italien.jpg
@GettyImages

Milliardenpoker in Italien

Erneutes Ringen um Monte dei Paschi

Mailand – Im italienischen Bankensektor könnte es zu einem milliardenschweren Übernahmekampf kommen. Die größte Bankengruppe des Landes, Intesa Sanpaolo kündigte kürzlich an, den kleineren Konkurrenten Monte dei Paschi di Siena (MPS) für 30,6 Mrd. € übernehmen zu wollen. Dies wäre die größte Bankenfusion in der Geschichte des Landes, wie das Institut weiter mitteilte. Die Offerte in bar und Aktien beinhalte eine Prämie von 12,5 % auf den Schlusskurs von MPS. Mit dem überraschenden Vorstoß versucht Intesa, den Konkurrenten Banco BPM ins Abseits zu drängen. 

Banco BPM hatte noch zuletzt angekündigt, MPS eine "Fusion unter Gleichen" vorzuschlagen. Ein solcher Zusammenschluss hätte einen Börsenwert von rund 50 Mrd. € und solle jährliche Vorsteuersynergien von mehr als 1,1 Mrd. € einbringen, was den Gewinn je Aktie um über 10 % gesteigert hätte. Nach italienischem Übernahmerecht verhindert das formelle Angebot von Intesa nun jedoch, dass MPS ohne Zustimmung der Aktionäre eine Vereinbarung mit der Banco BPM trifft. BPM war im November 2024 bei MPS eingestiegen. Der MPS-Verwaltungsrat kam am Montag zusammen, um über die Lage zu beraten.

Die Pläne für ein Zusammengehen von BPM und MPS hatten in der Vergangenheit für Turbulenzen gesorgt. Die Großbank UniCredit hatte versucht, BPM zu schlucken, um eine Fusion der beiden Rivalen zu verhindern. Diese Übernahme scheiterte jedoch im Juli 2025. UniCredit-Chef Andrea Orcel konzentriert sich seither auf einen möglichen Kauf der deutschen Commerzbank. UniCredit hatte im vergangenen Jahr zudem eine größere Beteiligung an dem Versicherer Generali aufgebaut. MPS wiederum war durch die Übernahme von Mediobanca im vergangenen Jahr zum größten Investor bei Generali aufgestiegen.

Durch einen Zusammenschluss von Intesa und MPS würde die zweitgrößte Bankengruppe der Eurozone nach der spanischen Santander entstehen. Das neue Institut käme auf einen Börsenwert von 126 Mrd. €. Für das Jahr 2029 wird ein Nettogewinn von 16 Mrd. € angestrebt, nach einem gemeinsamen Gewinn von 13,6 Mrd. € im vergangenen Jahr. Intesa-Chef Carlo Messina erklärte, sein Haus wolle Mediobanca und deren Marke sowie die Generali-Beteiligung behalten.

Intesa ist stark auf Vermögensverwaltung und Versicherungen ausgerichtet und will zudem eine Beteiligung von 3 % an Generali halten. Um wettbewerbsrechtliche Bedenken auszuräumen, vereinbarte Intesa zudem ein Geschäft mit dem Versicherer Unipol. Demnach sollen im Fall einer erfolgreichen Übernahme rund die Hälfte der MPS-Filialen – insgesamt 635 Geschäftsstellen – sowie die Zentrale in Siena für bis zu 3,5 Mrd. € an Unipol verkauft werden. Unipol will diese Einheiten mit der BPER Banca zusammenführen. Generali wolle die Bank nicht übernehmen, machte Intesa-Chef Messina zudem klar.

MPS war im Jahr 2017 vom italienischen Staat gerettet und in den Jahren 2023 und 2024 wieder privatisiert worden. Seit dem Erwerb der Mediobanca gilt das Institut als begehrtes Übernahmeziel. Intesa hatte sich im Jahr 2020 mit dem Kauf der mittelgroßen Bank UBI ein Fünftel des italienischen Marktes gesichert und war damit an UniCredit vorbeigezogen. Wegen kartellrechtlicher Grenzen hatte sich das Institut danach aus der Konsolidierungswelle im italienischen Bankensektor herausgehalten, die Messina einst als "Wilden Westen" bezeichnet hatte.

Der italienische Bankensektor könnte durch die Übernahmepläne das zweite Jahr in Folge deutlich unter Druck geraten. Anleger halten daher die Branche und die entsprechenden Aktien ganz genau im Auge; (B+).