Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Donnerstag nach der schwachen Vorstellung vom Vortag wieder erholt. Das Handelsgeschehen blieb jedoch von Vorsicht geprägt. Anleger bewegen sich weiterhin zwischen Unsicherheit über den künftigen Zinskurs und hohen Erwartungen an den KI-Sektor. Die jüngsten Verluste wurden am Markt eher als Verschnaufpause denn als Auftakt einer ausgeprägten Korrektur gewertet.
Für Rückenwind sorgten die starken Quartalszahlen und der optimistische Ausblick des US-Speicherchipherstellers Micron. Die anhaltend hohe Nachfrage aus dem KI-Umfeld belebte daraufhin auch die deutschen Halbleiterwerte. Infineon, Aixtron, Siltronic und Suss Microtec legten deutlich zu.
Der Oberste Gerichtshof in den USA hat zugunsten von Bayer in dessen Kampf gegen Klagen entschieden, wonach das Unternehmen es versäumt habe, Verbraucher davor zu warnen, dass Roundup Krebs verursacht. Dies beschert dem Konzern einen wichtigen Sieg bei seinen Bemühungen, die kostspieligen Rechtsstreitigkeiten um das Unkrautvernichtungsmittel beizulegen. Das Gericht erklärte, der Pharma- und Agrarkonzern könne nach einzelstaatlichem Recht nicht dafür haftbar gemacht werden, nicht vor dem mutmaßlichen Risiko gewarnt zu haben, wenn eine Bundesbehörde - die Environmental Protection Agency - nicht verlangt habe, dass das Produkt einen Warnhinweis trage. Das Urteil könnte den Weg für die Abweisung von Tausenden von Klagen gegen Bayer ebnen. Die Aktie des Unternehmens stieg deutlich an.
Im Rüstungssektor setzte sich die Korrektur dagegen fort. Rheinmetall gab nach dem heftigen Einbruch vom Vortag erneut nach. Auslöser bleibt die Entscheidung der Bundesregierung, den milliardenschweren Fregattenauftrag nicht an Rheinmetall zu vergeben. Nach Einschätzung von Citigroup-Analyst Charles Armitage fiel die Kursreaktion allerdings deutlich stärker aus, als es die wirtschaftlichen Folgen des entgangenen Auftrags rechtfertigen würden. Auch Renk und Hensoldt standen unter Druck. Bei TKMS kam es nach dem starken Vortagesanstieg zu Gewinnmitnahmen, nachdem das Unternehmen als voraussichtlicher Profiteur des Fregattenauftrags gilt.
VW zogen an. Der Konzern hat sich mit Bain Capital auf den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an der Großmotorentochter Everllence verständigt. Der Mittelzufluss stärkt die Finanzposition, auch wenn die erzielte Bewertung nach erster Markteinschätzung unter den zuvor erhofften Größenordnungen liegt.
Adidas profitierten von positiven Aussagen zur Nachfrage nach den Trikots der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der Sportartikelhersteller verzeichnet nach eigenen Angaben weltweit starke Verkaufszahlen und sieht insbesondere bei den DFB-Trikots eine Rekordnachfrage.
Auch Vonovia gehörten zu den Gewinnern. Eine Kaufempfehlung von Analystenseite stützte den Kurs. Das Institut rechnet mit einem freundlicheren Umfeld für Wohnimmobilienunternehmen und zählt Vonovia zu seinen bevorzugten Werten im Sektor.