Nach Tagen, in denen Börsianer noch auf ein baldiges Ende des Kriegs im Nahen Osten setzten, hat die Rede von US-Präsident Donald Trump an die Nation diese Hoffnungen zunichtegemacht. Trump wiederholte Drohungen, iranische Kraftwerke zu bombardieren, während er zugleich darauf verwies, dass sich die Straße von Hormus „ganz natürlich“ öffnen werde. Die Märkte reagierten prompt: Der Brent-Ölpreis stieg von zeitweise unter 100 auf 108 Dollar pro Fass, und die Aktienmärkte gaben deutlich nach. Anleiherenditen zogen parallel wieder an.
Zugleich verschärfte Trump die Unsicherheit mit erneuten NATO-Drohungen. Ein Besuch des NATO-Generalsekretärs Mark Rutte in Washington nächste Woche soll offenbar die Wogen glätten. Politische Analysten warnen jedoch, dass ein Austritt der USA formell nur mit hoher Hürde im Senat oder Kongress möglich wäre – ein schwacher Trost angesichts der chaotischen Außenpolitik.
Die Energiepreise schlagen in den USA bereits durch: Benzin verteuerte sich bereinigt um saisonale Effekte im März um rund 20 % gegenüber Februar. Experten der Commerzbank gehen davon aus, dass die Gesamtinflation im März um 0,9 % zum Vormonat und 3,3 % im Jahresvergleich steigen dürfte. Steigende Energiepreise könnten mittelfristig auf andere Güter und Dienstleistungen durchschlagen, etwa auf Flugreisen.
Historisch haben geopolitische Spannungen unter Trump oft zu schnellen Erholungen risikobehafteter Vermögenswerte geführt – das sogenannte „Taco“-Muster (Trump always chickens out). Analysten warnen jedoch: Der aktuelle Konflikt ist komplexer, und ein länger andauernder Krieg könnte nachhaltige Schäden anrichten, etwa durch verzögerte Energieinvestitionen, gestörte Schifffahrtsrouten, höhere Versicherungskosten und sinkendes Unternehmensvertrauen. Hinzu kommen mögliche Zinserhöhungen, die das Wachstum weiter bremsen und die Konsumaktivität dämpfen könnten.
Anleiheinvestoren stehen besonders unter Druck: Die Renditekurven spiegeln Erwartungen steigender Zinsen wider. Zentralbanken wie EZB und Bank of England signalisieren eine offensive Haltung, um Inflationsrisiken einzudämmen, während die Societe Generale vor zunehmenden Risiken an den Kreditmärkten warnt. Vor allem PIK-Darlehen, bei denen Zinszahlungen verschoben werden, könnten finanzielle Engpässe verschleiern. Gleichzeitig steigen M&A-Aktivitäten und damit die Nachfrage nach neuen Anleihen, während steigende Staatsdefizite das Angebot an Staatsanleihen erhöhen.
Politische Unsicherheiten, steigende Energiepreise und mögliche Zinserhöhungen lassen weiterhin hohe Volatilität erwarten. Strategische Zurückhaltung und Risikomanagement bleiben entscheidend. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, wie sich geopolitische Entwicklungen, Zinsen und Rohstoffpreise auf Aktien, Anleihen und Märkte auswirken, sollte den Effecten-Spiegel regelmäßig verfolgen – hier werden Nachrichten, Analysen und Einschätzungen gebündelt und praxisnah aufbereitet.