Adobe stand zuletzt massiv unter Druck – die Sorge, Künstliche Intelligenz könnte das Geschäftsmodell des Software-Giganten aushöhlen, lastete schwer auf dem Papier. Doch kurz vor den Quartalszahlen dreht sich der Wind. Eine neue strategische Partnerschaft und eine historisch günstige Bewertung locken Anleger zurück.
Adobe ist aus der modernen Kreativ- und Medienwelt kaum wegzudenken. Ob Grafikdesign, Fotobearbeitung, Videoproduktion oder digitales Marketing – die Softwarelösungen des Unternehmens prägen seit Jahrzehnten die Art und Weise, wie Menschen Inhalte gestalten, bearbeiten und veröffentlichen. Programme wie Photoshop, Illustrator oder Premiere Pro sind längst zu festen Bestandteilen der kreativen Arbeitswelt geworden und werden von Profis ebenso genutzt wie von Einsteigern. Doch Adobe ist weit mehr als nur ein Hersteller bekannter Kreativsoftware. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren zu einer umfassenden Plattform für digitale Inhalte und Erlebnisse entwickelt. Mit der Creative Cloud, innovativen KI-Funktionen und Tools für Zusammenarbeit verändert Adobe kontinuierlich, wie Ideen entstehen und umgesetzt werden.
Aktie unter Druck – trotz Rekorden
All dies spielte dem Konzern im Schlussquartal 2024/25 (per Ende November) Rekorderlöse in Höhe von 6,2 (5,6)
Mrd. $ ein. Auf Jahressicht summierte sich der Umsatz auf 23,8 (21,5) Mrd. $. Nach Steuern legte der Gewinn deutlich auf 7,13 (5,56) Mrd. $ zu. Für 2025/26 werden Erlöse zwischen 25,9 und 26,1 Mrd. $ erwartet. Während das Unternehmen bei Umsatz und Gewinn einen Rekord nach dem anderen einspielt, steht der Aktienkurs massiv unter Druck und musste alleine in den ersten Wochen des Jahres 2026 mehr als
25 % abgeben. Hauptsächlich verantwortlich für die Negativrallye ist die immer größere Angst vor der eigentlich gehypten KI. Diese integriert Adobe bereits in die eigene Software und verkündete kürzlich erst eine Partnerschaft mit keinem Geringeren als Microsoft beim Erstellen und Konvertieren von PDF-Dokumenten.
Doch die Sorge an den Märkten ist vor allem, dass eben solche KI-Tools klassische Software in Zukunft überflüssig machen könnten. Programme wie Photoshop werden besonders kritisch beäugt, da in den vergangenen Jahren durch ChatGPT und Co. immer mehr kostenlose KI-Tools etwaige Fotobearbeitungsprogramme „ersetzten“. Allerdings dürfte ein Blick auf die Qualität solcher Programme genügen, um festzustellen, dass diese mit den professionellen Tools von Adobe nicht mithalten können. Zumal das Gros der Adobe-Anwendungen nach wie vor im professionellen Bereich Verwendung findet. Die vermeintliche KI-Panik ist damit schnell widerlegt. Das zeigt sich auch bei dem US-Unternehmen selbst. Denn anstatt selbst in den Angstmodus zu verfallen, baut der Konzern seine Angebote munter aus und setzt dabei auf strategische Kooperationen.
Fokus auf Marketing-Prozesse
Diese sind auch ein wesentlicher Treiber für die jüngste Erholung. So wurde erst kürzlich eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem Werberiesen WPP verkündet. Der Fokus liegt dabei auf sogenannten „Agentic AI“-Workflows, die Marketingprozesse automatisieren sollen. Die erweiterte Zusammenarbeit mit WPP ist mehr als nur ein weiterer Kooperationsvertrag. Adobe integriert seine KI-Plattform Firefly und seine Content-Tools direkt in WPP Open, die zentrale Arbeitsumgebung des Werbekonzerns. Globale Marken können dadurch vom Briefing über die Content-Erstellung bis zur Mediaschaltung in einem einzigen Workflow arbeiten.
Auch die 1,9 Mrd. $ schwere Übernahme von Semrush steht unmittelbar bevor. Die US-Kartellbehörden haben im Januar grünes Licht gegeben, die Aktionäre stimmten im Februar zu. Der Abschluss wird für die 1. Jahreshälfte 2026 erwartet. Semrush stellt etwa Daten zur Verfügung, wie Marken in Suchmaschinen, großen Sprachmodellen und auf eigenen Kanälen wahrgenommen werden.
Adobe gibt nach den herausfordernden Monaten gerade wieder ein erstes Erholungssignal. Aktionäre, die sich nicht von der KI-Panik verunsichern lassen, greifen hier noch erste Stücke auf dem sehr günstigen Einstiegsniveau ab.
ISIN: US00724F1012/WKN: 871981