Deutsche Unternehmen erwarten für das kommende Jahr eine allmähliche Verbesserung der zuletzt schlechten wirtschaftlichen Lage. 19 von 49 Wirtschaftsverbänden, die das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in den vergangenen fünf Wochen befragt hat, rechnen im neuen Jahr mit einer höheren Produktion oder mehr Umsätzen als vor einem Jahr. Weitere 18 prognostizieren ein in etwa unverändertes Geschäft, und nur neun Firmenverbände rechnen mit einer niedrigeren Produktion.
Das ist besser als im Vorjahr, als 20 Wirtschaftsverbände mit schlechteren Geschäften gerechnet hatten. Ähnlich ist es mit den Investitionen: Hier gaben 20 Verbände im Vorjahr an, weniger für die Zukunft ausgeben zu wollen. Diesmal sind es nur noch 14 Verbände. Die Umfrage zeigt zudem, dass die Mitglieder von immerhin elf Verbänden ihre Investitionen erhöhen wollen –zwei mehr als im Vorjahr. Dem Handelsblatt lagen die Ergebnisse vorab vor.
„Ein Ende der Misere ist in Sicht“, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Eine „leichte Stimmungsaufhellung“ werde erkennbar und vor allem: „Die Erwartungen sind bei Weitem nicht mehr so negativ wie im Jahr davor.“ Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass Stimmung und Erwartungen bei den Unternehmen in den beiden Vorjahren außerordentlich schlecht waren. Das Ausgangsniveau, an dem sich die Verbesserung bemisst, ist also sehr niedrig.
Zuversicht bei Dienstleistern – viel Skepsis in der Industrie
Die Optimisten finden sich in der aktuellen Umfrage vor allem im Dienstleistungssektor, wozu etwa Banken und Versicherer zählen. Eine positive Entwicklung im Vergleich zum Jahresende 2024 sehen auch die Bauwirtschaft und der Immobiliensektor.
In der Industrie erwartet 2026 allein der Luft- und Raumfahrzeugbau ein wesentlich besseres Geschäftsjahr – eine Branche also, die von steigenden Verteidigungsausgaben profitieren dürfte. Mit etwas höherer Produktion rechnen unter anderem Schiffbau, Maschinenbau und Elektroindustrie. Auf schlechtere Geschäfte stellen sich zum Beispiel Automobilindustrie, Papierindustrie und Textilindustrie ein.
Vor allem der Industrie machten hohe Kosten am Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb zu schaffen, erklärt das Institut mit Sitz in Köln. Dazu kommen Handelsbarrieren und Zollschranken im weltweiten Geschäft.
Unter dem Strich schlechte Beschäftigungsperspektiven
In vielen Branchen wird sich der IW-Umfrage zufolge der Stellenabbau im neuen Jahr fortsetzen. 22 der 46 Verbände rechnen 2026 mit einer Reduzierung der Belegschaften. Nur 9 Verbände gehen von einem Zuwachs an Mitarbeitern aus, 15 erwarten eine stabile Beschäftigung.
Vor allem die Industrieverbände erwarten demnach, dass im neuen Jahr Personal abgebaut wird. Nur die Pharmaindustrie, der Luft- und Raumfahrzeugbau sowie Schiffbau und Meerestechnik beabsichtigen, neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Sondereffekte treiben Wachstum 2026 an
Konjunkturprognosen für 2026 gehen davon aus, dass es mit der deutschen Wirtschaft nach drei mageren Jahren zumindest etwas aufwärtsgehen wird. 0,8 Prozent bis 1,3 % Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) werden erwartet. Getrieben werden dürfte das Wachstum maßgeblich von Sondereffekten: staatliche Milliardenausgaben für Infrastruktur wie Straßen und Schienen sowie für Verteidigung. Zudem fallen im neuen Jahr mehr Feiertage auf ein Wochenende, so dass es mehr Arbeitstage gibt als 2025.
"Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich aktuell auf niedrigerem Niveau", sagt IW-Direktor Hüther. "Wenn wir wieder auf Wachstumskurs zurückkehren wollen, hat die Politik noch viel Arbeit vor sich."