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US-Berichtssaison in voller Fahrt

Das Geschäft von United Airlines wird derzeit vor allem durch den Stopp der Flüge nach Tel Aviv nach der Attacke der islamistischen Hamas auf Israel sowie gestiegene Spritpreise gebremst. Entsprechend vorsichtig geben sich die Amerikaner für den weiteren Jahresverlauf. Im 3. Quartal konnte das Unternehmen seinen Umsatz indes um 12,5 % auf gut 14,48 Mrd. $ steigern. Der Gewinn sprang nach Steuern um gut ein Fünftel auf 1,14 Mrd. $ an. Bleiben die Flüge nach Tel Aviv nur bis Ende Oktober ausgesetzt, rechnet United fürs lfd. Quartal mit einem Gewinn pro Aktie von 1,80 $. Bei einem Stopp bis Ende des Jahres wären es nur 1,50 $.

Der Kurs von United Airlines befindet sich derzeit in einem wahren Sturzflug. Entsprechend hält man Abstand von dem Papier; (B–). 

AT&T hat erstmals seit mehreren Quartalen wieder mehr Neukunden an sich binden können als erwartet. Zudem traut sich das Management eine optimistischere Jahresprognose zu. Nach Abzug von Kündigungen gewann AT&T 468.000 Neukunden hinzu. Den Umsatz konnte das Unternehmen im
3. Quartal immerhin um 1 % auf 30,4 Mrd. $ erhöhen. Auf Ergebnisseite zeigt sich jedoch die angespannte Konkurrenzlage im US-Markt: Das operative Ergebnis ging erneut auf 5,78 (6,01) Mrd. $ zurück. Nach Steuern fiel der Gewinn mit 3,49 (6,03) Mrd. $ ebenfalls deutlich geringer aus.

Dennoch gibt sich das Management vorsichtig optimistisch für den weiteren Jahresverlauf. Der freie Mittelzufluss (Free Cashflow) dürfte demnach nun bei rund 16,5 (zuvor: 16,0) Mrd. $ liegen. Der Mittelzufluss ist ein wichtiger Indikator dafür, wie viel Dividende ein Unternehmen ausschütten und ob es Schulden abbauen kann.

Trotz anhaltendem Konkurrenzdruck scheint sich AT&T derzeit an einem Erholungskurs zu versuchen. Allerdings kann der Wert langfristig nach wie vor nicht überzeugen; (B).

Höhere Zigarettenpreise und die wachsende Beliebtheit von rauchfreien Nikotinprodukten beflügeln den Marlboro-Hersteller Philip Morris (PMI). Zwar machten Zigaretten immer noch den Großteil des Umsatzes aus, doch der Konzern sehe seinen wichtigsten Wachstumstreiber im schnell wachsenden Markt für rauchlose Tabakprodukte. Der Absatz des oralen Nikotinprodukts Zyn, das PMI im Zuge seiner Übernahme des schwedischen Tabakkonzerns Swedish Match erworben hatte, hat sich mehr als verdoppelt. Im 3. Jahresviertel setzte das Unternehmen 9,14 (8,03) Mrd. $ um. Operativ belief sich das Ergebnis auf 3,37 (2,97) Mrd. $. Je Aktie erzielte Philip Morris einen nahezu stabilen Gewinn von 1,32 (1,34) $. Das Management hob zudem die Jahresprognose für den bereinigten Gewinn auf 6,05 bis 6,08 $ pro Aktie von bisher 5,96 bis 6,05 $ an.

Auch wenn Philip Morris mit seinem Zahlenwerk durchaus überzeugen kann, hält der „Zick-Zack-Kurs“ der Aktie langfristig orientierte Investoren derzeit auf Abstand; (B+). 

Die hohe Nachfrage nach Kreditkarten und Premiumleistungen hat American Express im 3. Quartal einen Rekordumsatz beschert. Allein an Kartengebühren nahm der Konzern rund ein Fünftel mehr ein als im Vorjahreszeitraum. Die Amerikaner hatte zuletzt kräftig an der Gebührenschraube gedreht. Insgesamt sprangen die Erträge um 13 % auf knapp 15,4 Mrd. $ an. Der Gewinn fuhr nach Steuern um 30 % auf knapp 2,5 Mrd. $ vor. Derweil legte das Unternehmen 1,2 Mrd. $ für mögliche Kreditausfälle zur Seite und damit 58 % mehr als ein Jahr zuvor. Anders als die größten Konkurrenten wickelt American Express nicht nur Kartenzahlungen ab, sondern vergibt auch Kredite. Daher müssen sich die Amerikaner selbst gegen Zahlungsausfälle absichern.

American Express muss derzeit zwar wieder eine Korrektur verbuchen. Der Kreditkartengigant ist und bleibt jedoch eine solide Investmentoption. Daher sollte man hier bei den ersten Turnaround-Tendenzen nicht allzu lange warten; (A–). 

Der zuletzt chartechnisch etwas strauchelnde Pharmagigant Pfizer darf das US-Biotechunternehmen Seagen übernehmen. Die EU-Kommission kam zu dem Schluss, dass es keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken gebe und genehmigte die Übernahme ohne Auflagen. Im März hatte Pfizer bekanntgegeben, für den Krebsspezialisten 229 $ je Aktie zahlen zu wollen. Seagen wird damit mit 43 Mrd. $ bewertet. Pfizer zeigte sich damals zuversichtlich, dass das Unternehmen bis 2030 je nach Fortschritten bei den Produkten mehr als 10 Mrd. $ an Erlösen beisteuern könnte. Die Übernahme war den Angaben zufolge in Deutschland, Österreich und Zypern anmeldepflichtig. Die Kommission stellte unter anderem fest, dass der Zusammenschluss keine negativen Auswirkungen auf die Preise haben dürfe.

Der Portfolio-Ausbau ist für Pfizer eine strategisch wichtige Option, die Korrektur nach dem Corona-Boom endlich hinter sich zu lassen. Noch scheinen die Anleger jedoch nicht überzeugt zu sein, daher wartet man hier erst einmal weiter ab; (B). 

Broadcom könnte Kreisen zufolge auf größere Gegenwehr bei seiner geplanten Übernahme des Konkurrenten VMWare stoßen. Die chinesische Marktregulierungsbehörde habe den 69-Mrd.-$-Deal nicht unterzeichnet und werde die Genehmigung der Transaktion wohl verzögern, nachdem die US-Regierung zuletzt strengere Chipkontrollen eingeführt hat. Chinas Fusions- und Übernahmegenehmigungen für US-Konzerne erforderten nun zusätzliche Meetings mit dem Außenministerium und dem Staatsrat. Die Unternehmen waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Broadcom hatte im Mai 2022 die VMWare-Übernahme angekündigt. Im Juli diesen Jahres genehmigte die EU-Kartellbehörde den Deal unter Auflagen. Neben der EU haben Staaten wie Großbritannien, Australien, Kanada oder Taiwan den Kauf bereits abgesegnet.

Broadcom ist und bleibt ein Erfolgsgarant. Mit einem akt. Kurs von über
800 $ ist der Wert jedoch kein Schnäppchen; (B+).