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Au Revoir cash

Christine Lagarde traut sich an den digitalen Euro

Eines ist klar, die Coronapandemie befeuert die Digitalisierung – und zwar weltweit und alle Bereiche. Und dies ist nun auch an der französischen Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, nicht vorbeigegangen. Ihrer Meinung nach muss Europa nun dafür bereit sein, einen digitalen Euro einzuführen. Diese Einsicht dürfte nicht zuletzt angesichts des international wachsenden Drucks gekommen sein. Denn so hat etwa die Notenbank in China bereits im April damit begonnen, ihre digitale Zentralbankwährung zu testen. Allerdings hatte das Reich der Mitte auch schon 2014 damit begonnen, sich dem Thema Digitalwährung überhaupt anzunehmen. Auch Facebook arbeitet schon längst an seiner Kryptowährung Libra. Daher befürchtet die EZB nicht ganz zu Unrecht, sie könnte den Anschluss verlieren.

In ihrem jüngsten Bericht zählt die europäische Notenbank gleich sieben Ziele auf, die durch einen digtalen Euro erreicht werden sollen. Dazu zählen u.a. das Vorantreiben der Digitalisierung, die Stabilität des Zahlungsverkehrs oder aber auch die Verringerung des CO2-Ausstoßes. Doch allen voran geht es der EZB wohl darum, ihren Einfluss nicht zu verlieren und diesen sogar noch auszubauen.

Allerdings mahlen die Mühlen in den EZB-Etagen bekanntermaßen langsam, sehr langsam. Zunächst einmal müssen sich die einzelnen Länder überhaupt einig werden, welcher Weg gegangen wird. Und wie bei so vielen anderen Themen gehen auch bei der digitalen Währung die Meinungen der EU-Mitgliedsländer über das wie, wer und wann weit auseinander. Sollen es die staatlichen Institutionen oder etwa doch private Unternehmen wuppen? Während Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auf die Bremse tritt und zur Vorsicht mahnt, möchte sein französischer Kollege Francois Villeroy de Galhau gleich Vollgas fahren. Zur Findung können sich seit dem 12. Oktober nun auch Bürger, Vertreter aus dem Finanzsektor oder Wissenschaftler bei einem öffentlichen Konsultationsverfahren einbringen.

Es steht außer Frage – eine digitale Währung birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Doch der ins Rollen gebrachte Stein ist schon längst nicht mehr aufzuhalten. Die EZB wird kaum eine andere Wahl haben, als sich diesem Thema zügig zu widmen. Denn die obersten Währungshüter laufen Gefahr, dass sich neben privaten Anbietern auch zunehmend die ausländische staatliche Konkurrenz (wie eben etwa aus China) formiert und ihnen den Rang abläuft. Und dieses Risiko kann und darf die Europäische Zentralbank auf keinen Fall eingehen.

Der digitale Euro ist ein Unterfangen mit Sprengkraft. Umso wichtiger ist der europäische Zusammenhalt.

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