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Lesedauer: 5 Minuten

Vorstandsinterview

mit Herrn Peter Szabo von Energiekontor

ES: Wofür steht der Name Energiekontor, wie sieht Ihre Unternehmensstrategie aus?

Der Name Energiekontor ist die Kombination aus dem Unternehmenszweck und dem hanseatischen Begriff für Betrieb. Der Begriff Kontor steht für Verlässlichkeit, Solidität und dem ehrbaren Kaufmann.

ES: Sehen Sie sich zukünftig stärker als Projektentwickler oder als Bestandshalter von Wind- und Solarparks?

Beide Bereiche sind für uns auch zukünftig gleichermaßen wichtig. Wir verfolgen ein Wachstumsmodell, bei dem wir ca. 50 % der von uns realisierten Projekte in den Bestand übernehmen. Je mehr Wind- bzw. Solarparks in den Eigenbestand übergehen, umso stärker steigen die zukünftigen Cash-Überschüsse aus dem Stromverkauf und der Betriebsführungstätigkeit. Damit wiederum stehen mehr Mittel für die Projektentwicklung zur Verfügung, die das Wachstum forcieren. Wir glauben, dass wir mit diesem Modell langfristig einen Wachstumspfad von ca. 20 % p.a. verfolgen können, genauso wie es uns in den Jahren vor Einführung des EEG 2017 gelungen war.

ES: Wo liegen die aktuellen Markt-Herausforderungen?

Mit dem EEG 2017 wurde in Deutschland das Fördersystem von Einspeisevergütungen auf ein Ausschreibungssystem umgestellt, bei dem die Regierung eine feste Menge an Leistung ausschreibt und anschließend die günstigsten Gebote den Zuschlag bekommen. Durch die damals eingeführten Sonderregelungen für Bürgerenergiegesellschaften kam es zu einer deutlichen Wettbewerbsverzerrung, die sich negativ auf 2018 und 2019 auswirkten.

Vor allem bei unseren Windparkprojekten – national wie international – erleben wir weiterhin Akzeptanzprobleme, zu wenige genehmigte Flächen für den Bau von Windkraftanlagen, Klagen von Betroffenen, Vereinen, Verbänden, landesweit geltende Abstandsregelungen und langwierige Artenschutzverfahren. Dies sind jedoch alles Herausforderungen, die wir seit vielen Jahren kennen und bei unseren Projekten selbstverständlich mit berücksichtigt werden.

ES: Die EU-Kommission setzt auf den „Greendeal“. Was versprechen Sie sich von den europäischen Klimazielen?

Es ist erfreulich, dass die EU-Kommission mit dem „Greendeal“ ein Zeichen gesetzt hat. Jedoch stehen wir hier erst ganz am Anfang und es zeichnen sich heute schon massive Widerstände ab, vor allem von Ländern, die bei der Energieerzeugung sehr stark auf Kohle bzw. Atomkraft setzen. Trotzdem zeigt diese Initiative, dass das Thema „Klimawandel“ bei den politischen Entscheidungsträgern in Brüssel höchste Priorität hat.

Als Pionier der Energiewende wird Energiekontor seit jeher von der Vision einer 100-prozentigen Deckung der Stromnachfrage durch erneuerbare Energien geleitet. Unabhängig von dem „Greendeal“ haben wir den Ehrgeiz, die wirtschaftlichsten Projekte im Bereich der Windkraft und Photovoltaik zu realisieren. Energiekontor ist bereits heute in der Lage, Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien ohne staatliche Fördermaßnahmen zu reinen Marktpreisen anzubieten. Wir waren sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland die ersten die allein auf Grundlage von PPAs (Power Purchase Agreements = Stromabnahmeverträge) Projekte realisiert bzw. geplant haben.

ES: In Deutschland ist Energiekontor bereits gut vertreten, wo wollen Sie im Ausland weiter wachsen?

Neben den Standorten in Deutschland unterhält Energiekontor Niederlassungen in England, Schottland, Portugal, USA und Frankreich. Aktuell liegt der Schwerpunkt für die Entwicklung weiterer Projekte im Ausland auf Schottland, wo bei hervorragenden Windbedingungen großflächige Windparks ohne Fördermaßnahmen wirtschaftlich realisiert werden sollen. Unsere Projektpipeline hat dort ein Volumen von ca. 1.500 MW. Aktuell liegen schon Baugenehmigungen für sechs größere Projekte vor, deren Baubeginn ab 2020 ff. erfolgen sollen. In den aussichtsreichen Auslandsmärkten USA und Frankreich sind wir erst seit wenigen Jahren aktiv und befinden uns mit unseren Aktivitäten dort erst im Aufbau.

ES: Wie hoch planen Sie für die kommenden Jahre ihre Investitionen und wie sollen sie finanziert werden?

Wir werden in den kommenden Jahren wieder deutlich mehr Projekte realisieren als in den vergangenen Jahren. Zum einen werden wir eine Belebung im deutschen Wind- und Solar-Markt sehen und zum anderen werden die ausländischen Märkte für Energiekontor eine größere Bedeutung bekommen. Die Finanzierung der Projekte schätzen wir als unproblematisch ein. Wind- und Solarparks werden typischerweise mit einem hohen Fremdkapitalanteil finanziert. Wir sind in der sehr komfortablen Situation, dass wir für unsere Projekte immer eine Vielzahl von Banken haben, die gerne unsere Finanzierungspartner sein wollen und uns attraktive Konditionen bieten. Dabei sind wir sicherlich auch Profiteure des historisch niedrigen Zinsniveaus.

ES: 2019 bekam die Branche Gegenwind zu spüren, wie lautet ihre Guidance für 2020 und der mittelfristige Ausblick?

2019 war aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen in Deutschland ein schwieriges Jahr für uns sowie für die gesamte Branche. Aufgrund widriger Witterungsbedingungen konnte ein in NRW noch im Bau befindlicher Windpark nicht wie geplant bis Jahresende in Betrieb genommen werden. Dieser wäre für die Höhe eines positiven Konzern-Ebt 2019 entscheidend gewesen. Damit verschiebt sich der komplette Ergebnisbeitrag in zweistelliger Millionenhöhe ins laufende Jahr und das Ebt 2020 erhöht sich entsprechend. Diese Verschiebung ist zwar ärgerlich, aber bei Windprojekten auch nicht ungewöhnlich. Für 2020 haben sich unsere Geschäftsaussichten deutlich aufgehellt und wir werden unseren Gewinn sehr deutlich steigern. Eine Guidance für 2020 möchte ich heute aber noch nicht abgeben. Mittelfristig – also bis 2023 – wollen wir ein nachhaltiges Konzern-Ebt von 55-60 Mio. € p. a. erreichen. Dies setzt sich zusammen aus einem Ebt von ca. 30 Mio. € p. a. aus Projektierung und Verkauf und einem Ebt von 25-30 Mio. € p. a. aus eigener Stromerzeugung und Betriebsführung.

ES: Sehr geehrter Herr Szabo, vielen Dank für das Gespräch.

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