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Aktuelles aus Frankreich

Die Coronapandemie drückt beim Baukonzern Vinci weiter auf die Stimmung. Der Luftverkehr an den Flughäfen des Konzerns blieb schwach, das Baugeschäft war wegen des Lockdowns im Vorquartal in Frankreich noch beeinträchtigt und auch der Verkehr auf den Maut-Autobahnen erholte sich im 3. Quartal nur wenig. Der Umsatz sank daher in den ersten 9 Monaten um gut 12 % auf rund 30,8 Mrd. €. Auf vergleichbarer Basis gingen die Erlöse mit 13,2 % sogar noch etwas deutlicher zurück. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit einem signifikanten Gewinnrückgang. Konzernchef Xavier Huillard zeigte sich aber zuversichtlich, dass es 2021 zu einer Erholung kommt. Mit Blick auf den angepeilten Kauf von Geschäftsteilen des spanischen Wettbewerbers ACS bleibe Vinci optimistisch. Die Franzosen hatten ACS Anfang Oktober ein unverbindliches Angebot für das Segment „Industrial Services“ vorgelegt. Demnach bietet Vinci 5,2 Mrd. € für die Sparte, zu der sowohl Ingenieuraktivitäten, als auch eine Plattform für Entwicklung von Projekten bei erneuerbaren Energien zählen.

Dennoch bleibt man bei Vinci weiterhin investiert; (B+). 

Ein deutlicher Nachfrageanstieg nach Reifen veranlassten den Reifenhersteller Michelin, seine Prognose für das Gesamtjahr anzuheben. Der Konzern rechnet nun mit einem operativen Gewinn in Höhe von 1,6 Mrd. €. Bisher wurden 1,2 Mrd. € angepeilt. Im 3. Jahresviertel lag der Umsatz mit 5,5 Mrd. € noch rund 9,5 % unter dem Vergleichswert. Währungsbereinigt belief sich das Minus jedoch nur noch auf 1,4 %.

Michelin behält man weiter unter Beobachtung; (B+). 

Im abgelaufenen 3. Quartal verzeichnete Dassault Systeme ein Umsatzwachstum von 13 % auf 1,03 Mrd. €. Die operative Marge hingegen fiel mit 12,1 (21,0) % deutlich geringer aus. Der Softwareentwickler profitierte vor allem vom Bereich Biowissenschaften und Gesundheitswesen. Mit myMedidataLIVE ging zudem im September eine Plattform an den Start, welche es Patienten und Forschern ermöglicht, Besuche virtuell abzuhalten. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern einen Umsatz zwischen 4,44 und 4,46 Mrd. €. Bisher waren die Franzosen von 4,51 bis 4,56 Mrd. € ausgegangen. Die operative Marge wird zwischen 29,8 und 30,0 (bisher: 29,3–29,4) % avisiert. Allerdings ist der Ausblick nicht nach IFRS-Standards erstellt.

Dassault ist eine mehr als gute Halteposition; (B+). 

Im Vergleich zum 2. Quartal spürte der Gasehersteller Air Liquide zwischen Juli und September eine deutliche Erholung in allen Geschäftsbereichen. Dennoch verlor der Umsatz aufgrund von Währungs- und Preiseffekten um 8,7 % auf 4,98 Mrd. €. Währungsbereinigt betrug das Minus lediglich 0,9 %. Damit übertraf der Konzern dennoch die Analystenerwartungen, welche lediglich 4,86 Mrd. € versahen. An der Jahresprognose hält Air Liquide auch weiterhin fest (vgl. ES 18/20).

Air Liquide bleibt auch weiterhin auf der Buy-List; (A–).

Auch im Q3 schrumpften die Erlöse von Renault um 8,2 % auf 10,4 Mrd. €. Weltweit lieferte der Autobauer 806.320 Fahrzeuge aus und damit 6 % weniger als im Vorjahr. Im Berichtszeitraum erhöhte der Konzern seinen Marktanteil in Europa auf 10,3 (10,1) %. Im September hat sich das Geschäft vor allem in Europa wieder spürbar erholt und der Opel-Konkurrent steigerte seinen Absatz um 8 %.

Dennoch parkt man Renault vorerst am Straßenrand; (B). 

Der Industriekonzern Schneider Electric hebt nach einer Erholung im 3. Quartal seine Jahresziele an. Der Umsatz dürfte nun um 5–7 % zurückgehen statt der bisher angepeilten 7–10 %. Die um Sondereffekte bereinigte operative Marge des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) soll in einer Bandbreite von 15,1–15,4 % schwanken – im Vorjahr war ein Wert von 15,3 % erzielt worden. Grund für den Optimismus für den Konzern, der in einigen Bereichen wie dem Energiemanagement oder der Industrieautomatisierung positioniert ist, ist der Verlauf des 3. Quartals. Zwar lag der Gesamtumsatz mit 6,5 Mrd. € 2,8 % unter dem Vorjahreswert, das war aber vor allem Wechselkursschwankungen infolge der Eurostärke geschuldet. Aus eigener Kraft wäre es ein Plus von 1,3 % gewesen.

Schneider Electric bleibt auch weiterhin eine spannende Depotbeimischung; (A–).

Auch das 3. Quartal war bei Thales von der Coronakrise geprägt. Die Erlöse lagen mit 11,7 Mrd. € rund 5,6 % unter dem Vorjahreswert. Vor allem der Bereich Luftfahrt litt weiter unter der Pandemie. Dennoch zeichnete sich eine langsame Erholung ab. „Nach den beispiellosen Störungen des zweiten Quartals 2020 durch die COVID-19-Pandemie konnte der Umsatz im dritten Quartal dank der Bemühungen der Thales-Teams weltweit erheblich verbessert werden“, so CEO Patrice Caine.

Bei Thales braucht man derzeit starke Nerven; (B).

Auch der Spirituosenhersteller Pernod Ricard bekam die coronabedingten Reisebeschränkungen im 1. Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 zu spüren. Vor allem ein Rückgang von 10 % im Bereich internationale Marken drückte den Umsatz von 2,48 auf 2,24 Mrd. €. Das Spezialmarken-Geschäft verzeichnete hingegen ein Plus von 30 %, konnte die schwächere Nachfrage in den anderen Bereichen jedoch nicht abfedern. Der Konzern geht davon aus, dass das Q2 ebenfalls noch von Corona belastet sein wird. In der 2. Jahreshälfte 2020/21 rechnet der Vorstand aber wieder mit einem deutlichen Wachstum.

Nach der Krise dürfte es für Pernod Ricard wieder deutlich bergauf gehen; (A–).

U.a. weiterhin gute Zuwächse im Bereich Cloud haben dem IT-Haus Capgemini im 3. Quartal einen Umsatzanstieg um 15,6 % auf 4,01 Mrd. € beschert. Dieser Trend soll sich auch im Gesamtjahr fortsetzen. Entsprechend visieren die Franzosen für 2020 ein Umsatzplus von 12,5–14 % an.

Capgemini bleibt eine mehr als gute Halteposition; (B+).

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