PATRIZIA Immobilien AG

Die PATRIZIA Immobilien AG erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis von 82 Mio. Euro, was gegenüber dem bereinigten Vorjahresergebnis einer Steigerung um 14 Prozent entspricht. Zudem konnte die Gesellschaft durch ein erfolgreiches viertes Quartal die Prognose von "etwas mehr als 75 Mio. Euro" übertreffen. Grund für diese positive Entwicklung sind vor allem die über dem Plan liegenden Einnahmen von leistungsabhängigen Gebühren aus dem erfolgreichen Management von Immobilieninvestments sowohl für internationale institutionelle Investoren als auch private Investoren. Auch die Assets under Management erhöhte sich um 12 Prozent und damit stärker als erwartet. Inklusive dem Dachfondsanbieter PATRIZIA Multi Managers belief sich das verwaltete Immobilienvermögen Ende 2017 auf 21,9 Mrd. Euro. Zuzüglich der jüngsten Akquisitionen wird sich das verwaltete Immobilienvermögen auf rund 38 Mrd. Euro erhöhen. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet PATRIZIA auf dieser Basis ein operatives Ergebnis in der Größenordnung von 85 bis 100 Mio. Euro.

Pfeiffer Vacuum Technology AG

Die Pfeiffer Vacuum Technology AG steigerte ihren Umsatz nach vorläufigen Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr um 23,8 Prozent auf 587,0 Mio. Euro. Auch das EBIT legte von 68,0 auf 73,9 Mio. Euro zu. Dies entspricht einer EBIT-Marge von 12,6 Prozent. Bereinigt um Sondereffekte belief sich die EBIT-Marge auf 14,2 Prozent. Im vierten Quartal sind erstmals Effekte aus Kaufpreisallokationen für die unterjährig erworbenen Gesellschaften in den USA und Deutschland in Höhe von rund 6 Mio. Euro enthalten. Zudem musste die Gesellschaft negative Einflüsse aus Wechselkursen und erhöhte Rechts- und Beratungskosten verkraften. Allerdings erhöhte sich das Book-to-Bill-Ratio gegenüber dem Vorjahr um 7 Basispunkte auf 1,09. Zum Geschäftsjahresende wies Pfeiffer Vacuum einen Auftragsbestand von 127,4 Mio. Euro aus. Gegenüber dem Vorjahresniveau bedeutet dies einen Zuwachs von 76,2 Prozent.

Mensch und Maschine Software SE

Nach vorläufigen Zahlen steigerte die Mensch und Maschine Software SE (MuM) den Umsatz im vierten Quartal um 14 Prozent auf 45,0 Mio. Euro. Im Gesamtjahr belief sich der Umsatz auf 160,5 Mio. Euro, was gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um rund 4 Prozent bedeutet. Davon entfielen 50,4 Mio. Euro auf das Software-Segment und 110,1 Mio. Euro auf den Bereich Systemhaus. Beim Rohertrag verzeichnete die Gesellschaft einen Zuwachs von 3,7 Prozent auf 94,8 Mio. Euro.
Das EBITDA legte um 14 Prozent auf den neuen Rekordwert von 18,0 Mio. Euro zu. Davon steuerten MuM-Software 12,7 Mio. Euro und das Systemhaus 5,3 Mio. Euro bei. Im Gesamtjahr verbesserte sich die EBITDA-Marge von 23,1 auf rund 25,0 Prozent. Beim Nettoergebnis nach Steuern und Anteilen Dritter kam MuM sogar um 29 Prozent auf etwa 8,5 Mio. Euro voran. Dies entspricht einem Ergebnis je Aktie von 0,52 Euro. Auf dieser Basis hält das Management die Ausschüttung einer Dividende von 0,50 Euro für das vergangene Geschäftsjahr für wahrscheinlich.

ES-Aktienfavoriten

Ausgabe 7 | 14.02.2018

Konservativ

Aktie mit konservativem Potenzial

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Täglicher Börsenbericht

Trügerischer Frieden?

Dax dreht ins Minus

Trotz des Ausbruchs des Dax am Morgens zeigen sich die Anleger vorsichtig. Der deutsche Leitindex drehte am Nachmittag ins Minus. Die fehlenden Impulse von der Wall Street tun ihr übrigens. Die US-Börsen haben heute aufgrund des President's Day geschlossen. Zudem zeigte sich die US-Börse in den letzten Tagen aufgrund der russischen Einmischung in den Wahlkampf rund um Präsident Trump verunsichert. Jedoch zeigt sich der japanische Nikkei zu Wochenbeginn robust. 

Aufgrund der anstehenden Fusion mit der amerikanischen Praxair will der Vorstand des Industriegasekonzerns Linde der Hauptversammlung eine höhere Dividende vorschlagen. Damit sollen Linde-Aktionären den Anteilseignern von Praxair, die viermal pro Jahr Quartalsdividenden ausgeschüttet bekommen, gleichgestellt werden. 

Am Ende des MDax steht das Papier des Brillenhändlers Fielmann. Auslöser für den Kursabfall war wohl ein negativer Analystenkommentar, das Kursziel wurde abgesenkt, die Kaufempfehlung jedoch beibehalten. 

Die Daimler-Aktie rückt am Morgen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, soll der Stuttgarter Autobauer doch ebenfalls Schummelsoftware in seinen Diesel-Fahrzeugen zum Einsatz bringen. 

In Anbetracht ausländischer Dumpingpreise erwägt die Trump-Regierung Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. Das könnte - wenn auch indirekt - deutsche Stahlproduzenten schaden. Wie sich das auf ThyssenKrupp auswirkt bleibt abzuwarten. Analysten haben das Papier des deutschen Traditionsunternehmen gerade erst hochgestuft.

Von einer Analystenhochstufung profitiert heute die Deutsche Bank. Das Geldhaus konnte sich an die Spitze des Dax setzen.  

Die ING-Diba hat den Berliner Online-Kreditmarktplatz Lendico gekauft. Details zum Kaufpreis wurden nicht genannt.

Gute Zahlen im 1. Quartal konnte der Ingenieursdienstleister Bertrandt vorlegen Insbesondere der Umstieg auf die Elektromobilität konnte dem Unternehmen eine vielseitige Perspektive verschaffen. 

Siltronic rechnet im laufenden Jahr mit steigenden Margen. Finanzvorstand Rainer Irle ließ gegenüber der Fachpresse verlauten, er wäre enttäuscht wenn die Marge nur gehalten werden würde. 

Einen großen Teil seiner Anteile an SLM Solution hat der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Joachim Ihde an eine limitierte Anzahl institutionellerInvestoren im Wege einer Privatplatzierung verkauft.

Die Patrizia Immobilien konnte die Ergebnisprognose für das abgelaufene Gesamtjahr mit 14 % deutlich übertreffen. 

Ganze sechs Jahre länger Zeit konnte sich Airbus bei Verhandlungen mit den Käufern des Militärflugzeugs A400M "Atlas" sichern. Auch Deutschland ist von der verspäteten Lieferung betroffen. 

Siemens hat den offiziellen Startschuss für den Börsengang seiner Medizintochter gegeben. Siemens Healthineers könnte so noch vor Ostern an die Börse gehen.

Der Preiskampf zwischen dem schweizerischen Nahrungsmittelkonzern Nestlé mit verschiedenen europäischen Einzelhändlern geht in die nächste Runde. Die europäische Händlerallianz Agecore, zu der auch Edeka aus Deutschland und Intermarché aus Frankreich zählen,  wollen offenbar ein Bestellstopp gegenüber Nestlé aussprechen. Zunächst soll es sich um einzelne Produkte des Konzerns handeln, wie z.B. Maggi. Thomy und Nescafé. 

Der US-Streamingdienst Netflix hat mit OSN, einem im Nahen Osten und Nordafrika tätigen PAY-TV-Sender, eine Vereinbarung geschlossen. Zukünftig können OSN-Abonnenten auf Netflix-Inhalte zugreifen. Damit weitet der US-Konzern sein Geschäft in der Region aus. 

Der Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser hat einen positiven Jahresabschluss vorlegen können. Für 2018 rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Anstieg der Erlöse.

 

 

Randnotizen

Anleger könnten bald Gelegenheit bekom- men, einen der weltgrößten Musikstrea- ming-Dienste zu kaufen. Heimlich und leise hat sich die schwedische Spotify AB bei der US-Börsenaufsicht SEC registrieren lassen und damit die Voraussetzung für einen baldi- gen Börsengang geschaffen. Das Unterneh- men verzichtet dabei auf ein kostspieliges IPO und strebt das Direct-Listing an. D.h., es werden keine neuen Aktien platziert, son- dern nur die vorhandenen Aktien frei in den laufenden Börsenhandel gegeben. So machen die Altaktionäre zunächst Kasse. Auch können Firmenübernahmen leichter gestemmt werden, indem man mit eigenen Aktien bezahlt. Erst im Dezember wurde mit der stark expandierenden chinesischen Tencent Music Entertainment (TME) ein gegenseitiger Aktienswap über 10 % vereinbart. Die mit 10 Mrd. $ bewertete TME will noch in diesem Jahr selbst mit einem Börsengang mehr als 1 Mrd. $ am Markt einsammeln. Geld, das auch Spotify zugutekommt. Mit über 140 Mio. aktiven Nutzern und über 70 Mio. Abonnenten – ein Abo kostet zwischen 10 und 15 $ pro Monat – ist Spotify nicht nur der größte, sondern auch der am schnellsten wachsende Musikstreamer der Welt. In einem Zeitraum, in dem Spotify 45 Mio. zahlende Kunden dazugewinnen konnte, kommt Apples Musikableger Apple Music gerade mal auf insgesamt 30 Mio. neue User.

Der geplante Börsengang erspart Spotify überdies beträchtliche Zinsen für die Bedie- nung einer 1 Mrd. $ schweren Wandelanlei- he mit einem Zinsfuß von 5 %. Bei einem Börsengang können die Gläubiger ihre For- derungen samt Zinsen in Spotify-Aktien um- tauschen. Die Börse wird es zeigen, welche Musik Spotify in Zukunft spielen wird. 

Der Viceroy-Fluch nahm im Dezember 2017 an der Börse in Johannesburg seinen An- fang, als eine umfangreiche Studie mit dem Titel „Steinhoff’s Skeletons“ (Die Leichen im Keller von Steinhoff) des unbekannten Ana- lysehauses Viceroy (Vizekönig) auftauchte. In dem Papier fanden sich detaillierte Angaben über heimliche Geldverschiebungen, Dokumentenfälschungen und „zügellose und verwässernde Eigenkapitalbeschaffungen“ des Möbelkonzerns Steinhoff.

Schon vorher hatte es immer wieder Gerüch- te über frisierte Geschäftszahlen beim Mö- belgiganten gegeben, nun hatte man es schwarz auf weiß. Nach der Veröffentlichung der Studie war der Kurs der Steinhoff-Aktie nicht mehr zu halten, er knallte um 90 % nach unten weg. Leugnen war nunmehr zwecklos geworden, das Management räumte „Buchungsunregelmäßigkeiten“ in mehreren Jahresabschlüssen ein und musste gehen. Der unter die Räder gekommene Konzern versucht seither, irgendwie an Geld zu kommen und seine Assets zu versilbern.

Doch was macht Viceroy? Angeblich bereitet es einen Bericht über ein anderes südafrika- nisches Unternehmen vor. Kaum war diese Information raus, kamen auch schon Ge- rüchte auf, es könnte sich dabei um den Pharmakonzern Aspen handeln. Der Aktien- kurs rauschte daraufhin mehr als 10 % in die Tiefe. Stephen Saad, CEO von Aspen Pharmacare, zeigte sich empört und forderte eine Untersuchung. Schließlich sei es „ein perfek- tes Timing, um den Markt zu manipulieren“, so Saad per Telefon aus Mauritius. „Wir haben keine buchhalterischen Unregelmäßigkeiten ... Die Ironie von all dem ist, dass sie wahrscheinlich nicht einmal über Aspen sprechen.“ Es gebe Anzeichen dafür, dass Aspen nicht das Ziel von Viceroy‘s Bericht war, fügte er hinzu, denn Steinhoff und Aspen seien gar nicht vergleichbar.

Noch während der Markt rätselte, fielen bereits mehrere Immobilien-Aktien dem mysteriösen Viceroy-Fluch zum Opfer. Und der Markt zittert vor weiteren Enthüllungen. Doch zunächst einmal wurde Viceroy selbst enttarnt. Nicht Wirtschaftsprüfer oder Finanzexperten stecken dahinter, sondern ein früherer Sozialarbeiter aus Großbritannien und zwei Jungs aus Australien. 

Spezial

Im Rahmen der Neuregelungen wurden auch die Tickgrößen für Kurse von Aktien und ETFs angepasst. Nach unten stehender Tabelle der Europäischen Union (Amtsblatt v. 31.3.2017) wurden in Abhängigkeit von der Liquidität eines Wertes die Euro- bzw. Cent-Schritte, in denen dieser gehandelt wird, von den Börsen neu festgelegt. Dabei wurden die jeweiligen Transaktionen der einzelnen Aktien im letzten Jahr zugrunde gelegt. Da aber die Liquidität einer Aktie an den verschiedenen Börsenplätzen unterschiedlich hoch ist, kann ein- und dieselbe Aktie an verschiedenen Börsenplätzen in unterschiedlichen Liquiditätsbändern geführt werden. Für den Anleger ist jedoch kaum erkennbar, in welchen Kursschritten eine Aktie gehandelt wird. Das muss er über den Händler seiner Bank bei den einzelnen Börsenplätzen erfragen. Beim Online-Handel muss der Anleger derzeit noch nach Gefühl agieren und probieren, ob seine Order vom System angenommen wird oder nicht (s.S. 2/3).

Beispiel:

Die Stamm- und Vorzugsaktien der Effecten-Spiegel AG sind an den Börsen Stuttgart und München im Freiverkehr notiert. An einem Börsentag kommt es im Durchschnitt zur Abwicklung von 0 bis 10 Handelsgeschäften (niedrigstes Liquiditätsband). Der Kurs ist im Bereich zwischen 10 bis 20 Euro einzuordnen. Damit werden beide Aktiengattungen in einer Spanne von 0,10 Euro gehandelt. Steigt der Kurs der Aktie über
20 Euro, würde diese zwar noch im selben Liquiditätsband geführt, aber ein anderes Preis-Band erreichen und in Schritten von 0,20 Euro an der Börse gehandelt werden.

Nach dem anlegerfreundlichen Urteil des Landgerichts Köln vom 20.10.2017 (Az.: 82 0 11/15) zur Postbank-Übernahme wollte die Deutsche Bank mit allen Mitteln verhindern, dass diese Entscheidung vom OLG Köln in dem ursprünglichen Effecten-Spiegel-Verfahren bestätigt wird. Schließlich musste sie fürchten, dass eine solche juristische Bestätigung von Nachzahlungsansprüchen durch die nächsthöhere Instanz eine Initialzündung für weitere Klagen ehemaliger Postbank-Aktionäre bis zum Ablauf der Verjährungsfrist am 31.12.2017 auslöst. 

Zwar konnte die kurzfristige Neubesetzung des 13. Zivilsenats des OLG Köln diesen worst case für die Deutsche Bank verhindern, die Klagewelle aufhalten konnte sie jedoch nicht. Dafür sorgte schon die ausführliche Berichterstattung des Effecten-Spiegel. So klagt allein der ES-Anwalt Dr. Oliver Krauß aus München für 31 deutsche und internationale Investoren rund 740 Mio. Euro Nachzahlung ein. Das dürfte zwar der größte Batzen sein, aber mit den Klagen der DSW und anderen Aktionärsvertretern werden sich die Forderungen insgesamt wohl auf eine Milliarde Euro summieren. Zusammen mit den laufenden Spruchverfahren zur Überprüfung der Angemessenheit der Barabfindung beim späteren Squeeze-out erhöht sich damit der Druck auf die Deutsche Bank von Tag zu Tag, die nun die Aktionäre nicht mehr einfach wie lästige Läuse abschütteln kann. Das jedenfalls hat nicht geklappt!

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Feature

Einige Anleger mussten zu Beginn des neuen Jahres feststellen, dass sie nicht wie gewohnt Fonds, Zertifikate oder Optionsscheine bei ihrer Bank kaufen konnten. Der Grund war weder technischer Natur, noch zu wenig Markttiefe, sondern die neue Kundeneinstufung der depotführenden Bank. Denn sie entscheidet ab sofort, ob der Anleger „geeignet“ ist, die von ihm gewünschten Wertpapiere zu handeln oder nicht. 

Seit dem 3. Januar 2018 ist sie da, die „Markets in Financial Instruments Directive“, kurz MiFID II. Das Regelwerk der EU umfasst inzwischen 20.000 Seiten, die Ausarbeitung kostete mehr als 2 Mrd. Dollar. Ziel dieses unlesbaren Wälzers ist ein besserer Verbraucherschutz und mehr Transparenz. Vermögensberater sollen den Anlegern keine riskanten Produkte mehr aufschwatzen können, ohne sie vor den Risiken zu warnen und offenzulegen, was sie daran verdienen. 

Tatsächlich aber bürdet MiFID II den Banken zunächst einmal noch mehr Bürokratie und Kosten auf. Allein in Deutschland rechnet der Bundesverband deutscher Banken mit 1 Mrd. Euro an Kosten zur Umsetzung. Zudem entmündigt MiFID II den Bürger bei seiner Vermögensanlage. Der Datenschutz verkümmert in den Archiven, in denen die aufgezeichneten Telefongespräche zwischen Kunden und Anlageberatern fünf Jahre lang aufbewahrt werden müssen. Die Compliance-Abteilungen werden aufgerüstet, der Kunde auf seine Tauglichkeit für Wertpapiergeschäfte geprüft und katalogisiert. Und wer glaubt, dass die Analysen für die Banken und Vermögensverwalter fortan wenigstens neutraler und unabhängiger werden, weil jetzt jede Research-Leistung bezahlt werden muss, ist entweder dumm oder naiv. Für eine Leistung, die teuer bezahlt werden muss, möchte man schließlich auch ein entsprechendes Ergebnis sehen. 

Doch wie funktioniert MiFID II in der Praxis? Sowohl Banken als auch Fondsanbieter müssen jeden Kunden, der ein Wertpapiergeschäft tätigen möchte, auf seine „Geeignetheit“ hin prüfen und entsprechend klassifizieren. Die delegierte Verordnung zu MiFID II stellt klar, dass „Wertpapierfirmen nicht nur in Bezug auf die Empfehlungen zum Kauf eines Finanzinstruments eine Eignungsbeurteilung vornehmen sollten, sondern für alle Handelsentscheidungen, einschließlich der Frage, ob eine Anlage erworben, gehalten oder verkauft werden soll oder nicht“. Das ist die europäische Vorgabe zur Entmündigung der Bürger, die nicht mehr darüber entscheiden dürfen, wie sie ihr Geld anlegen. Und dafür müssen sie natürlich zunächst einmal genügend Informationen von sich preisgeben und akzeptieren, dass die vertraulichen Gespräche mit dem Vermögensberater aufgezeichnet und gespeichert werden. Zwar sind die Auskünfte freiwillig, doch verweigert sich der Kunde, werden seine gewünschten Wertpapiergeschäfte eben nicht von der Bank abgewickelt. Schließlich steht das Finanzinstitut gegenüber der BaFin in der Haftung. Daher muss der Berater eine „Geeignetheitserklärung“ erstellen. Diese ist nur dann nicht nötig, wenn der Kunde als professionelle oder geeignete Gegenpartei eingestuft wird. Beim klassischen Privatkunden mit kleineren Einlagen wird das eher nicht der Fall sein. 

Damit einhergehend wird der Zielmarkt des Kunden definiert. „Der Zielmarkt beschreibt auf Basis standardisierter Kriterien, für welche Kundengruppe ein Finanzinstrument oder eine Dienstleistung entwickelt wurde“ (Kundeninformation ODDO BHF). Im Klartext: Die Bedürfnisse, Vorkenntnisse und materiellen Voraussetzungen des Kunden werden mit den Eigenschaften der angebotenen Finanzinstrumente gegengecheckt. Dafür müssen das Risiko- und Renditeprofil des Kunden bestimmt werden, ebenso seine Anlageziele und sein Anlagehorizont. Ein wichtiges Kriterium ist auch die „finanzielle Verlusttragfähigkeit“, die sich aus seinen Vermögensverhältnissen ergibt. Danach wird eingeschätzt, ob der Anleger nur geringe Verluste oder auch einen Totalverlust finanziell verkraften könnte. Das so erstellte Kundenprofil wird dann mit den angebotenen Wertpapieren und Finanzprodukten der Bank abgeglichen und entschieden, mit welchen Wertpapieren der Kunde handeln darf und mit welchen nicht.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass auch die jeweiligen Emittenten in den Wertpapierstammdaten die entsprechenden Zielmarktkriterien hinterlegen. Ausgenommen sind Aktien und Riester-Produkte. Die Entwickler für Finanzprodukte müssen bereits die Kundengruppe nennen, die mit dem jeweiligen Produkt angesprochen werden soll. Aus der Risikokennziffer des Produkts
(PRIIPs) wird dann auf einer Skala von 1 bis 7 eine Empfehlung für die erforderliche Risikotoleranz des Endkunden abgeleitet (vgl. Abb.). Für etwa ein Drittel des Marktes lagen die Daten Anfang letzter Woche noch nicht vor, von den 50.000 Fonds in Deutschland fehlten bei der Hälfte die Informationen. Sie wurden daraufhin für den Handel gesperrt. Auch für das beliebte Xetra-Gold lagen die Stammdaten nicht vollständig vor, sodass es ebenfalls aus dem Handel genommen wurde. Aber auch viele Banken waren trotz der Vorlaufzeit überfordert, weil einfach die konkreten Durchführungsbestimmungen fehlten. Viele Kundenberater sind bis heute nicht ausreichend geschult und erzählen irgendwelchen Unfug, wie der Effecten-Spiegel von seinen Lesern erfahren musste.

Inzwischen haben zumindest die größeren Anbieter durchgehend nachgeliefert. Fehlen die Angaben der Emittenten jedoch dauerhaft, fliegen deren Produkte konsequent aus dem Sortiment der Banken raus. Und was nicht im Produktsortiment der jeweiligen Bank drin ist, wird auch nicht vertrieben. Der Kunde ist in diesem Fall auf sich gestellt. Im Rahmen des aufwendigen Produktfreigabeverfahrens wird es immer öfter passieren, dass vor allem kleinere regionale Banken für den klassischen Privatkunden keine strukturierten Finanzprodukte mehr anbieten, sondern sich auf Aktien und einige ausgewählte Fonds und ETFs beschränken. 

Ohnehin sind Aktien von dem MiFID II-Wahnsinn am wenigsten betroffen. Hier gibt es lediglich Änderungen bei der Tick-Size-Regelung – also die Euro- bzw. Cent-Schritte, in denen diese an der Börse gehandelt werden. Sie wurden nach einem, für den Laien völlig unverständlichen Modus in Abhängigkeit von den täglichen Handelsumsätzen neu gestückelt. So kann z.B. die Audi-Aktie nur noch in Kursschritten von 2 Euro gehandelt werden, statt bisher 5 Cent. Daher liefen zu Beginn des Jahres mehrere Limit-Orders ins Leere. „Bei der Volksbank wurden nicht genehme Limitgrenzen sofort kommentarlos im Orderbuch als gestrichen gekennzeichnet. Es bleibt nichts anderes übrig, als einen neuen Eingabeversuch mit irgendwelchen geänderten selbst ausgedachten Daten zu unternehmen. ... Genauso ist es bei der Commerzbank mit dem Unterschied, dass hier vorher noch ein zusätzlicher Hinweis mit der Aufforderung erscheint, andere Limitgrenzen (aber welche ?) einzugeben. Was das zum Wohle des Anlegers, dem angeblichen Zweck von MiFID, beitragen soll, ist mir ein Rätsel“, so der ES-Leser Peter Sewerin über seine Erfahrungen mit MiFID. 

Nicht der Anleger, sondern die Bank entscheidet künftig im Auftrag von Brüssel, wer „geeignet“ ist, welche Finanzinstrumente zu handeln oder nicht. Kleinanleger müssen damit rechnen, dass sie nicht mehr für den von ihnen gewählten Zielmarkt als befähigt eingestuft werden und die gewünschten Finanzprodukte nicht mehr handeln dürfen. Europäische Entmündigung ist kein Verbraucherschutz! 

 

 

Nicht nur die Steurtöpfe sind aufgrund der boomenden Wirtschaft in Deutschland zum Ende 2017 randvoll gefüllt, auch die Bundesagentur für Arbeit hat 2017 das siebte Jahr in Folge mehr eingenommen, als sie ausgegeben hat. Mit voraussichtlich 5,5 Mrd. Euro hat sie per Saldo den größten Überschuss seit zehn Jahren in ihrer Kasse! 

Doch von einer Beitragssenkung will Berlin nichts wissen. Schließlich strömen weiter Hunderttausende Flüchtlinge ins Land, die entgegen aller politischen Schönfärberei nun doch weniger Fachkräfte als viel mehr Ungelernte sind, die die deutschen Sozialkassen belasten. So flossen 2017 auch erstmals weniger als 50 % der Beitragseinnahmen in die Kernleistung der Bundesagentur, d.h. in die Auszahlung des Arbeitslosengeldes. 

Nach Berechnungen des Bundes der Steuerzahler (BdSt) würde eine Beitragsssenkung bei der Arbeitslosenversicherung von nur einem halben Prozentpunkt von 3 auf 2,5 % bereits eine Entlastung von 5 Mrd. Euro für Arbeitnehmer und Unternehmen bedeuten. Vor allem Geringverdiener würden davon stark profitieren, da die Gesamtbelastung der gesetzlich Versicherten weiterhin rund 40 % ihres Bruttolohns ausmacht. 

Im Gegensatz zur Rentenkasse gibt es beim Beitrag zur Arbeitslosenversicherung keine Regelbindung, also keinen Anpassungsmechanismus: Übersteigt die Rücklage der Rentenversicherung das 1,5-fache der monatlichen Ausgaben, muss eine Beitragssenkung erfolgen. Um das Geld der Versicherten vor politischem Missbrauch zu schützen, wäre ein solcher Mechanismus für alle Sozialversicherungsbeiträge angebracht. Je nach Höhe der Rücklage müssten die Beiträge dann gesenkt oder auch angehoben werden. „Das wäre ein transparentes und faires System für die Versicherten“, so BdSt-Präsident Reiner Holznagel. Und „das kann der Bundestag schon jetzt entscheiden. Die Abgeordneten müssen nicht warten, bis wir irgendwann eine neue Regierung haben“, betont er. 

Klingt logisch, schließlich wurde auch schon ohne Regierung über die Diätenerhöhung der Bundestagsabgeordneten entschieden. Aber die hatten auch politische Priorität, im Gegensatz zu den Bürgerbelangen.

Wer kennt sie nicht, die Schuldenuhr. Seit 1987 zeigt sie im Sekundentakt die deutsche Staatsverschuldung an. Ende 2016 standen
2.005.641.000.000 Euro Schulden auf der Uhr. Das macht für jeden Bundesbürger 24.407 Euro Nettoschulden. Allein an Zinsen kostet das den Staat jedes Jahr fast 20 Mrd. Euro. 

Doch dank der gut laufenden Wirtschaft sprudeln auch die Steuer- und Beitragsquellen reichlich. Über Strafzinsen für Sparer und Negativrenditen für Bundesanleihen lässt sich zusätzlich gutes Geld verdienen, sodass die Gesamtschulden seit 2015 schon wieder langsam sinken. Allein „im Jahr 2016 ergab sich für das Schuldenwesen des Bundes und seine Sondervermögen eine Entlastung aus negativen Zinsen in Höhe von knapp 1,2 Milliarden Euro“, so ein Sprecher des Finanzministeriums. Und erstmals in ihrer Geschichte tickt nun sogar die Schuldenuhr des Bundes rückwärts. Seit Ende 2017 sinkt der Schuldenstand um 78 Euro pro Sekunde und liegt damit schon knapp unter 1,973 Bill. Euro. Das sind 2,9 % oder 58,4 Mrd. Euro weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Schon im Oktober 2017 wurden für den Bundeshaushalt und sein Sondervermögen insgesamt Kredite im Volumen von 14,4 Mrd. Euro aufgenommen und 18,1 Mrd. Euro an fälligen Krediten getilgt. Dadurch hat sich der Schuldenstand bis zum 31. Oktober 2017 um 3,7 Mrd. Euro auf 1.085,9 Mrd. Euro reduziert (vgl. Tabelle). 

Es verwundert nicht, dass mit 44,8 % der größte Anteil der Schuldtitel auf 10-jährige Bundesanleihen entfällt, gefolgt von den 30-jährigen Bundesanleihen mit 18,7 % und den Bundesobligationen mit einem Anteil von 18,5 %. Schließlich sind die langlaufenden Bundesanleihen und -obliga-tionen die mit Abstand wichtigsten Finanzierungsinstrumente, da diese fast durchweg im Minus rentieren. Ihre Käufer müssen zahlen, der Staat kassiert. Inzwischen bedienen sich auch immer mehr Bundesländer dieser Mittel, sodass ihre Verbindlichkeiten ebenfalls deutlich sinken. Nach aktuellen Erhebungen planen nur Rheinland-Pfalz, Bremen und das Saarland mit einer Nettoneuverschuldung am Kreditmarkt. Die anderen 13 Länder wollen ihre Haushalte entweder ohne Neuverschuldung finanzieren oder sogar weiter Altschulden tilgen. Insgesamt summiert sich die geplante Netto-Tilgung aller Länder auf knapp 2,5 Mrd. Euro. Am meisten tilgt Bayern, das seinen Schuldenberg um 1,5 Mrd. Euro reduzieren will. 

Die Bundesbürger sind eben nicht nur brave Steuerzahler, sondern entschulden als Sparer und Anleger auch noch Bund und Länder. 

Im Rahmen der Neuregelungen wurden auch die Tickgrößen für Kurse von Aktien und ETFs angepasst. Nach unten stehender Tabelle der Europäischen Union (Amtsblatt v. 31.3.2017) wurden in Abhängigkeit von der Liquidität eines Wertes die Euro- bzw. Cent-Schritte, in denen dieser gehandelt wird, von den Börsen neu festgelegt. Dabei wurden die jeweiligen Transaktionen der einzelnen Aktien im letzten Jahr zugrunde ge- legt. Da aber die Liquidität einer Aktie an den verschiedenen Börsenplätzen unterschiedlich hoch ist, kann ein- und dieselbe Aktie an verschie- denen Börsenplätzen in unterschiedlichen Liquiditätsbändern geführt werden. Für den Anleger ist jedoch kaum erkennbar, in welchen Kurs- schritten eine Aktie gehandelt wird. Das muss er über den Händler seiner Bank bei den einzelnen Börsenplätzen erfragen. Beim Online-Handel muss der Anleger derzeit noch nach Gefühl agieren und probieren, ob seine Order vom System angenommen wird oder nicht.

Beispiel:Die Stamm- und Vorzugsaktien der Effecten-Spiegel AG sind an den Börsen Stuttgart und München im Freiverkehr notiert. An einem Börsentag kommt es im Durchschnitt zur Abwicklung von 0 bis 10 Handelsgeschäften (niedrigstes Liquiditätsband). Der Kurs ist im Bereich zwischen 10 bis 20 Euro einzuordnen. Damit werden beide Aktiengattungen in einer Spanne von 0,10 Euro gehandelt. Steigt der Kurs der Aktie über 20 Euro, würde diese zwar noch im selben Liquiditätsband geführt, aber ein anderes Preis-Band erreichen und in Schritten von 0,20 Euro an der Börse gehandelt werden.

Aktuelle Chartanalyse

Optionsscheine

Neues aus Unternehmen

Unternehmensticker

Redaktionelles

Rechtsstreit der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank

In dem Rechtsstreit der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank hat es noch einmal eine positive Wendung gegeben. Der Ablehnungsantrag der Effecten-Spiegel AG gegen den kurzfristig neu besetzten 13. Zivilsenat wegen Befangenheit (vgl. ES 48/17 u. 50/17) wurde zwar abgelehnt, dafür aber kündigte das Oberlandesgericht Köln an, die mündliche Verhandlung wiederzueröffnen. 

Der auf den 07. Februar 2018 festgesetzte Verkündungstermin wurde daher aufgehoben. Die mündlichen Verhandlung soll am Freitag, den 29. Juni 2018, fortgesetzt werden. Dann könnte es noch einmal zu weiteren Zeugenvernehmungen kommen. Die Effecten-Spiegel AG hatte u.a. gefordert, auch den ehemaligen Finanzvorstand der Deutschen Bank, Stefan Krause, als Zeugen zu vernehmen.

Effecten-Spiegel AG: Halbjahresergebnis erneut über Vorjahr

Die Effecten-Spiegel AG hat von der positiven Stimmung an den Aktienmärkten profitiert und die gestiegenen Kurse zu Gewinnmitnahmen genutzt. Eine Anzahl von Aktienpositionen wurde teilweise (z.B. Apple, SAP, Merck), andere ganz veräußert. Aus dem Verkauf von Wertpapieren des Finanzanlagevermögens wurden Gewinne in Höhe von 3,5 Mio. Euro realisiert. Relevante positive Ergebnisbeiträge lieferten u.a. die vollständige Veräußerung der Aktien der Stada AG mit 561 TEUR und der Pfeiffer Vacuum AG mit 413 TEUR. An Dividenden wurden 905 TEUR vereinnahmt. Der Kassenbestand lief dadurch per Saldo auf 19,5 Mio. Euro hoch. Bankverbindlichkeiten bestehen weiterhin keine. 

Nach vorläufigen untestierten Zahlen liegt der erwirtschaftete Ertrag für die ersten sechs Monate bei 3,7 Mio. Euro und damit deutlich über dem des Vorjahreszeitraumes (1,9 Mio. Euro). Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass auf Wertpapiere des Anlagevermögens weder Zu- noch Abschreibungen vorgenommen wurden. Die nach dem Niederstwertprinzip stichtagsbezogen vorzunehmenden Abwertungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens liegen per 30.06.17 bei 198 (Vj. 718) TEUR. Die Wertdifferenzen werden separat als „Stille Reserven und Lasten“ ausgewiesen. Der Saldo hieraus beläuft sich bei den bilanzierten Wertpapieren des Anlage- und Umlaufvermögens auf +2,56 Mio. Euro. Der nicht bilanzierte Depotwert der eigenen Anteile beträgt 5,29 Mio. Euro. Das Verlagsgeschäft lag mit Umsatzerlösen von 1,52 Mio. Euro in etwa auf Vorjahresniveau (1,51 Mio. Euro). 

Im Gerichtsverfahren gegen die Deutsche Bank wegen der Postbankübernahme wurde vom OLG der nächste Verhandlungstermin für den 8. November 2017 bestimmt.

Die ES AG wird ihr Aktienrückkaufprogramm wieder aufnehmen. In der Zeit vom 01.08. bis 31.12.2017 sollen bis zu 82.028 Vorzugsaktien der Gesellschaft zu einem maximalen Betrag von 1.533.923,60 Euro erworben werden. 

Die 10 größten Aktienpositionen des Finanzanlagevermögens sind, geordnet nach Positionsgröße auf Basis des Tageskurswertes zum 30.06.2017: infas Holding AG, MAN SE (Stämme), Symrise AG, Porsche Holding SE (Vorzüge), Sanofi S.A., Novartis AG, Vossloh AG, Union Pacific Corp., Coloplast und K+S AG.

Randnotizen

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