Weltweit leben immer mehr Menschen in Städten. Seit 1950 hat sich die Zahl der Menschen, die in einem urbanisierten Umfeld leben mehr als vervierfacht. Dies stellt die wachsenden Metropolen vor Herausforderungen, schafft aber andererseits auch langfristige Investmentchancen.  

Obwohl Städte nur etwa 2 % der Landfläche der Erde einnehmen (entspricht der Fläche von Europa), beherbergen sie mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung und tragen knapp 80 % zur gesamten Wirtschaftsleistung bei. Und sie breiten sich weiter aus: Bis 2030 sollen laut Weltwirtschaftsforum bis zu 5 Mrd. Menschen in größeren Ballungszentren leben. Urbanisierung und Bauboom gehen dabei Hand in Hand. Doch die jahrelange Bau-Offensive bekommt mittlerweile erste Risse. Der Grund: Der Rohstoff Sand, einer der wichtigsten Komponenten für Zement und Co., wird langsam aber sicher knapp. Allein in einem Kilometer Autobahn stecken ca. 30.000 Tonnen Sand. Daher werden mittlerweile ganze Strände abgebaut, um der Nachfrage gerecht zu werden. Denn die dort zu findende Sandart eignet sich einzig zum Bau, Wüstensand ist zu feinkörnig. Die Behörden in Indien und Marokko reden bereits von einer Sand-Mafia. Die UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, schätzt, dass weltweit Jahr für Jahr rund 30 Mrd. Tonnen Sand gefördert werden – gut 7x mehr als Rohöl. „Das ist genug Material, um eine Mauer zu bauen, zwanzig Meter hoch und zwanzig Meter dick, rund um den Äquator“, sagt Dr. Pascal Peduzzi, Director of Science beim Umweltprogramm UNEP.  Damit ist Sand nach Wasser der am meisten gehandelte Rohstoff.

Das Beispiel China verdeutlicht, wie hoch der Verbrauch des Rohstoffes mittlerweile ist. Das Reich der Mitte hat in den vergangenen 20 Jahren mehr Zement verarbeitet als die Vereinigten Staaten im gesamten
20. Jahrhundert. Und der Ausbau geht weiter. Allein das One Belt One Road Project, die Seidenstraße in Eurasien und Südostasien (vgl. ES 48 u. 49/17), dürfte weitere riesige Mengen an Sand und Zement verschlingen. Seit dem Jahr 2000 sind die Preise von Sand, Kies und anderen sog. Zuschlagsstoffen um gut 31 % geklettert – Tendenz weiter steigend.  

Die Nummer 1 weltweit bei Zuschlagsstoffen ist HeidelbergCement (DE0006047004). Der Konzern ist in 60 Ländern mit 60.000 Mitarbeitern tätig und 3.000 Standorten. Seit Januar bewegt sich der Kurs der Heidelberger wieder deutlich aufwärts. Und die Aussichten auf einen anhaltenden Trend sind vielversprechend: 

Der Baustoffriese hat erst Anfang Juli eine Euroanleihe mit einem Volumen von 750 Mio. € platziert. Weil die Solidität des Konzerns sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat, zahlt HeidelCement für den bis 2027 laufenden Bond einen Effektivzins von lediglich 1,23 %. Die Mittel werden auch dafür verwendet, eine Anleihe zu refinanzieren, die im Oktober fällig wird und noch einen Kupon von 8,5 % hat. Das heißt: Heidelberg-Cement wird ab dem 4. Quartal dieses Jahres eine erhebliche Verbesserung des Finanzergebnisses melden. Und auch die aktuellen Zahlen können sich sehen lassen: In den ersten 6 Monaten stieg der Umsatz vor allem dank besserer Geschäfte in Europa um 9 % auf 9,2 Mrd. €. Der operative Gewinn legte sogar um gut ein Fünftel auf 1,45 Mrd. € zu. Unter dem Strich fiel der Gewinn mit 212 Mio. € allerdings gut 43 % geringer aus. Hier drückten Aufwendungen für den Verkauf von Geschäftsbereichen auf das Ergebnis. Bereinigt um diese wäre der Gewinn um 38 % gestiegen. Die Nettofinanzschulden blieben mit 10,5 Mrd. € dennoch weiterhin hoch. 

HeidelbergCement sollten Anleger auf die Beobachtungsliste setzen, zumal jüngst die Short-Positionen deutlich abgebaut wurden. 

Im Nachbarland Schweiz hat sich LafargeHolcim (CH0012214059) zu einem der größten Anbieter von Baustoffen entwickelt. Der 2001 aus der Fusion von Lafarge und Holcim hervorgegangene Konzern befindet sich seit einiger Zeit in Seitenlage. Um für Anleger attraktiver zu werden, haben sich die Schweizer einiges vorgenommen. So will das Unternehmen u.a. die Zementproduktion mithilfe von neuen Technologien effizienter machen. Über die nächsten vier Jahre sollen Automatisierungstechnologien, Robotik sowie Künstliche Intelligenz in insgesamt über 50 Ländern eingeführt werden. Dafür hat der Zementriese 30 Pilotprojekte in verschiedenen Regionen gestartet. U.a. sollen in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Start-up Flyability Drohnen eingesetzt werden, die an besonders riskanten Stellen innerhalb des Werks Kontrollen durchführen. Dadurch könnten Inspektionen häufiger und kosteneffizienter durchgeführt werden. Vom „Plants of Tomorrow“-Programm verspricht sich der Konzern eine operative Effizienzsteigerung von 15 bis 20 % pro Anlage. 

Darüber hinaus verdichten sich aktuell die Gerüchte, dass die Schweizer in das Bieterrennen um die Bauchemiesparte von BASF einsteigen. Die Schweizer konkurrieren mit unterschiedlichen Finanzinvestoren wie Bain Capital und Cinven. Aber auch andere Unternehmen, die bereits im Bauchemiegeschäft aktiv sind, seien unter den Wettbewerbern. Der Bereich hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,4 Mrd. € eingebracht. 

Doch auch ohne Neuzugang kann sich LafargeHolcim im hartumkämpften Baugeschäft behaupten: Zwar gingen die Erlöse von Januar bis Juni leicht um 1,6 % auf 13,1 Mrd. CHF zurück. Doch der Nettogewinn konnte sich mit 1,1 Mrd. CHF fast verdreifachen. Dazu beigetragen haben u.a. deutlich niedrigere Kosten und das Sparprogramm. Auch beim Schuldenabbau kommt der Konzern laut eigener Aussage besser voran als erwartet. Diese beliefen sich per Ende Juni auf 11,34 Mrd. CHF. 

LafargeHolcim bleibt ein gutes Depot-Fundament. Halten.  

Hierzulande eher unbekannt ist das US-Unternehmen Vulcan Materials (US9291601097). Dabei ist der Hersteller von Kies, Schotter und Sand einer der größten seiner Art in Nordamerika. Insgesamt 375 Bergwerke gehören zum Portfolio des Konzerns. Von April bis Juni förderte der Konzern Erlöse in Höhe von 1,33 Mrd. $. Im Vorjahr hatte Vulcan Materials noch einen Umsatz von 1,20 Mrd. $ generiert. Wachstumstreiber war erneut die wachsende Nachfrage aus der Industrie. Das bereinigte Ebitda belief sich im Berichtszeitraum auf 372,0 (324,8) Mio. $. Und auch nach Steuern erzielte das Unternehmen aus Alabama mit einem Ergebnis von 197,6 (159,7) Mio. $ deutlich mehr. Das Wachstum dürfte zudem weiter anhalten, denn ähnlich wie hierzulande haben die Vereinigten Staaten lange Zeit verpasst, in die Infrastruktur zu investieren. Brücken, Straßen und Schulen müssen dringend erneuert werden. Derzeit streiten sich Demokraten und Republikaner noch über das nationale Infrastrukturprogramm. Die jüngste Einigung im Haushaltsstreit dürfte allerdings als ein erstes versöhnliches Signal zu werten sein. Doch auch ohne Washington ist der Konzern gut positioniert. Allein zehn Bundesstaaten haben in den vergangenen Jahren eigene Infrastrukturgesetze verabschiedet. Der Auftragseingang sollte demnach für die nächsten Jahre gesichert sein.  

Kursseitig ist Vulcan Materials eine wahre Perle. Seit Januar hat sich der Kurs um rd. 40 % aufgestapelt, und bisher ist kein Ende in Sicht. Investoren sollten daher an schwachen Tagen zuschlagen und einige Stücke ins Depot einbauen. 

Ebenfalls stark auf dem Nordamerikanischen Markt vertreten ist die irische CRH (IE0001827041). Laut eigener Aussage ist das Unternehmen hier sogar der größte Anbieter von Baumaterialien. U.a. finden sich die Materialien der Iren im berühmten Mercedes Benz-Stadion in Atlanta, in welchem der letztjährige Super Bowl stattfand. Aber auch weltweit ist CHR in insgesamt 32 Ländern auf 5 Kontinenten vertreten. Damit erzielte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr einen um 6 % auf 26,79 Mrd. € verbesserten Umsatz. Das Ebitda legte um 7 % auf 3,37 Mrd. € zu. Unter dem Strich baute CRH seinen Gewinn sogar um ganze 31 % auf 2,52 Mrd. € auf. Am 22. August präsentieren die Iren ihre Zahlen zum 1. Halbjahr, auch diese werden durchaus positiv erwartet. Um im hartumkämpften Baugeschäft weiter Wachstum verzeichnen zu können, stellt sich der Konzern derzeit neu auf und hat dazu sein europäisches Vertriebsgeschäft für einen Unternehmenswert von rd. 1,6 Mrd. € in bar an den Finanzinvestor BlackStone verkauft. Die Transaktion muss noch von den Behörden genehmigt werden. Für Anleger sollte sich ein Einstieg lohnen.

Die Urbanisierung hält an. Die Verknappung von Rohstoffen wie Sand ist dabei nur eine Folge von vielen. Langfristig orientierte Investoren können sich mit Baustoffproduzenten erste Stücke vom Megatrend-Kuchen sichern. 

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