinigten Ebits von 2,7 Mrd. Euro. Innogy ist mit 22 Mio. Kunden ein Filetstück, das die beiden Energieriesen E.on und RWE nun unter sich aufteilen wollen. E.on soll das Netzgeschäft und den Stromvertrieb bekommen, RWE die erneuerbaren Energien unter einem Dach vereinen. Dazu werden Geschäftsbereiche und Vermögenswerte ausgetauscht. E.on wird z.B. die verbliebenen deutschen Kernenergiebeteiligungen an RWE verkaufen. RWE wird mit knapp 17 % größter E.on-Aktionär.

In einem ersten Schritt soll E.on Innogy komplett übernehmen. 76,8 % bekommt E.on von RWE direkt. Da E.on mit diesem Paket auch die Kontrolle über Innogy erhält, wäre ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre fällig. Um dem zuvorzukommen, hat E.on ein freiwilliges Übernahmeangebot unterbreitet und den Innogy-Aktionären 36,76 Euro je Anteilsschein für ihren Ausstieg geboten. Hinzu kommt noch die im Jahr 2019 zahlbare Dividende von 1,64 Euro, wodurch sich das Angebot auf 38,40 Euro erhöht. 

Doch der Streubesitz zeigte sich wenig begeistert, das Einsammeln der Aktien lief schleppend. Obwohl die Annahmefrist noch einmal verlängert wurde, waren am Ende gerade mal 9,4 % aller Innogy-Aktien angedient worden. Sobald das Übernahmeangebot wirksam wird (womit „nicht vor Mitte 2019“ zu rechnen ist), erhält jeder Inhaber für seine zum Verkauf angedienten Innogy-Aktien 36,76 Euro pro Aktie auf sein Konto. Bis dahin werden die zum Verkauf angedienten Innogy-Aktien (ISIN: DE000A2LQ2L3, s. Chart) weiter an der Börse gehandelt, ebenso wie die nicht angedienten Aktien (ISIN: DE000A2AADD2, s. Chart). 

Zusammen mit dem Paket, das E.on direkt von RWE erhält, kommt E.on zwar bei Innogy auf insgesamt 86,2 % am Grundkapital, verfehlt damit aber die wichtige Schwelle von 90 %. Für einen umwandlungsrechtlichen Squeeze-out reicht es damit nicht. Um trotzdem den Durchgriff auf Innogy zu bekommen, bleiben zwei Alternativen: 

1.) E.on schließt mit Innogy einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BuGV) ab. 

2. ) Die Verschmelzung von Innogy und E.on auf eine neue Gesellschaft.

Für die Minderheitsaktionäre sind beide Alternativen lukrativ. Bei einer Verschmelzung würden die Innogy-Aktionäre auch Aktien der neuen Gesellschaft bekommen. Diese Option ist für E.on aber viel komplizierter und zeitaufwendiger, schon allein deshalb, weil beide Unternehmen bewertet werden müssten. Ein BuGV ist dagegen einfacher umzusetzen und bereits auch in der Angebotsunterlage vorgesehen. Die für den Abschluss eines solchen Vertrages notwendige Stimmrechtsmehrheit von 75 % wird mit 86,2 % (s.o.) ebenfalls erfüllt. Anleger können dann wählen, ob sie ihre Aktien gegen eine Barabfindung verkaufen oder aber behalten und dafür eine jährliche Garantiedividende kassieren (vgl. ES 29/18). Ein BuGV wäre jedoch nur eine Übergangslösung, denn wie sich aus der Angebotsunterlage ergibt, strebt E.on bei Innogy an, „innerhalb der rechtlich vorgegebenen Grenzen einen möglichst weitgehenden beherrschenden Einfluss ausüben zu können und/oder eine nach Vollzug des Übernahmeangebots etwaig verbleibende Minderheitsbeteiligung an der innogy SE gegebenenfalls auch ganz zu beseitigen“. 

Im Klartext heißt das, man will die Minderheitsaktionäre ganz loswerden. Dieser Weg führt aber nur über einen Squeeze-out. Also wird E.on weiter Aktien einsammeln, was den Kurs der Innogy-Aktien nach unten absichert und die monatlichen Durchschnittskurse in dem Papier hoch hält. 

Sollte E.on innerhalb von 12 Monaten nach Veröffentlichung der ersten Angebotsunterlage Innogy-Aktien zu einem höheren Preis als den Übernahmepreis erwerben, so müsste der Konzern nach § 31 Abs. 4 des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes (WpÜG) sein Übernahmeangebot nachbessern. Der Essener Stromanbieter selbst hat in der Angebotsunterlage diese Frist „freiwillig“ bis Ende 2019 verlängert. In Ziffer 4.2 (ii) verpflichtet er sich zur Zahlung einer entsprechenden Nachbesserung gegenüber jenen Innogy-Aktionären, die das Angebot angenommen haben. Dies wäre auch Grundlage für jedes neue Angebot.

Am Markt wird schon seit geraumer Zeit auf ein lukratives Barabfindungsangebot spekuliert. Das zeigt auch die geringe Annahmequote bei dem gerade abgeschlossenen Übernahmeangebot. Zwar hat E.on-Vorstand Johannes Teyssen in einem Interview versucht, die Erwartungen bei einem zukünftigen Angebot zu dämpfen, indem er beteuerte, man wolle die „volle Kontrolle über Innogy“ ohne einen erhöhten Übernahmepreis, was aber letztlich die Spekulationen nur noch weiter befeuerte. Schließlich hat er gleichzeitig die Konzernabsichten zur vollständigen Übernahme bestätigt. 

Im Grundsatz wird eine solche Übernahme auch kartellrechtlich nicht in Frage stehen, auch wenn sie mit Auflagen verknüpft sein wird. Da sich die Großkonzerne nach eigener Aussage schon seit Längerem „in informellen Vorgesprächen“ mit dem Bundeskartellamt befinden, ist davon auszugehen, dass hier bereits die politischen und kartellrechtlichen Eckpunkte abgeklärt wurden. Angesichts der Tragweite der Transaktion wird aber auch die Europäische Kommission ein Wörtchen mitzureden haben.

Innogy-Aktionäre können geduldig abwarten, welche weiteren Schritte E.on einleiten wird, um das Filetstück Innogy ganz zu bekommen. Für sie sollte dabei auf jeden Fall noch mehr abfallen.

 

 

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Als Angela Merkel im Februar endlich ihr Kabinett vorstellte, begründete sie die Ämterbesetzung u.a. damit, dass sich zunächst junge Kräfte bewähren und „ihren Erfahrungsschatz erweitern“ sollten. Damit machte die Regierungschefin deutlich, dass es nicht in erster Linie um Fachkompetenz, ökonomischen Sachverstand oder Berufserfahrung in ihrem Kabinett geht. Um einen der begehrten Sessel am Kabinettstisch im Bundeskanzleramt zu ergattern, muss man vielmehr jung und/oder Frau sein und möglichst noch eine politische Laufbahn im richtigen Parteiflügel hinter sich haben. So hatte die Forschungs- und Bildungsministerin Anja Karliczek mit Forschung bisher ebenso wenig zu tun wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mit der Arbeitswelt außerhalb der Politik. Deshalb will der Politologe und Soziologe nun unter Leitung von Staatssekretär Björn Böhning eine eigene „Denkfabrik“ für die Arbeitswelt der Zukunft im Bundesarbeitsministerium schaffen. Der Diplom-Politologe Böhning hat aber ebenso wenig Ahnung vom Berufsleben wie sein Chef oder etwa Außenminister Heiko Maas. Dieser ist zwar studierter Jurist, hat aber seinen Beruf nie ausgeübt. Auch Verkehrsminister Andreas Scheuer hatte durch Studium und Promotion gar keine Zeit zum Arbeiten außerhalb der Politik. Selbst Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat nur kurz an der Uni gearbeitet, bevor er EU-Beamter wurde und vor 24 Jahren dann Mitglied im Bundestag. 

Es waren Weltökonomen wie Ludwig Erhard und kompromisslose Macher wie Helmut Schmidt, die Deutschland zu Größe und Wohlstand führten. Wo wird Deutschland in 30 Jahren stehen, wenn heute die Regierenden ihren Job erst im Amt lernen?

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Infas will stark wachsen und zahlt wieder Dividende

Sommerliches Wetter und gute Laune prägten die diesjährige Hauptversammlung der infas Holding AG in Bonn. Alleinvorstand Menno Smid konnte den Aktionären für 2017 abermals Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis präsentieren. So kletterten die Erlöse deutlich auf 29,3 (22,7) Mio. €. Das Ebit hat sich auf 3,14 (1,7) Mio. € annähernd verdoppelt. Unter dem Strich ergibt sich ein Jahresüberschuss von 1,88 (0,21) Mio. € oder 0,21 € je Aktie. Die Aktionäre dürfen sich somit wieder nach 2015  auf eine Dividende von 0,07 € freuen.

Auch in den kommenden Jahren will infas weiter deutlich wachsen. Neben den organischen Wachstumschancen kündigte Vorstandschef Smid an, auch alle anderen Optionen (wie etwa Akquisitionen) ins Auge zu fassen. Zu diesem Zweck wird derzeit eine Wachstumsstrategie ausgearbeitet, die mit Unterstützung des vom Aufsichtsrat derzeit gesuchten Finanzvorstandes in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll. Geplant ist dabei auch die Erschließung weiterer Marktsegmente, die bislang noch nicht gezielt bearbeitet wurden.  Dazu gehören etwa die Bereiche Medien und Verlage, Banken und Versicherungen sowie die pharmazeutische Industrie. Auf diese Weise soll sich der Umsatz bis zum Jahr 2021 auf rund 50 Mio. € erhöhen. Über das rein organische Wachstum im bisherigen Geschäft läge das Umsatzpotenzial bei rund 35 bis 36 Mio. €. Laut CEO Smid ist es erklärtes Ziel, „erster Mittelständler“ im Markt hinter den Big Four der Branche zu werden. Da er seinen Ende 2018 auslaufenden Vertrag um weitere drei Jahre bis Ende 2021 verlängern möchte, könnte der langjährige infas-Chef die angekündigte Wachstumsstrategie persönlich umsetzen.

Angesichts der weiterhin positiven Aussichten und der erfreulichen Kursentwicklung in den letzten Monaten verwundert es wenig, dass alle HV-Beschlüsse einstimmig gefasst wurden, darunter auch die Wiederwahl des Aufsichtsrates. Das Kontrollgremium besteht damit weiterhin aus Frau Susanne Neuschäffer als Vertreterin der Großaktionärin Effecten-Spiegel AG (20,4 %) sowie den Herren Dr. Oliver Krauß (Vorsitzender) und Hans-Joachim Riesenbeck (stv. Vorsitzender).

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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Randnotizen

Aus Fremder Feder

In Eigener Sache

Spezial

Strategie

ES-Aktienfavoriten

Auslandsfavoriten

Thema der Woche

Börsengerüchte