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Profitabilität durch Wachstum

Börsenbetreiber expandieren durch Zukäufe

Im Pandemiejahr 2020 profitierten die Börsen weltweit von einer besonders hohen Volatilität. Die Lage hat sich zwar mittlerweile beruhigt, dennoch wollen gerade die europäischen Handelsplatzbetreiber ihr Wachstum weiter vorantreiben. In den letzten Jahren gelang dies insbesondere durch Zukäufe.

Unter Europas größten Börsenbetreibern ist die Mehrländerbörse Euronext Spitzenreiter. Neben Plätzen in Amsterdam, Paris, Brüssel, Lissabon und Dublin verstärkte sich der Konzern zuletzt mit der Akquisition der Borsa Italiana in Mailand. Für 4,44 Mrd. € erhielt die Euronext den Zuschlag für die Übernahme von Italiens größtem Handelsplatz (mit mehr als 370 gelisteten Unternehmen) von der London Stock Exchange (LSE). Zwar erhielt der Börsenbetreiber bereits im vergangenen Jahr grünes Licht von der italienischen Kartellbehörde. Von Seiten der Mailänder Börsenaufsicht sowie der italienischen Regierung will die Kritik an der Übernahme jedoch nicht abreißen.

Allen voran die italienische Börsenaufsicht Consob fordert demnach Nachbesserungen, wie die Garantie, dass die Aufsicht auch nach vollzogener Übernahme Zugang zu relevanten Informationen hat und weiterhin ein Wettbewerb zwischen den Plätzen in Paris und Mailand herrscht. Sowohl die Consob als auch die Notenbank Banca d‘Italia müssen der Übernahme noch zustimmen. Mit dem Vollzug  dieser würde die Euronext dann endgültig zu Europas führendem Börsenplatz mit mehr als 1.870 gelisteten Konzernen aufsteigen.

Eine der ältesten und größten Handelsplattformen ist die London Stock Exchange (LSE). Das Unternehmen hat erst vor Kurzem den Datenkonzern Refinitiv für 27 Mrd. $ übernommen. Laut den Analysten der Hamburger Privatbank Berenberg ist die LSE damit mittlerweile in erster Linie ein Datenanbieter. Rund 90 % der Erlöse stammen inzwischen aus seit 2008 akquirierten Unternehmen. Zum Vergleich: Bei der Dt. Börse sind es 25 %. Gerade der Brexit dürfte der LSE besonders zu schaffen machen, da viele Investmentgesellschaften und Banken ihre Aktivitäten ins Ausland verschieben müssen.

Doch davon dürfte insbesondere ein Standort profitieren: Frankfurt und damit Deutschlands größter Handelsplatz, die Dt. Börse. Auch hier sorgten vor allem Zukäufe in den vergangenen Jahren für erhebliches Wachstum. Die größte Übernahme seit der Finanzkrise schloss der Konzern jedoch erst im Februar diesen Jahres ab. Für 1,5 Mrd. $ erlangte die Dt. Börse die Mehrheit an dem US-Konzern ISS. Mit der Akquisition des Stimmrechtsberaters und ESG-Beraters (Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung) will der Börsenbetreiber stärker vom Wachstumsmarkt für nachhaltige Investments profitieren. Zudem wurde für 390 Mio. CHF die restlichen 41 % der Fondsplattform Clearstream Fund Centre von der Schweizer UBS Bank übernommen. Vorstandschef Theodor Weimer kündigte zudem an, bis 2023 den Betriebsgewinn jährlich um durchschnittlich 10 % zu steigern. Rund die Hälfte davon soll durch Zukäufe bewerkstelligt werden.

Nachdem das Pandemiejahr 2020 bei den Börsenbetreibern für Rekordgewinne sorgte, dürften in der nächsten Zeit vor allem Zukäufe auf der Agenda stehen.

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