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Der Commerzbank-Betrugsfall

Erst im Juni 1974 war die Kölner Herstatt-Bank, die vom Privatbankier Iwan David Herstatt gegründet und geleitet wurde, infolge von Devisenspekulationen zusammengebrochen. Es war die bis dahin größte Bankenpleite der Bundesrepublik. Doch schon kurze Zeit später kochte der nächste Bankenskandal hoch. Dieses Mal ging es um die Commerzbank, die gerade erst in Frankfurt am Main ihre neue Zentrale eingeweiht hatte. Das „Zwei-Scheiben-Haus“ mit 28 Etagen war das erste Gebäude in Frankfurt, das mit einer Höhe von 106 m den Kaiserdom überragte. Doch die eigentlichen Presse-Schlagzeilen machte nicht das Gebäude der Commerzbank, sondern ihr Prokurist Wilhelm Edler. Der Leiter der Frankfurter Buchhaltung hatte innerhalb von zweieinhalb Jahren 41 Mio. Mark unterschlagen und allein 36 Mio. Mark davon in die Schweiz transferiert. Ein Teil des Geldes konnte später ausfindig gemacht werden, doch fast die Hälfte blieb verschollen. Letztlich entstand der Bank ein Schaden von 21 Mio. Mark, was damals rund 5 % des Aktienkapitals entsprach.

Edler und zwei weitere Kaufleute hatten unter den Augen von Vorstand und Aufsichtsrat unbehelligt die Gelder veruntreut. Obwohl Edler, wie die Ermittlungen später ergaben, oft leicht erkennbar hohe Beträge als Barauszahlungen oder Überweisungen an fingierte Kunden abzog, blieben seine Betrügereien von den internen Revisionen unbemerkt. Und das, obwohl manchmal auf den Belegen sogar die zweite Kontrollunterschrift fehlte. Edler bediente sich für seine Verschleierungen eines einfachen Tricks: Er belastete zunächst andere Filialen der Commerzbank mit dem entsprechenden Betrag, später sogar auch andere Institute, selbst im Ausland. Mit Vorliebe zog er das Geld über ein französisches Geldinstitut, das durch einen Streik in Buchungsrückstand geraten war.

Erst als Edler 1974 kündigte und auf Urlaub ging, stieß die Leitung der Commerzbank auf die Millionenschiebungen, weil die Münchener Filiale eine Belastung über 1,6 Mio. Mark reklamierte. Edlers Vertreter konnte den Transfer nicht nachvollziehen und gab die Sache zur Prüfung weiter. Damit flog der Schwindel auf und der bis dahin größte Bankenbetrug kam ans Licht.

 

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