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Schwere Zeiten für die Auto-mobilindustrie

Im Zuge der Coronakrise brach bei vielen Autoherstellern der Absatz ein. Aufgrund der schneller als erwartet eingesetzten Erholung kommt es derweil bei den Halbleiterherstellern zu Lieferengpässen, die nun die Autoproduktion erneut abwürgen.

Nach dem Absatzeinbruch der Autohersteller zu Beginn der COVID-19-Krise 2020 gingen viele Zulieferer in Kurzarbeit oder stellten ihre Produktion auf Unterhaltungs-
elektronik um, um den Nachfragerückgang zu kompensieren. „Seit dem Frühjahr war die Abnahme der Autoindustrie im Zuge der Coronasituation zunächst stark zurückgegangen. Chiphersteller mussten ihre Kapazitäten umstellen und neue Abnehmer finden, was geglückt ist“, so der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindusttrie (ZVEI). Neben der Unterhaltungselektronik gab es vor allem auch im medizinischen Bereich mit Beatmungsgeräten und Monitoren einen deutlich erhöhten Bedarf an Halbleitern.

Aufgrund der Verschiebungen kommt es bei den führenden Autochip-Produzenten wie etwa Infineon, Elmos Semiconductor oder der niederländischen NXP Semiconductors nun zu Engpässen. Die Probleme bestehen u.a., weil sich die Bestellzeit für die Rohmaterialien auf rund 5 Monate beläuft, und der Herstellungsprozess dann nochmals bis zu 20 Wochen in Anspruch nimmt. Dennoch dürften die Halbleiterhersteller gerade vom anhaltenden Trend zur E-Mobilität, trotz der derzeitigen Schwierigkeiten, langfristig profitieren.

Vor allem in China erholte sich die Nachfrage nach der Krise schneller als erwartet. Auch dort sorgte der Zuwachs im Bereich Elektrofahrzeuge für einen erhöhten Bedarf an Halbleitern. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass beispielsweise der Wolfsburger Autokonzern VW in China den Verkauf von zehntausenden Fahrzeugen aufgrund der Engpässe verschieben musste. Der chinesische Markt ist für VW jedoch der mit Abstand wichtigste. So mussten die Wolfsburger ihre Mitarbeiter zuletzt erneut in Kurzarbeit schicken und das eine oder andere Werk vorübergehend komplett still-legen. Daher prüft der Konzern derzeit Schadenersatzansprüche und Alternativ-liefe-ranten, um den Mangel auszugleichen.

Auch Daimler bekam bereits Schwierigkeiten in der Produktion aufgrund der Lieferprobleme. Unternehmensangaben zufolge habe der Engpass jedoch keinen Einfluss auf den Anlauf des neuen elektrischen EQA sowie auf die übrigen E-Modelle. Dennoch kann es zu Lieferverschiebungen kommen.

Neben den großen Autokonzernen leiden natürlich auch deren Zulieferer unter dem weltweiten Engpass. So musste Continental in einem Statement seine Kunden darum bitten, die „Produktion oder den Produktmix anzupassen. Die Engpässe bei Halbleitern werden auch im Jahr 2021 andauern und Lieferengpässe in der Continental-Produktion verursachen“.

Und auch der Licht- und Elektronikspezialist Hella bleibt trotz einer spürbaren Belebung im 2. Quartal vorsichtig (vgl. ES 3/21). Konzernchef Rolf Breidenbach sehe „verstärkt Risiken, die aus möglichen Materialengpässen in globalen Lieferketten resultieren können“.

Die steigende Chip-Nachfrage kann von den Halbleiterherstellern nicht bedient werden, wodurch die überraschend zügige Erholung der Automobilindustrie erneut ausgebremst wird. Besser so als keine Nachfrage!

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