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Neues aus der Fahrzeugbranche

  • Der Halbleiterhersteller Elmos Semiconductor, dessen Produkte vor allem in der Automobilindustrie Verwendung finden, hat nach einer positiven Entwicklung im vergangenen Dreivierteljahr seine Prognose für das Gesamtjahr erneut angehoben. Der Umsatz fuhr auf 321,7 (236,8) Mio. € vor. Beim Ebit standen 74,4 (38,3) Mio. € in der Bilanz. Der Überschuss nach Anteilen Dritter stieg dabei auf 49,4 (25,6) Mio. €.Beim Umsatz werden für das Gesamtjahr mehr als 440 (zuvor: 430) Mio. € anvisiert. Die operative Ebit-Marge soll sich zudem bei 23 % (+/–2 %) einfinden (zuvor: 21 % +/–2 %).

Derweil wird der Halbleiterhersteller seine Waferfertigung wohl nicht verkaufen dürfen. Berichten zufolge wird die Bundesregierung dem Konzern die Veräußerung an die Tochter eines chinesischen Unternehmens untersagen. Eine Entscheidung soll in der Kabinettssitzung am 9. November (nach Redaktionsschluss) fallen.

Elmos Semiconductor ist spekulativ reizvoll; (A–).

  • Der Autobauer BMW machte dank des Verkaufs teurer Modelle und der Mehrheitsübernahme des chinesischen Gemeinschaftsunternehmens BBA im ersten Dreivierteljahr gute Geschäfte. Steigende Kosten und die wegen anziehender Zinsen teureren Autofinanzierungen trüben die Perspektiven jedoch ein. So rechnet BMW damit, dass sich die angespannte Lage in den kommenden Monaten auf das Konsumverhalten auswirken wird.

Nach 9 Monaten setzte BMW insgesamt 1,75 Mio. Autos ab und damit 9,5 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte auf 37,2 (27,5) Mrd. € und das Ebit auf 3,7 (2,9)
Mrd. € zu. Unterm Strich stand ein Gewinn von 3,2 (2,6) Mrd. €. Für 2022 wird ein leichter Rückgang bei den Auslieferungen (2021: 2,5 Mio.) erwartet. Die Ebit-Marge wird weiterhin zwischen 7 und 9 (10,3) % anvisiert.

Die Unterbewertung nutzt man bei BMW zum Einstieg; (A–).

  • Der Elektrolaster-Hersteller Nikola wird im Gesamtjahr 2022 sein Auslieferungsziel von 300 bis 500 elektrischen Lkw verfehlen. Im vergangenen Dreivierteljahr hat der Konzern 125 Lastwagen produziert und lediglich 111 an Kunden übergeben. Eine konkrete Prognose für das 4. Quartal oder das Gesamtjahr wagt das Management weiterhin nicht. Nachdem im Vorjahr noch kein Umsatz erzielt wurde, verbuchte Nikola zwischen Januar und September hier 44,26 Mio. $. Der operative Verlust wurde mit –553,26 (–530,81) Mio. $ deutlich ausgeweitet. Unterm Strich stand ein Fehlbetrag von –562,2 (–531,0) Mio. $ in den Büchern.

Nikola kommt aus dem Negativsog nicht raus. Um den Titel macht man einen großen Bogen; (B–).    

  • Der Mangel an Neu- und Gebrauchtwagen in Europa bremst das Wachstum des Online-Händlers Auto1. In den 3 Monaten bis Ende September legte der Absatz auf 163.561 (156.530) Fahrzeuge zu. Der Umsatz verbesserte sich auf 1,71 Mrd. € nach 1,26 Mrd. € im Vorjahr. Beim bereinigten Ebitda weitete der Konzern aufgrund des Ausbaus des Autohero-Geschäfts den Verlust mit –35,2 (–24,7) Mio. € merklich aus. Unterm Strich sackte der Online-Autohändler mit –55,1 (–34,9) Mio. € deutlich tiefer in die roten Zahlen.

Für das Gesamtjahr peilt das Management beim Absatz nur noch das untere Ende der Spanne von 655.000 bis 725.000 (596.731) Fahrzeugen an. Beim Umsatz werden 6,5 bis 6,7 (4,8) Mrd. € und beim bereinigten Ebit –155 bis –175 (–107,2) Mio. € anvisiert.

Das erneute Kappen der Auslieferungsziele kam an der Börse erwartungsgemäß nicht gut an. Bei Auto1 fährt man daher weiterhin nicht mit; (B–).

  • Zwar konnte der Automobilzulieferer ElringKlinger im 3. Quartal einen Rekordumsatz einfahren. Dennoch drückten die hohen Energie-, Rohstoff- und Logistikkosten den Konzern in die roten Zahlen. Zwischen Januar und September verbesserte sich der Umsatz auf 1,33 (1,22) Mrd. €. Das Ebit krachte jedoch mit –64,9 (98,5) Mio. € in die Verlustzone. Auch das Periodenergebnis nach Minderheiten fiel mit –86,4 Mio. € deutlich negativ aus. Im Vergleichszeitraum stand noch ein Gewinn von 54,4 Mio. € in den Büchern. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit einer Ebit-Marge zwischen 2 und 3 (2021: 6,3) %.

ElringKlinger kann derzeit nicht überzeugen. Abstand halten! (B).

  • Eine positive Entwicklung in Nordamerika und Asien konnte das schwächelnde Geschäft in Europa bei Jost Werke in den ersten 9 Monaten abfedern. Nach bisher untestierten Zahlen kletterte der Umsatz des Nutzfahrzeugezulieferers um 22,8 % auf 960,9 Mio. €. Das bereinigte Ebit zog auf 96,9 (84,0) Mio. € an. Angesichts der bisherigen Entwicklung rechnet der Vorstand für das laufende Jahr mit besseren Ergebnissen. Die Erlöse sollen demnach um einen niedrigen zweistelligen %-Satz steigen und erstmals die Marke von 1,2 (2021: 1,05) Mrd. € knacken. Beim bereinigten Ebit wird ein Anstieg im hohen einstelligen %-Bereich erwartet (2021: 104,8 Mio. €). Das finale Zahlenwerk wird am 14. November vorgestellt.

Jost Werke lässt man weiter im Depot seine Runden drehen; (B+). 

  • Hohe Kosten haben dem Auto- und Industriezulieferer Schaeffler im vergangenen Dreivierteljahr zu schaffen gemacht. Sie konnten nicht vollständig über Preisanpassungen kompensiert werden und belasteten das Ergebnis. Umsatzseitig legten hingegen alle Sparten zu. Auf Konzernebene kletterten die Erlöse auf 11,79 (10,35) Mrd. €. Das Ebit fuhr hingegen mit 750 (989) Mio. € gen Süden. Auch das Konzernergebnis verlor von 611 Mio. auf 417 Mio. €.

Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einem Erlöseanstieg zwischen 6 und 8 % nach 13,85 Mrd. € im Vorjahr. Bei der Ebit-Marge vor Sondereffekten peilt das Management hingegen einen Rückgang auf 5 bis 7 (2021: 9,1) % an. Zusätzlich hat der Konzern ein Maßnahmenpaket angekündigt, mit einem jährlichen Einsparpotenzial von bis zu 100 Mio. €.

Derzeit gibt es interessantere Titel als Schaeffler; (B). 

  • Der Opel-Mutterkonzern Stellantis hat den Umsatz im 3. Quartal dank nachlassender Engpässe bei wichtigen Elektronikbauteilen und des schwachen Euro deutlich gesteigert. Der Absatz zog um 13 % auf gut 1,33 Mio. Autos an. Die Erlöse fuhren daher um 29 % auf 42,1 Mrd. € vor. Damit profitierte der Hersteller von Marken wie Fiat, Chrysler, Peugeot, Citroen, Alfa Romeo und Jeep weiterhin auch von vollen Orderbüchern, nachdem die weltweite Halbleiterkrise die gesamte Autobranche ausbremste. Zuletzt verbesserte sich die Versorgungslage ein Stück weit. Gewinnzahlen präsentiert der italienisch-französische Konzern traditionell nur zum Halb- und Gesamtjahr.

Bei Stellantis fährt man spekulativ mit; (A–).

 

  • Der angeschlagene Autozulieferer und Bordnetzspezialist Leoni hat auch im 3. Quartal unter den volatilen Produktabrufen infolge der anhaltenden Lieferkettenstörungen gelitten. Zusätzlich machten sich die gestiegenen Rohmaterial- und Logistikkosten negativ bemerkbar.

Ersten Berechnungen zufolge verbesserte sich der Umsatz der fortgeführten Geschäftsbereiche auf 955 (893) Mio. €. Das Ebit vor Sondereffekten sackte aber mit –56 Mio. € tiefer in die Verlustzone. Im Vergleichszeitraum verbuchte der Konzern einen Verlust von –3 Mio. €. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit Erlösen von 3,8 Mrd. €. In 2021 erwirtschaftete der Konzern noch 5,1 Mrd. €. Beim Ebit vor Sondereffekten wird ein hoher, negativer zweistelliger Mio.-€-Bereich in Aussicht gestellt. 2021 fuhr der Konzern hier noch einen Gewinn von 170 Mio. € ein.

Mit einer Kreditverlängerung und Entschädigungszahlungen von Kunden für schwankende Orderabrufe (vgl. ES 28/34/22) konnte sich Leoni vorerst  retten. Dennoch bleiben die Aussichten wenig berauschend, daher weiter Abstand halten; (B–). 

 

  • Steigende Kosten haben das Geschäft des Verbindungstechnikspezialisten und Automobilzulieferers Norma Group von Januar bis September belastet. Zwar legte der Auftragsbestand auf 588,2 (488,4) Mio. € zu, und auch der Umsatz kletterte auf 940,9 (833,8) Mio. €. Das Ebit hingegen sackte auf 63,0 (79,8) Mio. € ab. Beim Periodenergebnis musste Norma ebenfalls einen Rückgang auf 36,1 (51,2) Mio. € hinnehmen. Obwohl die Situation weiter angespannt bleibt, hat das Management die anvisierten Ziele für das Gesamtjahr 2022 bekräftigt (vgl. ES 30/22).

Trotz der niedrigen Norma-Bewertung warten Anleger vorerst ab; (B). 

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