Die Nachfolge an der Spitze der US-Notenbank (Fed) gerät zunehmend unter Zeitdruck. Die für kommende Woche erwartete Anhörung des von US-Präsident Donald Trump nominierten Kandidaten Kevin Warsh im Bankenausschuss des Senats verschiebt sich offenbar. Laut einem Bericht von „Punchbowl News“ ist derzeit kein Termin für die notwendige Bestätigungsanhörung angesetzt. Aufgrund der vorgeschriebenen Vorlaufzeit von fünf Tagen gilt der 21. April inzwischen als frühestmöglicher Zeitpunkt.
Die Verzögerung reduziert das Zeitfenster für eine rechtzeitige Bestätigung vor dem regulären Ende der Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell am 15. Mai. Powell hat signalisiert, im Falle einer ausstehenden Nachfolge zunächst als „pro tempore“-Vorsitzender im Amt zu bleiben.
Während der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Kevin Hassett, weiterhin von einer Bestätigung Warshs im Mai ausgeht und einen Amtsantritt noch in diesem Monat erwartet, bleibt die politische Gemengelage angespannt. US-Präsident Trump hatte Powell zuletzt wiederholt kritisiert und ihm eine zu restriktive Zinspolitik vorgeworfen.
Die personellen Unsicherheiten an der Fed-Spitze treffen damit auf ein ohnehin politisch aufgeladenes Umfeld. Hintergrund ist vor allem die anhaltende Auseinandersetzung zwischen US-Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell über den geldpolitischen Kurs. Während Trump immer wieder deutliche Zinssenkungen fordert, hält Powell bislang an einem vorsichtigeren, datenabhängigen Ansatz fest. Die Frage der künftigen geldpolitischen Ausrichtung der USA wird damit zunehmend zu einem politischen Machtfaktor.
Vor dem Hintergrund des laufenden Nominierungsprozesses für Powells Nachfolge rückt zudem die Frage in den Fokus, wie unabhängig die US-Notenbank unter einem möglichen neuen Vorsitzenden agieren kann. Kevin Warsh gilt als Trump-naher Kandidat, dessen geldpolitische Haltung eher als wachstumsfreundlich und weniger restriktiv eingeschätzt wird. Sollte sich diese Personalie durchsetzen, könnte dies die künftige Zins- und Inflationspolitik der Fed deutlich beeinflussen – ein Aspekt, der an den Märkten bereits aufmerksam verfolgt wird.