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EK-Forum virtuell

in neuem Format, aber trotzdem hoch interessant

Das deutsche Eigenkapitalforum fand in diesem Jahr aufgrund der Coronapandemie das erste Mal rein virtuell statt. In sechs verschiedenen Räumen informierten sich die Teilnehmer über den aktuellen Stand mittelgroßer Unternehmen bis hin zu den Small Caps. Jeder Vortrag war auf etwa 20 Minuten angesetzt. Anschließend konnten die zugeschalteten Interessenten noch 5 bis 10 Minuten Fragen stellen. Daneben fanden wie sonst auch One-on-Ones statt, in denen man sich dann alleine oder im kleinen Kreis remote mit den Unternehmensvertretern austauschen konnte.

Zu den präsentierenden Unternehmen zählte auch der Investor Relations-Dienst-
leister EQS Group. Der Vorstandsvorsitzende  Achim Weick betonte in seiner Präsentation noch einmal den Ansatz, dass eine absolute Transparenz und Compliance die Voraussetzungen für das wichtigste Kapital am Markt sind, nämlich Vertrauen. Die neue Plattform IR COCKPIT erachtete Herr Weick als absoluten „Game Changer“. Im Segment Corporate Compliance erwartete der Vorstand ein schnelleres Wachstum
(25 %) als der Markt. Positiv entwickelte sich vor allem angesichts der Coronakrise das Themenfeld Webcasts und virtuelle Hauptversammlungen. Auf der anderen Seite belasteten aber verlängerte Vergabezeiten bei Aufträgen und mögliche Insolvenzen von Unternehmen bei einer länger andauernden Krise das Geschäft. Im Bereich Compliance soll der Umsatz bis 2025 dennoch auf 68 (2019: 19,21) Mio. € ausgeweitet werden. Der Bereich IR soll in 2025 rund 32 (2019: 16,1) Mio. € beisteuern.

Schwerpunkte des Vortrags von NFONs Technikvorstand Jan-Peter Koopman markierten Geschäftsmodell, Wachstumsperspektiven sowie die veröffentlichten vorläufigen Neunmonatszahlen. Besonders stolz zeigt man sich mit dem Überschreiten der Marke von 500.000 Seats im dritten Quartal 2020, was einer Steigerung von knapp 18 % gegenüber Vorjahr entspricht. Die Steigerung der Profitabilität ist jedoch derzeit nicht das primäre Ziel des Unternehmens, sondern vor allem Wachstum, um die Nr. 1 der Cloud-Telefonie in Europa zu werden. Daher wird auch in den nächsten Monaten viel in Marketing investiert werden. Die Wachstumsstory der NFON AG ist trotz Coronakrise, bzw. teilweise auch durch diese befeuert, weiterhin intakt. Dabei verfügte die Gesellschaft zum 30. Juni über eine komfortable EK-Quote von knapp 66 %.

Als großen Vorteil des Spezialchemie-Geschäfts von AlzChem erachtete CEO Andreas Niedermaier das Verbundsystem des Konzerns, wie der CEO in seinem Vortrag erläuterte. Laut Niedermaier bekleidet der Konzern eine führende Marktposition in vielen Nischenmärkten. So ist AlzChem zum Beispiel bei Creamino, Bioselect oder Dormex Marktführer. Positiv wertete er auch die hohen Eintrittsbarrieren in den Markt. So verfügt die Gesellschaft über zahlreiche Patente. Um die Marktposition zu sichern, investiert das Management weiter stark in die Forschung und Entwicklung. Der Vorstand sieht die Gesellschaft sehr gut positioniert für zukünftiges Wachstum. Den Rückgang der EK-Quote führe er u.a. auf den gesunkenen Zins und damit höhere Pensionsrückstellungen zurück. Bei Creamino befinde man sich auf Kurs, auch wenn sich bei den Tests leichte Verzögerungen durch Corona ergaben. Hinsichtlich der Klimadebatte hat  der Konzern zahlreiche Initiativen zur Einsparung von Energien gestartet.

Cliq Digital liefert seinen Mitgliedern Entertainment in mehr als 30 Ländern. Die
Gesellschaft bietet 5 Unterhaltungskategorien in einem Produkt für lediglich 15 € im Monat. Der fünfte Bereich Games kommt allerdings erst jetzt im 4. Quartal 2020 hinzu. Die Gewinnung von Kunden läuft derzeit über das Direktmarketing. In seiner Präsentation betonte CEO Ben Bos, dass mehr Marketing zu mehr Kunden und dies dann wiederum zu mehr Umsatz führt. Der Umsatzanteil von Nordamerika erhöhte sich im laufenden Jahr deutlich. Der Vorstand wertete auch den Abbau der Nettoverschuldung als äußerst positiv. Er rechnet mit einem kompletten Abbau der Nettoverschuldung voraussichtlich im 1. Quartal 2021. Hinsichtlich der Dividende strebt das Unternehmen trotz der Coronapandemie eine Ausschüttungsquote von 40 % an. In dem Vortrag betonte Bos, dass die meisten Wettbewerber nur Inhalte zu einem Thema bieten. Cliq biete dagegen ein komplettes Paket, was ein sehr attraktives Angebot für den Massenmarkt darstellt.

Seit dem letzten EKF hat Leifheit gute Fortschritte erzielt, betonte CEO Henner Rinsche. Leifheit verfügt über eine 30-köpfige Entwicklungseinheit in Deutschland, und die Produkte von Leifheit und Soehnle erhalten gute Ratings. Seit dem 3. Quartal hat sich das Wachstum massiv beschleunigt. Allein im September erhöhten sich die Verkäufe um 38 %. Leifheit konzentriert sich stärker auf profitable Produkte, was zu einer Verbesserung der Rohmarge führte, erläuterte Rinsche in seiner Präsentation. Die Gesellschaft hat TV-Werbung in verschiedenen Märkten getestet. Und obwohl man bereits vorher ein gutes Niveau erreichte, konnten die Erlöse in den ersten 9 Monaten in den Niederlanden um 44 % und um 52 % in der Schweiz gesteigert werden. Angesichts der Erfolge wurde die TV-Werbung dann auch nach Deutschland gebracht was den Umsatz um 33 % verbesserte. Auf der Kostenseite konnten anteilsmäßig überall Einsparungen erzielt werden, lediglich der Bereich Marketing wurde massiv ausgebaut.

Auch PSI, der Spezialist leittechnischer Softwarelösungen für Energieversorger und Industrieunternehmen, präsentierte sich auf dem EKF wieder energiegeladen. Und CEO Dr. Schrimpf  machte deutlich, dass eines der wichtigsten Ziele die Konvertierung von PSI in ein Softwareunternehmen mit entsprechenden Margen ist. Im letzten Jahr stieg das EPS auf 0,91 (0,68) €. Normalerweise liegt die Ausschüttungsquote bei rund 30 %, in diesem Jahr habe man sich jedoch für die Mindestausschüttung entschieden. PSI investiert weiter stark in Forschung und Entwicklung, wobei Dr. Schrimpf die Software-Plattform der Gesellschaft hervorhob. PSI baute die bestehende starke Marktposition durch die Übernahmen von NEPLAN und Prognos Energy aus. Für 2021 erwartet PSI eine Steigerung bei Umsatz und Ebit gegenüber 2020, auch wenn noch Unsicherheiten bestehen. Der Vorstand sieht derzeit durchaus gute Akquisitionsmöglichkeiten, denn einige Unternehmen haben deutliche Probleme in der jetzigen Krise, was den Erwerb erleichtere.

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