Zum ersten Mal seit etwa sechs Jahren schrumpft das Vermögen der Deutschen wieder. Ursache hierfür sind der anhaltende Niedrigzins und die Inflation – sowie die Art und Weise der Geldanlage. Im 10. Jahr des Bullenmarktes an den Aktienbörsen liegen noch immer 40 % der Vermögensanlagen der Deutschen in Form von Bargeld, Sicht- und Termineinlagen auf nicht oder nur minimal verzinsten Konten oder gar Zuhause brach.

Seit dem 9. März 2009 läuft in Amerika nun schon der Bullenmarkt und gilt damit als der längste in der Geschichte. Allein im vergangenen Jahr erzielte der US-Aktienmarkt ein Plus von rund 21 %. Und mit über 7 % Plus liegt der S&P 500 in diesem Jahr auch schon wieder über seiner historischen Durchschnittsrendite. Auch wenn in Deutschland der Aktienmarkt etwas hinterherhinkt, hält auch hier die Aktienhausse an. An den internationalen Kapitalmärkten ließen sich so in den letzten Jahren gute Renditen erzielen. Trotzdem nutzte im vergangenen Jahr nur jeder sechste Deutsche diese Ertragschancen aus. Im Gegenteil: Obwohl das Geldvermögen der Deutschen Anfang 2018 auf den Rekordwert von fast 5,9 Bill. Euro gestiegen ist, parken sie den Löwenanteil von 2,326 Bill. Euro immer noch als Sicht-, Termin- oder Spareinlagen bzw. als Bargeld. Der Großteil dessen wird kaum bis gar nicht verzinst. Weil auf höhere Einlagen sogar schon Strafzinsen bezahlt werden müssen, horten einige Sparer ihr Geld sogar wieder wie ihre Vorfahren Zuhause (vgl. Abb.). Während so das Bargeld unverzinst bleibt, zieht die Inflation an. Verbraucher mussten im August 2018 im Schnitt gut 2,0 % mehr ausgeben als noch vor einem Jahr. Allein auf diesem Inflationsniveau sparen sich die Deutschen jährlich um 46,5 Mrd. Euro ärmer.

Wie sich aus dem Bericht der Bundesbank für August 2018 ergibt, haben „Bankeinlagen (einschl. Bargeld), die mit knapp 40 % stets den größten Portfolioanteil ausmachten, über weite Strecken die geringsten realen Renditen“ (vgl. S. 34) erbracht. Seit dem vierten Quartal 2016 liegen sie sogar deutlich im negativen Bereich. Wer also sein Erspartes auf Sparbüchern oder Festgeldkonten hält, hat seitdem Geld verloren. Eine Studie der Allianz-Versicherung belegt, dass schon in den Jahren vor der Nullzinspolitik der Notenbanken die europäischen Nachbarn der Deutschen ihr Geld wesentlich effektiver anlegten. Während diese in den „fetten Jahren“ 2012 bis 2015 auf eine Rendite von 4,6 % kamen, haben sich die Deutschen in dieser Zeit mit 2,3 % begnügt. Seit Anfang 2017 kam zu den niedrigen Zinsen auch noch hinzu, dass die reale Rendite der Versicherungsansprüche ein besonders niedriges Niveau erreichte. Lebensversicherungen und Rentenprodukte, die mit etwa 35 % bzw. 2,199 Bill. Euro hinter den Geldeinlagen auf Rang 2 beim deutschen Vermögensaufbau rangieren, konnten nun die Verluste nicht mehr ausgleichen. Investmentfonds mit Anleihen und Aktien machen ohnehin nur rund 10 % des deutschen Privatvermögens aus, die Direktanlage Aktien sogar nur 7 %. Daraus ergibt sich nach Berechnungen der Bundesbank schon Anfang 2018 für die Deutschen eine Gesamtrendite auf ihr Privatvermögen von –0,8 %. Erstmals seit sechs Jahren ist damit die Rendite wieder negativ. Trotz – oder gerade wegen – des Rekordniveaus an Geldbeständen nimmt somit auch die Kaufkraft der Deutschen seit Jahresbeginn ab. 

Diese Vermögensvernichtung hat ihre Ursache vor allem in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Ihre Niedrigzinspolitik hält die Staaten über Wasser, lässt Sparer und Anleger jedoch havarieren. Je niedriger der Zinssatz, desto schneller verlieren die Spareinlagen an Wert. „Die Sparer haben es mit ihrer Anlage-Entscheidung auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen“, konterte EZB-Präsident Mario Draghi, als er 2016 wegen der Herabsetzung der Zinsen auf null Prozent kritisiert wurde. Und tatsächlich belegen die aktuellen Zahlen: Obwohl die Zinsen in den Keller rauschten und Aktien und Immobilien kräftig an Wert zulegten, blieb das Anlageverhalten der deutschen Haushalte eher konservativ. Ihre Lieblingsanlage blieb auch nach 2016 das Sparbuch. Der Besitz an Aktien dagegen ging sogar zurück. Auch wenn die Anleger zeitweise sogar wieder auf das Börsenparkett zurückkehrten, wurden Aktien nie vollständig in den Vermögensaufbau integriert, was zu einem großen Teil der Politik angelastet werden muss. Sie klassifiziert diese Anlageform immer noch als hoch spekulativ und fördert sie somit nicht. 

„In den Vereinigten Staaten sprechen Familien über Aktieninvestitionen am Frühstückstisch, Kinder wachsen damit auf und bekommen solche Gespräche mit“, sagt Dr. Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut. Und das lohnt sich. Seit 1871 beträgt die durchschnittliche Jahresrendite des Dow Jones Kursindex 6,7 %. Würde man wie beim DAX die Dividenden reinvestieren, ergäbe sich sogar eine jährliche Rendite von 11,1 %. Und selbst unter Berücksichtigung der Inflation seit 1870 käme der Dow Jones dann noch auf 8,9 % p.a. Der DAX kann zwar mit dieser Performance nicht ganz mithalten, aber dennoch schlägt ein langfristiges Investment in den deutschen Leitindex alle anderen Assets. 

Nur mit einem Aktieninvestment lässt sich langfristig Vermögen aufbauen. Gerade junge Menschen haben noch die nötige Zeit, mit Aktien ihre Rente abzusichern. 

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