EQS Group AG

Die EQS Group AG erwirtschaftete im ersten Quartal 2018 ein Umsatzwachstum von 13 Prozent auf 7,82 Mio. Euro. Im Segment Investor Relations gelang eine Ausweitung der Kundenanzahl um 33 auf 1.930 Kunden. Dabei lag der Umsatz mit 4,00 Mio. Euro in etwa auf Vorjahresniveau. Dagegen verzeichnete die Gesellschaft im Segment Compliance eine Steigerung um 34 Prozent auf 3,82 Mio. Euro. Seit September investiert das Unternehmen in den Bereich Governance, Risk & Compliance, was zusätzliche Investitionen erfordert. Entsprechend kam es auch zu einer Ergebnisbelastung, so dass das EBITDA mit minus 0,30 Mio. Euro negativ ausfiel. Auch das Konzernergebnis lag mit minus 0,41 Mio. Euro in den roten Zahlen. Darauf basierend wies EQS ein Ergebnis je Aktie von minus 0,24 Euro aus. Bei anhaltend hoher Investitionstätigkeit plant der Vorstand im Gesamtjahr eine Umsatzausweitung um 19 bis 24 Prozent auf 36,0 bis 37,6 Mio. Euro. Das EBITDA sieht das Unternehmen in der Größenordnung von 1,5 bis 2,1 Mio. Euro.

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CropEnergies AG

Die CropEnergies AG steigerte den Umsatz im Geschäftsjahr 2017/18 (bis 28. Februar) um 10 Prozent auf 882 Mio. Euro. Dabei wurde die Ethanolerzeugung um 12 Prozent auf 1,15 Mio. Kubikmeter ausgeweitet. Auch die Produktion getrockneter Lebens- und Futtermittel erhöhte sich auf 662.000 Tonnen. Trotz der Umsatzsteigerung blieb das operative Ergebnis mit 72 Mio. Euro hinter dem Rekordwert des Vorjahres von 98 Mio. Euro zurück. Immerhin konnte die Gesellschaft die Nettofinanzschulden abbauen und ein Nettoguthaben von 37 Mio. ausweisen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr schlägt die Verwaltung die Ausschüttung einer Dividende von 0,25 Euro vor. Im Geschäftsjahr 2018/19 rechnet der Vorstand mit einem Umsatz zwischen 840 und 900 Mio. Euro. Das operative Ergebnis soll sich dabei auf 30 bis 70 Mio. Euro belaufen.

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Biotest AG

Die Biotest AG verzeichnete im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen deutlichen Umsatzzuwachs. So legten die Erlöse um 33,9 Prozent auf 88,0 Mio. Euro zu. Allerdings war der Umsatz im ersten Quartal des vergangenen Jahres durch den Rückruf verschiedener Chargen des Produkts Humanalbumin stark belastet. Das EBIT der fortgeführten Geschäftsbereiche verbesserte sich ebenfalls deutlich von minus 33,2 auf minus 3,0 Mio. Euro. Darin enthalten sind Aufwendungen für das Biotest Next Level Projekt in Höhe von 15,2 Mio. Euro. Im Vorjahr waren dafür 12,0 Mio. Euro angefallen. Im Kernsegment Therapie erzielte Biotest ein EBIT von minus 2,1 Mio. Euro nach minus 33,4 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Nach Steuern belief sich das Ergebnis der fortgeführten Geschäftsbereiche auf minus 8,1 Mio. Euro. Im Vorjahr wies die Gesellschaft einen Verlust von 24,9 Mio. Euro aus. Im ersten Quartal 2018 erfolgte jedoch noch keine Erfassung des Veräußerungsgewinns des Verkaufs der US-Gesellschaften.

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ES-Aktienfavoriten

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Täglicher Börsenbericht

Gewinne ausgebaut

DAX nimmt Hürde

Am Donnerstag konnte der DAX seine Gewinne, nach der seit April laufenden Erholung, im Verlauf des Nachmittags weiter ausbauen und stieg um gut 0,9 % auf seinen höchsten Stand seit Anfang Februar. Auch für den heutigen Handelstag dürften sich moderate Gewinne abzeichnen. Wie nachhaltig der Ausbruch nach oben ist, wird sich jedoch noch zeigen müssen. Rückenwind gab es zuletzt durch den schwächeren Euro, jedoch bleiben auch die jüngst gestiegenen Renditen am US-Anleihenmarkt im Fokus. Der noch immer schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie Europa und das Ringen in Italien um eine neue Regierung dürften als weitere Faktoren Beachtung finden. Die Vorgaben der Börsen aus Übersee sind denn auch durchwachsen. Der Dow Jones schloss um 0,2 % tiefer, der S&P 500 um 0,1%. Der Nasdaq verbuchte Verluste von 0,4 %. Der Nikkei notierte dagegen 0,3 % höher.

Paypal baut sein Geschäft mit dem Kauf des Mobil-Bezahldienstes iZettle weiter aus. Die Schweden sind spezialisiert auf Lesegeräte für Smartphones und Tablets. Durch den Zukauf rückt Paypal in das Geschäft in Deutschland und acht weiteren europäischen Ländern sowie Brasilien und Mexiko ein.

Beim bevorstehenden Bau der Netze für die fünfte Mobilfunkgeneration (5G), müssen sich die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica auf Konkurrenz einstellen. 15 Unternehmen sollen bereits ihr interesse an lokalen und regionalen Lizenzen für den Einsatz von 5G in Fabriken signalisiert haben. Darunter auch DAX-Konzerne wie Daimler, Volkswagen, Siemens und BASF.

Einen wachstumsstarken Jahresstart verzeichnet Vivendi nach der Übernahme von Havas im Sommer 2017.

Grand City Properties konnte im ersten Quartal deutlich wachsen. Das Immobilienunternehmen konnte damit die Erwartungen übertreffen und bekräftigte infolgedessen den Ausblick für das Gesamtjahr.

Infineo baut im österreichischen Villach eine neue Chipfabrik, an der 400 neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Neben der bestehenden Fertigung werde der Standort um ein vollautomatisiertes Werk für die Produktion auf 300-Millimeter-Dünnwafern erweitert. Mit dem Bau soll 2019 begonnen werden und ab 2021 die Produktion starten.

Die Konkurrenz setzt dem britischen Pharmariesen AstraZeneca weiter mit der Herstellung von Generika zu.

 

 

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Auslandsfavoriten

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Thema der Woche

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Datenschutzdschungel

IT-Konzerne bringen Licht ins DSGVO-Dickicht

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Randnotizen

Zum Ende der Geberkonferenz im April standen Vertreter aus 85 Ländern und Organisationen in Brüssel vor der Kamera und verkündeten voller Stolz, dass sie für das laufende Jahr weitere 3,6 Mrd. Euro locker machen für die 13 Mio. Menschen, die durch den Krieg in Syrien auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. 

Das klingt zunächst einmal ganz anständig, wenn man von einer gleichmäßigen Lastenverteilung ausgeht. Bedenkt man jedoch, dass allein aus Deutschland eine Milliarde Euro an Hilfen für die Syrien-Opfer kommt, dann verteilen sich gerade mal 2,6 Mrd. Euro auf den Rest der Welt. Dabei sicherte Großbritannien umgerechnet noch rund 857 Mio. Euro zu. Und die EU, innerhalb der Deutschland ebenfalls der größte Nettozahler ist, wird für dieses Jahr erneut rund 560 Mio. Euro bereitstellen. Der Präsident des UN-Welternährungsprogramms, der US-Amerikaner David Beasley, lobte zwar zunächst das deutsche Engagement, sagte aber auch: „Es kostet uns 50 Cent am Tag, einen Syrer in Syrien oder in der Region zu ernähren.“ Wenn dieser Syrer nach Deutschland flüchten und dann dort untergebracht und versorgt werden müsse, koste dies rund 50 Euro pro Tag. 

Angesichts der Tatsache, dass die US-Vertreter in Brüssel überhaupt keine relevanten
Finanzzusagen gemacht haben, ist diese Bemerkung allerdings schon eine Unverschämtheit gegenüber dem Geberland Deutschland. Nach offiziellen Angaben der EU stellt die Bundesregierung für 2017 immerhin insgesamt rund 1,7 Mrd. US-Dollar bereit und damit mehr, als mit 1,4 Mrd. Dollar bei der Geberkonferenz im letzten Jahr versprochen worden war. Seit Beginn des Konflikts hat Berlin insgesamt 4,5 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt, um die Not in Syrien und den Nachbarländern zu lindern, wo Millionen Syrer Zuflucht finden. Allein in Jordanien leben mehr als 600.000 Flüchtlinge – auch mit deutschem Geld. In Deutschland waren zum Jahresende 2017 rund 10,6 Mio. Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Ausländerzentralregister (AZR) erfasst, davon ca. 1,6 Mio. Schutzsuchende. Allein 698.950 Flüchtlinge kommen aus Syrien (Durchschnittsalter 24,2 Jahre), davon 429.000 Männer. Dazu kommen noch 104.055 Menschen, deren Herkunft ungeklärt ist. Zeit, dass auch andere sog. Geberländer geben statt nur reden.

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Die Bundeswehr ist in einem miesen Zustand: Panzer funktionieren nicht. Wegen Munitionsmangels finden keine Schießübungen statt. Für Kampfflugzeuge gibt es keine Ersatzteile. Es fehlen Scharfschützen- und Panzerabwehrwaffen. Gepanzerte Transportkraftfahrzeuge, der Transportpanzer FUCHS und das Allschutz-Transportfahrzeug DINGO müssen durch herkömmliche Fahrzeuge ersetzt werden. Selbst ausreichende Schutzwesten und lange Unterhosen sind Mangelware. So steht es im Jahresbericht 2017 des Wehrbeauftragten des Bundestages. Doch wird irgendwo in der Welt ein Panzer gebraucht, fragt man in Deutschland an. Sie gehören ebenso wie Kampfflugzeuge und schwere Transporthubschrauber zu den deutschen Exportschlagern. Fast 6 % der weltweit exportierten Waffen und Waffenbestandteile stammen aus deutscher Produktion. Nur die USA, Russland, China und Frankreich verkaufen mehr Waffen. Zeitweise baute die Bundesrepublik sogar ganze schlüsselfertige Munitionsfabriken in anderen Ländern. Die deutschen Waffenkonzerne Rheinmetall, ThyssenKrupp und Krauss-Maffei Wegmann zählen laut Friedensforschungsinstitut SIPRI zu den Rüstungsexporteuren mit den höchsten Umsätzen weltweit. Doch im Heimatland herrscht bei der „kleinsten Bundeswehr aller Zeiten“ Material- und Finanzmangel, ganze Kasernen sind nicht mehr besetzt. Sie wurde zum Stiefkind der Gesellschaft degradiert.

Wenn für einen Auslandseinsatz Material und Personal aus Hunderten von Standorten zusammengeklaubt werden und die deutsche Marine kein einziges U-Boot mehr fährt, Deutschland aber eines der größten Exportländer für modernste Waffentechnik ist, stinkt der Fisch vom Kopf.

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Das ist doch mal wieder typisch deutsch: Der Gesetzgeber erkennt nach diversen hochkarätigen Wirtschaftsskandalen die Notwendigkeit zur Einführung von Sammelklagen an, nimmt jedoch die Durchschlagskraft schon vorher wieder durch diverse Einschränkungen raus. 

Seit dem Börsengang der T-Aktie gibt es das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG). Es ermöglicht seit 2005 bei Klagen von mindestens zehn geschädigten Anlegern, dass in nur einem einzigen Gerichtsverfahren die wichtigsten Tatsachen- und Rechtsfragen geklärt werden. Das Urteil hat dann bindende Wirkung für alle weiteren Kläger. Der Haken: Jeder einzelne Betroffene muss, sofern er sich in ein vom Gericht zu erstellendes Klageverzeichnis eingetragen hat, selbst eine Klage einreichen. 

Im Laufe der Jahre und diverser weiterer massenhafter Verbraucherschädigungen erwies sich ein solches Musterverfahren als nicht ausreichend. Daher sieht der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung nun auch für Deutschland die Einführung von Sammelklagen vor. Das Gesetz soll spätestens am 01.11.2018 in Kraft treten, damit die Ansprüche geschädigter VW-Dieselbesitzer nicht verjähren. Um jedoch „amerikanischen Verhältnissen“ und einer ausufernden „Klageindustrie“ entgegenzuwirken, rudert die Regierung bereits im Vorfeld zurück und schränkt die Ausgestaltung der sog. Musterfeststellungsklage massiv ein. So dürfen laut Koalitionsvertrag nur „qualifizierte Einrichtungen“ wie z.B. Verbraucherverbände eine solche Klage einreichen. Die aber haben oft nicht die finanziellen Mittel und selbst auch keinen Schaden erlitten, sprich eine andere Intention. Wie bei einem KapMuG-Verfahren genügen zunächst zehn Geschädigte, um das Verfahren einzuleiten. In den folgenden zwei Monaten müssen sich dann mindestens 50 weitere Verbraucher der Klage anschließen, bevor es losgeht. Die Eintragung ins Klageregister ist bis zum Abschluss der mdl. Verhandlung möglich. Das Gerichtsurteil ist dann wieder für alle bindend, allerdings muss jeder Betroffene dann noch selbst in einem eigenständigen Verfahren seinen individuellen Schaden beweisen und festsetzen lassen. Das neue Gesetz erweitert somit nicht das bisherige KapMuG, sondern schränkt es ein, indem es den Kreis der Musterkläger von vornherein festlegt.

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Während sich die deutschen Einzelhändler wie alle Unternehmen derzeit mit der Umsetzung der europäischen DatenschutzGrundverordnung (DSGVO) rumschlagen, überrollt der Internetriese Amazon den Lebensmittelhandel. Auswertungen von One Click Retail zeigen, dass Amazon in Deutschland allein im ersten Quartal 2018 Lebensmittel im Wert von 65 Mio. Euro über seine Plattform verkauft hat. Das sind 33 % mehr als im Vorjahresquartal. Damit ist Deutschland gemessen am Umsatz im Lebensmittelhandel der wichtigste Markt für den Konzern in Europa. Erst danach folgt Großbritannien mit Quartalsverkäufen im Volumen von umgerechnet 52 Mio. Euro. 

„Amazon ist eine Kampfmaschine“, sagt Rewe-Chef Lionel Souque anerkennend und resigniert zugleich. Und in der Tat: Nachdem der US-Onlinehändler in Berlin, Potsdam, Hamburg und München seinen Lieferdienst „Amazon Fresh“ gestartet hat, läuft hierzulande bereits ein Viertel aller Lebensmittelverkäufe im Netz über Amazon. Allerdings wird die größte Menge davon immer noch über den Schnelllieferdienst „Amazon Prime Now“ und über Dritthändler auf dem „Amazon Marketplace“ vertrieben. Von den großen deutschen Einzelhandelsunternehmen betreibt nur Rewe einen annähernd bundesweiten Lieferdienst, der immerhin in 75 Städten zustellt. Edeka liefert über seine Tochter Bringmeister in Berlin und München aus. Aldi und Lidl meiden den Onlinehandel mit Lebensmitteln komplett. Während die deutschen Händler unter der Papierflut der DSGVO verzweifelt nach Luft schnappen, bestücken die Amerikaner die Regale.

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Feature

Am vergangenen Freitag wurde VW-Chef Müller ohne Vorwarnung kurz vor der Hauptversammlung des Konzerns fristlos gefeuert. Der 64-Jährige hatte im Herbst 2015 Martin Winterkorn abgelöst und dafür ein Jahresgehalt von zuletzt 10,27 Mio. Euro kassiert. Damit lag er auf Platz 5 der bestbezahltesten Manager in Deutschland, hinter Joe Kaeser von Siemens mit 10,84 Mio. Euro, Kurt Bock von BASF mit 10,96 Mio. Euro, Dieter Zetsche von Daimler mit 13,04 Mio. Euro und dem unangefochtenen Spitzenverdiener der DAX-Konzerne Bill McDermott von SAP mit 21,15 Mio. Euro. 

Da sich nach den Festgehältern der Manager die Abfindungen bei Kündigungen und auch die Pensionsbezüge berechnen, ist klar, dass Müller einen Batzen Geld mitnimmt, obwohl er gefeuert wird. Müller, der vorher als Porsche-Chef auch nicht schlecht verdient hatte, wird trotz fristloser Kündigung das Unternehmen als reicher Mann verlassen. Bis zum Auslaufen seines Vertrages Ende April 2020 wird er in jedem Fall sein volles Gehalt weiter beziehen. Das sind quasi 20,1 Mio. Euro Abfindung. Ab 1. März 2020 wird er dann von VW bis zu seinem Tod eine Betriebsrente bekommen. Dafür hat der Konzern in seinem aktuellen Geschäftsbericht 30,1 Mio. Euro zurückgestellt (vgl. S. 81). Zudem ist vertraglich vereinbart, dass den Vorstandsmitgliedern auch im Ruhestand die Nutzung von Dienstwagen zustehen. Das gilt auch dann, wenn der Vertrag vorzeitig beendet wird. 

Auch Martin Winterkorn, der für den Dieselskandal verantwortlich gemacht wird (s. ES 10/18), hat noch seinen Dienstwagen. Und auch ihm wurde noch zwei Jahre lang sein Grundgehalt weiter bezahlt. Hinzu kamen Bonuszahlungen und natürlich die Pension. Selbst der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der nach der Übernahmeschlacht mit VW gehen musste, verließ den Konzern mit ca. 50 Mio. Euro. 

Egal, wie groß die Schuld und wie groß der Schaden für das Unternehmen ist – am Ende verlassen alle VW-Manager den Konzern mit Taschen voller Geld.

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Es herrscht Aufruhr im Tal der Könige – der Herrscher des Silicon Valley. Doch dieses Mal sind es keine neuen Innovationen, die von dort aus die Welt verändern, sondern schlechte Nachrichten. Und sofort laufen sich die Datenschützer warm, Anwälte bringen sich in Stellung, Talkshows senden Tag und Nacht, und auch die Politik versucht sich zu profilieren. An der Börse geraten die Technologieaktien massiv unter Druck. Ist das Tal der Könige dem Untergang geweiht?

Die schlechten Nachrichten trafen das Silicon Valley fast aus heiterem Himmel. Steuervorwürfe von US-Präsident Donald Trump, Todesfälle bei selbstfahrenden Autos, Datenleck und Datenmissbrauch haben die Technologieaktien im März schlagartig von ihrem Börsenthron gestürzt. Fast synchron verloren die Aktien von Facebook, Tesla, Amazon, Apple, Netflix und Alphabet (Google) innerhalb weniger Tage mehr als 10 % an Wert. Amazons Aktionäre sind seit dem Hoch um 110 Mrd. Dollar ärmer geworden, die von Facebook um 100 Mrd. Dollar.

In jedem anderen „traditionellen“ Unternehmen hätte der Vorstand bei einem solchen Marktverlust nicht einmal mehr die Zeit gehabt, seinen Rücktritt selbst zu erklären. Nicht so bei Facebook & Co. Denn Zuckerberg besitzt 75 % der sog. Class B-Aktien am Unternehmen, die mit einem 10-fachen Stimmrecht ausgestattet sind und ihm so ca. 60 % der Gesamtstimmen verleihen. Dadurch hat er das alleinige Sagen. Ähnlich verhält es sich bei Groupon, LinkedIn und anderen Valley-Titeln. Bei der Google-Mutter Alphabet Inc. z.B. halten die beiden Gründer Page und Brin 52,9 % der Stimmrechte, die beiden Gründer von Snapchat vereinen sogar 88,6 % der Stimmrechte auf sich. Eine solche Struktur macht sie innerhalb des Unternehmens quasi unangreifbar.

Aber bisher hatte das weder Nutzer noch Anleger je gestört, ebenso wenig wie die kritischen Hinweise, wonach das soziale Netzwerk Facebook es mit dem Datenschutz nicht so genau nimmt. Als jedoch bekannt wurde, dass die britischen Wahlkampfberater Cambrigde Analytics (CA) bis zu 87 Mio. Datensätze abgegriffen haben sollen, wurde die Facebook-Aktie plötzlich kollektiv abverkauft. Facebooks Gründer und CEO, Mark Zuckerberg, wurde sogar für diesen Mittwoch (nach Redaktionsschluss) vor den Ausschuss des US-Kongresses zitiert, um Rede und Antwort zu stehen. Auch das britische Parlament verlangt eine Anhörung, da will die deutsche Bundesjustizministerin natürlich nicht nachstehen. Die Europäer werden jedoch auf Zuckerbergs Präsenz verzichten müssen, denn mit 2,7 Mio. Daten sind vergleichsweise nur wenige EU-Bürger vom Datenklau betroffen. Europa muss sich daher mit der zweiten Facebook-Reihe zufriedengeben. Was genau die Politik jedoch in diesen Anhörungen erfahren möchte, ist unklar. Denn bekannt sind die Details des Vorfalls schon lange: Im Frühjahr 2014, also knapp zwei Jahre vor dem skurril anmutenden US-Wahlkampf erhielten Tausende von Amerikanern die Einladung zu dem Online-Quiz mit dem bezeichnenden Namen „thisisyourdigitallife“. Auf Amazons Plattform Mechanical Turk, einem Online-Marktplatz für Gelegenheitsarbeiten, erhielt ein Teilnehmer bis zu zwei Dollar für seine Quiz-Antworten und den Zugriff auf seine Facebook-Daten. Ein ähnliches Spiel wurde auch über die Plattform Qualtrics verbreitet. „Wir sind an einigen demographischen Daten interessiert, wie z.B. an Ihren Likes, Ihren Freunden und ob diese sich wieder untereinander kennen sowie an ein paar Ihrer Nachrichten“, hieß es da ganz offen in den Teilnahmebedingungen. 

Schon 2014 wurde Amazon vorgeworfen, dass dieses Quiz gegen Amazons eigene Datenschutzregeln verstoße. Sammler dieser Daten war Aleksander Kogan, Psychologieprofessor der Cambridge University, der von Cambridge Analytics bezahlt wurde. Die Uni-Verwaltung kritisierte ihn 2014 auch wegen seiner Art der Nebeneinkünfte und der Tatsache, dass CA ebenfalls Zugriff auf die universitätseigenen Facebook-Daten hatte. Schließlich enthielt die Datenbank der Universität über 6 Mio. anonymisierte Facebook-Profile. Mark Zuckerberg selber wusste spätestens seit Dezember 2015 von dem CA-Projekt. In einem Schreiben versicherte CA damals, die Daten gelöscht zu haben. „Wir hätten dem nachgehen sollen. Das war unser Fehler“, sagte Facebook-Managerin Sheryl Sandberg nun in einem Interview. 

Vier Jahre und 87 Mio. Userprofile später kocht die Geschichte erneut hoch. Und sie fällt in eine Zeit, in der die Tech-Unternehmen des Silicon Valley zunehmend unter Beschuss geraten. Viel zu lange lebten die Tech-Könige vor allem von ihrer Fangemeinde, die ehrfürchtig und kritiklos alles hinnahm, was die genialen Unternehmensgründer ihnen anboten – egal zu welchem Preis. Nun scheint ein Teil der Fangemeinde aus der Trance erwacht zu sein. Über den Hashtag #DeleteFacebook z.B. werden die User nun zur Abkehr von Facebook aufgerufen. Die Politik wiederum will über steuer- und medienrechtliche Bestimmungen, die Macht der Datensammler beschneiden. Allerdings hinken Öffentlichkeit und Politik der Realität hinterher. Schon längst sind die User von Facebook, Twitter, Snapchat & Co. nicht mehr die Kunden, sondern das Produkt. Die Vermarktung ihrer Daten ist das eigentliche Geschäft. Denn Handel und Industrie sind als Werbekunden wesentlich lukrativer als der Privatnutzer, der nur zur Social Media Gemeinde dazugehören will. 

Allein im 4. Quartal 2017 wurden fast 13 Mrd. Dollar Umsatz mit ihnen gemacht. 70 Mio. Unternehmen und 6 Mio. Werbeaccounts nutzen Facebook. Der Aufruf #DeleteFacebook ist daher in seiner Wirkung eher mit einer Rückrufaktion der Industrie zu vergleichen, auch wenn einzelne Prominente medienwirksam ihre Accounts löschen. Nach einer ersten heftigen Reaktion sind die Kündigungen bei Facebook dann auch schnell wieder abgeflacht. Die Skandale bei VW und Samsung zeigen beispielhaft, dass zwar bei den aufgepumpten Werten an der Börse schnell mal die Luft abgelassen wird, ohne dass sie jedoch platzen, solange die Mega-trends laufen. Zu attraktiv sind ihre Produkte, zu stark die marktbeherrschende Stellung. 

Unbestritten war eine Korrektur im Techsektor längst überfällig. Der sog. FANG-Index (Kürzel für die vier Internetriesen Facebook, Amazon, Netflix und Google, ISIN DE000A18UAA5) war gerade in den letzten beiden Jahren ungebremst nach oben geschossen (vgl. Abb.). Mit einem Plus von 67 % war er stärker gestiegen als der Nasdaq Composite in den zwei Jahren vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Am 23. März kamen die US-Techwerte auf einen Börsenwert von 6 Bio. Dollar,  während es sämtliche Aktien der Eurozone zusammen gerade mal auf einen Marktwert von 4,9 Bio. Dollar brachten. In der Bewertung der Techaktien lag also schon lange ein erhöhtes Risiko, das der Markt nun bereinigt.

Mit weltweit 2,1 Mrd. Usern (hinzu kommen noch WhatsApp und Instagram) hat Facebook jedoch eine Jüngerschar, die so groß ist wie eine Weltreligion und damit für 36 % der Weltbevölkerung steht. Das Christentum zählt 2,3 Mrd. Gläubige, der Islam kommt auf 1,8 Mrd. Anhänger und repräsentiert 23,7 % der Weltbevölkerung. Selbst wenn also 100 Mio. Menschen Facebook abschwören würden, wäre das ein verschwindend geringer Anteil. Sie könnten den Trend nicht aufhalten, dass an die Stelle der analogen Welt mit ihren sozialen Kontakten immer wieder neue Verbünde in einer digitalen Welt entstehen. Eine Studie der Heidelberger Gesellschaft für Innovative Marktforschung belegt, dass sich die Menschen bis 2030 noch viel mehr mit Dingen umgeben werden, die untereinander vernetzt sind und sehr viel über sie wissen. 

Eine Welt ohne Internet, Digitalisierung  und ohne Social Media wird es nicht mehr geben. Algorithmisierung, virtualisierte Realität, künstliche Intelligenz und Elek-tromobilität werden weiterhin die Megatrends der Zukunft sein. Die Tech-Könige werden daher nicht untergehen, aber ihre Bewertung wird sich zunehmend den Unternehmensgewinnen anpassen.  

 

 

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In einem Erfolgsrezept für die Aktienauswahl darf eine kontinuierliche Dividendenzahlung nicht fehlen. Diese wichtige Zutat findet man nicht nur bei Unternehmen aus den großen Indizes, auch viele Nebenwerte weisen sie aus.

Bereits in den vergangenen Jahren meldeten die deutschen Unternehmen sprudelnde Ausschüttungen, und auch in diesem Jahr sieht es mit einer anvisierten Ausschüttungssumme von knapp über 50 (47) Mrd. € wieder nach einem neuen Rekordwert aus. 

Im internationalen Vergleich sind die hiesigen Konzerne finanziell besonders gut aufgestellt und können somit auch überdurchschnittlich ausschenken. Im Schnitt dürften rd. 42 % der 2017er Gewinne als Dividende an die Aktionäre gehen. Positiv zu beobachten ist, dass die Unternehmen ihre Profitabilität in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich gesteigert haben und gleichzeitig noch nachhaltig ins Geschäft investiert  wurde. Die Ausschüttungen wurden in der Regel operativ erwirtschaftet und sind somit solide finanziert. 

Gerade im Niedrigzinsumfeld sind ausschüttungsstarke Titel das Salz in der Suppe. Allerdings besteht die Gefahr, wenn man sich blind auf die Dividendenrendite verlässt, auch einmal an ein paar faule Eier zu geraten. Schließlich kann eine Dividende auch aus der Substanz gezahlt werden oder auf einem Sondereffekt beruhen. 

Genauer anschauen sollte man sich hingegen Werte für die, die Dividendenpolitik ein aktiver Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie ist. Konzerne, die eine kontinuierliche und weiter steigende Dividende zahlen wollen, müssen mit ihren finanziellen Mitteln umsichtig haushalten und diese effizient verwenden. Eine ordentliche Bilanzrelation, mit einem hohen Eigenkapitalbestand und stabilen Cashflows, stehen meistens mit auf der Zutatenliste. Im Gegensatz dazu haben z.B. Aktienrückkäufe keine vergleichbare Auswirkung. Für dividendenstarke Titel spricht, dass sie außerdem deutlich weniger schwankungsanfällig sind.

Zu den Dividenden-Leckerbissen im Nebenwerte-Bereich zählt Frosta. Der Trend zu tiefgefrorenen Fertiggerichten spielte den Bremerhavenern 2017 einmal mehr auf die Teller. Bei einer Umsatzsteigerung von 7,5 % auf 501 Mio. € stieg der Überschuss um 8,3 % auf 23,4 Mio. €. Das Unternehmen punktet mit seiner Strategie, ohne Zusatzstoffe auszukommen. Einen Anteil am Konzernwachstum hatte auch der Zukauf der italienischen Tiefkühlmarke „La Velle degli Orti“. Die Aktionäre können sich auf eine erneute Dividendenerhöhung auf 1,60 (1,50) € freuen (HV 22. Juni). 

Trotz schwieriger Zeiten in der Modebranche ist Ludwig Beck ein beständiger Dividendenzahler. So schlägt der Münchener Modekonzern seiner Hauptversammlung am 15. Mai eine konstante Dividende von 0,65 € vor, nachdem der Konzerngewinn in 2017 um 13 % auf 3,3 Mio. € zulegte. Für den Umsatzrückgang auf 173 (169) Mio. € waren das Stammhaus, als auch der Herrenausstatter Wormland, verantwortlich. Dank der strikten Kostenpolitik konnte das Ebit jedoch mit 6,5 (6,3) Mio. € die Prognose von 4–6 Mio. € übertreffen. Bereinigt um eine Impairment-Abschreibung für die Wormland-Filiale in Nürnberg (0,4 Mio. €) wäre das Ergebniswachstum sogar deutlich höher (+9,5%) ausgefallen.

Auch Amadeus Fire überzeugt seit Jahren mit einer deftigen Ausschüttung. Bei einem Anstieg der Erlöse um 6,5 % auf 184,5 Mio. € verbesserte sich der Nettogewinn für das Geschäftsjahr 2017 um 7,6 % auf 20,6 Mio. €. Dies entspricht einem Ergebnis je Aktie von 3,96 €, welches wie üblich bei Amadeus Fire direkt als Dividende ausgeschüttet wird. Auch für 2018 ist der Finanz- und IT-Konzern positiv gestimmt und erwartet eine weiter steigende Nachfrage nach Zeitarbeitskräften. Mit 250 Arbeitstagen steht die gleiche Zahl fakturierbarer Tage wie im Vorjahr zur Verfügung.

Noratis befindet sich mit seinem Geschäftsmodell Immobilienbestandshaltung und -entwicklung erst seit letztem Sommer am Aktienmarkt. In 2017 konnten strategiekonform mehrere Immobilienbestände eingekauft, als auch nach abgeschlossener Bestandsentwicklung erfolgreiche Verkäufe getätigt werden. Der Immobilienbestand erhöhte sich auf 1.194 (1.008) Wohneinheiten. Bei Umsätzen von 68 (44,6) Mio. € verbesserte sich das Ebit unter Berücksichtigung der IPO-Kosten um rd. 54 % auf 15,2 Mio. €. Der Jahresüberschuss kam auf 8,7 (4,2) Mio. € voran. „Wir wollen weiter wachsen und uns als attraktiver Dividendentitel bei gleichzeitig überschaubaren Risiken positionieren“, sagte Finanzvorstand André Speth bereits zum Börsenstart. Den Aktionären wird für 2017 die Dividende von 1,50  € munden (HV 3. Mai). 

Dividenden sind ganz klar das Salz in der Aktiensuppe. Aufgrund der guten Konjunkturlage sind auch für das aktuelle Geschäftsjahr weiter steigende Ausschüttungen zu erwarten. Die nebenstehende Tabelle regt den Aktionärsappetit für den Small-Cap-Bereich weiter an.  

 

 

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Seit der weltweiten Finanzkrise sind die deutschen Steuerzahler, Sparer und Aktionäre leidgeprüft. Sie zahlen für die Fehler der Politik und haften für das Versagen der Banken. Nun aber werden sie auch noch für Verluste aus der amerikanischen Steuerreform zur Kasse gebeten, damit Bankmitarbeiter nicht auf ihre Boni verzichten müssen. 

Die Aktie der Deutschen Bank notiert knapp unter 13 Euro und damit auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Nicht einmal inmitten der Finanzkrise von 2008 ging es dem Papier so schlecht. In Spitzenzeiten erreichte sie sogar mal mehr als 115 (!) Euro. Bei der „Deutschen Sauber-Bank“ (s. ES Nr. 19/2011) sind viele Probleme hausgemacht, hat sie doch in der Vergangenheit scheinbar bei jeder Schweinerei im Finanzsektor mitgemischt. Die Liste der Ermittlungsverfahren ist bis heute die größte Erfolgsbilanz des Instituts. Mehr als 7.800 Rechtsstreitigkeiten kosteten die Bank bisher geschätzte 15 Mrd. Euro. Skandale, Sparrunden, Filialschließungen, eine marode IT und etliche Strategiewechsel haben die Mitarbeiter mürbe gemacht, das Institut ist ausgelaugt. Ob im Privat- und Firmenkundengeschäft oder bei der einstigen Umsatzperle Investmentbanking – in keiner Sparte läuft es rund. Während andere Geldinstitute wieder schwarze Zahlen schreiben, ist die Deutsche Bank noch immer im Krisenmodus. Die Bewertung durch die Ratingagentur Moody’s für vorrangige, unbesicherte Verbindlichkeiten liegt mit „Baa2“ nur noch zwei Stufen über Ramsch-Niveau. 2015 hatte die Bank mit 6,8 Mrd. Euro Verlust das höchste Minus in ihrer 150-jährigen Geschichte ausweisen müssen. 2016 lag der Verlust noch bei 1,4 Mrd. Euro, und auch in 2017 gibt es wieder rote Zahlen. Die Erträge brachen 2017 nochmals um 12 % ein. Vor allem der frühere Vorzeigebereich, das Investmentbanking, hat sich bis heute nicht erholt. Im Gegenteil, hier lief es besonders schlecht. Vor Steuern erzielte die Bank zwar einen Gewinn von 1,2 Mrd. Euro, doch Sondereffekte durch die US-Steuerreform drücken die Bank erneut mit 735 Mio. Euro nach Steuern in die Verlustzone. 

Vorstandschef Cryan hatte bei seinem Amtsantritt versprochen, die um Abfindungen, Restrukturierungen, Rechtsrisiken und Abschreibungen bereinigten Kosten bis Ende 2018 auf 22 Mrd. Euro zu drücken. Dieses Ziel hat er nun kassiert: Die Bank plant fortan mit Kosten in Höhe von 23 Mrd. Euro. Der Druck auf Cryan wird damit immer größer. Der Brite war als harter, schonungsloser Sanierer angetreten, der nach seinem Amtsantritt im Sommer 2015 die Bank radikal ausmisten wollte. Die Bank sollte entschlackt und die Bilanz um Vermögenswerte bereinigt werden, die es in Wirklichkeit nicht einmal mehr als Hoffnungswerte gab. Im Zuge dessen wurde den Aktionären die Dividende für zwei Jahre gestrichen und den gehätschelten Investmentbankern die Boni gekürzt. Doch die wollen sich das nicht gefallen lassen. Während von Arbeitnehmern in anderen Branchen verlangt wird, für ihr Gehalt eine gute Arbeit abzuliefern, sehen Investmentbanker scheinbar ihr Salär als reine Anwesenheitsbelohnung. Ohne Bonus machen sie keinen Finger krumm. Bei schlechten Arbeitsergebnissen haften schließlich die Aktionäre oder im schlimmsten Fall die Steuerzahler. Wird der Bonus gekürzt oder fällt er sogar ganz aus, ziehen die Finanzsöldner einfach zum nächsten Dienstherren weiter. 

Um eine Kündigungswelle zu vermeiden, zahlt die Deutsche Bank ihren Mitarbeitern für 2017 mehr 2,275 Mrd. Euro Boni – und das trotz des dritten Jahresverlusts in Folge. Im vergangenen Jahr waren es noch 546 Mio. Euro. Mehr als die Hälfte der diesjährigen Sonderzahlungen, nämlich rund 1,4 Mrd. Euro, streichen die Investmentbanker ein. „Wir hatten unseren Mitarbeitern versichert, dass wir zum regulären Vergütungssystem zurückkehren wollen. Es wäre nicht angemessen, den Mitarbeitern jetzt zu sagen, das wird nun nichts, weil kurz vor Weihnachten in den Vereinigten Staaten eine Steuerreform verkündet wurde. Es handelt sich ja um einen negativen buchhalterischen Einmaleffekt, in dessen Folge wir nun höhere Gewinne erzielen“, erklärte Personalvorstand Karl von Rohr. Er wisse zwar nicht, woher das Geld kommen solle, gibt Cryan im Gespräch mit der „Zeit Online“ zu, denn die Dividende für die Aktionäre erneut zusammenzustreichen, hat man sich wohl nicht getraut. Daher sollen die ursprünglich geplanten 0,11 Euro auch tatsächlich ausgeschüttet werden. Dafür verzichtet der Vorstand nun „freiwillig“ auf seine Boni. Obwohl die Bank im vergangenen Jahr viele Erfolge erzielt habe, fühle sich der Vorstand dafür verantwortlich, nicht alle Ziele erreicht zu haben – insbesondere kein positives Gesamtergebnis. 

Das muss allerdings Niemanden zu Tränen rühren, denn das Fixgehalt von Vorstandschef Cryan liegt immer noch bei 3,4 Mio. Euro, die der anderen Vorstandsmitglieder zwischen 3,0 Mio. und 2,4 Mio. Euro im Jahr. Darüber hinaus hat der Aufsichtsrat in 2017 beschlossen, eine optionale Funktionszulage einzuführen. Diese kann maximal 100 % des festen Grundgehalts betragen. So wurden für das Geschäftsjahr 2017 allein an festen Vergütungen für den Vorstand (also ohne Nebenleistungen und Versorgungsaufwand) insgesamt 29,2 Mio. gegenüber 25,9 Mio. Euro in 2016 gezahlt (vgl. Abb.). Dazu kommen dann noch die zweistelligen Millionenbeträge für Leistungen der Altersversorgung. Lt. Geschäftsbericht zählten 2017 insgesamt 705 Mitarbeiter der Deutschen Bank zu den Einkommensmillionären (vgl. Abb.). Im Vergleich zu 2016 (316) hat sich die Zahl damit mehr als verdoppelt. 

Dagegen sollen in den kommenden vier Jahren durch die Integration der Postbank wohl jeweils 1.500 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Im Privat- und Firmenkundengeschäft beider Häuser mit derzeit rund 30.000 Beschäftigten wird somit jede fünfte Stelle wegfallen, auch wenn betriebsbedingte Kündigungen bis Mitte 2021 ausgeschlossen sind.  Auch die Aktionäre haben einen deutlich höheren Beitrag geleistet als die Banker selbst. Mit sechs Kapitalerhöhungen in neun Jahren ist ihr Vermögenseinsatz so verwässert worden, dass es schon fast einer Enteignung gleichkommt. 

Es ist wie beim VW-Skandal: Die Vorstände fahren den Konzern mit Karacho vor die Wand und kassieren dafür noch kräftig ab. 

 

 

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Rechtsstreit der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank

In dem Rechtsstreit der Effecten-Spiegel AG ./. Deutsche Bank hat es noch einmal eine positive Wendung gegeben. Der Ablehnungsantrag der Effecten-Spiegel AG gegen den kurzfristig neu besetzten 13. Zivilsenat wegen Befangenheit (vgl. ES 48/17 u. 50/17) wurde zwar abgelehnt, dafür aber kündigte das Oberlandesgericht Köln an, die mündliche Verhandlung wiederzueröffnen. 

Der auf den 07. Februar 2018 festgesetzte Verkündungstermin wurde daher aufgehoben. Die mündlichen Verhandlung soll am Freitag, den 29. Juni 2018, fortgesetzt werden. Dann könnte es noch einmal zu weiteren Zeugenvernehmungen kommen. Die Effecten-Spiegel AG hatte u.a. gefordert, auch den ehemaligen Finanzvorstand der Deutschen Bank, Stefan Krause, als Zeugen zu vernehmen.

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