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Börsenbericht – Bilanzen stützen DAX

Ermutigende Firmenbilanzen haben den DAX am Donnerstag gestützt. Die Angst vor einem längeren Irankrieg und steigenden Ölpreisen trübte die Stimmung an den Börsen jedoch. Der DAX trat mehr oder weniger auf der Stelle. "Die Zeit läuft gegen die Entwicklungen an den Finanzmärkten, und wenn das hohe Preisniveau beim Rohöl weiter anhält, könnte dies zu einer Rezession in Europa führen", sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst von CMC Markets. Die Ölpreise verteuerten sich um mehr als 5 %, nachdem Angriffe auf Tanker im Persischen Golf die Versorgungsängste schürten. Zwischenzeitlich kostete ein Fass der Nordseesorte Brent wieder mehr als 100 $ - ein Niveau, das die Inflationssorgen weltweit anheizt. Die Ankündigung der Internationalen Energieagentur (IEA), 400 Mio. Barrel Öl aus strategischen Reserven freizugeben, konnte die Anleger nicht beruhigen.

Einige Strategen halten die Reaktion an den Börsen für übertrieben. Zwar sei ein Teuerungsschock zu befürchten, das Risiko einer anhaltend hohen Inflation bestehe aber nicht, sagte Benoit Anne, Anlageexperte bei MFS Investment Management. Die aktuelle Marktlage sei nicht mit der Situation 2022 infolge des russischen Einmarschs in der Ukraine vergleichbar. "Die Gefahr einer Stagflation – also einer stagnierenden Wirtschaft bei hoher Inflation – ist aufgrund der Stärke der Weltwirtschaft viel geringer." Ökonomen rechnen damit, dass sich die konjunkturelle Erholung in Deutschland im weiteren Verlauf dieses Jahres fortsetzt.

Anleger legten sich Rüstungswerte in die Depots. Rheinmetall zogen wieder an. Hensoldt und Renk standen ebenfalls im Plus. Leonardo-Aktien schnellten auf ein Rekordhoch, nachdem der Kampfflugzeug- und Hubschrauberentwickler mit einer deutlichen Prognoseanhebung positiv überraschte. Die Papiere gewannen in Mailand bis zu 9,6 % auf 66,26 €.

Beste Stimmung herrschte bei Zalando-Aktionären: Ein Wachstumsschub dank KI und ein geplanter Aktienrückkauf beflügelten die Aktien, die als größter Dax-Gewinner um mehr als 13 % kletterten. Damit steuerten sie auf den besten Börsentag seit 11 Monaten zu. Die Analysten von Raiffeisen Research bezeichneten die Zahlen des Online-Modehändlers für 2025 als "solide". Auch die Aussicht auf einen 300 Mio. € schweren Aktienrückkauf gefiel den Anlegern.

Auch die Aktien des Energiekonzerns RWE legen zu. Der Konzern will in den kommenden Jahren seine Ergebnisse steigern, die Dividende erhöhen und seine Geschäfte insbesondere in den USA ausbauen.

Trotz gesunkener Gewinne lagen auch die Aktien von Daimler Truck höher. Der Lkw-Bauer geht wegen der steigenden Auftragsdynamik davon aus, dass das zweite Halbjahr stärker ausfallen wird als das erste.

Der europäische Bankenindex verlor hingegen. Händler verwiesen auf wachsende Ängste vor Zahlungsausfällen im billionenschweren Privatkreditgeschäft. Hintergrund sind Bedenken hinsichtlich der Kreditqualität, vor allem im Technologiesektor. Aktien von Deutsche Bank  gerieten noch stärker als der Gesamtmarkt unter die Räder und fielen ans Dax-Ende. Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, ist die Deutsche Bank mit rund 30 Mrd. $ im Markt für Privatkredite engagiert.