Zürich – Für Unternehmen sowie Versicherer und Rückversicherer könnte die zunehmende Verbreitung Künstlicher Intelligenz (KI) neue systemische Risiken schaffen. Wie aus einem Sigma-Bericht der Swiss Re hervorgeht, stieg der Anteil der Unternehmen, die KI- und Technologierisiken in ihren Risikoberichten nennen, zwischen 2019 und 2026 um rund 30 %. Diese Firmen stammen unter anderem aus dem Einzelhandel, der Luftfahrt und der Pharmaindustrie und nicht mehr hauptsächlich aus dem Technologiesektor, betonte der Schweizer Konzern. Das geht aus einer Analyse des Rückversicherers in Kooperation mit der London School of Economics hervor, die auf Risikoberichten multinationaler US-Konzerne basiert.
Auch für Versicherer und Rückversicherer entstünden erhöhte Kumulrisiken. Damit sind solche Ereignisse gemeint, die bei mehreren versicherten Einheiten oder Personen gleichzeitig einen Schaden auslösen können. Dazu zählen unter anderem Naturgefahren, aber auch Cyber-Risiken. Da drei Anbieter im Jahr 2024 rund 70 % der weltweiten Cloud-Infrastruktur kontrollierten und 97 % der globalen Kreditkartentransaktionen abwickelten, würde ein Ausfall von Zahlungssystemen laut Swiss Re den täglichen Zahlungsverkehr deutlich beeinträchtigen. Systemische Belastungen könnten somit entstehen, wenn eine solche Störung so lange andauert, dass Liquidität und Zahlungsabwicklung in Mitleidenschaft gezogen werden. Für Versicherer und Rückversicherer bedeutet eine solche Konzentration laut dem Bericht ein Kumulrisiko, da ein einziger Ausfall oder Cyber-Vorfall zeitgleich zu Schadenmeldungen von ansonsten völlig unabhängigen Versicherungsnehmern und über mehrere Geschäftsbereiche hinweg führen kann. "Ein Unternehmen mag auf den ersten Blick breit diversifiziert erscheinen, bis man feststellt, dass seine Zulieferer, Technologieanbieter und Kunden von derselben Infrastruktur abhängig sind", sagte Ivan Gonzalez, Chief Executive Officer of Corporate Solutions bei Swiss Re.
Der Bericht befasst sich auch mit der zunehmenden Verflechtung von Risiken für Unternehmen durch den Klimawandel und geopolitische Fragmentierung. Risikomanager in großen Unternehmen, Regierungen und Aufsichtsbehörden müssten vorausschauender in die Widerstandsfähigkeit gegen diese systemischen Risiken der nächsten Generation investieren, hieß es.