MBB SE

Die MBB SE steigerte ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2019 um 4,6 Prozent auf 251,4 Mio. Euro. Allerdings blieb das EBITDA mit 24,2 Mio. Euro und einer Marge von 9,6 Prozent hinter dem Vorjahresniveau zurück. Das geringere Ergebnis war vor allem auf die niedrigere Profitabilität bei den Unternehmen mit Automobilabhängigkeit zurückzuführen. Zum Halbjahr belief sich die Nettoliquidität des Konzerns auf 217,4 Mio. Euro. Sehr erfreulich entwickelte sich in der ersten Jahreshälfte die Tochtergesellschaft DTS mit einem Umsatzplus von 21,9 Prozent auf 30,6 Mio. Euro. Dabei verbesserte sich die EBITDA-Marge auf 14,7 Prozent. Das Segment Industrieproduktion erzielte ein Umsatzwachstum von 5,1 Prozent auf 55,3 Mio. Euro. Bei der EBITDA-Marge kam der Bereich auf 7,7 Prozent. Das Segment Technische Applikationen verzeichnete ein leichtes Umsatzwachstum auf 165,8 Mio. Euro. Das EBITDA ging jedoch um 18,0 Prozent auf 16,3 Mio. Euro zurück. Nach der erfolgreichen Akquisition von Friedrich Vorwerk rechnet das Management nun mit einem Umsatz von 530 Mio. Euro und einer EBITDA-Marge zwischen 9 und 11 Prozent.(ES - 23.8.2019 - 18:00 Uhr)

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SNP Schneider-Neureither & Partner SE

Die SNP Schneider-Neureither & Partner SE hat heute einen Vertrag mit einem weltweit führenden IT- und Beratungsunternehmen mit Sitz in den USA abgeschlossen. Diese Gesellschaft weist zudem eine Präsenz in nahezu allen Ländern auf. Gegenstand des Vertrags ist die Nutzung von SNP-Software zur Durchführung von Transformationsprojekten durch das globale IT- und Beratungsunternehmen. Dabei hat sich das Unternehmen zu einer Mindestabnahme von SNP-Lizenzen in Höhe von 30 Mio. USD verpflichtet. Im laufenden Jahr rechnet der Vorstand mit einem Umsatz- und Ergebnisbeitrag im oberen einstelligen Millionen-Eurobereich.(ES . 22.8.2019 - 17:00 Uhr)

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Bertrandt AG

Der Vorstand der Bertrandt AG hat für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 ein erhöhtes Risiko ausgemacht und dabei eine Neueinschätzung der Ergebniserwartung vorgenommen. Neben der generellen konjunkturellen Eintrübung machen sich hier auch branchenspezifische Herausforderungen negativ bemerkbar. Dies könnte zu kurzfristigen Projektverschiebungen führen. Nach drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres verzeichnete Bertrandt eine Steigerung der Gesamtleistung von 752,6 auf 784,9 Mio. Euro. Dagegen ging das EBIT von 49,4 auf 46,1 Mio. Euro zurück. Aufgrund des höheren Risikos ergibt sich die Möglichkeit, dass die EBIT-Marge im Gesamtjahr nur bei 5,0 bis 7,5 Prozent liegt. Zuvor hatte das Management mit einer Rendite zwischen 7,0 und 9,0 Prozent gerechnet. Dies entspricht jetzt einer EBIT-Erwartung zwischen 52,1 und 80,3 Mio. Euro. Die Gesamtleistung soll im Gesamtjahr unverändert um 20 bis 50 Mio. Euro zulegen.(ES - 22.8.2019 - 17:30 Uhr)

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Täglicher Börsenbericht

Blick nach Jackson Hole

DAX dreht ins Minus

Anleger fiebern heute der Rede des US-Notenbankchefs Jerome Powell entgegen. Von der am Nachmittag gehaltenen Rede erhoffen sie sich Rückschlüsse auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten Zinssenkungen. Dabei ist es schwer vorstellbar, dass Powell aggressive Zinssenkungen in Aussicht stellt. Mitten in dieses Szenario grätscht China und kündigt neue Zölle auf US-Importe an. Dabei sollen Strafzölle in Höhe von 5–10 % auf US-Waren im Volumen von 75 Mrd. $ erhoben werden. Der DAX reagierte sofort und gab alle am Vormittag eingefahrenen Gewinne wieder ab. Fraglich ist, ob Powell auf die Nachricht aus China reagieren wird.  

Spekulationen auf eine Übernahme durch Thyssenkrupp bescheren Klöckner & Co ein ordentliches Kursplus. 

Auch ein Zeitungsbericht über eine mögliche Fusion mit Thyssenkrupp beschert auch Salzgitter Auftrieb. Laut Medienberichten werde sich der Thyssen-Vorstand mit der Idee einer "Deutschen Stahl AG" beschäftigen.

Die Commerzbank prüft laut Medienmeldungen einen weiteren Stellenabbau. Es sei mit einer Streichung von 1.800 bis 2.500 Arbeitsplätzen zu rechnen. 

Die Lufthansa und der Ferienflieger Condor loten laut Insider eine engere Zusammenarbeit bei Langstrecken aus. 

Die US-Börsenaufsicht hat gegen die Dt. Bank eine Strafe in Höhe von 16 Mio. $ wegen Verstößen gegen Anti-Korruptionsgesetze verurteilt. 

Der US-Softwarehersteller und SAP-Rivale Salesforce zeigt sich überraschend positiv gestimmt. Die erwarteten Umsätze für das lfd. Quartal würden die von Analysten angesetzten 4,18 Mrd. $ deutlich übertreffen. Auch die Prognose für das Gesamtjahr wurde angehoben. 

Google wird sein Betriebssystem Android zukünftig wohl nicht mehr nach Süßigkeiten benennen. Die nächste Variante soll stattdessen Android 10 heißen. 

Der US-Spielwarenkonzern Hasbro will Entertainment One übernehmen und will dafür 4 Mrd. $ springen lassen. 

Der US-Sporthändler Foot Locker musste nach enttäuschenden Q2-Zahlen vorbörslich über 10 % Kursverlust einstecken. Sowohl beim Gewinn als auch beim Umsatz konnte das Unternehmen die Erwartungen nicht erfüllen. 

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Auslandsfavoriten

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Konservativ

Aktie mit konservativem Potenzial

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Thema der Woche

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Smart Cities

Intelligente Investments für die Stadt von morgen

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Randnotizen

Kaum hatten US-Finanzminister Steven Mnuchin und der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer nach der Rückkehr von ihrer zweitägigen Verhandlungsreise aus China wieder amerikanischen Boden betreten, da ließ US-Präsident Donald Trump auch schon die Muskeln spielen. Auf einer Veranstaltung in Cincinnati erklärte er: „Wir werden China gnadenlos besteuern“ und kündigte danach via Twitter ab dem 1. September neue Strafzölle in Höhe von 10 % auf chinesische Importe im Gesamtwert von 300 Mrd. Dollar an. Es sei eine Reaktion darauf, dass die Chinesen ihre Zusage nicht eingehalten hätten, mehr US-Agrarprodukte zu kaufen. Dabei hatte das Weiße Haus zunächst mitgeteilt, die Runde in Shanghai sei „konstruktiv“ verlaufen, eine Fortsetzung sei für September in Washington geplant. Was also hat den Präsidenten veranlasst, sein Wort zu brechen? Schließlich hatte Trump noch im Juni betont, er werde die Einführung neuer Zölle auf „unbestimmte Zeit“ verschieben. 

Vielleicht ist Trump einfach nur stinksauer, weil weder die eigenen Leute noch die Chinesen angesichts seiner Drohungen vor Angst schlottern und nicht bedingungslos seinen Forderungen nachkommen. So war vor einigen Tagen nicht einmal Fed-Chef Powell vor Trump eingeknickt. Zwar hatte die mächtigste Zentralbank der Welt gerade zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren die Leitzinsen gesenkt, doch ohne die Ankündigung „eines langen und aggressiven Zinssenkungszyklus“ habe Powell die USA einmal mehr „im Stich gelassen“, so Trump. Und dann kamen seine Leute aus Shanghai auch noch mit leeren Händen zurück. China soll es sogar gewagt haben, statt neuer Vorschläge neue Konzessionen vorzulegen. Man könnte fast meinen, die Chinesen spekulieren darauf, dass Trump im nächsten Jahr als Präsident nicht wiedergewählt wird. Das nagt natürlich am Ego des Alleinherrschers von Amerika, der sich gern als Weltsheriff aufführt.

Von den neuen Zöllen sind vor allem Konsumgüter betroffen, nachdem Trump in einem ersten Schritt importierte Industrieprodukte aus China im Wert von 250 Mrd. Dollar mit 25 % besteuert hatte. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres erhöhten sich nach Angaben des US-Finanzministeriums dadurch die Zolleinnahmen um 73 % auf 33,9 Mrd. Dollar. Die Zölle müssen zwar die chinesischen Hersteller stemmen, doch sie versuchen stets, einen Teil auf ihre Abnehmer und damit letztlich auch auf die amerikanischen Verbraucher abzuwälzen. Die regionale Notenbank von New York, die Princeton University und die Columbia University kommen in einer vom US-Kongress in Auftrag gegebenen Studie zu dem Ergebnis, dass US-Unternehmen und -Konsumenten monatlich etwa 3 Mrd. Dollar an zusätzlichen Kosten wegen der Zölle auf chinesische Waren und Metallimporte aus der gesamten Welt stemmen müssen. So haben die Strafzölle z.B. Waschmaschinen für die US-Verbraucher um 12 % zum Vorjahreszeitraum verteuert. 

Nach der Ankündigung neuer Zölle reagierten daher vor allem die Aktienkurse solcher Unternehmen wie Best Buy (Elektronik), Nike (Sportartikel), Kohl’s (Detailhandel) und Mattel (Spielzeughersteller), die auf billige chinesische Importe angewiesen sind. Auch die Aktien der führenden amerikanischen Supermarktkette Walmart und des weltgrößten Online-Versandhauses Amazon gerieten sofort unter Druck, da sie in großem Umfang Waren aus chinesischer Produktion vertreiben. 

Die Zuspitzung des Konflikts sorgt aber auch bei der EU für Sorgenfalten. Schließlich hat sich Brüssel bisher auf Trumps Zusage verlassen, keine neuen Zölle z.B. auf Autoimporte verhängen zu wollen. Doch „Autozölle sind nicht vom Tisch“, erklärte der „Zollmann“ am Freitag, kurz nachdem die EU eine Abnahmegarantie für amerikanisches Rindfleisch beschlossen hatte. Und da sich Trump so sehr in der Rolle des Bestrafers gefällt, fügte er noch großspurig hinzu, dass sich die EU aber bisher „gut“ verhalte. Sollte sich das jedoch ändern, werde er „keine andere Wahl“ haben, als Autozölle zu verhängen. Man hat immer eine Wahl, Mister President! Und Diplomatie wäre die beste. 

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Seit Einführung der Abgeltungsteuer 2009 weigern sich die Finanzbehörden, Verluste aus Aktien und anderen Wertpapieren sowie aus Darlehen auch steuerlich als Verluste anzuerkennen, wenn diese einfach wertlos geworden sind (vgl. Randnotizen 44/17). In den Steuerbescheiden wird dann immer auf § 20 Abs. 2 EStG verwiesen, wonach es dafür einer „Veräußerung” bedarf. 

Doch die Bürger nehmen das nicht einfach widerstandslos hin. Immer wieder gibt es Klagen gegen diese staatliche Abzocke. Und nun könnte tatsächlich eine Änderung der steuerlichen Beurteilung anstehen. Zwei Finanzgerichte haben in aktuellen Urteilen entschieden, dass ein steuerlicher Wertverlust auch dann entsteht, wenn Darlehen, Aktien oder Wertpapiere durch verschiedene Umstände einfach wertlos werden:

1. Nach Rückverweisung vom Bundesfinanzhof (BFH) entschied das Finanzgericht Düsseldorf am 18. Juli 2018 im zweiten Rechtszug, dass der Ausfall einer privaten Darlehensforderung mit Anzeige der Masseunzulänglichkeit zu berücksichtigen ist (Az.: 7 K 3302/17 E).

2. Am 12. Dezember 2018 urteilte das Finanzgericht Rheinland-Pfalz, dass „die ersatzlose Ausbuchung endgültig wertlos gewordener Aktien durch die das Depot führende Bank ... zu einem einkommensteuerlich berücksichtigungsfähigen Verlust aus Kapitalvermögen“ führt (Az.: 2 K 1952/16). Für das Gericht „steht fest, dass der Kläger mit der ersatzlosen Ausbuchung der Aktien einen endgültigen Vermögensverlust erlitten hat. ... Der Untergang einer Kapitalanlage stellt zwar keine Veräußerung dar, (aber) nach Dafürhalten des Senates ist der Ausfall eines Aktionärs bei Untergang der Kapitalgesellschaft in verfassungskonformer Auslegung des § 20 Abs. 2 S. 2 EStG vom Ersatztatbestand der ´Rückzahlung´, genauer: der ´ausbleibenden Rückzahlung´ erfasst.“

Das Gericht setzt sich in seiner schriftlichen Urteilsbegründung sehr ausführlich mit der Gesetzesauslegung sowie der höchstrichterlichen Rechtsprechung zu derartigen Sachverhalten auseinander und kommt zu der Einschätzung, dass auch der Bundesfinanzhof darauf abstellt, dass die Übertragung wertloser Wirtschaftsgüter ohne Gegenleistung zu einem Veräußerungsverlust führt (BFH, Urteil vom 12.06.2018, Az: VIII R 32/16). Dabei macht es wirtschaftlich betrachtet keinen Unterschied, „ob der Steuerpflichtige die Forderung noch kurz vor dem Ausfall zu Null veräußert, oder ob er sie – weil er keinen Käufer findet oder auf eine Quote hofft – behält. In beiden Fällen erleidet er eine Einbuße seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit“. Und diese Einbuße, so das FG Rheinland-Pfalz, müsse auch steuerlich die gleiche Berücksichtigung finden.

Weitergedacht müsste nach diesem Ansatz nicht nur die Ausbuchung von wertlos gewordenen Aktien, sondern auch der Verfall von Optionen, Optionsscheinen und Knock-out-Instrumenten zu einem steuerlichen Verlust führen (BFH-Urteile vom 12. Januar 2016, Az.: IX R 48/14, IX R 49/14, IX R 50/14), ebenso wie der Verlust aus Stillhaltergeschäften bei Optionen (BFH-Urteil vom 20. Oktober 2016, Az.: VIII R 55/13) und
bei Totalverlusten aus Rentenpapieren und sonstigen zinstragenden Kapitalforderungen (BFH-Urteil vom 24. Oktober 2017, Az: VIII R 13/15). 

Allerdings gibt es noch einen Haken: 

Das Urteil des FG Rheinland-Pfalz ist noch nicht rechtswirksam. Da bisher die steuerliche Behandlung von Verlusten bei den genannten Konstellationen und bei Untergang/Liquidation einer Kapitalgesellschaft noch nicht höchstrichterlich geklärt wurde, hat das Gericht die Revision zugelassen, die inzwischen auch eingelegt wurde. Damit kann es sein, dass viele Finanzämter weiterhin keinen Verlustabzug bei den verschiedenen Verlustkonstellationen vornehmen. Anleger sollten in diesem Fall unbedingt Widerspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen, sodass sie ggf. bei einer entsprechenden positiven Entscheidung des BFH die Steuern erfolgreich zurückfordern können.

Der ES übernimmt für diese Informationen keine Gewähr, sie stellen keine steuerliche Beratung dar.

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Deutschland müsse „noch schneller und entschiedener“ bei der Förderung der Künstlichen Intelligenz (KI) werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Video-Podcast vom 25. Mai 2019. Und ihre neue Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, setzt dabei auf autonomes Fahren und Flugtaxis. Doch die Deutschen zweifeln an der raschen Umsetzung solcher Projekte. Warum eigentlich? 

Die ES-Redaktion wollte es genau wissen und startete eine umfassende Recherche bei den Unternehmen zu ihrem Forschungs- und Entwicklungsstand in Sachen moderne Mobilität. Und natürlich sollte auch Frau Bär, seit März 2018 Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, zu Wort kommen. Schließlich hatte sie schon in einem ihrer ersten Interviews betont: „Digitalisierung ist doch nicht nur der Breitbandausbau. ... Hab ich die Möglichkeit, auch zum Beispiel mit einem Flugtaxi durch die Gegend zu können?“ Ihr Ziel sei es eben, „Visionen aufzuzeigen“, so die Ministerin. Daher richtete die Redaktion am 27. Mai per E-Mail u.a. auch eine Anfrage an die nach eigenen Worten „große Anhängerin moderner Kommunikationsmittel“. 

Während sowohl der Flughafenbetreiber Fraport als auch Airbus, Daimler und das Start-up Lilium innerhalb weniger Tage auf die Anfrage des ES reagierten und Einblick in den Stand ihrer Arbeit auf diesem Gebiet gaben, blieb eine Antwort aus dem Bundeskanzleramt aus. 

Am 13. Juni erschien in ES-Ausgabe 24/19 ein umfassender Beitrag zum Titelthema „Flugtaxis – die neue Mobilität“. Vier Wochen nach Veröffentlichung trudelte nun doch noch eine Antwort aus Berlin ein. Fast könnte man meinen, diese sei per Bote oder per Rohrpost unterwegs gewesen. Aber nein, die ES-Redaktion erhielt doch tatsächlich nach fast sieben Wochen eine E-Mail, in der sich die „persönliche Referentin von Dorothee Bär, MdB, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung“, zunächst einmal artig für die Geduld bedankte. Doch „wegen der Vielzahl der Presse- und Publikationsanfragen dauert es manchmal leider etwas länger, bis wir eine Rückmeldung geben können“, heißt es dort. 

Natürlich, wie konnte die ES-Redaktion erwarten, dass eine Staatsministerin bei all den Terminen und dem täglichen Arbeitspensum ebenso schnell auf journalistische Fragen reagiert wie ein Unternehmen mit operativem Geschäft? Schließlich haben die ja eine PR-Abteilung für so etwas. Im Kanzleramt dagegen müssen die einzelnen Fachressorts mit ihren Referenten, Staatssekretären und Staatsbediensteten schließlich alles alleine machen. Und bevor da unnötig Ressourcen vergeudet werden, fragt man nach sieben Wochen doch erst mal besser nach, ob die „Anfrage noch aktuell“ ist. Muss sich ja schließlich keiner unnötig Arbeit machen. Und überhaupt könnte da ja jeder kommen und irgendwelche Fragen stellen. Gerade in Zeiten der Digitalisierung muss eine staatliche Behörde da sehr vorsichtig sein. Denn „falls dem so sein sollte“ und die Anfrage immer noch aktuell ist, muss das Ministerium zunächst einmal „noch einige Informationen zur Reichweite / Auflage (der) Publikation“ wissen. Ohne diese Angaben keine Antwort, so einfach ist das. Dafür aber gibt es einen ausführlichen Hinweis auf den Datenschutz: „Bei der Bearbeitung Ihres Anliegens wurden bzw. werden von Ihnen personenbezogene Daten verarbeitet. Welche Daten zu welchem Zweck und auf welcher Grundlage verarbeitet werden, ist abhängig von Ihrem Anliegen und den konkreten Umständen. Weitere Informationen hierzu und über Ihre Betroffenenrechte finden Sie in den Datenschutzhinweisen auf der Internetseite des Bundeskanzleramtes unter www.bundesregierung.de/bundeskanzleramt-DSH.“ 

Zwar blieb Frau Dorothee Bär bis heute eine Antwort auf die Fragen des ES zur neuen Mobilität schuldig, dafür aber können wir der Staatsministerin nunmehr sagen, warum die Mehrheit der Deutschen an der raschen Digitalisierung Deutschlands und an den „Visionen“ der Politiker so ihre Zweifel hat. 

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Auslandsnachrichten

Unternehmensticker Ausland

Börsenparkett intern

Feature

Seit dem 1. Juli müssen sich deutsche Anleger mit einem neuen Begriff beschäftigen – der Börsenäquivalenz. Obwohl viele Aktienbesitzer davon bisher noch nie etwas gehört haben, ist das Thema nicht neu. Es handelt sich dabei um eine Vereinbarung der EU mit sog. Drittstaaten – also Ländern, die wie die Schweiz nicht zur EU gehören. Um die Handelstätigkeiten mit diesen Nicht-EU-Staaten zu ermöglichen bzw. zu erleichtern, muss die EU deren Gesetze und Mechanismen als gleichwertig mit den eigenen anerkennen. Dies gilt auch beim Handel mit Wertpapieren. 

Die Anerkennung der Schweizer Börse (Börsenäquivalenz) wurde von Seiten der EU jedoch bisher nur befristet gewährt. Knackpunkt für eine nochmalige Verlängerung war dabei nicht etwa die Börsenregulierung selbst, sondern politischer Beziehungsstress zwischen den Nachbarn. Seit Mai 2014 verhandeln Deutschland und die Schweiz bereits über ein neues gemeinsames Rahmenabkommen. Aus Sicht der EU war der Vertrag bereits ausgehandelt, aber die Schweizer zierten sich dennoch, es zu unterschreiben. Sie wollten noch „Klärungen“ zu den drei Punkten staatliche Beihilfen, Lohnschutz und Unionsbürgerrichtlinie. Für die Eidgenossen sind diese Themen für die bevorstehenden Parlamentswahlen im Oktober durchaus relevant. Doch mit Blick auf die aktuellen Brexit-Verhandlungen mit den Briten durfte auch die EU gegenüber anderen Drittstaaten nicht zu sehr nachgeben. Der Streit spitzte sich mit dem Auslaufen der Börsenanerkennung der SIX zum 30. Juni naturgemäß zu und eskalierte. D.h., die EU-Kommission hat die Börsenäquivalenz nicht über das Monatsende hinaus verlängert. Ab dem 1. Juli 2019 dürfen somit Marktteilnehmer aus der Schweiz keine europäischen Werte mehr über die Schweizer Börse SIX kaufen und verkaufen. Der Schweizer Bundesrat hat wiederum mit Gegenmaßnahmen reagiert und zeitgleich den Handel von Schweizer Wertpapieren in der EU mittels Notfallverordnung verboten. Mit dieser gegenseitigen Börsenblockade steht nun eine Patt-Situation im Raum. 

Was bedeutet das für deutsche Anleger?

Zunächst einmal stellten viele Anleger fest, dass seit Montag dieser Woche auf dem elektronischen Handelssystem Xetra oder an den Börsenplätzen Frankfurt und Stuttgart für Schweizer Aktien keine Kurse mehr gestellt wurden. Das gilt auch für Schwergewichte wie Nestlé, Roche oder Novartis. Damit findet dort auch kein Handel dieser Aktien mehr statt. Eine Ausnahme bilden Aktien mit einem Doppellisting: LafargeHolcim, ABB, Aryzta, BB Biotech und Cie Financiere Tradition. Diese Titel können auch weiterhin sowohl in der EU (wenn auch nicht an allen Börsen) als auch in der Schweiz gehandelt werden. Verbriefte Derivate, Anleihen, Fonds und ETFs, denen Schweizer Basiswerte zugrunde liegen, können ebenfalls weiter über die Börse Stuttgart gehandelt werden. 

Anleger, die in der Vergangenheit Aktien von Schweizer Unternehmen über einen europäischen Handelsplatz außerhalb der Schweiz kauften, haben nun zwei Alternativen:

1. Entweder sie warten eine Einigung ab, können aber in dieser Zeit ihre Schweizer Aktien nicht in Deutschland handeln. Wie lange sich jedoch bilaterale Schlichtungsgespräche hinziehen werden, ist ungewiss. 

2. Sie lassen ihre Schweizer Aktienbestände auf eine Schweizer Lagerstelle umbuchen, vorausgesetzt, die Depotbank hat einen Zugang zur Schweiz. Anschließend können die Werte sofort in der Schweiz gehandelt werden. Dieser Vorgang ist an sich unproblematisch, kann aber trotzdem auch schon mal eine Woche dauern. Zudem lassen sich viele Banken den Lagerstellenübertrag bezahlen. 

Generell können Privatanleger aber weiter in Schweizer Aktien investieren, denn die meisten Depotbanken arbeiten jetzt schon mit Korrespondenzbanken an den jeweiligen Lokalbörsen zusammen, weil ihre institutionellen Kunden ausländische Aktien ohnehin an den Heimatbörsen handeln – schon wegen der höheren Liquidität.

Es sieht ganz danach aus, dass sich die EU einmal mehr mit ihrer Politik selbst Schaden zufügt und ihre Taktik nicht aufgeht. Wer es auch erfunden hat, er hat der ohnehin schon kümmerlichen Aktienkultur in Deutschland einen Bärendienst erwiesen.

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Deutschland ist das Land des Bargeldes. In kaum einem anderen Land der Welt bezahlen die Menschen noch immer so viel mit barer Münze. Doch auch hier setzt sich der Trend zum bargeldlosen Bezahlen zunehmend durch. Im vergangenen Jahr beglichen die Deutschen erstmals den größten Teil ihrer Einkäufe mit Karte – insgesamt gut 209 Mrd. €. Möglich macht dies auch der wachsende Markt der Zahlungsdienstleister. 

Nicht zuletzt der Siegeszug des E-Commerce hat den Wandel zum bargeldlosen Bezahlen geebnet. Der Markt für Karten- oder Onlinezahlungen boomt. Experten schätzen, dass das Volumen weltweit von aktuell gut 1,9 Bill. $ jährlich auf rd. 2,9 Bill. $ bis 2022 anwachsen wird. Vor allem das kontaktlose Bezahlen via Smartphone oder smarter Girocard wird immer beliebter. Ende 2018 waren laut Euro Kartensysteme, einem Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Banken und Sparkassen, zwar erst 55 Mio. der gut 100 Mio. Girocards hierzulande mit Kontaktlos-Funktion ausgestattet. Zum Jahresende könnten es laut Unternehmensaussagen jedoch bereits 70 % sein. In Ländern wie den USA, den Niederlanden oder Schweden gehört das „digital payment“ bereits zum Alltag. So kann inzwischen selbst die Kollekte in der Kirche bequem via Smartphone überwiesen werden. Spitzenreiter in der Nutzung von neuen Bezahlmethoden ist und bleibt jedoch China. Hier ist bereits heute elektronisches Bezahlen beliebter als Bargeld – nicht zuletzt dank der Tech-Giganten Alibaba (US01609W1027) und Tencent. 

Ihre Bezahldienste „Alipay“ und „WeChat Pay“ haben jeweils gut 700 Mio. Nutzer. Wer das Angebot nutzen will, muss ein Profil anlegen und seine Bankdaten hinterlegen. Die Überweisung wird dann via App und QR-Code generiert. Solche QR-Codes finden sich in China an beinahe jeder Ecke: in der Bäckerei, der Straßenbahn oder im Taxi. Nahezu überall lässt sich bequem bargeldlos bezahlen. Doch Alibaba geht noch einen Schritt weiter. So hat der Konzern jüngst „Smile to Pay“ vorgestellt. Der Name ist Programm. Um den Kaffee zu bezahlen, sollen Kunden in Zukunft nur noch in ein entsprechendes Gesichtserkennungstablet lächeln. Insgesamt 400 Mio. € will Alibaba investieren. 

υ Alibaba gehört bereits heute mit Millionen von Nutzern zu den Giganten der Branche. Doch Ausruhen gehört nicht zum Leitbild des Konzerns. Das Zukunftspotenzial sollten sich Anleger trotz des bereits heißgelaufenen Kurses nicht entgehen lassen und Kursrücksetzer zum Kauf nutzen. 

Um bargeldlose Transaktionen überhaupt zu ermöglichen, setzen Handelsunternehmen und -plattformen auf Zahlungsdienstleister. Die Branche kocht. Es schießen nicht nur neue Start-ups im Zahlungssektor wie Pilze aus dem Boden. Um gegen die wachsende Konkurrenz bestehen zu können, sind „alteingesessene“ Zahlungsdienstleister bereit, horrende Übernahmesummen zu zahlen. Die Konsolidierung ist in vollem Gange – eine mehr als reizvolle Zeit für Anleger. 

Ausgerechnet aus dem Land der Bargeldzahler kommt dabei einer der am schnellsten wachsenden Zahlungsdienstleister: Wirecard (DE0007472060). Nach deutlichen Kursverlusten vor dem Hintergund von Bilanzmanipulationsvorwürfen der FT (Financial Times), konnte sich die Aktie wieder erfolgreich zurückkämpfen. Ein Kursplus von fast 60 % hat Wirecard in den letzten Wochen hingelegt. Trotz aller Schwierigkeiten hat sich der Zahlungsabwickler zuletzt weiter stark in Asien engagiert und dort mehrere Kooperationen abgeschlossen, um in diesen Regionen seine bargeldlosen Dienstleistungen stärker auszubauen. Auf den Philippinen wurde gerade seine unternehmenseigene Lösung für den bargeldlosen Zahlungsverkehr eingeführt. Außerdem hat Wirecard auf Shoppee, der führenden E-Commerce-Plattform in Südostasien und Taiwan, Ratenzahlungspläne ins Programm aufgenommen, die User in verschiedenen Bereichen nutzen können. Auch mit den Angeboten von Alibaba und Tencent gibt es bereits bestehende Kooperationen. Neben dem asiatischen Raum sind die Münchener auch in anderen Ländern stark vertreten. 

In den USA ist Wirecard bereits heute einer der führenden Anbieter von Payout-Karten (personalisierte Prepaid-Karten), insbesondere im Telekom- und Kabelbereich. Nordamerika ist eine der Regionen, in der Wirecard große Transaktionsvolumina und viel Potenzial in neuen Branchen sieht, etwa im Immobilien- und Versorgungssektor. Mit der französischen Großbank Crédit Agricole hat das Unternehmen seine Zusammenarbeit jüngst sogar noch einmal ausgebaut. Der ebenfalls aus Frankreich stammende Telekom-Konzern Orange wickelt seine Bezahlangebote ebenfalls über die Deutschen ab. Zusammen mit Visa hat Wirecard für die Allianz eine eigene Geldkarte namens Allianz Prime entwickelt, die derzeit in Italien getestet wird. 

Die Zahlen sprechen für sich. Im abgelaufenen Q1/2019 steigerte Wirecard seine Erlöse um 34,8 % auf 566,7 Mio. €. Der Gewinn je Aktie konnte auf 0,86 (0,57) € verbessert werden. Und auch der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit konnte mit 143,4 (87,4) Mio. € deutlich zulegen. 

Wirecard ist zurück und ein mehr als interessantes Investment. Zudem wird der Zahlunsgabwickler immer mal wieder als heißer Übernahmekandidat gehandelt. Da auch der berüchtigte Shortseller Odey auf dem Rückzug ist und seine Leerverkaufsposition halbiert hat, sollten Anleger über Käufe nachdenken. 

Dass die Handelswelt Potenzial in der Zahlungsabwicklungs-Branche sieht, zeigt sich am Beispiel des niederländischen Unicorns Adyen (NL0012969182). Das 2006 gegründete Unternehmen hat im vergangenen Juni einen mehr als fulminanten Börsenstart hingelegt. Allein am ersten Handelstag verdoppelte sich der Kurs von 240 € auf zeitweise über 480 €. Seitdem ging es für die Niederländer nicht nur kursseitig steil nach oben. Im vergangenen Jahr konnte Adyen bei abgewickelten Zahlungen in Höhe von gut 159 Mrd. € seinen Gewinn um ganze 80 % steigern! 

Und das Wachstum dürfte anhalten. Denn ab 2020 ersetzt das europäische Unternehmen beim Onlinemarktplatz Ebay den bisherigen Zahlungsabwickler PayPal. Neben Ebay gehören auch Branchengrößen wie AirBnB, Netflix oder Spotify zu den Kunden von Adyen. Zudem expandiert Adyen momentan vermehrt in den asiatischen Markt. Gerade auch im Omnichannel zeigt sich Adyen stark, beispielsweise mit Self-Checkout-Terminals. Gleichzeitig ermöglicht der Zahlungsdienstleister 1-Click-Zahlungen, Treueprogramme sowie „Apple Pay“, „Google Pay“ und „Alipay“. Spannend ist bei Adyen insbesondere die Prozessoptimierung, die der Payment-Anbieter verspricht. Einzelne Transaktionen werden automatisch mittels Machine Learning in Echtzeit geprüft. Zudem haben Kunden Zugriff auf umfassende Käuferprofile und Bewertungen. 

Die Wachstumsrichtung dürfte bei Adyen noch eine Weile anhalten. Allerdings ist die Aktie nichts für Schnäppchenjäger. 

Zwar hat Adyen PayPal (US70450Y1038) als Zahlungsdienstleister bei Ebay verdrängt, doch das US-Unternehmen ist keineswegs auf dem Rückzug, ganz im Gegenteil. Um gegen die wachsende Konkurrenz bestehen zu können, hat sich der Onlinebezahldienst im vergangenen Jahr das schwedische Finanz-Start-up iZettle geschnappt. Die Schweden stellen vor allem dem stationären Handel mobile Kartenlesegeräte zur Verfügung. Insgesamt 2,2 Mrd. $ hat sich PayPal den Zukauf kosten lassen. 

Darüber hinaus bietet das Unternehmen nun auch eigene Tools zur Betrugsprävention und Zahlungsabwicklung an. Die PayPal Commerce Plattform „Private Business Cloud“ richtet sich z.B. an Marktplatzanbieter wie Instagram, die für die bei ihnen angeschlossenen Händler die Bezahlung abwickeln. Mit der PayPal Plattform können die Anbieter z.B. wählen, ob die Payment-Gebühren sofort und für jede Zahlung einbehalten werden. Zudem hat PayPal jüngst die Ausweitung der Kooperation mit Google Pay bekannt gegeben. Schon seit vergangenem Jahr können Nutzer, die PayPal als Zahlungsmethode bei Google Pay angegeben haben, damit für Google-Angebote zahlen. Nun kommt eine ähnliche Integration für Online-Händler, die Google Pay auf ihrer Website oder in ihrer mobilen App als Zahlungsmethode aktiviert haben. 

Daher bleibt PayPal nach wie vor eine interessante Kaufoption. 

Einer der heißen Übernahmekandidaten im vergangenen Jahr war die französische Ingenico Group (FR0000125346). Die Gruppe fertigt Chipkartenleser für die bargeldlose Zahlungsabwicklung und entwickelt Softwarelösungen für Onlinezahlungen im Bereich des elektronischen Handels. Mit der jüngst abgeschlossenen Fusion seines Deutschland-Geschäfts mit der Tochter des Dt. Sparkassenverlags, BS PAYONE, haben sich die Franzosen erfolgsversprechend im noch vergleichsweise unerschlossenen europäischen Geschäft der Zahlungsdienstleister positioniert. Die DSV-Gruppe (Deutscher Sparkassenverlag) hält 48 %, die Ingenico Group einen Anteil von 52 %. Mit der Fusion soll einer der modernsten, digital getriebenen Zahlungsdienstleister in Zentraleuropa vorrangig für Händlerkunden entstehen. Der strategische Fokus von PAYONE liegt in der Verzahnung aller Zahlwelten (am Point of Sale, E-Commerce- und In-App-Lösungen) sowie in der Entwicklung von digitalen Zahlungs- und Serviceinfrastrukturen für Händler und deren Dienstleister. Trotz eines herausfordernden letzten Geschäftsjahres geht es für den Aktienkurs seit Jahresbeginn steil bergauf. Das dürfte nicht zuletzt an den noch immer anhaltenden Übernahmefantasien liegen. 

Bei einem akt. Kurs von 74,52 € kann man die Aktie der Ingenico Group zumindest spekulativ ruhig weiterlaufen lassen. 

Wer sich nicht durch ein breites Portfolio am Markt etablieren kann, gerät schnell in das Fusionskarussell. Und das dreht sich derzeit immer schneller. Allein in diesem Jahr wurden bereits drei milliardenschwere Mega-Deals aus der Zahlungsbranche gemeldet. Erst im Januar hat der Zahlungsabwickler Fiserv das US-Unternehmen First Data geschluckt. Kostenpunkt: 22 Mrd. $. Fiserv bietet Zahlungsverkehrs-Dienstleistungen und Software für Banken und die Finanz- und Retailbranche an. Im März legte Fidelity National Services eine 35 Mrd. $ schwere Offerte für Worldpay auf den Tisch. Inklusive Schulden wird Worldpay mit 43 Mrd. $ bewertet. Und erst Ende Mai verkündete der amerikanische Online-Bezahldienst Global Payments (US37940X1028) die geplante Akquisition von Total System Services. Der rund 21,5 Mrd. $ schweren Fusion haben die Verwaltungsräte beider Unternehmen bereits zugestimmt. Allerdings unterliegt der Deal noch der Zustimmung der Aktionäre und der Aufsichtsbehörden. Die Übernahme schaffe ein schlagkräftiges Unternehmen, das Bezahltechnologie und Software für mehr als 3,5 Mio. kleine bis mittelgroße Händler und über 1.300 Finanzinstitutionen in über 100 Ländern zur Verfügung stelle. 

Global Payments ist mit einem akt. Kurs von 163,20 $ zwar nicht mehr günstig zu haben. Anleger sollten den Wert jedoch im Auge behalten und bei etwaigen Kursrücksetzern spekulativ zuschlagen. 

Auch etablierte Zahlungsanbieter, wie die zwei größten Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard (US57636Q1040) profitieren derzeit vom Online-Boom. Denn noch immer wird ein Großteil aller Einkäufe über eine Kreditkarte abgerechnet. Doch die beiden Branchengrößen gehen noch einen Schritt weiter und investieren in die Zukunft.  

So hat sich Mastercard zusammen mit Barclays an dem Zahlungsdienst SendFriend beteiligt. Die Technologie, die noch ganz am Anfang steht, fokussiert sich auf Zahlungen via Blockchain. 

Damit positioniert sich Mastercard im wachsenden Markt der Kryptowährungen. Kein Wunder also, dass der Konzern auch zu den Investoren der Facebook-Währung (US30303M1027) Libra gehört. 

Bereits Anfang kommenden Jahres will das soziale Netzwerk seine Kryptowährung „Libra“ an den Start bringen und damit den traditionellen Zahlungsverkehr gehörig aufmischen. Libra soll es allen Nutzern des Netzwerks ermöglichen, untereinander Geld zu versenden und Waren von Unternehmen zu erwerben – und das ganz ohne Bank- dienste. Um die Digitalwährung unabhängiger von Preisschwankungen zu machen, will Facebook-CEO Mark Zuckerberg „Libra“ als einen sogenannten Stable-Coin entwickeln. Das heißt, dass die Währung an staatliche Währungen gekoppelt wird, anders als andere Cyber-Devisen wie etwa Bitcoin. Daher könnten Stable-Coins auch als Zahlungsmittel große Verbreitung finden und somit dem traditionellen Geld Konkurrenz machen.    

Der Aufschrei in der Bankenbranche war nicht zu überhören. Doch die Banken haben jahrelang den Trend-Wandel schlichtweg verschlafen. Und noch schlimmer: Anfang 2017 verkauften die deutschen Geldhäuser ihren eigenen Zahlungsdienstleister Concardis an die Finanzinvestoren Bain Capital und Advent. Concardis gehört mittlerweile zum dänischen Zahlungsdienstleister Nets. 

Anleger sollte den Trend aufgreifen. Wem ein Investment in Facebook zu spekulativ ist, kann sich mit Mastercard indirekt beteiligen und hat gleichzeitig einen stabilen Wert für das Langzeit-Depot. 

 

Auch wenn in Deutschland noch immer ein Großteil mit Bargeld bezahlt wird, zeigt der weltweite Trend, dass die Zukunft dem kontaktlosen Payment gehört. Damit hat das Konsolidierungskarussell jetzt erst richtig Fahrt auf-
genommen. 

 

 

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Wenn deutsche Firmen von ausländischen Unternehmen übernommen werden, dann gibt es meist einen Aufschrei in der Bevölkerung und Widerstand von Seiten der Politik. Dabei ist die Übernahme der deutschen Volkswirtschaft längst in vollem Gange, denn fast 85 % der deutschen DAX-Konzerne sind bereits in ausländischer Hand. Allein nordamerikanische und britische Investoren halten derzeit 54,1 % der deutschen Blue Chips. Damit wandert nicht nur deutsches Know-how ungehindert ins Ausland ab, sondern auch die Dividenden füllen fremde Taschen

Bereits zum fünften Mal in Folge haben der Deutsche Investor Relations Verband (DIRK) und Ipreo (IR) in einer gemeinsamen Marktstudie die Strukturveränderungen der Investorenlandschaft des DAX analysiert. Bei der Studie „Investoren der Deutschland AG 5.0“ wurden vor allem die Veränderungen der Aktionärsstruktur der 30 deutschen DAX-Unternehmen innerhalb von 12 Monaten untersucht. Demnach sind Ende 2017 (für 2018 liegen noch keine Zahlen vor) institutionelle Anleger wieder verstärkt im deutschen Leitindex investiert. Ihnen gehören zum Stichtag 61,8 % des gesamten Aktienkapitals der DAX-Unternehmen, Privatanleger halten im Durchschnitt 17,2 %. Der Rest entfällt auf strategischen Anteilsbesitz. Dazu zählen Ankerinvestoren, wie z.B. Familien, Stiftungen, Beteiligungen der Bundesrepublik Deutschland sowie Direktinvestitionen von Aktien und Holdinggesellschaften.

Die Studienergebnisse zeigen aber auch, dass der Ausländeranteil bei den DAX-Eigentümern weiter gestiegen ist. Inzwischen sind knapp 85 % der größten und liquidesten Unternehmen Deutschlands in ausländischer Hand, das entspricht rund einer Billion Euro! Vor allem britische Investoren haben bei den deutschen Standardwerten zugekauft, nachdem 2016 noch der Brexit zu Unsicherheiten und damit zu Mittelabflüssen geführt hatte. 2017 aber haben die Briten dann wieder beherzt zugegriffen und ihren Anteil um 1,2 Prozentpunkte auf knapp 20 % erhöht. Auch die USA sind auf dem Vormarsch und haben ihren Besitz in der höchsten deutschen Börsenliga um knapp einen Prozentpunkt auf 33,5 % ausgebaut. Prozentual am stärksten hat jedoch Kuwait bei den deutschen Vorzeigeunternehmen zugegriffen. Der Staatsfonds Kuwait Investment Office ist damit nach der Norges Bank und dem China SAFE der drittgrößte Staatsfonds im DAX. Die Kuwaitis nutzen dafür ein eigenes Investmentbüro in London, welches die Staatsgelder aktiv verwaltet und inzwischen auch als erste Adresse für Events und Roadshows gilt. Einen Teil seines Vermögens lässt Kuwait zudem durch internationale Fondsgesellschaften extern verwalten. Dazu gehören z.B. die Deka, AGI, BNP Paribas, Columbia Threadneedle oder auch die Danske Bank. Andere asiatische Investoren spielen dagegen im DAX nur eine untergeordnete Rolle. Sie sind stärker in den Mid- und Small-Caps engagiert. Deutsche institutionelle Investoren besitzen insgesamt nur noch 15 % am Dax. 

Während die Norges Bank mit einem Gesamtinvestment von 25,9 Mrd US-Dollar weiterhin der größte im DAX investierte Staatsfonds blieb, musste sie ihre Führungsposition als Einzelinvestor an Vanguard abgeben. Der klassische ETF-Anbieter ist mit ca. 5 Bill. US-Dollar Anlagevermögen mittlerweile der zweitgrößte Asset Manager der Welt. Die Norges Bank belegt damit Ende 2017 nur noch den dritten Platz der Top DAX-Investoren, hinter Vanguard und BlackRock Fund Advisors (vgl. Abb.). Die Black Rock-Gruppe mit ihren vielen Einzelvehikeln bleibt unverändert der wichtigste und größte Eigentümer deutscher Vermögenswerte und hat somit auch die höchsten Ausschüttungen eingestrichen. Es gibt kein Dax-Unternehmen, bei dem der US-Vermögensverwalter nicht wenigstens mit einer kleinen Position an Bord ist. Bei der Deutschen Bank und der Deutschen Börse ist BlackRock schon lange mit großen Anteilen dabei. Bei 20 der 30 Dax-Konzerne ist der US-Investmentfonds lt. DSW sogar größter Einzelaktionär, bei 19 Dax-Konzernen hält er mehr als fünf Prozent des Kapitals. So liegen auch 5,74 % von Deutschlands größtem Technologiekonzern Siemens in der Hand von BlackRock. Ebenfalls über 5 % hält der Konzern am Sportartikelhersteller Adidas, an Linde, Infineon und SAP. Damit dominiert BlackRock auch die Abstimmungen auf den Hauptversammlungen. Bei Bayer ist BlackRock mit einem Anteil von 7,17 % sogar größter Einzelaktionär und damit auch mit verantwortlich für die erste Nicht-Entlastung eines DAX-Vorstandes überhaupt. Brisant nur: BlackRock ist mit 5,75 % auch zweitgrößter Aktionär bei Monsanto und gilt somit als Strippenzieher für den Deal zwischen Bayer und Monsanto, der jetzt Bayer-Chef Baumann die Entlastung kostete. Im Übrigen ist BlackRock auch beim Bayer-Konkurrenten BASF mit 6,61 % der mit Abstand größte Anteilseigner. Dass bei der Fresenius-Tochter FMC, die ebenfalls im Dax notiert, der Vorstand um Rice Powell nur mit einer Quote 56,8 % entlastet wurde, dürfte ebenfalls BlackRock (6,28 %) anzurechnen sein. 

Eine solche Marktmacht ausländischer Investoren birgt natürlich ökonomische wie politische Gefahren. Anders als internationale Großbanken werden globale Vermögensverwalter nicht als „systemrelevant“ eingestuft, obwohl sie 40 % aller Vermögenswerte im globalen Finanzsystem kon-trollieren. Als Mehrheitsaktionäre der deutschen Großindustrie halten sie zudem die geballte deutsche Wirtschaftskraft in ihren Händen, was ihnen Herrschaftswissen und auch politischen Einfluss verleiht. Abgesehen davon fließt der Großteil der ausgeschütteten Gewinne ebenfalls ins Ausland ab. Dadurch drohen nicht nur volkswirtschaftliche Schäden, das birgt auch sozialen Sprengstoff. So gehen von den 36,5 Mrd. Euro Dividendenausschüttungen für 2018 schätzungsweise gerade mal 12,5 Mrd. Euro an hiesige Anteilseigner. 

Unternehmerische Beteiligungen werden in Deutschland politisch nicht gefördert, es gibt somit keine Tradition des Aktiensparens wie etwa in anderen Ländern. Nirgendwo sonst wird die verkümmerte deutsche Aktienkultur so deutlich wie beim Sparverhalten der Bundesbürger, die vor allem in der Dividendensaison bares Geld einbüßen – vor allem mit Blick auf die Altersvorsorge. 

Deutschland hat seine ökonomische und technologische Souveränität längst verloren. Deutsche Blue Chips werden nach und nach von professionellen Investoren aus aller Welt übernommen. Das industrielle Know-how der deutschen Champions fließt damit ungehindert ins Ausland ab, ebenso wie die Profite. Deutschland braucht eine Industriestrategie und eine neue Aktienkultur – zunächst aber kompetente Politiker. 

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Die Anleger reagierten schockiert, als Infineon die neun Milliarden Euro schwere Übernahme des Halbleiterherstellers Cypress verkündete. Hatte sich doch gerade erst Bayer an der milliardenschweren Übernahme von Monsanto verschluckt, und auch Fresenius war nur haarscharf an einem Desaster bei seinem US-Zukauf Akorn vorbeigeschlittert. Sollten also deutsche Firmenbosse besser die Finger von US-Übernahmen lassen?

Bayer bezahlte für den Kauf von Monsanto 63 Mrd. Euro – eine Rekordsumme in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Doch die teuerste Übernahme aller Zeiten entpuppt sich inzwischen als hoch giftig. Denn kaum waren die Deutschen der neue Eigentümer, da trudelten täglich neue Schadenersatzklagen wegen krebsauslösender Monsanto-Produkte ein. Die ersten Prozesse hat Bayer allesamt verloren. Werden die Urteile in den nächsten Instanzen rechtskräftig bestätigt, könnte das Monsanto-Gift letztlich sogar tödlich für Bayer sein. Schon jetzt ist die Übernahme zum gigantischen Kapital- und Imagevernichter geworden, der Aktienkurs seitdem um 40 % abgeschmiert. Dabei ist das Bayer-Management bei Übernahmen in den USA durchaus erfahren. Erst 2014 hatte der DAX-Konzern für 14,2 Mrd. Dollar das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsprodukten des US-Pharmakonzerns Merck übernommen. Vielleicht aber hatte sich gerade deshalb die Leverkusener Führungsriege zu sicher gefühlt im Umgang mit amerikanischen Firmenkäufen. Dabei hatten sich vor ihnen auch schon andere die Finger verbrannt. 

Ein Musterbeispiel für einen Fehlschlag lieferte die deutsche Automobilindustrie. 1998 kauft der Stuttgarter Autobauer Daimler seinen US-Konkurrenten Chrysler. Die „Hochzeit im Himmel“ kostete 43,1 Mrd. Euro und wurde nach neun Verlustjahren wieder geschieden. Doch die spektakuläre Ehe-Pleite lähmte den deutschen Autobauer noch lange darüber hinaus. Zwei Jahre nach Ex-Daimler-Boss Schrempp versuchte ein anderer deutscher Manager den größten Deal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte abzuschließen. Ron Sommer, damals Vorstandschef der Deutschen Telekom, legte im Jahr 2000 die Summe von fast 39,4 Mrd. Dollar für den Telefondienstleister VoiceStream Wireless Corporation auf den Tisch. Mit dem Geschäft wollten die Deutschen auf dem wichtigsten Telekommunikationsmarkt der Welt Fuß fassen. Doch der begehrte Vertrag mit Apple blieb aus. Die Kunden liefen zur Konkurrenz, wo es das neue iPhone-Handy gab. Und T-Mobile USA blieb auf der Strecke. Zweimal versuchte die Telekom, ihre verlustreiche Tochter an einen Konkurrenten weiterzureichen, und zweimal scheiterte sie. 

Auch der Essener Stromkonzern RWE holte sich in den USA eine blutige Nase. Für 7,5 Mrd. Dollar angelte er sich 2003 den größten US-Wasserversorger. Doch der dicke Fisch fing an zu stinken, der Investitionsbedarf war größer als gedacht. Sechs Jahre später verkauften die Essener American Water wieder. Adidas-Chef Herbert Hainer wollte sein Schuhregal um den US-Sportschuhkonkurrenten Reebok erweitern, was sich der Konzern 2005 gut 3,5 Mrd. Dollar kosten ließ. Tatsächlich aber halsten sich die Deutschen damit ein Sanierungsobjekt auf. Siemens hatte bei seinen Zukäufen in den USA auch nicht immer ein glückliches Händchen. Vorstandschef Peter Löscher zog 2007 den Labor-Diagnostik-Anbieter Dade-Behring für 7,68 Mrd. Dollar an Land. Darauf musste er zunächst einmal ordentlich abschreiben. Sein Nachfolger Joe Kaeser griff 2014 für den amerikanischen Maschinenbauer Dresser-Rand mit 7,73 Mrd. Dollar nochmals tief in die Tasche. Kein guter Zeitpunkt, wie sich später herausstellte. Da die Amerikaner auf Öltechnologie spezialisiert sind und die Ölpreise seit dem Kauf wegbrachen, rechnet sich das teure Investment der Münchener bisher nicht. Fresenius dagegen kam gerade noch mit einem blauen Auge davon und konnte den 2017 geschlossenen Ehevertrag mit Akorn dank jeder Menge Rückzugsklauseln wieder annullieren. Denn kurz nach der Eheschließung stellte sich heraus, dass die Braut gar nicht so hübsch war, wie man glaubte und auch keine 5 Mrd. Dollar wert. 

Auch wenn das Management von Fresenius ebenfalls einer Fehleinschätzung erlegen war, so hatte es sich zumindest rechtlich gut abgesichert. „Was wir im Vorfeld nicht selbst prüfen durften, hatten wir vertraglich abgesichert“, so Fresenius-Chef Stephan Sturm auf der diesjährigen Hauptversammlung. Doch das ist leider nicht die Regel, obwohl die Vorstände solche Übernahmeentscheidungen nicht allein treffen. Zumeist ist ein ganzer Schwarm von Beratern, Experten und Prüfern in einen solchen Prozess involviert. Dennoch scheitern immer wieder Expansionsversuche gerade in den USA, obwohl sich dort viele der heutigen Manager zu Hause fühlen. Vielleicht unterschätzen aber gerade deshalb viele von ihnen die US-Unternehmenskultur und die rechtlichen Risiken. Die Arbeit ist schließlich nicht mit Abschluss des Kaufvertrages beendet. Die Übernahmen erfordern meist noch jede Menge Folgeinvestitionen und Strukturmaßnahmen, für die es einen langen Atem und weitere Finanzmittel braucht. „Fusionen sind die Königsdisziplin des Managements“ – und die beherrsche nun einmal nicht jeder, sagt der Ökonom Lars Schweizer von der Goethe-Universität Frankfurt. Er hat zahlreiche Studien dazu ausgewertet mit dem Ergebnis: „Zwei von drei Unternehmensübernahmen scheitern.“

Wie es anders geht, zeigt der deutsche Softwarekonzern SAP. Er hatte schon ein zweites festes Quartier in den USA, bevor er für 8,3 Mrd. Dollar das US-Unternehmen Concur Technologies kaufte. Concur programmiert Software zur Buchung und Abrechnung von Reisen und beliefert u.a. auch die US-Regierung. Weil sich die Vorgänge bei Concur komplett internetbasiert abspielen, erweist sich der Zukauf als perfekte Ergänzung für das bisherige Geschäft. Der Merck-Konzern hat sich im April für seine Sparte Performance Materials mit der Übernahme des Spezialchemiekonzerns Versum einen Zukauf geleistet, der mit 6,5 Mrd. Dollar nicht gerade preiswert, aber durchaus sinnvoll ist. Die Darmstädter haben aber schon mehrfach bewiesen, dass sie solche Projekte gut managen und die eigene Verschuldung danach zügig wieder zurückführen können. Auch Infineon könnte nun ein guter Deal gelingen, denn im strategisch wichtigen Halbleitermarkt war Deutschland bislang kaum sichtbar. Doch ohne die Mini-Bauteile hebt kein Flugzeug ab, startet kein Auto, läuft keine Waschmaschine und kein Espressoautomat. Autonomes und elektrischen Fahren sowie Internet der Dinge ist ohne sie erst recht nicht denkbar. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Infineon einen saftigen Aufpreis auf den Aktienkurs von Cypress zahlen muss, um an das Geschäft zu kommen. Doch Vorstand Ploss hat schon einmal einen US-Wettbewerber für viel Geld geschluckt und anschließend mit ebenso viel Geschick integriert. Es spricht nichts dagegen, warum ihm dies nicht ein zweites Mal gelingen sollte. Und mit der Akquisition mischt ein deutscher Halbleiter-Anbieter zumindest wieder auf dem Weltmarkt mit. 

Dass deutsche Konzerne international auch auf Übernahmen setzen, ist zunächst richtig. Sie ermöglichen oft einen direkteren Marktzugang bzw. die Sicherung von Marktanteilen. Wenn dabei die rechtlichen Risiken und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen richtig beurteilt werden, bietet dies auch einen hohen Mehrwert für die Aktionäre. 

 

 

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Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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