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Nächster Schlag gegen Nvidia

Der Grafikkartenhersteller EVGA hat seine Partnerschaft mit dem Chipproduzenten Nvidia beendet. So „banal“ die Meldung zunächst für viele klingen mag, ist sie doch bezeichnend für die aktuelle Situation, in der sich der amerikanische Chipgigant derzeit befindet.

Denn Nvidia hat innerhalb von kurzer Zeit etliche Geschäftspartner und Kunden verloren. Ein Grund ist, dass  in den vergangenen 24 Monaten Grafikkarten meist nur zu exorbitanten Aufpreisen zu haben waren. Neben der bekannten weltweiten Chipknappheit ist das Problem bei Nvidia jedoch „hausgemacht“: Die Amerikaner verkauften über Jahre einen Großteil ihrer Chips über asiatische Hersteller an Kryptomining-Unternehmer.

Diese nutzten die leistungsstarken Grafikchips zum sogenannten „Mining“ der Kryptowährung Ethereum. Dementsprechend knapp waren die Karten im regulären Vertrieb verfügbar. Zeitweise wurden die Chips zu mehr als dem Doppelten der Nvidia-Preisempfehlungen gehandelt. Das von vielen Krypto-Anbietern genutzte Proof-of-Work-Verfahren setzt auf die Absicherung von Transaktionen über tendenziell immer schwerer werdende kryptografische Berechnungen, entsprechend leistungsstarke Chips benötigte man für das „Mining“. Bei Ethereum, einem der wichtigsten Kunden, ist allerdings nun Schluss damit. In einem zweistufigen Prozess namens „The Merge“, der vor Kurzem abgeschlossen wurde, änderte man das Verfahren. Statt Proof-of-Work kommt nun Proof-of-Stake zum Einsatz. Basierend auf gehaltenem Vermögen, Teilnahmedauer und anderen Faktoren entscheidet das Netzwerk per gewichtetem Zufallsverfahren, wer den nächsten Block der Chain erzeugt und dafür entlohnt wird. Das soll mehrere Probleme lösen. So wird etwa verhindert, dass sich ein einzelner Teilnehmer durch den Erwerb hoher Kapazitäten an Rechenleistung defacto die Kontrolle über das Netzwerk sichert. Und durch den Entfall von Mining auf Prozessoren oder Grafikchips ist der Energiebedarf erheblich niedriger.

Damit fiel jedoch „von heute auf morgen“ ein Hauptabsatzmarkt weg. Nvidia musste daraufhin seine Preisempfehlungen für die aktuelle Grafikkartengeneration drastisch nach unten anpassen und startete einen Ausverkauf der Chips. Anfang August musste der Konzern seine Prognose für das vergangene Quartal sogar um satte 2 Mrd. $ auf 6,7 Mrd. $ nach unten korrigieren, da der Absatz der Spiele-Grafikkarten bereits eingebrochen war. Entsprechend hat der Konzern seinen Fokus neu ausgerichtet. Denn die Technik von Nvidia wird u.a. auf breiter Front für Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz eingesetzt. Hier hat der Konzern erst kürzlich eine Ausweitung der Partnerschaft mit Dell und VMware bekannt gegeben.

Nvidia stellt derzeit sein Geschäft neu auf. Für Anleger ergibt sich hier derzeit eine günstige Einstiegschance, denn ohne die Chips kommt beinahe keine Branche aus; (A–).

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