QIAGEN N.V.

Der Vorstand der QIAGEN N.V. hat mehrere nicht verbindliche und bedingte Interessensbekundungen über den Erwerb sämtlicher ausgegebenen Aktien an der Gesellschaft erhalten. Deshalb beabsichtigen Vorstand und Aufsichtsrat zur Prüfung strategischer Alternativen Gespräche mit den Interessenten zu beginnen. Die Gespräche sollen zur Sondierung der strategischen Alternativen dienen, ob diese ein höheres Wertsteigerungspotenzial bieten, als die Gesellschaft auf stand-alone-Basis bereits erreichen kann. Derzeit ist nicht absehbar, ob die Gespräche schließlich zu einem von der Gesellschaft empfohlenen Angebot an alle Aktionäre führen werden.(ES - 15.11.2019 - 22:00 Uhr)

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Bastei Lübbe AG

Das Geschäft der Bastei Lübbe AG entwickelte sich in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2019(20 erwartungsgemäß. Dies bedeutete für das erste Halbjahr einen Rückgang der Umsatzerlöse von 47,4 auf 43,2 Mio. Euro. Das EBIT verbesserte sich dabei von minus 0,2 auf plus 2,4 Mio. Euro, womit der Turnaround vollzogen wurde. Zudem gelang es, die Nettoverschuldung von 17,8 auf 13,5 Mio. Euro abzubauen. Im Segment Buch gaben die Erlöse von 37,5 auf 34,2 Mio. Euro nach. Jedoch verbesserte sich das EBIT durch eine vorteilhafte Kostenstruktur von 0,1 auf 0,8 Mio. Euro. Im Segment Romanhefte sank der Umsatz von 5,1 auf 4,1 Mio. Euro. Allerdings verkaufte Bastei Lübbe die Rätselsparte. Trotz des Verkaufs stieg das EBIT von 0,4 auf 1,0 Mio. Euro. Das Segment Games steuerte zwar einen unveränderten Umsatz von 4,8 Mio. Euro bei, das EBIT drehte jedoch von minus 0,7 auf plus 0,7 Mio. Euro. Nach Steuern und Anteilen Dritter wies die Gesellschaft einen Überschuss von 1,0 Mio. Euro aus. Vor Jahresfrist fiel noch ein Verlust von 1,0 Mio. Euro an. Die Gesellschaft verzeichnete bisher einen guten Auftakt ins Weihnachtsgeschäft. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit Erlösen von 85 bis 87 Mio. Euro und einem EBIT zwischen 3,5 und 5,3 Mio. Euro.(ES - 14.11.2019 - 14:00 Uhr)

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Hamburger Hafen und Logistik AG

Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) steigerte ihren Umsatz in den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres 2019 um 8,3 Prozent auf 1,04 Mrd. Euro. Beim EBIT kam HHLA um 12,4 Prozent auf 175,4 Mio. Euro voran. Der Teilkonzern Hafenlogistik verzeichnete dabei ein Plus von 8,6 Prozent auf 1,02 Mrd. Euro. Das EBIT verbesserte sich sogar um 13,3 Prozent auf 162,7 Mio. Euro. Das Segment Container steigerte den Containerumschlag um 4,0 Prozent. Daraus resultierte eine Umsatzsteigerung um 6,0 Prozent auf 605,5 Mio. Euro. Beim EBIT ergab sich eine Steigerung um 9,4 Prozent auf 112,6 Mio. Euro. Ein Großteil der Verbesserung war jedoch auf die Erstanwendung von IFRS 16 zurückzuführen. Das Segment Intermodal wies eine Steigerung des Containertransports um 7,8 Prozent aus. Die Umsatzerlöse legten sogar um 13,5 Prozent auf 367,9 Mio. Euro zu. Das EBIT verbesserte sich überproportional um 16,5 Prozent auf 76,1 Mio. Euro. Angesichts der bisherigen Entwicklung rechnet der Vorstand im Gesamtjahr beim Konzernumsatz mit einer deutlichen Steigerung. Zuvor war das Management lediglich von einer leichten Steigerung ausgegangen. Beim EBIT rechnet der Vorstand im Gesamtjahr mit einer deutlichen Steigerung. Im Teilkonzern Immobilien erhöhten sich die Erlöse um 2,1 Prozent auf 29,9 Mio. Euro. Auch das EBIT stieg leicht auf 12,5 Mio. Euro. Im Gesamtjahr erwartet der Vorstand in diesem Bereich ein EBIT von unverändert rund 15 Mio. Euro.(ES - 13.11.2019 - 10:30 Uhr)

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ES-Aktienfavoriten

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Täglicher Börsenbericht

"Sehr konstruktive Diskussionen"

Trump-Aussage stützt DAX

Im Hin und Her des Handelsstreit stehen die Chancen derzeit eher auf Seiten der Anleger. Zumindest lassen die jüngsten Aussagen des US-Präsidenten Doanld Trump hoffen. Beide Seiten seien in engem telefonischen Kontakt. "Die Stimmung ist ziemlich gut", so der Wirtschaftsberater Trumps, Larry Kudlow. Der deutsche Leitindex nähert sich derweil seinem alten Erholungstrend und damit erneut der 13.300er-Marke. Die wieder wachsenden Hoffnungen auf ein nahendes Ende des Handelsstreit ließen auch den Ölpreis wieder anziehen.

Erst jüngst verkündete Tesla, eine neue Gigafactory im Raum Berlin bauen zu wollen. Nun kann der E-Autobauer mit der nächsten guten Nachrichten aufwarten: Das Model 3 des Unternehmens ist wieder auf der Liste der empfohlenen Autos der US-Verbrauchermagazins "Consumer Reports" gelandet. Im späten Handel verzeichnete die Tesla-Aktie jedoch noch ein kleines Minus.

Zwar verzeichnete der Grafikchip-Hersteller Nvidia im 3. Quartal einen Umsatzrückgang von 5 % auf 3,01 Mrd. $. Analysten hatten jedoch mit einem deutlich schlechteren Ergebnis gerechnet. Der Nettogewinn fiel mit rd. 1,1 Mrd. $ ebenfalls gut 4 % geringer aus.

Auch der Chiphersteller Applied Materials musste im jüngst abgelaufenen 4. Quartal zwar einen kleinen Umsatzrückgang um 0,1 % verbuchen. Der Ausblick ließ Anleger jedoch wieder hoffen. Demnach visiert das Unternehmen im lfd. 1. Quartal Umsatzerlöse in Höhe von 4,1 Mrd. $ plus/minus 150 Mio. $ an. Analysten hatten bisher mit einem Umsatz in Höhe von 3,71 Mrd. $ gerechnet.

Mit einer anvisierten Dividende in Höhe von 3,60 € je Aktie sollen Anleger von LEG Immobilien für 2019 zwar gut 7 Cent mehr erhalten als noch im Vorjahr. Allerdings scheint ihnen das nciht zu genügen. Die Aktie notierte auch zum späten Handel im Minus.

Stabilus musste im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 Einbußen bei Umsatz und ergebnis hinnehmen. Insgesamt sank der Umsatz um 1,2 %. Der Gewinn ging dabei sogar um 23,3 % zurück.

 

 

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Randnotizen

„Ihr Applaus beim Zieleinlauf“ – So wirbt die Kreissparkasse Düsseldorf noch heute für ihre „Prämiensparverträge flexibel“. Und in der Tat, beim Prämiensparen ist alles so einfach: Man spart jeden Monat einen kleinen Betrag, z.B. 25,00 Euro, der verzinst wird und auf den es am Ende eines jeden Jahres auch noch als Belohnung einen Bonus gibt. Und dieser Bonus  steigt von Jahr zu Jahr. Sowohl der Betrag, den der Anleger jeden Monat in den Sparplan einzahlt, als auch die jährliche Staffelung der zusätzlichen Geldprämie sind im Vertrag festgelegt. Damit hat der Anleger von Beginn an einen ziemlich genauen Überblick über die Wertentwicklung seiner Anlage. Er kann also schon mit Vertragsabschluss die Endsumme in etwa einkalkulieren. Nur der Satz, mit dem die eigentliche Sparsumme verzinst wird, hängt von der Marktsituation ab.

Bei dem aktuellen Beispiel der Kreissparkasse Düsseldorf kann man beim Prämiensparen schon mit 10 Euro monatlich einsteigen. Bei einer Laufzeit von 18 Jahren gibt es dann ab dem 4. Jahr auf den jährlichen Sparbetrag eine gestaffelte Prämie, beginnend mit 1 %. Im 13. Jahr legt die Sparkasse von der im Jahr eingezahlten Sparsumme ihrerseits noch einmal 15 % drauf, im 18. Sparjahr sogar 40 %. Bei einer jährlichen Sparsumme von 1.000 Euro gäbe es also zu den Zinsen im 18. Jahr nochmals  400 Euro von der Kreissparkasse dazu. Bei den ursprünglichen Prämiensparverträgen aus den 1990er Jahren gab es oft schon nach 15 Sparjahren bis zu 50 % Prämie von der Bank. Außerdem war die Verzinsung sehr lukrativ (s.S. 2/3). Vor allem junge Leute haben daher solche Prämiensparverträge mit ihren Banken im Rahmen der vom Arbeitgeber geförderten Vermögenswirksamen Leistungen (VL)  abgeschlossen.

Doch in Zeiten von Niedrigzinsen wollen die Banken vor allem diese gut verzinsten Alt-Verträge loswerden. Daher werden tausende Verträge gekündigt. Betroffen sind neben zahlreichen Bausparverträgen nun vermehrt auch Prämiensparverträge verschiedener Sparkassen. Allein die Sparkasse Dortmund will 11.000 alte Prämiensparverträge von rund 9.500 Kunden bis Ende Februar kündigen. Auch hier handelt es sich um das „Prämiensparen flexibel“. Es sind allesamt alte Verträge, abgeschlossen in den 1990er Jahren und mit Prämiengarantien von 25 % ab dem 10. Sparjahr.  

Schon im Mai hatte der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass Sparkassen langfristige Verträge unter Umständen kündigen dürfen, sofern die versprochenen Prämien gezahlt wurden (Az. XI ZR 345/18). Nach Meinung des BGH können sich betroffene Kunden nicht gegen eine Kündigung wehren, wenn die Prämien aus der vereinbarten Staffelung erreicht und in den Verträgen sonst keine festen Laufzeiten vereinbart wurden.
Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch auch, dass Prämiensparverträge nicht generell gekündigt werden dürfen. Anders als bei dem vom BGH verhandelten Fall darf die Sparkasse also grundsätzlich nicht vor Ablauf der Laufzeit kündigen. Einige Sparkassen haben außerdem Verträge mit vereinbarten, längeren Prämienstaffeln verkauft, z.B. über 25 Jahre. In solchen Fall darf die Sparkasse natürlich auch nicht vor Ablauf von 25 Jahren kündigen. Als Faustregel gilt also:

Wurde im Vertrag eine Prämienstaffel vereinbart, dann ist diese auch einzuhalten. Und wurde im Vertrag eine Laufzeit vereinbart, ist diese ebenfalls einzuhalten.

Betroffene Anleger, die eine Kündigung ihres Prämiensparvertrags erhalten, sollten in jedem Fall vorsorglich Widerspruch einlegen und sich nicht vorschnell in einen neuen Sparvertrag drängen lassen. Ein Musterschreiben dafür stellt die Verbraucherzentrale NRW auf ihrer Internetseite  zur Verfügung.

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„Eine Übernahme durch die Hintertür“, hatte ein Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger die Wahl des neuen Aufsichtsrates auf der diesjährigen Hauptversammlung von Tele Columbus kritisiert. Das Unternehmen hatte für die Neuwahl des Gremiums sechs Kandidaten auf die Tagesordnung gesetzt, denen Großaktionär United Internet, der immerhin 29,7 % an dem Kabelnetzbetreiber hält, eine eigene Liste entgegenstellte und sich mit seinen Kandidaten in einer Kampfabstimmung auch durchsetzte.

Zum Glück möchte man meinen, denn Tele Columbus ist bis unters Dach verschuldet, das Eingreifen des Großaktionärs damit lange überfällig. Die Aufsichtsratswahl im August war daher als positives Zeichen zu werten, dass sich United Internet jetzt wieder intensiver um sein Investment kümmern würde. Schließlich hat United Internet-Chef Ralph Dommermuth in den vergangenen Jahren stets ein gutes strategisches Gespür bewiesen. Viele Kleinanleger hatten sich daher schon lange gefragt, warum er dem Treiben bei Tele Columbus und dem massiven Kusabsturz bisher so tatenlos zugesehen hatte. Viele hatten vielmehr darauf spekuliert, dass der Großaktionär seinen Anteil erhöhen und den freien Aktionären dann ein Pflichtangebot zur Übernahme ihrer Aktien unterbreiten würde. Dieses würde dann fällig werden, wenn United Internet die Schwelle von 30 % der Stimmrechte bei Tele Columbus erreicht. Doch bisher lagen allesamt mit ihren Spekulationen und leider auch dem Investment daneben. Um so wohltuender ist es, dass nun wieder Bewegung in den Aktienkurs bei Tele Columbus kommt. Der Grund: Am vergangenen Freitag meldete Rocket Internet eine Beteiligung von 12,29 % an dem Kabelanbieter.

Auf den ersten Blick mag dies verwundern, denn Rocket Internet ist dafür bekannt, sich bei jungen Start-ups einzukaufen, um sie dann erfolgreich an die Börse zu bringen. In dieses Raster passt Tele Columbus nun keinesfalls. Rocket Internet kündigte sogar an, innerhalb der nächsten zwölf Monate den Anteil weiter aufstocken zu wollen. Die Investition diene der Umsetzung eines strategischen Ziels zum Auf- und Ausbau eines weltweiten Netzwerks von Tech-Unternehmen, hieß es. Und damit macht das Engagement durchaus Sinn. Schließlich ist United Internet mit 8 % auch an Rocket Internet beteiligt. Damit wäre nun tatsächlich eine „Übernahme durch die Hintertür“ möglich, indem auch Rocket Internet bis knapp unter 30 % der Tele Columbus-Aktien am Markt einsammelt.

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Neben dem Dieselskandal bei Volkswagen ist dies wohl einer der spektakulärsten und größten Prozesse dieses Jahrhunderts: Der Prozess der Effecten-Spiegel AG gegen die Deutsche Bank wegen der Postbank-Übernahme (Az.: 13 U 166/11).


Die Dt. Bank schloss 2008 mit der Deutschen Post AG einen Vertrag, um deren Postbank-Aktien zu übernehmen. Der vereinbarte Preis lag bei 57,25 Euro und sollte Anfang 2009 fließen. Doch dann kam die Finanzkrise. Die Banken gerieten ins Schlingern, die Übernahme der Postbank stand vor dem Aus. In dieser Phase ergänzte die Dt. Bank ihren Ursprungsvertrag zur Übernahme der Postbank-Anteile durch eine Nachtragsvereinbarung und zog das Ganze mittels Aktientausch und diverser Put- und Call-Optionen bis ins Jahr 2012. Im Jahr 2010 unterbreitete die Dt. Bank dann den übrigen Postbank-Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot. Der Zeitpunkt war gut gewählt, denn der Kurs der Postbank-Aktie hatte sich noch nicht wieder von der Finanzkrise erholt. Das Gebot lag bei 25 Euro je Aktie. Die Effecten-Spiegel AG wollte sich damit aber nicht abspeisen lassen und klagte. Doch bisher war es nur bei Pflichtangeboten überhaupt möglich, die Angemessenheit des Preises gerichtlich prüfen zu lassen. Dies wurde durch die Effecten-Spiegel-Klage vom BGH mit Urteil vom 29.07.2014 geändert: „Auch bei freiwilligen Übernahmeangeboten haben Aktionäre, die das Angebot annehmen, einen Anspruch auf Zahlung der angemessenen Gegenleistung.


Doch es geht vor allem auch um die Frage, ob die Dt. Bank nicht schon viel eher die Kontrolle über die Postbank erlangt hat und somit schon längst ein Pflichtangebot hätte unterbreiten müssen. Nach Auffassung des BGH hätte spätestens das Berufungsgericht, in diesem Fall das Oberlandesgericht (OLG) Köln, dafür eine Beweisaufnahme durchführen müssen. Deshalb wurde der Prozess nach Köln rückverwiesen. Inzwischen hat das OLG nicht nur die Dt. Bank verpflichtet, endlich die wichtigen Vertragsunterlagen vorzulegen, sondern will auch Zeugen vernehmen. Die 19 Namen lesen sich wie das „Who is Who“ der drei Großkonzerne Dt. Bank, Dt. Postbank und Dt. Post.

Seitdem haben die Anwälte der prominenten Zeugen wieder alle Hände voll zu tun, denn eigentlich hat keiner der damaligen Entscheidungsträger Lust darauf, vor Gericht auszusagen. Der ehemalige Finanzvorstand der Dt. Bank, Stefan Krause, berief sich als Erster auf ein Zeugnisverweigerungsrecht, u.a. wegen der gegen ihn und andere Beschuldigte im Februar 2018 eingereichten Strafanzeige der Anwaltskanzlei BayerLaw. Und tatsächlich entschied das Gericht: „Seine Aussage stünde ... in einem so engen Zusammenhang mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen, dass der Zeuge zur Sache gar nicht auszusagen“ braucht. Obwohl die Beschuldigten allesamt den Vorwürfen in der Strafanzeige widersprochen haben und eigentlich nur die bisherigen Behauptungen in der jahrelangen Auseinandersetzung als richtig bestätigen müssten, benutzen sie die Strafanzeige, um sich vor einer Aussage zu drücken. Dabei wird diese aktuell von den Ermittlungsbehörden gar nicht weiter verfolgt. Inzwischen berufen sich auch Dr. Ackermann und Rainer Neske auf ein Zeugnisverweigerungsrecht. Eine Entscheidung des OLG Köln hierüber steht noch aus. Auch ist offen, ob es noch weiteren Zeugen bald zu „heiß“ werden könnte. Aktuell stehen folgende Termine zur Zeugenvernehmung auf der Agenda des OLG Köln:


Am 30.10.2019, um 10:30 Uhr, soll Dr. Volker Butzke vernommen werden, der 30 Jahre lang Rechtsbeistand für die Dt. Bank war. Um 14:00 Uhr ist dann die Vernehmung von Philipp von Girsewald angesetzt, der ebenfalls für das Institut in verschiedenen leitenden Positionen tätig war.


Der darauffolgende Mittwoch, 06.11.2019, ist am Vormittag für die Vernehmung von Deutsche Post-Chef Dr. Fank Appel reserviert, der im Februar 2016 schon einmal in der Sache ausgesagt hatte (ES 9/16). Um 14:00 Uhr steht dann die Aussage von Frau Hambloch-Gesinn, einer ehemaligen Mitarbeiterin der Dt. Post, auf der Tagesordnung.


Am 13.11.2019 ist für 15:00 Uhr ist Dr. Wolfgang Klein geladen. Er war 2007 bis 2009 Vorstandschef der Postbank und mitten im Übernahmepoker wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Geschäftspolitik des Instituts“ ausgeschieden.


Nachfolger von Klein wurde Stefan Jütte, der am 20.11.2019, um 13:30 Uhr, als Zeuge befragt werden soll. Vor ihm wird um 10:30 Uhr der langjährige Finanzvorstand des Bonner Geldhauses, Marc Heß, vernommen. Er verließ die Postbank im März 2018. Und um 15:00 Uhr folgt schließlich die Vernehmung von Christian Zorn, der als Deutschlandchef des Investmentbankings von Morgan Stanley die Transaktion betreute.


Für den 27.11.2019 ist um 10:30 Uhr die Anhörung von Dr. Rick van Aerssen, Co-Leiter des globalen Transaktionsteams von Freshfields Bruckhaus Deringer, terminiert. Die Kanzlei hatte die Verträge für die Dt. Post ausgearbeitet und vertritt heute die Postbank in dem von Aktionären initiierten Anfechtungsverfahren gegen den Squeeze-Out 2015. Um 13:30 Uhr folgt eine weitere ehemalige Mitarbeiterin der Dt. Post, Frau Lucia Kotlarek. Um 15:00 Uhr ist dann Rechtsanwältin Dr. Daniela Favoccia dran. Sie ist Partnerin bei HengelerMueller und neben Volker Butzke die „Generalzeugin“ der Dt. Bank.


Darüber hinaus möchte das Gericht am 4.12.2019, um 14:00 Uhr, den Zeugen John Allan (ehemaliger Post-Finanzvorstand) hören. Allan hat aber schon mitteilen lassen, dass er nicht aus England anreisen wird. Die Effecten-Spiegel AG hat daher beantragt, ihn im Ausland vernehmen zu lassen.


Am 11.12.2019, um 10:30 Uhr, wird – vorbehaltlich der Entscheidung über sein Zeugnisverweigerungsrecht – Dr. Josef Ackermann als damaliger Vorstandsvorsitzender der Dt. Bank vernommen. Nach ihm soll um 14:00 Uhr Frank Strauss noch in den Zeugenstand, der erst im Sommer aus dem Vorstand der Dt. Bank ausgeschieden ist.

Am 18.12.2019 schließlich ist um 10:30 Uhr Dr. Axel Wieandt geladen, der nach seiner Zeit bei der Dt. Bank kurzzeitig die Hypo Real Estate leitete. Nach der Vernehmung von Fabrizio Campelli um 13:30 Uhr, der ebenfalls lange der Führungsriege der Dt. Bank angehörte, soll als derzeit letzter Zeuge um 15:00 Uhr der aktuelle Vorstandsvorsitzende der Landesbank Baden-Württemberg, Rainer Neske, gehört werden. Er war vom 01.04.2009 bis zu seinem Ausscheiden am 30.06.2015 Mitglied des Vorstands der Dt Bank.


Alle genannten Termine sind öffentlich.

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Die Medizin feierte die sog. Genschere „CRISPR/Cas 9“ als den Durchbruch in der Forschung, der alles verändern kann. Durch diese neue Methodik werden Nahrungsmittelpflanzen optimiert, und Mediziner hoffen, bislang unheilbare Krankheiten besiegen zu können. Weltweit forschen Pharma- und Biotechkonzerne an CRISPR/Cas 9 – nicht ganz ohne Risiko. Aktionäre schauen sich die DNA der einzelnen Akteure daher genau an.
Hinter dem kryptischen Zungenbrecher CRISPR/Cas 9 (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) stecken 30 Jahre Forschung, die in einem revolutionären Ergebnis mündeten. Die Funktionsweise der im Volksmund genannten Genschere ist zwar noch immer nicht völlig verstanden und somit auch nicht risikofrei, doch schon heute können die Erkenntnisse die gesamte Medizin und das Leben verändern. Verständlicherweise sind die Gefahren unter ethischen Bedenken groß, doch gleichzeitig gibt es schwer erkrankten Menschen wieder Hoffnung in ihrem Überlebenskampf.
Was sich so einfach anhört, die DNA (Desoxyribonukleinsäure) an einer bestimmten Stelle auszuschneiden, ist ein hochkomplexer molekularbiologischer Prozess. An dieser Schnittstelle können die Forscher Gene ausschalten oder sogar neue Abschnitte einfügen. Alle Genome (Erbgut) – ob menschlicher oder pflanzlicher Natur – lassen sich durch dieses Verfahren deutlich schneller und vor allem deutlich einfacher verändern. Diese Methode wird auch als Genom-Editing oder molekulares Skalpell bezeichnet. Stark vereinfacht funktioniert das Verfahren so: Das System besteht aus einer molekularen „Sonde“ (CRISPR) und einer „Schere“ (Cas 9-Protein). Die Sonde soll die genaue Zielstruktur für eine Mutation im Genom finden, und die Schere durchtrennt daraufhin den DNA-Doppelstrang.
Eher zufällig entdeckte die französische Biologin Emmanuelle Charpentier im Jahr 2012 das Potenzial von CRISPR, als sie scharlachauslösende Bakterien untersuchte. Ursprünglich stammt dieser Prozess jedoch aus der Natur. So nutzen Bakterien ihn als eine Art Immunsystem, mit dem sie feindliche Viren erkennen und abwehren können.
Zahlreiche etablierte Pharmakonzerne, aber auch Start-ups, investieren hohe Summen in die Forschung von CRISPR/Cas 9. Die Hoffnung, Erkrankungen zu heilen oder Erbkrankheiten sogar völlig zu besiegen, sind groß. Beispielsweise gibt es in der Krebsforschung einen Ansatz, entartete Zellen einfach herauszuschneiden. Saatgut-Konzerne arbeiten daran, mit der Genschere Pflanzen zu optimieren. Diese Pflanzen können durch die Veränderung des Genoms ertragreicher, nährstoffreicher und resistenter sein.
In Europa wird der Einsatz dieser Methode jedoch stark diskutiert und unterliegt strengen Aufsichtspflichten. Im Juli 2018 entschied etwa der Europäische Gerichtshof, dass CRISPR unter die europäischen Richtlinien der Gentechnik fällt. Somit müssen alle Pflanzen als gentechnisch veränderte Organismen gekennzeichnet werden. Dies ist einer der Gründe, warum mehrheitlich die Unternehmen, die an Genom-Editing forschen, in den USA ansässig sind. Hier zählen Intellia Therapeutics und Editas Medicine zu den bekanntesten Adressen. Der größte Forschungserfolg gelang jedoch bislang der Schweizer CRISPR Therapeutics. Das Biotech-Unternehmen gab im Februar bekannt, erstmals einen Menschen mit der Genschere behandelt zu haben. Konkret wurde die erbliche Erkrankung des roten Blutfarbstoffs Beta-Thalassämie behandelt. Patienten, die darunter leiden, besitzen zu wenige rote Blutkörperchen und benötigen oft Bluttransfusionen. CRISPR Therapeutics kooperiert dabei übrigens mit dem US-Pharma-Unternehmen Vertex.
Doch auch hierzulande wird auf dem Gebiet geforscht. So zählt Merck KGaA zu einem der erfolgreichsten Pioniere. „Wir sind ein führender Anbieter von Technologien wie CRISPR/Cas 9, mit denen gezielt Gene verändert werden können ... Mit CRISPR/Cas 9 ergeben sich neue Möglichkeiten in der gentechnischen Forschung. Diese können große Fortschritte bei der Behandlung schwerer Krankheiten oder bei der sogenannten „grünen Gentechnik“, also der Anwendung
genomverändernder Verfahren bei der
Pflanzenzüchtung, ermöglichen“, erklärt Merck-Pressesprecher Dr. Gangolf Schrimpf gegenüber dem ES. Die Darmstädter halten weltweit 13 CRISPR-Patente. „Wir sind Dienstleister für andere Pharmaunternehmen. Es gab mal eine Aussage von uns, dass man davon ausgehen könne, dass neun von zehn Unternehmen, die an Gentherapien arbeiten, unsere Kunden seien.“ Eines davon ist das US-Biotechnologieunternehmen bluebird bio. Der DAX-Konzern ist sich dabei seiner ethischen Verantwortung voll bewusst. „Unsere Richtlinie für die Technologie zur Genomeditierung (Genome Editing Technology Principle) gibt unseren Mitarbeitern einen verbindlichen ethischen und operativen Rahmen vor.“ Auch auf anderen Gebieten arbeitet Merck KGaA überaus erfolgreich. Unter den deutschen Pharmaaktien ist das Papier damit ein Top Pick.
Bei den deutschen Unternehmen mischen außerdem Qiagen und Bayer in Sachen CRISPR mit. Die Leverkusener arbeiten in einer Forschungsallianz mit den US-Unternehmen CRISPR Therapeutics und Pairwise Plants im Agrarbereich zusammen. Doch bekanntermaßen steckt Bayer im Monsanto-Klage-Debakel fest, sodass die Aktie sicherlich derzeit nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen ist.
Kaum ein anderes Verfahren hat das Potenzial, die Medizin und Landwirtschaft derart zu verändern. Anleger müssen sich allerdings ganz genau die DNA der einzelnen Unternehmen anschauen. Denn die Umsätze sind niedrig, wenn überhaupt welche gemacht werden. Dem stehen dann aber zumeist hohe Forschungsaufwendungen gegenüber. Wie bei allen Biotech-Unternehmen hängt die Entwicklung des Aktienkurses stark von den Ergebnissen klinischer Tests ab. Fallen diese gut aus, ist in der Regel mit einer überdurchschnittlichen Rendite zu rechnen.
CRISPR/Cas 9 entschlüsselt die DNA von Kursgewinnen.

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Die friedliche Revolution in Ostdeutschland und die Grenzöffnung jähren sich 2019 zum 30. Mal. Die Berliner Mauer als Symbol der deutschen Teilung ist damit schon länger wieder verschwunden als sie existierte. Doch wie sieht es wirtschaftlich in Ostdeutschland aus – Ist tatsächlich „zusammengewachsen, was zusammengehört“?
Die Deutschen sind effizient, humorlos und in ökonomischer und wissenschaftlicher Hinsicht spitze – und zwar ungeteilt in Ost- und Westdeutschland. Und auch der Hauptstadt Berlin sieht man ihre jahrelange innere Zerrissenheit nicht mehr an. Mit dem Fall der Mauer 1989 wurde Berlin als gesamtdeutsche Hauptstadt neu geboren. Aus der grauen, umzäunten Stadt wurde inzwischen eine schillernde, weltoffene Metropole im Herzen Europas. Mit etwa 140.000 Events pro Jahr ist sie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die größte deutsche Messe- und Kongressstadt. Sie hat außerdem die bundesweit höchste Forscher- und Akademikerdichte. Pro Stunde werden dort 5,1 Unternehmen gegründet. 30 % aller deutschen Start-ups sind in Berlin zu Hause.
Doch im ostdeutschen Hinterland wiegt das Erbe der Geschichte weit schwerer. Die vom Sozialismus enteigneten oder vertriebenen Unternehmer sind im Westen sesshaft geworden. Und die meisten Volkseigenen Betriebe (VEB) im Osten überlebten die Entwöhnung vom sozialistischen Staatstropf nicht. Und so kommt es, dass bis heute kein einziges ostdeutsches Unternehmen im DAX notiert ist. „Und von den Top-500-Unternehmen in Deutschland sitzen nur 36 im Osten“, so Gunther Schnabel, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig. Zwar hat sich in Ostdeutschland inzwischen eine stabile und wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur gebildet, allerdings gibt es sehr wenige Konzerne und Großbetriebe. Etwa zwei von drei Arbeitnehmern sind in einem Betrieb mit weniger als 50 Mitarbeitern beschäftigt, im Westen ist es lediglich jeder zweite.
Und doch gibt es sie, die großen zukunftsweisenden Unternehmen in Ostdeutschland. Eine besonders große Häufung davon findet man in der „Lichtstadt“ Jena. Hier hat die Optik-Branche eine lange Tradition, die bis ins Jahr 1846 zurückreicht. Es waren vor allem die revolutionären Erfindungen des Dreigestirns Carl Zeiss, Ernst Abbe und Otto Schott, die den Standort durch Wirtschaftskrisen und Weltkriege brachten. Nach der politischen Wende 1989 stand das sozialistische Kombinat „VEB Carl Zeiss Jena“ jedoch vor dem Aus. Ein gutes „Ökosystem mit exzellenten Ingenieuren und Technikern, starken Hochschulen, eine wiederbelebte Gründertradition sowie eine ungewöhnliche Regelung mit der Treuhand“ ermöglichten letztlich doch noch eine Privatisierung. Sie ebnete den Weg für eine Unternehmensaufspaltung des Großkomplexes optischer und industrieller Elektronikprodukte in die beiden heute börsennotierten Firmen Carl Zeiss Meditec AG (ISIN: DE0005313704) und die Jenoptik AG (ISIN: DE000A2NB601). Bis auf den medizinischen Teil der Carl Zeiss Meditec AG (medizinische Geräte für die Augenchirurgie, Operationsmikroskope und Kontaktlinsen) sind die ehemaligen Partner bis heute sehr ähnlich strukturiert. Beide stellen präzise Mess-, Kontroll- und Steuergeräte, optoelektronische und - mechanische Komponenten für die Automobil-,Luftfahrt- und Halbleiterindustrie sowie Kamerasysteme und Lichtsensoren her. In der Region um Jena gibt es insgesamt mehr als 100 Firmen und Einrichtungen mit mehr als 1.000 Wissenschaftlern und Entwicklern im Bereich der optischen Technologien.
In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik gab es aber auch eine Chip­industrie. Hier baute man in den 1980er-Jahren nicht nur Speicherchips, sondern unter der Marke „Robotron“ am Stammsitz Dresden auch eigene Computer. Zwar konnten diese nach der Wende nicht überleben, doch das Know-how und die vielen gut ausgebildeten IT-Ingenieure bildeten die Keimzelle für einen neuen, modernen Computer- und Elektronik-Standort. 10 Mrd. Euro flossen in den letzten Jahrzehnten in das sächsische Silicon Valley. Das „IT-Cluster Silicon Saxony“ ist heute der größte Mikroelektronik-Standort in ganz Europa. Zum Hightech-Netzwerk gehören 350 Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen/Universitäten, Forschungsinstitute sowie Start-ups am Wirtschaftsstandort Sachsen. Sie beschäftigen ca. 20.000 Mitarbeiter bei einem Umsatz von etwa 4 Mrd. Euro pro Jahr.
Zu den Gründungsmitgliedern gehört u.a. der Siliziumwaferhersteller Siltronic AG Freiberg (DE000WAF3001), dessen Geschäftsursprung bis ins Jahr 1953 zurückreicht. Heute ist die seit 2015 im Prime Standard notierte Siltronic AG Technologieführer und beliefert u.a. die führenden zwanzig Unternehmen der Halbleiter­industrie. Denn ohne Siliziumwafer wären Smartphones, Computer, Navigations­geräte und Displays undenkbar. Im sächsischen Silicon Valley sitzt aber auch
der Halbleiterhersteller Infineon (ISIN: DE0006231004) und bald auch Bosch mit einer Chipfabrik. Es verwundert daher nicht, dass auch die „Agentur für Sprung­innovationen“ in Sachsen (Leipzig) angesiedelt werden soll.
Von den zu DDR-Zeiten noch riesigen Chemierevieren um Bitterfeld und Leuna ist dagegen wenig geblieben, lediglich die zur französischen Total (ISIN: FR0000120271) gehörende Raffinerie Mitteldeutschland in Leuna. Sie ist mit 4,25 Mrd. Euro das umsatzstärkste Unternehmen in Sachsen-Anhalt und größter Arbeitgeber. Der Biodiesel- und Bioethanolproduzent VERBIO (s.S.9; ISIN: DE000A0JL9W6) hat seinen Stammsitz in Zörbig und somit ebenfalls in dem, selbst im ostdeutschen Vergleich, strukturschwachen Bundesland. Dabei ist nur wenige Kilometer weiter westlich in Wolfsburg mit Volkswagen der größte deutsche Konzern zu Hause.
Die nicht börsennotierte Edis AG ist als regionaler Stromversorger mit 2,7 Mrd. Euro Umsatz für 2018 größtes Unternehmen in Brandenburg. Größter Eigentümer mit zwei Dritteln der Anteile ist die in NRW ansässige E.on (ISIN: DE000ENAG999). In Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) sitzt der Windradhersteller Nordex (ISIN: DE000A0D6554).
Die TLG Immobilien AG (DE000A12B8Z4)macht deutlich, wo die bis zur Wende ungenutzten „Anlageschätze“ im Osten zu finden waren und wie man sie geschickt heben konnte. Die Berliner Gesellschaft besitzt und vermietet Gewerbeimmobilien an ausgewählten deutschen Perspektivstandorten, vor allem in Berlin, Dresden, Leipzig und Rostock. In ihrem Bestand befinden sich Immobilien im Wert von mehr als 4,1 Mrd Euro.Nach der Grenzöffnung gehörte der Immobilienmarkt in den neuen Bundesländern zu den Boombranchen der folgenden Jahrzehnte mit traumhaften Renditen. Doch nicht alle Gegenden sind gleichermaßen gefragt. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind vor allem Berlin, Dresden und Leipzig beliebt, die Best-Ager (vgl. ES 39/19) bevorzugen durchaus auch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Dennoch liegt das Immobilienvermögen der einzelnen Haushalte in den alten Bundesländern bei durchschnittlich 154.400 Euro, in den neuen Ländern (einschl. der Boomstadt Berlin) nur bei 65.800 Euro.
Im internationalen Vergleich hat sich Deutschland in den letzten 30 Jahren gut entwickelt. Allerdings wirkt in vielerlei Hinsicht die einstige Teilung des Landes noch nach. Dies nicht zu akzeptieren, schafft viel größere Probleme als die Unterschiede selbst und verhindert,
die vorhandenen Chancen zu nutzen.

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Weltweit wird die Bevölkerung immer älter. Der demografische Wandel zählt zweifelsohne zu den Megatrends der nächsten Jahrzehnte und wird zahlreiche Branchen wie etwa Handel oder Gesundheit grundlegend verändern. Gerade die sogenannte Silver Society bietet somit für Aktionäre vielfältige Anlagemöglichkeiten.
Besonders der höhere Lebensstandard und die immer bessere medizinische Versorgung lassen die Lebenserwartung der Menschen weltweit steigen und steigen. So hat sich die statistische Lebensdauer zwischen 1990 und 2019 von 64,2 auf 72,6 Jahre erhöht. Bis 2050 soll sie weiter auf 77,1 Jahre zulegen. Im Jahr 1950 lag die Lebenserwartung gerade einmal bei 48 Jahren. Damit befinden wir uns in der größten demografischen Veränderungsphase in der Menschheitsgeschichte überhaupt. In Deutschland wird davon ausgegangen, dass die Einwohnerzahl von derzeit über 82 Mio. bis zum Jahr 2050 zwar auf 75 Mio. sinkt, allerdings zugleich mehr als die Hälfte der Menschen hierzulande 50 Jahre oder älter sein werden. Die Vereinten Nationen gehen in ihrem Bevölkerungsbericht 2019 sogar davon aus, dass 2050 jeder sechste Mensch auf der Erde älter als 65 Jahre sein wird. Heute ist es jeder elfte. Schon im vergangenen Jahr gab es global gesehen erstmals mehr Menschen über 65 als Kinder unter 5 Jahren. Allein die Zahl der 80-Jährigen wird sich der UN zufolge bis 2050 auf etwa 426 Mio. verdreifachen.
Allerdings ändert sich dabei auch das Bild von Alter komplett. Die Wahrnehmung, sprich das subjektive Alter, ist heute schon eine völlig andere als noch vor einigen Jahren bzw. Jahrzehnten, als Menschen schon mit 60 Jahren als gebrechlich galten. Befragungen zufolge liegt schon heute das gefühlte Alter rd. 10 Jahre unter dem biologischen. Die Ruheständler von Morgen sind hip, engagiert, kritisch, fit, lebensfroh und vor allem konsumfreudig. Heute ist niemand mehr überrascht, wenn die Silver Society im trendigen Sportschuh von Nike über die Straße läuft. Deshalb steht diese Zielgruppe schon heute im Fokus der Marketingstrategen und verdrängt mehr und mehr die bislang wichtigste Zielgruppe der 14- bis 39-Jährigen.
Aber nicht nur das Konsumverhalten ändert sich, sondern auch die Mobilität. Denn gerade mit Blick auf den Wohlstand möchten die Best Ager unabhängig und mobil sein und dabei am liebsten noch die ganze Welt sehen. Schiffsreisen boomen seit Jahren und bescheren der Tourismusbranche erfreuliche Umsätze. So meldete z.B. TUI für das 3. Quartal (per 30.06.) einen Umsatzanstieg für das Segment Kreuzfahrten um 15,1 % auf 256,3 Mio. € – Tendenz weiter steigend.
Das Thema Gesundheit wird ebenfalls unwillkürlich infolge einer steigenden Lebenserwartung in den Mittelpunkt rücken. Profitieren werden Unternehmen, die das alltägliche Leben einfacher machen. Fielmann gehört als günstiger Brillenhändler und Hörgerätespezialist ganz klar auf die Kaufliste, ebenso wie EssilorLuxottica als weltweit größter Brillenhersteller. Aber auch Varta elektrisiert. Denn der traditionsreiche deutsche Batteriehersteller ist der globale Marktführer bei sogenannten Microbatteries, die wiederum bei Hörgeräten eingesetzt werden.
Bei den Pharmakonzernen findet heute schon ein „Wettforschen“ im Bereich der altersbedingten Erkrankungen statt. Während es in der Alzheimerforschung immer wieder zu Rückschlägen kommt, wurden gerade in der Bekämpfung von Krebs bahnbrechende Fortschritte erzielt. Pharmakonzerne, die hier innovationsstark sind, besitzen mit ihren Präparaten Blockbusterpotenzial. Experten sehen Gesundheit im Übrigen als das Statussymbol der Zukunft. Doch trotz aller medizinischen Errungenschaften wird Pflege ein bewegtes Thema der Zukunft sein. Bis 2030 soll die Zahl der Pflegebedürftigen immerhin um fast 50 % auf 3,4 Mio. Menschen
steigen. Pflegeeinrichtungen wie Addus Homecare oder Amedisys sollten daher noch stärker wachsen. Doch auch wer nicht unbedingt die Hilfe von anderen benötigt, muss im Alter angenehm und komfortabel wohnen können. LEG Immobilien hat dieses Potenzial schon längst erkannt. So baut der Immobilienriese seine Services für Best Ager und Senioren weiter aus. „In einem aktuellen Pilotprojekt vermittelt NRWs größtes Wohnungsunternehmen pflegebedürftigen Mietern in Dortmund häusliche Betreuungsleistungen zu Sonderkonditionen. Zusammen mit dem Kooperationspartner Home Instead, einem führenden häuslichen Betreuungsdienst, sorgt die LEG so dafür, dass auch immobilere Menschen in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben können.“ Nach der erfolgreichen Testphase soll das Angebot weiter ausgebaut werden. Und ein Blick auf die Statistik zeigt, die Nachfrage dürfte hoch sein.
Der demografische Wandel stellt nicht nur eine Herausforderung für die Wirtschaft und die Gesellschaft dar. Vor allem die Gesundheits-, Sozial- und Pensionssysteme der einzelnen Länder stehen vor einer Mammutaufgabe, wenn Menschen länger im Ruhestand sind. Bereits heute fürchten viele Menschen die Altersarmut – nicht grundlos wie die genannten Zahlen zeigen.
Kaum ein anderer Megatrend betrifft so viele Branchen gleichzeitig wie die alternde Gesellschaft. Die Aktienauswahl der Tabelle zeigt diese spannende Thematik deutlich auf. Im Übrigen sind und bleiben Aktien erste Wahl zum Vermögensaufbau im Alter!

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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