Die Europäische Union (EU) belegt den US-Internetkonzern Google wegen Verstößen gegen diverse Gesetze mit einer weiteren hohen Geldbuße. Der Technologieriese müsse insgesamt 890 Mio. € zahlen. "Mit dieser Entscheidung wollen wir Wettbewerb sicherstellen", betonte Technologie-Kommissarin Henna Virkkunen. Die Alphabet-Tochter mache gute Fortschritte beim Einhalten europäischer Vorschriften. Damit scheinen zusätzliche Strafen für die beanstandeten Verstöße vorerst vom Tisch.
Google kritisierte die EU-Entscheidung. Sie verschlechtere die Ergebnisse der Suchmaschine. Der Zwang, Software-Downloads aus alternativen App Stores zuzulassen, untergrabe die Sicherheitsmechanismen in Googles eigenem Play Store. "Regulierung sollte Produkte verbessern, nicht verschlechtern", sagte Konzernsprecher Kent Walker. Er schloss eine Klage gegen den Bußgeldbescheid nicht aus.
Den Behörden zufolge hat Google in der Internetsuche eigene Dienste bevorzugt angezeigt. Zudem habe Google es Drittanbietern von Apps für das Smartphone-Betriebssystem Android erschwert, Nutzer auf alternative App Stores und eigene Bezahlseiten hinzuweisen. Die 460 und 430 Mio. € schweren Geldbußen sind die ersten, die die EU auf Basis des Digital Markets Act (DMA) gegen Google verhängt hat. In den vergangenen Jahrzehnten verdonnerte sie den Internetsuchmaschinenbetreiber zu Zahlungen von insgesamt mehr als 10 Mrd. €. Vor wenigen Tagen bestätigte der Europäische Gerichtshof (EuGH) eine Strafe von 4,1 Mrd. €.
Zwar korrigierte die Aktie der Mutter Alphabet zunächst, drehte kurz darauf jedoch wieder auf. Sowohl für Alphabet als auch Google ist die EU-Strafe nicht die erste ihrer Art. Langfristig orientierte Anleger sollten daher nicht vorschnell in Panik verfallen; (B+).