Amadeus FiRe AG

Die Amadeus FiRe AG steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2018 um 10,3 Prozent auf 97,8 Mio. Euro. Zu diesem Wachstum trugen sämtliche Dienstleistungsbereiche bei. Das stärkste Wachstum mit 23,6 Prozent entfiel auf den Bereich Personalvermittlung. Aber auch der Bereich Fort- und Weiterbildung legte mit 11,6 Prozent zweistellig zu. Dabei war im ersten Halbjahr ein Tag weniger fakturierbar, was einen Umsatz- und Ergebniseffekt von 0,5 Mio. Euro mit sich bringt. Trotzdem erhöhte sich das Bruttoergebnis um 11,7 Prozent auf 45,5 Mio. Euro. Dadurch verbesserte sich die Marge von 45,9 auf 46,5 Prozent. Da sich aber auch die Vertriebs- und Verwaltungskosten um 14,6 Prozent erhöhten, legte das EBITA lediglich um 6,3 Prozent auf 15,2 Mio. Euro zu. Auch der Periodenüberschuss kletterte um 5,8 Prozent auf 10,4 Mio. Euro entsprechend einem Ergebnis je Aktie von 1,93 Euro. Im Gesamtjahr rechnet der Vorstand unverändert mit einer leichten Steigerung beim EBITA.

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Evonik Industries AG

Nach vorläufigen Zahlen steigerte die Evonik Industries AG das bereinigte EBITDA von 640 auf 742 Mio. Euro. Dadurch verbesserte sich die bereinigte EBITDA-Marge von 17,7 auf 19,2 Prozent. Bei einem bereinigten Konzernergebnis von 354 Mio. Euro wies die Gesellschaft ein Ergebnis je Aktie von 0,76 Euro aus. Damit liegen die Zahlen deutlich über den Markterwartungen. Der deutliche Ergebnisanstieg resultierte aus der gleichermaßen sehr guten operativen Geschäftsentwicklung in allen drei Chemie-Segmenten. Auch der Umsatz erhöhte sich von 3,6 auf 3,9 Mrd. Euro. Nach dem guten Geschäftsverlauf im zweiten Quartal erhöht Evonik die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr. Demnach rechnet das Management nun mit einem bereinigten EBITDA zwischen 2,60 und 2,65 Mrd. Euro. Zuvor lag die Ergebnisschätzung für das EBITDA zwischen 2,40 und 2,60 Mrd. Euro.

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Salzgitter AG

Die Salzgitter AG hat ein Angebot zum Erwerb mehrerer Produktionsanlagen von ArcelorMittal abgegeben. Dabei handelt es sich um die Produktionsanlagen in Düdelingen (Luxemburg) und Lüttich (Belgien). Bei den Produktionsstätten handelt es sich vor allem um zwei Kaltwalzlinien sowie Anlagen zur Verzinnung, Feuerverzinkung und elektrolytischen Verzinkung von Stahlband. Allerdings ist unklar, ob es zum Erwerb der Anlagen kommt, da es sich um ein kompetitives Verfahren handelt, an dem mehrere Bieter teilnehmen können. Zudem steht auch der Abschluss eines endgültigen Kaufvertrags noch unter zahlreichen Vorbehalten.

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ES-Aktienfavoriten

Ausgabe 29 | 18.07.2018

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Täglicher Börsenbericht

Ruhig angehen

DAX legt erstmal Pause ein

Der deutsche Leitindex war am gestrigen Handelstag trotz schwacher Wirtschaftsdaten und der aktuellen geopolitischen Lage auf seinen höchsten Stand seit einem Monat geklettert. Nun rückt erneut die 200-Tage-Linie in den Fokus, deren nachhaltiges Überschreiten weitere Anleger anlocken könnte. Auch an der amerikanischen Börse konnten überwiegend Kursgewinne verzeichnet werden. Der Dow Jones schloss 0,3 % höher, der S&P 500 0,2 %. Der Nasdaq kam dagegen nicht richtig von der Stelle.

Softwarehersteller SAP profitierte von immer besseren Geschäften mit Mietsoftware. Aufgrund der guten Umsätze im Bereich Cloud erhöhte der Konzern seine Wachstumsprognosen dort für 2018 und 2020.

Trotz eines Plus flaute das Wachstum bei Ebay im Vorjahresvergleich ab. Der Geschäftsausblick und eine gekappte Prognose enttäuschten die Anleger ebenfalls.

IBM scheint seine jahrelangen Rückgänge vorerst hinter sich gelassen zu haben und kann mit seinem neuerlichen Wachstumskurs nach einem jahrelangen drastischen Umbau überzeugen.

Einen Gewinnsprung konnte American Express vorzeigen. Die boomende US-Konjunktur und die Steuersenkungen der Trump-Regierung sorgten hier für Rückenwind.

Morphosys schloss eine Lizenzvereinbarung mit Novartis und hob infolgedessen seine Jahresprognose an.

Innogy will die zügige Umsetzung der geplanten Transaktion zwischen RWE und E.on, im Zusammenhang mit der Zerschlagung der RWE-Tochter, unterstützen. Die Unternehmen hätten sich auf faire Integrationsprozesse geeinigt.

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Auslandsfavoriten

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Randnotizen

Wer kennt sie nicht – die sog. Riester-Rente. 2002 im Zuge der Reform der gesetzlichen Rentenversicherung eingeführt, sollte sie die Menschen vor Altersarmut schützen. Sie geht auf Walter Riester zurück, der als Bundesminister für Arbeit und Soziales eine freiwillige Altersvorsorge durch eine staatliche Förderung vorgeschlagen hatte, um die drohende Versorgungslücke im Alter zu schließen. 

Nach Expertenschätzungen sorgen inzwischen etwa 16 Mio. Bundesbürger mit den unterschiedlichsten Riester-Verträgen fürs Alter vor. Doch die Riester-Rente erwies sich im Laufe der Jahre als Flop. Sie ist teuer, die Renditen dürftig und nun auch noch das: Banken dürfen innerhalb eines Riester-Sparvertrages auch negative Zinsen verlangen. Das hat das Landgericht Tübingen am vergangenen Freitag entschieden und damit eine Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg abgewiesen (Az. 4 O 220/17). 

Gestritten wurde um den Riester-Banksparplan „Vorsorge Plus“, den fast alle Sparkassen in Deutschland anbieten und den Millionen Sparer abgeschlossen haben. Die Kreissparkasse Tübingen hatte für das Produkt einen Grundzins von –0,5 % ausgewiesen, worin das Landgericht Tübingen mit seinem aktuellen Urteil keine Benachteiligung für die Kunden erkennen konnte, da der Zinssatz transparent ausgewiesen wurde. Zwar sei der Grundzins inzwischen negativ geworden, jedoch habe der von der Sparkasse zusätzlich gewährte Bonuszins bisher verhindert, dass die Kunden tatsächlich draufzahlen mussten. Im Falle einer vorzeitigen Beendigung des Vertrages müssten sie lediglich für ein Sparjahr Negativzinsen berappen.

Sobald das Urteil rechtskräftig ist, werden wohl auch andere Anbieter von Riester-Verträgen nachziehen. Demnächst bedeutet dann wohl „Vorsorge Plus“: plus Strafzinsen für den Sparer. Aber Hauptsache alles ist transparent und die Datenschutzerklärung wurde unterschrieben!

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Wenn sich beim Fußball zwei Mannschaften einen solch erbitterten Kampf liefern, dass dieser nach der regulären Spielzeit keinen Gewinner kennt, geht es gemeinhin in die Verlängerung. Und die zieht sich. Ist dann immer noch keine Entscheidung gefallen, geht es ins Elfmeterschießen. Und dann entscheidet ein Schuss, und es gewinnt nicht immer der Bessere. So oder so ähnlich erlebten die Bundesbürger gerade auch die Berliner Auseinandersetzung zwischen den Regierungsparteien. Wie bei einem guten Lokalderby gingen die Mannschaftsführer Merkel und Seehofer mit großer Entschlossenheit ins Spiel um die Meinungshoheit in der sogenannten Asyldebatte. Nach einem wiederholten Einwurf von Merkel mit „Wir schaffen das“ an den Kopf der „Obergrenze“ hätte Seehofers „Alleingang“ mit einem drohenden Foulspiel gegen die „Richtlinienkompetenz“ fast einen vorzeitigen Spielabbruch provoziert. Nur die Beschwichtigungen der übrigen Mitspieler konnten diesen letztlich verhindern. Mit leichten Spielvorteilen konnte sich dann am Sonntagabend Frau Merkel aus der ersten Halbzeit verabschieden, da Seehofer seinen Rücktritt erklärte. Kurze Zeit später und eine Krisensitzung weiter, erklärte Spielführer Seehofer in der zweiten Halbzeit jedoch seinen Rücktritt vom Rücktritt, womit das Spiel in die Verlängerung ging. Die wiederum verlief wie das gesamte Spiel und brachte keine Entscheidung. Auch wenn die Einwechselung von „Transitzentren“ für etwas mehr Ruhe beim Sturm sorgte, wird mindestens Links-Verteidigerin Nahles auf einen Positionswechsel drängen. Vermutlich folgt nun ein überparteiliches Elfmeterschießen. Doch im Gegensatz zum Mannschaftssport wird es in Berlin keinen Sieger geben. Politiker sollten das Spielen eben lassen!

 

 

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Eine Milliarde Euro für die Landeskasse – welcher Finanzminister hätte die nicht gern. Dafür muss sein Bundesland lediglich Anteilseigner eines sehr großen Autobauers in Deutschland sein und 20 % von dessen Stimmrechten vertreten. Ach ja, Politiker des Landes müssten auch noch im Aufsichtsrat des Konzerns sitzen. Das klingt nach viel Aufwand, ist es aber nicht. Denn der Aufsichtsrat braucht gar nicht so genau hinschauen, wenn die Firma ein bisschen schummelt. Denn am Ende gibt es ja eine schöne Belohnung für die Landeskasse: 1.000.070.492,40 Euro: 5 Mio. Euro als Bußgeld, 995 Mio. Euro als Rückzahlung der durch Betrug erwirtschafteten Gewinne („Gewinnabschöpfung“) und 70.492,40 Euro für Verfahrenskosten. Es war die Staatsanwaltschaft Braunschweig, die sich so weit vorwagte. In Deutschland jedenfalls wurde noch nie eine so hohe Strafzahlung verhängt. Dieses Geld musste nun aber VW locker machen und an seinen Hauptgesellschafter und Großaktionär überweisen: das Land Niedersachsen. Und es braucht das Geld nicht einmal zu teilen, denn Bußgelder sind beim Länderfinanzausgleich nicht zu berücksichtigen. Kein Wunder also, dass es bei der Verkündigung dieser unglaublichen Summe im Landtag Applaus gab. Schließlich kann das niedersächsische Landessäckel die Finanzspritze gut gebrauchen, vor allem für den Schuldenabbau. Einen Teil will Ministerpräsident Stephan Weil zudem in den Ausbau des schnellen Internets und mehrerer Unikliniken sowie in die Sanierung von Sportstätten und in Umweltprojekte stecken. 

Und vielleicht macht das Beispiel ja Schule. Auch beim BER und bei der Bahn sitzt die Politik im Aufsichtsgremium. Ein paar saftige Konventionalstrafen und Berlin sowie Baden-Württemberg wären womöglich saniert.

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Spezial

ES: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Börsengang vor gut zwei Monaten?

Wir sind mit dem IPO sehr zufrieden. Wir haben die finanziellen Mittel für das geplante Wachstum vollumfänglich einsammeln können. Zudem erfahren wir durch die Notierung eine deutlich höhere Aufmerksamkeit, nicht nur am Kapitalmarkt, sondern auch bei Kunden und bei der Mitarbeitergewinnung. Und ich denke, auch die Aktionäre können sehr zufrieden sein, liegen unsere Kurse doch merklich oberhalb des Ausgabepreises.

ES: Serviceware ist Anbieter von Softwarelösungen für den sog. „Enterprise Service Management (ESM) Markt“. Wie erklären Sie Ihr Geschäftsmodell?

Einfach gesagt: Mit unseren Softwarelösungen können Unternehmen ihre Serviceprozesse digitalisieren. Bislang – man glaubt es vielleicht kaum – werden diese Prozesse und die Erfassung der damit verbundenen Kosten auch in Großunternehmen häufig mittels Tabellenkalkulation abgebildet. Wir bieten hingegen eine integrierte Softwareplattform an, die vom Serviceprozess über die Kostensteuerung und -analyse bis zur vor Ort Einsatzplanung der Servicekräfte alles digital abbildet. Damit steigern Unternehmen die Qualität und Effizienz ihres Services und senken die Kosten. Es geht also um die Zufriedenheit der Kunden, ein zentraler Schlüssel für den Unternehmenserfolg.   

ES: In welchen Branchen findet man Kunden von Serviceware? 

Wir haben über 500 Kunden aus den verschiedensten Branchen. Aber gerade auch große Unternehmen setzen verstärkt auf Lösungen zur Kundenzufriedenheit und Kos-tentransparenz. So hat Serviceware allein 9 DAX-Unternehmen sowie 4 der 7 größten Gesellschaften hierzulande als Kunden.  

ES: Gibt es Großkunden oder Branchen, von denen eine Abhängigkeit besteht? 

Mit den 5 größten Kunden haben wir im vergangenen Jahr rd. 8 % unseres Umsatzes abgerechnet. Rund 60 % des Umsatzes des vergangenen Jahres waren zudem wiederkehrende Umsätze. Serviceware verfügt damit über eine sehr stabile und breite Kundenbasis.  

ES: Welche Wachstumstreiber sehen Sie?

Die Zufriedenheit des Kunden ist ein zentraler Faktor für die Kundenbindung und die Abgrenzung zu Mitbewerbern. Diese Einsicht setzt sich immer stärker durch, die Unternehmen suchen verstärkt nach Softwarelösungen. Denn Digitalisierung ist der Treiber des ESM-Marktes und damit auch ein wichtiger Treiber für unser Wachstum.  

ES: Mit welchen organischen Wachstumsraten rechnen Sie auf Sicht der kommenden 3 bis 5 Jahre?

Der Markt selber wird nach Schätzungen von Gartner zwischen 2017 und 2021 um durchschnittlich rd. 11,8 % wachsen – pro Jahr wohlgemerkt! Wir wären aufgrund unserer Marktposition und der Qualität unserer Softwareplattform einigermaßen unzufrieden, wenn wir dies als Messlatte nehmen müssten. Da haben wir merklich ambitioniertere Ziele. 

ES: Wie stellt sich die Wettbewerbssituation dar? 

Der ESM-Markt rückt jetzt immer stärker in den Fokus der Unternehmen. In Europa hat Serviceware eine herausgehobene Position, denn wir sind das einzige Unternehmen, das eine modulare, integrierte Plattform anbietet, die Service Management, Financial Management sowie Field und Customer Service Management vereint. Global haben wir zwei Wettbewerber, die größer sind als wir. Aber auch dort können wir punkten, indem einzig unsere Plattform dieses breite Spektrum abdeckt.   

ES: In welchen Ländern wollen Sie zukünftig bevorzugt aktiv werden? 

Beim internationalen Roll out unserer Plattform sind aktuell im allerersten Schritt Spanien, Niederlande/Belgien und Skandinavien für uns interessant. Kurzfristig sollen dann Großbritannien, Italien und Frankreich folgen.   

ES: Nach welchen Kriterien würden Sie potenzielle M&A Targets auswählen? 

Wir kennen die Branche natürlich sehr gut und haben auch bereits einige interessante Targets im Blick. Unser oberstes Ziel ist jedoch ganz klar, unsere Plattform durch Zukäufe zu ergänzen und eventuell noch Cross Selling Potenziale zu heben. Unsere Aktivitäten gestalten sich auch recht vielversprechend, aber natürlich werden wir keine Kaufpreise zahlen, die so hoch sind, dass eine Akquisition keinen Wert für unser Unternehmen und unsere Aktionäre generiert. Aber ich bin in dieser Hinsicht sehr optimistisch.

ES: Wie haben sich die Geschäfte bisher in 2018 entwickelt? 

Wir sind mit dem Geschäftsverlauf sehr zufrieden. Im ersten Quartal, das im Einfluss des Börsengangs stand, haben wir den Umsatz und das Ergebnis gesteigert und zudem Erfolge bei der Großkundengewinnung in Deutschland und Skandinavien erzielt. Die Zahlen für das 2. Quartal sind für Juli angekündigt. Ich gehe davon aus, dass der Kapitalmarkt nicht enttäuscht sein wird.   

ES: Und wie sieht Ihre mittelfristige Prognose aus?  

Wir haben hierzu bisher keine Prognose veröffentlicht, aber es ist klar: Wir wollen die sich bietenden Wachstumschancen nutzen. Serviceware verfügt dafür über eine hervorragende Ausgangsbasis, eine exzellente Produktpalette und eine breite Kundenbasis mit namhaften Großkunden. In 5 Jahren wollen wir in einem schnell wachsenden Markt die europäische Marktführerschaft weiter gefestigt haben und was danach kommt, wer weiß… Weil wir von den ausgezeichneten Perspektiven überzeugt sind, sind unser CEO Dirk Martin und ich als die beiden Gründer von Serviceware mit jeweils 30 % am Unternehmen beteiligt und wollen auch langfristig engagiert bleiben.

ES: Neben den Chancen auf Kursgewinne ist auch die Dividende ein wichtiges Investitionskriterium. Auf welche Dividendenpolitik dürfen sich Ihre Anleger für die Zukunft einstellen? 

Das lässt sich kurz beantworten: Serviceware ist auf lange Sicht ein Wachstumstitel – kein Dividendentitel. Wir wollen das zum Börsengang eingeworbene Geld für unsere Expansionsstrategie nutzen und nicht unmittelbar wieder an die Investoren ausschütten. Denn jetzt gilt es, Marktchancen zu nutzen.

ES: Herr Popp, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

 

 

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Wenn sich Aktionäre den Geschäftsbericht von Aktiengesellschaften anschauen, gehört ein Blick auf den Vermerk des Wirtschaftsprüfers (WP) zu den Standardabfragen. Ist der Abschluss mit einem uneingeschränkten Testat versehen, oder gibt es Anmerkungen bzw. Einschränkungen? Bei den Unternehmen aus DAX und MDAX findet sich meist der Stempel von KPMG, PricewaterhouseCoopers (PwC), Deloitte oder Ernst & Young (EY) unter den Prüfberichten. Das Testat der Big 4 ist jedoch kein Gütesiegel für Qualität. 

Die Grundzüge eines externen Prüfungswesens findet man in Deutschland schon im 16. Jahrhundert. Damals wurden bei Auseinandersetzungen zwischen Teilhabern einer Handelsgesellschaft, bei Erbschaftsstreitigkeiten oder in Insolvenzfällen schon vereidigte Buchsachverständige herangezogen. Sie arbeiteten aber ausschließlich im Auftrag der Gerichte. Die Buchführungsunterlagen dienten somit nur als gerichtliches Beweismaterial und nicht der Information über das Unternehmen. Die Aktienrechtsnovelle von 1884 verpflichtete die Unternehmen zu einer Gründungsprüfung, die von einem externen Revisor vorgenommen werden musste. Damit etablierte sich in Deutschland der Berufsstand der Bücherrevisoren. Doch erst die große Depression mit ihren spektakulären Firmenzusammenbrüchen und der nachfolgenden Bankenkrise machten die Bilanzprüfung bei Aktiengesellschaften in Deutschland zur Pflicht. Mit der Aktienrechtsnovelle 1931 führte der Gesetzgeber erstmals Vorschriften zum Inhalt des Geschäftsberichts, zur Gliederung der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung ein. Die von nun an jährlich vorgeschriebene Abschlussprüfung durfte nur ein ausreichend erfahrener Bilanzprüfer vornehmen, der Beruf des Wirtschaftsprüfers war geboren. Mit der Wirtschaftsprüferkammer wurde 1960 eine eigene Selbstverwaltungseinrichtung geschaffen. Sie  ist zuständig für Bestellung und Widerruf der Wirtschaftsprüfer und Prüfungsgesellschaften. 

Nach Angaben der Wirtschaftsprüferkammer gab es Anfang 2018 in Deutschland 14.492 Wirtschaftsprüfer, 2.662 vereidigte Buchprüfer und 2.974 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die von der Lünendonk & Hossenfelder GmbH jährlich erstellte Rankingliste nach Inlandsumsatz führten auch 2016 die sog. Big 4 an: PwC, Deloitte, EY sowie KPMG (s. Abb.). Mit 1,898 Mrd. Euro verteidigt PwC unangefochten seine Spitzenposition und weist mit einer Umsatzsteigerung um 16,0 % bzw. +262 Mio. Euro das höchste absolute Wachstum für 2016 auf. Rang 2 der Liste belegt mit 1,6 Mrd. Euro (+6,2 %) KPMG, dicht gefolgt von EY mit 1,573 Mrd. Euro (+2,7 %). 2017 lag der Gesamtumsatz der Branche bei 31,5 Mrd. Euro. 

Entsprechend lukrativ ist auch die Bezahlung der Wirtschaftsprüfer. Nach dem Finance-Gehaltsreport 2017 kassiert ein zertifizierter Wirtschaftsprüfer zwischen 93.000 und 150.000 Euro p.a. Ein Partner kommt schon auf ein Jahressalär von 300.000 Euro, bei den großen Gesellschaften liegt es sogar bei bis zu 1 Mio. Euro. Zu der fixen Gehaltskomponente gesellen sich mit der Zeit üppige Bonuszahlungen. Der variable Anteil wächst im Laufe der Karriere schneller als das Fixgehalt. 

Mit den Honoraren steigt jedoch nicht zwangsläufig auch die Qualität der Prüfung. So sind in zahlreiche deutsche Wirtschaftsskandale auch Vertreter der Big 4 verwickelt. Bei einer der größten Firmenpleiten der Nachkriegszeit, der Schlecker-Insolvenz, sitzen auch zwei Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young mit auf der Anklagebank. Firmengründer Anton Schlecker soll 2009 und 2010 falsche Bilanzen aufgestellt haben, die die Lage der angeschlagenen Drogeriekette beschönigten und die von EY testiert wurden, obwohl sie von den Manipulationen gewusst haben sollen. 

Im Nachgang zur Arcandor-Pleite musste die KPMG einen Teil ihres Millionenhonorars an die Insolvenzverwaltung des früheren Karstadt-Mutterkonzerns zurückzahlen. Beide Seiten hätten zum Zeitpunkt der Zahlung im Mai 2009 gewusst, dass die Finanzierung der weiteren Geschäftstätigkeit nicht mehr gesichert gewesen sei, stellten die Richter fest. Mit Schadenersatzforderungen gegen die Wirtschaftsprüfer kam der Insolvenzverwalter jedoch nicht durch, da es nicht zur Pflicht von KPMG gehörte, Arcandor auf die drohende Insolvenzgefahr hinzuweisen. Auch der Insolvenzverwalter der pleite gegangenen P+S-Werften hat die KPMG auf Schadenersatz verklagt. Er macht die Wirtschaftsprüfer für fehlerhafte Gutachten verantwortlich, in denen der damals schon angeschlagenen Werftengruppe noch Sanierungsfähigkeit attestiert wurde. Daher hätten die damaligen Geschäftsführer auf bereits angekündigte Insolvenzanträge verzichtet und die Schiffbaubetriebe in Stralsund und Wolgast bis zur Pleite im August 2012 fortgeführt. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte sogar noch Bürgschaften und Garantien in Höhe von 271,1 Mio. Euro übernommen und dafür einstehen müssen. Auch für Bürgschaften und Kredite anderer Geldgeber sei die Einschätzung von KPMG zur Sanierungsfähigkeit der Werften entscheidend gewesen. Dabei war die Liquidität der Schiffbaubetriebe von Anfang an nicht gesichert gewesen. Auch das erforderliche Eigenkapital fehlte.

Seit 109 Jahren prüft die KPMG schon bei General Electric (GE) die Bücher und bekam zuletzt dafür noch 143 Mio. Dollar überwiesen. In seiner aktuellen Ausgabe deckt das „manager-magazin“ auf, wie dennoch Investoren über Jahrzehnte hinweg durch „verwirrende Bilanzierung, gedopte Zahlen, Managermärchen wie aus 1001 Nacht“ getäuscht wurden und den stolzen Mischkonzern ruiniert haben. So soll GE z.B. über Jahre hinweg die Milliardenerlöse aus der Modernisierung älterer Gasturbinen als Softwareumsatz verbucht haben. 

Durch kreative Bilanzierungsmethoden kam 2016 auch der Verlag Bastei Lübbe unter die Räder (vgl. ES 44/16). Da für zwei Verkäufe von Unternehmensteilen an der Londoner Blue Sky Tech Ventures nie Geld geflossen war, mussten zwei Jahresabschlüsse neu erstellt werden. Für 2014/2015 schrumpfte dadurch der Gewinn um satte 7 Mio. Euro. Das Geschäftsjahr 2015/2016 beendete Bastei Lübbe statt mit 8 Mio. Euro Überschuss sogar mit 0,3 Mio. Euro Verlust. Und wieder waren es Prüfer von KPMG, die nicht erkannten, dass es sich lediglich um Briefkastenfirmen handelte, die nie Geld an den Verlag überwiesen hatten.

Anleger sollten sich von großen Namen der Wirtschaftsprüfer nicht täuschen lassen, denn sie allein garantieren noch keine soliden Zahlen und eine saubere Bilanz. Entscheidend sind Geschäftsmodell und Management des Unternehmens.

 

 

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Am 6. Juni traf sich die Rentenkommission der Bundesregierung zu ihrer ersten Sitzung. Der Kommission mit dem Titel „Verlässlicher Generationenvertrag“ gehören 10 Mitglieder an, die von der Altersstruktur her ihre eigenen Renten und Pensionen schon abgesichert haben. Sie werden in den kommenden zwei Jahren ein Gesamtkonzept für die Generation erarbeiten, die nach ihnen in Rente geht. 

Und so dehnbar wie das Thema selbst, so dehnbar war auch die erste Debatte dazu. Natürlich ging es dabei auch um Altersarmut, die hierzulande immer mehr Menschen bedroht. Dass dafür auch das aktuelle Besteuerungssystem mitverantwortlich ist, will die Politik nicht eingestehen. Dabei ist es ja schon eine Farce, dass Renten überhaupt besteuert werden. Schließlich haben die Senioren während ihrer aktiven Arbeitszeit schon reichlich Steuern auf ihre Einkünfte gelatzt und dann noch selbst in den Rententopf einbezahlt. Wenn sie dann im Ruhestand aus der Rentenversicherung ihren Anteil in Anspruch nehmen, fallen wieder Steuern an. Seit dem Jahr 2005 gilt dabei die sog. „nachgelagerte Besteuerung“. Danach werden die Aufwendungen für die Altersvorsorge während der Berufstätigkeit nicht mehr besteuert, dafür aber die Renten in voller Höhe der Einkommensteuer unterworfen. Da man dieses Prinzip in der Praxis nicht schlagartig umsetzen konnte, wurde ab 2005 eine schrittweise Einführung über den Zeitraum von 35 Jahren festgelegt: Von der gesetzlichen Rente werden die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen und ab einem bestimmten Gesamteinkommen fallen darauf Steuern an. 

Die Höhe der Steuerpflicht ist abhängig vom Renteneintrittsjahr. D.h., je später der Renteneintritt, umso größer der Steueranteil. Bereits im Einführungsjahr 2005 lag die Höhe des steuerpflichtigen Anteils auf Renten bei 50 %. Der prozentuale Steueranteil steigt seitdem von Jahr zu Jahr an – bis 2020 um jährlich 2 %, danach bis 2040 um jeweils ein Prozentpunkt. Wer also im lfd. Jahr 2018 in Rente geht, muss auf 76 % seiner Rente Einkommensteuer zahlen, lediglich 24 % seiner Jahresbruttorente sind steuerfrei. Bei ledigen Rentnern, die in diesem Jahr in Rente gehen, bleibt beispielsweise nur noch eine monatliche Bruttorente von rund 1.150 Euro steuerfrei. Wer 2020 in den Ruhestand startet, muss schon 80 % seiner Rente versteuern, ab dem Jahr 2040 werden es 100 % sein. 

Die Rentenbesteuerung betrifft übrigens neben den Altersrenten auch die Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und Hinterbliebenenrenten. Da die steuerlichen Rentenfreibeträge bei Rentenerhöhungen nicht automatisch angepasst werden, zahlten die deutschen Senioren nach einer Berechnung des Bundesfinanzministeriums allein aufgrund der Rentenerhöhung zum 1. Juli 2017 rund 625 Mio. Euro mehr Steuern. Mit der erneuten Rentensteigerung zum 1. Juli 2018 werden die Steuerzahlungen der Senioren nochmals zulegen. Und den kommenden Rentnerjahrgängen wird unterm Strich nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungen immer weniger zum Leben bleiben. 

Damit werden die Rentner systematisch zum Steueresel degradiert und ausgeplündert. Hier muss die Rentenkommission ansetzen!

*Der ES übernimmt für diese Informationen keine Gewähr, sie stellen keine steuerliche Beratung dar.

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Während die Standardwerte nach glänzenden Jahren zunehmend gegen erste Ermüdungserscheinungen ankämpfen müssen, bleibt es in der zweiten oder gar dritten Liga hochspannend. Die Nischenplayer laufen weiter zu Topform auf und bescheren „Stock Pickern“ eine starke Saison.

Nischenplayer locken mit überdurchschnittlichen Renditen und kräftigem Wachstumspotenzial. Gerade bei den Small- und Microcaps finden sich zahlreiche „Hidden Champions“. Kaum der breiten Masse bekannt, agieren sie mit ihren fokussierten Geschäftsmodellen als Weltmarktführer oder rangieren zumindest unter den Top 3 ihrer Branche. Ihre Produkte und Technologien besitzen oftmals sogar Alleinstellungsmerkmale. Permanent werden Innovationen vorangetrieben, wofür die Unternehmen viel Geld in die Hand nehmen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen! 

Für mögliche Wettbewerber ist die Markteintrittsbarriere angesichts der jeweiligen Spitzenprodukte enorm hoch. Daher geraten die Nischenanbieter auch gern einmal selbst in das Übernahmevisier der „Big Player“. Zweifelsfrei wimmelt es gerade in Deutschland nur so von erfolgreichen und weitgehend unbekannten Weltmarktführern. 

Der Börsennewcomer aus 2017, Jost Werke (ISIN DE000JST4000), ist so eine versteckte Perle. Das Unternehmen ist der führende Hersteller und Lieferant von sicherheitsrelevanten Systemen für Zugmaschinen, Auflieger und Anhänger. Nach einem starken Q1 mit einer Gewinnvervielfachung nach Steuern auf 12,0 (3,0) Mio. € will der SDAX-Konzern im Gesamtjahr einen signifikanten Umsatzanstieg aufladen. Das bereinigte Ebit soll dabei im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Im Vorjahr stellte Jost einen Umsatz von 701,3 Mio. € und ein bereinigtes Ebit von 76,4 Mio. € ab. Die Aktie hat gerade erst auf die Überholspur gewechselt.

Gewaschen hat sich auch die Entwicklung von WashTec (ISIN DE0007507501). Weltweit dominiert der im SDAX notierte Konzern den Markt für Fahrzeugwäsche. Die Q1-Bilanz war mit einem Umsatz von 425,0 (372,8) Mio. € einmal mehr biltzsauber. Ebenso glänzte der Nettogewinn mit 36,9 (30,6) Mio. €. Bei der Prognose gibt sich WashTec durchaus konservativ, was sicherlich Überraschungspotenzial birgt. So wird nach den vorangegangenen Wachstumsjahren mit einer stabilen Geschäftsentwicklung gerechnet. Nichtsdestotrotz dürfte der Wert in Zukunft ein makelloses Bild präsentieren.

Es lohnt sich jedoch ebenso, einmal einen Blick auf die Nachbarländer zu werfen. Zum Beispiel nach Frankreich. Dort arbeitet überaus erfolgreich der Anbieter von Bezahlterminals, Ingenico (ISIN FR0000125346). Bereits seit 30 Jahren sind die Franzosen Weltmarktführer im Bereich Zahlungsterminals. Ob via NFC, QR-Code oder Biometrie, Ingenico bietet das gesamte Spektrum an modernen Technologien. Zum Kundenkreis zählen neben zahlreichen Banken auch die US-Technologiegiganten Google und Microsoft. Kein Wunder, dass da Begehrlichkeiten geweckt werden. So soll der IT-Berater Atos ein Auge auf den Konzern geworfen haben. Im Schnitt rechnen die Analysten für Ingenico 2018 mit einem Anstieg des Umsatzes auf 2,75 (2,51) Mrd. € und beim Nettogewinn auf 307 (260) Mio. €. Anleger heben bei der deutlich zurückgekommenen Aktie spekulativ ein paar Stücke vom Markt ab.

Aber auch fern ab der Maschinenbau- und Technologiebranche gibt es hochspannende Nischen. Die Sportindustrie ist seit Jahrzehnten ein Milliardenmarkt. Mit der anstehenden Fußballweltmeisterschaft wird dies einmal mehr unter Beweis gestellt. Trotz großer Beliebtheit ist der Bereich Ski im Vergleich zu Fußball doch eher eine Nische. Allerdings lässt sich dort hervorragend Geld verdienen. Die finnische Amer Sports (ISIN FI0009000285) steht für die Marken Salomon oder Atomic. Im letzten Jahr hat Amer kräftig investiert und konnte dennoch einen Rekord bei Umsatz und Cashflow einfahren. Kurzfristig ließ dies zwar den Nettoprofit auf 93,3 Mio. € abschmelzen, langfristig stärkt Amer Sport damit allerdings seine Fitness. Entsprechend halten die Analysten auch hier die Daumen hoch, was die zukünftige Profitabilität angeht. Der Titel hat einen hervorragenden Schwung. 

Fernab der großen Bühne werden jetzt die heimlichen Weltmeister gekürt. 

 

 

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In seiner einleitenden Rede zur Hauptversammlung der Deutschen Bank am 24. Mai erinnerte der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Achleitner an den großen Alfred Herrhausen, der einmal sagte: „Wir müssen sagen, was wir denken, müssen tun, was wir sagen und sein was wir tun.“ Im Handeln der Bank zeige sich die DNA des Instituts, bestätigte auch der neue Vorstandsvorsitzende Christian Sewing. Doch der DNA-Test offenbart einen gravierenden Gendefekt.

Als Dr. Paul Achleitner am vergangenen Donnerstag um 10:00 Uhr die Aktionäre in der Frankfurter Festhalle mit einem selbst aufgenommenen Foto vom DFB-Pokalfinale in Berlin begrüßte, waren noch nicht alle der 4.150 Aktionäre im Saal. Doch einige der schon anwesenden Anteilseigner zeigten sich wenig amüsiert über die Einblendung des Plakats der Eintracht-Fans „Totgesagte leben länger“. So wolle er keinen „beginnenden Leichengeruch“ an der Bank wahrnehmen, stellte K.-W. Freitag klar, der über seine Riebeck-Brauerei u.a. einen Ergänzungsantrag zur Tagesordnung gestellt hatte (vgl. ES 17/18). Mehr als 100 Kleinaktionäre mit 95.802 Stimmrechten hatten die Effecten-Spiegel AG beauftragt, diesen Antrag zu unterstützen sowie gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu stimmen. Doch schon im Vorfeld stand fest, dass sich diese letztlich auf ihre ausländischen Investoren verlassen können. Von den 2.066.773.131 Aktien der Deutschen Bank liegen 81 % bei institutionellen Anlegern und damit nur rund 393 Mio. Aktien bei Privatanlegern. Größter Aktionär ist der C-Quadrat Fund mit 7,96 %, der zur chinesischen HNA Group gehört. BlackRock hält 5,38 % und die Kataris über Paramount und Supreme 6,1 % der Stimmen. Seit November 2017 ist auch Ceberus mit 3,001 % an Bord. 

Zusammen halten also nur die meldepflichtigen Großaktionäre schon 22,44 % aller Stimmen und hatten damit bei einer Hauptversammlungspräsenz von knapp unter 42 % stets die Mehrheit im Griff. Umso erstaunlicher war es, dass immerhin 15,51 % des anwesenden Kapitals Aufsichtsratschef Achleitner die Entlastung verweigerten. Doch nach seiner selbstverliebten Einführungsrede sowie den Sprechblasen seines Zöglings Sewing fiel es selbst den ausgewählten Anfangsrednern schwer, etwas Positives zu finden. Dabei hatte man die nicht genehmen Aktionäre ohnehin schon weit nach hinten auf die Rednerliste geschoben, so auch die Effecten-Spiegel AG. Obwohl die Wortmeldung kurz nach Beginn der Versammlung angemeldet wurde, erhielt Vorstand Marlis Weidtmann erst um 17:42 Uhr das Wort, nachdem die Redezeit von zunächst 8 Minuten und dann 5 Minuten auf 3 Minuten begrenzt worden war. Thema des Wortbeitrags waren die Betrügereien im Zusammenhang mit der Postbank-Übernahme. In ihrem Geschäftsbericht stellt die Deutsche Bank immerhin auf fast zwei Seiten (312 bis 314) ihre Sichtweise dar. Abschließend heißt es dort: „Der Konzern hat nicht offengelegt, ob er für diesen Fall eine Rückstellung oder eine Eventualverbindlichkeit ausgewiesen hat, da ... eine solche Offenlegung das Verfahrensergebnis erheblich beeinflussen könnte.“ 

Während am Aufsichtsratsvorsitzenden und seiner Söldnertruppe jedoch alle Angriffe abperlten, reagierte der Kapitalmarkt prompt. Schon am Mittag lagen die Titel der Deutschen Bank mit 2,8 % im Minus – und damit an der Spitze der DAX-Verlierer. Dabei hatten sich bis dahin noch nicht einmal die neuen Aufsichtsräte vorgestellt. Von dem 22-köpfigen Gremium mussten vier ersetzt werden. Drei von ihnen sprechen nur Englisch und beteuerten über eine Dolmetscherin, wie geehrt sie sich fühlten, für das größte deutsche Geldinstitut tätig werden zu dürfen. Der prominenteste Neuzugang ist zweifellos John Thain. Bekannt wurde der 62-jährige Amerikaner in der Finanzkrise als Kurzzeit-Chef der gestrauchelten Investmentbank Merrill Lynch. Allein für seinen ersten Monat im Dezember 2007 hatte er einschließlich Antrittsprämie 84 Mio. Dollar erhalten. Mit diesem exorbitanten Gehalt wurde der „Boni-Ritter“ für den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama zum „Höhepunkt der Verantwortungslosigkeit“. Nun wird Thain Leiter des neu zu bildenden Strategieausschusses im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Bisher gibt es sieben Ausschüsse im Aufsichtsrat. In allen ist Dr. Achleitner Mitglied. Bei vier Ausschüssen hat er sogar den Vorsitz, bezeichnenderweise auch beim Nominierungsausschuss sowie dem Vergütungs- und Kontrollausschuss. 

Für 2017 hatte die Deutsche Bank ihren Mitarbeitern mehr als 2,275 Mrd. Euro Boni bezahlt – trotz des dritten Jahresverlusts in Folge (vgl. ES 12/18). Wohl auch dafür hatte man sich noch im März 2017 über eine Kapitalerhöhung 8 Mrd. Euro am Kapitalmarkt besorgt. Daher stieß gerade auch das Vergütungssystem der Bank den Aktionären äußerst übel auf. Das Fixgehalt des Vorstandsvorsitzenden lag 2017 bei 3,4 Mio. Euro, seine zwei Stellvertreter erhielten je 3,0 Mio. Euro, die anderen Vorstandsmitglieder mindestens 2,4 Mio. Euro. Daher beeilte sich AR-Chef Achleitner bereits am Anfang zu betonen, dass der Vorstand „ohne Druck des Aufsichtsrats“ zum dritten Mal in Folge auf die Auszahlung von variablen Vergütungen verzichtet hätte. Er verschwieg jedoch an dieser Stelle, dass der Aufsichtsrat dafür in 2017 eine „optionale Funktionszulage“ einführte, die immerhin 100 % des festen Grundgehalts betragen kann. Wie auslegungsfähig dieser Begriff ist, machte die Antwort auf eine entsprechende Aktionärsanfrage auf der HV deutlich. Demnach erhielten der Co-Leiter für Unternehmens- und Investmentbanking, Garth Ritchie, zu seinem Fixgehalt von 3 Mio. Euro eine Funktionszulage von 250.000 Euro wegen geänderter Rahmenbedingungen durch den Brexit und Stuart Lewis als Chief Risk Officer 300.000 Euro für die notwendigen Verhandlungen mit der amerikanischen Aufsichtsbehörde. 

Solche Exzesse sind wohl nur möglich, weil sich im Aufsichtsrat der Deutschen Bank kein Vertreter der deutschen Industrie findet. Dass daran „der hohe Zeitaufwand und die regulatorischen Beschränkungen“ schuld sein sollen, ist eine ziemlich lahme Ausrede. Denn wie der ES in seiner Ausgabe 43/16 berichtete, gab es durchaus in der deutschen Realwirtschaft den Ansatz und das Angebot für eine breit angelegte Beteiligung der deutschen Wirtschaft an der Deutschen Bank. Mindestens sieben DAX-Konzerne haben über den Kauf von Aktien der Deutschen Bank nachgedacht. Doch offensichtlich war eine konzertierte Aktion der deutschen Wirtschaft nicht gewünscht. Anscheinend will sich ein Herr Achleitner nicht in die Karten schauen lassen und selbst „noch ausgestopft“ auf seinem Posten sitzen. 

So wurde auf der HV auch die Frage laut, ob John Cryan gehen musste, weil er interne Nachforschungen zu Stimmrechtsmeldungen der HNA und zu deren Eigentümerstrukturen anstellte. Und was ist mit dem Altlastenportfolio von 60 Mrd. Euro (Kreditausfallversicherungen, hypothekenbesicherte Wertpapiere und Aktienderivate)? Dagegen wird per Saldo das bilanzielle Eigenkapital zu Buchwerten von ca. 63 Mrd. Euro ausgewiesen. Die Antwort auf die entsprechende Frage ließ man Vorstand von Moltke verlesen. Dieser ist entweder ein noch schlechterer Vorleser als sein Chef Christian Sewing, oder er hatte den gut verklausulierten Text der hoch bezahlten Anwälte und Wirtschaftsprüfer im Backoffice auch nicht verstanden. Dafür aber war gut erkennbar, dass der Defekt schon in der DNA der Bank angelegt ist: Im Missmanagement und der Arroganz des Aufsichtsratsvorsitzenden, der seine eigene Rolle am langsamen Sterben des Instituts immer noch nicht verstanden hat.

Viele Aktionäre in der Festhalle Frankfurt haben sich gefragt, ob sich der Gendefekt bei der Deutschen Bank überhaupt noch beheben lässt. Aber wenn nicht, was dann?

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Mündlicher Verhandlungstermin aufgehoben

In dem Rechtsstreit der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank findet der anberaumte Termin am 29.06.2018 wegen der Verhinderung des Zeugen Dr. Appel nicht statt. Der Senat beabsichtigt, den neuen Termin zur Beweisaufnahme und zur Fortsetzung der mündlichen Verhandlung auf März 2019 zu verlegen.

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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MAN

Wie mehrfach im ES berichtet, hatte die Effecten-Spiegel AG nach der Eintragung des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages zwischen der MAN SE und der 100%-igen VW Tochter Truck & Bus GmbH im Oktober 2013 ein Spruchverfahren zur Überprüfung des angebotenen Abfindungspreises eingeleitet (vgl. ES 39/2015). Denn die Barabfindung lag mit 80,89 € deutlich unter dem Pflichtangebotspreis der Volkswagen AG vom Juni 2011 in Höhe von 95 €. 

Am 31.07.2015 hatte das Landgericht München dem Antrag der Effecten-Spiegel AG stattgegeben und die Barabfindung auf 90,29 € erhöht. Der Ausgleich (sog. „Garantiedividende“) für die Aktionäre, die ihre Aktien nicht angedient hatten, blieb dagegen unverändert bei den festgesetzten 3,30 €. Die Aktionäre erhielten somit seit 2014 jedes Jahr eine Ausschüttung von 3,07 € eingebucht.

Obwohl aus Sicht der Effecten-Spiegel AG der wirtschaftliche Wert der MAN-Aktie deutlich höher angesiedelt werden muss, hat das OLG München am vergangenen Freitag den Barabfindungsbetrag von 90,29 € je MAN-Aktie bestätigt. Allerdings hat das Gericht die jährliche Ausschüttung für die in der Gesellschaft verbliebenen MAN-Aktionäre um sagenhafte 67 % auf 5,50 € (vor Unternehmenssteuern) angehoben. Das ist ein sensationeller Erfolg. Damit stehen den Aktionären also mindestens  4,75 € als Ausschüttungsbetrag statt der gezahlten 3,07 € pro Jahr zu.

Da das Urteil rechtskräftig ist, muss die VW-Tochter, die künftig Traton heißt, sowohl den Nachbesserungsbetrag für die Abfindung an die ausgeschiedenen Aktionäre als auch den Dividendenaufschlag an die verbliebenen Aktionäre ab 2014 nachzahlen.  

Die Effecten-Spiegel AG hält seit 2012 Aktien der MAN SE in unterschiedlicher Bestandshöhe (zwischen 35.000 und 52.000 Stück) und hat somit Anspruch auf eine jährliche Dividendennachzahlung für die gesamte bisherige Laufzeit des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages. Die Gesellschaft erwartet aus der Erhöhung der Ausgleichszahlung eine ertragswirksame Zahlung von mindestens 350 T€ vor Steuern. 

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Randnotizen

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In Eigener Sache

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Strategie

ES-Aktienfavoriten

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Thema der Woche

Börsengerüchte