Beim IT-Dienstleister Nagarro hat die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin Fehler im Abschlussbericht 2022 festgestellt. Die Aufsicht habe dem Konzern am 10. Juni die Fehlerhaftigkeit im Rahmen einer stichprobenartigen Bilanzkontrolle mitgeteilt. Demnach seien der Konzernabschluss sowie der Lagebericht betroffen. Im Wesentlichen gehe es um die Aufzeichnung, Erfassung und geografische Aufschlüsselung von Umsatzerlösen sowie die erstmalige bilanzielle Erfassung von Unternehmenserwerben. Hinzu kämen die Beschreibung des Geschäftsmodells und die Risikoberichterstattung im Lagebericht.
Das Management des IT-Dienstleisters ist indes der Auffassung, dass die Berichte keine wesentlichen Fehler im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes aufweisen und legte Widerspruch ein. Ein Antrag auf aufschiebende Wirkung des Widerspruchs scheiterte aber zuletzt vor dem Oberlandesgericht Frankfurt. Nun sei damit zu rechnen, dass die Bafin die Fehlerfeststellungen auch während des noch laufenden Widerspruchsverfahrens unverzüglich veröffentlichen werde, hieß es vom Unternehmen.
Nun hat die BaFin mitgeteilt, dass die Umsatzerlöse des Unternehmens entgegen den Vorschriften nicht systematisch nach dem dafür vorgesehenen Modell erfasst worden seien. Somit sei nicht nachvollziehbar, ob die Umsatzerlöse in Höhe von 856,3 Mio. € korrekt erfasst und zum richtigen Zeitpunkt verbucht wurden. Zudem sei die Buchführung nicht nachvollziehbar gewesen. Bei zwei Unternehmenserwerben seien außerdem die übertragenen Gegenleistungen nicht korrekt bestimmt und die Aufteilung auf die übernommenen Vermögenswerte unzutreffend durchgeführt worden. Daher sei der Geschäfts- oder Firmenwert um 12,5 Mio. bzw. 2,2 Mio. € zu den jeweiligen Erwerbszeitpunkten zu hoch ausgewiesen. Außerdem seien in der Segmentberichterstattung die Umsatzerlöse hinsichtlich der geografischen Aufschlüsselungen unzureichend angegeben worden. In dem zusammengefassten Lagebericht fehle es an einer ausgewogenen und umfassenden Darstellung des Geschäftsmodells, die dem Umfang und der Komplexität der Geschäftstätigkeit entspreche, einschließlich der Beschreibung der organisatorischen Struktur und Zusammensetzung des Konzerns. Auch die darin getätigte Risikoberichterstattung sei nicht hinreichend.
Derweil steht der IT-Dienstleister vor einer Übernahme durch den indischen Konzern Persistent. Der Technologiedienstleister aus Indien bietet 81 € je Nagarro-Aktie. Mit dem Angebotspreis wird das Unternehmen mit etwas mehr als 1 Mrd. € bewertet. Persistent will mindestens die Hälfte der Anteile erwerben. Rund 20 % hat sich das indische Unternehmen von der Gründerfamilie gesichert und damit bereits einen großen Schritt in Richtung der 50 % geschafft. Auch Mitglieder des Vorstands planen, ihre privat gehaltenen Aktienpakete in das Angebot einzuliefern.
Die Ankündigung der BaFin kam am Markt erwartungsgemäß nicht gut an – das Übernahmeangebot geht man derweil mit; (B+).