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Wie die Finanzmärkte auf die Europawahlen reagieren

 

Schwächerer Euro, sinkende Aktienbewertungen, höhere Risikoprämien: Der Ausgang der Europawahl mit dem Erstarken der Euro-kritischen Rechten hat die Finanzmärkte am Montag stark beeinflusst. Für zusätzliche Unsicherheit sorgte die Ankündigung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die Nationalversammlung aufzulösen und am 30. Juni eine Neuwahl abzuhalten. Nachfolgend ein Überblick über die Reaktionen an den Märkten:

 

  • Euro

Die politische Unsicherheit schickte den Euro auf Talfahrt. Die europäische Einheitswährung fiel um 0,5 % auf 1,0746 $ und damit auf den niedrigsten Wert seit einem Monat. "Wenn es den traditionellen, europafreundlichen Parteien immer schwerer fällt, die Wähler von ihren Positionen zu überzeugen, schwächt das grundsätzlich den Euro – auch gegenüber den anderen Währungen", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

 

  • Aktienmärkte

Nach dem Rechtsruck gab der deutsche Leitindex DAX zum Handelsauftakt um bis zu 1 %  auf 18.376 Punkte nach. Der europäische Leitindex Stoxx 600 verlor 0,7 %. Experten machten dafür vor allem die überraschende Ankündigung Macrons zur Neuwahl verantwortlich. "Das sind eher schlechte Nachrichten für die Märkte", sagte Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding. "Es führt ein unerwartetes Element der Unsicherheit ein."

 

  • Sonderfall Frankreich

Macrons Ankündigung wirbelte vor allem die französischen Märkte auf. Mit einem Abschlag von bis zu 2,4 % war der Leitindex CAC 40 am Morgen das Schlusslicht unter den den europäischen Aktienmärkten und fiel auf ein Drei-Monats-Tief. Die Kurse von französischen Großbanken wie BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole brachen zwischen 4 und 6 % ein. 

 

  • Risikoprämien steigen

Investoren verlangten als Reaktion höhere Risikoprämien für den Kauf französischer Staatsanleihen. Für den Staat dürfte es damit teurer werden, sich frisches Geld zu leihen. Der Aufschlag zur deutschen Bundesanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren kletterte auf den höchsten Stand seit sechs Wochen: Er beträgt mehr als 0,53 Prozentpunkte. "Die Parlamentswahl in Frankreich schafft erhebliche Unsicherheit über den künftigen wirtschafts- und finanzpolitischen Kurs in Frankreich", erklärte Berenberg-Chefvolkswirt Schmieding die Entwicklung. "Angesichts des hohen französischen Haushaltsdefizits kann das französische Anleihen und den Euro etwas belasten."

 

  • Auch Italien und Griechenland müssen mehr zahlen

Vergleichbare Schuldtitel anderer europäischer Staaten wie Italien und Griechenland rentierten bei 4,051 beziehungsweise 3,749%. Zwar gerieten Bundesanleihen ebenfalls unter Druck. Dieser fiel aber im Verhältnis geringer aus, weil deutsche Papiere als "sicherer Anlagehafen" gelten. Dadurch vergrößerte sich der Renditeabstand zu den Anleihen anderer Staaten. Auch für italienische Staatsanleihen riefen Investoren höhere Risikoprämien auf. Der Abstand zur deutschen Bundesanleihe erhöhte sich auf 1,37 Prozentpunkte.

 

  • Erneuerbare unter Druck

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in ihrer ersten Amtszeit den "Green Deal" ausgerufen. Mit Hunderten Milliarden Euro soll der Übergang zu einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft angeschoben werden. Ob von der Leyen daran in einer möglichen zweiten Amtszeit festhalten wird, ist nach der Europawahl fraglich. Bei den Einzelwerten gaben die Titel des Windturbinenherstellers Nordex um bis zu 2,5 % nach, die Anteilsscheine von Siemens Energy sowie von E.ON büssten ebenfalls mehr als 1 % ein. Die politische Unsicherheit steige vor allem durch die in Frankreich ausgerufene Neuwahl, was den erneuerbaren Energien zusetze, sagte ein Händler.