Der hitzige Übernahmekampf zwischen um die Commerzbank geht weiter. Die italienische Großbank UniCredit teilte mit, dass sie sich im Rahmen des laufenden Übernahmeangebots 10,9 % der Commerzbank-Aktien gesichert hat. Damit summieren sich die Anteile auf 37,7 % – inklusive Termingeschäften sind es sogar bereits 40,9 %. Zusätzlich halten die Italiener noch andere Terminkontrakte, für die zwar grundsätzlich ein Barausgleich vorgesehen ist, die ihnen aber bei einer ebenfalls möglichen Bezahlung in Aktien weitere 13,19 % an dem DAX-Konzern bringen könnten. Andeutungen, UniCredit habe Offenlegungskategorien miteinander vermischt, um die Unterstützung für ihr Übernahmeangebot größer aussehen zu lassen, wiesen die Italiener zurück. Die Commerzbank indes gab zuletzt bekannt, dass bisher kein institutioneller Investor das Angebot angenommen habe.
Der Commerzbank-Gesamtbetriebsrat wirft der italienischen Großbank nun irreführende Angaben bei ihrem Übernahmeangebot vor und will nun Strafanzeige stellen. "Ich kann bestätigen, dass heute eine außerordentliche Sitzung des Gesamtbetriebsrats stattfindet", sagte Betriebsratschef Sascha Uebel in einem Interview. "Dabei soll beschlossen werden, dass der Gesamtbetriebsrat seinen Vorsitzenden beauftragt, Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation und Irreführung nach § 119 und 120 WpHG gegen unbekannt zu stellen." Der Vorwurf wiegt schwer: Marktmanipulation ist in Deutschland eine Straftat.
Dass die UniCredit vor Ende der Übernahmefrist, die bis 16. Juni läuft und bis 3. Juli verlängert werden kann, bereits so viele Aktien einsammeln konnte, überrascht, da die Offerte unter dem aktuellen Kurs des DAX-Unternehmns liegt. Zudem dienen Großinvestoren ihre Papiere meist erst kurz vor Ende der Übernahmefrist an. "Ich habe wie viele Beschäftigte in der Commerzbank den Verdacht, dass der Kapitalmarkt damit bewusst in die Irre geführt werden soll", sagte Uebel. "Es soll der Eindruck erweckt werden, als habe Unicredit die Übernahme der Commerzbank schon so gut wie in der Tasche, doch dem ist nicht so", sagte er.
Die Commerzbank hat erst kürzlich die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet, weil sie bei UniCredit-Angaben ein falsches Spiel sieht. Die Frankfurter Bank kritisiert, die angedienten Aktien stammten überwiegend von Banken und mit ihnen verbundenen Parteien, von denen einige bekannte Gegenparteien von Unicredit für Finanzinstrumente seien - und keine unabhängigen Investoren.