Zürich – Ein französisches Gericht hat den Zementhersteller Lafarge der Terrorismusfinanzierung und des Verstoßes gegen europäische Sanktionen schuldig gesprochen. Das Pariser Gericht sah es als erwiesen an, dass Lafarge, seit 2015 Teil des Schweizer Zementkonzerns Holcim, zwischen 2013 und September 2014 insgesamt knapp 5,6 Mio. € an Dschihadistengruppen wie den "Islamischen Staat" (IS) und den Al-Kaida-Ableger Nusra-Front gezahlt hat. Beide Milizen werden von der EU als Terrororganisationen eingestuft. Zudem verurteilte das Gericht acht ehemalige Mitarbeiter und Führungskräfte wegen der Finanzierung von Terrorismus.
Die Vorsitzende Richterin Isabelle Prevost-Desprez sagte, die Zahlungen von Lafarge hätten dazu beigetragen, Dschihadistengruppen zu stärken, die in Syrien und darüber hinaus tödliche Anschläge verübten. Für das Gericht stehe fest, dass die Finanzierung einer Terrororganisation nur dem Zweck diente, ein syrisches Lafarge-Werk aus wirtschaftlichen Gründen in Betrieb zu halten. "Zahlungen an terroristische Gruppierungen ermöglichten es Lafarge, den Betrieb aufrechtzuerhalten", sagte Prevost-Desprez. "Diese Zahlungen kamen einer regelrechten Geschäftspartnerschaft mit dem Islamischen Staat gleich", fügte sie hinzu. Von Lafarge oder Holcim lag zunächst keine Stellungnahme vor.
In dem Verfahren stand erstmals in Frankreich ein Unternehmen wegen Terrorismusfinanzierung vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 1,13 Mio. € sowie die Beschlagnahmung von Vermögenswerten in Höhe von 30 Mio. € gefordert – die Höchststrafe für ein Unternehmen. Das Gericht hat das Strafmaß für den Konzern noch nicht verkündet.
Der seit November andauernde Prozess gegen das Unternehmen bezieht sich auf das Zementwerk Dschalabija, das Lafarge 2008 für 680 Mio. $ gekauft hatte. Ziel sei es gewesen, das Zementwerk in Nordsyrien während des Bürgerkriegs weiterzubetreiben. In einem weiteren Verfahren in den USA in 2022 zahlte Lafarge im Rahmen einer Einigung bereits eine Strafe von 778 Mio. $, nachdem das Unternehmen zugegeben hatte, dass seine syrische Tochtergesellschaft rund 6 Mio. $ an den IS und die Nusra-Front gezahlt hatte, um Mitarbeitern und Lieferanten die Durchfahrt an Kontrollpunkten zu ermöglichen.
Die Verurteilung der Tochter macht sich auch bei der Mutter Holcim bemerkbar. Die Aktie musste zunächst einige Punkte abgeben. Dennoch trennen sich Bestandsinvestoren nicht vorschnell von dem Baustoffriesen; (B+).