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US-Berichtssaison

Wenn es einen Coronaprofiteur gibt, dann  Amazon! Im vergangenen Jahr lagen die Umsatzerlöse insgesamt bei 386,06 (280,52) Mrd. $. Netto verdoppelte sich das Ergebnis mit 21,33 (11,59) Mrd. $ sogar beinahe. Damit verabschiedet sich Jeff Bezos mit einem neuen Rekordergebnis von seinem Posten als CEO. Bezos dürfte jedoch auch als geschäftsführender Vorsitzender des dem Vorstand übergeordneten Verwaltungsrats nach seinem Rücktritt weiterhin großen Einfluss auf den Konzern ausüben. Auch der Ausblick des Tech-Giganten überzeugt: So rechnet Amazon im 1. Quartal 2021 mit Erlösen zwischen 100–106 Mrd. $.

Amazon hat seinen „Kursknick“ bereits wieder aufgeholt; (B).

Der bereits strauchelnde Motorradbauer Harley-Davidson bekommt die volle Härte der Coronapandemie zu spüren. Die Absätze gingen in 2020 um ganze 32 % auf 145.200 „Bikes“ zurück. Die Erlöse fielen von 5,36 Mrd. $ im Vorjahr derweil auf 4,05 Mrd. $. Unter dem Strich konnte der Traditions-konzern nur noch einen Gewinn von gut 1 Mio. $ erzielen. Im Vergleichszeitraum fuhr Harley-Davidson hier noch ein Ergebnis von 424 Mio. $ ein.

Harley-Davidson ist derzeit alles andere als eine interessante Kaufoption; (B–).

Der 5G-Ausbau hat Qualcomm im vergangenen Quartal ein sprunghaftes Wachstum gebracht. Der Umsatz stieg im 1. Quartal um ganze 62 % auf gut 8,2 Mrd. $. Der Gewinn nach Steuern schoss sogar von 925 Mio. auf 2,45 Mrd. $ hoch. Qualcomms 5G-Modems stecken u.a. im neuen iPhone 12. Das Geschäft mit Smartphone-Chips macht gut die Hälfte der Qualcomm-Erlöse aus.

Qualcomm bleibt eine mehr als gute Halteposition; (B+).

Der Onlineshopping-Boom hat das Auktionshaus Ebay im wichtigen Weihnachtsquartal erneut beflügelt. „Wir haben das Jahr mit starken finanziellen Ergebnissen abgeschlossen“, so Vorstandschef Jamie Iannone. Im Geschäftsjahr 2020 steigerte Ebay die Erlöse um 19 % auf 10,3 Mrd. $. Der Nettogewinn nahm um 68 % auf 2,5 Mrd. $ zu.

Ebay lagert man im Depot ein; (B+).

Es wird bestellt wie nie zuvor. Das spielt natürlich auch dem Zahlungsdienstleister  PayPal in die Karten. Die pandemiebedingte Verlagerung von Geschäften ins Netz sorgt für einen Ansturm neuer Nutzer. Allein in den drei Monaten bis Ende Dezember kamen 16 Mio. neue Accounts hinzu, das waren 72 % mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Insgesamt hatte PayPal zum Quartalsende nach eigenen Angaben 377 Mio. Nutzerkonten. Entsprechend steigerte der Konzern den Umsatz in 2020 um 22 % auf 21,5 Mrd. $. Der Nettogewinn nahm von 2,5 Mrd. auf 4,2 Mrd. $ zu.

PayPal ist nicht zu stoppen; (B+).

U.a. die wachsende Konkurrenz durch Generika machte Biogen zu schaffen. Im Gesamtjahr 2020 setzte das Unternehmen mit 13,45 Mrd. $ gut 6 % weniger um. Unter dem Strich stand ein Ergebnis von gut 4 Mrd. $ in der Bilanz und damit rund ein Drittel weniger. Entsprechend vorsichtig fällt auch der Ausblick auf das lfd. Jahr aus. Der Umsatz soll sich demnach nur noch bei 10,45–10,75 Mrd. $ einfinden.

Bei Biogen bleibt man akt. erstmal nur auf dem Beobachtungsposten; (B). 

U.a. aufgrund von Aufwendungen für einen Medikamentenrückruf und der Übernahme des Krebsforschers VelosBio ist Merck & Co. im Schlussquartal in die roten Zahlen gerutscht. Zwar konnten sich die Erlöse in 2020 um 2 % leicht auf rd. 48 Mrd. $ verbessern. Der Nettogewinn schrumpfte allerdings um 28 % auf gut 7,07 Mrd. $. Für 2021 stellt das Unternehmen einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) von 6,48–6,68 $ in Aussicht, nach 5,94 $ ein Jahr zuvor.

Auch wenn Merck & Co. derzeit unter den bekannten Auswirkungen auch kursseitig leidet, dürfte sich der Wert langfristig wieder positiv entwickeln, Beobachten; (B+). 

Ford ist zum Jahresende zwar tief in die roten Zahlen geraten, seine Investitionen will das Unternehmen dennoch erhöhen. Im 4. Quartal gingen die Erlöse um 9 % auf 36 Mrd. $ zurück. Unter dem Strich fiel ein Verlust von –2,8 (–1,7) Mrd. $ an. Im seit Langem kriselnden Europageschäft gab es jedoch einen Lichtblick. Hier stieg der Betriebsgewinn um 342 Mio. auf 414 Mio. $. Trotz der jüngsten Verluste will der Konzern sein Engagement bei elektrischen und selbstfahrenden Autos kräftig ausweiten. Bis 2025 will Ford 22 Mrd. $ in die Elektrifizierung seiner Flotte stecken, kündigte Vorstandschef Jim Farley an.

Bei Ford wartet man dennoch zunächst weiter ab; (B). 

Die amerikanische Telekom-Tochter T-Mobile US verzeichnete im jüngst abgelaufenen Jahr weiter ein starkes Wachstum, doch hohe Kosten zehren am Gewinn. Insgesamt legte der Umsatz um 52 % auf 68,4 Mrd. $ zu. Nicht zuletzt aufgrund der Kosten für die im April nach einer zweijährigen kartellrechtlichen Zitterpartie endlich vollzogenen Fusion mit Sprint ging der Nettogewinn 2020 aber um knapp 12 % auf 3,1 Mrd. $ zurück. Bei den Jahreszielen für 2021 gibt sich der Konzern gewohnt vorsichtig. Der US-Mobilfunker rechnet mit 4,0–4,7 Mio. neuen Kunden.

T-Mobile US bleibt eine spannende Investmentoption; (A–).

Der Streamingdienst Spotify hat die Marke von 150 Mio. Abo-Kunden überschritten. In diesem Jahr will Spotify auf bis zu 184 Mio. zahlende Kunden kommen. Dennoch lastete das Coronajahr auf dem schwedischen Konzern. Die Umsatzerlöse verbesserten sich zwar auf 7,88 (6,76) Mrd. €. Nach Steuern stand jedoch ein deutlich höherer Verlust von –581 (–186) Mio. € in der Bilanz.  Das lag neben ungünstigen Wechselkursen auch an Sonderbelastungen. Um Spotify zur Anlaufstelle für alle möglichen Audioinhalte zu machen, setzt Gründer und Chef Daniel Ek auf den Ausbau des Podcast-Angebots und kaufte auch dafür mehrere in dem Geschäft aktive Unternehmen. Zuletzt griff jeder vierte Nutzer auf Podcasts auf der Spotify-Plattform zu.

Spotify entwickelt sich zum Dauerbrenner; (B+).

Der Paketboom, vor allem im wichtigen Weihnachtsquartal, hat UPS im Coronajahr 2020 ein mehr als starkes Geschäft beschert. Die Erlöse stiegen im Vergleich zu 2019 um rund 14 % auf 84,6 Mrd. $. Hohe Rückstellungen für die Pensionen der Mitarbeiter und Abschreibungen im Frachtgeschäft rissen den Konzern im Schlussquartal dann aber doch tief in die roten Zahlen. Aufs Gesamtjahr gesehen brach der Überschuss daher um mehr als zwei Drittel auf 1,4 Mrd. $ ein. Bereinigt um diese und weitere Sondereffekte legte der Überschuss hingegen um knapp 10 % auf fast 7,2 Mrd. $ zu. Doch für das neue Jahr traut sich die UPS-Spitze erneut keine Geschäftsprognose zu. Das Management begründete dies mit der Unsicherheit infolge der Coronapandemie.

UPS bleibt eine spannende Investmentoption; (A–).

Pfizer erhofft sich von dem gemeinsamen Coronaimpfstoff mit BioNTech im laufenden Jahr noch mehr Schub als bisher gedacht. Das Vakzin soll dem Konzern 2021 rund 15 Mrd. $ in die Kassen spülen. Wegen der überarbeiteten Annahmen für das Mittel hoben die Amerikaner ihre Ergebnisprognose an. Das Management kalkuliert mit einem Umsatzsprung auf 59,4–61,4 Mrd. $. Im vergangenen Jahr hatte der US-Pharmagigant streckenweise noch stark unter den Beschränkungen der Pandemie gelitten. Vor allem im Schlussquartal belebten sich die Geschäfte aber deutlich. Im Gesamtjahr stieg so der Umsatz um 2 % auf 41,9 Mrd. $. Unter dem Strich verdiente Pfizer im vergangenen Jahr rund 9,6 Mrd. $, das waren rund 41 % weniger als 2019. Allerdings hatte der Konzern damals von einem Einmalgewinn bei der Einbringung seines Konsumentengeschäfts in ein Gemeinschaftsunternehmen mit GlaxoSmithKline profitiert.

Pfizer bleibt angesichts der Impfstoffhoffnung ein Depotbestandteil; (B+).

Der Internetgigant Alibaba hat im 3. Geschäftsquartal deutlich höhere Umsätze gemacht und damit die Erwartungen übertroffen. So stiegen die Erlöse in den drei Monaten bis Ende Dezember um knapp 37 % auf 221,1 Mrd. Yuan. Unter dem Strich kletterte der auf die Aktionäre entfallende Gewinn auf 79,4 Mrd. Yuan – 52 % mehr als ein Jahr zuvor. „Dank der schnellen Erholung der chinesischen Wirtschaft hat Alibaba ein weiteres, sehr starkes Quartal hingelegt“, so Alibaba-Chef Daniel Zhang.   

Alibaba kämpft sich derzeit zurück, daher lässt man den Wert aktuell weiterlaufen; (B+). 

ExxonMobil hat im 4. Quartal wegen enormer Abschreibungen auf Gasanlagen tiefrote Zahlen geschrieben und 2020 mit dem größten Verlust seit über vier Jahrzehnten abgeschlossen. Exxons Umsatz brach 2020 um gut 30 % auf 181,5 Mrd. $ ein. Insgesamt fiel ein Minus von –22,4 Mrd. $ an. Überraschend kamen die schwachen Zahlen indes nicht. Das Unternehmen hatte bereits vor möglichen Abschreibungen von 25–30 Mrd. $ im Gasgeschäft gewarnt. Exxon habe im vergangenen Jahr mit den schwierigsten Marktverhältnissen seiner bisherigen Konzerngeschichte kämpfen müssen, so Vorstandschef Darren Woods.

ExxonMobil kann auch weiterhin nicht überzeugen; (B). 

Amgen hat dank starker Verkäufe von neueren Medikamenten Umsatzrückgänge bei älteren Produkten aufgrund der Generikakonkurrenz mehr als ausgleichen können. Insgesamt gingen die Umsatzerlöse 2020 auf 25,42 (23,36) Mrd. $ nach oben. Netto blieb das Ergebnis mit 7,26 Mrd. $ dennoch 7 % hinter dem Vorjahreswert. Für das Gesamtjahr rechnet Amgen beim Umsatz nun mit 25,8–26,6 Mrd. $. Der Gewinn je Aktie soll sich derweil bei 12,12–13,17 (12,31) $ einfinden.

Bei Amgen dürfte die Kurskorrektur nicht von langer Dauer sein; (B+).

Ein starkes Werbegeschäft hat der Google-Mutter Alphabet im vergangenen Geschäftsjahr deutlich mehr Umsatz in die Kassen gespült. Insgesamt legten die Umsatzerlöse in 2020 von 161,86 Mrd. auf 182,53 Mrd. $ zu. Besonders Youtube sorgte hier für den größten Zuwachs. Die Werbeerlöse auf der Plattform stiegen im Jahresvergleich um 46 % auf rund 6,9 Mrd. $. Nach Steuern verzeichnete das Unternehmen zudem einen Gewinn von 40,27 (34,34) Mrd. $.

Alphabet läuft und läuft und läuft...ist jedoch leider nicht mehr einzuholen; (B).

Dank eines starken Schlussquartals gibt sich der Pharmakonzern Bristol Myers Squibb (BMS) optimistisch für das lfd. Jahr. Für 2021 erwartet der Pharmakonzern demnach einen Gewinn je Aktie zwischen 3,12–3,32 $. Wie bereits im 3. Quartal trugen zwischen Oktober und Ende Dezember das Krebsmedikament Revlimid und der Blutverdünner Eliquis zum Wachstum kräftig bei. Im abgelaufenen Jahr 2020 erzielte BMS einen Umsatz von 42,52 (26,15) Mrd. $. U.a. Belastungen im Zusammenhang mit den Übernahmen von Celgene und MyoKardia ließen das Ergebnis jedoch in die Verlustzone rutschen. Nach Steuern stand ein Verlust von –9,02 Mrd. $ in der Bilanz, nach einem Gewinn von 3,44 Mrd. $ im Vorjahr.

Bei BMS bleibt man erstmal am Seitenrand; (B). 

In-Game-Käufe und der allgemein anhaltende Gaming-Boom haben Activision Blizzard im letzten Jahr in das nächste Umsatzlevel katapultiert. Insgesamt beschleunigten sich die Erlöse in 2020 auf 8,09 (6,49) Mrd. $. Netto erzielte der Spieleentwickler einen Gewinn von 2,19 Mrd. $, nach 1,50 Mrd. $ im Vorjahr. Auch auf das lfd. Geschäftsjahr blickt Activision optimistisch und visiert Erlöse in Höhe von 8,23 Mrd. $ sowie einen Gewinn je Aktie von 2,83 (2,82) $ an.

Activision Blizzard lässt man einfach ins nächste (Kurs)Level aufsteigen; (B+).

AbbVie profitierten in 2020 von einer hohen Nachfrage nach seinem Blockbuster-Medikament Humira und der Übernahme des Botox-Herstellers Allergan. Die Umsätze legten im vergangenen Jahr auf 45,80 (33,27) Mrd. $ zu. Netto fiel der Gewinn mit 4,62 (7,88) Mrd. $ aufgrund der Übernahmekosten jedoch etwas geringer aus. Für das lfd. Jahr visiert AbbVie ein Ergebnis je Aktie von 6,69–6,89 (2,72) $ an.

AbbVie dürfte das Ende der (Kurs)Fahnenstange noch nicht erreicht haben. Hier schnappt man sich ein paar Stücke; (A–). 

Der Biopharmakonzern CureVac hat bei einer Kapitalerhöhung 517,5 Mio $ erlöst. Nach Abschluss der Optionsausübung stieg die Zahl der durch das Unternehmen verkauften Stammaktien auf 5,75 Mio. zum Ausgabepreis von je 90 $. Der Konzern entwickelt derzeit einen Coronaimpfstoff. CureVac hofft durch die Produktions-Kooperation mit Bayer, seinen Coronaimpfstoff noch in diesem Sommer einsetzen zu können.

MD-Wert CureVac gehört auch weiter zu den akt. aussichtsreichsten Investments; (A–). 

Peloton tut sich schwer damit, das explosive Wachstum seines Geschäfts in der Coronakrise zu verdauen. Im vergangenen Quartal knackte Peloton erstmals die Milliardenmarke beim Umsatz. Doch die Firma kommt mit den Lieferungen derzeit nicht hinterher. Jetzt nimmt Peloton 100 Mio. $ in die Hand, um die Wartezeiten zu verkürzen. Im 2. Quartal sprang der Umsatz von rd. 466 Mio. auf gut 1,06 Mrd. $ hoch. Nach Steuern schrieb der Konzern zudem einen Gewinn von 63,6 Mio. $ nach einem Verlust von –55,4 Mio. $ ein Jahr zuvor.

Peloton gehört ganz klar zu den Coronaprofiteuren. Den Wert lässt man erstmal einfach weiterstrampeln; (B+).

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