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EZB lässt DAX vorerst sinken

Inflationspläne verschrecken zunächst

Europas Währungshüter verschaffen sich beim Thema Inflation mehr Spielraum. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt künftig für den Euroraum eine jährliche Teuerungsrate von 2 % an, wie die Notenbank heute mitteilte. Das ist zwar etwas höher als die bisher veranschlagten "unter, aber nahe zwei Prozent". Zugleich jedoch wird die EZB bei ihrem Bestreben, mittelfristig Preisstabilität im Währungsraum der 19 Staaten sicherzustellen, künftig zumindest zeitweise "moderat über dem Zielwert" liegende Inflationsraten akzeptieren. Mit einem solchen "symmetrischen" Inflationsziel ist die Notenbank nicht mehr unmittelbar zum Reagieren gezwungen, sollten die Inflationsraten zeitweilig nach oben oder nach unten von dem prozentualen Ziel abweichen. 
Die Euro-Währungshüter empfehlen zudem, künftig auch die Preise für selbstgenutzte Wohnimmobilien mit in Berechnung der Inflationsrate aufzunehmen, die für sie ein zentraler Gradmesser für ihre Geldpolitik ist. Dies sieht die EZB jedoch als längeren Prozess. Der DAX ging daraufhin erst einmal etwas zurück, doch auch diesmal dürfte die Korektur nur von kurzer Dauer sein. 

Die deutschen Autobauer VW und BMW müssen im seit Jahren laufenden EU-Kartellverfahren tief in die Tasche greifen. Wegen rechtswidriger Absprachen zu Adblue-Tanks für eine bessere Abgasreinigung soll BMW knapp 373 Mio. € zahlen, VW gut 502 Mio. €, wie die Kommission mitteilte. Daimler  kommt wegen der Kronzeugenregelung ohne Buße davon. "Alle Unternehmen haben ihre Kartellbeteiligung eingeräumt und einem Vergleich zugestimmt", hieß es von der Brüsseler Behörde. Sie wirft den Autobauern vor, sich in unzulässiger Weise über die Größe der Adblue-Tanks abgesprochen zu haben. Die Tanks gehören zur Abgasreinigung in Dieselautos. Sie nehmen eine spezielle Harnstoff-Lösung auf, mit denen in neueren Katalysator-Generationen giftige Stickoxid-Emissionen gesenkt werden sollen. Die deutschen Autobauer hätten über die Technologie verfügt, schädliche Emissionen über die Vorgaben der EU-Abgasnormen hinaus zu reduzieren, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrete Vestager. "Sie haben aber einen Wettbewerb darüber vermieden, das volle Potenzial dieser Technologie zu nutzen." Entsprechende Rücksetzer müssen die Autowerte heute verkraften. 

Der Softwareanbieter Teamviewer dämpft nach einem schwachen 2. Quartal die Erwartungen für das laufende Jahr. Bei den Billings, einer Kennzahl für die in Rechnung gestellten Umsätze der kommenden zwölf Monate, und auch beim Umsatz selbst wird jetzt nur noch das untere Ende der bisher in Aussicht gestellten Spannen erwartet. Im 2. Quartal seien die Billings bereinigt um Währungseffekte um 18 % und damit weniger als erhofft gestiegen. Das kam erwartungsgemäß schlecht bei den Investoren an. 

Der Optikerkonzern Fielmann will nach einer Entspannung der Corona-Lage sowie dank der laufenden internationalen Expansion in diesem Jahr deutlich wachsen. Nach einem robusten 2. Quartal gaben die Hamburger erstmals eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr ab. Nach einem Umsatz von 1,4 Mrd. € im Vorjahr erwartet Fielmann für 2021 einen Anstieg der Erlöse auf rund 1,7 Mrd. €. Der Gewinn vor Steuern soll auf etwa 200 Mio. € zulegen nach 175,5 Mio. € im Vorjahr. Dennoch ließen Anleger auch hier den Wert zunächst links liegen. 

Der Lkw- und Zugbremsen-Hersteller Knorr-Bremse hat sich gegen eine Mehrheitsübernahme des Autozulieferers Hella entschieden. Nach der eingehenden Prüfung von Produkten und Technologien kam das Management der Münchener zur Überzeugung, dass die erzielbaren Vorteile eines Zukaufs nicht ausreichten. Erst Ende Juni hatte das Management ein "grundsätzliches Interesse am möglichen Erwerb von rund 60 % der Aktien der Hella GmbH & Co. KGaA von Mitgliedern der Gründerfamilie" bestätigt. Investoren war das allerdings sauer aufgestoßen: Knorr-Bremse-Aktien büßten entsprechend einige Punkte ein.

In den USA muss sich die Alphabet-Tochter Google mit einem Kartellrechtsstreit auseinandersetzen. Insgesamt 36 Bundesstaaten sowie der Regierungsbezirk Washington D.C. haben eine Wettbewerbsklage eingereicht. Bisher ist jedoch nicht bekannt, worum es konkret geht. 

 

 

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