Die Deutsche Bank ist krank, sehr krank – und das seit vielen Jahren schon. Selbst als die Symptome eindeutig waren, dementierten die Verantwortlichen immer noch hartnäckig und wollten Anlegern und Geschäftspartnern einreden, dass alles nur halb so schlimm sei. Doch die Verluste des Instituts bewegen sich inzwischen deutlich im zweistelligen Milliardenbereich. Allein im vierten Quartal 2018 lag der Nettoverlust bei rund 409 Mio. Euro. 

Und in jedem Finanzskandal irgendwo auf der Welt ist die Deutsche Bank irgendwie verstrickt, der Aktienkurs schon seit Jahren im Keller. Binnen eines Jahres verloren die Titel 55,7 % an Wert, innerhalb von fünf Jahren sind es -74,6 %. Doch in den letzten Monaten hat sich der Zustand des Patienten Deutsche Bank nochmals massiv verschlechtert. Finanzminister Olaf Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies sind überaus besorgt und rechnen offenbar mit dem Schlimmsten. Ein Überleben der Bank scheint ohne Organspende kaum möglich. Also ist man seit Monaten im In- und Ausland auf der Suche nach einem geeigneten Spender. Und Jörg Kukies als ehemaliger Deutschlandchef von Goldman Sachs hat glücklicherweise genügend Erfahrung mit schwierigen Eingriffen. Mit der Commerzbank scheint nun der geeignete Spender gefunden. Sie hat im vergangenen Jahr mit 865 Mio. Euro etwa zweieinhalb Mal so viel verdient wie die Deutsche Bank und ist bei ihrem seit Jahren laufenden Konzernumbau schon deutlich weiter als der Branchenprimus. Andererseits ist die Commerzbank allein auch nicht mehr kräftig genug, um international wirklich eine Rolle zu spielen. Das Institut musste dann auch noch im Herbst den DAX verlassen und stieg in den MDAX ab. Aber der Bund ist noch mit 15 % beteiligt und wünscht sich schon lange ein starkes deutsches Geldhaus – einen „nationalen Champion“, der auch international wettbewerbsfähig ist und mit den großen chinesischen und US-amerikanischen Instituten dauerhaft mithalten kann. Denn in der Weltspitze spielen deutsche Banken schon seit der Finanzkrise nicht mehr mit. Im August 2018 stellte Bundesfinanzminister Olaf Scholz fest, dass es ein Problem für eine große Volkswirtschaft wie die deutsche sei, „dass die Banken (...) nicht die Größe und die Globalität haben, um die Wirtschaft zu begleiten“. Und in der Tat, in der von der Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) erarbeiteten Rangliste aus April 2018 liegt die Deutsche Bank nach der Bilanzsumme global nur auf Platz 15, die Commerzbank findet sich sogar erst auf Rang 54. Die ersten vier Plätze in dem Ranking belegen Institute aus China, noch vor der größten US-Bank JP Morgan Chase. Die Nummer 1 in Europa, die HSBC, kommt immerhin auf Platz 7 und die BNP Paribas belegt Platz 8. Der Wert von Deutscher Bank und Commerzbank ist seit der Erhebung weiter gesunken. Zusammen kommen sie gerade mal auf eine Marktkapitalisierung von rund 25 Mrd. Euro. Doch eine Kapitalspritze würde keine der beiden Banken mehr bekommen. Es sei denn, man fusioniert die beiden. Dann ließe sich für die neue Großbank sicher noch einmal der Markt anzapfen. 

Bei der Commerzbank hat der Staat über seine 15%ige Aktienbeteiligung ohnehin ein direktes Mitspracherecht und kann entsprechend Einfluss ausüben. Die Deutsche Bank ist inzwischen zu schwach, um sich dem politischen Druck zu entziehen. Und die Steuerzahler haben letztlich keine Wahl, sie werden nicht gefragt. Sie werden am Ende wieder mal die Rechnung für Missmanagement und Geldgier von rücksichtslosen Bankern und unfähigen Politikern bezahlen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Patienten auch wirklich überleben, denn bisher war staatliche Einmischung in den freien Markt noch nie besonders nützlich. Schließlich musste die Commerzbank gerade durch die Übernahme der Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise 2008 mit staatlicher Hilfe gerettet werden, hat sich jedoch bis heute nicht vollständig erholt. Wie erfolgreich die bevorstehende Not-OP für die beiden führenden deutschen Banken sein wird, ist fraglich. Wie sie ablaufen könnte, zeigte jedenfalls schon vor Jahren die Fernsehserie „Bad Banks“. 

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