Frankfurter Allgemeine Zeitung
„2008 übernahm die Deutsche Bank die Postbank. Elf Jahre später sagt nun im Übernahmestreit Vorstandschef Appel aus. Sein häufigster Satz dabei:
,Daran kann ich mich nicht erinnern.´
Es kommt nicht so häufig vor, dass amtierende Vorstandsvorsitzende von Dax-Konzernen in Gerichtsprozessen als Zeugen aussagen. Dass sich Appel dazu äußert, liegt an einem Streit, der sich seit bald zehn Jahren hinzieht. Vor dem OLG stehen sich die Deutsche Bank und frühere Postbank-Aktionäre gegenüber, darunter das Börsenjournal Effecten-Spiegel und eine Beteiligungsgesellschaft der Talanx-Versicherung. Es geht darum, ob die Deutsche Bank die Aktionäre der Postbank angemessen bezahlt hat. ...
Die Deutsche Bank war im September 2008 zunächst mit 29,75 Prozent bei der Postbank eingestiegen und lag damit knapp unter der Schwelle, an der sie den anderen Aktionären ein Übernahmeangebot hätte machen müssen. Erst zwei Jahre später, als der Kurs der Postbank infolge der Finanzkrise deutlich niedriger war, kam das Angebot an alle Aktionäre. Ehemalige Postbank-Aktionäre fordern in mehreren Zivilverfahren eine Nachzahlung. Der Ansicht der Kläger nach habe die Deutsche Bank mit dem ersten Einstieg die Kontrolle über die Postbank übernommen, obwohl die Deutsche Post damals größter Aktionär war. Dadurch hätte sie schon früher ein Übernahmeangebot machen müssen, was zu diesem Zeitpunkt aufgrund des höheren Aktienkurses mit einem höheren Preis verbunden gewesen wäre. Die Deutsche Bank bestreitet das.
Elf Jahre nach den Gesprächen sitzt Appel im Gerichtssaal 301 und tut sich schwer, Details aus den damaligen Verhandlungen zu rekapitulieren. Er war damals Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post und saß von März 2008 bis Dezember 2010 an der Aufsichtsratsspitze der Postbank. Den Klägern hilft Appel an diesem Tag nicht sonderlich weiter.
,Daran kann ich mich nicht erinnern´, ist sein häufigster Satz. Es habe keine Gespräche mit anderen Interessengruppen gegeben. Auch die Kapitalerhöhung, bei der die Post eine Milliarde Euro in die Postbank steckte, um sie davor zu bewahren, in der Finanzkrise unter einen Rettungsschirm schlüpfen zu müssen, sei nicht von der Deutschen Bank getrieben worden. ,Dass es ein Risiko gibt, eine Kapitalerhöhung zu zeichnen, war bekannt, bevor wir die Verträge abgeschlossen haben´, sagte Appel. Die Postbank sei mit Eigenkapital unterstützt worden, damit sie weiterhin ein Verkaufsobjekt bleiben konnte. ...
Es gehörte damals zur Strategie, dass sich die Post von ihrer Bank-Tochtergesellschaft trennt, um sich stärker auf das Kerngeschäft mit Briefversand und Logistik zu konzentrieren. Und die Deutsche Bank hatte nach dem ersten Einstieg bei der Postbank ein Vorkaufsrecht. Der Streitwert der Klagen in Köln liegt laut Geschäftsbericht der Deutschen Bank bei 700 Millionen Euro plus Zinsen. Auch der frühere Postbank-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Klein ist als Zeuge geladen.“
Focus
„Post-Chef Frank Appel trat am Mittwoch (06.11.2019) vor dem Kölner Oberlandesgericht als Zeuge auf, seine Antworten konnten die Vorwürfe aber nicht erhärten. ...
Knackpunkt in dem Verfahren ist die Frage, wann genau das Frankfurter Geldhaus das Sagen hatte bei der Postbank. Ab einer Schwelle von 30 Prozent des Stammkapitals muss ein Aktionär den anderen Anteilseignern ein Angebot zum Aktienkauf machen. Laut Klägern hätte die Deutsche Bank so ein Angebot bereits 2008 machen müssen und nicht erst 2010, als der Aktienkurs wegen der Finanzkrise im Keller war. Der Gerichtsstreit begann bereits Ende 2010, verschiedene Gerichte befassten sich bereits mit der Thematik.
Der heutige Post-Chef Appel ist seit Anfang 2008 Vorstandsvorsitzender des Bonner Logistikers, der Mehrheitsaktionär der Postbank war. Außerdem war Appel damals Aufsichtsratsvorsitzender der Postbank. Gab es Absprachen, denen zufolge die Deutsche Bank schon früh den Unternehmenskurs der Postbank bestimmte? Auf solche Fragen sagte Appel immer wieder, davon habe er keine Kenntnis. ...“
General-Anzeiger Bonn
„Der Zeuge Appel sagte, es habe weder abgestimmtes Verhalten von Post und Deutscher Bank in Postbank-Hauptversammlungen („Acting in Concert“) gegeben noch sonstige Absprachen, die der Deutschen Bank faktische Kontrolle gewährt hätte. Zur Sprache kam auch die Klausel, die bei größeren Geschäften üblich ist. Sie soll sicherstellen, dass zwischen Vertragsvereinbarung und –vollzug das Objekt nicht zu Lasten des Käufers im Wert gemindert wird. Appel erklärte, er sei über diese technische Klausel erst später von den Anwälten informiert worden. ...
Den Ausschlag zugunsten der Deutschen Bank habe nicht zuletzt das größere Ausmaß an ,Transaktions-Sicherheit´ gegeben, sagte Appel. Die Postbank war damals schwach auf der Brust, sie arbeitete mit Verlust. Man war, so Appel, darauf bedacht, den Wert der Bank zu erhalten ...“
Reuters
„Im Gerichtsstreit um die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank hat Deutsche-Post-Chef Frank Appel bestritten, dass er sich bei der Transaktion auch von Interessen des Frankfurter Geldhauses leiten ließ. ...
Hintergrund des Verfahrens ist ein Streit darüber, ob die Deutsche Bank die Aktionäre der vor rund zehn Jahren übernommenen Postbank angemessen vergütet hat. Der Deutschen Bank drohen Nachzahlungen von mehr als einer Milliarde Euro. Einer der Kläger ist das Börsenjournal Effecten-Spiegel.
Das Gericht will neben Post-Chef Appel, der damals Chef des Aufsichtsrats der Postbank war, auch den früheren Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Ex-Privatkundenvorstand Rainer Neske als Zeugen befragen. Die beiden früheren Manager wollen aber von einem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen.
Der Prozess wird bis Weihnachten jede Woche Mittwochs fortgesetzt. Auch Ex-Postbank-Chef Wolfgang Klein ist im weiteren Verlauf als Zeuge geladen. ...“

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