Kevin Warsh, der ebenso wie sein Vorgänger Jerome Powell von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen wurde, hat seine erste Notenbanksitzung abgehalten. Die Entscheidung des Zentralbankrats dürfte dem US-Präsidenten jedoch gar nicht geschmeckt haben – im Gegenteil! Am Markt sind derweil die Sorgen vor Zinserhöhungen zurück!
US-Präsident Donald Trump fordert seit seinem Amtsantritt niedrigere Zinsen und ist mit seiner unnachahmlichen Art immer wieder mit dem im Mai ausgeschiedenen Fed-Chef Jerome Powell arg aneinander geraten. Dieser hatte angesichts der geopolitischen Unsicherheiten stets gegengehalten und damit den Zorn des Präsidenten auf sich gezogen. Als dann die Frage der Nachfolge aufkam und Donald Trump erneut einen eigenen Kandidaten-Namen, Kevin Warsh, in den Ring warf, machten sich viele Analysten und Experten Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Doch wie sich nun zeigte, waren diese Sorgen scheinbar unbegründet, ganz zum Ärger Donald Trumps!
Keine Zinssenkung
Denn Kevin Warsh machte nach der ersten Fed-Sitzung unter seiner Leitung deutlich, dass die Notenbanker weiterhin vor allem die Inflation unter Kontrolle bringen wollen. Denn auch in den USA steigen die Preise immer weiter an und die Inflation kletterte im Mai auf 4,2 %.
Nun also die Entscheidung: Der Leitzins bleibt stabil und liegt damit weiterhin in der Spanne von 3,50 und 3,75 %. Auch wenn Donald Trump auf sinkende Zinsen pocht, wäre ein solcher Kurs in der aktuellen Lage heikel, denn niedrigere Zinsen treiben die Preise eher noch an, da sich das Geld verbilligt und somit die Wirtschaft angeheizt wird. Langfristig verfolgt die Fed jedoch auch das Ziel, die Inflation wieder auf 2 % zu senken. Dass auch Kevin Warsh diese Marke ernstnimmt, ist zunächst einmal eine gute Nachricht.
Keine klare Richtung
Erst wenige Tage vor der Sitzung hatte Präsident Trump einen Deal mit dem Iran angekündigt, der die Ölpreise, einen der Haupttreiber der Inflation, deutlich sinken ließ. Damit kam die Vermutung auf, dass die Notenbanker weniger besorgt auf die Inflation schauen könnten. Sie erwarten jedoch mit Blick auf die Preise noch keine Entspannung. Im Gegenteil – die Unsicherheiten bleiben hoch! Denn das angekündigte Abkommen ist noch nicht in trockenen Tüchern.
Einen Ausblick auf das weitere Vorgehen der Fed blieb Warsh indes schuldig. Er stellte eine Reihe neuer Änderungen in Aussicht, Aussagen zu einer möglichen Zinsentwicklung machte er jedoch nicht. Warsh betonte mehrmals, dass er keine ‚Forward Guidance‘ geben werde, und beantwortete keine Fragen zum Zinspfad. Er habe zudem keine Prognose im Dot-Plot (vierteljährliche Grafik, welche die individuellen Zinsprognosen der FOMC-Mitglieder für die kommenden Jahre abbildet) abgegeben und sagte, er werde sich nicht zu Marktreaktionen äußern. Eine Änderung ist die Ankündigung von Arbeitsgruppen. Diese sollen einen neuen, aufgeschlossenen Ansatz für die Methoden der Datenerhebung untersuchen und prüfen, wie andere Statistiken bei der Fed aktualisiert werden könnten.
Dass Kevin Warsh auf zukunftsgerichtete Aussagen verzichtet, schürt zwar Unsicherheiten. Die Erleichterung, dass er nicht blind den Vorgaben von US-Präsident Donald Trump folgt, sorgten jedoch bereits für Erleichterung! Denn Zinssenkungen wären in der aktuellen Situation ein heikler Kurs. Das derzeit wahrscheinlichste Szenario ist ein konstanter Leitzins, allerdings bleibt das Ziel, die Inflation langfristig auf
2 % zu senken.