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Pump and Dump bei windeln.de

Zockereien lassen Kurs explodieren

Aktionäre der windeln.de SE dürften sich bei einem Blick auf Ihren Depotauszug die Augen gerieben haben. Wie aus dem Nichts entwickelte sich die Aktie des Onlinehändlers für Baby- und Kinderartikel zur echten Kursrakete. Erreichte der Pennystock am 13. Mai 2021 mit 0,52 € noch einen neuen Tiefststand, ging es zeitweise schlagartig bis auf 6,92 € hoch. Der Konzern zeigte sich sogar selbst von dieser Kursentwicklung überrascht. News gab es keine – zumindest nicht von Unternehmensseite! Es waren vor allem Zockereien, die stark an GameStop und AMC Entertainment (vgl. ES 5/21) zu Beginn des Jahres erinnern. Denn die deutschen Nutzer des Internetforums Reddit spielten hierbei eine tragende Rolle.

Die Nachricht dahinter kommt aus China. Um die Überalterung der Bevölkerung zu stoppen, verkündete die chinesische Staatsführung, künftig auf eine Drei-Kind-Politik umzuschwenken. China ist bekanntermaßen der Hauptmarkt für windeln.de. Doch die Spekulation, dass es dann auch bei den Deutschen zu einem Boost für die Geschäftsentwicklung kommt, ist äußerst fragwürdig. Experten glauben kaum, dass diese Entscheidung zu einem Babyboom im Reich der Mitte führt, solange der Staat nicht auch im gleichen Zuge für finanzielle Erleichterungen für Familien sorgt. Statistisch gesehen bekommt eine chinesische Frau im Durchschnitt 1,3 Kinder. Die Mehrzahl der chinesischen Familien sind finanziell nicht in der Lage, ein drittes Kind zu stemmen. Sollte es überhaupt einen Effekt haben, muss ohnehin ein „time lag“ einkalkuliert werden.

Das Ziel der Reddit-Nutzer ist diesmal allerdings nicht ganz klar. Schließlich fehlen zwei Faktoren einer typischen Reddit-Aktie. Eine Short-Squeeze-Chance besteht bei windeln.de nicht. Hebelprodukte existieren ebenfalls nicht. Über den Kauf gehebelter Optionen wurde beispielsweise der Kurs des Krankenversicherers Clover-Health durch Reddit-Nutzer in die Höhe getrieben. Damit sieht es ganz danach aus, als steckt hinter dem Kurssprung von windeln.de eine sogenannte Pump and Dump-Aktion. Hierbei setzen Daytrader auf marktenge, günstige Aktien und treiben diese mit vermeintlich positiven News nach oben, um anschließend Kasse zu machen. Denn selbst unter den Reddit-Nutzern hagelte es für diese Aktion zahlreiche skeptische Kommentare.

Unter dem Strich ist der Kurssprung nicht gerechtfertigt. Denn die Aktionäre von windeln.de wurden bislang wenig verhätschelt. Im Jahr 2015 feierte die Aktie zu einem Preis von 18,50 € ihr Börsendebüt. Seit dem erweist sich für Anleger das Papier als regelrechtes Sorgenkind. Daran hat sich bislang wenig geändert. Zwar konnte der Umsatz im 1. Quartal immerhin mit 14,6 Mio. € mehr oder weniger stabil gehalten werden, doch der Ebit-Verlust von –3,46 (–2,43) Mio. € lässt zweifelsohne tief blicken. Was die Liquiditätslage angeht, steht der Konzern ebenfalls auf wackeligen Beinen.

Finger weg von derartigen Zockereien!

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