MS Industrie AG

Die MS Industrie AG hat über ihre 100-prozentige Tochtergesellschaft MS Powertrain Technologie GmbH die Fertigung der Ventiltriebsysteme für den Daimler-Weltmotor am Standort Webberville in den USA an die italienische Gnutti Carlo Gruppe veräußert. Der Übergang der betroffenen rechtlichen US-Einheiten soll plangemäß Anfang April 2019 erfolgen. Mit diesem Verkauf sinkt zwar der Umsatz der Gruppe um rund 80 Mio. Euro, die Abhängigkeit vom Kunden Daimler kann aber ebenfalls reduziert werden. Die MS Industrie AG bleibt aber weiter auf dem amerikanischen Markt präsent und wird dabei vor allem das Geschäft mit Ultraschall-Schweißmaschinen ausbauen. Auch nach dem Verkauf erfolgt die Belieferung des Daimler Weltmotors in den USA aus dem Werk in Webberville heraus. So werden die MS-Industrie Gruppe und Gnutti mit wechselseitigen Belieferungen von Teilen und Komponenten auch künftig in laufender Verbindung stehen. Im zweiten Quartal 2019 rechnet der Vorstand mit einem einmaligen positiven Entkonsolidierungseffekt auf Ertrag und Vermögen in Höhe von rund 17 Mio. Euro.(ES - 22.3.2019 - 4:00 Uhr)

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TOM TAILOR Holding SE

Die TOM TAILOR Holding SE hat einen Vertrag zur Veräußerung er Tochtergesellschaft BONITA GmbH unterzeichnet. Als Käufer fungiert die niederländische Victory & Dreams International Holding B.V. Über die Konditionen haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart. Allerdings muss der Markenwert von BONITA in Höhe von 184,5 Mio. Euro zum 31. Dezember 2018 komplett abgeschrieben werden. Darüber hinaus erwartet der Vorstand, dass die Anwendung von IFRS 5 das Ergebnis des nicht fortgeführten Geschäftsbereichs im Geschäftsjahr 2018 in Höhe von rund 40 bis 50 Mio. Euro belasten wird.(ES - 20.3.2019 - 22:00)

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AK OHB SE

Zufrieden mit dem Geschäftsverlauf in 2018 zeigte sich OHB-Chef Marco Fuchs auf der heutigen Analystenkonferenz in der DZ-Bank in Frankfurt. Besonders positiv entwickelte sich im Berichtsjahr das Satellitengeschäft (Space Systems) während es durch die anhaltende Umstellung von der Ariane 5 auf die Ariane 6 Rakete bei der ESA dort zu einer rückläufigen Nachfrage gekommen ist. Nach Einschätzung von Herrn Fuchs wird dieser Transitionseffekt auch noch in den Jahren 2019 und 2020 anhalten und zu einer gewissen Unsicherheit in diesem Geschäftsfeld führen.

Konkret verbesserte sich die Gesamtleistung im Konzern auf den prognostizierten Wert von 1,0 (0,86) Mrd. Euro. Das EBITDA stieg auf 65,0 (58,8) Mio. Euro woraus sich eine auf 6,8 (6,5) Prozent verbesserte EBITDA-Marge ergibt. Das EBIT kletterte laut Fuchs auf 47,8 (44,2) Mio Euro, die EBIT-Marge lag bei 4,8 (5,1) Prozent. Das Konzernergebnis von OHB erreichte 28,4 nach zuvor 27,7 Mio. Euro. Dies entspricht einem Ergebnis je Aktie von 1,44 (1,34) Euro. Die Anteilseigner sollen in Form einer auf 0,43 (0,40) Euro steigenden Dividende am Unternehmenserfolg des Jahres 2018 beteiligt werden. Diese ist zahlbar im Nachgang zur Hauptversammlung am 24. Mai 2019 in Bremen.

Die beiden Unternehmensbereiche des OHB-Konzerns entwickelten sich laut CEO dabei wie folgt. Der Bereich "Space Systems" erzielte 2018 eine erhöhte Gesamtleistung von 809,5 (661,3) Mio. Euro. Das EBIT erhöhte sich in diesem Geschäftsbereich sehr stark von 24,1 auf EUR 32,6 Mio Euro. Die EBIT-Marge bezogen auf die unkonsolidierte Gesamtleistung beträgt damit 4,0 Prozent nach 3,6 Prozent im Vorjahr. Die erzielte unkonsolidierte Gesamtleistung des Unternehmensbereichs "Aerospace + Industrial Products" reduzierte sich im Geschäftsjahr 2018 vor dem beschriebenen Hintergrund des "Ariane-Effekts" von 211,9 auf 197,6 Mio Euro. Daraus resultierte ein reduziertes EBIT in Höhe von EUR 15,7 (20,2) Mio. Euro. Die EBIT-Marge reduzierte sich entsprechend auf 7,9 (9,5) Prozent.

Zufrieden zeigte sich Fuchs auch mit Blick auf den mit 2,399 (2,439) Mrd. Euro sehr hohen Auftragsbestand. Der Großteil des Auftragsbestands in Höhe von 2,23 Mrd. Euro entfällt dabei auf den Unternehmensbereich "Space Systems", der Auftragsbestand im Bereich "Aerospace + Industrial Products" liegt bei 168 Mio. Euro. 

Ein klares Bekenntnis gab OHB Chef Fuchs auch zur vor fünf Wochen ausgegebenen Guidance für das aktuell laufende Geschäftsjahr 2019 ab. Es wird eine konsolidierte Gesamtleistung von 1,05 Mrd. Euro erwartet. Beim EBITDA wird ein Wert von 80 Mio. Euro und beim EBIT eine Größenordnung von 50 Mio. Euro erwartet. (ES - 20.03.2019 - 14:15 Uhr)

 

 

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Optionsscheine

Redaktionelles

Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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