Daimler AG

Die Daimler AG hat heute ihre Ergebniserwartungen für das Gesamtjahr nach unten angepasst. Diverse Maßnahmen im Bereich der Mercedes-Benz Dieselfahrzeuge und Erhöhung der Rückstellungen für mehrere laufende behördliche Verfahren um einen hohen dreistelligen Millionenbetrag werden das Ergebnis im zweiten Quartal belasten. Im Bereich Mercedes-Benz Vans rechnet das Management im Gesamtjahr nun mit einer Umsatzrendite von minus 2 bis minus 4 Prozent. Auf Konzernebene wird das EBIT in 2019 nun auf dem Vorjahresniveau gesehen.(ES - 23.6.2019 - 20:30 Uhr)

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METRO AG

Die EP Global Commerce VI GmbH hat ein Übernahmeangebot an die Aktionäre der METRO AG angekündigt. Bei der EP Global Commerce VI GmbH handelt es sich um eine Holdinggesellschaft, die sich im Besitz von Daniel Křetínský und Patrik Tkáč befindet. Das öffentliche Übernahmeangebot umfasst den Erwerb sämtlicher Stamm- und Vorzugsaktien der METRO AG. Zudem beinhaltet das Angebot eine Mindestannahmeschwelle, die sicherstellt, dass nach Vollzug des Angebots ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abgeschlossen werden kann. Allerdings wird das Angebot auch unter der fusionskontrollrechtlichen Freigabe und sonstigen Bedingungen stehen. Der Angebotspreis je Stammaktie beläuft sich auf 16,00 Euro und je Vorzugsaktie auf 13,80 Euro. Die Bieterin hat auch mit der Haniel Finance Deutschland GmbH eine Andienungsvereinbarung geschlossen. Darin verpflichtet sich Haniel, das Angebot für die gut 54,7 Mio. gehaltenen Stammaktien anzunehmen.(ES - 22.6.2019 - 11:00 Uhr)

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KWS SAAT SE

Die KWS SAAT SE hat heute einen Kaufvertrag über den Erwerb des Geschäfts für Gemüsesaatgut unterzeichnet. Das Gemüsesaatgut wird dabei unter der Marke "Pop Vriend Seeds" in mehr als 100 Ländern vertrieben. Bei Pop Vriend Seeds handelt es sich um ein familiengeführtes Unternehmen, das weltweit Saatgut für Spinat, Bohnen, Rote Beete und Mangold anbietet. Das 1956 gegründete Unternehmen erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2017/18 einen Umsatz von rund 75 Mio. Euro. Dabei weist die Gesellschaft jedoch eine überdurchschnittliche Ertragskraft auf. Der Kaufpreis für Pop Vriend Seeds liegt bi etwa 20 % der derzeitigen Marktkapitalisierung der KWS SAAT SE.(ES - 19.6.2019 - 9:00 Uhr)

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Thema der Woche

Ausgabe_25_2019 | 19.06.2019

Im Kaufrausch

Deutscher Übernahmeboom für US-Unternehmen

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Randnotizen

Operativ sind die 279 Real-Märkte längst ein Sanierungsfall, daran ist nichts mehr zu deuteln. Ihr eigentlicher Wert steckt in denImmobilien, die mit 900 Mio. Euro in der Metro-Bilanz stehen. Daher versuchte Metro-Chef Koch immer wieder, die Supermarktkette als Ganzes zu verkaufen, was durchaus Sinn macht. Schließlich beschäftigt Real ca. 34.000 Mitarbeiter. Schon als die real-SB-Warenhaus GmbH nach heftigen Arbeitskämpfen im Juni 2015 den Flächentarifvertrag aufkündigte, war gerüchteweise ein Verkauf ins Spiel gebracht worden. „Man wolle die Braut hübsch machen auf Kosten der Beschäftigten“, hieß es damals von Gewerkschaftsseite. 

Vor einem Jahr war dann die Konzernleitung in die Offensive gegangen und hatte die Verkaufsverhandlungen der angeschlagenen Tochter aktiv betrieben. Mit der Trennung von Real wolle man sich wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren – den Großhandel mit Lebensmitteln. Mit seinem Zeitplan von sechs bis acht Monaten für einen Abschluss hatte sich Koch allerdings unnötig selbst unter Druck gesetzt. Anfangs waren dann wohl auch zwischen zwei und sechs Interessenten im Gespräch. Doch schnell lichtete sich das Feld der potenziellen Käufer. Inzwischen wäre Koch sicher froh, wenn er Real doch noch irgendwie als Ganzes losschlagen könnte. Nun aber wird die Zeit für ihn knapp. Denn sein neuer tschechischer Investor Daniel Kretinsky muss sich bis Juni entscheiden, ob er weitere Kaufoptionen ausüben will oder nicht. Derzeit gehören ihm zusammen mit seinem slowakischen Partner 10,9 % der Metro-Aktien. Allerdings hält er weitere Optionen, mit denen er seinen Anteil auf über 30 % aufstocken könnte. Würde Kretinsky diese Schwelle überspringen, wäre ein Pflicht-Übernahmeangebot an die übrigen Metro-Aktionäre fällig (vgl. ES 29/16). Seine Entscheidung wird er jedoch letztlich auch davon abhängig machen, ob Real nun endlich verkauft wird. Daher muss Koch auf Biegen und Brechen sein Sorgenkind loswerden, das wissen auch die Kauf-Interessenten.

Derzeit führt der deutsche Handelsriese Gespräche mit einem Konsortium um den Immobilien-Investor Redos, der erst vor wenigen Wochen die Verhandlungsrunde verlassen hatte. Nun kehrt Redos an den Pokertisch zurück, und zwar als exklusiver Verhandlungspartner. Redos betreut eigenen Angaben zufolge ein Portfolio von Einzelhandelsobjekten im Wert von rund 2,5 Mrd. Euro an 74 Standorten bundesweit. Daher dürfte der Fokus von Redos wohl auch vornehmlich auf den Real-Immobilien liegen, die in den teureren Innenstadtgebieten liegen. Diese würden dann an den Hamburger Spezialisten für Einkaufszentren ECE sowie Morgan Stanley durchgereicht werden. Redos selbst will die großflächigen SB-Supermärkte betreiben, allerdings unterstützt von der Metro. Sie soll das operative Geschäft noch für drei weitere Jahre als Minderheitsaktionärin mit 24,9 % begleiten. Damit bleibt unklar, was Redos überhaupt mit den Märkten will und ob der Investor diese nach Ablauf der drei Jahre überhaupt alleine weiter betreiben wird. Es könnte also letztlich doch auf eine Zerschlagung der Kette hinauslaufen. In jedem Fall wird es unter dem neuen Eigentümer zunächst eine harte „Kernsanierung“ mit einschneidenden Veränderungen am Geschäftsmodell und der Kostenstruktur geben, was Mitarbeiterentlassungen mit einschließt. 

Egal, was aus Real wird, die Börse interessiert nur, ob es in Kürze zu einem Verkauf der Warenhauskette kommt oder nicht, ob die Metro dabei draufzahlen muss oder nicht und was Kretinsky mit seinen Metro-Anteilen macht. Ebenso spannend ist für die Aktionäre, ob es zu einem Teilverkauf des chinesischen Großhandelsgeschäfts kommt. Gerüchten zufolge schielen die Onlineriesen Alibaba und Tencent auf die chinesische Metro-Tochter. Käme es tatsächlich zu einem Einstieg von einem der beiden Giganten, dann wäre dies ein lukratives Milliardengeschäft. 

Wenn es also Koch gelänge, zumindest einen der beiden Deals umzusetzen, dann könnten die leidgeplagten Metro-Aktionäre endlich mehr als nur den Umtausch von Payback-Punkten aus ihrem Investment rausholen.

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Immer wieder erreichen uns Anfragen von Lesern, wenn diese von ihren Depotbanken ein Informationsschreiben folgenden Inhalts erhalten:

„Wir hatten per (Datum oder Zeitraum) Aktien der oben genannten Gesellschaft in Ihrem Depot verbucht. Gegen diese Ge-sellschaft wurde/wird in den USA eine Sammelklage nach US-amerikanischem Recht geführt. Wir wurden informiert, dass die Gesellschaft die Beilegung der gerichtlichen Auseinandersetzung plant. Betroffenen Anlegern wird deshalb unter bestimmten Voraussetzungen angeboten, Entschädigungsansprüche geltend zu machen (sog. Proof of Claim).“ 

Diesem Text folgt zumeist noch der Hinweis auf einen englischsprachigen Internetlink, über den die Anspruchsberechtigten ein Formular herunterladen können, das ausgefüllt und unter Beachtung bestimmter Fristen eingereicht werden muss, sofern man eigene Forderungen geltend machen will. 

Obwohl vor allem die Privatanleger oft hohe Kursschäden in solchen Papieren zu beklagen haben, unternehmen sie in der Regel nichts, weil sie mit derartigen Schreiben völlig überfordert sind und zusätzliche Kosten befürchten, wenn sie hier tätig werden. Eine Nachfrage bei der Depotbank bringt sie zumeist auch nicht weiter, da diese nur die Informationen des Emittenten weitergeben. Was also ist zu tun?

Bei dem Informationsschreiben handelt es sich zunächst einmal nur um den Hinweis, dass die Möglichkeit besteht, eigene Ansprüche für ein bereits erledigtes oder kurz vor der Erledigung stehende Sammelklageverfahren in den USA anzumelden. Die Sammelklage wird in diesem Fall durch Vergleich (Settlement) beendet. 

Nach amerikanischem Recht ist jeder Anleger automatisch Mitglied der „Klägergruppe“ und hat damit auch einen gleichberechtigten Anspruch auf die Schadenssumme, wenn er zum fraglichen Zeitpunkt Aktien an dem verklagten Unternehmen hielt. Allerdings gilt dies nur dann, wenn er das dafür erforderliche Anmeldeformular (Proof of Claim) zu einem bestimmten End-Datum ausgefüllt an den zuständigen Verwalter in die USA schickt. Dieses Formular wird in der Regel allen Aktionären automatisch zugestellt oder zumindest zugänglich gemacht.

Der Depotinhaber wird also angeschrieben, weil er vermutlich in der Schadensperiode Aktien erworben oder gehalten hatte, die jetzt zum Schadensersatz berechtigen. Der Anleger sollte also auf der angegebenen Website das Anmeldeformular herunterladen, ausfüllen und die Ansprüche noch vor dem angegebenen Fristende beim US-Verwalter (Claims Administrator) anmelden. Hierzu müssen die Käufe und Bestände angegeben und ein Nachweis über den Kauf der Aktien bzw. der ADRs beigefügt werden.

Die Website informiert auch darüber, auf welchem Weg das Formular und weitere Unterlagen eingereicht werden können (postalisch, per E-Mail, über die Bank usw.). Allerdings gibt es keine deutschen Übersetzungen, sämtliche Angaben sind auf Englisch.

Fazit: Die Anmeldung der Ansprüche ist sinnvoll, insbesondere wenn größere Schäden entstanden sind oder Aktien bzw. ADRs mit höherem Volumen gehandelt wurden. Der Anleger bekommt dann – soweit der Anspruch anerkannt wird – nach ca. 12 bis 24 Monaten einen Scheck in US-Dollar über die ihm zugesprochene Schadensersatzsumme übersandt, welchen er bei seiner Bank einlösen kann. Anleger, die von dem Gerichtsurteil profitieren wollen, müssen also lediglich dafür sorgen, dass das Formular „Proof of Claim“ mit allen Aktiennachweisen rechtzeitig ausgefüllt auf den Weg in die USA gebracht wird. Dennoch lohnt bei kleineren Schäden von wenigen hundert Euro zumeist der Aufwand nicht. 

Vorsicht ist allerdings geboten, wenn das Anschreiben die Aufforderung enthält, ein Formular mit der Überschrift „Certification“ auszufüllen und zu unterschreiben. Hierbei handelt es sich um einen Antrag auf Bestellung zum Leitkläger. Der Anleger wäre damit also nicht mehr nur passiver Teilnehmer einer Sammelklage. 

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Nach dem Klimawandel treibt seit Wochen ein neues Thema die Menschen auf die Straße. Vor allem in den Großstädten demonstrieren sie gegen Wohnungsnot und steigende Mieten. In Berlin begann zudem das umstrittene Volksbegehren zur Enteignung von Wohnungskonzernen. Die Initiatoren fordern, dass Unternehmen, die mehr als 3.000 Wohnungen besitzen, enteignet werden. Unterstützt werden sie von der rot-roten Regierung. 

Das hoch verschuldete Land Berlin soll also den Konzernen ihre Wohnungen zwangsweise abkaufen. Dabei verkloppte die Stadt doch selbst erst 2004 ihre landeseigene Wohnungsbaugesellschaft GSW mit 65.700 Wohn- und Gewerbeeinheiten in mehreren Berliner Bezirken. Da die 1924 gegründete Wohnbaugesellschaft damals mit 1,56 Mrd. Euro gegenüber Kreditgebern verschuldet war, wurde sie zum Schleuderpreis von 405 Mio. Euro inkl. einer Kostenpauschale von 4 Mio. Euro an die Finanzinvestoren Whitehall (Goldman Sachs) und Cerberus verramscht. Nach dem Börsengang gingen die Wohnungen 2013 in den Besitz der Deutsche Wohnen über. Heute sind die Wohneinheiten ca. 7 Mrd. Euro wert. Und ausgerechnet die seinerzeit beim Verkauf der GSW in der Regierungsverantwortung stehenden Parteien SPD und LINKE (damals PDS) schreien nun nach Verstaatlichung der Wohnungen. Dabei waren ihnen damals die Folgen ihres Deals mit den als Heuschrecken bekannten Investoren völlig egal. Ihnen ging es nur darum, die Finanzlöcher zu stopfen, die sie selber aufgerissen hatten. 

Für die Wohnungsnot sind also nicht irgendwelche profitgeilen Wohnungskonzerne verantwortlich, sondern Politiker, die von der Marktwirtschaft keine Ahnung haben und dann noch alle Sozialtore für eine unkontrollierte Zuwanderung öffnen. Mit ca. 1,9 Mio. Menschen war die Bundesrepublik mit Abstand europäischer Spitzenreiter. Deutschland nahm drei Mal so viele Asylbewerber auf wie etwa Frankreich und sechs Mal so viele wie die Briten, obwohl bei denen die ungedrosselte Zuwanderung zu den Brexit-Gründen gehörte. 

Dass knapp zwei Millionen Menschen, die nach Deutschland strömen, dann auch ein Dach über dem Kopf benötigen, mag nur unsere Politiker verwundern. Und Ankömmlinge mit wenig Geld beanspruchen natürlich gerade den preiswerten Wohnraum, und zwar in den Ballungsgebieten. Dazu gehören vor allem auch die Großstädte, denn dort gibt es Arbeit und Wohlstand. Daher zieht es auch immer mehr junge Leute aus Deutschland oder anderen EU-Staaten in die Metropolen Berlin, Hamburg, München und Düsseldorf. Und wenn viele Menschen in einigen wenigen Städten leben wollen, dann entspricht es den Marktgesetzen, dass dort die Preise für Immobilien und damit auch für die Mieten steigen. 

Statt mit sozialistischen Enteignungsideen sollte man dieser Entwicklung mit marktwirtschaftlichen Lösungsansätzen begegnen. Doch 30 Jahre nach dem Mauerfall scheint der Sozialismus hierzulande wieder aufzuerstehen. Erst letzte Woche erklärte Juso-Chef Kevin Kühnert, dass er für eine „demokratische Kollektivierung“ großer Unternehmen, wie z.B. dem Automobilhersteller BMW eintrete. Sein Ziel sei eine demokratische Kontrolle über die Verteilung der Gewinne. Und „maximal“ solle jeder nur „den Wohnraum besitzen, in dem er selbst wohnt“. Vielleicht ist Kühnert zu jung und war auch in der Schule keine Leuchte, sonst wüsste er: Auch in der DDR wurden Grund und Boden sowie Immobilien enteignet. Wohnungen waren zwar billig, aber auch völlig runtergewirtschaftet, weil nichts investiert wurde. In der DDR gehörten die Betriebe dem Volk (VEB). Profite wurden trotzdem nicht demokratisch verteilt, weil keine erwirtschaftet wurden. Es herrschte Planwirtschaft, die zu Fehlallokationen und
Mangelwirtschaft führte. Jeder wurde durchs Sozialsystem geschleppt, bis das System kollabierte. 

Wo sind die großen ökonomischen Denker, die Deutschland zu Wohlstand und Ansehen gebracht haben? Es ist eine Schande mit anzusehen, wie Deutschland durch politischen Dilettantismus ungebremst vor die Wand gefahren wird. Dagegen sollten die Menschen heute auf die Straße gehen!

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Redaktionelles

Dieselgate-Anlegerklagen

Wie der ES in seiner Ausgabe 43/2015 berichtete, hatte die Tübinger Anwaltskanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP Litigation) im Oktober 2015 die erste Anlegerklage gegen VW eingereicht. Inzwischen sind auch zahlreiche Verfahren gegen die Porsche Automobil Holding SE anhängig, die in Kooperation zwischen der TILP Litigation und der Kanzlei BROICH geführt werden und in denen auch die Effecten-Spiegel AG als Klägerin auftritt. Sie ist hier jeweils in einer ganzen Gruppe von internationalen institutionellen Klägern, die allesamt von Prozessfinanzierern freigestellt sind.

In den gegen die Porsche SE eingeleiteten Prozessen geht es zum einen um die gescheiterte Übernahme der Volkswagen AG durch die Porsche SE im Jahr 2008 (Kapitalanlegermusterverfahren vor dem OLG Celle), zum anderen um den Komplex Ab-gasmanipulationen (LG Stuttgart). Im letztgenannten Verfahren (Az.: 22 O 348/16) hat das LG Stuttgart am 28. Mai 2018 eine sog. Terminsverfügung erlassen, in der das Gericht umfangreich zu seiner vorläufigen Einschätzung der Sach- und Rechtslage ausführt:

Bislang war das LG Stuttgart noch der Auffassung, der Zeitraum, in dem die Porsche SE den Kapitalmarkt pflichtwidrig nicht über die Abgasmanipulationen und die damit zusammenhängenden Risiken für den Konzern informiert hat, beginne frühestens im Mai 2014. Nun aber dehnt das LG Stuttgart diesen Zeitraum weit nach vorne aus und hält eine pflichtwidrige Desinformation des Marktes ab November 2010 für möglich. Eine „den Kapitalmarkt täuschende Information“ könne nach Auffassung des LG nämlich bereits darin gesehen werden, dass die Volkswagen AG im Rahmen ihres Geschäftsberichts für das Geschäftsjahr 2009 angab, dass ihre „CleanDiesel“-Motoren die Euro-6-Abgasnorm erfüllten, obwohl die Prüfzykluswerte bereits durch die Verwendung der Abschalteinrichtungen dieser Motoren verfälscht worden waren. Die Porsche SE hatte diesen Geschäftsbericht der Volkswagen AG in ihrem Konzernlagebericht 2009/2010 uneingeschränkt übernommen. Nach Auffassung des LG haftet sie daher ggf. wegen „sittenwidriger Schädigung der Kapitalanleger“ ab Veröffentlichung ihres Konzernabschlusses im Bundesanzeiger am 11. November 2010. „Diese deutliche Ausweitung des möglichen Haftungszeitraumes ist nicht nur für die betroffenen Porsche-Anleger eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Rechtsanwalt Andreas W. Tilp, sondern natürlich auch für die geschädigten VW-Anleger. Ihnen müsste auf dieser Grundlage erst recht Schadensersatz wegen
sittenwidriger Schädigung zugesprochen werden. „Derartige deliktische Ansprüche verjähren erst zum 31.12.2018“, so Tilp
weiter.

Gleichzeitig hat das Gericht zur weiteren Aufklärung der Abgasaffäre in seiner Verfügung das Programm für eine umfangreiche Beweisaufnahme ab dem 12. September 2018 bekannt gegeben:

Über 14 Termintage sollen (zunächst) 28 hochkarätige Zeugen vernommen werden. Darunter sind der vormalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadler, der Geschäftsführer des Zulieferers Bosch, Volkmar Denner, sowie die in Untersuchungshaft befindlichen Manager Wolfgang Hatz und Jörg Kerner. Darüber hinaus beabsichtigt das LG Stuttgart, den vormaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dessen damaligen parlamentarischen Staatssekretär und heutigen Bundesverkehrsminister, Andreas Scheuer, als Zeugen zu hören. Eine entsprechende Aussagegenehmigung hat das LG beim Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beantragt. Eine Vernehmung der „Auslandszeugen“ Michael Horn, James Liang und Oliver Schmidt hält das LG ebenfalls für geboten und kündigte daher ein Rechtshilfeersuchen gegenüber den US-Behörden an. 

Das LG Stuttgart beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Ladung der Zeugen, sondern fordert von einigen, konkrete Schlüsseldokumente zum Beweistermin vorzulegen. So soll z.B. Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner ein Schreiben von Anfang Juni 2008 mitbringen, mit dem Bosch von Volkswagen die Freistellung von jeglicher Haftung gegenüber Dritten bei der Verwendung der illegalen Abschalteinrichtungen verlangt haben soll. 

„Die bisherige akribische Arbeit des Richters Dr. Reuschle wird von ihm konsequent fortgesetzt. Bosch, VW und der Porsche SE wird es nicht gelingen, die Wahrheit weiterhin zu leugnen“, so das Fazit der Anwälte. 

Im Übrigen erwartet die TILP Litigation eine entsprechende Verfügung auch in dem von ihr geführten Klageverfahren für die Effecten-Spiegel AG (Az.: 22 O 343/16).

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