Weltkugel hinter Charts in den Farben blau und Orange
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Börsenbericht – Irankrieg bleibt Taktgeber

Der Krieg im Nahen Osten bleibt auch weiterhin einer der Haupttaktgeber an den Börsen. Die steigenden Inflationssorgen lasten auf den Aktienmärkten und auf der Stimmung der Anleger. Zur Wochenmitte hat der DAX seine jüngste Erholung abgebrochen und wieder Punkte abgegeben. Für heute steht hierzulande die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf dem Plan. Für Impulse sorgte auch die US-Notenbank Fed – die eine straffere Geldpolitik in Aussicht gestellt hat. Die Notenbanker wollen im laufenden Jahr den Leitzins voraussichtlich nur einmal senken. Auf ihrer jüngsten Sitzung wurde zudem beschlossen, den Leitzins unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 % zu belassen. Die Auswirkungen des Kriegs auf die US-Wirtschaft seien "ungewiss", sagte Fed-Chef Jerome Powell und fuhr fort: "Kurzfristig werden höhere Energiepreise die Gesamtinflation anheizen". Es sei aber "noch zu früh, um das Ausmaß und die Dauer der möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft zu kennen". Die Leitindizes der Wall Street gaben im Zuge dessen ebenfalls nach und der Dow Jones beendete den Handel 1,6 % leichter. Der S&P 500 gab 1,3 % nach und die Technologiebörse Nasdaq verlor 1,4 %. Für weitere Unruhe sorgte der jüngste Preissprung beim Öl. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sprang zeitweise auf fast 110 $, nachdem Medien über Angriffe auf Energieanlagen in Süd-Pars und Asaluyeh berichtet hatten. 

Hierzulande kam jüngst die Berichtssaison weiter in Fahrt. Neben Vonovia öffneten einige Unternehmen aus der 2. Reihe ihre Bücher. Neben United Internet, 1&1 und IONOS stellten auch Lanxess und Vossloh ihre Ergebnisse vor. 

Vonovia hat im vergangenen Jahr die ausgegebenen Ziele erreicht. Das bereinigte Ebitda im fortgeführten Geschäft legte um 6 % zu und nach Steuern und Anteilen Dritter schaffte der Immobilien-Riese mit 3,72 Mrd. € deutlich den Turnaround. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 1,25 (1,22) € je Aktie erhalten. Für das laufende Jahr plant Vonovia mit einem bereinigten Ebitda zwischen 2,95 und 3,05 Mrd. €. Beim bereinigten Vorsteuergewinn stellt der DAX-Konzern 2026 eine Spanne von 1,9 bis 2,0 Mrd. € in Aussicht.

Angesichts der Schwäche in der Chemieindustrie will Lanxess die Kosten weiter senken. Bis 2028 sollen zusätzlich 100 Mio. € pro Jahr gespart werden. Dabei sollen auch weitere Arbeitsplätze wegfallen – insgesamt sollen 550 Stellen abgebaut werden. 2025 sank das operative Ergebnis um 17 % auf 510 Mio. €. Der Umsatz fiel im vergangenen Jahr um 11 % auf knapp 5,7 Mrd. €. Unter dem Strich stieg der Verlust auf –577 Mio. €. Im laufenden Jahr sind weitere Ergebnisrückgänge nicht ausgeschlossen: So rechnet das Unternehmen mit einem bereinigten Ebitda von 450 und 550 Mio. €. 

Die Kosten für den Aufbau eines Mobilfunknetzes der Tochter 1&1 haben United Internet belastet. Dank einer gestiegenen Kundenzahl konnte der Konzern dennoch mehr umsetze und verdienen. Mit 6,1 Mrd. € setzte United Internet knapp 2 % mehr um. Das bereinigte Ebitda legte um 2,4 % auf 1,3 Mrd. € zu. Die Aktionäre sollen mit einer Dividende in Höhe von 0,50 € je Aktie von den besseren Ergebnissen profitieren. Für das laufende Jahr zeigt sich das Management um Konzernchef und Großaktionär Ralph Dommermuth optimistisch. Der Umsatz soll auf 6,25 Mrd. € zulegen und das Ebitda bei 1,45 Mrd. € landen. 

Die United Internet-Tochter 1&1 steigerte die Erlöse in 2025 um 1,8 % auf 4,14 Mrd. € – darin enthalten sind 40,2 Mio. € von 1&1 Versatel aus Dezember 2025. Nach dem Erwerb von 1&1 Versatel im Dezember 2025 wird das Unternehmen seit Dezember im Konzernabschluss berücksichtigt. Auf Konzernebene sank das Ebitda in 2025 um 9,0 % und das Ergebnis je Aktie um 22,3 %. Der Free Cashflow konnte indes auf 195,1 (20,8) Mio. € ausgebaut werden. Diese Verbesserung ist insbesondere auf den Wegfall der bis zum Jahr 2024 an die Deutsche Telekom geleisteten Vorauszahlungen für VDSL-/FTTH-Kontingente zurückzuführen.

IONOS konnte in 2025 die Kundenbasis auf 6,63 (6,32) Mio. ausbauen. Der Umsatz kletterte um 5,5 % gen Morden – währungsbereinigt lag das Wachstum bei 6,1 %. Das bereinigte Ebitda fuhr überproportional auf 485,2 (409,4) Mio. € vor. Der Vorstand hat im September entschieden, die Sedo GmbH, und somit das Segment "AdTech", zum Verkauf zu stellen und sich auf die Kerngeschäftsfelder "Web Presence & Productivity" sowie "Cloud Solutions" zu fokussieren. Aufgrund dieser Entscheidung wird das Segment "AdTech" gemäß IFRS 5 separat als nicht-fortgeführter Geschäftsbereich ausgewiesen. Die Finanzkennzahlen des Vorjahres wurden entsprechend angepasst.

Nordex hat vom Projektentwickler Prowind zwei Aufträge eingesammelt. Die Order umfasst die Lieferung und Errichtung von acht Turbinen mit einer Gesamtleistung von 54,4 MW. Bis Ende 2027 sollen die Turbinen auf Hybridtürmen errichtet werden. 

Trotz finanzieller Bremseffekte aus der Übernahme des Betonschwellenspezialisten Sateba gibt sich der Bahntechnikkonzern Vossloh für 2026 zuversichtlich. Das Ebit dürfte trotz der Belastungen auf 118,5 bis 131,0 Mio. € zulegen. Im vergangenen Jahr stieg der operative Gewinn um 13,7 % auf 119,6 Mio. €, allerdings waren hier Effekte aus der Sateba-Übernahme rausgerechnet. Den Umsatz erwartet Vossloh 2026 bei 1,56 bis 1,66 Mrd. €, was im besten Fall fast ein Fünftel mehr wäre als 2025.