INDUS Holding AG

Die INDUS Holding AG hat heute ihre am 8. August 2019 veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2019 nach unten angepasst. Weitere Belastungen im Segment Fahrzeugtechnik machten diesen Schritt erforderlich. So sinken die Umsätze im Segment Fahrzeugtechnik seit August um rund 20 Prozent. Zudem wird sich der erforderliche Restrukturierungsaufwand in diesem Segment bis zum Jahresende deutlich erhöhen. Im Bereich der Klimatechnik für Busse kam es zu einer Insolvenz eines nordirischen Kunden und zum Marktaustritt eines türkischen Kunden, was weitere Sonderbelastungen mit sich bringt. Unter der Annahme, dass sich der Umsatztrend im Bereich Fahrzeugtechnik bis zum Jahresende fortsetzt, rechnet das Management im Gesamtjahr nun mit einem EBIT zwischen 129 und 135 Mio. Euro. Zuvor lag die Schätzung im Bereich von 152 bis 158 Mio. Euro. Dabei ist der bereits vereinnahmte Ertrag aus dem Verkauf einer Minderheitsbeteiligung in Höhe von 16,5 Mio. Euro schon berücksichtigt.(ES - 14.10.2019 - 12:00 Uhr)

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Biofrontera AG

Nach vorläufigen Zahlen erzielte die Biofrontera AG in den ersten 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres ein anhaltendes Umsatzwachstum. So legten die Erlöse seit Jahresbeginn um rund 30 Prozent auf 18,9 bis 19,2 Mio. Euro zu. Der vorläufige Umsatz mit Ameluz in den USA erhöhte sich um etwa 25 Prozent auf 12,8 bis 13,0 Mio. Euro. Mit Produktverkäufen von Xepi und AKTIPAK seit Übernahme von Cutanea Life Sciences Ende März 2019 ungefähr 0,7 Mio. Euro Umsätze erzielt werden. In Deutschland stiegen die Umsatzerlöse um rund 60 Prozent auf 3,1 bis 3,3 Mio. Euro, während im restlichen Europa Erlöse von 1,7 bis 1,9 Mio. Euro anfielen, was einen Rückgang von etwa 15 Prozent bedeutete. Das Wachstum in Deutschland gestaltete sich weiterhin dynamisch, während der Umsatz in den USA im dritten Quartal um rund 15 Prozent sank. Dies war jedoch auf hohe Verkäufe im September 2018 im Vorfeld einer Preiserhöhung zurückzuführen.(ES - 10.10.2019 - 16:00 Uhr)

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ES-Aktienfavoriten

Ausgabe 41 | 09.10.2019

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Täglicher Börsenbericht

US-Berichtssaison startet

Frische Impulse für den DAX

Der DAX hat heute die Chance den höchsten Stand seit Ende Juli zu erreichen. Denn heute Vormittag könnten die ZEW-Konjunkturerwartungen für neue Impulse sorgen. Zudem läuten die US-Banken die Berichtssaison ein. Allerdings ist die Lage bei den Verhandlungen zur Beilegung des Zollstreits zwischen den USA und China noch immer nicht ganz klar. Der Deal, den US-Präsident Donald Trump mit Chinas Präsident Xi Jinping unterzeichnen will, beinhaltet keine Aufhebung der bisherigen Strafzölle.

Eine starke Nachfrage nach Kochboxen lässt HelloFresh die Umsatzprognose für das Gesamtjahr nach oben schrauben. Die Erlöse sollen währungsbereinigt zwischen 31–33 % steigen. Bislang war man von einem Plus zwischen 28–30 % ausgegangen.

Weniger positiv sieht es bei Klöckner & Co aus. Der Stahlhändler hat seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr erneut nach unten korrigiert. Grund sei vor allem, dass man nicht mehr von einer Erholung der Stahlpreise in den USA ausgehen könne.

Nach einem neuen Artikel der Financial Times über Wirecard brach die Aktie des Zahlungsdienstleisters nach Handelsstart um über 20 % ein. Der Handel wurde ausgesetzt. Die FI berichtete, interne Wirecard-Dokumente deuteten auf überhöhte Umsätze in Irland und Dubai hin.

Laut einem Medienbericht vertagt VW eine Entscheidung bezüglich eines neuen Werks in der Türkei. Hintergrund sei der Einmarsch türkischer Truppen im Nordosten Syriens.

Die Dt. Bank hat nach einem Insider zufolge verdächtige Geldwäsche-Transaktionen im Zusammenhang mit der Danske-Bank jahrelang nicht offengelegt. Das Geldaus wollte bislang keine Stellung zu den neuen Vorwürfen nehmen.

Ein negativer Analystenkommentar sorgt bei der Commerzbank für wenig gute Stimmung.

Die Auftragsbücher des Windkraftanlagenbauers Nordex sind prall gefüllt. Im Q3 bestellten Kunden 436 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.700 MW.

Der US-Motorrad-Hersteller Harley-Davidson stoppt die Produktion und Auslieferung seiner neuen Elektro-Motorräder, nachdem bei der Qualitätsüberprüfung ein Fehler festgestellt worden sei. Mit knapp 30.000 $ kostet ein "LiveWire"-Motorrad fast so viel wie ein Tesla.

Voraussichtlich werden die Boeing 737 MAX noch bis Februar nicht wieder in die Lüfte steigen. 

 

 

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Auslandsfavoriten

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Thema der Woche

Ausgabe 41 | 09.10.2019

Geschmacksverstärker

Die Macht der Duft- und Aromenproduzenten

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Randnotizen


Mehr als 15 Jahre schon beschäftigt sich die erst 1995 gegründete Welthandelsorganisation (World Trade Organization: WTO) mit dem Streit zwischen den USA und der EU. Es geht um Subventionsgelder der EU für Airbus. Dabei stammt der ursprüngliche Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich über den gemeinsamen Bau eines Flugzeugs (A300B) schon aus dem Jahr 1969. Später traten Spanien und Großbritannien dieser Kooperation bei. Diese entsprach der „Vision, ein europäisches Schwergewicht im Flugzeugbau zu haben, ein globales Schwergewicht aus Europa“, so Angela Merkel in ihrer Rede am 21. August 2019 am Flughafen Leipzig/Halle.
Dennoch stammten bis Ende des letzten Jahrtausends acht von zehn Maschinen auf den Flughäfen weltweit vom amerikanischen Hersteller Boeing. Rund um den Globus war das Großraumflugzeug 747 völlig konkurrenzlos unterwegs und flog den Amerikanern riesige Gewinne ein. Mit jedem verkauften Jumbo-Jet machte Boeing damals so viel Profit, wie heute ein Airbus-Flieger kostet. Durch Anschubfinanzierungen der EU für den deutsch-französischen Hersteller Airbus sollte dieses Missverhältnis endgültig aufgehoben werden. Daher finanzieren seitdem Deutschland, Frankreich und Spanien den Großteil der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung bei jedem neuen Airbus-Programm vor. Sobald die Flieger dann ausgeliefert werden, zahlt der Flugzeugbauer die Gelder zurück (vgl. ES 10/19). Die Marktanteile sind inzwischen ausgeglichen. Mal hat Airbus mehr Bestellungen eingefahren, mal liegt Boeing bei den Auslieferungen vorn. Auch die USA unterstützen ihre Fluggesellschaft. Während die Europäer Airbus mit Krediten unter die Arme greifen, gewähren die USA dem Konkurrenten Boeing Zuschüsse. Trotzdem spricht Amerika von verbotenen Subventionen für Airbus und klagt seit gut 15 Jahren bei der Welthandelsorganisation WTO gegen diese Unterstützung.
Die Feinheiten des Subventionsstreits erschließen sich vermutlich nur den Anwälten der beiden Seiten, ebenso wie die Urteile der WTO. Wie die US-amerikanische Zeitung „Politico“ am vergangenen Wochenende berichtete, hat die WTO nun entschieden, dass die USA Strafzölle in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar gegen die EU verhängen dürfen, weil die Europäer die Airbus-Programme A380 und A350 mit unzulässigen Beihilfen gefördert hätten. Zwar sei die Entscheidung noch vertraulich, es kursieren jedoch schon Summen über Strafzölle von 5 bis 10 Mrd. Dollar. Schon zuvor hatte die Welthandelsorganisation durchblicken lassen, dass sie der Ansicht ist, dass der Erfolg von Airbus u.a. auch auf illegalen Subventionen, etwa für günstige Staatskredite für Landebahnen an den Werken oder die Erschließung von Grundstücken, beruht.
Doch während der Anhörung waren es ausgerechnet Vertreter von Boeing, die zur Mäßigung bei der Festlegung der Strafe aufriefen. US-Strafzölle sollten sich auf das notwendige Minimum beschränken und auf keinen Fall mehr als fertige Flugzeuge sowie Flügel und Rümpfe betreffen, die direkt aus Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien importiert werden. Zölle auf andere Flugzeugteile würden die gesamte amerikanische Lieferkette treffen und damit der US-Industrie selbst schaden, warnten Boeing-Vertreter. Dies wundert nicht, wenn man bedenkt, dass in dem Klageverfahren, das die EU ihrerseits gegen die USA führt, die WTO ebenfalls festgestellt hat, dass auch die US-Steuerförderung für Boeing rechtswidrig ist. Und hier geht es nicht nur um einzelne Modelle, sondern um die gesamte Flugzeug-Palette, die von den Steuersubventionen profitiert. Nach aktuellem Stand des Verfahrens geht es nur noch um die Festlegung der Strafzollhöhe, die nun die EU erheben darf. Experten schätzen, dass diese wesentlich höher ausfallen könnten als das, was die USA gegen die EU verhängen darf.
Gerade beim Zollstreit am Himmel zeigt sich, wie widersinnig ein Handelskrieg in unserer globalen Welt ist. Niemand kann gewinnen, es wird auf jeder Seite nur eine Menge Verlierer geben.

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Der ES hatte in Ausgabe 37/19 seine Leser aufgerufen, die DSW-Petition gegen die steuerpolitischen Pläne von Olaf Scholz zu unterstützen: www.dsw-info.de/steuerirrsinn/. Am 17.09. hatten 13.471 Menschen diese unterschrieben. Doch auch innerhalb der politischen Fraktionen gibt es Widerstand. So hatte die FDP mit Drucksache 19/11231 den Antrag beim Deutschen Bundestag eingereicht, „von der Einführung einer Finanztransaktionssteuer Abstand zu nehmen, da das gesetzte Ziel, negative Auswirkungen auf Kleinanleger, Realwirtschaft und Altersvorsorge zu vermeiden, nicht erreicht werden kann.“ In der Begründung heißt es: „Der Vorschlag von Deutschland und Frankreich belegt, dass das Großprojekt Finanztransaktionssteuer in vielfacher Weise gescheitert ist. Mit der Beschränkung auf eine reine Aktiensteuer ist das sowieso fragwürdige Ziel, den Finanzsektor an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen, nicht nur ad acta gelegt. Schlimmer noch, belastet werden genau diejenigen, die versuchen, durch Sparen für das Alter vorzusorgen und die heute schon durch die Finanzkrise und den Niedrigzinsen leiden.“ Somit bleibe die Finanztransaktionssteuer ökonomisch ein verfehlter Ansatz. Professionelle Händler dagegen könnten die Steuer leicht durch alternative Finanzinstrumente umgehen.
Diesen Antrag hat der Bundestag am 12.09.2019 abgelehnt – und zwar ohne vorherige abschließende Beratung und mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD, Linksfraktion und Bündnis 90/Die Grünen!
ES-Leser Bernd Günther, Börsenratsmitglied der Hanseatischen Wertpapierbörse, meint dazu: „Schluss mit der Steuerschröpfung der Aktionäre! Bundesfinanzminister Scholz sollte nicht zum Enteignungsminister für Aktiensparer werden! Für die Zukunft der deutschen Ökonomie wäre es gut, wenn durch Aktiensparen mehr investiert werden könnte, mehr Produktivkapital in deutschen Händen wäre und die Altersversorgungslücke durch Steuerfreibeträge für Aktiensparer reduziert würde. Früher gab es nur für die Zeitdauer von sechs Monaten eine Spekulationssteuer. Daher darf es keine, die Kleinsparer bestrafende Transaktionssteuer geben! Nur mit Ihrer Unterschrift und mit der Wahlstimme kann der Steuerirrsinn gestoppt werden!“

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Wenn US-Unternehmen die Pleite droht, können sie einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 (Kapitel 11) stellen. Damit wird dem Schuldner ein zeitlich befristeter Schutz vor seinen Gläubigern gewährt, um sich zu reorganisieren. Im Klartext bedeutet dies, dass die Gläubiger auf ihren Forderungen sitzenbleiben und sie meist abschreiben können. Das trifft vor allem auf Aktienbesitzer zu. Die Firma selbst kann aber ihre Geschäfte fortführen. Gibt es ein anständiges Sanierungskonzept, dürfen sogar wieder neue Schulden aufgenommen werden. Bei einem erneuten Pleitefall wären die neuen Gläubiger dann vorrangig zu bedienen.
Während bei börsennotierten Unternehmen die alten Aktien im Insolvenzfall wertlos werden, kann die Firma nach der Sanierung durchaus an den Markt zurückkehren und neue Aktien ausgeben. Die alten Anleihebesitzer oder Gläubiger können die neuen Aktien des reorganisierten Unternehmens dann als Entschädigung für ihre Forderungen erhalten. Die Altaktionäre werden dabei allerdings zuletzt bedient. In der Praxis bedeutet dies, dass sie meist leer ausgehen und einen Totalverlust hinnehmen müssen. Ein geradezu historisches Beispiel war der Konkurs des US-Telekommunikationskonzerns Worldcom aus Virginia, der am 21. Juli 2002 Zahlungsunfähigkeit anmeldete. Das Unternehmen hatte 30 Mrd. Dollar Schulden angehäuft und durch Falschbuchungen 3,8 Mrd. Dollar Gewinne ausgewiesen, die es nie gab. Worldcom stellte daraufhin vor einem New Yorker Gericht Insolvenzantrag nach Chapter 11 und bekam die Schonfrist gewährt, obwohl das Management betrogen hatte. Um einen Neuanfang zu ermöglichen, wurde der Name in MCI geändert. Nach Beendigung des Insolvenzverfahrens 2004 hatte die Firma noch 6 Mrd. Dollar in bar und fast ebenso viele Schulden. Die Aktien waren wertlos, ihre Besitzer hatten alles verloren. Inzwischen hat Verizon die Firma aufgekauft.
Die bislang größte Pleite legte General Motors mit einem Vermögen von 82,3 Mrd. Dollar und 200.000 Beschäftigten hin. Die Regierung setzte eine nur sechswöchige Blitzinsolvenz durch, nach deren Ende sie selbst die Mehrheit der Aktien von „New GM“ übernahm. Auch zahlreiche große und heute erfolgreiche US-Fluggesellschaften durchlebten im Laufe ihrer Geschichte schon mal eine Insolvenz mit Gläubigerschutz, wie z.B. United Airlines und Delta Airlines. Der Ölkonzern Texaco, der Nähmaschinenhersteller Singer und selbst Chrysler wurden nach einer Verfahrensdauer von nur wenigen Wochen wieder saniert. Ein maroder Stahlkonzern machte gleich zwei Chapter-11-Phasen durch und kaufte anschließend einen seiner einst mächtigsten Konkurrenten. Das kanadische Unternehmen Nortel Networks meldete im Januar 2009 Chapter 11 an, da es Kreditlinien nicht mehr bedienen konnte. Während der Betrieb bis heute aufrecht erhalten wird, sind die Aktien längst wertlos geworden, obwohl sie auch bei vielen deutschen Aktionären noch im Depot geführt werden.
In europäischen Ländern wie Frankreich und Deutschland haben die Regierungen zwar ihr Insolvenzrecht dem amerikanischen Vorbild angenähert und den Sanierungsbemühungen ein stärkeres Gewicht eingeräumt, aber die Gläubiger können nicht so einfach abserviert werden wie in den USA. Daher melden in Deutschland die Unternehmen meist erst später Insolvenz an, oft sogar erst, wenn es zu spät ist und eine Restrukturierung nicht mehr greift. Dann sind die Aktien allerdings auch futsch. Es lässt sich daher streiten, welches Konzept das bessere ist. Wenn Unternehmen durch Missmanagement oder gar durch Betrug und Bilanzfälschungen in die Pleite schlittern, dann ist der Schutz durch Chapter 11 durchaus fragwürdig. Denn während die Gläubiger unverschuldet auf der Strecke bleiben, wird die Gesellschaft durch staatlich gestützte Sanierungen erhalten und bekommt sogar Wettbewerbsvorteile. Die Schuldner müssen ihre Gläubiger nicht mehr fürchten, können ihre Preise senken und der Konkurrenz Kunden abjagen und sich neu aufstellen, ja sogar wieder an die Börse gehen.

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Nach Ansicht der Bundesregierung wird die geplante Einführung einer Finanztransaktionssteuer keine negativen Effekte haben. Ein Rückgang der Aktienquote im Anlageverhalten der Sparer sei ebenfalls nicht zu befürchten. Die in Frankreich bestehende Finanztransaktionssteuer, die vornehmlich auf eine Besteuerung von Transaktionen mit im Inland emittierten Aktien abzielt, soll dabei grundsätzlich als Vorbild dienen. Und auch die in Italien eingeführte Steuer auf Aktientransaktionen habe sich bewährt, erklärt die Bundesregierung.
Damit ist nun eindeutig klar, dass die Finanztransaktionssteuer eine reine Aktiensteuer wird, was wohl dem Grundverständnis des Sparbuchliebhabers Olaf Scholz entspricht (vgl. Randnotizen 36/19). Schlimm genug, dass er als Bundesfinanzminister nicht weiß, wie er sein eigenes Vermögen sinnvoll anlegen soll, schlägt er nun auch noch den Bürgern ein wichtiges Standbein ihrer Altersvorsorge weg. Er selbst braucht sich darum ja auch keine Gedanken zu machen. Als Minister hat er bereits nach vier Dienstjahren Anspruch auf eine monatliche Pension von 4.500 Euro, die sich jedes weitere Jahr im Bundestag um 230 Euro erhöht – finanziert vom Steuerzahler!
Die neue Steuer soll das Finanzsystem stabilisieren, bewirkt aber das Gegenteil. Zocker, die mit Derivaten handeln oder mit dem Hochfrequenzhandel in Sekundenbruchteilen Kursabstürze verursachen, werden belohnt und langfristige Aktienanleger bestraft. „Mit der gleichen kontraproduktiven Logik könnte man auch eine Biosteuer auf nachhaltige und gesunde Produkte einführen“, heißt es im Kapitalmarktbericht 2019 von Flossbach und Storch. Nur würde eine Biosteuer jedem Laien einleuchten und die Bürger auf die Straße treiben. Dass aber eine Aktiensteuer ihren Wohlstand bedroht und immer mehr Menschen in die Altersarmut treibt, bleibt fast unbemerkt. Daher sollte sich jeder Anleger der DSW-Petition gegen diesen „Steuerirrsinn“ anschließen – entweder online oder durch das Herunterladen eines Musterbriefes an den Bundesfinanzminster Olaf Scholz persönlich:
https://www.dsw-info.de/steuerirrsinn/

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Feature

In der Welt von gestern kaufte man Bundesanleihen, kassierte regelmäßig Zinsen und bekam zur Fälligkeit sein eingezahltes Geld zurück. In der Welt von heute funktioniert das nicht mehr.  Sämtliche Staatsanleihen weisen eine negative Rendite auf. Wer langfristig kein Geld verlieren und einen Wertzuwachs erzielen will, muss heute Aktien kaufen.

Beim Tag der Offenen Tür der Bundesregierung wurde Bundesfinanzminister Olaf Scholz von einem jungen Besucher gefragt, wie er denn in Zeiten niedriger Zinsen sein Geld am besten anlegen solle. Der junge Mann erhielt zur Antwort: „Also nicht so wie ich. Ich packe es nämlich nur aufs Sparbuch.“ Diese Auskunft gleicht einem Offenbarungseid und zeigt, was in Deutschland wirklich schiefläuft. Der oberste Kassenwart des Landes, der das Vermögen einer ganzen Nation verwaltet, weiß nicht, wie man bei Negativzinsen sein Kapital werterhaltend, geschweige denn wertsteigernd anlegt. Als Sparschwein-Liebhaber war Olaf Scholz vor gut einem Jahr sogar noch davon überzeugt, dass die Niedrigzinspolitik bald ihrem Ende zugehen werde. In einem internen Schreiben von März 2018 hieß es, die Bundesregierung stelle sich in der „Finanzplanung bis zum Jahr 2022 auf eine notwendige Normalisierung des Kapitalmarktumfelds ein“. Unter Fachleuten gilt ein Zinsniveau zwischen 3 und 4 % als normal. Was für eine Fehleinschätzung!

Tatsache ist: Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihren Leitzins seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 %. Der Einlagensatz ist sogar negativ. Deshalb erheben inzwischen viele Geldinstitute für Sparguthaben sogar einen Strafzins. In seiner Rede auf dem EZB-Forum am 18. Juni im portugiesischen Sintra machte Mario Draghi noch einmal klar, dass ein Ende der lockeren Geldpolitik auch jetzt noch lange nicht in Sicht ist. Im Gegenteil, die EZB werde notfalls einen „zusätzlichen Stimulus“ aus dem Werkzeugkoffer holen, um das Wirtschaftswachstum zu stützen und sich dem Inflationsziel von 2 % anzunähern. Tatsächlich aber liegt die Teuerung seit 2013 Jahr für Jahr weit unter dieser Schwelle. Damit könnten also die Zinsen noch weiter in den negativen Bereich abgesenkt und neue Anleihenkäufe gestartet werden. Noch bemerkenswerter aber ist, dass der scheidende EZB-Präsident Draghi immer mehr ein „symmetrisches“ Inflationsziel favorisiert. Dies bedeutet, dass die Teuerung nach Jahren unter 2 % in Zukunft auch eine längere Zeit darüber liegen könnte, da sie ja zunächst einmal einiges aufzuholen hat. Damit wird faktisch mit jedem weiteren Schwächejahr auch eine höhere Inflation in der Folgezeit toleriert. Erst dann würde das Inflationsziel als erreicht gelten und die Zunahme des Preiswachstums als nachhaltig genug. Im Klartext: In den vergangenen zehn Jahren lag die Konsumentenpreisinflation bei durchschnittlichen 1,34 % und damit 0,66 Prozentpunkte unter dem Inflationsziel von 2 %. Bei symmetrischer Betrachtung hätte man also aus den letzten zehn Jahren ingesamt 6,6 % für das Erreichen des ursprünglichen Inflationsziels als Guthaben angehäuft, die zunächst aufgeholt werden müssten, bevor die EZB wieder gegensteuert. 

Mit diesem Ansatz könnten die Währungshüter also noch mehr billiges Geld in die Märkte pumpen und selbst bei steigender Inflation den Leitzins bei Null oder sogar darunter halten. Eine solche Kombination aus immer niedrigeren Zinsen und steigender Inflation würde dann die Staatsverschuldung der EU-Länder zügig herabsetzen und ebenso zügig die Sparbuchanhänger wie Olaf Scholz enteignen. Derzeit horten die Bundesbürger knapp 2,5 Bill. Euro auf unverzinsten Konten. Bei einer Inflationsrate von 4 % würden sie jährlich 100 Mrd. Euro davon verlieren. 

Spätestens wenn die EZB tatsächlich ein symmetrisches Inflationsziel formuliert, müssen Sparer ihr Geld umschichten – und zwar in Aktien. Je länger der Zustand des billigen Geldes anhält, um so mehr rücken Aktien wieder als strategisches Langfristinvestment in den Fokus. Dies gilt vor allem im Vergleich zu Staatsanleihen, mit denen man schon heute langfristig Verluste einfährt. Die im April 2030 fällige Bundesanleihe z.B. verspricht aktuell einen sicheren Verlust von –1,53 % p.a. (Stand 02.09.19). Die Ausverkaufsstimmung am Anleihenmarkt bewirkt lediglich kurzfristig noch Kursgewinne. Doch die gibt es bei Aktien auch. Bei längerfristiger Betrachtung müssen Anleger auch keine Angst vor Kursschwankungen oder heftigen Einbrüchen an den Aktienmärkten haben. In der gesamten Börsengeschichte gab es nur einen einzigen Zeitraum, in dem die Aktienkurse länger als 15 Jahre brauchten, um sich von einem Crash zu erholen, und zwar nach dem großen Zusammenbruch von 1929. Ansonsten ließ sich z.B. im amerikanischen Dow Jones seit 1896 durchgängig ein Wertzuwachs von 8 % pro Jahr erzielen. 

Der DAX kann zwar mit dieser Performance nicht ganz mithalten, dafür aber gibt es hier jedes Jahr satte Dividendeneinnahmen. Würde man diese beim DAX reinvestieren, ergäbe sich sogar eine jährliche Rendite von 11,1 % (vgl. ES 38/18). Allein für 2019 werden die DAX-Konzerne die Rekordsumme von rund 35 Mrd. Euro an ihre Anteilseigner ausschütten, was einer durchschnittlichen Dividendenrendite von rund 3 % entspricht. Selbst in Zeiten, als es bei zehnjährigen Bundesanleihen tatsächlich noch Zinserträge gab, konnten diese mit den Dividendenrenditen von Aktien nicht mithalten. Während 2008 die deutschen Blue Chips mit ihren Ausschüttungen auf eine Rendite von 5,3 % kamen, schafften es die zehnjährigen Staatspapiere nur auf 4,6 %. Seit dem Jahr 2013 liegen die zehnjährigen Bundesanleihen durchgängig unter 1 %, die Dividendenrendite der DAX-Titel dagegen zwischen 2,3 und 3,4 %.

Je länger der Zustand der niedrigen Zinsen anhält, desto größer wird nicht nur der Spread zwischen Dividendenrenditen und Anleihenzinsen, sondern auch die Gefahr von Fehlinvestitionen. Das gilt auch für den Immobiliensektor. Der Anlagenotstand führt dazu, dass die Immobilienpreise immer weiter explodieren und sich über Mieteinnahmen nicht mehr refinanzieren lassen. Andererseits sind Bau- und Finanzierungskredite so billig geworden, dass selbst die teuersten Objekte verhökert werden können. Das trifft auch für Unternehmenskäufe zu. Für Firmen in Wachstumsbranchen werden horrende Preise gezahlt, unabhängig davon, ob sie profitabel sind oder nicht. Versicherungen, Pensionskassen oder andere große Investoren kaufen alles, was irgendwie Rendite verspricht, darunter auch intransparente Anlagen. Und je mehr solcher Anlageobjekte mit Tiefstzinskrediten erworben werden, umso abhängiger machen sich die Investoren von der Droge des billigen Geldes. In einer solchen Situation könnte eine Zinswende einen Crash am Immobilienmarkt und eine Pleitewelle bei den Unternehmen auslösen. 

Die jüngsten Signale der Notenbanken deuten darauf hin, dass die Niedrigzinspolitik noch lange anhalten wird. Damit lösen Aktien die Anleihen endgültig als langfristige strategische Geldanlage mit sicherer Rendite ab. In der Welt von heute kauft man Aktien, kassiert regelmäßig Dividende und bekommt nach vielen Jahren sein Geld mit einem Kursgewinn zurück. Anleihen waren gestern, heute sind Aktien!

 

 

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Garantiefonds sind nicht nur bei risikoscheuen Anlegern beliebt, sondern sind auch ein gern gewählter Baustein in Lebens- und Rentenversicherungen. Denn das eingesetzte Kapital soll am Laufzeitende zum großen Teil oder sogar in Gänze „garantiert“ wieder an den Anleger ausbezahlt werden. Es besteht also quasi kein Verlustrisiko. Im Gegenteil, darüber hinaus gibt es sogar die Chance auf eine Wertsteigerung. Garantiefonds sind damit eine gute Alternative zum herkömmlichen Sparbuch. Aber wie soll das gehen?

Garantiefonds haben meist nur eine kurze Zeichnungsfrist und werden als geschlossene Fonds angeboten. D.h., ein zwischenzeitlicher Ein- und Ausstieg ist nicht möglich, der Anleger hat während der mehrjährigen Laufzeit keinen Zugriff auf sein Geld. 

Im Gegensatz zum Fondskäufer muss der Fondsmanager aber das Geld möglichst wertsteigernd anlegen, um sein Garantieversprechen einlösen zu können. Daher wird ein Teil des Geldes in renditestarke Papiere gesteckt, bei denen es aber auch mal größere Kursschwankungen geben kann. Denn je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Aber die Garantiefonds können nicht unbegrenzt ins Risiko gehen, sie müssen auch absichern. Daher wandert ein Teil des Kapitals in Anleihen, die über ihre Zinserträge einen Beitrag zur Absicherung des Garantiewerts leisten. 

Dieses Modell hat jahrelang gut funktioniert. Doch die Zinsen für Anleihen sind inzwischen generell in den Minusbereich gerutscht, das gilt nun auch für 30-jährige Bundesanleihen (vgl. ES 33/19). Damit fehlen den Fondsmanagern die Zinserträge der Anleihen, um eventuelle Verluste aus chancen- und damit auch risikoreicheren Wertanlagen wieder aufholen zu können. 

Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, zieht die Deutsche Bank-Tochter DWS nun die Reißleine und stellt eine ganze Garantiefonds-Familie komplett ein. Alle neun ausstehenden Teilfonds DWS Flexpension 2026 bis 2034 werden am 12. November zum Garantiewert liquidiert. Damit fließen die von den Fonds verwalteten knapp 2,6 Mrd. Euro wieder an die Kunden zurück. Sie müssen nun wieder selbst für ihre Altersvorsorge Rendite erwirtschaften und sollten dies auch tun. Garantien gibt´s zwar nicht mehr, aber gute Geldanlagen schon.

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Mit Optionsgeschäften lassen sich mit geringem Einsatz gute Gewinne erzielen. In Zeiten stark schwankender Aktienmärkte können Anleger damit auch an fallenden oder seitwärts bewegenden Kursen Geld verdienen. Mit dem Kauf einer Option erwirbt der Anleger das Recht, am Ende der Laufzeit eine bestimmte Anzahl an Basiswerten (z.B. Aktien) zum vereinbarten Preis vom Verkäufer der Option zu kaufen („Call“) oder an ihn zu verkaufen („Put“). Diesem Recht steht die entsprechende Verpflichtung gegenüber, die Basiswerte zu liefern oder abzunehmen, wenn das Optionsrecht ausgeübt wird. 

Bei der steuerlichen Behandlung solcher Optionsgeschäfte hat die Bundesregierung nun erneut ihre Auffassung untermauert, dass Gewinne daraus zu besteuern sind, Verluste allerdings steuerlich nicht berücksichtigt werden. In der Antwort auf eine sog. „Kleine Anfrage“ der FDP-Fraktion erläuterte die Bundesregierung ihre Entscheidung damit, dass nach ihrer Ansicht die hochspekulativen Optionsgeschäfte aufgrund eines Urteils des Bundesfinanzhofes (BFH) bisher steuerlich günstiger behandelt wurden als dies im Unternehmensteuerreformgesetz 2008 ursprünglich beabsichtigt war. Mit einer Gesetzesänderung soll daher der ursprüngliche Zweck wiederhergestellt werden. Wörtlich heißt es: Wenn „der Steuerpflichtige das hochspekulative Risiko eines Optionsgeschäfts eingeht und hieraus Wertzuwächse erzielt werden, sind diese der Einkommensbesteuerung zu unterwerfen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Kapitalerträge über Gestaltungen mit diesen Derivaten der Besteuerung entzogen werden könnten“. Andererseits darf nach Ansicht der Bundesregierung beim Verfall einer Option die Allgemeinheit nicht mit den Kosten des Steuerpflichtigen belastet werden, wenn die Spekulation nicht aufgeht. Schließlich sei dem Anleger ja das Verlustrisiko bekannt, das er trotzdem bewusst eingeht. 

Diese Antwort zeigt erneut die politische Grundhaltung der Bundesregierung, wonach für sie alle Anleger am Finanzmarkt spekulative Zocker sind. Es ist unfassbar, wie viel Inkompetenz und unnötige Kosten die Politiker der Allgemeinheit täglich zumuten!

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Es geht wieder mal um Zinsen an den Aktienmärkten, dieses Mal aber um eine ganz bestimmte Zinsstruktur, die als inverse Zinskurve bezeichnet wird. Sie ist der Schrecken der Börsianer. Aber warum? 

Ähnlich wie früher bei Festgeldkonten steigt bei Anleihen mit der Laufzeit die Höhe der Verzinsung. D.h., je länger der Bond läuft, desto höher der Ertrag. Schließlich können die Anleger länger nicht auf ihr Geld zugreifen. Und wer dies für 10 Jahre oder sogar noch länger in Kauf nimmt, ist in der Regel davon überzeugt, dass in dieser Zeit nichts Gravierendes am Markt passiert: die Inflation nicht plötzlich ansteigt, der Emittent in keine Krise gerät und die Wirtschaft nicht einbricht. Wenn aber die Anleger im Umkehrschluss akzeptieren, dass der langfristige Zins unter dem kurzfristigen liegt, fürchten sie in absehbarer Zeit eine negative wirtschaftliche Entwicklung mit all den unangenehmen Nebenwirkungen.

In den USA war im März erstmals seit zwölf Jahren genau dieses Szenario eingetreten: Die Renditekurve der US-Staatsanleihen war invers. Ab dem 22. März überstieg die Rendite für dreimonatige US-Staatsanleihen für etwa eine Woche die für zehnjährige. Damit bekamen Anleger zum ersten Mal seit 2007 für kurzfristige Bonds mehr Zinsen als für langfristige. Am 14. August kam es noch dicker: An diesem Tag fiel erstmals seit 2007 die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen unter die der 2-jährigen. Und auch in Deutschland erreichte die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen mit –0,641 % ein neues Rekordtief. Daraufhin gingen auch die Aktienmärkte in die Knie. Der Dow Jones verlor an diesem Tag 800 Punkte. 

Um den Zustand der Wirtschaft zu beurteilen, schenken Ökonomen dem Spread zwischen den zehn- und zweijährigen Papieren besondere Aufmerksamkeit. Eine Studie der Notenbank von San Francisco besagt zudem, dass allen Rezessionen in den vergangenen 60 Jahren in den USA eine inverse Renditekurve vorausging. Seit 1955 hat jeweils eine inverse Zinskurve in sieben von neun Fällen einen Konjunkturabschwung korrekt vorhergesagt. Nur in zwei Fällen gab es ein Fehlsignal. Den genauen Zeitpunkt einer Rezession konnte die Zinskurve bislang jedoch nicht liefern. Mal waren es sechs Monate, ein anderes mehrere Jahre. Nach Untersuchungen der Schweizer Credit Suisse tritt eine Rezession durchschnittlich erst 22 Monate nach solch einer Zinskonstellation auf. Außerdem steige der S&P 500 im Jahr danach zunächst um 12 % an, bevor die Börsen dann ins Minus drehen würden. 

Momentan rührt die Angst vor einer Rezession wohl aus der Dauerschleife von politischen Unruheherden und Provokationen und der daraus resultierenden Sorge, dass diese über kurz oder lang die weltweite Konjunktur verlangsamen und schließlich einige Länder in die Rezession führen werden. Obwohl diese Befürchtungen nicht von der Hand zu weisen sind, ist die Lage nicht so schlecht wie sie scheint. In den USA und auch in Deutschland ist die Konjunktur noch robust und wächst, wenn auch langsamer. Der Arbeitsmarkt brummt. Zudem hat Donald Trump den Erfolg seiner Präsidentschaft untrennbar an eine florierende Wirtschaft und steigende Börsen geknüpft. Ein Konjunktureinbruch und ein schwacher Aktienmarkt in den USA würde die Chancen seiner Wiederwahl stark herabsetzen. 

Es dürfte daher in den kommenden Monaten seiner Taktik entsprechen, bei vielen außenpolitischen Entscheidungen zunächst Härte zu zeigen, um dann medial einige spektakuläre Deals präsentieren zu können. Mit dieser Vorgehensweise kann er auch die amerikanische Notenbank manipulieren, indem er zunächst die Feuer der Konfliktherde immer mehr anfacht und dann eine Zinssenkung einfordert, der die Fed dann auch nachkommen muss, sofern sie die Märkte stabil halten will. Allerdings muss Trump aufpassen, dass er den Bogen nicht überspannt. Das Wegkippen der US-Zinsstrukturkurve sollte daher dem Präsidenten eine viel deutlichere Warnung für seine gefährliche Hick-Hack-Taktik sein als den Anlegern.

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Ausgetrocknete Flüsse, sterbende Bäume und verdorrte Äcker – kaum ein anderer Rohstoff besitzt eine derart hohe Relevanz für das Leben auf dieser Erde wie Wasser. Der drohende Wassermangel zählt zu den größten globalen
Risiken für die Menschheit. Daher verwundert es kaum, dass trotz der konjunkturellen und makroökonomischen Unsicherheiten Wasseraktien mehrheitlich nach oben laufen. 

Die Versorgung mit Wasser gehört zu den  größten Herausforderungen unserer Zeit. Denn Wasser ist alternativlos. Für diesen Rohstoff gibt es schlichtweg kein Substitut. Zwar sind mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt, doch das meiste davon ist Salzwasser. In den vergangenen 100 Jahren sind laut den Vereinten Nationen schätzungsweise 50 bis 70 % der natürlichen Feuchtgebiete der Erde verloren gegangen. 

Auf unsere Frage an die United Nations University zu den genauen Zahlen zur weltweiten Wasserverknappung erklärt uns Rachel Ahrens: „Genaue Zahlen sind schwierig, denn Wasserknappheit ist nicht ein Dauerzustand, sondern meistens u.a. saisonal bedingt. Was wir wissen ist, etwa vier Milliarden Menschen erleben schwere Wasserknappheit mindestens einen Monat pro Jahr. Und über zwei Milliarden Menschen leben in Ländern mit hohem Trockenstress bzw. Wassermangel. Der Wasserverbrauch ist seit 1980 weltweit um etwa 1 % pro Jahr gestiegen. Es wird geschätzt, dass es bis 2050 weltweit einen kumulierten Anstieg von 20 bis 30 % im Vergleich zur heutigen Wassernachfrage geben wird. Dies liegt vor allem am Bevölkerungswachstum, sozioökonomischer Entwicklung und sich änderndem Konsum. Es wird prognostiziert, dass der Stressgrad angesichts der zunehmenden Auswirkungen von Klimawandel und der wachsenden Wassernachfrage noch höher wird. Drei von zehn Menschen haben keinen Zugang zu sicherem (d.h. sauberem und dauerhaft einfach verfügbarem) Trinkwasser. Wichtig ist, dass die Betroffenen sich aber nicht gleichmäßig auf alle Nationen verteilen. Schon knapp 50 % der Menschen, die aus ungeschützten Quellen trinken, leben laut UN im Sub-Sahara Afrika.“

Schon heute ist die Situation in vielen Regionen alarmierend. Jedes Jahr sterben laut UNICEF und der WHO etwa 297.000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfall, der durch unzureichendes Waschen verursacht wird. „2017 verfügten weltweit drei von fünf Menschen in ihrem Zuhause über eine einfache Gelegenheit zum Händewaschen mit Wasser und Seife, in den am wenigsten entwickelten Ländern nicht einmal einer von drei (28 %). Das bedeutet, dass sich weltweit etwa 3 Milliarden Menschen zuhause noch immer nicht ordentlich die Hände waschen können“, heißt es im UN-Bericht 2019 für nachhaltige Entwicklung.

Schlechte sanitäre Einrichtungen und kontaminiertes Wasser fördern die Übertragung von Krankheiten wie Cholera, Ruhr, Hepatitis A und Typhus. Während die Süßwasservorräte begrenzt sind, wächst die Erdbevölkerung stetig. Hinzu kommt der wachsende Bedarf durch die Industrie, Landwirtschaft sowie der Verstädterung. Die Auswirkungen des Klimawandels mit den stetig steigenden Temperaturen und Wetterextremen sorgen für eine weitere Verknappung des Rohstoffs.

Selbst der Zustand in einigen Industrienationen ist zum Teil alarmierend. In vielen Regionen droht auch hier die Ebbe, was vor allem an einer völlig vernachlässigten Infrastruktur liegt. Allein in den USA sind über 40 % der Wasserleitungen gemäß der „American Society of Civil Engineers“ in einem miesen Zustand. Die Folge: Durch Leckstellen gehen dort 15 % des Trinkwassers verloren. Noch schlimmer sieht es in manchen Teilen Europas aus. In London, Dublin und Rom versickern sogar bis zu 40 % durch die marode Infrastruktur im Boden. Kein Wunder, dass die Sorge der Verbraucher nicht nur über die grundsätzliche Versorgung mit Wasser wächst. Auch die Angst vor einer schlechten Qualität nimmt rapide zu.

Dennoch dämmen wir unseren Wasserkonsum kaum ein. Laut dem Umweltbundesamt nutzt allein in Deutschland jede Person durchschnittlich etwa 121 Liter Wasser pro Tag! Dabei wird zwischen direktem und indirektem Verbrauch unterschieden. Indirekt ist all das, was beispielsweise zur Verarbeitung von Lebensmitteln oder Kleidung genutzt wird. Das Umweltbundesamt führt hierzu mehrere Beispiele auf. Für ein Kilogramm Rindfleisch müssen sage und schreibe mehr als 15.000 Liter Wasser aufgewendet werden. Der Verbrauch für ein Kilogramm konventioneller Baumwolle liegt bei bis zu 10.000 Liter Wasser. Rechnet man diesen Verbrauch noch hinzu, fällt die Bilanz noch höher aus. 

Wasserknappheit hatte schon immer eine hohe soziale und nationale Sprengkraft. In Indien gibt es Befürchtungen, dass China mit Staudämmen Wasserzuflüsse blockieren könnte. Allerdings muss man gar nicht so weit schauen. So stehen auch Nahrungsmittelkonzerne, wie z.B. die Schweizer Nestlé, in ewiger Kritik, sich umfangreiche Wasserrechte in einigen Ländern gesichert zu haben und damit der Bevölkerung den Hahn abzudrehen. Für Furore sorgt bereits seit Jahren der Streit zwischen Nestlé und dem französischen Ort Vittel. Seit den 1990er Jahren pumpt das Unternehmen für seine berühmte Weltmarke Wasser aus dem Boden. Die Folge: Der Grundwasserspiegel in der Region ist dramatisch gesunken und die Bevölkerung kämpft mit Wasserknappheit.

Wer in Wasseraktien investieren möchte, schaut nach Übersee. Auf dem deutschen Kurszettel finden sich schließlich gerade einmal drei Wasseraktien. Der Pennystock Hydrotec und die überaus engen Werte Gelsenwasser und KSB (s.S. Tabelle S. 36). Die attraktivsten Dienstleister in diesem Sektor kommen aus den USA, sind zum Teil jedoch schon recht ambitioniert bewertet. Nichtsdestotrotz sind diese Aktien einen genaueren Blick wert. Gerade in schwierigen Börsengewässern, wie sie derzeit vorherrschen, erweisen sich diese als Fels in der Brandung.

Zu den Wasser-Lieblingsaktien zählt zweifelsfrei American Water Works, die auch in nahezu allen Fonds aufgelistet werden. Ein Blick auf die Kursentwicklung zeigt auch warum: Wer die Aktie nach unserem Hinweis in 35/2016 zu 75,43 $ kaufte, darf sich inzwischen über eine Kursperformance von knapp 65 % freuen. Damit kommt die Aktie auf eine jährliche Rendite von 16 %, Dividendenzahlungen noch gar nicht eingerechnet. Seit dem IPO im Jahr 2008 schraubte der Konzern jedes Jahr die Dividende nach oben (Quellensteuer-Thematik beachten!). Ein Ende des Höhenfluges bei der Aktie ist derzeit nicht in Sicht. Die Wachstumsraten von American Water Works überzeugten bislang. Für das nächste Geschäftsjahr darf man von einer Fortsetzung dieses Trends ausgehen. Der breiten Anlegermasse weniger bekannt ist Xylem, wobei die Aktie ebenfalls zu den Favoriten der Finanzinvestoren zählt. Auch dieses Papier gehört zum Standardinvestment zahlreicher Fondsanleger. Der Konzern, der sich mit Abwassertransport oder der Aufbereitung von Schmutzwasser beschäftigt, notiert gerade wieder an seiner 200-Tage-Linie. Da die USA in den kommenden Jahren an ihrer Infrastruktur arbeiten müssen, scheint auch hier das Wachstum vorprogrammiert.

Für Anleger, die sich breit gefächerter aufstellen möchten, erscheint zum Beispiel der DWS Global Water LD (ISIN DE000DWS0DT1) interessant. Der Fonds ist ausschüttend und investiert in in- sowie ausländische Aktien mit dem Schwerpunkt Wasserversorgung, Wasserinfrastruktur, Wassertechnologie und Wasser-Ressourcen-Management. Zu den größten Einzelwerten zählen natürlich American Water Works, Xylem, Danaher und Geberit.

Aktuell gibt es nur zwei Wasser ETFs, welche an einer deutschen bzw. europäischen Börse und somit auch in Euro gehandelt werden. Einer davon ist der von BlackRock aufgelegte iShares Global Water UCITS ETF (DE000A0MSAG2). Der Aktienfonds versucht, möglichst genau die Entwicklung des S&P Global Water 50 Index (s.S.3) abzubilden. Der Index enthält vor allem Werte aus den Bereichen Wasserversorgung sowie Wasseraufbereitung. Aus diesem Sektor versucht der ETF, die 50 größten Aktien weltweit abzubilden, welche gleichzeitig über eine hohe Liquidität verfügen. Dazu gehören auch hier die Werte American Water Works und Xylem, aber auch Veolia Environnement, IDEX oder United Utilities.

In unserer Reihe Megatrends ist das Thema Wasser zweifelsfrei von enormer Bedeutung. Denn kein Rohstoff ist derart unersetzlich und gleichzeitig überlebensnotwendig. In der unten stehenden Tabelle gibt der ES eine Übersicht über die global wichtigsten Wasserversorger bzw. -dienstleister. 

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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