Die Achterbahnfahrt bei den Ölpreisen und die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs haben die europäischen Aktienmärkte erneut sinken lassen.
Die starken Schwankungen am Rohölmarkt verunsicherten Börsianer. Die Nordseesorte Brent und die US-Sorte WTI verteuerten sich um jeweils rund 6 % auf bis zu 92,98 $ und 88,99 $ je Barrel. Nach einem historischen Preissprung zum Wochenanfang von knapp 30 % hatten die Ölpreise mehr als 11 % nachgegeben. Die Aussicht auf eine Rekord-Freigabe von Ölreserven sorgte auch zur Wochenmitte zunächst für Entspannung, allerdings blieben Investoren nervös. Die wichtigste Frage sei, wann die Straße von Hormus, als kritischer Engpass für die globale Ölversorgung, wieder von Schiffen sicher passiert werden könne, sagte Kerstin Hottner, Rohstoff-Expertin von Vontobel.
Die Internationale Energieagentur (IEA) bereitet nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters die Freigabe von insgesamt bis zu 400 Millionen Barrel Erdöl und Öl-Produkten aus nationalen Sicherheitsreserven vor.
Straße von Humus bleibt im Fokus
Nachdem der Iran begonnen hat, Minen in der Meerenge zu verlegen, zerstörte das US-Militär nach eigenen Angaben 16 iranische Minenleger-Boote. Der Iran hatte erklärt, er werde keine Schiffe durch die Straße von Hormus lassen, solange die Angriffe der USA und Israels andauern. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran mit massiven Angriffen, sollte er die Meerenge blockieren. Nach Angaben von Behörden, die die maritime Sicherheit überwachen, wurden im Golf drei weitere Handelsschiffe von Geschossen getroffen. "Präsident Trump hatte wohl mit einem raschen militärischen Erfolg gerechnet und nicht mit den dramatischen Auswirkungen an den internationalen Ölmärkten", kommentierte Henke. Auch Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets, sieht die Schwankungen bei den Energiepreisen weiter im Fokus von Börsianern. “Die derzeitige Volatilität bei den Rohölsorten stellt einen historischen Moment dar, der seinesgleichen sucht.”Die Furcht vor einem Energiepreisschock infolge des Kriegs zwischen den USA und dem Iran hat erneut Staatsanleihen in der Eurozone unter Druck gesetzt und im Gegenzug die Renditen ansteigen lassen. Die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe, die besonders empfindlich auf Zinserwartungen reagiert, stieg um sieben Basispunkte auf 2,345 %. Händler wetteten verstärkt darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen sein könnte, die Zinsen noch in diesem Jahr zu erhöhen. Geldmarkthändler sehen nun eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bis Juli und preisen eine Anhebung bis September vollständig ein. Vor Ausbruch des Krieges hatten Händler noch auf Zinssenkungen spekuliert.
Als erstes der großen Forschungsinstitute seit dem Ausbruch des Krieges in Nahost wird das Berliner DIW am Mittwoch neue Konjunkturprognosen vorstellen. Dabei dürfte der Blick neben den Wachstumsraten auch auf die Inflation gehen, die von den zuletzt sprunghaft gestiegenen Energiepreisen angeheizt werden dürfte.
Das im Rüstungsboom von Rheinmetall angepeilte Wachstum konnte die Anleger also wie zuletzt schon nicht mehr begeistern. Nach ihrer Rally aus den Vorjahren haben die Aktien 2026 ihre Mühe, sich im Plus zu behaupten. Henkel hat sein diesjähriges Plus fast vollständig abgegeben, nachdem die Aktien in den vergangenen Tagen während des Iran-Kriegs schon viel Schwäche gezeigt hatten.
Mit der schwächeren SAP-Aktien konnte ein Dax-Schwergewicht nicht davon profitieren, dass der US-Konkurrent Oracle seine hohen Investitionen in KI-Infrastruktur entgegen allen Zweifeln in Umsatzwachstum ummünzen konnte. Nur den Oracle-Aktien selbst gab dies im vorbörslichen Handel viel Schub nach oben.
Im MDAX war die Reaktion auf Zahlen und vorsichtige Jahresausblicke in zwei Fällen besser. Die Titel der Porsche AG knüpften mit einem Anstieg an ihre Erholung vom Vortag an. Die positive Kursreaktion auf eigentlich schlechte Nachrichten suggeriert so etwas wie ein Gefühl des Aufbruchs unter den Anlegern.
Befreit wirkten auch die Anleger von Wacker Chemie: Die Papiere holten auf ihrem jüngsten Erholungsversuch mit einem Kursplus von 5,6 % weiteren Schwung. Analyst Sebastian Satz von der Citigroup wertete es positiv, dass sich die Ziele in dem aktuell schwierigen Umfeld mit den durchschnittlichen Analystenerwartungen decken.
Wieder Verluste von fast zwei Prozent mussten am Mittwoch die Aktionäre der Lufthansa einstecken. Neben den kriegsbedingten Turbulenzen müssen sie verkraften, dass die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit für diesen Donnerstag und Freitag zu einem Streik aufgerufen hat.
Einen erneuten Kursrutsch um sieben Prozent gab es bei Gerresheimer. Der Verpackungshersteller kann den Geschäftsbericht für das Jahr 2025 in der Folge laufender Bilanzprüfungen erst nach dem 31. März veröffentlichen und muss daher voraussichtlich aus dem SDAX absteigen.
Ein großer MDax-Verlierer war Delivery Hero. Besser erging es nach einer Kaufempfehlung von Vossloh mit einem Kursplus.