Seit Jahren versucht die EZB mit billigem Geld, Konjunktur und Inflation anzuheizen. Inzwischen haben sich die europäischen Konjunkturdaten auf gutem Niveau stabilisiert, und die Teuerungsrate lag im Juli mit 1,7 % fernab der gefürchteten Deflation. Dies hätte für die EZB Anlass sein können, die umstrittenen Anleihenkäufe zurückzufahren und eine Zinswende einzuläuten. Aber seit der EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag weiß der Sparer, dass er für sein Geld weiterhin Strafzinsen zahlen muss. Und die südeuropäischen EU-Mitglieder wissen, dass ihre Staatsde zite und faulen Kredite auch weiterhin von Resteuropa nanziert werden. Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von 0 %, der Strafzins für das Geldparken bei 0,4 %. Und die EZB hat Anfang September das Tempo für den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen sogar nochmals erhöht. Der Europäische Gerichtshof hatte seinerzeit aber die Käufe nur unter dem Vorbehalt genehmigt, dass die Zentral- banken nicht mehr als ein Drittel der öffentlichen Schuldtitel einzelner Staaten kaufen. Diese Grenze könnte schon im Frühjahr erreicht sein. Für ein behutsames Zurückfahren des Anleihenvolumens ist es dann aber zu spät. Dann droht ein Zwangsaus.