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Die US-Berichtssaison

Der E-Autobauer Tesla hat sein sechstes Quartal in Folge mit schwarzen Zahlen geschafft und erstmals ein ganzes Kalenderjahr mit Gewinn abgeschlossen. Die Erlöse kletterten um 28 % auf 31,5 Mrd. $. Trotz Coronakrise erreichte das Unternehmen 2020 einen Überschuss von 721 Mio. $. Im Vorjahr hatte Tesla noch einen Verlust in Höhe von –862 Mio. $ verschmerzen müssen. Für das laufende Jahr gab der Konzern derweil nur ein vages Auslieferungsziel an. Demnach wird geplant, die Wachstumsrate von 50 % aus dem vergangenen Jahr zu übertreffen.

Tesla fährt allen davon; (B).

Das 737 MAX-Debakel, die Coronakrise und Verzögerungen bei weiteren Maschinen haben Boeing 2020 einen Rekordverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Verlust von mehr als –11,9 Mrd. $. 2019 hatte es bereits einen Verlust von –636 Mio. $ gegeben. Boeings Umsatz fiel 2020 um 24 % auf 58,2 Mrd. $ – der schwächste Wert seit rund 15 Jahren. Der Konzern habe jedoch nach eigenen Angaben wichtige Fortschritte dabei gemacht, die Sicherheitsprozesse zu verstärken und die Weichen für eine geschäftliche Erholung zu stellen. Eine detaillierte Prognose für das lfd. Jahr gab der Flugzeugbauer dennoch nicht aus.

Bei Boeing nimmt der Kurssturz kein Ende; (B–).

Das starke Cloudgeschäft erwies sich bei Microsoft im jüngst abgelaufenen Quartal erneut als Wachstumstreiber. Der Umsatz stieg in dem Ende Dezember abgeschlossenen 2. Quartal um 17 % auf 43,1 Mrd. $. Allein in der Sparte „intelligente Cloud“ wuchs der Umsatz um 23 % auf 14,6 Mrd. $. Der Gewinn nach Steuern sprang im Jahresvergleich um 33 % auf 15,5 Mrd. $ an. Für das laufende Quartal rechnet Microsoft erneut mit Wachstum, ohne weitere Details zu nennen.

MD-Wert Microsoft gibt man keinesfalls aus der Hand; (B+).

American Express hat auch zum Jahresende erheblich unter der Kaufzurückhaltung von Kunden in der Coronakrise gelitten. In den 3 Monaten bis Ende Dezember fielen die Erlöse um 18 % auf 9,4 Mrd. $. Der Nettogewinn sank im Jahresvergleich um rund
15 % auf 1,4 Mrd. $. Die Pandemie belaste das Geschäft weiter, so Vorstandschef Stephen J. Squeri. Wobei die Zeichen inzwischen wieder auf Erholung stünden. Zuletzt sei es schon wieder etwas besser gelaufen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ging der Gewinn nach Steuern um 54 % auf 3,1 Mrd. $ zurück. Die Erlöse nahmen um 20 % auf 28,1 Mrd. $ ab.

Amex dürfte spätestens nach Corona wieder durchstarten; (B+). 

Apple hat im Weihnachtsquartal einen Rekordgewinn von gut 28,7 Mrd. $ eingefahren und damit eine Steigerung von 29,3 %. Der iPhone-Konzern überschritt zudem erstmals die Marke von 100 Mrd. $ Quartalsumsatz. Mit 111,44 Mrd. $ war der Umsatz von Apple 21 % höher als ein Jahr zuvor. Eine wichtige Rolle für das starke Wachstum von Apple spielte u.a. eine deutliche Verbesserung des Geschäfts in China. Dort stieg der Umsatz binnen eines Jahres um 57 %.

Apple ist ein Erfolgsgarant; (B+).

Die weltweiten Lockdowns haben den Fast Food-Riesen McDonald‘s im vergangenen Jahr trotz einer starken Erholung auf dem US-Heimatmarkt deutlich unter Druck gesetzt. Vor allem die erneuten Corona-Lockdowns in Europa belasteten den Burger-Riesen erheblich. Besonders in Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien gab es dem Konzern zufolge deutliche Geschäftseinbußen. Im Gesamtjahr fiel der Umsatz um 10 % auf 19,2 Mrd. $. Der Gewinn nach Steuern brach um 21 % auf 4,7 Mrd. $ ein. 2020 werde als eines der herausforderndsten Jahre der bisherigen McDonald‘s-Geschichte in Erinnerung bleiben, so CEO Chris Kempczinski. Einen konkreten Blick auf das lfd. Jahr gab das Unternehmen nicht.

McDonald‘s bleibt langfristig jedoch eine Halteposition; (B+). 

Der Pharmariese Abbott Lab konnte u.a. dank der Zulassung seines Corona-Tests einen deutlichen Umsatzsprung verzeichnen. Auf Zwölfmonatssicht stieg der Umsatz um knapp 9 % auf 34,6 Mrd. $. Allein im Schlussquartal hatten die Corona-Tests mit 2,4 Mrd. $ knapp ein Viertel zum Konzernerlös beigetragen. Das bereinigte Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft zog im Gesamtjahr um rund 13 % auf knapp 6,6 Mrd. $ an. Netto kletterte der Gewinn um mehr als ein Fünftel auf rund 4,5 Mrd. $. Für das lfd. Jahr gibt sich Abbott derweil optimistisch: So soll das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) aus dem fortgeführten Geschäft um mehr als ein Drittel auf mindestens 5,00 (3,65) $ anziehen.

Abbott Lab bleibt eine spannende Kaufoption; (A–). 

Facebook wächst in der Coronapandemie ungebremst weiter. Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz im Jahresvergleich um ein Drittel auf knapp 28,1 Mrd. $. Beim Gewinn gab es einen Sprung von 53 % auf gut 11,2 Mrd. $. Auch die Nutzerzahl legte weiter zu. Monatlich kamen 2,8 Mrd. User zu Facebook – 60 Mio. mehr als ein Jahr zuvor. Facebook sprach dennoch von „bedeutenden Unwägbarkeiten“ in der Zukunft. In der Pandemie habe man vom allgemeinen Schub des Online-Geschäfts profitiert. Sollte sich dieser Trend jedoch umkehren, werde das auch das Wachstum von Facebooks Werbeerlösen bremsen. Zudem warnte das Online-Netzwerk bereits, dass es angesichts des rasanten Wachstums im laufenden Jahr absehbar geringere Zuwächse geben werde.

MD-Wert Facebook speichert man im Depot ab; (B+).

Johnson & Johnson hat sich in der Coronapandemie dank guter Geschäfte in der Arzneimittelsparte besser geschlagen als erwartet. 2020 kletterte der Umsatz leicht auf knapp 82,6 (82,06) Mrd. $. Der um Sonderfaktoren bereinigte Nettogewinn sank zwar um rund 8 % auf 21,4 Mrd. $, hier wurde jedoch zuvor ein deutlich geringeres Ergebnis angepeilt. Für 2021 visiert das Management Zuwächse bei den Erlösen auf 90,5–91,7 Mrd. $ an. Der Konzern dürfte auch mit einem Schub durch seinen Corona-Impfstoff rechnen. Ergebnisse der zulassungsrelevanten Studie der Phase III würden „bald“ erwartet, so Konzernchef Alex Gorsky. Für das bereinigte Ergebnis je Aktie geht J&J in 2021 von einem Plus von 17,1–19,6 % auf 9,40–9,60 $ aus.

J&J bleibt aussichtsreich; (A–).

Eine der größten Kaffeeketten weltweit, Starbucks, tut sich angesichts der Corona-pandemie weiter schwer. Die Erlöse fielen um knapp 5 % auf 6,7 Mrd. $. Im Geschäftsquartal bis Ende Dezember brach der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreswert um 30 % auf 622 Mrd. $ ein. Vorstandschef Kevin Johnson zeigte sich aufgrund der anhaltenden Belastungen durch die Coronakrise dennoch zufrieden mit den Ergebnissen und sprach von einer „fortschreitenden Erholung“. Einen konkreten Ausblick gab er dennoch zunächst nicht.

Zwar macht die Coronasituation auch Starbucks zu schaffen. Doch mit ihren „To Go“-Angeboten hält sich die Kaffeekette auch im Lockdown im Geschäft; (B+).

Die Pandemie hat General Electric im Geschäftsjahr 2020 zugesetzt. Der Umsatz sank um 16 % auf 79,6 Mrd. $. Unter dem Strich profitierte GE aber von dem Verkauf seines Biopharma-Geschäfts und erzielte so einen Nettogewinn von 5,2 Mrd. $. Im Vorjahr war noch ein Verlust von –5,4 Mrd. $ aufgelaufen. 2021 sollen die Erlöse im Industriegeschäft aus eigener Kraft im niedrigen einstelligen Prozentbereich zulegen. Im Vergleichszeitraum waren sie um 13 % gesunken. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll 0,15–0,25 $ betragen, nach 0,01 $ im Vorjahr.

GE scheint sich trotz Pandemie moderat halten zu können. Anleger warten dennoch weiter ab; (B). 

Verizon traut sich 2021 bessere Geschäfte zu. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll bei 5,00–5,15 $ liegen. Das wären mindestens 0,10 $ mehr als im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr. Zudem soll der Umsatz von Service und anderen Bereichen um mindestens
2 % steigen. Das vergangene Jahr war jedoch deutlich von den Auswirkungen der Corona-krise geprägt. Insgesamt musste der Telekommunikationsriese einen Umsatzrückgang von 2,7 % auf 128,3 Mrd. $ hinnehmen. Nach Steuern verdiente das Unternehmen mit 18,3 Mrd. $ gut 7,3 % weniger als im Jahr zuvor.

Verizon ist aktuell leider alles andere als reizvoll; (B). 

3M geht nach einer überraschend guten Geschäftsentwicklung gegen Ende 2020 optimistisch ins neue Jahr. Der Vorstand stellt für 2021 ein Umsatzwachstum um 5–8 % sowie einen Gewinn je Aktie von 9,20–9,70 $ in Aussicht. Im Coronajahr 2020 blieben die Erlöse mit knapp 32,2 Mrd. $ in etwa konstant. Unter dem Strich standen knapp 5,4 Mrd. $ in der Bilanz und damit rund 18 % mehr als noch im Vorjahr. Während die Geschäfte des Herstellers von Atemschutz- und Gesichtsmasken mit Produkten rund ums Heimwerken, Sicherheit, Reinigung und Halbleiter zuletzt weiter gut liefen, belastete COVID-19 etwa die Nachfrage nach Büromaterialien und bestimmtem Krankenhauszubehör.

3M gehört ganz klar zu den Coronaprofiteuren. Dieser Erfolg muss jedoch vor allem langfristig Bestand haben – abwarten; (B). 

Trotz neuerlichem Lockdown hat der Chipkonzern Texas Instruments mit einem positiven Ausblick auf das lfd. Q1 überrascht. Beim Umsatz sei demnach mit 3,79 bis 4,11 Mrd. $ zu rechnen. Im Vorquartal lag dieser noch bei 4,08 Mrd. $. Im jüngst abgelaufenen Gesamtjahr erzielte der Konzern Umsatzerlöse in Höhe von 14,46 (14,38) Mrd. $. Der Gewinn nach Steuern verbesserte sich zudem von 5,02 auf 5,59 Mrd. $. Laut TI lag das vor allem an der wieder anziehenden Nachfrage aus dem Automobilsektor.

TI lässt man einfach weiterlaufen; (B+).

Die geringere Ausgabefreude und das schwache internationale Geschäft haben Mastercard 2020 belastet. Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr brach der Gewinn nach Steuern um 21 % auf 6,4 Mrd. $ ein. Die Erlöse schrumpften um 9 % auf 15,3 Mrd. $. Da die Pandemie den Reiseverkehr weiter lähmt, gehen viele lukrative Hotel- oder Flugbuchungen verloren, die sonst häufig mit Kreditkarten bezahlt werden.

Die aktuelle Kursstagnation ist bei Mastercard jedoch kein Grund auszusteigen! Restbestand weiterlaufen lassen; (B+). 

Die höhere Nachfrage nach Snacks und Süßigkeiten im Coronajahr 2020 hat Mondelez in die Karten gespielt. Die Umsatzerlöse legten im Gesamtjahr um 2,8 % auf 26,58 Mrd. $ zu. Höhere Kosten ließen den Nettogewinn jedoch leicht auf 3,56 (3,93) Mrd. $ absinken. Mit Blick auf das lfd. Jahr geht Mondelez von einem Umsatzplus von
3 % aus.    

Mondelez lagert man im Depot ein; (B+).

Auch der Kreditkartenanbieter Visa litt in seinem 1. Quartal weiter unter den Folgen der Coronapandemie. Die Erlöse gingen in den 3 Monaten bis Ende September um 6 % auf 5,7 Mrd. $ zurück. Der Nettogewinn sank zudem um 4 % auf 3,1 Mrd. $. Trotz Umsatz- und Ergebnisrückgang fielen die Zahlen besser aus als erwartet.

Sobald das Reisen wieder möglich ist, fliegt auch Visa wieder in gewohnte Höhen. Die Einstiegschance nimmt man daher einmal genauer unter die Lupe; (A–).

Die Coronapandemie hat Caterpillar im vergangenen Jahr einen erheblichen Ge-winneinbruch eingebrockt. Der Umsatz sank um gut ein Fünftel auf 41,7 Mrd. $. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen mit knapp 3 Mrd. $ sogar nur rund halb so viel wie im Vorjahr. Für das 1. Quartal geht das Unternehmen wieder von einer verbesserten operativen Ergebnisentwicklung im Vergleich zum Vorquartal aus.

Die Baubranche hält sich trotz COVID-19 stabil. Das zeigt sich auch am Kurs von Caterpillar; (B+).

Das Corona-Medikament Bamlanivimab hat Eli Lilly im Schlussquartal einen kräftigen Umsatzsprung beschert. Auch im Gesamtjahr stiegen die Erlöse um 10 % auf rund 24,5 Mrd. $. Netto ging der Gewinn von Eli Lilly zwar um 26 % auf 6,2 Mrd. $ zurück, allerdings hatte der Konzern im Vorjahr seine Veterinärsparte Elanco verkauft und daher einen hohen Sondergewinn verbucht. Diesen und andere Effekte ausgeklammert stieg das Ergebnis um fast ein Drittel. Nach einem für den Konzern nicht immer leichten Coronajahr hofft Konzernchef David Ricks für 2021 zwar auf weitere Verbesserungen, bleibt aber vorsichtig. Für das neue Jahr bekräftigte das Management seine Prognose für das bereinigte EPS von 7,75–8,40 (7,93) $.

Eli Lilly ist rundum ein gesundes Investment; (A–).

Die anhaltend hohe Nachfrage nach Seife und anderen Hygieneprodukten hat Colgate-Palmolive im vergangenen Jahr getrieben. Im neuen Jahr soll es weiter aufwärts gehen. Konkret plant Chef Noel Wallace mit einem Umsatzplus um 4–7 %. Wallace verwies aber auch auf Unsicherheiten durch schwankende Rohstoffpreise sowie das Kaufverhalten seiner Kunden. Im gesamten Jahr verbesserten sich die Umsatzerlöse auf 16,47 (15,69) Mrd. $. Nach Steuern verbesserte sich der Gewinn zudem von 2,37 Mrd. auf 2,69 Mrd. $.

Colgate-Palmolive bleibt zunächst ein gute Halteposition; (B+). 

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