Während der britische Großaktionär mit allen Mitteln seinen Anteil an Hugo Boss auf über 50 % hieven will, kommt auch im Übernahmekrimi um die Commerzbank scheinbar Bewegung. Die Übernahme des Essenslieferdienstes Delivery Hero durch Uber scheint derweil im beiderseitigen Einvernehmen abzulaufen.
Der Machtkampf bei Hugo Boss geht in die nächste Runde. Nachdem der britische Großaktionär Frasers seinen Anteil an dem Modekonzern auf 48 % ausgebaut hat und nun die Mehrheit anstrebt, setzt Hugo Boss sein erst am 24. August gestartetes Aktienrückkaufprogramm mit Ablauf des 8. September bis auf Weiteres aus. Der Vorstand begründet den Schritt mit der jüngsten Ankündigung von Frasers. Eine Wiederaufnahme des Rückkaufs werde zu gegebener Zeit geprüft. Frasers hatte im Juni vergeblich versucht, Hugo Boss für 2 Mrd. € zu übernehmen. Damals hielten die Briten rund 26 % der Anteile. Inzwischen sind sie mit 48 % größter Aktionär und wollen ihren Anteil auf über 50 % erhöhen. Wann und wie dies geschehen soll, ließ Frasers offen. Gleichzeitig stellt der von Milliardär Mike Ashley kontrollierte Einzelhändler die Unterstützung für Hugo Boss-Aufsichtsratschef Stephan Sturm auf den Prüfstand.
Personelle Veränderungen gibt es zunächst jedoch nicht. Der Rückkauf war erst vor wenigen Tagen angelaufen. Mit dem Stopp dürfte der Konzern auch auf die veränderte Aktionärsstruktur reagieren. Das Verhältnis zwischen Frasers und Hugo Boss gilt bereits seit Längerem als angespannt. Im November hatte Frasers Sturm noch das Vertrauen entzogen, war im Juni jedoch wieder zurückgerudert. Zuletzt hatte die „Times“ berichtet, Frasers-Chef Michael Murray könnte künftig auch an die Spitze von Hugo Boss rücken. Der Modekonzern betont unterdessen, weiterhin von seiner Strategie überzeugt zu sein.
Die Commerzbank macht trotz der erwarteten Übernahme durch UniCredit mit ihrem angekündigten Aktienrückkauf Ernst. Der DAX-Konzern will bis zum 10. Februar 2027 eigene Aktien im Wert von bis zu rund 1,2 Mrd. € erwerben und anschließend einziehen. Der Rückkauf ist Teil der angekündigten Kapitalrückgabe und soll die Aktionäre auch während des Übernahmepokers am Erfolg der Bank beteiligen. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat sich derweil mit UniCredit-Chef Andrea Orcel getroffen und dabei klare Bedingungen für eine mögliche Übernahme formuliert. Demnach sollen der rechtliche Sitz und der Vorstand der Commerzbank in Frankfurt bleiben, ebenso wichtige Funktionen des Bankgeschäfts. Auch eine Übertragung des Firmenkundengeschäfts auf die UniCredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) lehnt die hessische Landesregierung ab. Zudem soll die Commerzbank eine Aktiengesellschaft deutschen Rechts bleiben. Nach dem Treffen steht am 14. September ein Gespräch zwischen Orcel und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil an. Der Bund hält gut 12 % an der Commerzbank und hat damit im Übernahmepoker ein gewichtiges Wort mitzureden.
Die geplante Übernahme von Delivery Hero durch den US-Fahrdienstvermittler Uber nimmt weiter Gestalt an. Vorstand und Aufsichtsrat des Essenslieferdienstes unterstützen das Übernahmeangebot und empfehlen den Aktionären, die Offerte anzunehmen. Der gebotene Preis von 41,50 € je Aktie sei angemessen und fair, teilte Delivery Hero mit. Die Offerte entspricht einem Aufschlag von rund 35 % auf den Dreimonatsdurchschnittskurs vor der Mitte Juli veröffentlichten Angebotsabsicht von Uber. Die Annahmefrist läuft noch bis zum 5. November.
Ein Bieterwettkampf zeichnet sich dabei nicht ab. Uber hat sich bereits rund 53 % der Anteile gesichert. Neben eigenen Aktien zählt dazu auch eine bindende Zusage des Großaktionärs Prosus. Mit der Übernahme würde Uber zum weltweit größten Essenslieferdienst außerhalb Chinas aufsteigen. Um mögliche kartellrechtliche Bedenken auszuräumen, wird Delivery Hero gleichzeitig sein Geschäft in 14 Ländern an den New Yorker Finanzinvestor SSW Partners verkaufen. Auch für den Standort Deutschland gibt es Zusagen. Uber will den Sitz von Delivery Hero bis mindestens 2029 in Berlin belassen, die dortige Belegschaft stabil halten und bis zu 2 Mrd. € in Deutschland investieren. Der Vollzug der Übernahme wird derzeit für die 2. Jahreshälfte 2027 anvisiert.