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Nutrien im ES-Fokus

Während die Welt auf die Ölpreise blickt, entfaltet sich in der Straße von Hormus eine ganz andere Krise. Denn die Meerenge ist nicht nur ein Nadelöhr für Rohöl und Gas, sondern auch für zentrale Vorprodukte der Landwirtschaft – insbesondere Düngemittel. 


Die jüngsten Spannungen und Blockaden haben den globalen Handel mit Ammoniak und Harnstoff massiv gestört. Ein erheblicher Teil dieser Stoffe passiert normalerweise die Route durch die Straße von Hormus, deren zeitweise Schließung Lieferketten unterbricht und Preise in die Höhe treibt. Am deutlichsten ist die Lage bei Harnstoff. Die Marktpreise haben seit Ende Februar von rund 58 € pro Dezitonne (100 Kilogramm) auf inzwischen 75 € angezogen – ein Plus von fast 30 %. Gleichzeitig trifft diese Entwicklung auf eine ohnehin sensible Phase: Die landwirtschaftliche Hauptsaison steht an. Für Landwirte weltweit bedeutet das steigende Kosten – und für Anbieter außerhalb der Krisenregion neue Chancen.

Unverzichtbarer Zulieferer

In diesem Spannungsfeld positioniert sich die kanadische Nutrien als einer der möglichen Schlüsselakteure der aktuellen Lage. Als nordamerikanischer Produzent ist das Unternehmen weniger von den Engpässen im Nahen Osten abhängig und profitiert von steigenden Preisen sowie einer wachsenden Nachfrage nach verlässlichen Lieferanten. 

Der Konzern verkauft jährlich mehr als 26 Mio. Tonnen Kali-, Stickstoff- und Phosphatprodukte an Landwirtschafts-, Industrie- und Futtermittelkunden weltweit. Das Unternehmen ist in vier Segmenten tätig: Nutrien Ag Solutions (Einzelhandel), Kali, Stickstoff und Phosphat. Das Einzelhandelssegment vertreibt Pflanzennährstoffe, Pflanzenschutzmittel, Saatgut und Handelswaren. Der Einzelhandel bietet Landwirten über ein Netzwerk von Farmzentren in Nordamerika, Südamerika und Australien direkte Dienstleistungen an. Das landwirtschaftliche Einzelhandelsnetz des Unternehmens betreut weltweit über 500.000 Landwirte. Hinzu kommen zwei große Phosphatanlagen in den USA mit integriertem Bergbau sowie fünf kleinere Aufbereitungsanlagen und eine Großanlage im Kanadischen Alberta. 

Erfolgreiche Zahlen-„Ernte“

Ende 2024 hat sich der Düngemittel-Spezialist ein umfassendes Restrukturierungsprogramm auf die Fahne geschrieben. Seither wurden unrentable Geschäftsbereiche veräußert oder umgebaut – mit Erfolg, wie die Zahlen zum Geschäftsjahr 2025 zeigten. 

Im vergangenen Jahr ist der Umsatz von Nutrien um 4 % auf 26,9 Mrd. $ gestiegen. Dabei legte der Absatz von Kalidünger um 2,6 % auf den Rekord von 14,25 Mio. Tonnen zu, während der durchschnittliche Verkaufspreis um 17,2 % auf 252 $ je Tonne nach oben sprang. Zudem kletterten die Verkäufe von Stickstoffdünger um 1,8 % auf 10,89 Mio. Tonnen. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf Konzernebene konnte unterdessen um 13 % auf 6,05 Mrd. $ verbessert werden, zumal die ursprünglich geplanten Kostensenkungen von 200 Mio. $ übertroffen worden sind. Nach Steuern schoss der Gewinn derweil von 700 Mio. $ im Vorjahr auf ganze 2,29 Mrd. $. An der erfreulichen Entwicklung sollen auch die Aktionäre teilhaben. Ihnen wird eine Quartalsdividende von 0,55 (0,54) $ je Aktie ausgezahlt (Quellensteuer beachten!). Darüber hinaus will das Management innerhalb der nächsten 12 Monate bis zu 5 % der Aktien zurückkaufen. 

„Mit Blick auf das Jahr 2026 bleiben unsere Prioritäten unverändert. Wir gehen davon aus, dass wir unsere positive Entwicklung dank starker Fundamentaldaten des Kalimarktes, einer verbesserten Stickstoffmarge und höherer Einzelhandelserträge fortsetzen werden“, so CEO Ken Seitz. Der Absatz von Kalidünger soll 14,1 bis 14,8 Mio. Tonnen erreichen. Konkrete Ergebniszahlen nannte Seitz beim Ausblick indes nicht.  

An Nutrien führt in Sachen Düngemittel kein Weg vorbei. Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten verschärft unterdessen die ohnehin angespannte Preislage im Kali- und Stickstoffmarkt. Hier nutzt man die Kurskorrektur zum Einstieg.  


ISIN: CA67077M1086/WKN: A2DWB8