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Lufthansa und TUI fahren Staatsbeteiligungen zurück

Angesichts des absehbaren Endes der Coronakrise wächst das Vertrauen der Anleger in die schwer gebeutelte Luftfahrt- und Tourismus-Branche. Nach der Lufthansa will auch der Reisekonzern TUI staatliche Hilfen mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung zurückzahlen. TUI will bei den Anlegern 1,1 Mrd. € einsammeln, um den restlichen Kredit der Staatsbank KfW und Bankschulden zu tilgen. Die anziehenden Buchungen machen TUI-Chef Fritz Joussen Mut. "Die Kapitalerhöhung bringt uns einen bedeutenden Schritt nach vorn, und wir können die Potenziale, die sich aus den Lockerungen der Covid-19-Beschränkungen ergeben, besser nutzen."

Die Lufthansa hat bereits 2,14 Mrd. € bei Investoren eingesammelt. Mit den Mitteln will die Fluggesellschaft die Stillen Einlagen des WSF, von denen sie 2,5 Mrd. € in Anspruch genommen hat, bis Ende des Jahres zurückgezahlt haben - als erster Großkonzern, der in der Corona-Krise Eigenkapital vom Staat erhalten hat. Die ersten 1,5 Mrd. sollen noch im Oktober fließen. Nach dem Jahreswechsel bliebe nur noch das Aktienpaket des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) übrig. In der Lufthansa stecken aber auch dann noch Milliarden an Staatshilfen. Mit Spannung war erwartet worden, wie sich der WSF bei der Kapitalerhöhung verhalten würde. Er hatte seine Beteiligung im Sommer auf 15,9 % reduziert. Laut Insidern wollte er sie im Zuge der Kapitalerhöhung noch einmal leicht auf 14 bis 15 % abschmelzen. Er hatte sich auch vorbehalten, einen Teil seiner Stillen Einlage direkt gegen neue Aktien einzutauschen. Insgesamt seien 98,4 % der Bezugsrechte für die neuen Aktien ausgeübt worden, die die Lufthansa mit einem deutlichen Abschlag zu je 3,58 Euro angeboten hatte. Die restlichen Aktien sollten am Markt verkauft werden. 

  • TUI war vom deutschen Staat wiederum mit 4,3 Mrd. € gestützt worden, weil die Pandemie den Reiseverkehr über die Grenzen fast vollständig hatte zusammenbrechen lassen. 1,3 Mrd. € gab es in Form einer Stillen Einlage, 3 Mrd. als Kredit der KfW. Von dem Staatskredit sind nur noch 375 Mio. €  übrig, die mit der Kapitalerhöhung vollständig getilgt werden sollen. Von einem Bankkredit über fast 1,5 Mrd. € will TUI 724 Millionen zurückzahlen. Die neuen Aktien können für 2,15 Euro bis zum 26. Oktober gezeichnet werden, zehn für je 21 TUI-Aktien. An der Frankfurter Börse kosteten sie am Mittwoch 3,77 €. Der russische Großaktionär Alexej Mordaschow sicherte zu, voll mitzuziehen und seine Beteiligung von 32 % damit zu halten.

TUI warb bei den Anlegern mit dem Verweis auf die wachsende Reiselust um Vertrauen: Die Zahl der Kunden habe sich im Juli und August auf 2,6 Millionen verdoppelt gegenüber den von der Coronakrise geprägten Vorjahresmonaten. In Deutschland und den Niederlanden lägen die Buchungen inzwischen sogar deutlich über dem Niveau des Vorkrisenjahres 2019. Der britische Markt erhole sich, nachdem die Regierung die Corona-Auflagen Mitte September gelockert habe. "Wo immer staatliche Reisebeschränkungen aufgehoben sind, sehen wir sofort die schnelle Rückkehr des Geschäfts", erklärte die Gesellschaft.

Für den Winter plant TUI mit 60 bis 80 % des normalen Programms. Bei Langstreckenzielen werde sich die Erholung aber noch länger hinziehen. Im Sommer 2022 könne sich das Geschäft wieder annähernd auf dem Vorkrisenniveau einpendeln, erklärte TUI. Die Buchungen für den nächsten Sommer lägen um 54 %, der Durchschnittspreis 15 % über dem vergleichbaren Stand für den Sommer 2019. Die beliebtesten Reiseziele seien die Türkei, Florida, Griechenland und Zypern. Finanziell werde TUI nach der zweiten Kapitalerhöhung wieder auf soliden Füßen stehen, hieß es in der Mitteilung. Im vierten Quartal werde die Verschuldung insgesamt um 2,2 auf 6,5 Mrd. € sinken. Auf der hohen Kante habe der Konzern dann 4,5 Mrd.€.

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