Nach dem Klimawandel treibt seit Wochen ein neues Thema die Menschen auf die Straße. Vor allem in den Großstädten demonstrieren sie gegen Wohnungsnot und steigende Mieten. In Berlin begann zudem das umstrittene Volksbegehren zur Enteignung von Wohnungskonzernen. Die Initiatoren fordern, dass Unternehmen, die mehr als 3.000 Wohnungen besitzen, enteignet werden. Unterstützt werden sie von der rot-roten Regierung. 

Das hoch verschuldete Land Berlin soll also den Konzernen ihre Wohnungen zwangsweise abkaufen. Dabei verkloppte die Stadt doch selbst erst 2004 ihre landeseigene Wohnungsbaugesellschaft GSW mit 65.700 Wohn- und Gewerbeeinheiten in mehreren Berliner Bezirken. Da die 1924 gegründete Wohnbaugesellschaft damals mit 1,56 Mrd. Euro gegenüber Kreditgebern verschuldet war, wurde sie zum Schleuderpreis von 405 Mio. Euro inkl. einer Kostenpauschale von 4 Mio. Euro an die Finanzinvestoren Whitehall (Goldman Sachs) und Cerberus verramscht. Nach dem Börsengang gingen die Wohnungen 2013 in den Besitz der Deutsche Wohnen über. Heute sind die Wohneinheiten ca. 7 Mrd. Euro wert. Und ausgerechnet die seinerzeit beim Verkauf der GSW in der Regierungsverantwortung stehenden Parteien SPD und LINKE (damals PDS) schreien nun nach Verstaatlichung der Wohnungen. Dabei waren ihnen damals die Folgen ihres Deals mit den als Heuschrecken bekannten Investoren völlig egal. Ihnen ging es nur darum, die Finanzlöcher zu stopfen, die sie selber aufgerissen hatten. 

Für die Wohnungsnot sind also nicht irgendwelche profitgeilen Wohnungskonzerne verantwortlich, sondern Politiker, die von der Marktwirtschaft keine Ahnung haben und dann noch alle Sozialtore für eine unkontrollierte Zuwanderung öffnen. Mit ca. 1,9 Mio. Menschen war die Bundesrepublik mit Abstand europäischer Spitzenreiter. Deutschland nahm drei Mal so viele Asylbewerber auf wie etwa Frankreich und sechs Mal so viele wie die Briten, obwohl bei denen die ungedrosselte Zuwanderung zu den Brexit-Gründen gehörte. 

Dass knapp zwei Millionen Menschen, die nach Deutschland strömen, dann auch ein Dach über dem Kopf benötigen, mag nur unsere Politiker verwundern. Und Ankömmlinge mit wenig Geld beanspruchen natürlich gerade den preiswerten Wohnraum, und zwar in den Ballungsgebieten. Dazu gehören vor allem auch die Großstädte, denn dort gibt es Arbeit und Wohlstand. Daher zieht es auch immer mehr junge Leute aus Deutschland oder anderen EU-Staaten in die Metropolen Berlin, Hamburg, München und Düsseldorf. Und wenn viele Menschen in einigen wenigen Städten leben wollen, dann entspricht es den Marktgesetzen, dass dort die Preise für Immobilien und damit auch für die Mieten steigen. 

Statt mit sozialistischen Enteignungsideen sollte man dieser Entwicklung mit marktwirtschaftlichen Lösungsansätzen begegnen. Doch 30 Jahre nach dem Mauerfall scheint der Sozialismus hierzulande wieder aufzuerstehen. Erst letzte Woche erklärte Juso-Chef Kevin Kühnert, dass er für eine „demokratische Kollektivierung“ großer Unternehmen, wie z.B. dem Automobilhersteller BMW eintrete. Sein Ziel sei eine demokratische Kontrolle über die Verteilung der Gewinne. Und „maximal“ solle jeder nur „den Wohnraum besitzen, in dem er selbst wohnt“. Vielleicht ist Kühnert zu jung und war auch in der Schule keine Leuchte, sonst wüsste er: Auch in der DDR wurden Grund und Boden sowie Immobilien enteignet. Wohnungen waren zwar billig, aber auch völlig runtergewirtschaftet, weil nichts investiert wurde. In der DDR gehörten die Betriebe dem Volk (VEB). Profite wurden trotzdem nicht demokratisch verteilt, weil keine erwirtschaftet wurden. Es herrschte Planwirtschaft, die zu Fehlallokationen und
Mangelwirtschaft führte. Jeder wurde durchs Sozialsystem geschleppt, bis das System kollabierte. 

Wo sind die großen ökonomischen Denker, die Deutschland zu Wohlstand und Ansehen gebracht haben? Es ist eine Schande mit anzusehen, wie Deutschland durch politischen Dilettantismus ungebremst vor die Wand gefahren wird. Dagegen sollten die Menschen heute auf die Straße gehen!

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