Die hohen Ölpreise haben dem DAX zum Wochenschluss erneut zu schaffen gemacht. Eine schnelle Lösung im Nahost-Krieg scheint genauso wenig in Sicht wie eine sichere Rückkehr des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Am Energiemarkt blieb die Lage trotz der US-Freigabe zum Kauf russischen Öls daher angespannt. Der Preis für das Nordseeöl Brent pendelte weiter um die 100-$-Marke je Fass. Das US-Öl WTI verteuerte sich um 0,8 % auf 96,51 $ je Barrel.
Seit Beginn des Iran-Krieges vor knapp zwei Wochen hat die Angst vor langfristigen Lieferausfällen die Notierungen für Brent und WTI um gut 40 % in die Höhe schnellen lassen. Um die Turbulenzen am Ölmarkt abzufedern, erlauben die USA Ländern nun, für die nächsten 30 Tage auf See befindliches russisches Öl und Ölprodukte zu kaufen. Für den Markt seien dies kurzfristige Lösungen, die die Angebotsproblematik nicht beheben könnten, sagte Emril Jamil, Analyst bei LSEG. Dreh- und Angelpunkt bleibt laut Yang An von Haitong Futures die Straße von Hormus. Der Schiffsverkehr ist hier im Zuge des Nahost-Krieges praktisch zum Erliegen gekommen. Durch die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman fließt etwa ein Fünftel des weltweiten Ölangebots.
Im Blick behalten Investoren auch zahlreiche am Nachmittag anstehende US-Daten, darunter den PCE-Index, das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank Fed. Anleger erhoffen sich davon Hinweise auf den weiteren Zinskurs der Währungshüter. Spekulationen auf eine neue Inflationswelle durch die steigenden Ölpreise dämpften die Hoffnungen auf Zinssenkungen zuletzt deutlich.
Zu den größten Gewinnern im DAX zählten die Aktien von Zalando mit einem Plus von 1,4 %. Die Analysten von Bernstein haben die Titel auf "Market Perform" von "Underperform" heraufgesetzt. Auf der Verliererseite fanden sich unter anderem Siemens Energy und Adidas wieder, die 3,3 und 2,6 % nachgaben.
Im Konsumbereich im Fokus stehen könnte am Freitag Beiersdorf wegen schlechter Vorgaben des US-Kosmetik-Konkurrenten Ulta Beauty. Dessen Aktien verloren im New Yorker Handel an Wert wegen eines enttäuschenden Ausblicks, der mit steigenden Marketingkosten begründet wurde. Einem Händler zufolge ist es auch nicht ausgeschlossen, dass sich dies leicht negativ auf den Duftstoffhersteller Symrise auswirkt.
Vom Saatguthersteller KWS Saat wurde am Morgen vermeldet, dass der Vertrag mit Vorstandssprecher Felix Büchting langfristig bis Ende 2032 verlängert wurde.