Chipmangel wird anhalten

Die massive Nachfrage nach Unterhaltungselektronik, Laptops und Co. hat zu einem Boom in der Chipbranche geführt. Auch wegen der zunehmenden Digitalisierung ist der Bedarf an Halbleitern unerwartet stark in die Höhe geschnellt. Doch Produzenten wie Taiwan Semiconductors kommen kaum noch hinterher, die Bestellungen rechtzeitig auszuliefern. Entsprechend kommt es bei den Abnehmern zu Verzögerungen und Ausfällen – und die finden sich nicht nur in der Elektronikbranche. Der weltgrößte Handyhersteller Samsung hat jüngst vor Schwierigkeiten durch die Knappheit an Halbleitern gewarnt. Das aktuelle Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei Computerchips und deren Komponenten sei „sehr ernst“ und stelle im 2. Quartal ein „leichtes Problem“ dar, so Firmenvizechef Koh Dong Jin. Auch die neue Spielekonsole Playstation 5 könnte angesichts der Halbleiter-Knappheit noch monatelang schwer zu bekommen sein. Sony rechne damit, dass sich die Liefersituation schrittweise im Laufe des Jahres verbessern werde, sagte Spartenchef Jim Ryan zuletzt. Zwar hat sich Xbox-Konkurrent Microsoft noch nicht konkret zu der Situation geäußert, doch auch hier dürften sich die Verzögerungen auswirken.

In der weltweiten „Chipkrise“, wie es in einigen Portalen schon zu lesen ist, finden sich insbesondere die Autobauer in einer ungewohnten Situation wieder. Hier machen sich nicht nur Lieferengpässe bemerkbar, sondern auch der Preisdruck. Denn Autohersteller müssen vor allem bei „Kleinteilen“, wie eben Chips, hart kalkulieren. Die Schwierigkeiten machten sich nicht zuletzt beim deutschen Autobauer VW bemerkbar, der seine Produktion zeitweise drosslen musste.  Und auch General Motors befürchtet eine Ergebnislücke von 1,5 bis 2 Mrd. $ in 2021 aufgrund der derzeitigen Einschränkungen.

Die Chip-Knappheit in der Autobranche hat ihren Ursprung jedoch bereits im März 2020: Auf dem Höhepunkt der Coronakrise standen weltweit Werke still, Verkaufshäuser waren geschlossen, der Absatz brach ein. Viele Autobauer stornierten deshalb Bestellungen bei ihren Zulieferern. Der Chipmarkt wurde in dieser Zeit indes der Hersteller von Smartphones und Unterhaltungselektronik überrannt und „leergekauft“. Darüber hinaus nahmen die Preise für Halbleiter und Co. drastisch zu. Die bereits schwer von der Pandemie gebeutelte Autobranche war und ist jedoch nicht bereit, diese Erhöhung zu tragen. Die Folge: Spannungen, Zerwürfnisse und Lieferausfälle.

Der digitale Wandel ist nicht mehr zu stoppen. Zwar wird sich die Nachfrage nach Tablets, Laptops und Co. wieder einpendeln, doch der Bedarf an Halbleitern wird branchenübergreifend hoch bleiben. Gute Zeiten für Chipproduzenten. Abnehmer, wie die Fahrzeugbranche werden sich jedoch auf einen deutlich verschärften Kampf um Margen & Co. einstellen müssen.

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