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Thyssenkrupp: Kretinsky-Deal geplatzt

TKMS-Abspaltung

Die Pläne für ein Stahl-Joint-Venture von Thyssenkrupp und der EP Group des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky sind gescheitert. Beide Seiten haben sich einvernehmlich darauf geeinigt, die Gespräche zu beenden, teilte der angeschlagene MDAX-Konzern mit. Stattdessen richtet sich nun die Aufmerksamkeit auf konkrete Verhandlungen mit dem indischen Stahlriesen Jindal Steel.

Die EP Group respektiert laut eigener Mitteilung den Wunsch von Thyssenkrupp, sich auf Jindal Steel zu konzentrieren. Kretinskys Beteiligung an Thyssenkrupp Steel Europe begann im Juli 2024 mit 20%, mit der Option einer möglichen Aufstockung auf 50 %. Laut Insidern sollen die Gespräche in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten sein, da Kretinsky sich offenbar zurückgezogen hat. Der Investor hätte zunächst abwarten wollen, ob dem Konzern der geplante Umbau seiner Tochtergesellschaft gelingt.

Die EPG wird ihren 20 %-Anteil an der Tochter Thyssenkrupp Steel Europe zurückgeben und eine Rückerstattung des Kaufpreises erhalten. Der tschechische Milliardär soll dabei laut Gerüchten einen großen finanziellen Spielraum erhalten. „Er zahlt nur den angepassten Buchwert“, sickerte aus Konzernkreisen durch.

Bekanntlich hat Jindal Steel International im September überraschend ein Übernahmeangebot für den größten deutschen Stahlkonzern vorgelegt. Thyssenkrupp hatte daraufhin angekündigt, die Offerte intensiv zu prüfen. Die IG Metall und der Betriebsrat haben den Vorstoß der Inder begrüßt.

  • TKMS-Abspaltung

Der vor der Abspaltung von Thyssenkrupp stehende Marineschiffbauer TKMS erwartet angesichts der zahlreichen Krisen und Kriege weltweit in den kommenden Jahren eine steigende Nachfrage. So plant die Tochter mittelfristig mit einem jährlichen Umsatzplus von rund 10 %. TKMS kann bereits auf ein Rekordauftragsbuch von 18,6 Mrd. € (per Ende Juni) bauen. Die Ebit-Marge soll perspektivisch auf über 7 % steigen. Außerdem strebt die TKMS eine Dividendenauszahlung von 30 bis 50 % des Nettokonzerngewinns an. Erstmals soll diese in 2027 für das Geschäftsjahr 2025/2026 ausgezahlt werden.

Thyssenkrupp strebt Insidern zufolge den 20. Oktober als Termin für den geplanten Spin-off seiner Rüstungssparte an. Der MDAX-Konzern will seinen Aktionären 49 % der Anteile von TKMS ins Depot legen und die Mehrheit behalten. Analysten haben den Wert des Bauers von U-Booten und Kriegsschiffen auf 2,3 bis 2,7 Mrd. € beziffert. Damit könnte es einer der größten Börsengänge in diesem Jahr in Deutschland werden hinter der Continental-Autozuliefer-Tochter Aumovio und Otto Bock.

Solange Altlasten und Unsicherheiten im gesamten Thyssenkrupp-Konzern bleiben, erscheint auch das Potenzial begrenzt; (B–).