Mensch und Maschine Software SE

Die Mensch und Maschine Software SE steigerte nach vorläufigen Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz um 15 Prozent auf 185,2 Mio. Euro. Das Software-Segment verzeichnete ein Plus von 10 Prozent auf 55,7 Mio. Euro und das Segment Systemhaus erzielt ein Wachstum von 17 Prozent auf 129,5 Mio. Euro. Auch der Rohertrag kletterte um 9,5 Prozent auf 103,8 Mio. Euro. Davon entfielen 54,4 Mio. Euro auf den Bereich Software und 49,4 Mio. Euro auf den Bereich Systemhaus. Das EBITDA legte um 26 Prozent auf den neuen Rekordwert von 22,7 Mio. Euro zu. Hierzu steuerte der Bereich Software 14,6 Mio. Euro bei und das Segment Systemhaus 8,1 Mio. Euro. Das EBIT kletterte sogar um 29 Prozent auf 19,6 Mio. Euro entsprechend einer EBIT-Marge von 10,6 Prozent. Nach Steuern und Anteilen Dritter verblieb ein Überschuss von 11,6 Mio. Euro entsprechend 0,71 Euro je Aktie. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies einen Zuwachs um 36 Prozent. Auf dieser Basis soll die Dividende vermutlich von 0,50 auf 0,65 Euro angehoben werden. Der Vorstand ist auch für den Verlauf des Geschäftsjahres 2019 optimistisch gestimmt. Inklusive der Übernahme der SOFiSTiK AG strebt die Gesellschaft ein Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent auf 215 bis 220 Mio. Euro an. Das EBIT soll dabei auf 24 bis 26 Mio. Euro zulegen. Auch beim Ergebnis je Aktie sieht das Management einen Zuwachs von 25 bis 34 Prozent auf 0,89 bis 0,95 Euro. Auf dieser Basis ist dann eine Dividendenausschüttung von 0,77 bis 0,83 Euro je Aktie vorgesehen.(ES - 15.02.2019 - 12:00 Uhr)

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GESCO AG

Auch im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 verzeichnete die GESCO AG eine lebhafte Nachfrage. Die im August erworbene Sommer & Strassburger GmbH & Co. KG konnte bereits erfolgreich integriert werden. In den ersten 9 Monaten stieg der Auftragseingang um 11,9 Prozent auf 456,6 Mio. Euro. Auch der Umsatz wuchs um 5,0 Prozent auf 424,6 Mio. Euro. Das EBIT legte überproportional um 13,7 Prozent auf 35,8 Mio. Euro zu. Beim Konzernüberschuss nach Anteilen Dritter wies GESCO einen Zuwachs von 16,4 auf 19,7 Mio. Euro aus, was gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg von 20,4 Prozent bedeutete. Im anschließenden vierten Quartal, in das die operativen Monate Oktober bis Dezember 2018 der Tochtergesellschaften eingehen, belief sich der Auftragseingang nach vorläufigen Zahlen auf etwa 135 Mio. Euro. Der Umsatz verbesserte sich in diesem Zeitraum von 142,8 auf rund 145 Mio. Euro. Im November hatte die Gesellschaft einen organischen Umsatz von etwa 560 Mio. Euro und einen anorganischen Umsatzbeitrag von 6,5 Mio. Euro prognostiziert. Derzeit geht das Management von einem Konzernumsatz von etwa 570 Mio. Euro aus. Für den Konzernjahresüberschuss nach Anteilen Dritter hatte die Gesellschaft auf organischer Basis einen Wert bei oder leicht unter 26 Mio. Euro sowie eine Belastung von rund 0,5 Mio. Euro aus dem Erwerb von Sommer & Strassburger erwartet. Auf Basis der jetzigen Daten bestätigt das Management den bisherigen Ergebnisausblick.(ES - 14.02.2019 - 15:00 Uhr)

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BPK Gerresheimer AG

Positiv sind am Markt die Zahlen der Gerresheimer AG aufgenommen worden. Anlässlich der Bilanzpressekonferenz am 14. Februar 2019 in Düsseldorf stellte der seit November 2018 amtierende neue Vorstandschef Dietmar Siemssen die Zahlen für das Geschäftsjahr 2017/2018 (30. November) vor. Aus Sicht des neuen CEOs gilt rückblickend: "2018 war ein erfolgreiches Geschäftsjahr. Wir haben unsere Ziele erreicht. Gerresheimer hat ein exzellentes Fundament für zukünftiges profitables Wachstum. Neben dem Wachstum im Kerngeschäft der pharmazeutischen Primärverpackungen, Drug-Delivery-Devices und Kosmetikverpackungen werden wir weitere Wachstumsdynamik mittel- und langfristig entwickeln. Dabei hilft unsere gute Innovations-Pipeline und der neue Geschäftsbereich Advanced Technologies", so der Chef des MDAX-Konzerns vor der Presse.

Gerresheimer konnte im Berichtszeitraum insbesondere dank eines guten vierten Quartals die währungsbereinigten Umsatzerlöse von EUR 1.348,3 Mio. um 4,3 Prozent auf EUR 1.406,7 Mio. steigern. Die Umsatzerlöse, inklusive Währungseffekte und Akquisitionen, sind im Geschäftsjahr 2018 um 1,4 Prozent auf EUR 1.367,7 Mio. gestiegen. Organisch, d.h. bereinigt um Währungseffekte und Akquisitionen bzw. Desinvestitionen, sind die Umsatzerlöse um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Entscheidenden Anteil an der Entwicklung in 2018 hat die deutliche Erholung des Geschäfts mit Injektionsfläschchen, Ampullen und Karpulen in Amerika. Auch das Behälterglasgeschäft hat sich gut entwickelt, insbesondere die Kosmetikglasprodukte waren hier sehr gefragt. Kunststofffläschchen für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA verkauften sich 2018 gut, ebenso die pharmazeutischen Kunststoffverpackungen in Indien und Südamerika, so der CEO. In Europa schlossen pharmazeutische Kunststoffprodukte leicht über Vorjahr ab. Das Spritzengeschäft lag leicht über Vorjahresniveau.

Lediglich geringes Wachstum verzeichneten die medizinischen Kunststoffprodukte, da Gerresheimer einen Auftrag ür einen Inhalator in Europa verloren hat. Entsprechend wurde das davon betroffene Werk in Küssnacht in der Schweiz geschlossen sowie weitere Umorganisationen in diesem Bereich vorgenommen. Positiv verlief die Inhalatorenproduktion in den USA, auf dessen Basis Gerresheimer einen Folgeauftrag für sein Werk im tschechischen Horsovsky Tyn gewonnen hat.

Positiv gestaltete sich auch die Ergebnisentwicklung wie der scheidende Finanzvorstand Rainer Beaujean erläuterte. Das währungsbereinigte adjusted EBITDA lag bei 308,0 nach 310,8 Mio. Euro im Vorjahr. Beim Jahresvergleich sind jedoch Einmaleffekte wie negative Auswirkungen aus Netzentgeltbefreiung für stromintensive Unternehmen, die Fair-Value Bewertung der bestehenden Put-Option zum Erwerb von 25 Prozent der Anteile an der Triveni, sowie Effekte aus dem Aufbau neuen Geschäftsbereich Advanced Technologies zu berücksichtigen. Bereinigt um diese Effekte läge das währungsbereinigte adjusted EBITDA bei unverändert 307,5 Mio. Euro. Die adjusted EBITDA-Marge beträgt 21,8 Prozent.

Sehr positiv entwickelte sich das Konzernergebnis mit einem Anstieg auf 131,1 (103,1) Mio. Euro. Das bereinigte Konzernergebnis nach Anteilen Dritter liegt bei 178,0 nach zuvor 127,5 Mio. Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie verbessert sich entsprechend auf 5,67 (4,06) Euro. Die Aktionäre dürfen sich über eine auf 1,15 Euro steigende Dividende freuen, die im Nachgang zur Hauptversammlung am 06. Juni 2019 gezahlt wird.

Mittelfristig sehr spannend dürfte sich das neue Segment Advanced Technologies entwickeln. Durch den Erwerb der Sensile Medical ist Gerresheimer in den Bereich der Mikropumpentechnologie eingestiegen. Der neue Geschäftsbereich beschäftigt sich mit der Entwicklung und Produktion von intelligenten Systemen zur Verabreichung von Arzneimitteln und dürfte damit entsprechend vom weiteren Wachstum im Gesundheitsbereich profitieren. Besonders interessant ist zudem zu bewerten, dass  sich Gerresheimer hierdurch auch zum Lösungs- und Systemanbieter entwickelt und nicht mehr nur als reiner Auftragsfertiger für die Kunden agiert.

Für das aktuell laufende Geschäftsjahr erwartet Gerresheimer Umsatzerlöse in einer Bandbreite von 1,4 bis 1,45 Mrd. Euro, das adjusted EBITDA soll sich im Bereich von rund 295 Mio. Euro bewegen. Zusätzlich wird sich im ersten Quartal 2019 ein einmaliger Sondereffekt von 90 Mio. Euro aus der Ausbuchung von bedingten Kaufpreisbestandteilen aus dem Erwerb der Sensile Medical ergeben. Mittelfristig - also für die Jahre 2020 bis 2022 erwartet der neue CEO ein durchschnittliches jährliches Wachstum zwischen vier und sieben Prozent (währungsbereinigt). Die adjusted EBITDA-Marge wird für 2020 mit 21 Prozent und die Jahre 2021 und 2022 von 23 Prozent angestrebt. (ES - 14.02.2019 - 11:15 Uhr)

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Thema der Woche

Ausgabe_7_2019 | 13.02.2019

Etikettenschwindel

Scholz hat keine Ahnung von Börse

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Randnotizen

Eigentlich wollte ihn keiner in ganzer Konsequenz. Trotzdem hatten 51,9 % der Briten 2016 für ihn gestimmt – für den Brexit, den Austritt Großbritanniens aus der EU. Seitdem ist der Brexit zum europäischen Dauerthema geworden, und das nervt. Viele haben genug davon. Doch niemand weiß, wie man aus der Nummer unbeschadet wieder rauskommen könnte. Also machen alle weiter. 

Wenn nun also der Brexit schon kommen soll, dann wenigstens geordnet. Doch bisher ist nichts geordnet: weder die Regierung in London, noch das Prozedere selbst. Auch die Abstimmung im britischen Parlament wurde immer wieder verschoben (Ergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor). Da nach zwei Jahren immer noch niemand so genau weiß, wie der Brexit eigentlich vonstatten- gehen soll, bereitet man sich auf der Insel lieber auf den Ernstfall vor. Seit Wochen schon füllt die britische Industrie ihre Lager auf, Unternehmen horten Waren, Apotheken und Krankenhäuser Medikamente. „Wir sehen ... zunehmend Hamsterkäufe – wie nach einer Sturmwarnung“, so Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Um mögliche Zölle, Verzögerungen oder gar Unterbrechungen der Lieferkette zu vermeiden, horten britische Unternehmen immer mehr Importwaren, die sie für ihre Produktion zwingend benötigen. Sie wollen vorbereitet sein. Zusätzliche Zollkontrollen und Staus wären für ihre Lieferkette ein Desaster.“ 

In der vergangenen Woche hat auch die britische Regierung den Worst Case geprobt und bevorstehende Staus durch Grenzkontrollen simulieren lassen – mit 89 Miet-Lastwagen und Kosten von fast 50.000 Pfund. Inzwischen ist den Briten wohl längst klar, dass sie selbst zu den größten Verlierern ihres Brexits werden. Immerhin stehen bei ihnen Exporte in Höhe von 30 Mrd. Pfund pro Jahr im Feuer. Das britische Pfund ist ohnehin schon im Sinkflug, der britische Automarkt in der Krise. Die Zahl der Einbürgerungen von Briten ist in vielen EU-Ländern auf einem Rekordniveau. 

Was also bringt der Brexit den Briten, außer der neuen Spezies von Brexit-Hamstern? 

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Nach zwei Gewinnwarnungen in 2018 war die Osram-Aktie wie ein Stein von ihrem Kurshoch bei 79,58 bis auf 29,71 Euro gefallen. Dann kam die Mitteilung des Unternehmens, man wolle bis zu 9.534.807 eigene Aktien mit einem Volumen von bis zu 400 Mio. Euro zurückkaufen. Rein rechnerisch entspricht dies einem max. Rückkaufkurs von 41,95 Euro je Aktie. Der Titel machte sich dann auch auf, um diese Kursmarke zurückzuerobern. Unterstützt von Gerüchten, wonach die Finanzinvestoren Bain Capital oder Carlyle Interesse an dem Lichtspezialisten hätten, ging die Osram-Aktie am 9. Januar im elektronischen Handel der Frankfurter Börse mit 37,77 Euro aus dem Handel. Am 10. Januar war kurz vor Börsenstart und damit unmittelbar vor Beginn der ersten Rückkauftranche in der „Augsburger Allgemeinen“ ein Interview mit Firmenchef Olaf Berlien zu lesen, in dem er von dunklen Wolken am Horizont des Jahres 2019 spricht. Auch sei das vergangene Quartal noch schwächer ausgefallen als man erwartet habe. Der Aktienkurs fing daraufhin an zu flackern und verlor schon vorbörslich fast 7 %, das Tagestief lag bei 34,30 Euro.

Für den Beginn des Aktienrückkaufprogramms hätte das Momentum kaum besser sein können, denn billiger als nach drei Gewinnwarnungen innerhalb von 10 Monaten kann es kaum noch werden. Das macht es auch potenziellen neuen Großaktionären leichter, die Berlien nach dem Rückzug von Siemens sehr begrüßen würde, wie er mehrfach betonte. Gutes Momentum also, um den eigenen Aktienkurs auszustoppen.

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Volkswagen hat es den MAN-Aktionären wahrlich nicht leicht gemacht. Im Spruchverfahren zu dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BuGV) mit der MAN SE (als dem vom VW-Konzern beherrschten Unternehmen) hatte das Oberlandesgericht (OLG) München am 29.06.2018 den erhöhten Abfindungspreis von 90,29 (urspr. 80,89) Euro je MAN-Stamm- und Vorzugsaktie bestätigt und die Ausgleichszahlung auf 5,47 (netto 5,10) Euro angehoben. 

Bis zum 08.10.2018 konnten die Aktionäre dann ihre Aktien der inzwischen umfirmierten Bus & Truck AG (heute TRATON AG) zu 90,29 Euro zzgl. Zinsen andienen. Wer seit 2013 MAN-Aktionär war und an den jeweiligen Dividendenzahltagen (16.05.2014 für das Geschäftsjahr 2013, 07.05.2015 für 2014, 16.06.2016 für 2015, 25.05.2017 für 2016 und 17.05.2018 für 2017) auch tatsächlich Aktien besaß, hatte zudem Anspruch auf Nachzahlung der aufgebesserten Ausschüttung.

Die Abwicklung klappte dann zunächst auch problemlos: Nach Bekanntmachung des Beschlusses im Bundesanzeiger durch Volkswagen nahmen die jeweiligen Depotbanken eine rückwirkende Bestandsprüfung bei ihren Kunden vor und überwiesen die entsprechenden Differenzbeträge auf die Kundenkonten. Abgesehen davon, dass nach Abzug von Soli und Steuern ohnehin kaum etwas von der Nachbesserung übrig blieb, verweigerte VW dann auch noch die Zahlung für das Geschäftsjahr 2013. Hiervon waren mehr als 35,6 Mio. MAN-Aktien betroffen, was einem Betrag von 72,4 Mio. Euro entspricht. 

Der VW-Konzern begründete seine Zahlungsverweigerung damit, dass der genannte OLG-Beschluss angeblich die Phase des Jahres 2013 (der Vertrag wurde am 26.04.2013 geschlossen) nicht umfasse. So sei im BuGV für 2013 eine „Garantiedividende“ und für die Folgejahre der Gewinnabführung ein „Ausgleich“ vereinbart. Und die „Garantiedividende“ sei eben nicht fest, sondern variabel.

VW hat damit nicht nur eine perfide Wortklauberei betrieben, um die Aktionäre erneut zu betrügen, sondern auch deren Unwissenheit schamlos ausgenutzt. Denn der durchschnittliche Anleger ist kaum ansatzweise mit den Formulierungen und rechtlichen Auslegungen von Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträgen vertraut. Vielen ist nicht einmal bewusst, dass die dazwischen geschalteten Depotbanken nur die Vorgaben des Emittenten (in diesem Fall der Volkswagen AG) technisch umsetzen. Im Gegenteil, in der Regel vertrauen die Aktionäre auf die Rechtschaffenheit der korrekten Abrechnung durch die Depotstellen. Der eine oder andere vermutete eher eine fehlerhafte Abrechnung durch den Bankenapparat. Auch beim ES gingen entsprechende Anfragen ein. 

Da die Effecten-Spiegel AG seit 2013 selbst MAN-Aktien hielt, stellte sie Anfang September einen gerichtlichen Antrag auf Berichtigung bzw. Klarstellung. Am 21.12.2018 hat der 31. Zivilsenat des OLG München nun einen Berichtigungs- bzw. Ergänzungsbeschluss gefasst (Az.: 31Wx 382/15). Das Gericht verweist zunächst auf die gesetzliche Regelung in § 304 AktG, die den im Vertrag gewählten Begriff der „Garantiedividende“ nicht kennt. „Das Gesetz differenziert dabei ... zwischen dem festen und dem variablen Ausgleich, ohne diese Begriffe jedoch ausdrücklich zu verwenden (s.S. 17 der Urteilsbegründung).“ Und weiter führt der Senat auf Seite 18 aus: „Die ... vorgenommene Aufspaltung zwischen Rechengröße einerseits und Zahlbetrag andererseits, führt zu sprachlichen Missverständnissen und Verwechselung, für die es keinerlei Anlass gibt. Vorliegend wurde als Ausgleich für beide Phasen ein bestimmter Betrag festgelegt und gerade nicht auf einen etwaigen variablen Gewinnanteil ... abgestellt.“ Es handelt sich also im besten Fall lediglich um eine sprachliche Ungenauigkeit, wie auch ein Blick in das Bewertungsgutachten bzw. den Prüfbericht zeigt. 

Zu guter Letzt muss nun also den Minderheitsaktionären der MAN SE auch für das Geschäftsjahr 2013 die Differenz zwischen den bislang gezahlten netto 3,07 Euro und dem gerichtlich erhöhten Betrag von netto 5,10 Euro je MAN-Aktie bezahlt werden.

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Redaktionelles

Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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