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US-Berichtssaison im Ticker

Im jüngst abgelaufenen 2. Quartal konnte der Musikstreaming-Anbieter Spotify zwar seinen Umsatz um 23 % auf 2,86 Mrd. € steigern. Nach Steuern stand jedoch ein Verlust von –125 Mio. € in der Bilanz, nach einem Gewinn von 131 Mio. € im Vorjahr. Ein Grund sind vor allem höhere Marketingkosten, die alleine im Berichtszeitraum um satte 40 % zunahmen. Die Gesamtzahl der aktiven Nutzer stieg binnen 3 Monaten von 422 auf 433 Mio. Dabei verdaute Spotify auch den Ausstieg aus dem russischen Markt wegen des Krieges in der Ukraine. Der Dienst hatte in Russland insgesamt nur 5 Mio. Nutzer und gerade einmal 1 Mio. Abo-Kunden. Bei Vorlage der Quartalszahlen gab Spotify auch das Ende des Ausflugs ins Hardware-Geschäft mit dem Gerät „Car Thing“ bekannt, einer Art Musikplayer für das Auto. Mit dem Ausstieg ist eine einmalige Belastung von 31 Mio. € verbunden.

Spotify wurde zuletzt deutlich abgestraft. Dabei sind die langfristigen Aussichten nach wie vor reizvoll; (A–).

Boeing litt auch im 2. Quartal weiter darunter, dass der Langstreckenjet 787 „Dreamliner“ wegen Produktionsmängeln nicht an Kunden übergeben werden kann. Der Umsatz sank um 2 % auf 16,7 Mrd. $. Nach Steuern stürzte der Gewinn sogar um ganze 72 % auf 160 Mio. $ ab. Im Quartalsbericht erklärte der Konzern derweil, mit der US-Luftfahrtaufsicht FAA die letzten Schritte für eine Wiederaufnahme der Auslieferungen der Dreamliner-Reihe auszuarbeiten. Immerhin laufen die Geschäfte mit Boeings früherem Unglücksflieger 737 MAX wieder deutlich besser.

Auch wenn sich der Boeing-Kurs derzeit wieder im Aufstieg befindet, sollten Investoren hier zunächst am Boden bleiben; (B). 

Dank eines guten Quartalverlaufs blickt der US-Pharmagigant Merck & Co. etwas zuversichtlicher auf die Umsatzentwicklung im lfd. Jahr. Der Konzern rechnet nun mit Erlösen von 57,5–58,5 Mrd. $, nach bisher avisierten 56,9–58,1 Mrd. $. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll zudem 7,25 bis 7,35 $ erreichen. Hier hatte Merck bisher jedoch 7,24 bis 7,36 $ anvisiert. Im 2. Quartal steigerte der Konzern den Umsatz um 28 % auf knapp 14,6 Mrd. $. Allein der Blockbuster Keytruda steuerte mit 5,3 Mrd. $ gute 26 % mehr bei. Unter dem Strich verdiente Merck mit 3,9 Mrd. $ sogar satte 155 % mehr als vor einem Jahr. Das lag auch an deutlich niedrigeren Forschungs- und Entwicklungskosten.

Merck & Co. ist und bleibt eine mehr als gute Halteposition; (B+).

Im vergangenen Quartal profitierte Pfizer nach wie vor von einer starken Nachfrage nach dem gemeinsam mit der deutschen Biotechfirma BioNTech vermarkteten mRNA-Coronaimpfstoff Comirnaty. Zudem zog die Nachfrage nach der Corona-Pille Paxlovid, die einen schweren Verlauf der Krankheit verhindern soll, weiter an. Demnach legte der Umsatz konzernweit um 47 % auf 27,7 Mrd. $ zu. Nach Steuern verzeichnete Pfizer sogar einen Gewinnanstieg um ganze 78 % auf gut 10 Mrd. $. Entsprechend optimistisch blickt der Pharmagigant auf den weiteren Jahresverlauf. So rechnet der Konzern mit einem Umsatz von 98 bis 102 Mrd. $, höhere negative Effekte infolge des starken Dollars sind enthalten. Trotz der Wechselkursbelastungen hob Pfizer auch seine Prognose für den bereinigten Gewinn je Aktie auf 6,30 bis 6,45 $ an. Zuvor war das untere Ende der Spanne auf 6,25 $ festgelegt worden. Dabei geht das Management weiterhin davon aus, dass die neuen COVID-19-Produkte 2022 mehr als 50 Mrd. $ und damit mehr als die Hälfte des angepeilten Jahresumsatzes einbringen. Die Annahmen basieren auf den bis Mitte Juli abgeschlossenen Verträgen.

Pfizer bleibt im Medizin-Depot; (B+).

Angesichts roter Zahlen im vergangenen Quartal gibt sich Intel vorsichtiger mit Blick auf das Geschäftsjahr 2022. Der Umsatz fiel im 2. Quartal um 22 % auf 15,3 Mrd. $. Unterm Strich gab es einen Verlust von –454 Mio. $ nach einem Gewinn von gut 5 Mrd. $ ein Jahr zuvor. Ein Grund war der Rückgang der Erlöse im PC-Geschäft um ein Viertel auf 7,7 Mrd. $. Für das gesamte Jahr senkte Intel die Umsatzprognose auf 65–68 Mrd. $ von zuvor 76 Mrd. $. Konzernchef Pat Gelsinger verwies vor allem auf den wirtschaftlichen Abschwung, räumte aber auch Probleme auf Intel-Seite u.a. beim Hochfahren der Produktion einiger Chips ein. Der Manager hatte bei Intel einen Strategiewechsel eingeleitet: Der Konzern soll verstärkt Chips nicht nur für das eigene Angebot, sondern als Auftragsfertiger auch für andere Firmen produzieren. Gelsinger kündigte bereits den Bau mehrerer Fabriken unter anderem in Deutschland an und hält an den nötigen Investitionen fest.

Intel bleibt derzeit nur auf der Beobachtungsliste; (B). 

Der Konsumgüterriese Procter & Gamble rechnet trotz gutem Geschäftsverlauf 2021/22 mit Belastungen durch den starken Dollarkurs. Im vergangenen Geschäftsjahr (per Ende Juni) verzeichnetet P&G einen Umsatz von 80,19 Mrd. $ und damit 7 % mehr als im Vergleichszeitraum. Netto erzielte der Konzern einen Gewinn von 14,74 (14,31) Mrd. $. Neben dem erstarkten Dollar machen dem Hersteller von Pampers und Co. vor allem die steigenden Rohstoff- und Frachtkosten zu schaffen. Das organische Wachstum dürfte sich 2022/23 entsprechend abschwächen. So erwartet das Management hier ein Umsatzplus von 3–5 %. Das Ergebnis je Aktie wird auf dem Niveau des Vorjahres von 5,81 $ anvisiert oder im besten Fall um bis zu 4 % steigen. Die Belastungen sieht der Konzern dabei vor allem in der 1. Jahreshälfte.   

P&G ist und bleibt eine gute Halteposition; (B+).

Zwar musste der Lebensmittelkonzern Kraft Heinz im 2. Quartal einen leichten Umsatzrückgang auf 6,55 (6,62) Mrd. $ verzeichnen. Nach Steuern machten sich jedoch die Preiserhöhungen positiv bemerkbar. Hier erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 265 Mio. $, nach einem Verlust von –27 Mio. $ im Vorjahr. Für den weiteren Jahresverlauf visiert Kraft derweil ein Umsatzplus im hohen einstelligen Prozentbereich an.

Kraft Heinz ist langfristig eine durchaus spannende Investmentoption; (A–).

Bristol Myers Squibb leidet weniger unter dem Wettbewerb durch kostengünstige Nachahmermedikamente als befürchtet. Im 2. Quartal stieg der Umsatz des Pharmakonzerns um 2 % auf 11,9 Mrd. $. Nach Steuern erzielte der Konzern ein Ergebnis von 1,42 (1,06) Mrd. $. Finanzchef David Elkins rechnet angesichts des starken Dollars dennoch mit Belastungen. Von daher senkt das Management seine Umsatzerwartung leicht auf 46,00 Mrd. $, nach bislang angepeilten 46,39 Mrd. $.

Bei BMS bleibt man zunächst am Seitenrand; (B). 

UPS hat mit höheren Preisen seinen Wachstumskurs beibehalten. In den 3 Monaten bis Ende Juni verbesserte sich der Umsatz um 5,7 % auf rd. 24,8 Mrd. $. Besonders stark steigerte der Konzern die Erlöse auf seinem Heimatmarkt USA. Der Durchschnittsumsatz je Sendung legte um fast 12 % zu. Unter dem Strich stand im 2. Quartal ein Gewinn von gut 2,8 Mrd. $ in der Bilanz und damit 6,5 % mehr als ein Jahr zuvor.

UPS hat sich nach der Kurskorrektur wieder gefangen. Hier gibt man keine Stücke aus der Hand; (B+).   

Die Fusion mit dem kleineren Konkurrenten Sprint sorgt zwar für durchaus positive Synergieeffekte. Allerdings belasteten höhere Aufwendungen in Höhe von knapp 1,3 Mrd. $ das jüngsten Quartal. Die Umsätze von T-Mobile US legten zwischen April und Juni zwar leicht um 1,2 % auf 19,7 Mrd. $ zu. Nach Steuern stand jedoch ein Fehlbetrag von –108 Mio. $ in der Bilanz. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch ein Ergenis von gut 1 Mrd. $ eingefahren. Langfristig blickt das Unternehmen dennoch positiv auf den weiteren Jahresverlauf und hat seine Prognose nochmals angehoben: Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ohne Leasingumsätze (Core Ebitda) solle auf Jahressicht nun bei 26 bis 26,3 Mrd. $ liegen. Bislang wollte Unternehmenschef Mike Sievert 25,8 bis 26,2 Mrd. $ erzielen. Auch die Zahl der neuen Vertragskunden nach Abzug von Kündigungen soll nun höher liegen. Der Vorstand rechnet mit einem Plus von 6–6,3 Mio. statt wie bislang mit bis zu 5,8 Mio. Kunden. T-Mobile US ist auf einem guten Weg dahin: Zum Ende des 1. Halbjahres zählte das Unternehmen knapp 3 Mio. neue Verträge.

T-Mobile US wächst und wächst und...; (B+).

Der Post-it-Experte 3M senkt wegen des starken Dollars und des unsicheren Marktumfelds seine Ziele für das Gesamtjahr. Das Management erwarte statt eines Zuwachses von bis zu 4 % nun einen Umsatzrückgang von bis zu 2,5 %. Für den bereinigten Gewinn reduzierte der Konzern seine Prognose auf 10,30–10,75 $ je Aktie. Zuvor hatten 10,75–11,25 $ auf der Agenda gestanden. Im 2. Quartal ging der Umsatz um 3 % auf 8,7 Mrd. $ zurück. Der Nettogewinn ging ebenfalls deutlich von 1,5 Mrd. $ im Vorjahr auf 78 Mio. $ zurück. Vor allem steigende Aufwendungen für Rohstoffe und Fracht sorgten für den massiven Rückgang. Derweil will der Konzern den Geschäftsbereich Health Care abspalten und diesen als eigenständiges Unternehmen an der Börse listen. Health Care soll sich als Technologieunternehmen im Gesundheitswesen auf Wundversorgung, Healthcare IT, Mundpflege und biopharmazeutische Filtration konzentrieren. Im vergangenen Jahr hatte das Segment Erlöse von etwa 8,6 Mrd. $ erzielt.

3M wandert angesichts des Konzernumbaus auf die Watchlist; (B+). 

Zwar konnte McDonalds im 2. Quartal seinen flächenbereinigten Umsatz um 9,7 % steigern. Die hohen Kosten u.a. im Zusammenhang mit dem Russland-Rückzug sorgten konzernweit jedoch für deutliche Rückgänge bei Umsatz und Gewinn. Insgesamt verringerte sich der Erlös um 3 % auf 5,7 Mrd. $. Der Gewinn brach im Jahresvergleich um 46 % auf 1,2 Mrd. $ ein. Allein die Aufgabe der Russland-Aktivitäten sorgten für Sonderbelstungen in Höhe von gut 1,2 Mrd. $. Zudem ächzt der Fast-Food-Gigant weiter unter hohen Kosten für Lebensmittel und Co.

McDonalds bleibt angesichts des anhaltend guten Kursverlaufs im Depot; (B+). 

Texas Instruments bleibt trotz anhaltend angespannter Marktbedingungen optimistisch für den weiteren Jahresverlauf. Der Umsatz soll demnach im 3. Quartal bei 4,9–5,3 Mrd. $ liegen. Der Gewinn je Aktie wird in einer Spanne von 2,23–2,51 (2,45) $ anvisiert. Im
2. Quartal waren die Erlöse um 14 % auf 5,2 Mrd. $ und damit stärker als erwartet gestiegen. Der Gewinn sprang unter dem Strich um fast ein Fünftel auf 2,3 Mrd. $ nach oben.

Texas Instruments hat zuletzt einen wahren Kurssprung hingelegt. Der Wert bleibt unter Beobachtung; (B+). 

Ungeachtet der Rezessionssorgen hat der Kreditkartenanbieter Visa im jüngsten Quartal Umsatz und Gewinn steigern können. Im Quartal von April bis Ende Juni legten die Erlöse um 19 % auf 7,3 Mrd. $ zu. Netto verdiente der Konzern mit einem Ergebnis von 3,4 Mrd. $ gut 32 % mehr als vor einem Jahr. Vorstandschef Alfred Kelly hob zwar die schwierige wirtschaftliche Gesamtlage hervor. Doch der US-Finanzkonzern kann sich weiter auf die Ausgabefreude seiner Kreditkartenkunden verlassen, an der er durch Gebühren glänzend verdient. Das gesamte abgewickelte Zahlungsvolumen stieg alleine in den 3 Monaten bis Ende Juni um 12 %.

Visa bleibt über den Börsen-Sommer im Depot eingebucht; (B+).   

Dank florierender Kreditkartenumsätze konnte Mastercard im 2. Quartal die Inflations- und Rezessionssorgen vorerst von sich schieben. Im Berichtszeitraum verbesserten sich die Erlöse insgesamt um 21 % auf 5,5 Mrd. $. Der Nettogewinn legte um 10 % auf 2,3
Mrd. $ zu. „Der steigende Inflationsdruck hat die Konsumausgaben insgesamt noch nicht deutlich beeinträchtigt, aber wir werden dies genau im Blick behalten“, so Mastercard-Chef Michael Miebach. Der Kreditkarten-Riese profitierte zuletzt vor allem davon, dass sich der internationale Reiseverkehr nach dem Einbruch in der Coronapandemie erholte. So nahm das grenzüberschreitende Zahlungsvolumen um 58 % zu.

Bei Mastercard lässt man den Restbestand nach wie vor in aller Ruhe weiterlaufen; (B+). 

Den anhaltenden Lieferengpässen zum Trotz konnte Apple im vergangenen Quartal seine iPhone-Absätze stabil halten. Der Umsatz im Ende Juni abgeschlossenen 3. Geschäftsquartal nahm insgesamt um 2 % auf rd. 83 Mrd. $ zu. Unterm Strich gab es unterdessen einen Gewinnrückgang von 10,6 % auf 19,44 Mrd. $. Konzernchef Tim Cook verwies auf einen „Cocktail aus Gegenwinden“ für das Geschäft und verwies auf die Corona-Lockdowns in China, den erstarkten Dollar und den Ausstieg aus dem russischen Markt wegen des Angriffskrieges in der Ukraine. Apple habe insgesamt besser abgeschnitten als vom Konzern selbst erwartet, betonte der Manager. Die Bauteile-Engpässe vor allem bei Chips gingen mittlerweile zurück. Der Konzern glaube daran, während Phasen des Wirtschaftsabschwungs zu investieren. Entsprechend werden etwaige Firmenzukäufe derzeit nicht ausgeschlossen.

Auch Apple konnte sich nach der Tech-Korrektur wieder fangen und scheint den eingeschlagenen Erholungskurs vorerst nicht zu verlassen. kaufen; (A–).

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